Es war schön, meinem Vater zuzuhören. Ich lag einfach da lauschte seiner wundervollen dunklen Stimme und folgte dem Rhythmus seiner Worte. Auch sie verformten sich sich zu Mustern und Formen, währen ich in das unendliche Blau des Maihimmels starrte. Dieses Blau so intensiv und tief, das ich das Gefühl hatte, mich darin zu verlieren, wenn ich direkt nach oben sah.

"Sie sind doch Secretary Hank McCoy oder?", sagte jemand hinter uns.
Erschrocken fuhr ich herum und setzte mich auf.
Ich war so in Gedanken gewesen, hatte so intensiv gelauscht, dass ich gar nicht mitbekommen hatte, dass ein junger Mann und ein Mädchen zu uns über die Wiese gekommen waren.
Ängstlich sah ich die beiden an.
Die Worte des Jungen hatten eigentlich ganz schön bewundernd geklungen.
Nicht eine Spur von Ablehnung oder dergleichen.
"Ja der bin ich, das ist übrigens meine Tochter Jeanna..", er lächelte freundlich, "und wer seid ihr?"
Der Junge erinnerte mich entfernt an Mike, was sicher daran lag, dass er ebenfalls nordische Vorfahren hatte.Er lächelte uns an und ich sah verlegen in den Rasen.
Ein so unglaublich niedlicher Junge und ich sah aus wie ein Tier.
Das war wirklich unfair.
"Robert Drake, Sir", sagte er förmlich und gab meinem Vater die Hand.
Das Mädchen war kleiner und wohl etwas jünger als er- beide, vermutete ich wage, mussten Schüler im Highschool- Alter sein.
Sie war ebenfalls ziemlich hübsch und hatte lange Haare, die braun waren, bis auf eine auffällige Weise Strähne und schöne, große, braune Augen
"Marie", sagte sie etwas zögernd, lächelte schüchtern und setzte sich direkt vor mir ins Gras.
Ängstlich rückte ich näher zu meinem Vater.
Ich musterte sie.
Trotzt des wunderschönen Frühlingswetters zeigte das Mädchen kaum Haut.Ja sie hatte sogar Handschuhe an. Zwar waren es keine Winterhandschuhe sondern zarte, seidene- aber immerhin schien sich ihre Schüchternheit eher auf meinen Vater denn auf unser Aussehen zu beziehen.
Denn sie sah mich ziemlich offen und ein wenig neugierig an. Ich bekam feuchte Hände.
"Wirst du auch hier zu Schule gehen?", fragte sie.
Panisch sah ich meinen Vater an. Was sollte ich denn antworten?
Er zwinkerte mir aufmunternd zu und sagte :"Ich glaube, du bist noch ein wenig unentschlossen, oder?"

Ich nickte langsam und unsicher.
"Es ist wirklich klasse hier!" sagte Robert und grinste Marie verliebt an, dann kniete sich hinter das Mädchen.Wenn diese beiden nichts am Start hatten, wer dann?Na klar, er war niedlich sie war hübsch- warum auch nicht...? Momentan hatte ich allerdings keinen wirklichen Nerv dafür.
Mein Herz pochte immer noch bis zum Hals.

Wie sollte ich mich überhaupt verhalten?

Hank sah die beiden nachdenklich an, so als würde er etwas ausbrüten.
Dann sah er mich an.
"Du hast ja noch nicht viel von der Schule gesehen, oder?", fragte er.
Schweigend und ohne ihn aus den Augen zu lassen schüttelte ich den Kopf.

Was zum Henker hatte er vor?

"Habt ihr Lust und Zeit, meiner Tochter die Schule zu zeigen?", wand er sich an die beiden.
Ich sah ihn entsetzt an und formte ein lautloses, hilfloses "NEIN"
"Aber sicher doch, immer", antworte der Junge erstaunlich schnell und bereitwillig. Offensichtlich ignorierte er meine Panik total- oder?
Er half seiner Freundin aufzustehen.
"Es wird dir sicher gefallen", sagte er freundlich zu mir.
"Das ist nicht dein Ernst, oder?", fragte ich meinen Vater mit weit aufgerissenen Augen.
Ich konnte nicht glauben, dass er mir das antun wollte.
Mein ganzer Körper zitterte.

"Weißt du, Jeanna, manchmal ist es wichtig und notwendig, gleich wieder aufzustehen und sich in den Sattel zu setzten. Beim Fahrradfahren zum Beispiel", sagte er leise und lächelte Dann fügte er lauter hinzu: "Du musst ja nicht die ganze Zeit mit mir zusammen hocken"
Sein Blick war unmissverständlich.
Er wollte wirklich, das ich mit ging...
Ich war verwirrt. Warum wollte er das?Wie kam er auch nur auf die Idee? Wollte er mich etwa loswerden? Das war ungefähr das Entsetzlichste, was ich mir vorstellen konnte.
War ihm nicht klar, das es zu früh war? Viel zu früh...
Quälte er mich absichtlich?
"Kommst du?", fragte Marie und drehte sich zu uns um.
"Na Hopp", mein Vater machte eine eindeutige Kopfbewegung, dass ich ich ihnen zu folgen hatte.
Ich wollte keine Szene machen-nicht vor denen. Was würden sie von mir denken-
Unglücklich stand also ich auf.
Das heißt nach wenigen Sekunden wurde mir klar, dass das ja etwas war, was nicht wirklich ging. Ich sackte zusammen und sank auf meine Hände.
Verzweifelt und wütend, dass er mir nicht einmal den Hauch einer Wahl gelassen hatte, hoppelte ich den beiden hinterher.

Die beiden nahmen mich in die Mitte."Wieviel hast du denn schon gesehen?"
"Nicht allzu viel", antwortete ich wage.
"Naja", Robert deutete auf einen Platz hinter einer halbhohen Hecke, dort ist unser Basketballplatz.
"Auf der anderen Seite ist der Swimmingpool, du kannst von hier aus sogar den Sprungturm sehen..."
"Der Pool ist echt schön und ziemlich gross ", fügte Marie stolz hinzu."Olympia-tauglich. Wir haben auch noch ein kleines Schwimmbad im Haus- für den Winter, aber das ist nichts dagegen..."

Der Junge sah seine Freundin fragend an.
"Wir fangen am besten im Haus an, oder was denkst du, Rogue?"
Sie nickte zustimmend.

Ich fand, es war ein ziemlich ungewöhnlicher Kosename, aber ich wagte nicht danach zu fragen...Also bekam ich wirklich eine ausführliche Führung durch das Anwesen.
Einiges erinnerte ich noch gut vom Februar.

Natürlich geschah genau das, was ich am meisten an dieser Führung fürchtete.
Wir trafen jede Menge Schüler.
Leider war es nur allzu sichtbar, wie unsicher und ängstlich ich war.
Zu meinem Erstaunen wurde ich aber gar nicht angestarrt, jedenfalls nicht so, wie ich es befürchtet hatte. Es war eher Neugier als erschrockenes Glotzen.
Ja und ich muss es zugeben, ich war eher die, die starrte.
Ganz zufällig geschahen die unglaublichsten Dinge...so beiläufig, als wäre es hier ganz normal.

Natürlich blieb meine höchst eigenartige Reaktion, meinen beiden Führern nicht verborgen.
Ich fragte mich, was sie wohl von mir dachten.
"Wo bist du eigentlich vorher zur Schule gegangen?", fragte Marie schließlich etwas verwundert, "In Washington?"

Ich sah sie unsicher an.

Was sollte ich denn darauf antworten?
"Nein", sagte ich wahrheitsgemäß und atmete hörbar aus, "In New Jersey"
Das Mädchen sah mich erschrocken an."In einer normalen Schule und alles?"
"Hm...ja...schon", antworte ich zögernd.
Ich wollte wirklich nicht hier und nicht jetzt ausführen, dass ich, als ich das letzte mal meine Schule betreten hatte, weitestgehend normal ausgesehen hatte.

Also musste schnell etwas her, um Marie von eventuellen weiteren Fragen abzubringen.
"Ihr seid doch bestimmt nicht ohne Grund hier, oder? Habt ihr auch irgendwelche tolle Fähigkeiten?", Ich grinste ziemlich dümmlich.
Das war wohl die beknackteste Frage die man auf einer Mutantenschule stellen konnte!

Der erste Preis für die dümmste Frage, die je am Xavier Institut gestellt wurde, geht dieses Jahr an...

Als ich merkte, was ich da eigentlich gerade herausgebracht hatte, hätte ich mich am liebsten selbst geohrfeigt.
Die beiden wechselten einen Blick, den ich durchaus nachvollziehen konnte.
"Naja, man nennt mich nicht umsonst Iceman", sagte Bobby und formte quasi aus dem Nichts ein hübsches glattes durchsichtiges Ei aus Eis und legte es in meine grossen Hände.
Er sah mir direkt in die Augen und lächelte mich an. Vorsichtig erwiderte ich das Lächeln.
"Wow, das ist wunderschön!", rief ich erstaunt. Irgendwie hatte ich bei ihm mit allem gerechnet- und dann tat er so etwas nettes...Irgendwie konnte ich schon verstehen, was Marie an ihm fand.

Er war wirklich,wirklich wunderhübsch. Besonders wenn er so bezaubernd offen lächelte.
"Ach, das ist noch gar nichts", sagte das Mädchen.
Marie holte mich auf den Boden der Tatsachen zurück.
Sie grinste ihn verliebt von der Seite an.
"Er kann soooo tolle Sachen..."
"Und du?", fragte ich sie.
Ihr Lächeln fror ein.Sie liess die Arme sinken und sah ein bisschen frustriert aus.
"Tja", sagte sie endlich verlegen, "- wenn ich jemanden berühre...dann absorbiere ich ihn...seine Erinnerungen, seine Persönlichkeit-so etwas...Meistens bekommt das den Leuten nicht besonders gut-"
Sie sah nicht allzu glücklich darüber aus.
"Immer?", fragte ich erschrocken.
"Naja-" Sie sah Bobby an.
"Ich arbeite halt an einer besseren Kontrolle, derzeit."
Ich schluckte.
Wirklich NIEMALS Jemanden zu berühren, ohne gleich alles aufzusaugen, was ihn ausmachte und wenn es nur für eine Weile war, hörte sich nicht besonders erstrebenswert an.

Wie konnte überhaupt eine richtige Beziehung zwischen den beiden funktionieren? Ich hatte absolut keine Idee-aber es konnte ja nicht allzuviel körperliches sein...
Das erste Mal, seit dem ich hier war, hatte ich eine wage Ahnung, dass ich nicht die Einzige mit einem echten Problem war.
Bisher hatte ich immer gedacht, alle anderen wären eigentlich nur beschenkt. Das ihre Fähigkeiten auch irgendwelche Nachteile haben könnten - auf die Idee war ich gar nicht gekommen.
Ich kam mir ein bisschen dumm vor.

"Lasst uns doch einen Kaffee trinken gehen, die Cafeteria hast du ja auch noch nicht gesehen", sagte Marie schnell und riss mich aus meinen Gedanken.

"Eine Gute Idee", ich besah mir meine gereizten Fingerknöchel, die neue Belastung nicht gewöhnt waren.
Wir gingen den Gang hinunter und landeten schließlich im Speisesaal.
"Wartet mal", sagte Bobby und blieb vor dem Automaten mit den Süßigkeiten stehen. "Ich will mir nur kurz mal was holen"
"Muss das sein?"fragte Rogue entnervt und verschränkte die Hände vor der Brust. " Ich dachte wir wollten Kaffe trinken gehen..."
"Ist für später", erklärte Bobby und zog seine Börse aus der Tasche öffnete sie und fischte nach Kleingeld, dabei fiel ein 25 Cent Stück direkt vor vor meine Füße. Natürlich wollte ich es aufheben aber ich hatte vergessen, dass ich ja Krallen hatte und so bekam ich es nicht aufgehoben. So sehr ich es auch versuchte. Ich war vollkommen verzweifelt und kam mir richtig gehend hilflos vor. Verzweifelt bemühte ich mich darum das blöde Geldstück aufzulesen.
Wie sollte ich mit diesen Dingern überhaupt irgendetwas bewerkstelligen, wenn ich nicht einmal so ein blödes Geldstück aufheben konnte?
Die beiden wechselten erneut einen bedeutungsvollen Blick und Bobby kniete sich hin um das Geldstück selbst aufzuheben.
Sein Kopf war ganz dicht vor meinem und er sah mich an, als ob er eigentlich etwas sagen wollte- aber offensichtlich überlegte er es sich im letzten Moment anders.

Er steckte den Vierteldollar in den Automaten und warf ein weiteres hinterher. Polternd fiel ein Schockoriegel in den Schacht.
Unglücklich sah ich die beiden an. Bestimmt dachten sie ich war blöd oder so. Nicht einmal ein blödes Geldstück konnte ich aufheben...

Natürlich war das Institut mit einer dieser neuen Pad-Maschinen ausgestattet, die beinahe alle Arten von Heißgetränken zubereiten. Die Tassen standen jedoch im Regal darüber.
Ich zog mich also am Tresen auf meine beihnahe volle Größe von gerade mal 51 und versuchte mir einen Becher oder Tasse zu angeln. Aufgrund meiner Haltungs- Probleme und meiner Größe, konnte ich nicht einmal die unterste Tassen berühren.

Marie reichte mir endlich eine Tasse herunter, als sie genug von meinen verzweifelten Bemühungen hatte.
"Übrigens bin ich mir sicher, das niemand sich beschwert, wenn du einfach mal deine Fähigkeiten einsetzt", meinte sie beiläufig, lächelte ein wenig befremdet und stellte ihre eigene Tasse in die Maschine. Langsam lief ihr Milchkaffee ein.
"Ha-ha", antwortete ich grummelnd.
Was sollte das denn heißen? Sollte ich etwa das Regal so lange zu quatschen, bis es freiwillig eine Tasse herausfallen ließ?
Reden konnte ich ja schon immer gut.

Für mich bedeutete die Tasse mit meinem Cappuccino zum Tisch zu bekommen, durchaus ein bisschen Körperbeherrschung, aber ich schaffte es- wider erwarten- tatsächlich ohne Fußbad auf der Untertasse zum Tisch.

"Wie finde ich denn jetzt eigentlich meinen Vater wieder?", fragte ich Bobby hilflos.
"Ach, verloren gegangen ist hier-soweit ich weiß- noch keiner", er grinste und biss von seinem Donut ab,"vielleicht in seinem altem Zimmer?"
"In seinem was?", fragte ich erstaunt.
"Naja, er ist doch quasi einer der Orginal X-Men...", antwortete Bobby etwas irritiert.
"Da hatte er natürlich auch mal ein Zimmer hier-"

Was waren denn bitteschön X-Men?

Ich hatte absolut keine Idee, was das sein könnte, aber wirklich nachfragen wollte ich dann auch nicht.
Ich hatte mich heute schon genug blamiert.
"Kay", antwortete ich also nur und nippte an meinem Cappuccino.

Ein großes Tier lief in die Cafeteria.
Unter andere Umständen- zum Beispiel in einem Wildpark-hätte ich vermutet, es sei ein Wolf.
Aber in einer Schule war dies doch völlig unmöglich-außerdem war das Tier nicht gerade Wolfstypisch gefärbt-nämlich rotbraun. Also vermutete ich, es sei ein großer Hund.
Ein asiatisches Mädchen stolperte hinter ihm her und gestikulierte wild.
"Rahne - verdammt!"
Frustriert liess das Mädchen schließlich die Arme sinken.
"Oh...ihr habt einen Hund in dieser Schule?", fragte ich ganz verzückt.

Ich hatte früher immer einen haben wollen, am liebsten einen großen Schäferhund oder einen Retriever, aber meine Mutter war immer dagegen gewesen. Daher hatte ich Sues ChowChow Bella adoptiert. Wann immer ich bei Sue und ihren Brüdern zu Besuch war, lag Bella zu meinen Füßen und ließ sich von mir kraulen.
Wir gingen oft gemeinsam mit Bella in den Park und quatschten stundenlang, während Bella mit uns tobte.
Marie jedoch, machte gerade ein ziemlich gequältes Gesicht.
Hatte ich etwas falsches gesagt?
"Das würde ich jetzt nicht so sagen - Hund ist glaube ich nicht gerade die Bezeichnung die Rahne gerne hört..."

„Gerne hört?", fragte ich vorsichtig und zog ein Augenbraue in de Höhe.
Der "Hund" war auf uns zugelaufen, stoppte vor dem Tisch und verwandelte sich zu meinem allergrößten Erstaunen direkt vor unseren Augen in ein rothaariges Mädchen.
"Genau"
Ich starrte sie erschrocken an. Wie war den das möglich?Sowas konnte es doch nun echt nicht geben, oder?
"Wo..Wolf...?" stotterte ich und schluckte.
Das Mädchen aber war mindestens ebenso schockiert über mich, wie ich über sie.
Alle Farbe war ihr aus dem Gesicht gewichen, als sie realisiert hatte, wer sie gerade als Hund bezeichnet hatte.
Sie machte drei Schritte rückwärts.

"Ja...ühm...ich geh dann mal wieder...", sagte sie verlegen drehte sich panisch um und lief davon.
Ich starrte ihr hinterher.
„Ich glaube, in ihrer Familie gehen alle Rückwärts..", Bobby grinste
"Jetzt erzählt mir nicht, dass sie ein Werwolf ist", stammelte ich – immer noch vollkommen erstaunt und überascht.

"Nein", antwortete Marie gelassen und nippte an ihrer Tasse,"Gestaltwandler...aber das Ergebnis ist ziemlich ähnlich, denke ich - Naja, zumindest fällt sie keine Leute bei Vollmond an"
"Oh...wow, ganz schön gruselig..", gedankenverloren sah ich in die Richtung, in die sie verschwunden war.
Bobby und Marie wechselten mal wieder einen erstaunten Blick.
Ich brauchte einige Sekunden um zu begreifen, warum sie sich diesmal so seltsam ansahen.
Augenblicklich schoss mir das Blut in den Kopf.
Sie hatten ja recht.

Vermutlich war ich die letzte, die solche Sprüche bringen sollte