4.10 – What you give You get back

What You Give You Get Back

What you give, you get back
As long as I can think I've been
Running to be free
There's not a place that could have been too far
Had nothing but a bag of dreams
And this old guitar
A couple of songs to play for you an me
There's so much love inside of me
That wants to be released
I can't help it so I give it all away
What you give you get it back
So take my love just because it's all I have
Take my heart take my soul
I just never want it back
As long as I've been living
I've had music in my veins
I can't go on without it anymore
My suitcase is a wanderer
That takes me I believe
For a walk right across your heart
There's so much love inside of you
That wants to be released
And all you gotta do is let it go
What you give you get back
So take my love just because it's all I have
Take my heart take my soul
I just never want it back
Cause the love you give, is the love you'll get
There's so much love inside of me
That wants to be released
I can't help it so I gave it all away
What you give you get back
So take my love just because it's all I have
What you give you get back
So take my love just because it's all I have
Take my heart take my soul
I just never want it back
Cause your love, your love is all I have
All I have
Love is all we have
All I have

Als Kind sind man noch nicht, dass man etwas geben muss, um dann auch etwas zurückzuerhalten. Es erscheint einem, als ob alles kostenlos ist. Doch dann wird man erwachsen und jemand erzählt einem, dass nichts umsonst ist. In dieser Situation kann man sich trotzig gegen die Regel auflehnen (George sieht Callie auf dem Flur und verschwindet um eine Ecke) oder man kann versuchen, es sich so zurecht zu biegen, bis einem die Regel gefällt (Izzie trifft im Bad auf Alex). Doch auch wenn man alles so zurecht gebogen hat, wie man es gerade braucht, so ändert es nichts an der Tatsache, dass man stets auch etwas von sich hergeben muss (Meredith und Derek stehen im Aufzug schweigend nebeneinander

Büro von Chief Webber

„Hast du eine Ahnung, wieso uns der Boss hat zusammenrufen lassen?" wandte Mark seine Frage an Derek, der ihm am nächsten stand von all den Assistenzärzten, die sich in Chief Webbers Büro versammelt hatten und neugierig darauf warteten, was der Chef zu verkünden hatte.

Derek zuckte mit den Schultern. „Keine Ahnung. Vielleicht will er uns mitteilen, dass er sich nun doch entschlossen hat, weiter der Chef der Chirurgie zu bleiben."

Auf Mark's Gesicht erschien ein amüsierter Ausdruck. „Du warst wohl nicht so interessiert? Ich habe es läuten hören, dass er dich gerne als seinen Nachfolger gesehen hätte", fuhr er fort, als er Derek's fragenden Blick sah.

„Das ist hier weder der richtige Ort noch der richtige Zeitpunkt", raunte ihm Derek zu.

„Psst!" zischte Cristina zu den beiden rüber. „Wer tuschelt, der lügt."

Izzie wippte von einem Fuß auf den anderen und unterdrückte ein Gähnen, was Alex gleich mit einem Grinsen quittierte.

George schaute nervös auf die Uhr. Schon 20 Minuten waren vergangen, seitdem Dr. Bailey sie aufgefordert hatte, sich in Chief Webbers Büro zu versammeln. Doch seitdem hatte sich noch nichts getan.

Callie zog die Stirn in Falten. „Was denkt der sich eigentlich", stieß sie missmutig hervor. „Ich habe Patienten, die auf mich warten!"

Alle nickten, während allgemeines Gemurmel zu hören war.

Plötzlich ging die Tür auf, und alle Blicke richteten sich auf Meredith, die mit einem verlegenen Lächeln in den Raum schlüpfte. „T'schuldigung", murmelte sie. „Habe ich was verpasst?"

Alex schüttelte den Kopf. „Nein, du bist eher zu früh", erwiderte er trocken.

Die Tür öffnete sich erneut und Dr. Webber betrat mit Dr. Bailey und einer attraktiven, dunkelhaarigen Dame an seiner Seite, den Raum. „Darf ich ihnen ihre neue Kollegin vorstellen?" Er wies mit einem Lächeln zu der langhaarigen Schönheit hinüber. „Dr. Janet Evans", stellte er sie mit sachlichem Ton vor. „Dr. Evans wird von nun an die Leitung der Neonatalabteilung übernehmen", erklärte er. „Wir sind sehr glücklich, dass wir in ihr eine Nachfolgerin für Dr. Mongomery gefunden haben. Dr. Evans war leitende Ärztin der Neugeborenen-Intensivstation im Boston Medical Center." Er räusperte sich, bevor er sich an Dr. Evans wandte. „Darf ich ihnen den Ärztestab des SGH vorstellen..." Er wies zu jedem einzelnen und nannte deren Namen.

Mark konnte gerade noch ein "Wow!" unterdrücken, dass ihm auf den Lippen lag. Mit einem breiten Grinsen und unverhohlener Neugier scannte er jeden Zentimeter von Janet Evans wohlgeformter Gestalt ab.

Derek stieß ihn vorsichtig in die Seite. „Hey, benimm dich!" raunte er ihm zu. Im Gegensatz zu Mark, beeindruckte ihn Janet Evans äußere Erscheinung weniger. Er registrierte sehr wohl, dass sie eine äußerst attraktive junge Frau war und sie vermutlich jeden Schönheitswettbewerb gewinnen würde, den das Krankenhaus einmal ausschreiben würde. Sie war hochgewachsen, schlank, mit den richtigen Rundungen an den passenden Stellen, hatte lebhafte, dunkelbraune Augen und seidig glänzende dunkle, wellige Haare, die sie als kunstvollen Knoten nach oben gesteckt hatte. Ihr Händedruck war sanft und doch fest. Obwohl man ihre Beine unter dem Ärztekittel nicht sehen konnte, war sich Derek sicher, dass sie lang, braungebrannt und wohlgeformt waren. „Willkommen im Team, Dr. Evans!" sagte er und lächelte sie an.

Im Krankenhaus

Schlecht gelaunt betrat Izzie das Schwesternzimmer, wo sich Schwester Debbie und eine Lernschwester gerade eine Tasse Kaffee genehmigten und in ein Gespräch vertieft waren. Die beiden grüßten freundlich, als sie Izzie eintreten sahen.

„Hey, Izzie, wie geht's? Auch einen Kaffee?" Debbie wies zur Kaffeemaschine hinüber.

Izzie lächelte gezwungen. „Nein danke, ich suche nur eine Patientenakte. Ich dachte, sie wäre vielleicht hier."

Debbie schüttelte den Kopf. „Nein, hier sind keine Akten. Vielleicht schaust du mal auf einer anderen Station nach." Sie wandte sich wieder der anderen Schwester zu. „Wo war ich stehen geblieben ... Ach ja, die neue und Dr. Karev ..." Sie unterbrach sich und begann albern zu kichern.

Izzie war im Begriff gewesen, das Schwesternzimmer zu verlassen, doch bei der Erwähnung von Alex' Namen blieb sie wie angewurzelt stehen.

„Ich habe ja schon immer gesagt, attraktiv und attraktiv gesellt sich gern", fuhr Debbie munter fort. „Und ich gebe dir Brief und Siegel, dass er auch bei ihr nichts anbrennen lässt." Sie lachte. „Er ist schon ein Glückspilz. Erst Dr. Montgomery und nun diese Evans." Sie rollte mit den Augen.

Izzie verspürte einen Stich in der Magengegend. Langsam drehte sie sich zu den Frauen um. „Was ... was war denn zwischen Dr. Montgomery und Dr. Karev?" fragte sie mit belegter Stimme.

„Das weißt du nicht?" fragte Debbie überrascht. „Ach ja ..." Sie tippte sich an die Stirn. „Ich vergaß, du warst ja anderweitig beschäftigt ..." Sie zwinkerte ihr zu.

Izzie wünschte sich, dass sich augenblicklich der Boden unter ihr auftun und sie verschlingen möge. Sie wusste das Debbie, die Klatschbase des Krankenhauses, auf ihr Techtelmechtel mit George anspielte. Anscheinend konnte man in diesem Krankenhaus nicht lange Geheimnisse für sich behalten.

„Okay, ich sehe schon. Du hast wirklich keine Ahnung." Debbie wies grinsend zu einem der Wäscheräume hinüber. „Da hinten haben sie es miteinander getrieben", gab sie schonungslos Auskunft. „Und Dr. Sloan, der Arme, musste es auch noch mit ansehen."

Izzie war froh, die Tür in ihrem Rücken zu spüren. Ansonsten hätte sie wohl das Gleichgewicht verloren und wäre der Länge nach hingeschlagen. Sie kämpfte gegen das Gefühl der Übelkeit an, dass sich langsam in ihr breit machte. Wortlos drehte sie sich um und verließ den Raum. Während sie wie betäubt den Flur entlangging beherrschte sie nur ein Gedanke: Alex hatte mit Addison eine Affäre gehabt, und nun musste er wieder für die attraktivste Frau des ganzen Krankenhauses arbeiten.

Sie beschleunigte ihre Schritte, als sie spürte, dass sie es nicht mehr lange schaffen würde, die Tränen zurückzuhalten. Sie steuerte auf den nächsten Wäscheraum zu und schlüpfte hinein. Es war ihr in diesem Moment egal, dass es der Raum war, in dem Alex und Addison Sex gehabt hatten. Schluchzend ließ sie sich an der Wand hinab gleiten und bedeckte ihr Gesicht mit den Händen.

Im Krankenhaus

Derek stand etwas teilnahmslos zwischen Janet und Mark. Sie lachte schon wieder herzhaft über einen, von ihm nicht als Witz gemeinten Ausspruch und griff nach seinem Unterarm. Auf seiner linken Seite schoss Mark Pfeile nach ihm, da er sich wohl für die neue Kollegin interessierte, was für Derek nicht wirklich nichts Neues war. Als Janet sich beruhigt hatte, lächelte er sie höflich an und deutete Alex, der ihm gegenüber stand, an, sie endlich weiter durch das Krankenhaus zu führen. Doch Alex sah ihn noch genervter an, als Derek sich fühlte. Er hatte Patienten und er wollte Meredith fragen, ob sie ihm bei einer Craniotomie assistieren wollte und fürchtete so langsam, dass sie anderweitig eingeplant wurde.

„Vielleicht können wir heute zusammen Mittag essen, Dr. Shepherd?" Riss die wohlklingende Stimme von Janet, Derek aus seinen Gedanken.

„Was? Oh, nein. Das wird nicht gehen. Ich habe einen dicht gepackten OP Plan und ich habe auch schon jemand, mit dem ich zum Mittagessen verabredet bin." Derek sah zu Meredith hinüber, die ihm zusammen mit Cristina und Izzie verärgert anfunkelte. „Aber Mark hat noch nichts vor." Er schob jetzt Mark zwischen sich und Janet in der Hoffnung, dass sie so wie jede andere Frau auf ihn reagieren würde.

„Das ist richtig. Ich könnte auch die Tour durch das Krankenhaus weiter fortführen." Mark grinste sie jetzt verheißungsvoll an, doch sie schien noch nicht wirklich von Mark überzeugt zu sein, da sie weiterhin ihre Augen auf Derek hielt.

„Und wo wir schon mal dabei sind." Alex sah genervt auf die Uhr. „Wir sollten weiter machen." Jetzt deutete er auf den Gang, der zur Kinderintensiv führte. Janet sah ihn etwas gelangweilt an, nickte aber doch den Kopf.

„Ja, damit wir endlich fertig werden. Dr. Shepherd, wir sollten das Mittagessen aber unbedingt nachholen." Sie lächelte ihn an und er nickte ihr höflich zu, während er in seinem Kopf schon einmal die passenden Ausreden parat legte.

Cristina, Izzie und Meredith standen an den Tresen der Schwesternstation gelehnt und beobachteten mit einem verbissenen Gesichtsausdruck wie Janet mit Derek, Mark und Alex redete. Während Meredith etwas unruhig von einem Bein auf das andere stieg, stand Cristina mit geballten Fäusten neben ihr und Izzie hatte ihre Arme vor der Brust verschränkt. Mit einem kleinen Abstand zu den drei, versuchte George sich nicht in das Kampfgebiet zu begeben. Stattdessen verhielt er sich so ruhig wie möglich, während er sich durch ein Krankenblatt las.

„Da, schon wieder." Meredith deutete auf Janet, die ihre Hand auf Dereks Arm gelegt hatte und herzhaft über etwas lachte. „Muss sie ihn ständig betatschen? Und ich kenne Derek. So lustig ist er auch wieder nicht."

„Du kicherst auch ständig, wenn er was sagt." Entgegnete Cristina, die mit zusammengekniffenen Augen ihre neue Kollegin begutachtete.

„Nicht der Punkt, Cristina. Sie betatscht ihn." Meredith wedelte jetzt mit ihrem Arm in Janets Richtung.

„Du musst dir keine Gedanken machen, Meredith. Alex wird sie schon vorher abfangen." Izzie rollte mit den Augen und durchbohrte Alex förmlich mit ihren Blicken.

„Sie betatscht aber nicht Alex sondern Derek." Meredith schüttelte mit dem Kopf und beobachtete mit einer gewissen Genugtuung, dass Derek jetzt Mark zwischen sich und Janet platziert hatte.

„Ja, aber Alex hat ein Faible für Frauen, die die Anatomie von anderen Frauen bestens kennen. Von außen und von innen." Izzie brummte vor sich hin, während sie mit dem Fuß scharrte.

„Alex steht auf Lesben?" Cristina drehte sich jetzt fragend zu Izzie um und vergaß dabei sogar, dass Mark sich Janet fast an den Hals warf.

„Nein, auf Gynäkologinnen mit dem Schwerpunkt Neoanatalchirurgie.", antwortete Izzie mit einem verächtlichen Unterton.

„Und wo hilft mir das jetzt weiter? Derek war mit so einer verheiratet." Seufzend verschränkte jetzt auch Meredith die Arme vor der Brust, ließ Derek aber nicht aus den Augen, der sie inzwischen lächelnd ansah, aber etwas erstarrte, da sie ihm einen kalten Blick zuwarf.

„Ich glaube, ihr seht das alles zu schwarz." George hatte genug gehört und stellte sich vor seine drei Kolleginnen. „Sie ist neu und ihr solltet ihr wirklich eine Chance geben. Vermutlich ist sie sehr nett und ihr verurteilt sie jetzt schon, ohne sie zu kennen." Da die drei ihm einen verächtlichen Blick zu warfen, trat er zur Seite, so dass der Blick auf Janet wieder frei war. Sie konnten gerade noch sehen, dass sie zu Derek hinüber sah, bevor sie mit Alex den Gang hinunter ging und Mark ihr einen sehnsüchtigen Blick hinterher warf.

„War ja klar, dass sie Augen für Derek haben wird." Meredith rollte genervt mit den Augen.

„War ja klar, dass Mark Augen für sie haben wird." Entgegnete Cristina verächtlich.

„War ja klar, dass Alex mit ihr arbeiten wird." Izzie trat mit dem Fuß gegen den Tresen der Schwesternstation.

„War ja klar, dass ich meinen Würgereiz zurückhalten muss." George drehte sich schnell rum und ging in ein Patientenzimmer hinein, da er sich dort vor seinen drei Kolleginnen sicher fühlte, die ihm schnaubend hinterher sahen.

Im Krankenhaus

Mark wartete ungeduldig vor dem Patientenzimmer. Er hatte schon vor einiger Zeit die Hilfe von einem erfahrenen Assistenzarzt angefordert, da er nichts mit den Anfängern anfangen konnte. Zwar wusste er, dass er sich in einem Lehrkrankenhaus befand, aber er überließ das anlernen lieber seinen Kollegen. Grummelnd trommelte er gegen den Türrahmen und sah erneut auf die Uhr. Er mochte es nicht, wenn man ihn warten ließ und egal wer gleich vor ihm erscheinen würde, bekam auch diese Lektion erteilt. Somit würde er auch seiner Rolle gerecht werden und anderen etwas beibringen.

„Guten Morgen." Zwitscherte es hinter ihm und er ließ seine Schultern hängen.

„Dr. Heron." Er drehte sich widerwillig zu seiner jungen Kollegin um, die ihm mit großen Augen ansah und über das Gesicht strahlte. „Sie sind zu spät. Auch wenn sie ihre Assistenzarztzeit fast hinter sich gebracht haben oder gerade weil sie diese Zeit fast hinter sich gebracht haben, sollten sie wissen, dass man in einem Krankenhaus nicht spazieren geht."

„Und sie sollten wissen, dass wir Ärzte mehr als einen Patienten haben und wir deswegen nicht sofort kommen können, wenn wir gerufen werden." Flötete sie noch immer freundlich während sie ihre Hände in den Taschen vergrub.

„Wenn ich rufe, dann ist es wichtig und sie kommen sofort." Mark wurde langsam wütend und hob leicht die Stimme.

„So wichtig kann es nicht sein, denn sonst würden sie nicht so ruhig vor mir stehen." Sie hatte kurz ein ernstes Gesicht aufgesetzt, doch gegen Ende ihres Satzes war das strahlende Lächeln zurückgekehrt.

„Was wichtig ist und was nicht, bestimme immer noch ich." Mark hatte jetzt den Punkt erreicht, an dem er so richtig laut werden wollte, sich aber gerade noch beherrschen konnte.

„Sehen sie, Dr. Sloan. Wenn sie sich einmal ernsthaft fragen, was das Problem ist, dann ist mit Sicherheit nicht meine angebliche Unpünktlichkeit." Sie hatte jetzt einen wissenden Blick aufgesetzt.

„Was soll das jetzt heißen?" Marks Stimme überschlug sich fast und er räusperte sich bevor er weiter redete. „Sind sie jetzt meine Psychologin? Danke, ich habe schon eine."

„Dann sollten sie mit ihr mal über ihr Problem der Ungeduld reden. Und darüber, dass sie nicht alles haben können, was sie gerne wollen." Sie neigte den Kopf leicht zur Seite, ohne dabei ihre Mundwinkel zu verziehen, die noch immer steil nach oben zeigten.

„Das scheint mir auch so." Er rollte mit den Augen. „Können wir jetzt bitte über den Fall sprechen. Wenn ich eine Therapiestunde brauche, dann werde ich meine Psychologin anrufen und nach einem Termin fragen." Nach einer kurzen Pause holte er tief Luft. „Obwohl sie das rein gar nichts angeht. Wir sollten jetzt wirklich über den Patienten reden."

„Supi." Entfuhr es Sydney und sie stellte sich noch einen Schritt näher an Mark, der sofort einen Schritt zurückwich. „Ich würde gerne einen Einblick in die Akte haben." Sie deutete auf die Unterlagen, die Mark in der Hand hielt und ging erneut einen Schritt auf ihn zu. Doch Mark wich abermals zurück.

„Ich kann ihnen auch sagen, was sie wissen müssen." Er legte die Stirn in Falten und wich erneut zurück, nachdem sie wieder einen Schritt auf ihn zugekommen war. „Ernsthaft. Sie bleiben da und ich hier."

Sydney fing an zu kichern und schlug ihm auf den Arm. „Ich wusste, dass sie Sinn für Humor haben."

„Das ist nicht mein Humor, sondern ich meine das ernst. Sie bleiben da stehen." Er deutete auf eine Stelle, die sich mehrere Meter von ihm befand. „Und ich bleibe hier." Jetzt zeigte er mit dem Finger vor seine Füße.

„Als ob wir so zusammenkommen würden, um an ihrem Patienten arbeiten zu können." Lachen rollte sie wieder mit den Augen und stellte sich so vor Mark, dass dieser nicht mehr zurückweichen konnte, da er gegen die Wand gepresst wurde.

„Mit mir zusammen kommen?" Mark winselte bei dem Gedanken leicht. Überreichte ihr aber dann seine Akte, damit er schnell von seiner Kollegin wieder los kam.

Freie Klinik

Mit angespannten Gesichtszügen ging Callie durch den Gang hinüber zur Freien Klinik, wohin Dr. Bailey George für den Tag eingeteilt hatte. Sie öffnete die Pendeltür und blieb unschlüssig stehen und schaute sich um.

Dr. Bailey war gerade dabei, einer jungen Patientin den Arm zu verbinden, als Callie die Klinik betrat. „Dr. O'Malley", stieß sie überrascht aus. „Kann ich ihnen helfen?"

„Ja, ich suche meinen Mann. Haben sie ihn gesehen?" fragte sie ungeduldig.

Dr. Bailey sah sie mit nachdenklichem Blick an, bevor sie antwortete. „Ich habe ihn gebeten, neues Verbandsmaterial aus dem Keller zu holen. Er müsste jeden Moment zurück sein."

„In Ordnung. Dann warte ich so lange auf ihn." Callie ging nervös auf und ab, während sich Dr. Bailey wieder ihrer Arbeit zuwandte.

„George!" Callie ging mit eiligen Schritten auf ihn zu, als er den Praxisraum betrat, die Arme voll mit Pflaster und Verbandsmaterial. „Lass uns kurz nach unten gehen!"

„Da komme ich gerade her", sagte er und runzelte die Stirn. „Was ist denn los?" erkundigte er sich, als er bemerkte, wie nervös Callie war.

„Wir müssen reden ... alleine."

„Hat das keine Zeit?"

Callie schüttelte den Kopf. Sie schob ihn zurück Richtung Kellertreppe, während er Dr. Bailey einen entschuldigenden Blick zuwarf. „Ich bin gleich wieder da", rief er ihr zu.

Dr. Bailey nickte kurz und fuhr dann kopfschüttelnd mit ihrer Arbeit fort. Sie fragte sich, was die beiden wohl ausheckten.

Callie betrat mit George zusammen den Materialraum, der sich im Keller der Klinik befand und verschloss die Tür. „Addison rief mich vorhin an", kam sie gleich zur Sache.

George hob irritiert die Augenbrauen. „Und deshalb sperrst du mich im Keller ein?" Plötzlich dämmerte es ihm, was Callie mit ihrer Andeutung bezüglich Addison meinen könnte. „Das Ergebnis der Fruchtbarkeitsuntersuchung?" fragte er unsicher.

„Nicht direkt", druckste Callie herum. „Es ging wohl irgendwas im Labor schief, und anscheinend konnten sie deine Probe nicht verwerten, und ..."

„Moment mal!" fiel George ihr ins Wort. „Was meinst du mit „nicht verwerten"?"

„Wie ich es sage." Callie verdrehte die Augen. „Nun, wie auch immer ... sie brauchen eine neue Probe", beendete sie den Satz dann.

„Eine neue Probe?" George sah sie mit entsetztem Gesichtsausdruck an. „Ich soll noch mal in so einen Becher ..." Er schüttelte sich bei dem Gedanken an die letzte Samenspende. Eine volle Stunde hatte er in der viel zu kleinen und engen Zelle verbracht, sich sämtliche Playboyhefte rein gezogen und sogar kurz erwogen, um einen Porno Film zu bitten, damit er seiner Pflicht Genüge tun konnte. „Ohne mich!" Er schüttelte energisch den Kopf.

Callie wischte George's Einwand mit einer Handbewegung beiseite. „Ich habe Addison fürs Wochenende zugesagt", fuhr sie unbeirrt fort. „So weit ich weiß hast du dann frei laut Plan. Es macht dir doch nichts aus, dass du dort alleine hinfahren musst?"

„Hast du mir nicht zugehört?" stieß George hervor. „Ich gehe dort nicht noch einmal hin!"

Ihn abermals ignorierend schaute Callie auf die Uhr. „Oh, ich muss wieder rüber", sagte sie und beugte sich vor, um ihm einen Kuss zu geben. Doch George wich ihr aus.

„Wir sehen uns später in der Cafeteria, ja?" Sie wartete seine Antwort erst gar nicht ab, sondern schob hastig die Kellertür auf und rannte die Treppe hinauf.

„Callie!" rief er ihr hinterher, doch seine Rufe verhallten im Treppenhaus. Kopfschüttelnd nahm er das Verbandsmaterial und verließ ebenfalls den Keller.

Im Krankenhaus – Galerie

Meredith saß mit verschränkten Armen in der Galerie und beobachtete Derek bei seiner Craniotomie. Murrend riskierte sie immer mal wieder einen Blick auf Janet Evans, die sich einen der vorderen Plätze gesichert hatte und grinsend ebenfalls die Operation verfolgte. Oder auch Derek. Da war sich Meredith noch nicht sicher. Aber egal weswegen sie hier war, Meredith gefiel es nicht. Sie gab sich innerlich einen Tritt. Immerhin war saß sie in der Galerie, weil sie etwas lernen wollte, doch ihr Blick glitt immer wieder zu der neuen Kollegin, die lasziv ihre Beine übereinander geschlagen hatte.

„Beine bis zum Himmel." Ertönte es neben Meredith und sie rollte mit den Augen.

„Und wenn sie hinunter bis zu Satan reichen würden. Es ist mir herzlich egal, dass sie lange und makellose Beine hat." Meredith sah jetzt zur Seite und erblickte Mark, der Janet fast verschlang. „Bist du hier, damit ich mich noch unsicherer fühlen muss?"

„Was? Hast du was gesagt?" Mark schreckte aus seinem Tagtraum auf und blinzelte Meredith an, die ihm dafür einen kräftigen Stoß in die Rippen versetzte. „Au." Er rieb sich die schmerzende Stelle. „Derek hat Unrecht. Du hast keine ineffektiven Fäuste."

Meredith sah ihn erstaunt an. „Er hat mit dir darüber geredet?" Sie lehnte sich wieder auf ihrem Stuhl zurück und wandte sich Derek zu, der kurz davor war, die Operation zu beenden.

„Lass mich überlegen, wann er das letzte Mal nicht von dir gesprochen hat." Mark schloss die Augen und tat so als ob er angestrengt nachdachte. Nach wenigen Augenblicken hob er seinen Zeigefinger in die Höhe. „Ich weiß. Das war als wir unseren ersten Tag auf der High School hatten. Da war ihm so schlecht, dass er sich übergeben musste. Deswegen konnte er leider nicht an dich denken."

„Versuchst du gerade witzig zu sein?" Meredith hatte sich wieder zu ihm gedreht und hob eine Augenbraue. „Denn ich muss ich dich leider enttäuschen. Du bist es nicht."

„Derek hatte Recht. Ihr beide wisst wirklich kaum etwas voneinander." Er schüttelte leicht den Kopf. „Als ob Derek jemals der Typ gewesen wäre, der gleich am ersten Abend mit einer Frau in die Kiste springt." Er machte eine kurze Pause und blickte in Merediths empörtes Gesicht. Er räusperte sich leicht und lächelte sie nervös an. „Da siehst du mal, wie besonders du für ihn bist."

„Und am besten habe ich damit die Büchse der Pandora geöffnet." Mit einem Kopfnicken deutete sie zu Janet, die Derek noch immer von oben bis unten begutachtete.

„Ja, er bekommt immer die heißen Bräute ab." Wieder spürte er einen harten Hieb in seine Rippengegend und er rutschte etwas von Meredith weg. „Willst du einen Tipp von mir haben?" Meredith sah ihn skeptisch an, nickte dann aber doch. „Besorg es ihm in einem Bereitschaftszimmer." Daraufhin klappte Merediths Unterkiefer hinunter und Mark schmunzelte leicht. „Ach nein, dass ist nur meine Fantasie, was die neue betrifft." Dieses Mal sah er Meredith ausholen und hielt sie am Handgelenk fest. Tief durchatmend sah er ihr in die Augen. „Du brauchst dir keine Gedanken wegen ihr zu machen."

Frustriert ließ Meredith ihre Fäuste sinken und setzte sich wieder bequem auf den Stuhl zurück. „Vermutlich hast du Recht." Sie seufzte leise. „Aber ich weiß nicht ob es mir gefällt, dass du sie toll findest."

„Ich wusste, dass du insgeheim Gefühle für mich hast." Mark legte seinen Arm um Merediths Schulter, die ihn daraufhin erbost ansah, so dass er den Arm schnell wieder wegzog.

„Und ich dachte, dass du inzwischen um meine ineffektiven Fäuste weißt." Sie verschränkte wieder die Arme vor ihrer Brust.

Mark managte ein Lächeln auf sein Gesicht, doch es erstarb etwas, da Meredith ihn weiter wütend anfunkelte. „Entschuldige." Meredith nickte ihm zu und wandte sich wieder Derek zu, der seine letzten Schritte bei der Operation durchführte. Auch Mark beobachtete jetzt wieder das Geschehen im OP Saal.

Nachdem Derek fertig war, riskierte er einen Blick in die Galerie und entdeckte als erstes Janet, die ihn anlächelte. Mit den Augen rollend wollte er sich schon wegdrehen, als er in seinem Augenwinkel Meredith bemerkte. Er zwinkerte ihr zu bevor er den OP Saal verließ.

Mark drehte sich zu Meredith hinüber, die zufrieden lächelte. Mit seiner Schulter stieß er sachte gegen ihre, so dass sie sich zu ihm umdrehte. „Ich hatte dir doch gesagt, dass du dir keine Gedanken machen musst." Erleichtert nickte Meredith ihm zu.

Im Krankenhaus

Sydney fand Izzie vor dem OP Plan und schlenderte beschwingt auf sie zu. Sie hatten eben erst bei der Hauttransplantation assistiert und sie empfand es als wichtig, noch einmal mit ihrer jungen Kollegin zu sprechen. Immerhin wusste sie, dass Izzie eine schwere Zeit hinter sich hatte und sie machte sich noch immer leichte Sorgen.

„Ich habe sie gefunden." Zirpte sie hell auf und lachte Izzie freundlich an. „Vielleicht sollten wir noch einmal über die Operation sprechen."

„Oh ... Sydney ..." Izzie lächelte gezwungen. Sie fühlte sich nach wie vor unbehaglich in Sydney's Nähe. „Ich denke, ich habe alles verstanden", sagte sie schnell, weil sie hoffte, sie dann wieder los zu werden.

„Da bin ich mir sicher, Dr. Stevens." Sydney klopfte ihrer Kollegin lachend auf die Schulter. „Aber eigentlich geht es mir mehr darum, was so eine Operation in ihnen auslösen könnte. Immerhin hat unser Patient eine schwere Verletzung." In ihrem Gesicht konnte man jetzt die Besorgnis herauslesen. „Sie wissen ja, dass sie mit mir über alles reden können."

Izzie sah sie verwirrt an. „Ich ... es geht mir gut", stotterte sie. „Es ist wirklich lieb, dass sie sich Sorgen machen, aber es könnte gar nicht besser gehen." Sie forcierte wieder ein Lächeln.

Sydney neigte ihren Kopf zur Seite und lächelte Izzie mitfühlend an. „Ich verstehe, dass sie so zurückhaltend sind. Aber nach allem was passiert ist, bin ich mir sicher, dass sie nicht ganz so selbstbewusst eine Operation dieser Größenordnung antreten können." Sie legte ihren Arm um Izzies Schulter und drückte sie leicht. „Wenn sie ihre Gefühle heraus lassen, dann kommen sie viel besser mit allem klar."

Izzie zuckte unbehaglich mit den Schultern, weil sie hoffte, dass Sydney dann von ihr ablassen würde. So sehr sie auch Respekt vor Dr. Heron hatte, manchmal übertrieb sie einfach mit ihrer Fürsorge. „Ich habe Dr. Sloan schon öfter bei einer OP assistiert", sagte Izzie leicht gereizt. „Ich weiß also sehr wohl was auf mich zukommt."

Sydney drückte Izzie noch einmal fest an sich. „Das weiß ich doch. Und Dr. Sloan ist auch ein sehr guter Chirurg. Aber mir geht es mehr um ihre inneren Konflikte." Sie boxte Izzie jetzt leicht in die Seite. „Wir alle haben sie. Und es ist wichtig, darüber zu reden, Dr. Stevens." Ihr Lächeln wurde wieder breiter. „Und ich habe ja schon gesagt, dass ich mich gerne zur Verfügung stelle, wenn sie reden wollen. Ich ohnehin das Gefühl, dass wir einen guten Draht zueinander haben."

Izzie unterdrückte einen Seufzer. Stattdessen rollte sie mit den Augen, während sie vorsichtig ein Stück von Sydney weg rückte. „Nach Denny's Tod", begann sie", war ich am Boden zerstört. Es gab keine Minute, wo ich nicht an ihn denken musste, aber nun ist das anders. Ich habe versucht, es hinter mir zu lassen, habe versucht, mir ein neues Leben ohne ihn aufzubauen. Und ich denke, dass ich es geschafft habe." Sie räusperte sich. „Ich denke nicht, dass es nötig ist, die Sache wieder aufzurollen. Ich fühle mich wirklich gut", beteuerte sie noch einmal.

Sydney nickte verständnisvoll und atmete tief durch. „Ich sehe schon, dass sie sich eindringlich mit ihren Gefühlen befasst haben was Denny betrifft. Trotzdem spüre ich noch immer, dass ihnen etwas auf der Seele liegt." Mitfühlend neigte sie wieder den Kopf. „Sollten sie das Bedürfnis haben, sich mir ganz anzuvertrauen, dann können sie jederzeit zu mir kommen." Sie lachte hell auf. „Vielleicht nicht, wenn ich unter der Dusche stehe. Aber sonst zu jeder Zeit."

Izzie senkte wie ertappt den Kopf. Anscheinend hatte Sydney Heron den sechsten Sinn oder war besonders empfänglich für negative Schwingungen. Die Sache mit Addison und Alex und das er nun auch noch für Janet Evans arbeitete, nagte an ihr. „Haben sie Dr. Evans kennen gelernt?" fragte sie zögernd.

Sydney sah sie zunächst verwundert an, dann kam allerdings schnell das Lächeln zurück. „Unsere neue Oberärztin in der Neonatalabteilung. Sie ist wirklich nett. Ich konnte zwar nicht lange mit ihr reden, da Dr. Karev wohl schnell seine Runde beenden wollte, aber sie ist ebenfalls der Meinung, dass man durch Liebe besser heilen kann. Besonders bei ihren kleinen Patienten."

Izzie lächelte nervös. „Gilt das auch für die Ärzte?" Sie schlug sich schnell auf den Mund, als sie merkte, dass sie ihre Gedanken laut geäußert hatte.

Sydney sah sie jetzt verwundert an und räusperte sich hörbar. „Nun, Dr. Stevens. Ich bin mir nicht ganz sicher, worauf sie anspielen." Sie sah auf ihre Armbanduhr. „Haben sie noch Fragen wegen der Operation? Oder ein Bedürfnis über etwas mit mir zu reden?"

Izzie schüttelte schnell den Kopf. Sie war erleichtert, dass Sydney von sich aus das Gespräch beenden wollte. „Vielen Dank", sagte sie und verzog das Gesicht", aber sie haben mir schon sehr geholfen."

Sydneys Gesicht erstrahlte wieder. „Goodie. Dann sehen wir uns ja gleich während der Operation." Sie klopfte Izzie auf die Schulter und war schon im Begriff zu gehen als sie sich noch einmal zu Izzie umdrehte. „Und scheuen sie sich nicht, ihre Gefühle zu zeigen. Das wirkt befreiend. Bis später." Zwitscherte sie zum Abschluss und eilte beschwingt davon.

Izzie ließ nun endlich den Seufzer los, den sie die ganze Zeit unterdrückt hatte. Der Tag war noch nicht zu Ende. Sie musste Sydney noch mindestens bis zum Feierabend ertragen. Izzie wandte sich um und folgte Sydney in gebührendem Sicherheitsabstand.

Im Krankenhaus

Meredith stand gähnend über ihrem OP Bericht. Zwar könnte sie diesen auch noch am frühen Morgen zu Ende schreiben, doch sie wollte es hinter sich bringen, um sich dann ein Bett in einem Bereitschaftszimmer zu suchen. Zwar wusste sie, dass sie nicht lange schlafen würde, aber ihr reichte es schon, wenn sie wenigstens ihren Kopf auf ein weiches Kissen legen konnte. Vertieft in ihre Unterlagen bemerkte sie nicht, dass sich jemand von hinten an sie heranschlich. Erst als eine Hand auf ihrer Hüfte landete und eine weitere unter ihrem Arm hindurch kam, um einen Kaffeebecher vor sie abzustellen, zuckte sie zusammen.

„Derek", entfuhr es ihr. „Du hast mich erschreckt." Sie hielt sich eine Hand über ihr pochendes Herz.

„Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass das nicht in meiner Absicht lag." Er schmunzelte leicht und auch Merediths Ellbogen in seinen Rippen ließ ihn nicht davon abbringen, sich von seinem Opfer zu lösen. „Ich kann also zu den kleinen ineffektiven Fäusten auch noch kleine ineffektive Ellbogen hinzufügen."

„Du kannst bald auch meine äußerst wirkungsvollen Knie in einer für dich sehr empfindlichen Region hinzufügen." Sie versuchte sich aus seiner Umarmung zu befreien, aber Derek lachte nur leise während er seine Arme fester um sie schlang. „Könntest du mich bitte los lassen? Ich bin mir sicher, dass deine geschätzte Dr. Evans das nicht gerne sehen wird."

„Wer?" Er dachte kurz nach und dann fiel ihm seine neue Kollegin wieder ein. Brummend ließ er den Kopf auf Merediths Schulter fallen. „Ich musste mich mehrfach in einer Wäschekammer verstecken, damit sie mich nicht findet. Einmal war es ein Putzschrank." Er machte eine kurze Pause und atmete tief aus. „Ich glaube, dass ich eine der Putzfrauen verschreckt habe."

Meredith musste bei dem Gedanken lachen und schmiegte sich jetzt näher an Derek ran. Mit geschlossenen Augen genoss sie die Wärme, die von seinem Körper ausging. „Du findest sie also nicht attraktiv?" Sie drehte ihren Kopf jetzt leicht zur Seite, damit sie ihn ansehen konnte. Auch Derek wandte sich zu ihr und grinste sie an.

„Ich habe mir erst durch Mark sagen lassen müssen, dass wir eine neue weibliche Kollegin haben." Er zwinkerte ihr zu.

Meredith rollte ihre Augen und schüttelte dann lachend den Kopf. „Ja klar." Sie deutete zu dem Kaffeebecher. „Und was soll das, wenn ich fragen darf." Da Derek sie jetzt etwas entgeistert ansah, rollte sie erneut mit den Augen. „Ich weiß, dass du mich über eine Tasse Kaffee einlädst, aber ich habe dir doch gesagt, dass du das nicht mehr machen brauchst."

Derek hob jetzt den Kopf wieder von ihrer Schulter. „Es ist aber eine besondere Einladung und deswegen der Kaffee."

„Derek."

„Meredith, willst du mit mir ein Aneurysma abklemmen?" Er versuchte sein ernstes Gesicht zu bewahren, doch als sich bei Meredith die Mundwinkel langsam nach oben formten, konnte er sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen. „Ich kann dir wegen der Sauerstoffleitung nur leider kein Kerzenlicht versprechen."

„Das macht nichts. Es ist die romantischste Verabredung, die ich mir vorstellen kann. Wir beide und eine offene Gehirnoperation."

„Du darfst vielleicht sogar die Hauptarbeit machen." Er nickte bedeutungsvoll mit dem Kopf.

„Ich wusste, dass es Vorteile bringt, mit den Chef der Neurochirurgie auszugehen." Derek setzte daraufhin ein schmollendes Gesicht auf, woraufhin Meredith laut seufzte. „Auch wenn er sich gerne einmal wie ein fünfjähriges Kind anstellt."

„Dabei war ich ein sehr süßes fünfjähriges Kind." Er gefror kurz. „Hab ich mich gerade selber als süß bezeichnet?" Wieder ließ er den Kopf auf ihre Schulter fallen und brummte.

„Allerdings", antwortete Meredith lachend, während sie mit ihrer Hand seinen Kopf tätschelte. „Bestimmt gibt es von dir Fotos, wo du rosa Schleifen im Haar trägst." Sie machte eine kurze Pause. „Oh bitte sag mir, dass es diese Fotos gibt. Du hast vier Schwestern. Sie müssen so etwas gemacht haben." Dereks Antwort bestand aus einem weiteren brummenden Geräusch und Meredith lachte laut los.

„Mach bitte keine Witze über meine erniedrigenden Kindheitserfahrungen." Er hatte seinen Kopf wieder gehoben und sah Meredith von der Seite an.

„Keine Angst. Ich verrate es keinem. Und ich werde dich auch nicht in ein rosa Kleid stecken, obwohl ich mir sicher bin, dass es deine blauen Augen besonders gut zur Geltung bringen wird." Noch immer lachend griff sie nach dem Kaffeebecher und Derek löste murrend die Umarmung.

„Danke." Er sah ihren amüsierten Gesichtsausdruck. „Könntest du aufhören, mich in einem rosa Kleid vorzustellen?"

„Hörst du auf, mich nackt vorzustellen?" Sie hob fragend ihre Augenbraue.

Derek zögerte kurz. „Lass wenigstens die rosa Schleifen im Haar weg." Sie nickte ihm grinsend zu. „Das wird mir ewig nachhängen." Mit den Augen rollend legte er einen Arm um Merediths Schulter, die ihren Kopf gegen seine Schulter lehnte und sich von ihm zu den OP Sälen führen ließ.

Merediths Haus

Izzie saß im Schneidersitz auf dem Sofa, auf den Knien eine große Schüssel mit Kartoffelchips, die sie im Sekundentakt in ihren Mund stopfte, während sie wütend auf der Fernbedienung des Fernsehers herumdrückte. An diesem Abend gab das Fernsehprogramm aber auch überhaupt nichts her, dachte sie missmutig und drückte den „Off" Knopf.

„Hi Iz!" Alex betrat das Wohnzimmer und steuerte direkt auf das Sofa zu.

Izzie versteifte sich augenblicklich und rückte ein Stück zur Seite, als er neben ihr Platz nahm. „Bekomme ich auch welche?" Er schielte zu der Schüssel mit Chips hinüber.

Izzie umklammerte die Schüssel noch fester, als ob es sich um einen kostbaren Gegenstand handeln würde, den sie beschützen müsste. „In der Küche sind noch genug", erwiderte sie knapp.

Irritiert sah Alex sie von der Seite an. „Oh, soll das heißen, du teilst nicht mehr mit mir?" fragte er und hob spöttisch die Augenbrauen.

„Du hast es erfasst", erwiderte sie kühl. Sie wandte sich wieder ihren Chips zu und stopfte sich gleich eine ganze Handvoll in den Mund.

„Zuviel davon ist ungesund und macht dick", bemerkte er grinsend.

„Was ja wohl nicht dein Problem ist, oder?" Sie setzte die Schüssel unsanft auf dem Tisch ab. „Ich bin müde. Gute Nacht, Alex!" Sie stand auf und wollte zur Tür, doch er war schneller und hielt sie am Arm fest.

„Aua! Rühr mich gefälligst nicht an!" Sie befreite sich aus seinem Griff und sah ihn mit bösem Blick an. „Was willst du von mir, Alex?"

„Was willst du von mir?" stellte er die Gegenfrage. „Ich habe nichts getan, und du fährst mich wie eine Furie an", sagte er vorwurfsvoll. „Es ist ja vielleicht nicht zuviel verlangt, wenn du mir erklärst, womit ich eine solche Behandlung verdient habe."

„Das fragst du noch?" Sie schüttelte fassungslos den Kopf.

Allmählich dämmerte es ihm. Glaubte er zumindest. „Du bist immer noch sauer wegen der Sache von neulich?" fragte er ungläubig nach. Er seufzte und fuhr sich durchs Haar. „Ich habe mich für den Kuss entschuldigt. Aber was hast du erwartet? Ich bin auch nur ein Mann aus Fleisch und Blut." Ein Schmunzeln umspielte plötzlich seine Lippen. „Und wenn eine schöne Frau mir eindeutige ..."

„Du gibst mir die Schuld?" unterbrach Izzie ihn harsch. „Du denkst, ich wollte dich verführen?" Sie stemmte empört die Hände in die Hüften. "Du hast doch damit angefangen!" hielt sie ihm vor. "Aber anscheinend glaubst du, dass du nur mit dem Finger zu schnippen brauchst, damit dir die Frauen zu Füßen liegen!" giftete sie ihn an.

„Nein, ich ..." begann er verwirrt.

„Gut, denn ich heiße nicht Addison Montgomery oder Janet Evans, die bereitwillig ihre Beine für dich breit machen!" Sie verschränkte die Arme vor dem Körper, damit er nicht merken sollte, dass sie angefangen hatte zu zittern.

W ...was?!" stotterte er während er sie verstört ansah.

„Weißt du was, Alex? Es ist mir egal, mit wem du schläfst. Aber beim nächsten Mal solltest du wenigstens so diskret sein, dass es nicht gleich das ganze Krankenhaus mitbekommt. Und ich verbitte mir, dass du mich mit diesen ... diesen ... Schlampen auf eine Stufe stellst!" Ihre Stimme überschlug sich fast, und sie hatte Mühe, die Tränen noch zurückzuhalten. Sie tat das einzige, was sie in dieser Situation tun konnte, bevor sie völlig die Fassung verlor. Sie flüchtete aus dem Raum.

Geschockt sah er ihr hinterher. Für einen Moment dachte er darüber nach, hinter ihr her zu laufen, ihr zu erklären, dass die Affäre mit Addison ihm nichts bedeutet hätte, weil er immer nur sie geliebt hatte. Doch er erinnerte sich plötzlich daran, was beim letzten Mal geschehen war, als er ihr quasi mit dem Kuss im Treppenhaus seine Liebe gestanden hatte. Sie hatte ihn abgewiesen, weil sie immer noch an Denny gehangen hatte. Und nun war George O'Malley an Denny's Stelle gerückt.

Seufzend ging er zurück zum Sofa und griff nach der Schüssel mit Chips. Er würde die Frauen niemals verstehen, auch wenn er nun mit zwei Exemplaren dieser Gattung zusammen unter einem Dach lebte. Wenn er es nicht besser wüsste, dann hätte er jetzt vermutet, dass Izzie gerade einen schlimmen Anfall von Eifersucht erlitten hatte. Aber da sie ihn ja anscheinend hasste konnte dies ja kaum sein. Müde erhob er sich und stellte die Schüssel zurück auf den Tisch, bevor er das Licht löschte und das Wohnzimmer verließ.

Man kann sich in seinem Leben auf viele Arten hingeben. Auch wenn man es nicht immer so zurückbezahlt bekommt, wie man es gerne hätte (Callie redet im Bett auf George ein, der mit verschränkten Armen an die Wand starrt). Und doch erfahren wir hin und wieder, wie sehr es sich lohnt, wenn man bereit ist, etwas von sich herzugeben (Derek redet mit Meredith, die mit strahlenden Augen den ersten Schnitt bei der Operation durchführt). Davon bestärkt haben wir oft das Verlangen, noch mehr zu geben (Alex steht vor Izzies Schlafzimmertür. Geht aber ohne zu klopfen weiter in sein eigenes Zimmer), obwohl wir wissen, dass es sich nicht immer auszahlt (Izzie hört vor der Tür Schritte und schaut auf, lässt sich wieder auf das Kissen fallen als sich die Schritte entfernen). Trotzdem hören wir nicht auf, etwas von uns geben, wenn wir einmal erfahren haben, wie schön es ist, etwas dafür erhalten zu haben.