Kapitel 10- Einmal wird der Tag kommen

Oktober 1978

Die nächsten Wochen waren sehr anstrengend. Lily hatte gedacht, dass die UTZ Kurse in Hogwarts schon schwierig waren, doch da hatte sie noch nicht an die Ausbildung als Auror gedacht. Die Ausbilder verlangten ihr alles ab. Doch nicht nur ihr. Auch James hatte alle Hände voll zutun und dem jungen Paar kam es vor, als würden ihre Ausbilder besonders darauf achten, wie sie sich anstellten und wie sie sich einsetzten. Der Name Potter hatte alle hellhörig gemacht und wenn es um Mrs oder Mr. Potter ging wurde immer mit einem Schmunzeln gefragt „Senior oder Junior?"

James hatte neben Verteidigung mit dem Zauberstab auch noch Verteidigung wie Muggel. Nur im Notfall sollte man kämpfen können wie ein Muggel, denn es würde einem vielleicht das Leben retten, so erzählte es ihnen ihr Ausbilder. Doch James konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, wie der kleine rundliche Mann einen Muggel oder Zauberer überwältigen konnte.

Sein Ausbilder sah seinen zweifelnden Gesichtsausdruck und so wurde Mr. Potter „Junior" eine Kostprobe gegeben, bei der er sich nach 2 Minuten auf dem Rücken befand.

„Man sollte nie von der Körpergröße auf das Können schließen", riet ihm Timothy Gable und half ihm lächelnd auf.

Lily wurde schon von vornherein darauf vorbereitet mit einem erfahreneren, aber jungen Kollegen zusammen zu arbeiten. Es traf sie wie ein Blitz, als sie Frank Longbottom zugeteilt wurde.

„So sieht man sich wiede.", lachte dieser verschmitzt und stellte Lily gleichzeitig seiner Frau Alice vor. Sie saß nur zwei Schreibtische weiter und schien eine freundliche Hexe zu sein.

Sirius wurde intensiv auf tarnen vorbereitet. Ihm wurde beigebracht zwischen den Zeilen zu lesen und er bekam Flüche zu Gesicht, die wohl nur Lily, James und er lernten. Weiterhin wurde er in die bisherigen Ergebnisse der Abteilung eingeweiht, die sein zukünftiges Aufgabengebiet umfassten. Spionage über die Zauber- und Tierwesen, die Voldemort um sich sammelte. Es ängstigte Sirius etwas, zu wissen, auf welche simplen Wege man einen Menschen in den Wahnsinn treiben oder das Innerste nach außen kehren konnte. Doch es machte ihn stolz, in dieses Wissen eingeweiht zu sein.

Alex liebte es durch die Gänge von St. Mungos zu wandeln und zu sehen, dass die Medizin, die sie bereitet hatte, wirkte. Doch sie wäre nicht Alexandra Shea, wenn nicht am ersten Tag etwas schief gelaufen wäre. Sie hatte eine junge Alraune umgetopft und kein Warnschild an die Gewächshaustür gehangen. Ihre Ausbilderin wollte nach ihr sehen und wurde von dem Schrei der Alraune außer Gefecht gesetzt. Alex hatte Blut und Wasser geschwitzt, weil die Pflanze nicht mehr ganz so jung war und die Gefahr bestand, ihre Ausbilderin getötet zu haben. Sie hatte Glück, dass die schreiende Pflanze schon halb mit Erde bedeckt war und der Ruf gedämpft durch die Erde war. Als Alex an diesem Abend bei Sirius vorbei schaute brauchte er Stunden sie wieder zu beruhigen, da sie sich große Vorwürfe machte.

„Du wirst ja richtig verantwortungsbewusst", neckte er sie und tätschelte ihr den Rücken. Worauf hin sie ihm einen Schlag gegen seine Schulter versetzte. Er zuckte kurz zusammen, denn an dieser Stelle befand sich ein blauer Fleck, den er sich im Training zugezogen hatte.

Remus' Überlebenswillen war nach dem ersten Abendessen bei Mrs Gregor hinter dem Ofen hervor gekommen und hatte sich auf dem Dach des Hauses postiert. Die schulterlangen, rot-braunen Haare, die braunen Augen- mit einem Stich grün, die kleinen Sommersprossen und die sanften Lippen von Kay hatten ihn dazu gebracht. Wenn Moony nun schon mit Snape in einem Haus zusammen wohnen musste, wo keine 6 Stockwerke zwischen ihnen waren, wollte er sich nichts gefallen lassen. Und so machte er Snape von Anfang an klar, dass dieser sich mit Kommentaren zurück halten sollte. Wie Remus am ersten Tag an der Uni feststellte hatte er Severus nicht nur bei Mrs Gregor vor der Nase, sondern auch im Kurs Verteidigung gegen die dunkeln Künste.

Warum überrascht mich das eigentlich nicht, grübelte Moony und schenkte seinem Professor wieder seine ganze Aufmerksamkeit.

Peter fühlte sich in seinem neuen Job sehr unwohl. Er musste Grisnok alle Sachen hinterher tragen und Besorgungen für die Familie seines Arbeitgebers erledigen. Das war ja noch nicht einmal das schlimmste, aber Wormtail gefiel es nicht, wie ihn die restlichen Kobolde beäugten, wenn er durch die Bank lief. Er spürte ihre Blicke in seinem Nacken und es machte ihn unendlich nervös. Nur wenn er in die Winkelgasse gehen musste fühlte er sich wohl. Doch auch das änderte sich, als er das erste Mal alleine in die Nockturngasse geschickt wurde. Die Gestalten dort waren noch furchteinflößender, als die Kobolde. Peter hatte den Eindruck, als ob Grisnok keine legalen Geschäfte tätigte. Jeden Tag fühlte sich Wormtail elender und minderwertiger, doch er erzählte niemandem etwas davon. Keiner sollte denken, dass er schwach war.

Ellen hatte viel Spaß im Büro der internationalen Zauberervereinigung. Tagtäglich hatte sie mit interessanten ausländischen Zauberern, Hexen und anderen Zaubererwesen zutun. Sie war die Einzige, die einen griesgrämigen rumänischen Zauberer besänftigen konnte, der unbedingt eine Einfuhrlizenz für Vampirzähne haben wollte. Ellen kam nicht umhin ihm zu erklären, dass er in der falschen Abteilung war und die Einfuhr von Vampirzähnen strengen Auflagen unterlag. Warum das auch immer der Fall war konnte sie dem Zauberer nicht erklären und hörte sich geduldig die Beschwerde über die britische Zauberergesellschaft an.

Lorrain war ebenfalls in ihrem Element. Sie bestand den Einführungskurs mit Bravour und hatte den Platz neben Newt Scamander sicher. Robert gab es nicht offen zu, aber es passte ihm nicht, dass er seine Freundin in die Dschungel der Welt ziehen lassen sollte, ohne das klar war zu wem sie gehörte. Na gut, sie waren erst seit zwei Monaten zusammen, aber was sagte das schon aus? Es hatte einfach gefunkt. Und so tat er das einzige, was ihm in den Sinn kam.

„Lorrain, möchtest du mich heiraten?"

Lorrain blinzelte ihn für 3 Sekunden lang an. „Wie bitte?"

„Möchtest du meine Frau werden?", fragte er erneut.

„JA!", fiel sie ihm um den Hals.

Die Eltern wurden eingeweiht, sowie Lorrains Bruder und Roberts Schwester. Natürlich waren Leopold und Piata Hawkins nicht sehr begeistert von dem Vorhaben ihrer Tochter, doch was tat man nicht alles, damit sein Kind glücklich war. Es war eine kleine Feier auf dem Landsitz der McKinnons, weit oben in den Highlands. Nur die Familien Hawkins und McKinnon waren anwesend und worden beschworen alles für sich zu behalten. Lorrain reiste drei Tage später in den Dschungel von Honduras, doch wenn sie wieder kam wollten sie es offiziell machen.

*~*~*

James lehnte an seinem Schreibtisch und unterhielt sich gerade mit seinem Ausbilder und Partner Timothy Gable, als ein Memo in den Raum geschwebt kam. Timothy fing es gekonnt und entfaltete es. Seine kleinen Augen schwebten über die Zeilen.

„Die Auroren brauchen uns. Hafenanlagen an der Themse!", sagte er und disapparierte.

James und ein paar andere blickten sich an.

„So Junge, jetzt wird es ernst", sagte Rebecca MacAlister, die einzige Frau der KET, und auch sie verschwand.

Prongs schickte noch einmal ein Stoßgebet an Merlin in den Himmel und disapparierte ebenfalls.

Mit allen anderen apparierte er hinter einer Halle. Der Geruch von Wasser, Salz und Fisch umfing ihn augenblicklich. Kein Zweifel, er war wirklich da, wo er hin sollte. Gabel bedeutete ihnen still zu sein. Rechts von ihnen, hinter einem Container sah er, wie Auroren apparierten. Aber es war niemand dabei den er kannte.

Mehrer Möwen kreischten und stießen in das trübe Wasser des Hafenbeckens.

Doch dann drangen Stimmen an ihre Ohren. Manche waren ängstlich, andere lachten schrill auf.

„Wer hat die Auroren alarmiert?", flüsterte James. Ihm war nicht wohl bei der Sache. Was hatten Todesser am Hafen zu suchen? Hier waren kaum Menschen, oder andere interessante Dinge. Mal abgesehen von einem überragenden Blick auf die Tower Bridge.

„Psst", machte Timothy und spähte kurz um die Ecke. „Drei Todesser auf 12 Uhr!"

Warum werden da gleich Auroren und KET alarmiert, grübelte James weiter. Mit drei Todessern wären die Auroren auch alleine fertig geworden.

Timothy blickte hinüber zu den Auroren, einer von ihnen winkte nach vorne.

„Macht euch bereit!", flüsterte Mr. Gable.

James atmete noch einmal tief durch und trat mit den übrigen Auroren aus ihrem Versteck.

Eine Gruppe von Todessern stand um vier Hafenarbeiter.

Warum ausgerechnet die, schoss es Prongs durch den Kopf. Ihm wollte einfach nicht einleuchten, was Todesser mit Hafenarbeitern wollten, selbst wenn sie die nur zum Spaß quälten.

Ein Mann schwebte Kopfüber in der Luft. Er schrie unablässig. Tränen rannen ihm übers Gesicht, welches purpurn angelaufen war und von Schmerzen verzerrt. Die Anderen waren verängstigt und wagten sich keinen Laut, auch wenn sie den schwarz vermummten Gestalten in Stärke weit überlegen waren.

Die Auroren sandten Schocker in die Gruppe der Todesser. Es schien eine leichte Aufgabe zu sein, die Todesser in die Flucht zu schlagen. Die Zauberer in den schwarzen Umhängen wandten sich um und schickten augenblicklich Flüche zurück. James musste sich auf den Boden werfen, sonst hätte ihm ein orangener Lichtstrahl getroffen. Er war sich sicher, dass es kein einfacher Fluch war. Blitzschnell sprang er wieder auf und umgab sich mit einem „Protego"- Zauber. Auch wenn er nicht die starken Flüche damit verhindern konnte, fühlte er sich sicherer.

Auroren rückten vor, um die Muggel zu retten, während die KET die Todesser in Schach hielt.

Plötzlich sauste ein Fluch von hinten an James' Ohr vorbei und er wandte sich schnell um. Da waren noch mehr Todesser. Aus dem Nichts waren 5 weitere schwarze Gestalten appariert.

„Hinterhalt!", brüllte James und ging in Deckung. Die Anderen taten es ihm gleich und verbargen sich hinter zwischengelagerten Containern.

Rebecca suchte neben ihm Schutz. „Verdammt!", grummelte sie. „Ich hole Verstärkung", und weg war sie.

Höhnische Stimmen erklangen von den vereinten Todessern. Eine davon kam James bekannt vor. Er hatte sie schon so viele Male gehört, aber er konnte sich einfach nicht erinnern zu welchem Gesicht sie gehörte.

Augenblicke später ertönten mehrere ‚Knall' und weitere Auroren erschienen. Gemeinsam mit ihnen kämpfte sich die KET vor. Es waren nur acht Todesser und bestimmt 20 Auroren und KET Leute, doch die dunklen Zauberer fochten, als gelte es um mehr, als nur ihr Leben.

James war zuversichtlich, dass alles schnell vorüber sein würde und alles gut ausgehen würde, denn sie trieben die Todesser trotz deren Kampfesmut immer weiter zurück. Doch schon im nächsten Augeblick verwarf er diesen Gedanken. Er wurde grob zur Seite gestoßen als ein grüner Lichtstrahl auf ihn zukam. Prongs landete hart auf dem Boden und prallte mit dem Kopf gegen Metal. Wie in Zeitlupe blickte er zurück, als seine Augen einen Punkt fixierten. Da stand Timothy Gable. Sein Gesicht hatte einen Ausdruck, als würde er es nicht glauben getroffen zu sein. Sein Zauberstab glitt aus seiner Hand und fiel zu Boden. Seine Augen waren weit aufgerissen und sein Mund leicht geöffnet. Dann sackte er zusammen.

Der Todesser, der den Fluch geschickt hatte, brüllte einen Triumphschrei, wurde aber im selben Augenblick von einem Auror mit einem Schocker getroffen und kippte um. Daraufhin zogen die anderen die Flucht vor. Anscheinend hatten sie ihren Trieb zu töten genährt.

Stille breitete sich aus. Die Zauberer und Hexen der KET versammelten sich um den Körper von Timothy Gable. Die Auroren eilten auf die Muggel und den geschockten Todesser zu und brachten sie weg.

Wieder schrien Möwen über den Hafenanlagen. James sah auf seinen Ausbilder herab. Er hatte ihm das Leben gerettet.

*~*~*

Lily setzte einen Topf auf den Herd. Sie hatte heute früher von der Arbeit gehen können, denn sie hatte theoretischen Unterricht gehabt und den Verwandlungstrank frühzeitig fertig gestellt.

Das Radio dröhnte. Sie hörte einen Muggelsender und Tom Jones schmetterte eines seiner Liebeslieder.

„She's a Lady...", sang sie mit und schälte Kartoffeln. James würde in einer Stunde daheim sein, überlegte sie, auf die Uhr blickend und versuchte, die Kartoffel in einem Ruck zu schälen, ohne das sie einmal absetzen musste.

Es gelang ihr nicht ganz und sie nahm sich vor es bei der nächsten zu schaffen.

Als sie gerade das Fleisch aus dem Kühlschrank holte hörte sie die Tür. Das war ungewöhnlich, denn erstens war es viel zur früh für James und zweitens wäre er durch den Kamin gekommen.

„Lily? Wo bist du?", ertönte es leise vom Flur.

„Ich bin in der Küche!", rief sie zurück.

Nach einer Minute war er bei ihr.

„Hallo", strahlte sie und küsste ihn.

„Hallo", antwortete er und schaute ihr über die Schulter. „Du bist heute früh zurück", sagte er und sog den Duft des Abendessens ein.

„Ich war heute richtig gut in Zaubertränke", sprühte sie vor Freude.

„Ich bin stolz auf dich", säuselte er und blickte aus dem Fenster.

Lily wand sich zu ihm um.

„Ist etwas?", fragte sie vorsichtig. „Warum bist du nicht durch den Kamin gekommen?"

„Ich war spazieren."

Sie sah ihn erstaunt an. James Potter würde eher auf einem Besen fliegen, als spazieren zugehen. Etwas musste passiert sein.

Wortlos streichelte Lily über seine Wange. James umarmte sie und vergrub sein Gesicht an ihrem Hals. So standen sie eine Weile, bis Lily wieder zusprechen anfing.

„Möchtest du es mir erzählen?"

Kaum merklich nickte er.

Lily löste sich von ihm und zwang ihn sie anzusehen. Sein Gesicht war weiß, aber seine Augen waren rot.

„Er hat mich gerettet", krächzte James.

„Wer?" fragte sie sanft.

„Timothy. Er hat mich zur Seite gestoßen und die haben ihn erwischt. Rufus Blatchley Senior, hat ihn getötet. Der Fluch war eigentlich auf mich gerichtet."

Lily drückte ihn an sich, so fest sie konnte. James' Kopf lastete auf ihrer Schulter. Sie spürte sein kurzes Atmen an ihrem Hals und seine Hände auf ihren Hüften.

„Du kannst nichts dafür", versuchte sie ihn zu beruhigen und streichelte seinen Rücken.

Das Radio dröhnte weiterhin im Hintergrund und die Kartoffeln blubberten vor sich hin. Es schien sie nicht zu interessieren.

„Habt ihr die Todesser gekriegt?"

„Nur Blatchley."

„Es war ein Hinterhalt, Lily!", berichtete er, als er sich etwas beruhigt hatte. „Voldemort lässt Jagd auf die Auroren und die KET machen."