Danke an Jeska :) Das neue chapi kommt extra früh wegen dir!

Viel Spaß beim Lesen


Als es klingelte zuckte sie zusammen wie ein erschrockenes Reh, ich musste schmunzeln.

Bella merkte, dass ich sie ansah und ihre Mundwinkel sanken augenblicklich noch weiter nach unten. Sie warf mir einen finsteren Blick zu und stand dann im allgemeinen Gedränge auf. Alice, Monica und Lauren erhoben sich ebenfalls und folgten ihr.

Ich schob Tanya von meinem Schoß und schnappte mir meine Tasche.

„Komm schon, wir müssen zu Bio!", sagte ich ungeduldig und zog sie mit mir.

Das war das einzige Fach, dass Tanya und ich zusammen hatten.

„Aus dem Weg", blaffte sie ein paar Juniors an. Sie stoben erschrocken auseinander.

Im Biosaal setzten wir uns in die Reihe hinter Alice und Bella.

„Ich kann dir nachher mit dem Kochen helfen wenn du möchtest", hörte ich Alice sagen. Ich konnte ihr ansehen, wie sehr sie Bella jetzt schon mochte.

„Das wäre schön." Bella lächelte überrascht. Anscheinend kochte sie sonst immer alleine.

„Naja, wahrscheinlich werde ich dir nur Gesellschaft leisten. Ich kann nämlich nicht kochen", verriet Alice breit grinsend.

„Das macht nichts. Ich bring es dir bei", versprach Bella. „Hat dir eigentlich schon jemand gesagt, dass du Grübchen hast wenn du so lächelst?"

Ich war Alice dankbar, denn sie brachte Bella zum Reden und war viel aufmerksamer als ich.

„Ja, Jake sagt das immer", erwiderte Bella. Sie hatte sich Alice zugewandt, sodass ich ihr Gesicht im Profil betrachten konnte. Sie war sehr blass, hatte einen niedlichen Schmollmund und natürlich ihre warmen braunen Rehaugen.

Von ihr ging eine sanfte Schönheit aus, die mir vorher gar nicht aufgefallen war.

„Hast du schon mit ihm telefoniert?" In Bellas Gesicht zeichneten sich Schuldgefühle ab. „Nein, dass hab ich in dem Trubel ganz vergessen. Jake wird sich Sorgen machen."

Sie strich sich eine Haarsträhne aus dem Gesicht.

„Hast du eigentlich einen Freund in Phoenix?", fragte Alice plötzlich mit spitzbübischem Grinsen. Bella wurde rot und sah verlegen weg. „Nein, aber das ist auch gut so. Was hätte die Beziehung denn für einen Sinn, wenn ich am anderen ende der Staaten lebe und man sich nicht mehr sieht?" Alice legte die Stirn in Falten. „Da hast du Recht, so was ist immer schwierig." Bellas Gesicht wurde noch röter und sie nestelte nervös an ihrem Schreibblock herum. „Darf ich dich was fragen, Alice? –Ich meine was Persönliches?"

Alice strahlte. „Natürlich! Wir sind doch Freundinnen."

„Wie hast du Jasper kennen gelernt? Ich weiß nicht, aber wenn ich euch sehe fällt es mir schwer, nicht an die wahre Liebe zu glauben." Während Bella sprach starrte sie verlegen auf den Tisch und ihre Wangen wurden noch dunkler, als hätte sie mehr von sich preisgegeben, als sie eigentlich gewollt hatte.

Alice kicherte vergnügt. „Bevor wir zusammengekommen sind, hatte ich natürlich schon ein Auge auf ihn geworfen aber erst am Jahresabschlussball zwei Jahre später sind wir uns näher gekommen. Das ist jetzt eineinhalb Jahre her und seit dem sind wir ein Paar."

Alices Blick war verträumt in die Ferne gerichtete. Es war genau dieser idiotische verliebte Gesichtsausdruck, den ich so wenig verstand.

„Aber Moment mal", sagte Alice plötzlich. „Du glaubst nicht an die große Liebe?"

Ich wurde hellhörig. Bella schüttelte den Kopf. „Nein"

Das Mädchen, von dem ich gedacht hatte, wir wären von Grund auf verschieden, hatte eine Gemeinsamkeit mit mir. Auch ich glaubte nicht an diesen Liebes-Quatsch.

„Wie kannst du denn nicht daran glauben?", fragte Alice entsetzt. Bella sah wieder weg.

„Ich... na ja ich glaube dazu betrachte ich die Dinge einfach zu... objektiv.", sagte Bella.

„Aber eigentlich... also es ist mir mal etwas passiert und seit dem kann ich an so etwas nicht glauben", fügte sie aufrichtig hinzu. Ihr schien es schwer zu fallen, dieses Erlebnis auch nur anzudeuten.

„Was war das?", fragte Alice neugierig. Mal ganz ehrlich, sie warf mir vor, die Feinfühligkeit einer Dampfwalze zu besitzen und merkte selbst nicht, wie unangenehm es Bella war, darüber zu sprechen.

„Ich hab das noch nicht wirklich verarbeitet." Bella sah Alice wieder ins Gesicht.

„Aber wenn ich so weit bin, erzähl ich es dir, versprochen."

So wie ich Alice kannte, hätte sie Bella jetzt so lange bearbeitet, bis sie alles erfuhr, doch Professor Banners Auftauchen unterbrach ihr Vorhaben.

Nachdem ich nach dem Sportunterricht aus der Turnhalle trat und zum Parkplatz lief, warteten Em, Jas, Alice und Bella schon am Volvo. War das hier das neue Bild, von meiner Familie? –Mit Bella?

„Hey, Edward", rief Jas. „Nächsten Freitag gehen wir zusammen in die Karaokebar in Seattle, was sagst du dazu?" Ich schloss den Wagen auf und setzte mich hinters Steuer.

„Klingt gut, ich bin dabei", sagte ich so unbeschwert wie möglich, doch wenn ich ehrlich zu mir selbst war, spukte mir seit der Biostunde nur Bellas Geheimnis im Kopf herum.

Zum Glück war ich so gut wie nie ehrlich zu mir selbst.

Bella

Bei den Cullens zuhause- ich konnte es noch nicht mein zuhause nennen- verschwand ich in meinem Zimmer und setzte mich an die Hausaufgaben. Zum Glück hatte der Schultag nicht ganz so desaströß geendet wie er begonnen hatte. Nach der katastrophalen ersten Stunde, hatte ich es zum Glück ohne größere Zwischenfälle durch den Tag geschafft. Während ich die letzten Matheaufgaben löste und meine Schultasche für morgen packte, warf ich einen Blick auf meine Armbanduhr. Unschlüssig blieb ich in der Raummitte stehen und betrachtete das Chaos, das sich mir bot. Es war noch zu früh, um mit dem Kochen anzufangen, also würde ich wohl nicht drum rum kommen, meine Sachen richtig einzuräumen.

Ich räumte meine geliebten Bücher, vor allem Klassiker in das Regal ein und sortierte meine kleine CD-Sammlung. Es war eine bunte Mischung aus Klassik, Rock, Pop und Jazz.

Ich hörte Musik immer nach meiner gegenwärtigen Stimmung.

Erst jetzt fiel mir die teuer aussehende Stereoanlage auf. Sofort bekam ich ein schlechtes Gewissen. Ich legte eine CD mit klassischer Musik ein und während ich mein Zimmer aufräumte, hatte ich das Gefühl, auch gleichzeitig in mein Leben wieder Ordnung zu bringen.

Ich räumte meine letzten Klamotten in den riesigen Schrank; sie füllten ihn nicht mal bis zur Hälfte. Das Zimmer war jetzt sauber und ordentlich, doch zum Kochen war es immer noch zu früh. Ich beschloss bei Jake anzurufen. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, dass ich es so weit heraus gezögert hatte, doch ich hatte Angst, die Fassung zu verlieren, wenn ich seine vertraute Stimme hören würde. Ich ließ mich aufs Bett fallen und wartete, dass Jake abhob.

„Bella?"

„Hey, Jake."

„Wie geht´s dir?"

„Ganz okay"

„Weinst du?"

„Ja... Es tut so gut deine Stimme wieder zuhören."

...

Nach einer Stunde legte ich mit einem guten Gefühl auf. Jetzt wusste ich wieder genau bescheid, was zuhause los war.

Ich ging hinunter in die Küche, wo Alice und Jas eng umschlungen auf dem Sofa saßen und einen Film schauten. Rose war inzwischen auch her gekommen und lehnte an Emmetts Schulter, während sie weinend den Bildschirm betrachtete.

Anscheinend war es ein sehr trauriger Film, den sie da schauten.

Von Edward und seiner Freundin Tanya war nicht zusehen.

Ich versuchte mich inzwischen in der offenen Küche zurechtzufinden.

Es war eine vertraute Arbeit und einen Augenblick lang, fühlte es sich an wie früher, als ich für Renee und mich gekocht hatte und wir uns dann alles über unseren Tag erzähl hatten.

Vor mich hin summend briet ich das Hackfleisch und kochte dann die Tomatensoße.

Alice kletterte mit geröteten Augen auf die Anrichte und sah mir beim Kochen zu.

„War der Film so traurig?", fragte ich und schichtete die Nudelplatten in eine Auflaufform.

„Ja... Du und ich werden in Zukunft mit Rose richtige Mädchenabende machen. Da gehört DVD schauen auch dazu. Davor gehen wir shoppen und dann machen wir eine kleine Modenschau und zeigen den anderen, was wir gekauft haben." Sie seufzte glücklich.

„Ich finde das so toll, dass du hier bist! Wir werden richtig gute Freundinnen werden", sagte sie überzeugt. Ich konnte nicht anders, als zu lächeln.

„Das hoffe ich auch." Alice war jemand, den man einfach mögen musste. So viel Tatendrang und Energie hatte ich noch nie auf einem Fleck gesehen.

Wir unterhielten uns und Alice assistierte mir beim Aufschichten der Nudelplatten.

Anschließend schoben wir die Lasagne in den Ofen und machten uns dann daran den Tisch zu decken.

Alice war ein richtiges Dekorations-Talent, aber das hatte ich ja schon anhand meines Zimmers erkennen können, dass sie alleine eingerichtet hatte.

Aus ein paar Efeuzweigen und einfachen weißen Kerzen zauberte sie eine ansprechende Tischdekoration.

„Wer spielt eigentlich auf dem Flügel?", fragte ich und betrachtete das schwarz glänzende Instrument.

„Edward ist der einzige der spielen kann, aber dafür richtig gut. Früher hat er sogar komponiert", erzählte Alice und zupfte das Tischtuch zurrecht.

Eigentlich hätte ich es mir denken können, dass Edward derjenige war, der Klavier spielte. Irgendwie schien er ja in allen Bereichen talentiert zu sein, außer im nett sein natürlich.

Plötzlich holte Alice eine Digitalkamera aus ihrer Handtasche und schoss ein Foto von mir.

„Hey! Du hättest mich doch wenigstens vorwarnen können", beschwerte ich mich und versuchte mein Gesicht zu verdecken.

„Widerspruch ist zwecklos! Komm mal mit!", kommandierte Alice und zog mich am Arm zu der Wohnzimmerwand, mit den vielen Fotografien.

Ich betrachtete sie lange und eingehen. Oft war da eine schöne sanft lächelnde Frau zu sehen mit den unverschämt grünen Augen von Edward.

„Esme?", fragte ich. Alice nickte, sie sah traurig aus.

Und noch etwas fiel mir auf. Auf den Fotos lachte Edward und damit meinte ich nicht dieses arrogante halbherzige hochziehen der Mundwinkel, sondern ein glückliches Lächeln, das auch in seinen Augen zu sehen war. Eigentlich konnte ich dankbar dafür sein, dass ich ihn noch nie richtig hatte lächeln sehen. Wenn seine mürrische, arrogante Ausgabe mich schon faszinierte... Lieber nicht darüber nachdenken.

„Hast du Esme gekannt?", fragte ich leise, ohne das Foto von Edward aus den Augen zu lassen. „Nein... aber Jas hat mir alles über sie erzählt, sodass es sich so anfühlt, als hätte ich sie wirklich kennen gelernt." Ich nickte verständnisvoll.

„Für die Jungs war das sehr schlimm oder?"

Alice sah mich müde an. „Du kannst dir nicht vorstellen wie sehr... Besonders Edward hat sich durch Esmes Tod verändert. Weißt du, früher war er ganz anders, hat Jas erzählt. Nicht so eingebildet und unfreundlich. Damals war sein Charme anscheinend noch größer. Keine Frau konnte ihm widerstehen... Leider weiß er das auch." Alice lachte leise „... Aber du darfst ihm das nicht übel nehmen, er hat sehr unter diesem Verlust gelitten." Betreten sah ich zu Boden. Ich hatte Edward unrecht getan. Er war nicht nett zu mir gewesen, doch das lag nicht speziell an mir, sondern an seiner Vergangenheit.


Hoffe euch hat das Chapi gefallen und ihr lasst wieder brav einen review da :)