Kerkermond

Lady of the Dungeon

Alle Figuren gehören J.K. Rowling. Ich werde sie unbeschadet zurückgeben, soweit sie selbst diese Figuren angemessen behandelt.

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Vielen Dank für die Reviews zu Kapitel 9 an Lucindana, IceEgg und NadjaHaexe.

Am Ende dieses Kapitels wird Pettigrew ein Lied zu besten geben, dies kann ich verraten, ohne euch die Spannung zu nehmen (im Gegenteil, schauerlicher Gedanke, dass ausgerechnet Peter sich über etwas freut...) Vorschläge, welches Lied er pfeifft, werden noch entgegen genommen. Hier der meinige, der Pfeifklassiker von Monty Python „Always look at the bright side of life"


10. Lucius: Am Kreuzweg

Lucius stieg die Treppen hinunter und schickte die Wache zum Wechsel nach oben. Dann näherte er sich der Zelle, in der er Narcissa mit Severus zurückgelassen hatte. Sein Plan war der pure Wahnsinn, er spielte ein Spiel mit Jokern und gezinkten Karten, und die Gleichungen, mit denen der jonglierte, trugen mehrere Unbekannte.
Falls Fleur den Schild nicht unbemerkt durchdringen konnte, falls Mortensen ihr nicht glaubte, weil er sie für eine Todesserin hielt, falls seine Nachricht nicht den erwünschten Effekt hätte…hatte er immer noch Netz und doppelten Boden. Doch für diesen Fall benötigte er die Loyalität seiner Frau, und Merlin allein wusste, ob er diese besaß.

Er vergewisserte sich, dass wirklich keine Todesser mehr in diesem Bereich des Kerkers waren. Er lächelte, sein Aufspürzauber hätte selbst Pettigrew in seiner Rattengestalt enttarnt. Den hatte er zudem erst in einer halben Stunde bestellt. Er hatte einen fetten Köder für den gefährlichen Gryffindor, an dem dieser sich hoffentlich heillos verschlucken würde.

„Narcissa?" Seine Stimme drang durch die Dunkelheit.
„Lumos!" Er erhellte den Kerker gerade genug, um sich zu orientieren.
„An die Wand, Severus."

Der dunkelhaarige Zauberer befolgte seine Anweisung ohne ein weiteres Wort. Dünne Fesseln schossen aus Lucius' Stab und banden den Tränkemeister sicher an die Eisenringe in der Wand.

„Komm zu mir, Narcissa."

Sie erhob sich von dem Lager aus Stroh und Decken, auf dem sie mit Severus gelegen hatte. Falls sie Angst hatte, zeigte sie es nicht.

„Näher", befahl er.

Als sie auf Armeslänge von ihm entfernt war, zog er sie unter seinen Umhang.
„Hör mir zu", flüsterte er. „Vielsafttank." Er drückte ihr die Phiole in die Hand. „Dieser hält einen Tag lang. Er verwandelt dich in Miss Delacour. Trink. Niemand wird sich wundern, wenn du in dieser Gestalt hier unten bist. Solange ich hier die Fäden in der Hand halte, kann dir nichts passieren. Falls die anderen kommen sollten, bist du mit dieser Tarnung ebenfalls sicher, da die junge Dame ein Mitglied des Phönixordens ist. Falls ich von der Hand unserer eigenen Leute sterben sollte, denkt euch eine Geschichte aus, wie es Severus gelungen ist, dich zu überwältigen und dazu zu zwingen, das Gebräu hier zu schlucken."
Er lachte bitter.
„Im gemeinsamen Lügen seid ihr ja kreativ. „Er wird sich sicher freudig für dich opfern", fügte er sarkastisch hinzu.

Dann, einem plötzlichen Impuls folgend, zog er seine Frau in eine Umarmung. Sie wehrte sich nicht, als er sie küsste, hungrig und mit einer beinahe verzweifelten Intensität. Plötzlich ließ er von ihr ab. Etwas hatte sich an der Treppe im Gang geregt.

„Machen Sie keinen Fehler, Mademoiselle Delacour", sagte er laut. „Voldemort ne perdonne pas des faults. "

Er ließ sie los und trat auf den nun erleuchteten Gang zurück. Im Hinausgehen löste er wortlos Severus' Fesseln. „Mr. Pettigrew", sagte er seidig in Richtung des Gangs, „Sie sind früh dran."

„Ich wollte nur einen Blick auf das kleine französische Vögelchen werfen, bevor ich mich dem Werwolf zuwende, den man mir gnädigerweise überlassen hat", erwiderte Pettigrew scheinbar unbeteiligt und näherte sich der Zelle.

„Puh, ist das düster hier. Was seid ihr Slytherins nur für lichtscheue Geschöpfe. Lumos maxima!"

Das Innere der Zelle erstrahlte förmlich in gleißendem Licht. Lucius sah, wie Severus und Narcissa - Merlin sei dank hatte sie den Trank bereits eingenommen und Fleurs Gestalt erlangt! – sich geblendet die Hände vor die Augen hielten.

„Hallo, mein französisches Täubchen", sagte Pettigrew. „Du wirst sie nicht für lange haben, Snivellus", setzte er hinzu.

Lucius unterdruckte den Impuls, Pettigrew an die Gurgel zu gehen. Dass Narcissa ihn mit Severus betrog, war eine Sache, dass diese Ratte hier sich jedoch über sie hermachte, weil er sie für Fleur Delacour hielt, würde er verhindern.

„Heute Abend werden wir uns weder mit Wölfen noch mit Tauben befassen, Mr. Pettigrew", sagte Lucius mit Nachdruck. „Heute Abend jagen wir einen Phönix."

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Beinahe zögerlich schloss Severus Narcissa in die Arme, nachdem Lucius und Pettigrew gegangen waren. Etwas den Gang hinunter waren verzweifelte Schreie zu hören. Irgendwer hatte wohl zwei Dementoren auf die drei Männer in Hagrids ehemaligem Verlies losgelassen.

„Ihr habt eine Dunkelheit beschworen, die uns alle verschlingen wird", wisperte Narcissa.

„Es gibt nichts, das ich mehr bereue", entgegnete Severus leise. „Was für ein Spiel spielt dein Mann? Er sperrt dich zu mir, statt dich in Malfoy Manor von allem fern zu halten. Das tut er sicher nicht, damit meine Nächte weniger einsam sind. Obwohl das ein nicht zu unterschätzender Vorteil ist." Er küsste sie mit mühsam zurückgehaltener Leidenschaft. Der fremde Körper verwirrte ihn, und er war unsicher, ob Narcissa überhaupt wünschte, in dieser Gestalt von ihm berührt zu werden.
„Er hat Fleur Delacour fortgeschafft, aber wohin? Und warum?"

„Ich weiß es nicht." Sie wiederholte flüsternd für ihn, welche Weisungen Lucius ihr gegeben hatte. „Vielleicht will er sie an meiner Stelle in Malfoy Manor unterbringen? Er kann grausam sein. Mag sein, er erhofft sich von ihr, was ich ihm zuletzt verweigert habe."

„Das kann er auch oben im Büro haben, ohne eine Gegnerin in euer Haus zu bringen und am Ende noch euren Sohn zu gefährden. Fleur mag keine mächtige Hexe sein, aber sie ist immerhin der Champion von Beauxbatons gewesen."
Severus schüttelte den Kopf.
Nein, was er dir gesagt hat, impliziert, dass er zumindest nicht ausschließt, dass dieser verfluchte Felsen hier von jemand anderem als Todessern erobert wird."

„Wer sollte das sein, Severus? Da ist niemand mehr. Sie sind alle tot."

„Potter nicht. Er lebt. Er ist entkommen und versteckt sich irgendwo. Und niemand, Cissy, niemand schafft das über Wochen alleine. Irgendjemand hält seine Hand über den Jungen."

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Remus Lupin war erleichtert, als Lucius Malfoy Fleur abgeholt hatte. Es hatte nicht ausgesehen, als ob der Slytherin plante, die junge Hexe zu töten, andererseits konnte Malfoy sein Gesicht von einer Sekunde zur nächsten wandeln. In dem Gentleman steckte eine kaltblütige Bestie.
Lupin wünschte sich, er hätte nur ein Jota der Selbstkontrolle des Slytherins. Der Mond würde jedes bisschen Verstand, das er besaß, davon waschen, übermorgen Nachmittag.

Zum letzten Mal… Es würde das letzte Mal sein, dass der Schmerz seine Glieder zerriss und er sich seiner inneren Bestie geschlagen geben musste. Und auch noch ein Mittagsmond…

‚Wo Leben ist, ist auch Hoffnung.' Glaubte Fleur, was sie sagte?

Er selbst hatte längst jede Hoffnung aufgegeben. Vielleicht war auch das ein Grund, warum ihn die Dementoren in Ruhe ließen. Andere jedoch hatten weniger Glück. Er hörte ihre Schreie und hielt sich die Ohren zu, vergeblich, wie er wusste.

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Lucius Malfoy ging nervös in seinem Arbeitszimmer auf und ab. Ein Teil seines Plans war aufgegangen. Voldemort hatte sich tatsächlich entschieden, Pettigrew die Mission zu übertragen, von der abhing, ob sie dem Versteck Potters näher kommen würden.
Voldemort hatte seine besten Leute entsandt, nicht die zweite Reihe, die hungrig auf Posten im engeren Zirkel des Dunklen Lords lauerte. Pettigrew, Dolohov, Nott und Avery. Und natürlich Bellatrix Lestranges. Dazu einige Spezialisten für Dunkle Magie aus seiner Kaderschmiede in Durmstrang, und eine handvoll Auroren aus Albanien. Selbst Lucius hatte nicht gewusst, dass der Arm des Dunklen Lords derart tief nach Südosteuropa hinein reichte.

Lucius selbst war nicht geschickt worden. Eine der Unbekannten in seiner Gleichung war eine bekannte Größe geworden. Er hatte gehofft, dass Voldemort ihn erwählen würde, denn er war trotz allem der beste Stratege in seinem Zirkel. Aber der Dunkle Lord hatte offenbar nicht vergessen, dass Lucius die Prophezeiung verloren hatte, damals, im Ministerium. Und Sirius Blacks Tod war nicht genug gewesen, um dieses Malheur aufzuwiegen.

Lucius blieb nur noch die Hoffnung, dass Lars Mortensen Fleur geglaubt und die notwendigen Maßnahmen eingeleitet hatte. Es wurde Zeit, dass die Welt begriff, was für eine Kreatur hier von Britannien aus die dunkle Hand nach ihrem schlagenden Herzen ausstreckte.

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Endlich! Die Flammen im großen Kamin loderten auf. Lucius sprang auf, um den Boten zu empfangen. Doch ihm kamen mehrere Gestalten entgegen. Es waren fünf.
Dolohov blutete wie ein Schwein. Jemand hatte ihm das rechte Ohr abgetrennt. Zwei der Albaner sahen nicht viel besser aus. Pettigrew schien unverletzt. Seinen Stab hatte er auf eine Frau gerichtet, die ein etwa zweijähriges Kind an sich presste. Ihre Hände waren voller Blut.

„Was ist geschehen, Pettigrew?" verlangte Lucius zu wissen.
Merlin, was in aller Welt brachte sie dazu, hierher zu kommen, anstatt zum Dunklen Lord?
„Habt ihr Mortensen? Und Potter?"

„Potter war nicht da. Aber er ist dort gewesen. Snape hatte also nicht mal Unrecht. Was Mortensen betrifft, der vermutlich wusste, wo Potter jetzt steckt: Wir hatten ihn. Das Haus war gut bewacht, aber wir waren in der Überzahl. Wir haben sie alle getötet, bis auf Mortensen und seine Familie. Die Lage war geklärt, dann gab es plötzlichen einen weiteren Angriff."

Pettigrew wirkte völlig desolat, sein Blick flackerte unruhig umher, doch er sprach weiter: „ Sein Haus musste irgendwo einen Alarmzauber haben, den wir übersehen haben. Es waren viele Gegner, also beschlossen wir, Mortensen mit seiner Frau in den Keller zu sperren."

Du hast das beschlossen, Pettigrew", zischte Dolohov. „Vergiss das nicht."

„Was ist passiert? Habt ihr Mortensen zum Dunklen Lord gebracht?" Lucius konnte die Anspannung nicht aus seiner Stimme verbannen.

Geschlagen schüttelte Pettigrew den Kopf. „Wir haben eine Wache mit ihm in den Kerker geschickt. Aber Mortensen hat den Mann angegriffen. Und der verfluchte Idiot hatte nichts Besseres zu tun, als ihn zu töten."

„Oh Merlin", rief Lucius aus. „Der Dunkle Lord wird ihn bei lebendigem Leibe häuten."

„Kaum", erwiderte Dolohov kalt. „Die junge Dame hier war so frei, den Mörder ihres Mannes zu erstechen. Darf ich vorstellen? Mrs. Mortensen, und ihr entzückendes Baby. Leider ist sie eine Muggel und sie hat keine Ahnung, wo sich Potter verbirgt. Der Legiliment aus Tirana hat sich ihrer schon angenommen."

Schweigen erfüllte den Raum. Lucius musterte die Frau. Sie hatte mochte etwa Ende zwanzig sein, ihr dunkelblondes Haar war blutverkrustet und strähnig, und sie sah ebenso geschlagen aus wie Pettigrew. Kein Wunder, dachte er, sie hat ihren Mann sterben sehen und einen anderen getötet. Und wie mochte ihr Leben in den letzten Tagen und Wochen ausgesehen haben? Es war sicher nicht leicht, die Frau des Leiters des dänischen Phönixordens zu sein. Die Frau des Mannes, der Harry Potter verbarg.

„Was befielt der Dunkle Lord?" fragte Lucius.

„Er hat die Gruppe aus Durmstrang auf Mortensens Bruder angesetzt. In zwei Tagen soll sie", Dolohov wies auf Mortensens Frau, „sterben, eine öffentliche Hinrichtung." Er grinste. „Bis dahin ist es deine Aufgabe, sie sicher aufzubewahren, Lucius." Er seufzte. „Und könntest du mein Ohr in Ordnung bringen?"

Er hielt Lucius ein blutiges Bündel hin, in dem sich ganz offensichtlich etwas Fleischiges befand.

Lucius ignorierte seinen Widerwillen und nahm das Ohr aus dem blutgetränkten Stoff.

„Sicher doch, Antonin. Wenn du mit in mein Büro kommen würdest? Die Prozedur ist nicht ganz schmerzfrei, du sitzt besser dabei. Und ihr", er wandte sich den anderen zu, „bringt die Gefangene runter."

„Eine Zelle mit vielen Männern?" fragte einer der Albaner mit schwerem Akzent und setzte ein hämisches Grinsen auf.

„Merlin bewahre! Der Dunkle Lord will sie unversehrt, das sollte doch selbst euch klar sein." Lucius seufzte und warf einen Blick auf den Belegungsplan. Es hatte einmal gut funktioniert, es würde wieder klappen. „Zu Lupin."

Ein schauderhaftes Lachen erklang von Pettigrews Lippen. „Da werde ich sie höchstpersönlich abliefern."

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„Moony, Moony, los wach auf du alter Werwolf, ich habe dir etwas mitgebracht."

Pettigrews triumphierendes Trompeten klang durch den ganzen Kerker.

Lupin blickte müde zur Tür. Er hatte kaum geschlafen in letzter Zeit, aber nachdem die Schreie der Männer, denen die Dementoren zugesetzt hatten, vor Stunden verstummt waren, musste er doch in der Dunkelheit eingedöst sein.

Pettigrew riss ihn an den Ketten in die Höhe, die er magisch kürzte. Remus schnappte nach Luft, als sein Kopf mit der Mauer kollidierte.

Dann erhellte Peters Stablicht grell die Zelle.

Neben Pettigrew, die Augen angstvoll geweitet, stand eine Frau mit einem Kleinkind auf den Armen.

Peter stieß sie grob vor sich her. „Los, mach schon, du Flittchen."

Zögernd trat sie tiefer in die Zelle hinein, ihre Finger strichen über die lichtblonden Löckchen des Kindes.

„Gute Nachrichten für dich, Moony. Der Kampf gegen Greyback ist abgesagt. Anstelle deines alten, räudigen Fells wollen wir doch lieber deiner ach so zarten Seele ein bisschen zusetzen. Das hier ist Mrs. Mortensen. Sie wird dir Gesellschaft leisten – bis zum Mondaufgang morgen. Was du danach mit ihr tust, ist deinem freien Willen überlassen."

Peter stimmte ein höhnisches, schauerliches Gelächter an.

„Dein freier Wille, Moony! Nach dem Mondaufgang."

„Peter, bitte nein!" Panik überflutete Remus. Eine Frau und ein Kind. Merlin, er würde sie zerreißen, sobald er sich verwandelt hatte.

Pettigrew hatte die Gittertür bereits geschlossen und ließ jetzt die Ketten wieder locker. Remus sprang auf und warf sich in Richtung der Tür. Er kam auf Hände und Knie zu kauern.

„Peter, komm zurück! Bitte, das kannst du nicht machen!"

Pettigrew drehte sich um. Er beugte sich ein Stück herunter, und klein wie er war, kam er nun fast auf Augenhöhe des knienden, flehenden Werwolfs.

„Du weißt, dass ich es kann, Remus", zischte er. „Du wirst ein Mörder sein. Ein Doppelmörder. Moony, eine wehrlose Frau und ein unschuldiges Kind. Ein Kindermörder. Gewöhn dich schon mal dran." Er spuckte Remus ins Gesicht, drehte sich um und lief den Gang hinunter. Seine Schritte verhallten, zusammen mit dem fröhlichen Lied, das er pfiff.

Fortsetzung folgt


Ihr ahnt es sicher schon, das nächste Kapitel wird sich mit Remus befassen. Ob der sensible Lehrer tatsächlich zum blutrünstigen Mörder taugt? Wer wirst du sein, Remus Lupin: Dr. Jekyll oder Mr. Hide?