Disclaimer: Wie immer!

A/N: Es ist Ostern, das Wetter ist gut, Bayern München läuft Gefahr nächstes Jahr nicht in der Champions League zu spielen, Schalke 04 spielt morgen gegen Manchester United (Glück auf, Kameraden!), mein absoluter Lieblingsfußballer hat letzten Mittwoch die Copa del Rey gewonnen, William und Kate heiraten Freitag und die dänischen royalen Zwillinge sind endlich nicht mehr namenslos (Vincent und Josephine! Falls es jemanden interessiert). Das einzig Negative in diesem Monat ist, dass mein Laptop kaputt gegangen ist (und ich jetzt mit einem alten Antik-Laptop arbeite), dass ich mir die Schultern und den Nacken ernsthaft verrenkt und verspannt habe (und mich nun schon seit 6 Wochen damit rumplage) und DASS DIE BENZINPREISE EINE ZUMUTUNG SIND! Ernsthaft, wann tut die Regierung endlich mal was dagegen?

OK, wegen der guten Sachen und trotz der schlechten Sachen, die den Aprill 2011 ausmachen gibt es hier ein weiteres Kapitel.

Viel Spaß beim lesen.


Kapitel 10: Am Rande des Abgrunds

Doch wieder einmal hatte er Potter komplett unterschätzt, denn als sie in dem düsteren Gang vor dem Gerichtssaal ankamen, wo Katie schon auf sie wartete, machte er nicht die leisesten Anstalten, seinen Kontrollverlust auch nur anzudeuten. Und auch Weasley sagte, brummte oder knurrte nichts, obwohl er sich vorher nicht mit Potter hatte absprechen können. Adrian war gegen seinen Willen beeindruckt, wie perfekt die Zwei miteinander harmonierten und in diesem Moment wunderte es ihn nicht mehr, dass sie damals den dunklen Lord besiegt hatten. Er hatte zwar immer noch keine Ahnung, wie sie es genau geschafft hatten, aber wenn sie damals genauso perfekt harmoniert und blind vertrauend zusammen gespielt hatten wie jetzt – und diese neunmalkluge Granger ebenfalls auf der Schiene mitgefahren war -, war es nicht wirklich überraschend, dass sie am Ende Erfolg gehabt hatten. Sie waren besser aufeinander eingespielt als es die perfekteste Todesserspezialeinheit jemals gewesen war. Denn so gut die auch gewesen waren, es hatte nie dieses blinde Verstehen unter ihnen geherrscht. Irgendwo war immer ein letzter Hauch Misstrauen und Egoismus geblieben und das hatte ihnen am Ende allen – Salazar sei Dank – das Genick gebrochen.

Mit ein paar knappen Worten wurde er schließlich vom magischen Nationalhelden an seine Magi-Anwältin übergeben, die nichts ungewöhnliches an dieser Übergabe festzustellen schien. Sie nickte lediglich geistesabwesend, blätterte hektisch in ihrer dicken Aktenmappe herum und murmelte und fluchte halblaut vor sich hin. Ihm selber entging allerdings nicht, dass Harry ihm hinter Katies Rücken ein breites, triumphierendes Grinsen zuwarf, bevor er durch die kleine, unscheinbare Tür in den Gerichtssaal trat, während Weasley kopfschüttelnd, aber nun doch mit leicht zuckenden Mundwinkeln wieder in Richtung Aufzug verschwand.

Resigniert seufzend lehnte er sich an die kalte, grobe Steinwand, ließ den Kopf nach hinten sinken und starrte blicklos an die Decke. Er rang kurz mit sich, ob er wirklich beichten und das Donnerwetter von Katie hier über sich ergehen lassen sollte oder ob er es drauf ankommen lassen sollte und ohne etwas zu sagen in seine entscheidende Bewährungsverhandlung gehen sollte, in der Hoffnung, dass Katie später spontan und unter Druck Herausragendes bewerkstelligen würde. Doch schließlich schrieb er diesen Gedankengang als komplett wahnsinnig ab. Wenn er das riskierte, konnte er genauso gut gleich hier um Rückkehr nach Askaban bitten. Und um genau das zu verhindern war er schließlich überhaupt erst hier. Also gab er sich innerlich einen Ruck und stellte sich dem unvermeidlichen Donnerwetter.

„Ich habe Mist gebaut.", murmelte er leise, sah jedoch weiterhin blicklos an die Decke. „Verdammt großen Mist."

„Du hast was?", kam es verwirrt, ungläubig, aber gleichzeitig auch mit einem Hauch dunkler Vorahnung von Katie.

„Ich habe Mist gebaut.", wiederholte er seine ungenaue Beichte noch einmal, sah sie jedoch immer noch nicht an. Er konnte es einfach nicht. Zu sehr ärgerte er sich über sich selbst. Ihren mit Sicherheit vorwurfsvollen Blick, weil er ihre wochenlange, akribisch durchdachte Strategie aufs Spiel gesetzt und sie mit dem Rücken zur Wand gebracht hatte, konnte und wollte er jetzt nicht sehen.

„Erkläre 'Mist gebaut'.", forderte sie ihn tonlos auf und er erzählte in knappen Worten, was vor nichtmal einer halben Stunde oben im Zellentrakt passiert war.

Katie reagierte mit Schweigen auf seine Beichte. Sie schwieg so lange, bis er es nicht mehr aushielt und ihr schließlich langsam den Blick zuwandte. Ihre sonst so großen Puppenaugen waren jetzt zu dünnen Schlitzen verzogen, aus dem ihm blaufunkelndes Feuer entgegen blitzte und er schluckte unwillkürlich. Verdammt, sie machte ihm gerade wirklich Angst.

„Sag mir bitte, dass das nicht wahr ist.", forderte sie ihn leise und mühsam beherrscht auf.

„Ich wünschte, ich könnte es.", gab er tonlos zurück, woraufhin sie schließlich explodierte.

„Sag mal, bist du komplett wahnsinnig geworden, Pucey?", fuhr sie ihn so laut und heftig an, dass er wie körperlich geschlagen zusammen zuckte und den Blick abwandte. „Sieh mich gefälligst an, du Idiot!", fuhr sie jedoch ungebremst in ihrer Flucherei fort und er reagierte instinktiv und sah zurück. „Weißt du überhaupt, was du da angerichtet hast?" Er nickte, doch er sah ihr deutlich an, dass sie ihm das nicht abnahm, was sie ihm auch gleich unverblümt an den Kopf knallte. „Ich glaube aber nicht, denn sonst hättest du dich nicht zu so einer Scheiße hinreißen lassen. Glaubst du vielleicht ich mache umsonst seit Wochen Überstunden, wälze Akten, suche nach den besten Schrift- und Pergamentsachverständigen und bastele buchstäblich aus dem Nichts glaubbare Argumente, damit der Zaubergamot deine Tagebücher nicht doch noch komplett in die Finger kriegt, um dich am Arsch zu kriegen? Ich habe mich darauf verlassen, dass du deinen Teil in dieser ganzen Sache hinkriegst und dich ein paar Wochen zusammen reißt und nicht in irgendwelche Fallen tappst, Pucey. Und dann hast du nichts besseres zu tun, als kurz vor knapp noch so einen Bockmist zu bauen und mir keine Zeit mehr zu lassen, noch irgendwas retten zu können? Unsere ganze Strategie steht jetzt auf verdammt wackeligen Beinen und Harry reibt sich da drinnen gerade genüßlich die Hände."

„Glaubst du, das weiß ich nicht?", fuhr er sie schließlich ebenfalls an, als der Frust jetzt endgültig die Überhand in ihm gewann. „Ich könnte mich treten, weil ich nicht eine verdammte Viertelstunde länger habe durchhalten können, aber jetzt ist es nunmal zu spät. Es ist passiert, auch wenn ich alles dafür geben würde, um das ungeschehen machen zu können."

In dem halbdunklen, ungemütlichen Gang sahen sie sich eine Weile stumm an, bevor Katie sich genervt abwandte und sich mit der Hand durch ihre wilde Lockenmähne fuhr. Er selber versuchte mit aller Macht, sich wieder zu beruhigen, denn es brachte ihm nichts, hier komplett die Nerven zu verlieren. Ganz im Gegenteil. Wenn er noch lauter schrie, würden sie im Gerichtssaal auf sie aufmerksam werden und dann war der Ofen endgültig aus. Denn auch wenn ihm der Vorfall vom letzten Jahr nicht negativ angerechnet werden durfte, in diesem Jahr durfte man es ihm negativ anrechnen, wenn man ihn dabei erwischte, wie er seine Magi-Anwältin aufgebracht niederbrüllte.

„Bei Merlin! Harry, du bist gut. Verdammt gut sogar.", murmelte sie leise vor sich hin und er runzelte die Stirn. Was war das jetzt schon wieder? „Und ich blöde Kuh bin auch noch so blöd und falle darauf rein, dass ihr diesen Kids nur eine Lektion erteilen wollt. Dabei war dieses Theater einfach nur dazu gedacht, um Adrians Geduldsfaden zum reißen zu bringen. Bei Merlin, ich bringe dich um, wenn ich dich das nächste Mal alleine erwische, Potter."

„Würdest du mich mal aufklären?", hakte Adrian jetzt irritiert nach, da er rein gar nichts verstand.

Katie seufzte, fuhr sich müde mit der Hand über das Gesicht und sah ihn dann an. Sämtliche Wut über seinen Bockmist war aus ihrem Blick gewichen und sowas wie Anerkennung war darin zu sehen.

„Dieses ganze Kindertheater da oben war alles nur Show.", meinte sie schließlich und ließ die Hand sinken. „Die haben die Jungs nicht da behalten, um ihnen eine Lektion zu erteilen, sondern um dich mürbe zu machen. Die Auroren, der Zaubergamot, die magische Eingreiftruppe und die Magi-Anwälte der Jungs haben alle zusammen gearbeitet, um dich in die Falle zu locken."

„Wie bitte?" Nun noch irritierter sah er sie an. „Meinst du nicht, dass du jetzt leicht paranoid wirst? Die können doch nicht alle zusammen arbeiten?"

Sie nickte jedoch völlig von ihrer Meinung überzeugt.

„Doch, das können die. Wenn Harry sowas anleiert, dann können die das. Du hast keine Ahnung, wie groß Harrys Einfluß in der magischen Welt heutzutage ist."

„Aber die Jungs da oben waren ehrlich geschockt, als sie kapiert haben, wer, oder besser gesagt, was ich bin. Oder eher war.", widersprach er ihr, da die ganze Sache immer noch keinen Sinn ergab.

Doch auch darauf hatte sie eine logische Antwort.

„Die werden wohl auch wirklich nichts gewußt haben, sondern erst später enorm für diese ganze Sache entschädigt werden.", meinte sie und schüttelte mit einem Ausdruck widerwilligem Respekt für diese Verschwörung gegen ihn den Kopf. „Harry hat wohl geahnt, dass wir alles tun werden, damit du sein Angebot nicht annehmen mußt. Er wird sich gedacht haben, dass es da etwas gibt, was du mit aller Macht verhindern willst. Und wenn Harry erstmal Blut leckt, ist er wie gestochen. Dann beißt er sich fest und gibt nicht auf."

Adrian nickte. Soweit ergab das Sinn und er hatte sich auch schon sowas gedacht, als Potter weiterhin regelmäßig zu ihm gekommen war und beiläufig geplaudert hatte. Doch im Gegensatz zu Katie hatte er nur gedacht, dass die halbstarken Knieselerschrecker ihm lediglich ein wenig mehr Zeit für seine subtilen Versuche, ihn in eine Falle zu locken, verschafft hatten. Dass eigentlich sie die eigentliche Falle waren und Potter ihn mit den Gesprächen nur auf eine falsche Fährte locken wollte, hatte er nicht geahnt. Langsam aber sicher, je länger er darüber nachdachte, ergab es allerdings so doch alles einen Sinn und ihm entwich ein wirklich deftiger Fluch, der Katie kurz erschrocken zusammen zucken ließ, bevor sie leise schnaubte und mit den Schultern zuckte.

„Wenn der dunkle Lord ihn jemals aktiv in seine Reihen gekriegt hätte, hättet ihr alle einpacken können.", meinte er schließlich gegen seinen Willen beeindruckt, von Potters wirklich hinterhältigem Schachzug. „Bei Salazar! Was bin ich froh, dass er auf eurer Seite gekämpft hat und nicht auf unserer."

„Das kannst du laut sagen.", seufzte Katie resigniert und warf ihm dann einen undeutbaren Blick zu, als die Tür zum Gerichtssaal aufging und ein uniformierter Gerichtsdiener heraustrat und sie zum eintreten aufforderte. „Aber das war vor langer Zeit. Heute kämpfen wir in einem anderen Kampf. Und heute kämpft Harry zwar nicht wirklich gegen uns, aber auch nicht unbedingt für uns."

„Und was tun wir jetzt?", fragte er unsicher, als er ihr langsam in den Gerichtssaal folgte.

„Hoffen und beten.", war ihre Antwort.

Er sah, wie Katie den Kopf leicht zur Seite wandte und auf die Zuschauerränge blickte. Sein Blick folgte ihm und er blieb an Harry hängen, der ruhig und gelassen zurück sah. Zu ruhig und gelassen für seinen Geschmack.

Merlin steh ihm bei!


A/N: OK, das war mein Osterei für euch. Bekomme ich auch eins von euch? Vielleicht in Form einer Review? Das würde mich wahnsinnig freuen.