Disclaimer: Nichts gehört mit. Das ganze HP Universum gehört (leider) JKR.
Die Geschichte stammt von Hopeakaarme und heißt im Original ‚The Deepest Bonds'.
Die tiefsten Bindungen
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Kapitel 10: Erinnerungen und Mahlzeiten
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Kurz vor Weihnachten – es war nur noch eine Woche bis dahin – kam Severus mit wirklich schlechter Laune vom Unterricht zurück. Nun ja, mit noch weitaus schlechterer Laune als üblich, nachdem er einen Klassenraum mit seinen Schülern teilen musste, und das sollte schon etwas heißen. Natürlich machte Sirius das neugierig.
„Was ist los?", fragte er, seine Augenbrauen hebend. „Haben sich die Bälger gegenseitig umgebracht oder was ist passiert?"
„Nichts!", schnappte der Andere. Natürlich begann er sich sofort dafür zu entschuldigen: „Es tut mir leid, Meister. Es war nicht meine Absicht, solch einen barschen Ton anzuschlagen. Wie auch immer, es ist tatsächlich etwas passiert, das ich lieber nicht diskutieren möchte. Solltest du dich allerdings im Schloss umsehen, würde es dir sicher auffallen.", seufzte er.
Jetzt war Sirius noch neugieriger. Doch bevor er irgendetwas tat, trat er zu seinem Sklaven und zog ihn in eine innige Umarmung. „Schau, Severus, du solltest dich jetzt etwas ausruhen", sagte er und versuchte sein Bestes, seine Worte wie einen Vorschlag und nicht wie einen Befehl klingen zu lassen. Obwohl es klar war, dass Severus im Moment wirklich Ruhe brauchte, würde Sirius niemals versuchen seine Macht als Meister auszunutzen, um ihn dazu zu zwingen. Es wäre nicht fair.
„Ich werde es versuchen, Meister", seufzte der Tränkeprofessor. „Doch ich bezweifle, dass Ruhe für mich leicht zu finden sein wird."
Den anderen aus der Umarmung entlassend, verwandelte Sirius sich in Tatze. Mit einem letzten aufmunternden Lecken von Severus' Hand verschwand er in die Korridore der Schule.
Anfangs wusste er nicht, wonach er sich umsehen sollte oder wo er es suchen sollte. Doch dann hatte er das Glück, Professor Dumbledore über den Weg zu laufen, der sich in seiner üblichen herzlichen Art mit einigen sehr nervösen Erstklässlern unterhielt. Tatze bellte laut, um Dumbledores Aufmerksamkeit zu erhaschen.
„Ah, Tatze", sagte Dumbledore sanft, als er sich zu ihm umdrehte. „Suchst du vielleicht etwas?"
Tatze nickte einmal mit dem Kopf. Dann sah er dem Direktor in die Augen und hoffte, dass er seine Frage dem alten Zauberer klar machen konnte. Sicherlich wusste dieser, worüber Sirius sich Sorgen machte?
Glücklicherweise wusste der Direktor es tatsächlich. „Solltest du Antworten auf deine Fragen wünschen, schlage ich vor, dass du einmal in die Eingangshalle gehst.", sagte Dumbledore und ignorierte die neugierigen Blicke der Schüler.
Tatze nickte erneut und leckte dann dankbar die Hand des Direktors, während er mit dem Schwanz wedelte. Dann drehte er sich um und lief in die Eingangshalle, wissend, dass er dort die Antwort zu seinem Problem finden würde.
Als er dort ankam, fand Tatze tatsächlich die Ursache für die Trauer seines Sklaven. Um genau zu sein, eine große Statue.
Zum Fuß der Statue gehend, schaute Tatze hinauf. Die Statue war wirklich hervorragend gearbeitet, so sehr, dass die Figuren beinahe lebendig wirkten. Doch waren sie es nicht – und genauso wenig diejenigen, die sie darstellten. Und das war das Problem, oder vielmehr genau das, was Severus im Moment nahe ging.
Es waren drei Figuren, alle aus weißem, schimmerndem Marmor gehauen. Zwei waren kleiner, offensichtlich Kinder, die Hogwartsroben trugen und sich voller Angst zusammenkauerten. Vor ihnen stand eine weitere Figur, die eines erwachsenen Mannes, der verteidigend einen Arm ausstreckte, um die Kinder zu decken. Der Arm endete am Handgelenk in einem Stumpf. Seine andere Hand deutete mit dem Zauberstab auf einen unsichtbaren Angreifer. Keine Angst war im Gesicht des Mannes zu sehen, als er mit seinem verbliebenen Auge nach vorn blickte. Auf der Plakette am Podest war zu lesen: „Für die ultimativen Opfer." Es waren Namen in schmalen Linien um das Podest herum geschrieben; der direkt unter der Plakette, der Name des dargestellten Mannes, war in goldenen Buchstaben geschrieben: „Remus Lupin."
Tatze jaulte ein wenig, als er dies sah. Kein Wunder, dass Severus so aufgebracht gewesen war. Nur Merlin wusste, welche Erinnerungen dies zum Vorschein gebracht haben musste. Der Tränkeprofessor war im Moment sicherlich einem Zusammenbruch nahe.
„Sirius?", fragte eine leise Stimme und erschreckte ihn. Nach einer Sekunde erkannte Tatze, dass die Statue gesprochen hatte.
Ein kurzer Blick umher bestätigte, dass im Moment keine Schüler in der Nähe waren. Also entschied er es zu riskieren und verwandelte sich in seine menschliche Form. „... Remus?", fragte er leise, ungläubig.
„Ja, ich bin es." Der Mann aus Marmor sah auf ihn herab, ein trauriges Lächeln auf seinem Gesicht. „Wie kannst du am Leben sein?"
„Viel eher muss ich fragen, wie kannst du es nicht sein?", fragte Sirius mit heiserer Stimme. Dann jedoch seufzte er und hob seine Hand, um den Meisterring daran zu zeigen. „Die Bindung zog mich hinter dem Schleier hervor", sagte er leise.
„Oh, verstehe. Du bist also Severus' neuer Meister?" Als Sirius nickte, fuhr Remus fort. „Auch wenn ich nie geglaubt hätte, dass ich das einmal sagen würde, ich bin froh, dass du es bist. Ich habe Severus noch nie so glücklich gesehen, wie heute – nun ja, bevor er mich sah, versteht sich. Ich habe nicht einmal den Versuch gewagt, mit ihm zu sprechen. Merlin allein weiß, wie er reagiert hätte."
Sirius nickte zustimmend. „Er war wirklich fertig.", sagte er leise. „Und ich habe mein Bestes getan, um ihm ein so normales Leben wie möglich zu geben." Einen Moment senkte er den Blick, dann sagte er mit einer noch weit leiseren Stimme: „Ich... Ich schlafe mit ihm. Aber ich habe ihm die Entscheidung überlassen. Ich könnte ihn niemals dazu zwingen."
„Ich weiß das, Sirius", sagte Remus und ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen. „Du warst immer mehr gedankenlos als grausam, und ich weiß, dass du niemals versuchen würdest, diese Bindungen unfair zu deinem Vorteil zu nutzen."
Ein kurzes Lächeln umspielte Sirius' Lippen. „Du hast zu viel Vertrauen in mich, Remus.", sagte er. „Ich bin ein echter Bastard."
„Vielleicht.", sagte die Statue, „aber ein Bastard mit einem großen Herzen. Und ich vertraue dir mit Severus – und seinem Herzen."
Sirius nickte leicht. „Das ist alles, was ich wissen musste.", erwiderte er leise. Seinen Blick hebend, um die Statue wieder anzusehen, sagte er: „So sehr ich es auch hasse, muss ich dich jetzt verlassen. Mal sehen, ob ich Severus genug ablenken kann, damit er sich beruhigt." Nun huschte ein wirkliches Lächeln über seine Lippen. Und wie er ihn ablenken würde!
„Das ist in Ordnung. Immerhin werde ich immer hier sein, wenn du ein Gespräch brauchst." Remus lächelte kurz, seufzte dann jedoch. „Vielleicht kann ich eines Tages auch Severus von mir wissen lassen. Es wäre wundervoll mit ihm zu sprechen."
Mit einem traurigen Lächeln erwiderte Sirius nur: „Ich verstehe." Dann verwandelte er sich wieder in Tatze und lief davon.
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Sirius' Hände liebkosten die bleiche Haut seines Sklaven und Liebhabers, während sie beide nach ihrem Liebesspiel auf dem Bett lagen. Severus' Körper faszinierte ihn, die weiche, bleiche Oberfläche genauso wie die Zeichen vergangener Verletzungen. Seine Finger strichen über die Tätowierungen um die schmalen Handgelenke, die dunklen Figuren nachzeichnend. Doch als er spürte, wie sein Sklave in leichtem Unbehagen bebte, stoppten seine Hände sofort ihre Inspektion dieser Zeichen des Besitzes. Er küsste Severus' Wange als lautlose Entschuldigung für das Unbehagen, das er verursacht hatte.
„Ich finde es immer noch schwer zu glauben, dass du mich wirklich deiner Zeit und Aufmerksamkeit für würdig erachtest", murmelte der Slytherin mit geschlossenen Augen und leicht gerunzelter Stirn. „Ich bin doch beschädigte Ware."
„Sprich nicht so über dich, Severus", sagte Sirius streng. „Ich denke zufällig, dass du eine wunderschöne, starke Person bist, die ich zu lieben gelernt habe. Und ich werde dir das immer und immer wieder sagen, bis du mir endlich glaubst und anfängst dich selbst ebenfalls zu lieben." Den anderen näher ziehend, wisperte er dann, während seine Hände noch immer den schlanken Körper streichelten: „Bis dahin werde ich dich einfach genug für uns beide lieben müssen."
Darauf sagte Severus nichts mehr. Er legte seinen Kopf einfach gegen Sirius' Schulter, still die Nähe und Wärme genießend, die ihm seine früheren Meister nie gegeben hatten. Der Grimanimagus lächelte traurig im Zwielicht des Schlafzimmers – er ließ es nie mehr komplett dunkel werden wegen Severus – und ließ seine Finger durch die Haare des Slytherin gleiten. Neuerdings war es fein und weich ohne das geringste Zeichen von Fett. Irgendwie spiegelte es auch die Veränderung von Sirius' Denken in Bezug auf den Tränkemeister wieder; da gab es keinen ‚öligen Bastard' mehr, stattdessen sah er eine attraktive, begehrenswerte Person, die er berühren und umarmen wollte. Und natürlich war da auch die intellektuelle Seite. Ihre Unterhaltungen waren wirklich interessant und er genoss die Diskussionen, in die sie oft gerieten.
Nach einem Moment bemerkte Sirius, dass Severus trotz der äußerlichen sorglosen Stimmung lange nicht entspannt war. „Du denkst noch immer über Remus nach, nicht wahr?", fragte er, obwohl er die Antwort bereits kannte.
„Wie könnte ich nicht?", kam die leise Antwort. Sirius wartete, dass er fortfuhr, hörte jedoch nichts mehr.
Seufzend schlang Sirius seine Arme um den Anderen. „Schau, Severus. Ich weiß, dass du Remus geliebt hast. Und ich weiß, dass du ihn noch immer vermisst. Aber du musst über deine Trauer hinwegkommen. Ich sage nicht, dass du ihn vergessen sollst, weit gefehlt, aber du solltest dich zumindest darauf konzentrieren, glücklich über die Zeit zu sein, die du mit ihm hattest, anstatt ihn endlos zu betrauern. Sicherlich würde Remus nicht wollen, dass du so wie jetzt bist."
„Ich weiß das", seufzte Severus. „Aber es ist nicht leicht. Ich hatte niemals etwas, das wirklich mir gehört hätte; meins zu haben, meins zu halten, meins zu lieben. Er war das einzige, was ich je mein nennen konnte, das einzige, das ich lieben und mir niemand wegnehmen konnte. Und doch verlor ich ihn. Es tat so weh... mehr als du je verstehen könntest."
Sirius hauchte einen sanften Kuss auf Severus' Haar. „Jetzt hast du mich.", sagte er leise. „Und ich habe nicht vor, irgendwohin zu gehen. Und es ist auch niemandem möglich mich dir wegzunehmen." Er neigte den Kopf, um dem Slytherin in die dunklen Augen zu sehen, und wollte ihm dabei all seine Liebe und Ergebenheit über diesen Blick übermitteln. „Es ist in Ordnung, Remus zu vermissen", wisperte er. „Und es ist in Ordnung, manchmal traurig zu sein. Aber denk daran... du hast auch glückliche Erinnerungen. Und diese sind es, an die du versuchen solltest, dich zu erinnern."
Dieses mal antwortete Severus nicht. Sirius erwartete es auch nicht. Er verstärkte nur die Umarmung des schlanken Körpers, dabei so viel Liebe und Wärme und Beruhigung in die Geste legend, wie ihm möglich war.
Recht schnell schliefen sie beide ein.
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„Guten Abend, Severus!", sagte Sirius leicht grinsend, als er in das Quartier seines Sklaven trat. Severus, der sich gerade zum Essen hingesetzt hatte, sah auf und verbeugte sich leicht zur Begrüßung. Der Grimanimagus setzte sich ihm gegenüber, nahm den Teller, der für ihn bereitstand, und begann, Essen darauf zu legen.
Sirius ließ sich Zeit mit dem Essen, unterhielt sich dabei und genoss Severus' Gesellschaft nach dem einsamen Tag. Doch nach einiger Zeit bemerkte er etwas, dass ihm seltsam vorkam. „Warum isst du nicht, Severus?", fragte er dann, die Stirn runzelnd. „Bist du nicht hungrig?"
„Doch, bin ich, Meister", erwiderte Severus leise, den Blick gesenkt. „Doch du bist es auch. Ich beuge die Regeln schon, weil ich hier am selben Tisch mit dir sitze. Doch da du hungrig bist, bin ich vollkommen unfähig zu essen. Sklaven ist es nicht erlaubt zu essen, bevor ihre Meister gegessen haben."
Sirius erstarrte. Jedes Mal wenn er dachte, er hatte in etwa ein Bild davon, wie das Leben für seinen Sklaven war, wurde ihm bewiesen, wie falsch er lag, wenn ihm ein weiterer Aspekt ihrer seltsamen Beziehung bewusst wurde.
„Scheiße", murrte er, vielleicht nicht unbedingt die reifste mögliche Erwiderung, aber es war das einzige, was ihm dazu im Moment in den Sinn kam. Nach einem Augenblick peinlich berührten Herumrutschens und wilden Nachdenkens fragte er: „Schau, wäre es nicht genug, wenn ich zum Essen in mein eigenes Zimmer gehe? Damit du auch essen kannst?"
Doch Severus schüttelte den Kopf. „Ich kann nicht essen, so lange du hungrig und im selben Gebäude bist.", sagte er. „Mit meinem vorherigen Meister war es nie ein Problem, es sei denn er besuchte Hogwarts oder ich war zu einem meiner erzwungenen ‚Besuche' auf Malfoy Manor. Doch da wir beide uns im Schloss befinden, muss ich warten."
„Scheiße", murrte Sirius erneut und fügte dann, nun selbst derjenige, der die Augen niederschlug, hinzu: „Es tut mir leid, Severus."
„Nicht, Meister.", seufzte der Slytherin. „Es ist nicht deine Schuld. Du hast nicht die Regeln des Sklavenbundes festgelegt und du kannst nichts dafür, dass du Hunger verspürst. Der einzige Weg, wie du mir nun helfen kannst, ist, so schnell zu essen, wie du kannst."
Obwohl er immer der erste seiner Freunde war, der während der Jahre in Hogwarts mit dem Essen fertig war, hatte Sirius noch nie in seinem Leben so schnell gegessen. Und niemals, nicht einmal während er als Tatze auf der Flucht Ratten fraß, fand er es so schwer eine Mahlzeit zu genießen.
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Nächstes Kapitel: Böswilligkeit
Ein Schüler bemerkt Severus' „kleines Problem"
AN: Wenn es euch gefallen hat (auch wenn nicht ;) ), würde ich mich über ein Review sehr freuen.
