Disclaimer: Die Twilight-Serie von Stephenie Meyer.
Rating: M. Sex, blood and Rock'n'Roll!
Felix
Die Zelle, in der ich erwachte, war mir nicht unbekannt. Im Lauf der Jahrhunderte war ich auf eine beträchtliche Stundenzahl gekommen, die ich hier drin verbracht hatte.
Wie immer hatte Alecs Talent mein Gefühl für Zeit beeinträchtigt. Ich wusste nicht, wie lange ich bewusstlos gewesen war. Ich würde nur wissen, wie lange ich hier drin im Dunkeln verbracht hatte, wenn man mich herausholte.
In absoluter Finsternis und ohne jede Lichtquelle war sogar ein Vampir blind. Die Dimensionen des Raumes und die Pritsche nahm ich akustisch und haptisch war, wenn sich mein Atem im Raum ausbreitete, auf die Wände traf, als winzige Luftirritationen zu mir zurückkehrte.
Ich war von mehreren Tonnen Stahl, Beton und Mauerwerk umgeben. Ich hatte geholfen, dieses Gefängnis zu errichten. Ich wusste, dass es kein Entkommen gab. Und selbst wenn, wäre eine Flucht durch die Talente der Wache ein erfolgloses Unterfangen.
Ich dachte an Gina und an Demetri.
Waren sie in der Nähe?
Wobei Nähe in diesem Fall relativ war. Von den benachbarten Zellen trennten mich horizontal 15 Meter Mauerwerk.
Wurden sie gerade bestraft?
Obwohl Jane mir signalisiert hatte, dass sie zu mir halten würde, würde sie dennoch den Befehlen der Könige folgen, wenn nicht gerade ein Todesurteil über mich verhängt wurde, und mich foltern. Jane könnte sich nicht weniger um Gina scheren. Bei ihr würde sie ihre Gabe erbarmungslos einsetzen, dessen war ich mir sicher. Und von Demetri wusste sie, dass er einiges aushielt.
Was Alec anging: Er war mit Demetri befreundet, seinem Kummerkasten, wenn ich seit ich mit Jane ins Bett ging. Ich wusste, dass Alec und Demetri mal mit Heidi einen Dreier gehabt hatten.
Ich saß in einer Gefängniszelle fest und dachte über Dreier nach. Fantastisch.
Auf mich war Alec jedenfalls wesentlich schlechter zu sprechen als auf Demetri, den er seinen Freund nannte. Und Gina war ihm bestenfalls egal.
Wenn Aro ein guten Tag hatte, wies er Alec an, einem zum Tode Verurteilen die Sinne zu nehmen, während dem Sträfling der Kopf von den Schultern gerissen wurde. Ich würde demnächst herausfinden, wie viel 1800 Jahre treue Dienerschaft wert waren.
Mir wurde schlecht, wenn ich daran dachte, was Gina vielleicht in diesem Moment erdulden musste.
Es war mir nie wieder langweilig gewesen, seit Gina in mein Leben getreten war.
Ich hatte mich an sie gewöhnt, obwohl sie jedes bisschen Routine, das mein Dasein zuvor gekannt hatte, durcheinander gebracht – nein, auf den Kopf gestellt und in Stücke gerissen hatte.
Ich würde sie nicht nur schmerzlich vermissen, wenn die Könige ihren Tod beschlossen – ein Teil von mir würde mit ihr sterben.
Ein verdammt großer Teil.
Zum ersten Mal tat ich Marcus' Aussage, Gina würde meine Gefährtin werden, nicht als Spinnerei eines alten Verrückten ab, sondern zog in Erwägung, dass Wahrheit in seinen Worten lag.
Ich sank, umgeben von Dunkelheit, an einer Wand zu Boden, als habe mich jemand gewaltsam von den Füßen gefegt.
Ich sehnte mich danach, bei Gina zu sein, sie zu halten, sie zu beruhigen, ihr Trost zu spenden und Mut zuzusprechen.
Ich verzehrte mich nach allem, was eine Zukunft mit ihr für mich bereithalten könnte.
Ich verzweifelte bei dem Gedanken, dass Gina in diesem Moment bereits keine Zukunft mehr haben könnte.
Demetri
Ich erwachte im Halbdunkel. Gina lag – noch regungslos – neben mir auf dem Boden. Alec stand an der Tür der Zelle.
„Tut mir Leid.", sagte er.
Ich nickte. Ich verstand, dass er dem Befehl der Könige gehorchte, unsere Freundschaft hin oder her. Wäre unsere Situation anders herum gewesen, ich hätte genauso gehandelt.
Alec schloss die Tür der Zelle hinter sich und ich hörte, wie seine Schritte sich auf dem Steinfußboden entfernten. Gleich darauf kam Gina zu sich.
Es fiel wenig Licht durch das sogar für Vampire ausbruchsicher vergitterte Fenster der Zellentür, doch es genügte, um Gina erkennen zu lassen, dass wir Gefangene waren.
Zuerst dachte ich, sie würde mich angreifen, doch dann richtete sich ihre Raserei gegen die Tür. Sie tobte, zuerst noch voller Hunger, dann vor Angst.
Sie zitterte, kauerte schließlich mit dem Rücken zur Wand in einer Ecke der Zelle. Ihre Augen huschten, halb hinter dem Vorhang ihres wirren, schwarzen Haares verborgen, ständig von mir zu dem kleinen Fenster und zurück.
Abwechselnd scharrten ihre Fingernägel über die Steinquader, an denen sie lehnte, oder sie kratzte ihren Hals auf, weil sie so durstig war.
Würde jetzt ein Mensch gebracht, sie würde ihn restlos trinken.
Vielleicht war das ja Caius' Absicht.
Vielleicht würde er einen Menschen hierher bringen lassen.
Doch die Minuten verstrichen und nichts geschah.
Ich dachte daran, wie bescheuert ich gewesen war. Alles, was ich gesehen hatte, war, dass mein Freund Felix Hilfe benötigte. Ohne nachzudenken war ich zu ihm gerannt und hatte ihm geholfen, Gina zu überwältigen. Ich hatte völlig vergessen, dass die Könige darauf warteten, dass Ginas Hunger siegen würde, und sie von selbst anfangen würde, sich von Menschenblut zu ernähren. Ich hatte nur mitbekommen, dass Felix nicht wollte, dass sein Schützling in einem Augenblick der Raserei die Beherrschung verlor und ihre Prinzipien verriet. Also hatte ich ihn dabei unterstützt, hatte meinen Freund über die Wünsche meiner Herren gestellt.
Wenn Felix bei Gina geblieben wäre, wäre sie gar nicht erst ausgebüchst.
Ich war wütend auf Felix, der unbedingt auf seinen Schwanz hören und mit Jane vögeln musste, anstatt auf Gina aufzupassen. Aber so saudumm ich sein Verhalten auch fand, ich hätte genauso wenig zulassen können, dass mein bester Freund machtlos war, wenn es um das Wohlergehen der Frau ging, in die er sich verliebt hatte.
In Felix' Fall schien Liebe nicht nur Blind für die eigenen Gefühle, sondern auch dumm zu machen. Nur so konnte ich mir erklären, dass er Gina mit Jane betrogen hatte. Seinetwegen saßen wir nun alle in der Scheiße, weil er sich dafür mieses Karma eingefangen hatte. Oder Mojo. Was auch immer.
Ich war mir nicht sicher, wie meine eigene Strafe aussehen würde – realistisch gesehen würde ich es wohl überleben. Aber ich traute Caius ohne Weiteres zu, dass er Felix' Kopf fordern könnte.
Wütend schlug ich mit der Faust in die Mauer, um ein bisschen meiner Frustration loszuwerden.
Gina wimmerte erschrocken auf und ich fluchte, was ihr wiederum einen verängstigen Schrei entlockte.
So eine beschissene Scheiße!
Felix und ich hatten schon einiges angestellt, was den Zorn der Könige – vor allem Aros und Caius' – über uns brachte. Kunstgegenstände in der Burg demoliert, Aufträge verbockt, einen rumänischen Attentäter getötet, ehe Aro in berühren und befragen konnte…
Doch keiner von uns beiden hatte je einen direkten Befehl missachtet.
Der Umstand, dass nur Felix die Anweisung bekommen hatte, Gina Menschenblut kosten zu lassen, sobald sie aus seiner Wohnung ausbrach, und nicht auch ich, würde mich gewiss nicht vor einer Strafe bewahren.
Ich hatte mit angesehen, wie Felix sich in Gina verliebte, ohne es selbst zu bemerken.
Felix war niemand, der mit seinen Eroberungen prahlte, aber stumm wie ein Fisch im Wasser war er auch nie gewesen. Dass er wütend auf mich war, weil ich ihn mit Gina aufzog; dass er mir sogar angedroht hatte, mir die Fresse zu polieren, war für mich ein mehr als deutliches Zeichen.
Gina schrie auf. Als ich zu ihr sah, erkannte ich, dass sie ihren Hals so sehr aufgekratzt hatte, dass sie ein Stück ihrer Haut ausgerissen hatte. Neugeborene kannten ihre eigene Stärke nicht.
Ihr Atem ging schnell, sie wimmerte bei jedem unnötigen, hektischen Luftzug, kurz vor einer Panikattacke.
„Gina, lass mich dir helfen." Ich bewegte mich genau zwei Schritte auf sie zu. Dass sie verletzt war, erhöhte nur die Wahrscheinlichkeit, dass sie mich angreifen würde.
Mit riesigen, pechschwarzen Augen starrte sie auf das Stück schneeweißes Fleisch, das sie sich ausgerissen hatte. Ihre andere Hand tastete mit zitternden Fingern ihren Hals ab.
„Lass mich dir helfen.", wiederholte ich so ruhig ich konnte.
Erst nach annähernd einer halben Minute nickte Gina endlich.
Langsam trat ich näher, ging noch langsamer neben ihr in die Hocke. Ich nahm das Stück Haut aus ihrer Hand entgegen. „Gina, ich muss über deine Verletzung lecken, damit mein Gift sie heilt und deine Haut wieder zusammenwächst. Okay?" Ich hatte keine Ahnung, ob Felix ihr erklärt hatte, wie wir uns selbst mit unserem Gift heilen konnten.
Wieder dauerte es eine kleine Ewigkeit, bis sie nickte. Ich beugte mich nur sehr langsam und vorsichtig zu ihr herab. Ich hatte keine Lust darauf, von einer Neugeborenen den Kopf abgerissen zu bekommen.
Gift sammelte sich in meinem Mund. Ich leckte langsam und gründlich über das aufgerissene Fleisch, dann über das Hautstück in meiner Hand, dann fügte ich es wieder ein und leckte erneut darüber.
Gina zitterte unablässig, während meine Zunge auf ihrem Hals war.
„Ganz ruhig, es heilt schon." Ich konnte dabei zusehen, wie die zackigen Wundränder sich schlossen, wie die Haarrisse sich schlossen, als ich mich in der Hocke zurücklehnte. „Nicht hinfassen.", sagte ich, als Gina die Hand hob, um ihren Hals abzutasten. „Ich weiß, es ist unangenehm, aber es juckt nur noch ein paar Minuten. Die Wunde war ja nicht groß."
Ich wollte wieder aufstehen, doch Gina hatte schon mit beiden Händen meinen linken Unterarm zu fassen bekommen. Au, fuck! Die Augen quollen mir beinahe aus dem Schädel, so sehr schmerzte ihr Griff, ehe sie ein wenig lockerer ließ. Ich hatte keine Wahl, als mich neben ihr an der Wand niederzulassen.
Und Felix hatte wirklich Sex mit diesem Grobian? Ich hatte schon immer gewusst, dass mit seinem Kopf etwas nicht in Ordnung war!
Gut, Felix trieb es ja auch mit Jane. J-A-N-E! Also ehrlich! In der Hinsicht musste ich Alec schon irgendwie Recht geben. Der größte Kerl der Wache mit dem kleinsten Mädchen der Wache. Wie krank war das denn!
Zu Felix' Ehrenrettung musste ich allerdings auch zugeben, dass ich von ihm wusste, dass Jane den ersten Schritt getan hatte. Die Kleine stand wohl wirklich auf riesige Schwänze.
Ich schüttelte den Kopf.
Unglaublich! Ich saß neben der Tussi meines besten Freundes in einer Gefängniszelle, gleich nachdem ich ihr über den Hals geleckt hatte, und dachte an den Schwanz meines besten Freundes, obwohl ich mir lieber Gedanken darüber machen sollte, wie meine Strafe aussehen würde.
Ich seufzte. Caius konnte ganz schön kreativ und ganz schön gemein sein. So, wie er getobt hatte, forderte er vielleicht in diesem Moment Felix' und meinen Kopf ein. Oder er verlangte Ginas Hinrichtung und würde Felix dabei zusehen lassen, ehe er höchstpersönlich Felix exekutierte.
Scheiße.
Ginas Griff um meinen Arm verstärkte sich wieder, als sie merkte, dass ich nervös wurde.
„Gina, bleib ruhig." Und lass endlich meinen Arm los, verdammt noch mal! „So lange ich bei dir bin, werde ich dich beschützen." Ein Versprechen, dass ich einhalten würde können, bis Jane und Alec hier auftauchten. Gegen die Zwillinge war ich chancenlos. Gegen alle anderen Mitglieder der Wache würde ich tun und lassen können, was ich wollte. Ich bezweifelte, dass es noch viel gab, das meine Strafe verschlimmern könnte, also konnte ich genauso gut auch die Geliebte meines besten Freundes weiter beschützen.
Ich war sowieso schon am Arsch.
Anmerkung: Ich kann vermelden, dass der Umzug in meine neue Wohnung erfolgreich war und mich auch dort die Muse geküsst hat. Wer genau die, äh, doch etwas seltsame Muse ist, erfahrt ihr im nächsten Kapitel.
Gewidmet einer lieben Freundin, die (neben Aro) auch auf Demetri steht.
Seid so nett und schickt mir eine Review!
