Vielen Dank für die lieben Reviews, Mija-ela und Mimamu!

10 Ein Unglücksrabe und eine tödliche Bedrohung

„Hermione!" rief von unten eine Stimme.

Überrascht sahen sich beide an.

„Wer bei Merlins Bart ist das?" stieß Severus kalt hervor.

Trudelten jetzt all ihre Freunde ein um nachzusehen ob er sie noch nicht bei lebendigem Leibe gefressen hat? Er konnte auf Besuch liebend gerne verzichten. Hoffentlich sah sich der Besucher, wer immer es war, nicht dazu genötigt auch bei ihm vorbeizusehen.

„Ich werde mal nachsehen wer das ist." Meinte Hermione ruhig.

Wieder spiegelten sich all seine Gedanken in seinem Gesicht wieder und wieder konnte sie sie sehen. Unmerklich schüttelte sie sich. Zeigte er ihr gegenüber mehr Gefühl oder sah sie genauer hin? Tief holte sie Luft als sie die Treppe nach unten stieg und schüttelte die lästigen Gedanken rund um Snape von sich ab. Vor der Tür stand Neville. Erfreut schloss sie ihn in die Arme.

„Neville was für einen Überraschung!" rief sie dabei aus.

Oben in seinem Bett verzog Severus das Gesicht zu einer Grimasse. Natürlich einer ihrer lächerlichen unfähigen Freunde wer sonst. Er sollte eigentlich dankbar sein, dass es nicht Harry war, der sie hier überfiel.

„Komm herein!" forderte sie ihn freundlich auf, doch abwehrend schüttelte Neville den Kopf.

Er wollte sich nicht im selben Haus wie Severus aufhalten, um keinen Preis der Welt. Wie hätte er gestaunt hätte er gesehen, dass auch Severus dieselbe Geste mit dem Kopf machte und beinahe dieselben Gedanken hegte, auch er wollte nicht mit Longbottom in einem Haus sein.

Schon alleine wenn er an die unzähligen wegen Longbottom verpatzen Zaubertränkestunden dachte, wobei einige durchaus eine sehr gefährliche Wendung nahmen und zu einigen unseligen Explosionen führten. Mit Schaudern erinnerte er sich daran und wenn jetzt etwas passierte konnte er sich in seinem geschwächten Zustand nicht einmal dagegen wehren.

„Ich soll dir nur diese Bücher von Professor Dumbledore geben!" hastig drückte er ihr die mitgebrachte Tasche die nichts als Bücher enthielt in die Hand.

„Er meinte du und Professor Snape könntet sie brauchen." Fügte er noch hinzu.

„Willst du mir nicht bei einer Tasse Tee erzählen wie es den anderen so geht und was sich dort draußen in der Welt so tut?" flehend sah sie ihn an.

An ihm erkannte sie, dass sie schön langsam einen Grubenkoller/?? bekam. Hier mit Severus isoliert zu sein schlug auch ihr aufs Gemüt.

„Nein ich hab es eilig. Ich muss….einkaufen gehen und die Wäsche….genau die wartet auch noch auf mich. Also du siehst ich hab gar keine Zeit." Rückwärts bewegte er sich von der Tür fort.

Umso schneller er von hier wegkam umso eher beruhigte sich sein aufgewühlter Magen. Severus, der kein Wort mehr von der unten geführten Unterhaltung mitbekam, quälte sich unter großen Schmerzen aus dem Bett und robbte auf den Fersen im Schneckentempo auf das Fenster zu. Was ging da unten nur vor? Getrieben von der Neugierde zog er leicht den Vorhang zur Seite um einen Blick nach unten zu erhaschen. Er sah die hochgewachsene Gestalt von Neville.

Hermione konnte er nicht sehen, sie stand zu nahe beim Haus. Jetzt ging Neville rückwärts vom Haus weg. Erleichtert stieß Severus die Luft aus. Scheinbar hatte dieser Unglücksrabe nicht vor zu bleiben, ihm konnte es nur Recht sein. Und dann sah er etwas was ihm beinahe das Blut in den Adern stocken ließ und sein Herz fast zum Stillstand brachte. Hermione war noch näher an Neville herangetreten und schlang gerade innig die Arme um ihn. Fest drückte sie ihn an sich und gab ihm einen Kuss auf die Wange.

„Danke, dass du gekommen bist und mir die Bücher gebracht hast." Sagte sie freundlich zu ihm, ehe sie sich von ihm löste.

Neville lief dunkelrot an. Er war nicht daran gewöhnt, dass ihn Frauen umarmten und küssten. Wie im Traum stieg er den Hügel hoch, sich die geküsste Wange dabei haltend und grinste plötzlich glücklich dämlich vor sich hin. Das war das letzte was Hermione von ihm sah, im nächsten Augenblick war er bereits wieder fort. Zurück in Hogwarts. Leicht unglücklich schlich sie ins Haus zurück, sie verstand Neville, selbst nach all den Jahren fürchtete er seinen ehemaligen Lehrer weit schlimmer noch, als seinen schlimmsten Todfeind. Eigentlich war Snape, in seiner Welt, sein schlimmster Todfeind. Seufzend schloss sie die Tür.

Blind vor Wut schleppte er sich in sein Bett zurück und warf sich zornig in die Kissen. Warum hatte sie diesen Trottel nur umarmt und warum musste sie ihn überhaupt küssen? Hätte ein gewöhnliches Händeschütteln nicht vollauf genügt? In manchen Breiten war ein unverbindliches heben der Hand Abschied genug, dies hätte in seinen Augen durchaus gereicht. Nicht diese schmusige sich in seine Arme werfende Abschiedsszene. Dieses sich unnötige an ihn heran drücken. Davon noch immer angewidert verdrehte er die Augen. Hermione trug die Tasche mit den Büchern nach oben in Snapes Zimmer. Vielleicht heiterte ihn lesen ein bisschen auf und lenkte ihn von seinen Problemen ab. Gutgelaunt betrat sie das Zimmer. Sein Gesichtsausdruck ließ ihr förmlich das fröhliche Lächeln auf den Zügen gefrieren.

Bitte nicht schon wieder! flehte sie innerlich, aber wurde wie sooft nicht erhört. Dieses Zimmer betreten, hieß sich immer auf eine Reise zu Dr. Jekyll and Mr. Hyde zu begeben. Man wusste nie wer von den beiden gerade da war. Jetzt im Moment hatte wieder Mr. Hyde die Oberhand. Seufzend trat sie ein.

„Warum sind sie nicht gleich mit ihrem Freund mitgegangen, dann hätte ich endlich meine Ruhe hier!" kam es tödlich ruhig über seine Lippen. Hermione öffnete den Mund um etwas zu erwidern, doch Severus war mit ihr noch nicht fertig.

„Ob sie es glauben oder nicht sie gehen mir dermaßen auf die Nerven. Ihre aufdringliche Art, ihr ständiges um mich herumtänzeln und dann diese Freundlichkeit mag für andere ja erheiternd sein, aber sie können doch nicht ernsthaft annehmen, dass auch ich das so empfinde!" herrschte er sie böse an.

„Ach ja! Und was empfinden sie dann?" erwiderte sie aufbrausend und geriet wie er immer mehr in Rage.

Achtlos ließ sie die Bücher zu Boden gleiten. Sie hatte genug von seinen Launen! Er hatte schlimmere Stimmungsschwankungen wie manche Frauen im Wechsel! Angriffslustig trat sie näher und beugte sich drohend über ihn. Ihre Augen blitzten vor Wut und ihre Wangen röteten sich sanft.

„Ich empfinde…." Brachte er keuchend hervor und vergaß was er sagen wollte als seine Augen zufällig in ihren hängen blieben.

Diese faszinierenden braunen Tiefen, durchzogen von grünen Sprenkeln, jeder einzelne davon perfekt, blickten sie ihn leuchtend und pulsierend vor Leben an.

„Was?" kam es atemlos von ihr.

Sie war dem gleichem Zauber wie er erlegen. Seine unergründlichen schwarzen Augen, von denen sie immer dachte, sie wären kalt und ohne Leben, von ihnen ging ein Feuer aus, das sie zu verbrennen drohte. Sie fühlte wie ihr der Mund trocken und die Kehle rau wurde.

Jeglicher rationaler Gedanke war ausgelöscht, bis auf einen. Er wollte sie küssen. Seine Lippen auf diesen Mund der so verführerisch über ihm schwebte pressen.

Der Himmel ist näher als du denkst!" hörte er eine sanfte Stimme in seinem Kopf.

Tief atmete Hermione ein und trat unter Anstrengung äußerster Willenskraft einen Schritt zurück.

Lautlos erschien eine andere Gestalt auf der Anhöhe. Ganz in schwarz verhüllt nur die Augen leuchteten bedrohlich aus der Kapuze hervor. Genau studierte die Kreatur seine Umgebung. Nahm alle wichtigen Details wahr. Kalt blickte es auf das Haus. Völlig reglos stand es da, einzig das Haus schien es zu interessieren. Genauso leise wie es gekommen war, verschwand es auch wieder.

„Ich glaube mir geht es nicht so gut!" entschuldigte sich Hermione und hastete aus dem Raum. Das war etwas zuviel für sie. Sie wollte ihn so gerne küssen. Sie wäre der Versuchung beinahe erlegen! Was geschah mit ihr? Sie rannte nach unten, warf sich einen warmen Parker über und lief nach draußen. „Das liegt sicher nur daran, dass ich mit ihm rund um die Uhr zusammen bin!" erklärte sie sich selbst. „Ich meine das war mein Lehrer!" unruhig marschierte sie über das Heidegras. Scheinbar das einzige das hier im Überfluss wuchs und wucherte. Der Wind fuhr ihr durchs Haar und kühlte ihre erhitzten Wangen.

Der Himmel? Was dachte er nur? War das eine weitere kranke Demonstration von diesem Fluch? Warum löste sie dieses Gefühlschaos in ihm aus? Er war verwirrt und durcheinander und er fühlte sich nicht gut. Ärgerlich über sich selbst schlug er die Decke zurück. Er brauchte dringend Bewegung. Langsam tastete er sich erneut zum Fenster vor.

Nicht um Hermione hinterher zu sehen, sondern um einfach ein paar Schritte zu gehen und was war da nahe liegender als das Fenster? Vorsichtig zog er erneut den Vorhang zurück und schielte hinaus. Er sah sie gerade noch hinter das Haus verschwinden, aber das war es nicht was seine Angst und seine Sorge schürte. Eine geduckte Gestalt folgte ihr. Hier sollte außer ihnen niemand sein! Wer war das? So schnell er konnte kehrte er zum Bett zurück und suchte nach seinem Zauberstab. Wo war der nur? Er öffnete die Kommode sah in seinen Koffer. Nichts!

Und die Schmerzen wurden immer schlimmer. In seinem Frust schleuderte er die Bettdecke zu Boden. Keuchend kämpfte er sich zur Tür vor. Wenn er ihr schon nicht helfen konnte, musste er sie zumindest warnen. Die Treppe! Ein weiteres beinahe unüberwindbares Hindernis. Er würde es nicht schaffen.

„Reiß dich zusammen!" fauchte er sich selbst an.

Stufe für Stufe quälte er sich hinab, unten brach er beinahe zusammen. Es war zuviel, viel zu viel. Er konnte nicht mehr. Zwei Meter noch und er wäre bei der Haustüre.

„Na los! Du kannst es!" stieß er zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor.

Wenige Schritte trennten ihn von der Tür. Wenn er gesund wäre, hätte er diese kurze, lächerliche Distanz schon längst überwunden, aber so. Er ging in die Knie und ihm wurde schwarz vor den Augen.

„Nein!" knurrte er.

„Nicht ohnmächtig werden! Verdammt Severus! Reiß dich zusammen!" Sein Kiefer schmerzte so fest bis er die Zähne zusammen.

Energisch zwang er sich aufzustehen und einen weiteren Schritt zu tun. Er konnte mit der Hand die Tür schon erreichen, doch dann verlor er das Bewusstsein.

Liebevoll strich sie ihm über den Kopf.

Was soll ich nur mit dir machen?"

Befreie mich von diesen Schmerzen!" knurrte er unwillig zurück.

Er war ungeduldig und hatte es eilig. Warum hatte er vergessen, nur da war was von Bedeutung.

Ich muss zurück!" murmelte er leicht gehetzt.

Ja das musst du! Du wirst dich ihm stellen müssen, nur so kannst du befreit werden!" erklärte sie bestimmt.

Er erhob sich. Er lag auf einer duftenden Wiese, über sich einen strahlend blauen Himmel. Die Sonne schien und er konnte die Vögel singen hören. Alles um ihn war in warmes Licht getaucht. Er war im Paradies. Er wollte hier bleiben, doch sein Herz wollte fort.

Ihm stellen? So wie ich jetzt bin, tötet er mich auf der Stelle!" widersprach er.

Ach Severus vertrau mir. Es ist der einzige Weg!"

Unwillig schnaubte er durch die Nase. Die Arme vor der Brust verschränkt lief er auf und ab und war dankbar. Hier konnte er sich frei bewegen. Ein weiterer Grund zu bleiben und doch zog es ihn fort. Er war und blieb ein Narr. Die andere Welt verhöhnte ihn und raubte ihm seine Würde und doch hatte er es so eilig genau dort hin zu kommen.

Es geht ihr gut! Du brauchst dir keine Sorgen zu machen." Beschwichtigte sie ihn.

Hermione war in Gefahr! Jetzt wusste er es wieder.

Sie wird verfolgt!" Verzweifelt überlegte er wie er seinen Körper erreichen konnte.

Er musste ihr doch helfen. Sie war alles für ihn! Verblüfft hielt er in seinem Gehen inne. Moment, was dachte er da? Verwirrung legte sich über seine Züge, doch bevor er zu einer Entscheidung was das zu bedeuten hat, gelangen konnte, fasste sie ihn am Arm.

Komm!"

„Kann ich dich nicht eine Minute alleine lassen? Wann wirst du lernen, dort zu bleiben wo du hingehörst und zwar ins Bett!" energisch packte sie ihn unter den Armen und zog ihn hoch. Vehement setzte er sich zur Wehr. Schließlich war er gekommen um sie zu retten!

„Welche Neuigkeiten bringst du?" stieß er heißer hervor.

„Die auf die ihr wartet, Meister!" erklang kalt und unmenschlich die Stimme der Kreatur.

Seine Augen waren leer, in ihnen spiegelte sich nichts, so als hätte dieses etwas keine Seele.

Furchtsam wich Barty vor dieser zurück. Diese Stimme, diese Augen. Sie verhieß das Grauen und den Tod. Was war das nur für ein Geschöpf? Dergleichen hatte er noch nie gesehen. Woher kam es nur? Die restliche Gestalt war von Kopf bis Fuß in einen schwarzen Umhang gehüllt. Barty konnte nur ahnen, was sich darunter verbarg, jedenfalls nichts menschliches, da war er sich sicher.