Nach dem angespannten Ende des Schuljahrs war der Sommer überraschend ruhig. Die Malfoys bestanden darauf, dass Hermine länger als sonst zu ihnen kam, und wenn sie ahnte, dass sie sie zur Schau tragen wollten, dass sie unter ihrem Schutz stand, so sagte sie doch nichts. Die offiziellen Geschichtsbücher über die Todesser-Bewegegung stellte die Gruppe als fanatische Blutpuristen dar; und selbst das inoffizielle Buch, das Theo ihr zugesteckt hatte, machte keinen Hehl daraus, dass die Mitglieder sehr am Blutstatus interessiert waren und Muggel vollkommen verachteten.
Millie stieß zu ihr und Daphne hinzu, zusammen mit Greg, der von seinem Vater bei Narzissa Malfoy abgeliefert worden war. „Es ist fast wie in der Schule", sagte Hermine, als sie sich mit Modezeitschriften vor der Nase auf der Terrasse auf dem Bauch liegend räkelte. Die Jungs waren fort gewandert, um irgendetwas zu tun, bei dem sich sich auf Besen sitzend Bälle an den Kopf warfen, was Verletzungen so gut wie garantierte. „Es ist schön, dass wir alle hier sind."
Millie lehnte Hermines Angebot von Zeitschriften mit einer Grimasse ab. „Ich kann nichts davon tragen", sagte sie und wedelte mit der Hand über ihren Körper. „Ich habe die hier -" sie winkte mit der Hand neben ihren Brüsten, „- und die hier." Sie legte die Hand auf ihre Hüften und zuckte die Schultern. „Nichts von dem Zeug sieht an mir gut aus."
Daphne sah sie an, runzelte einen Moment lang die Stirn und zog dann ein Buch aus ihrer Tasche, das sie zu durchblättern begann. Millie beobachtete sie verwirrt, als sie ausrief: „Ja!", ein Skizzenbuch hervor holte und hastig zu zeichnen anfing. „Schau, Millie", sagte sie, „du kannst keines dieser kleinen Kleider tragen und wie die Models aussehen, das stimmt. Wir müssen mit deinen Kurven arbeiten. Hier!" Sie drehte die Zeichnung zu dem anderen Mädchen um, die sie ansah und dann die Hände vor den Mund legte. Daphne sprach direkt weiter: „Wenn wir den Stoff V-förmig um deine Brüste wickeln, und dann die diagonalen Falten um deine Taille legen, damit sie sogar noch schmaler aussieht, als sie ist, und dann einen Rock nehmen, der von der Hüfte an ausgestellt ist, dann würdest du, naja, du wirst nie spindeldürr aussehen, aber du würdest bombastisch aussehen!"
Narzissa war von hinten an sie heran getreten und blickte über Daphnes Schulter auf die Zeichnung. Das Mädchen hatte sie wieder zum Blatt gedreht und war dabei, einen Gürtel hinzuzufügen. „Ich wusste nicht, dass du am Modedesign interessiert bist, Daphne", sagte Narzissa.
Das Mädchen errötete. „Ich mag einfach nur Klamotten", nuschelte sie.
„Verstehe", murmelte Narzissa. „Hättet ihr Lust mich zu begleiten? Ich habe für heute Nachmittag einen kleinen Ausflug geplant."
Alle Mädchen nickten und sammelten ihre Sachen zusammen. „Daphne", fügte Narzissa hinzu. „Bring dein Skizzenbuch mit."
Als die Jungs später von ihrem unvernünftigen Spiel zurückkehrten, waren sie abgesehen von Theos angeschwollener Lippe unverletzt. Lucius verdrehte in Narzissas Richtung die Augen und murmelte: „Jungs!", küsste ihre Wange und sie lachte.
Greg sah Millie, die offensichtlich geweint hatte, und Daphne, die fassungslos wirkte, an. „Was habt ihr getan?", fragte er.
„Ich..." Daphne schien nicht im Stande zu artikulieren, was sie gemacht hatten, und Narzissa eilte ihr zu Hilfe.
„Wir haben nur ein paar von Daphnes Kleiderskizzen einer Freundin von mir gezeigt, die in der Branche arbeitet, und sie wird in ihrer Werkstatt eine von Daphnes Ideen für Millie umsetzen, um zu sehen, wie es mit Stoff anstatt auf Papier wirkt."
Daphne schien noch immer benebelt zu sein. „Ich... Ich weiß nicht, wie...", und sie stürzte sich auf Narzissa und umarmte sie, offensichtlich nicht zum ersten Mal an diesem Nachmittag.
„Sei nicht töricht, Kind, du hast ein gutes Auge", sagte Narzissa liebevoll.
„Und... warum bist du so aufgebracht?", wollte Greg von Millie wissen.
„Ich... ich konnte nie... Kleider sehen an mir schlecht aus", brachte das Mädchen endlich heraus. „Ich bin nicht... hübsch. Nicht wie Daphne. Ich..."
„Wovon redest du?" Greg sah sie verwirrt an. „Du hast immer gut ausgesehen. Du hast..." Er streckte die Hände aus und zeichnete mit ihnen geschwungene Linien in die Luft, und ließ sie dann verlegen an seine Seiten fallen, als Draco kicherte. „Daphne sieht wie ein Strich aus." Theo hustete und Greg fügte hinzu: „Nichts für ungut, Daph, aber jedes Mal, wenn ich dich sehe, möchte ich dir ein Sandwich oder so geben."
„Nun", sagte Narzissa, „ich glaube, ich überlasse euch Kindern diesen faszinierenden Sinkflug in die Taktlosigkeit. Das Abendessen ist um sechs; Theos Vater wird sich uns anschließen, also zieht euch bitte alle vernünftig an." Sie warf Draco einen Blick zu. „Das heißt keine Badehosen, verstanden?"
„Ja, Mum", sagte er mit einem Grinsen, das sie zum Seufzen brachte, bevor sie in einen anderen Teil des Hauses verschwand.
Als das Abendessen sich dem Ende zuneigte, sagte Lucius mit einem Glas Wein in der Hand: „Ich hatte die zweifelhafte Ehre, heute im Ministerium Potter über den Weg zu laufen. Er hat es geschafft, sich schon wieder aus einem potentiellen Schulverweis heraus zu winden."
„Was hat er diesmal getan?", fragte Daphne mit einem Stöhnen.
„Vor einem Muggel einen Patronus beschworen. Angeblich wurde er von Dementoren angegriffen."
„Dementoren?" Nott Senior wirkte einen Moment verdutzt, als würde er eine geistige Checkliste abarbeiten und sicher stellen, dass, nein, er keine Dementoren bestellt hatte. „Wirklich?"
Lucius zuckte die Achseln. „Ich hatte auf jeden Fall nichts damit zu tun", sagte er. „Aber der Junge – der eine volle Anhörung anstatt eines sofortigen Rauswurfs bekommen hat – kommt ungeschoren davon."
„Gibt es nicht eine Ausnahme für lebensbedrohliche Situationen?", fragte Hermine verwirrt.
„Fragt der Potter-Fan", sagte Draco stöhnend.
„Er tut mir nur leid, das ist alles. Ich meine, du hast -", Hermine wedelte ihre Hände über den Tisch, „- Familie und Freunde und alles, und er hat so wenig, dass er dankbar ist für einen Paten, der vor dem Ministerium auf der Flucht und vielleicht irgendwie verrückt ist."
Draco sagte: „Woher weißt du, dass er dankbar ist?"
Hermine errötete. „Erinnerst du dich an die Nacht, in der der Hippogreif vor ein paar Jahren davon gekommen ist?"
Draco nickte, und die restlichen Teenager am Tisch interessierten sich auf einmal sehr für das Gespräch.
„Naja, ich habe die Wahrheit gesagt, als ich erzählt habe, dass ich Weasley und Potter in die Heulende Hütte gefolgt bin, ich habe nur ein paar Dinge ausgelassen."
„Und zwar was, meine Liebe?", fragte Narzissa.
„Naja, ich bin in die Hütte gekommen, indem ich durch einen Tunnel gegangen bin, der unter der Peitschenden Weide anfing..."
„Du bist diesem Baum nahe gekommen?" Draco klang entsetzt.
„Ich bin ihnen durch diesen Tunnel gefolgt", fuhr Hermine fort und ignorierte seinen Ausdruck wachsenden Schocks und Zorns, „und dann war da Sirius Black, der, wie sich herausstellte, eine Animagus ist, und er wollte Ratti töten."
„Ratti?", fragte Lucius.
„Ratti war die zahme Ratte, die wir Weasley weggenommen haben", murmelte Theo.
„Wir haben ihn nicht genommen", sagte Hermine. „Meine Katze hat ihn gefangen und wir haben ihn nur nicht zurückgegeben." Sie sah die Erwachsenen an und erzählte mit schuldbewusster Stimme: „Wir waren nicht gemein zu ihm oder so. Wir haben ihm einen hübschen Käfig gezaubert, ihn mit sauberem Streu gefüllt und dafür gesorgt, dass er immer frisches Wasser und Futter und viele Leckereien hatte." Der letzte Teil brachte sie zum Kichern und sie wiederholte: „Viele Leckereien."
„Niemand würde dich jemals beschuldigen, Tiere schlecht zu behandeln", sagte Narzissa beruhigend. „Warum wollte Sirius euren Ratti töten?"
„Er war auch ein Animagus, irgendein Typ namens Peter Pettigrew, der..."
Nott Senior fing an zu husten und Lucius musste ihm ein paar Mal auf den Rücken klopfen. „Entschuldige", sagte der Mann, „ihr hattet Peter Pettigrew als eine Ratte in einem Käfig in eurem Schlafsaal?"
Narzissa versteckte ihren Mund hinter einer Serviette und bemühte sich, nicht ganz erfolgreich, nicht zu lachen.
„Kennt ihr ihn?" Hermine sah von einem Erwachsenen zum nächsten.
„Er ist ein Todesser", sagte Lucius. „Wenn auch kein sehr guter. Narzissa, es wäre zu unhöflich, bei unserer nächsten Party eine Schüssel mit Leckereien für Ratten aufzustellen, oder?"
„Die Rekrutierungsstandards müssen in dem Jahr aber niedrig gewesen sein", murmelte Hermine, und Narzissa versuchte gar nicht mehr, ihr Kichern zu unterdrücken, sondern lachte laut mit undamenhafter Ausgelassenheit.
„In der Tat", sagte Nott Senior, der sich keine Mühe gab, sein eigenes Grinsen zu verbergen.
Lucius fügte amüsiert hinzu: „Da Peter noch am Leben ist, nehme ich an, dass Sirius' Versuch gescheitert ist?"
„Naja, Remus Lupin hat angefangen, sich in einen Werwolf zu verwandeln..."
„Du warst in einer Hütte mit einem verrückten Flüchtling von Askaban und einem Werwolf." Draco knurrte beinahe.
„Lass das Mädchen ausreden", sagte Narzissa stirnrunzelnd.
„Also waren wir ein bisschen mehr daran interessiert, von dem Werwolf wegzukommen, als die Ratte zu fangen, und in der Verwirrung ist er abgehauen." Sie atmete tief ein. „Und Potter, Weasley und ich haben die Leute dort abgelenkt, damit Sirius den Hippogreif stehlen und entkommen konnte. Und später hat Potter mir gesagt, dass er dankbar war, Sirius zu haben, und ich dachte, dass sein Leben in dem Fall ziemlich leer sein muss."
„Warum?", fragte Draco. „Warum würdest du dich selbst in solche Gefahr geben um Potters Paten zu helfen?"
Hermine sah ihn deutlich verdutzt an. „Weil du gesagt hast, dass er dein Cousin ist, und du nicht wolltest, dass er den Kuss bekommt. Ich meine, ich habe nicht nach ihm gesucht oder so, aber als sich die Möglichkeit ergab ihn zu retten, habe ich sie ergriffen. Und es war nicht gerecht, dass er nie einen Prozess von dem dämlichen Ministerium bekommen hat." Sie murmelte den letzten Teil leise und verpasste den Blick, den die Erwachsenen über ihre halb ausgesprochene politische Kritik austauschten.
„Aber warum bist du überhaupt in den Tunnel gegangen?" Draco wirkte, als stünde er kurz davor, sich die Haare vom Kopf zu reißen.
„Ich war neugierig, was sie vorhatten", sagte sie.
„Also bist du unter einen Baum gegangen, der dich töten könnte, runter in einen dunklen Tunnel, um zwei Jungen zu folgen, die dich hassen?" Am Ende der Frage fauchte er beinahe. „Manchmal frage ich mich, warum du nicht nach Gryffindor gekommen bist! Das ist eines der idiotischen Dinge, die einer von denen tun würde!"
„Du musst nicht gemein werden!" Hermine funkelte ihn an. „Und es hat dazu geführt, dass dein Cousin gerettet wurde, was ich dachte, dass du wolltest!"
„Es gib nichts daran auszusetzen, eine gewisse Prise gewagter Abenteuer zu haben", ermahnte Narzissa Draco. Dann wandte sie sich mit milderem Blick an Hermine. „Und danke dir, liebes Mädchen. Nichts – nichts – ist mir so wichtig wie Familie, und wenn Sirius und ich auch nichts mehr miteinander zu tun gehabt haben, seit er als Junge davon gerannt ist, kann ich dir trotzdem nicht sagen, wie glücklich es mich macht zu wissen, dass er dem Ministerium entkommen ist." Sie stand auf, ging um den Tisch herum und küsste Hermine sehr formell erst auf die eine und dann auf die andere Wange. Draco starrte seine Mutter mit weit aufgerissenen Augen an, aber sie richtete sich nur auf und sagte: „Da ich schon stehe, werde ich nach dem Dessert schauen. Ich habe die Elfen gebeten, Hogwarts Mess zu machen, und beim letzten Mal haben sie sich geweigert zu glauben, dass es tatsächlich unordentlich sein sollte.[1] Kann ich jemandem etwas mitbringen?"
Hermine fing an sich zu fragen, ob Draco je wieder versuchen würde sie zu küssen; anscheinend hatte er die Warnung, sein Glück nicht zu überstrapazieren, ernst genommen, und er hielt ihre Hand und vergrub das Gesicht in ihren Haaren, aber erlaubte sich sonst keine Freiheiten mit ihr. Sie hatte verstanden, dass einige Dinge dank der gesellschaftlichen Regeln der Reinblüter bis zur Ehe tabu waren, aber seine Aktivitäten mit Pansy hatten ziemlich deutlich gemacht, dass Küssen kaum dazu gehörte.
Nur küsste er sie nicht und sie war nicht sicher, wie sie das ändern konnte. Abgesehen von ein paar wenigen ungeschickten Augenblicken mit Blaise, Augenblicke, die ziemlich abrupt geendet hatten, als der andere Junge erkannt hatte, dass Draco seine Ansprüche bereits geltend gemacht hatte, war sie vollkommen unerfahren. Die Vorstellung, es einfach... zu tun, sich einfach vor zu lehnen und ihm einen Kuss zu geben, nun, das bereitete ihr Magengrummeln.
Was, wenn sie es falsch machte?
Es sollte ein Buch geben, wie man es richtig tat.
In Geschichten, war ihr aufgefallen, schien niemand je auf einen Kuss zu warten, der nicht kam. Niemand legte den Kopf zurück, nur um zu merken, dass der Junge über Quidditchergebnisse redete, anstatt wie gebannt in die Augen seiner angeblichen Geliebten zu blicken. Sie hatte schon fast aufgegeben und saß eines späten Sommerabends neben dem Pool der Malfoys, blätterte im Licht der Laterne auf dem Tisch durch die Seiten der Vogue, während Theo und Daphne, die ihre Probleme nicht zu haben schienen, außerhalb des Lichtkreises saßen und Geräusche von sich gaben, die nur zum Großteil von der Pumpe des Pools übertönt wurden. Da hörte Draco auf einmal auf, über einen Wronski-Bluff oder so etwas zu reden, lehnte sich abrupt zu ihr hinüber, drückte seine Lippen auf ihre, und zog sich dann zurück, als hätte er Angst, dass sie ihn ohrfeigen könnte.
Als sie ihn einfach nur anstarrte, wurde er puterrot und fing an, eine Entschuldigung zu stottern, sodass sie schnell herausplatzte: „Mach das noch mal."
Er leckte über seine Lippen, aber sah noch immer nervös – und vielleicht ein kleines bisschen hinterlistig – aus, und murmelte: „Ich will mein Glück nicht herausfordern."
Hermine verengte ihre Augen zu Schlitzen. Oh, versuchte er ihr Schuldgefühle dafür zu machen, dass sie nach seinem Mist mit Pansy nicht direkt in seine Arme gefallen war? Oh nein. Sie zuckte die Schultern, legte ihre Zeitschrift beiseite und sagte: „Nun, in dem Fall werde ich meinen Koffer für die Schule organisieren oder so was in der Art."
Draco wirkte leicht panisch, als sie aufstand und auf das Haus zu ging. Sie ging langsam und zählte eins, zwei... und dann hörte sie, dass er ihr folgte und spürte wie seine Hand nach ihrer griff. „Oder", sagte er, „ich könnte das noch mal machen."
Sie drehte sich zu ihm um. „Das könntest du."
Er schlang seine Arme um sie, zog sie zu sich heran und sie konnte seine Körperwärme spüren. Als sie dieses Mal den Kopf zurücklegte, plapperte er nicht etwas über Quidditch, sondern berührte erst ihre Nasenspitze mit seiner und drückte dann seine Lippen auf ihre, und sie dachte noch, dass sie es falsch machen musste, als sie ihren Mund ein wenig öffnete und er seine Zunge hinein gleiten ließ, und sie erstarrte kurz. Dann waren ihre eigenen Arme um ihn geschlungen und sie küsste ihn zurück und alles war in Ordnung; und wenn sie nicht so erfahren war wie Pansy, so schien es ihn nicht zu stören.
Hermine öffnete die Bücherliste und las sie durch. „Nur zwei neue Bücher dieses Jahr", sagte sie. „Zaubersprüche und ein Buch für Verteidigung."
„Ich frage mich, wer der neue Lehrer dafür ist", sagte Draco und öffnete seinen eigenen Umschlag. Sie blickten beide erstaunt, als ein grün und silbernes Abzeichen in seine Hand fiel.
„Vertrauensschüler", flüsterte Hermine und sah den Anstecker an. „Du bist der Vertrauensschüler für Slytherin."
„Wo ist deines?", fragte er, aber sie drehte ihren Umschlag um, schüttelte ihn aus und zuckte die Schultern.
„Ich schätze, ich bin es nicht geworden."
„Aber..." Draco sah auf sein Abzeichen und hörte sich so verwirrt an, wie Hermine sich fühlte. „Das ergibt keinen Sinn. Du bist die beste Schülerin in unserem Jahrgang. Ich meine, er muss ein Mädchen aus Slytherin aussuchen. Er muss."
„'Er muss' was, Liebling?", fragte Narzissa, die zu ihnen trat und Hermine die Bücherliste aus der Hand nahm.
Während sie sie durchlas, sagte Draco: „Hermine ist keine Vertrauensschülerin."
„Wirklich?" Narzissa hörte sich auch etwas erstaunt an.
„Aber Draco schon", sagte Hermine und Narzissa blickte ihren Sohn an. Sie tat nichts so Würdeloses wie zu kreischen oder ihn zu lobhudeln, aber ein langsames Lächeln erwärmte ihre Gesichtszüge, während sie ihn betrachtete.
„Oh Draco", sagte sie. „Wie wundervoll. Ich bin so stolz auf dich, und dein Vater wird es auch sein. Ein Vertrauensschüler." Sie lehnte sich hinunter und gab ihm einen Kuss auf den Kopf. „Manchmal scheint es, als würde sich einfach alles richtig anordnen und so laufen, wie wir es wollen, oder?"
„Kriege ich ein Geschenk oder so?", fragte Draco und sie lachte und tätschelte seine Schulter.
„Netter Versuch, mein Lieber, aber Erfolg sollte seine eigene Belohnung sein. Ich werde dir keinen Festumhang oder einen neuen Besen kaufen, weil dir in der Schule zusätzliche Pflichten aufgetragen wurden."
Draco gelang ein symbolischer Schmollmund, aber er verwand unter einem Grinsen, das er nicht unterdrücken konnte, als er wieder auf das Abzeichen blickte. „Ich bin Vertrauensschüler", sagte er. Er sah Hermine an und wiederholte mit Erstaunen in der Stimme: „Sie haben mich zum Vertrauensschüler gemacht."
Narzissa steckte die Bücherliste ein. „Ich werde die heute Nachmittag für euch abholen, wenn ich mir meine Nägel machen lasse."
Nachdem sie gegangen war, schien ein noch immer strahlender Draco plötzlich zu merken, dass sein Erfolg zeitgleich mit ihrem Scheitern kam. „Ich... Es tut mir leid. Es ist mies, dass du nicht auch ausgewählt wurdest."
„Es ist okay", murmelte sie und scharrte mit dem Fuß über die Steine des Terrassenbodens. „Es ist wirklich genial, dass du es geworden bist. Ich freue mich wirklich für dich."
Draco nickte und sagte: „Ich werde es Theo und Greg erzählen, okay?"
„Ja", sagte Hermine. „Ich glaube, sie sitzen beim Pool."
Draco lief mit dem Abzeichen in der Hand davon, und sie setzte sich hin und starrte auf die Seiten ihrer Zeitschrift. Sie hatte gehofft, Vertrauensschülerin zu werden, hatte es sogar erwartet, wenn sie wirklich ehrlich war. Sie bekam bessere Noten als jeder sonst in ihrem Schuljahr, bessere noch als Draco und auf jeden Fall bessere als die anderen Mädchen in Slytherin. Und außer als sie Moody mit dem Tode gedroht hatte, war sie nie in Schwierigkeiten gewesen...
Okay. Sie war nach der Abendruhe mit Harry Potter und Ronald Weasley erwischt worden, letzterer mit einem ziemlich verdächtigen gebrochenen Bein, aber das war einmal gewesen.
Und dann war da das Mal gewesen, als sie Vielsafttrank gebraut hatte, aber sie war ziemlich sicher, dass außer Professor Snape kein Erwachsener darüber Bescheid wusste.
Sie war nicht sportlich, aber das konnte es nicht sein, oder? Sicher spielte es bei der Auswahl der Vertrauensschüler keine Rolle, ob man gut spielte, oder? Kaum eines der Mädchen in irgendeinem Haus spielte Quidditch.
Ein bitteres Gefühl der Misshandlung befiel sie. Sie hatte die besten Noten, sie hatte ihre Hände sauber gehalten, und es hatte nichts genutzt. Sie fragte sie, und hasste sich dafür, es auch nur zu denken, ob es daran lag, dass sie muggelstämmig, oder schlimmer, muggelstämmig in Slytherin war. Hatte Dumbledore sie wegen ihrer Abstammung übergangen? Weil es Bereiche in der magischen Welt gab, die sie nie ganz verstand, nie ganz richtig hinbekam? Weil sie härter arbeiten musste als alle anderen, deren Eltern während ihrer Kindheit Magie für alle möglichen Dinge verwendet hatten, und ihr gesagt werden musste, dass es magisch machbar war? Kleine Dinge, über die sonst niemand nachdachte, wie ein verschüttetes Getränk mit dem Zauberstab statt einer Serviette aufzuwischen, oder die Uhrzeit mit Magie nachzusehen anstatt eine Uhr zu tragen? Dachte der Mann, dass ihr eigenes Haus nicht auf sie hören würde, sie nicht als Vertrauensschülerin akzeptieren würde, weil ihre Eltern Muggel waren?
Es war nicht fair. Es war nicht fair.
Auf dem Bahnsteig umarmte Hermine Blaise, der den ganzen Sommer in Italien verbracht hatte, erfreut. „Ich habe dich vermisst", sagte sie und er grinste sie an.
„Lass nächstes Jahr deinen blassen Romeo zurück und komm mit mir nach Italien", neckte er und sie lachte.
„Und verdirb deinen ganzen Spaß mit den Mädchen dort? Das könnte ich dir nicht antun!"
Hermine wandte sich an Draco: „Sollen wir uns ein Abteil suchen?"
„Ähm, ich habe ein Treffen im Abteil der Vertrauensschüler", nuschelte er.
„Ach, stimmt", sagte sie.
„Du bist auch Vertrauensschüler?!" Hermine zuckte zusammen, als sie das aufgeregte Kreischen hörte und drehte sie um. Pansy kam auf sie zugerannt, ihr glänzendes Abzeichen an den Umhang gepinnt, den sie bereits trug. „Das ist wundervoll!" Pansy zerrte Draco in Richtung Ende des Zugs und sandte hinterhältige Blicke zurück zu Hermine. „Ich gehe mit dir zum Vertrauensschülerabteil, Draco. Wir werden dieses Jahr viel Zeit miteinander verbringen, mit den ganzen Patrouillen spät abends und so."
Blaise hüstelte und sagte dann: „Sollen wir ein Abteil suchen, während Pansy auf dem Holzweg wandert? Wenn wir uns beeilen, können wir wahrscheinlich einen Platz für Draco frei halten."
„Nicht für Pansy?", fragte Hermine.
Blaise schnaubte. „Du weißt ganz genau, dass sie die ganze Zeit herum laufen wird, damit auch ja alle wissen, dass sie Vertrauensschülerin ist."
Sie bahnten sich zusammen mit Theo und Daphne einen Weg durch den Hogwartsexpress, aber sie waren ein bisschen zu spät angekommen, und fast jedes Abteil war bereits besetzt. Schließlich fanden sie am Ende des Zuges ein Abteil, in dem nur ein Mädchen mit langen, blonden Haaren und sehr blassen Augenbrauen saß. Sie sah sie mit einem etwas entrückten Gesichtsausdruck an, als sie eintraten.
„Macht es dir etwas aus, wenn wir hier sitzen?", fragte Hermine und das Mädchen zuckte die Schultern, sodass die ihre Koffer verstauten und auf den Bänken platz nahmen.
„Du liest das falsch herum", bemerkte Blaise und das Mädchen sah hoch.
„Ich weiß", sagte sie. „Kannst du nicht falsch herum lesen?"
„Ich glaube nicht, dass ich es jemals versucht habe", sagte er, setzte sich neben sie und sah auf die Zeitschrift – irgendetwas namens Der Klitterer – in ihrer Hand. „Ich bin Blaise", stellte er sich vor.
"Rückwärts gelesen heißt das Esailb", sagte sie und er blinzelte ein paar Mal, bevor er lächelte.
"Und gefällt dir das?"
Sie dachte ein paar Sekunden lang darüber nach und sagte dann: "Naja, manchmal sind die Dinge richtig herum falsch und fasch herum richtig." Es entstand eine Pause, als sie alle sie anstarrten, und dann fügte sie hinzu: "Ich bin Luna."
Hermine blickte die Krawatte, die das Mädchen sich um die Stirn gebunden hatte, an und fragte: „Ravenclaw?" in einem Tonfall, der aussagte, dass dieses merkwürdige Mädchen natürlich in Ravenclaw war.
„Ungehörigkeit ist die Seele des Verstands", stimmte Luna zu, und Blaise fing erfreut zu grinsen an, als er mit dem Finger auf etwas in ihrer Zeitschrift deutete und ihr etwas ins Ohr flüsterte. Sie sah ihn abwägend an, rutschte aber nicht weg, und Daphne und Hermine grinsten sich an. Anscheinend war die kleine Drittklässlerin, mit der der angehende Don Juan im letzten Jahr angebandelt hatte, gerade ersetzt worden.
„Ich wette, die hier wird sich nicht so leicht von ihm unterkriegen lassen", flüsterte Daphne Hermine ins Ohr. „Dieses Zitat. Oh mein Gott."
„Er ist in Schwierigkeiten", stimmte Hermine zu.
„Worüber redet ihr zwei?", wollte Theo wissen und Hermine grinste ihn an.
„Mädchensachen", sagte sie und er verengte skeptisch seine Augen, aber sagte nichts weiter.
Draco tauchte erst nach über einer Stunde auf, als der Essenswagen schon lange wieder verschwunden war, und Daphne, Luna und Hermine sich in ein detailliertes Gespräch darüber verstrickt hatten, ob Feen modische Vorlieben besaßen.
„Also", fragte Theo, nachdem sie alle zusammen gerückt waren, um Draco Platz zu machen, und er sich auf einem der Sitze fläzte, „wer sind die anderen Vertrauensschüler?"
Er stöhnte. „Weasley, wenn ihr das fassen könnt."
„Bäh", sagte Hermine und die anderen stimmten ihr zu.
„Und die eine Patil, die in Gryffindor ist. Ich kann die nicht auseinander halten", fügte Draco hinzu.
„Parvati", sagte Blaise.
„In Hufflepuff sind es Ernie McMillan und Hannah Abbot, und Anthony Goldstein und die andere Patil für Ravenclaw."
„Also... niemand Muggelstämmiges?", fragte Hermine.
Draco sah sie an und sagte mit leiser Stimme: „Nein. Nur Rein- und Halbblüter."
„Oh", sagte Hermine, zog ein Buch heraus und begann, die grundlegenden Zaubersprüche des Jahres zu wiederholen.
„Die erwarten, dass ich rausgehe und patrouilliere", erklärte Draco leicht missmutig.
Bevor jemand reagieren konnte, hörten sie Ron Weasley vor ihrem Abteil. „Ich kann es kaum abwarten", sagte er. „Wir können Strafen erteilen, wenn Leute sich nicht benehmen. Ich kann es nicht erwarten, Crabbe und Goyle und die Granger für irgendwas dran zu kriegen..."
„Tja", murmelte Hermine, „der Apfel fiel nicht weit von dem Stamm, was?"
Weasley öffnete ihre Tür und grinste erfreut, als er die Insassen des Abteils erkannte. „Hi Granger", sagte er. „Wie fühlt es sich, für Pansy Parkinson übergangen worden zu sein?"
„Halt die Klappe, Weasley", sagte Theo.
„Oooh – tat das weh?", spottete Weasley.
„Du solltest weggehen", sagte Luna, stand auf und legte den Kopf schief. Sie wirkte zugleich wacklig und bedrohlich und Weasley schnaubte.
„Loony Lovegood. Natürlich. Wer sonst würde freiwillig bei einem Haufen Schlangen sitzen?" Trotzdem zog er sich lachend zurück, und Luna schlug die Abteiltür hinter ihm zu.
„Er kann fies sein, dieser Junge", sagte sie nur.
„Wir können alle fies sein", entgegnete Hermine und zog ihren Umhang hervor. „Wir sollten uns umziehen."
„Ihr seid nicht fies zu mir", stellte Luna fest, und Hermine zuckte die Achseln, als sie alle ihre Umhänge heraus holten und in sie hineinschlüpften. Luna zog sich die Krawatte vom Kopf, legte sie um ihren Hals und kicherte, als Blaise eine große Schau daraus machte, sie für sie zu zu knoten.
Hagrid war auffallend abwesend und Hermine und Theo sahen sich hoffnungsvoll an. „Wo ist Hagrid?", fragte Greg, als er sich zu ihnen gesellte.
„Vielleicht hatten wir endlich Glück und er wurde gefeuert?", sagte Hermine und Luna, die gerade den Sitz einer Halskette aus, wie es aussah, Butterbierkorken korrigierte, blickte zu ihr auf.
„Ihr mögt ihn auch nicht?"
„Er ist eine Bedrohung", sagte Hermine.
„Er ist ein schrecklicher Lehrer", sagte Luna und hakte sich bei Blaise ein, als sie zu den Kutschen gingen. „Er ist eine Art Witzfigur in Ravenclaw."
„Und ich dachte, dass ihn alle lieben", murmelte Greg.
„Oh nein", sagte Luna. „Diese Knallrümpfigen Kröter waren wirklich eine wirklich schlampige Arbeit. Der Wurf war nicht annähernd groß genug, um auszugleichen, dass so viele von ihnen sterben würden, weil sie sich in ihrer Kindheit gegenseitig fressen." Sie schüttelte den Kopf, während Blaise ihr in die Kutsche half. „Es war ein ziemlicher Züchtungsfehler, meinst du nicht?"
Greg starrte sie an. Dass das Problem mit den Knallrümpfigen Krötern gewesen sein könnte, dass es nicht genug von ihnen gab, war ihm nie in den Sinn gekommen.
„Draco", rief Hermine. „Hör auf die Zweitklässler herumzukommandieren und komm her."
Mit einem leicht schuldbewussten Gesichtsausdruck eilte Draco herbei, zog sich in die Kutsche und rutschte auf den Platz neben Hermine.
„Versuch dich zu kontrollieren", sagte Hermine und blickte ihn finster an. „Vertrauensschüler."
Er lehnte sich genau in dem Augenblick vor um ihr einen Kuss auf die Wange zu geben, als sie sich nach etwas umschaute, und Luna lachte, als er einen Mund voll krauser Haare abbekam. Er funkelte sie an, aber Blaise glich es aus, indem er zurück funkelte und seinen Arm um das blonde Mädchen legte. Luna lachte erneut und sagte scheinbar zu niemandem: „Höherrangige männliche Paviane haben einen erhöhten Fortpflanzungserfolg."
Hermine lachte und dann noch einmal, als Draco verwirrt drein blickte, und tätschelte ihm das Bein. „Keine Sorge, du bist kaum der Omega-Wolf."
„Ich dachte, es geht um Paviane", murmelte Greg.
Luna lachte und die Kutsche setzte sich Richtung Schloss in Bewegung.
Sobald sie alle an ihrem Tisch saßen und nachdem sie Luna zugewinkt hatten, die wortlos in Richtung des Ravenclaw-Tisches entschwunden war, lehnte Blaise sich auf seine Hand und sagte verträumt: „Sie ist perfekt."
„Sie ist merkwürdig", sagte Greg.
„Wer ist merkwürdig?", fragte Millie.
„Luna Lovegood", antwortete Hermine.
„Oh, na klar. Das weiß jeder", sagte Millie abwinkend.
„Aber seht sie euch an", sagte Blaise. „Und die Bemerkung über Ungehörigkeit?" Er seufzte. „Ich frage mich, wie unanständig sie sein kann."
„Schwein", sagte Millie.
„Es ist eine Frau dieses Jahr", sagte Hermine, die Blaise ignorierte und zum Lehrertisch blickte. Sie erntete leere Blicke und zeigte auf die an eine Kröte erinnernde Frau in einer rosa Strickjacke mit einer passenden Haarschleife, die an einer Fünfjährigen noch kindisch gewirkt hätte. „Die diesjährige Verteidigungs-Lehrerin. Ich wette, dass die das ist." Während sie das neue Mitglied des Lehrkörpers mit beiläufiger Neugier beobachteten, gesellte sich die Vertretungslehrerin für Pflege magischer Geschöpfe aus dem letzten Jahr zu den restlichen Professoren.
„Nein", flüsterte Draco, und sein Tonfall war zu gleichen Teilen hoffnungsvoll und schadenfroh. „Ist der Halbriese endlich weg?"
„Scheint so."
„Wurde auch verdammt noch mal Zeit", murmelte Vincent.
„Wie geht es der Flubberwurm-Verletzung?", fragte Hermine, und Vincent blickte mit einem Ausdruck übertriebener Sorge auf seinen Finger.
„Ich könnte überleben", räumte er schließlich ein.
„Einhörner dieses Jahr", sagte Greg und hörte sich fast so verträumt an wie Blaise es eine Minute zuvor getan hatte. Als sie ihn alle ansahen, fügte er defensiv hinzu: „Was? Ich mag Einhörner."
Die Erstklässler wurden eingeteilt und Dumbledore begann seine übliche Rede, in der er bestätigte, dass die Vertretung, Professor Raue-Pritsche, Pflege magischer Geschöpfe übernehmen würde, und die untersetzte Frau als Professor Umbridge, ihre neue Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste, vorstellte. Er war schon dabei, über die Auswahlspiele der Quidditch-Mannschaften zu sprechen, als Professor Umbridge aufstand und ein Hüsteln von sich gab, dass sie anhörte, als hätte sie einen kleinen Frosch verschluckt, der nun verzweifelt versuchte, ihrer Kehle wieder zu entkommen.
Dumbledore wirkte einen Moment lang überrascht, bevor er sich setzte und die Frau mit verzückter Aufmerksamkeit ansah. Hermine verengte ob seiner Heuchelei nur die Augen zu Schlitzen, aber von den Gryffindors kam ein hörbar unzufriedenes Gemurmel und die Lehrer sahen geschockt und unglücklich aus; Professor McGonagall schenkte der Frau einen Blick, der jede vernünftige Person dazu bewegt hätte, sich sofort wieder hinzusetzen.
Umbridge aber hielt eine eigene Rede. Ihre Stimme war hauchig und ein bisschen zu munter, so als würde sie einen Raum voller Kleinkinder und keine Teenager ansprechen. Nachdem sie ein paar absurde Bemerkungen darüber gemacht hatte, dass sie bestimmt alle gute Freunde werden würden, lehnte Daphne sich zu Hermine und sagte: „Ich hoffe, sie erwartet nicht, dass wir jetzt, wo wir Freunde sind, unsere Klamotten austauschen, weil dieser Pullover von ihr gehört in den Mülleimer."
Hermine verschluckte sich beinahe und sah Daphne tadelnd an.
Die Rede schien nicht enden zu wollen. Hermine hörte dem ganzen Ding grimmig zu, auch wenn um sie herum die Schüler nach und nach aufhörten, ihr Aufmerksamkeit zu schenken. Sie blickte kurz zum Tisch der Ravenclaws, wo Luna ihre Zeitschrift hervorgeholt hatte. Draco und Greg zeichneten Quidditchmanöver auf ein Stück Pergament, und selbst die sonst so höflichen Hufflepuffs redeten miteinander. Als die Rede vorbei war und Dumbledore applaudierte, wurden die Leute überrascht und klatschten rasch ein paar Mal.
„Das war interessant", sagte Hermine.
„Es muss eine neue Bedeutung von interessant geben, die ich noch nie gehört habe", murmelte Draco, aber Theo nickte.
„Das war es, nicht?", sagte er sehr leise.
„Ist sie...?" Hermine sah ihn an und ließ die Frage unausgesprochen ausklingen, und er schüttelte den Kopf.
„Nicht so weit ich weiß; wobei ich kaum wirklich etwas weiß."
„Also." Hermine betrachtete die Frau. „Das Minsterium hat sich entschieden sich einzumischen. Ich frage mich, ob das die Sache besser oder schlechter machen wird."
Theo zuckte die Schultern. „Ich schätze, wir werden es herausfinden."
Snape lief am nächsten Morgen an ihrem Tisch entlang und teilte die Stundenpläne aus.
„Miss Granger", sagte er, als er sie erreichte, „da du noch nicht komplett versagt hast, werde ich den Donnerstagabend für deine zusätzliche Arbeit in Zaubertränke festsetzen. Vielleicht schaffst du es dieses Jahr deine Zutaten beim vierten oder fünften Versuch richtig vorzubereiten, anstatt meine Zeit monatelang zu verschwenden, auch wenn ich ehrlich gesagt meine Zweifel habe."
„Ist er immer so ermutigend?", fragte Theo, während er auf seinen eigenen Stundenplan blickte.
„Das war eigentlich ziemlich positiv", sagte Hermine. „Haben wir Verteidigung gegen die dunklen Künste dieses Jahr wirklich zusammen mit den Gryffindors?"
„Jap", sagte Daphne. „Montag wird brutal werden. Zaubertränke, Verteidigung und Wahrsagen."
„Kein Wahrsagen für mich", sagte Hermine mit einer gewissen beklagenswerten Selbstgefälligkeit.
Daphne sah auf ihren Stundenplan. „Runen. Arithmantik. Nein danke. Ich bleibe dabei, mir Tragödien auszudenken; es ist langweilig und der Weihrauch etwas zu stark, aber es ist leicht."
Snape blickte sie düster an, als sie das Klassenzimmer betraten. „Nein, Miss Granger", sagte er, als sie sich neben Draco setzen wollte, „ich würde mir gerne jedwedes potentielle jugendliche Drama ersparen. Setz dich bitte zu Mr. Goyle. Vielleicht kannst du ihn in diesem Schuljahr davor bewahren, ganz und gar zu versagen. Miss Greengrass, wenn du so freundlich wärst, dich neben Mr. Malfoy zu begeben."
Greg grinste Hermine an, als sie auf den Stuhl neben ihn rutschte. „Salazar sei Dank. Ich könnte dieses Jahr tatsächlich über die Runden kommen."
„Unwahrscheinlich", hustete Weasley leise vom nächsten Tisch aus, und Hermine funkelte den Arsch wütend an, aber er sah sie nicht an, sondern holte nur seine Sachen hervor.
„Wie einigen von euch klar sein dürfte, ist dieses euer Z.A.G.-Jahr, und, trotz der beklagenswerten Tatsache, dass die meisten von euch überwältigend inkompetent sind, erwarte ich doch von jedem von euch zumindest ein 'Annehmbar'." Er sah Neville Longbottom bedrohlich an, und der schluckte hart und zitterte so sehr, dass er seinen Kessel auf den Boden warf, als er versuchte sein Lehrbuch zu öffnen.
„Vielen Dank, Mr. Longbottom, für die zeitgemäße Demonstration der Defizite dieser Klasse." Snape starrte den Jungen an, der rot wurde und sich kleiner machte, während er weiterhin bebte. „Na los, heb ihn auf, Longbottom", sagte der Mann schließlich mit Verachtung, und der Junge beeilte sich, seine Sachen wieder auf den Tisch zu stellen. „Die meisten von euch werden im nächsten Schuljahr nicht mehr in Zaubertränke sitzen, da ich nur den besten Schülern Eintritt in meine U.T.Z.-Kurse gewähre. Aber leider haben wir noch ein ganzes Jahr zusammen, bevor die glückliche Zeit da ist, zu der wir Abschied von einander nehmen können, also lasst uns den diesjährigen Weg des Wissens beschreiten, in der Hoffnung, dass ein oder zwei unter euch vielleicht nicht völlig nutzlos sind." Er sah Harry Potter an. „Auch wenn ich sicher bin, dass einige von euch zum Scheitern verdammt sind."
Snape wirkte noch immer gehässig, als er ihnen die Anweisungen für den praktischen Teil der Stunde gab: den Trunk des Friedens zu brauen. Er drohte, dass ein misslungenes Ergebnis zu einem tiefen Schlaf führen würde, aus dem man nie wieder erwachte, und Greg wurde blass. Hermine schnaubte nur über Snapes Theatralik. „Du darfst das nicht ernst nehmen", flüsterte sie ihm zu. „Wenn wir es falsch machen, wird man es sofort sehen, vertrau mir." Er zog Mörser und Stößel zu sich und begann die Stachelschweinstacheln zu mahlen. „Weißt du was", sagte sie mit einem leichten Zucken, „lass mich die Vorbereitungen für uns beide erledigen."
Snape kam an ihnen vorbei und sah finster zu, wie sie die Stacheln zu einem Puder verarbeitete. „Das ist kaum fein genug, Miss Granger. Mir ist klar, dass die Leistungen meiner Schüler nach den Sommerferien immer etwas zurückgehen, aber ich habe nicht erwartet, dass du deine Zutaten behandeln würdest, als seist du Longbottom."
„Tut mir leid, Sir", sagte sie ohne aufzublicken.
„Müssen wir es nochmal machen?", fragte Greg nervös und beäugte das Puder, das für ihn vollkommen gleichmäßig wirkte.
„Nein, es ist gut", sagte sie. „'Kaum fein genug' zählt als Lob. Man muss sich nur an ihn gewöhnen; er ist nicht gerade ein Lehrer, der uns verhätschelt."
„Lob?" Greg sah zwischen ihr und Snape hin und her. „An ihn gewöhnen?" Er erschauderte. „Ich bin froh dass er mich nicht zu zusätzlichem Unterricht zwingt."
Am Ende der Stunde begutachtete Snape ihren Trank erneut und sagte: „Fülle ihn ab und beschrifte ihn, Miss Granger, und stelle ihn für Madam Pomfrey beiseite, bitte." Er blickte zu Ronald Weasley, der Hermines silbrigen Zauertrank mit Abscheu betrachtete.
„Sie wollen den Zaubertrank einer Schülerin an den Krankenflügel geben?", fragte Weasley.
„In der Tat", entgegnete Snape. „Und vielleicht werde ich das Glück haben zu entdecken, dass sie ihn schlecht zubereitet hat, sodass, wenn die gute Heilerin ihn verabreicht, einige von euch in ein Koma fallen werden, und ich mir nicht mehr den völligen Unsinn anhören muss, der aus euren Mündern kommt." Er beäugte die Substanz in Weasleys Kessel und bemerkte, dass sie nach verfaulten Eiern roch. „Deine Version werde ich allerdings nicht in den Krankenflügel geben."
Er rümpfte die Nase, als er an Dracos Kessel vorbeikam, sagte aber nichts. Bei Potter hielt er inne, sah den dunkelgrauen Rauch an, der aus dem Trank hervorquoll, und seufzte. „Kannst du lesen, Potter?"
Draco lachte und Potter wurde rot. „Ja, Sir", murmelte der Junge.
„Dann wärst du vielleicht so gut, mir die dritte Zeile der Anweisungen vorzulesen?"
Potter warf einen Blick durch den Raum und bemerkte, dass er einen ganzen Zwischenschritt übersprungen hatte. Hermine hatte das in ihrem Einzeltunterricht einmal getan, und Snape hatte ihr eine Rübe an den Kopf geworfen und mindestens zehn Minuten lang geschimpft, dass sie ein Dummkopf sei und seine Zeit verschwende. Er hatte die Wörter 'unvernünftig', 'begriffsstutzig' (zweimal) und 'hirnlos' gebraucht.
Snape ließ den betreffenden Zaubertrank mit einem schnellen Evanesco verschwinden und gab ihnen die Hausaufgaben. Als sie nach draußen gingen, versuchte Hermine Potter einzuholen, um ihm mitzuteilen, dass er unter den Umständen glimpflich davon gekommen war, und dass sie die Situation auch schon erlebt hatte, aber Weasley verpasste ihr einen Stoß, bevor sie ihren wütenden Mitschüler erreicht hatte.
„Gekommen um deine Schadenfreude zu zeigen, kleine Miss Besserwisserin?", fragte er. „Geh zurück zu deinen Schlangen. Wir wollen deinesgleichen nicht haben."
„Hau ab, Granger", fauchte Potter, bevor er davon lief.
„Komm schon, Hermine." Draco griff nach ihrer Hand und zog sie mit sich. „Lass uns zum Mittagessen gehen."
„Das war wirklich nicht nett", murmelte Hermine, während sie sich neben Greg setzte und sich Kartoffelauflauf mit Hackfleisch auftat.
„Tja, wann war der Idiot jemals nett zu dir?", fragte Draco und sie zuckte die Achseln.
„Ich schätze, ich hatte einfach gehofft, dass er nach der ganzen Geschichte mit Sirius vor ein paar Jahren, ich weiß nicht, nicht mehr die ganze Zeit so ein Arsch wäre."
Draco schnaubte.
Professor McGonagall blickte auf Hermines Armband, das unter ihren zurückgeschobenen Ärmeln sichtbar war, und sagte: „Was für ein hübsches kleines Armband, Miss Granger. Wussten Sie, dass in den traditionellen reinblütigen Familien Dinge wie dieses als vor-Verlobungsgeschenke angesehen werden, die eine Übereinkunft zwischen Familien öffentlich festigen sollen?"
Hermine blinzelte ein paar Mal, unsicher, wie sie reagieren sollte.
„Natürlich ist das hier nicht der Fall", fuhr Professor McGonagall mit einem Lächeln fort. „Mir ist nur aufgefallen, wie traditionell es wirkt. Haben Ihre Eltern es Ihnen geschenkt?"
Hermine lächelte ein langsames Lächeln, das stark an Dracos hinterhältiges Grinsen erinnerte. „Nein", sagte sie. „Draco Malfoy hat es mir gegeben."
McGonagall reagierte mit einer schnellen, überraschten Bewegung und sagte dann gütig, wenn auch etwas herablassend: „Ich bin sicher, dass Sie klug genug sind zu erkennen, dass die Malfoys Sie niemals akzeptieren würden, und Sie keinen Tricks unterliegen werden, mit denen der Junge Sie auszunutzen versuchen könnte, Miss Granger."
Hermine lächelte einfach weiter. „Und warum das, Professor? Was genau macht mich so inakzeptabel?"
McGonagalls Lächeln wurde dünner, aber ihre Stimme blieb gütig. „Sicher wissen Sie, dass einige der alten Familien noch an den Vorurteilen gegenüber Muggelstämmigen festhalten?"
„Das war mir aufgefallen, ja", sagte Hermine.
„Nun denn", sagte McGonagall. „Solange Sie sich Ihrer Position bewusst sind. Ich würde nicht wollen, dass Sie durch unrealistischen Erwartungen verletzt werden."
Hermine sah sie abschätzig an. „Bin ich mir. Danke für Ihre Sorge, Professor."
Daphne wartete bereits auf sie, als sie das Klassenzimmer für Verteidigung betrat. „Ich muss ein Traumtagebuch führen", stöhnte sie. „Einen Monat lang. Sag mir noch mal, warum ich Wahrsagen gewählt habe?"
„Weil du dachtest, dass Runen zu schwer wäre?", fragte Hermine, als sie sich setzten.
„Wahrscheinlich", sagte Daphne mit theatralischem Seufzen und zog ihren Zauberstab hervor.
Sobald die ganze Klasse sich hingesetzt hatte, lächelte Professor Umbridge. Mit einer mädchenhaften und überraschend hohen Stimme, wenn man ihr krötenartiges Aussehen betrachtete, sagte sie: „Guten Tag, Klasse."
Die vereinzelten halbherzigen Antworten gefielen ihr nicht, und sie zwitscherte: „Ich glaube, das können wir besser!" Die Schüler, die belustigte Blicke wechselten, erwiderten zusammen: „Guten Tag, Professor."
„Viel besser", sagte sie.
Hermine blickte Daphne an und beide Mädchen zuckten die Achseln. Bisher hatten sie einen geistesgestörten Irren, einen Werwolf, einen Betrüger und was auch immer Quirrell gewesen war als Lehrer dieses Unterrichts gehabt. Eine Frau, die zu glauben schien, dass sie sich im Kindergarten befanden, ergab in dem Zusammenhang beinahe Sinn.
Die Frau hielt eine ihrer langweiligen Reden, in der sie ihre Sorge darüber ausdrückte, dass ihre Ausbildung in dem Fach so lückenhaft war, und Hermine musste zugeben, dass die Frau, egal wie selbstgefällig und stumpfsinnig sie auch sein mochte, nicht ganz Unrecht hatte. Natürlich war dies nicht das einzige Fach in Hogwarts, das man als schlecht gelehrt bezeichnen konnte. Hagrid, die Alkoholikerin in Wahrsagen… die Einstellungsstandards schienen ziemlich niedrig zu sein.
Zauberer hatten scheinbar nichts so Formelles wie „Lehrberechtigungen".
Hermines aufkommende Sympathie für die Ziele der Frau hörte aber auf, sobald sich herausstellte, dass ihre Methoden darin bestanden, sie leise aus dem wohl langweiligsten Buch über die Verteidigung gegen die Dunklen Künste aller Zeiten lesen zu lassen. Hermine hatte das Buch bereits gelesen. Sie hatte Notizen gemacht und diese mit einigen Büchern verglichen, die sie von den Malfoys geliehen hatte und die sich eventuell weniger mit der Verteidigung als dem Angriff beschäftigten. Trotzdem, die Theorie war die Gleiche. Sie streckte ihren Arm in die Luft und ignorierte Theo, der zischte, sie solle damit aufhören.
Professor Umbridge schaffte es, sie siebenundzwanzig Minuten lang zu ignorieren, aber zuletzt sahen alle Slytherins sie offen an, und die Gryffindors taten es ihnen verstohlen gleich. Schließlich, als hätte sie die Hand gerade erst bemerkt, sagte Professor Umbridge: „Sie haben eine Frage, meine Liebe?"
„Ich wollte nur sicher gehen, dass Sie nicht vorhaben, praktische Übungen in den Lehrplan mit aufzunehmen", sagte Hermine.
„Du meine Güte, nein", erwiderte die Frau. „Miss… Granger, richtig?"
„Ja, Ma'am", sagte Hermine.
„Ich glaube nicht, dass ich von Ihrer Familie gehört habe", sagte Professor Umbridge mit übertrieben süßlicher Stimme. „Sind Sie die Erste, die nach Hogwarts geht?"
„Ich bin muggelstämmig, ja, wenn Sie das wissen wollen", sagte Hermine ebenfalls mit gutartiger Stimme, auch wenn einige andere Schüler aus ihrem Haus leise zischend Luft holten.
„Dann haben Sie nicht den passenden Kontext, der nötig ist, um den angemessenen Lehrplan in diesem Fach zu bestimmen, Miss Granger. Zauberer aus guten Familien, Zauberer, die sehr viel älter und cleverer sind als Sie, haben diese Methode entwickelt, damit Sie die magische Verteidigung in einer risikofreien Umgebung lernen können."
„Aber das ist Unsinn", stieß Harry Potter hervor. „Wenn wir angegriffen werden, dann wird das nicht ‚risikofrei' sein!"
„Meine Güte!" Professor Umbridges Stimme klang zu gleichen Teilen belegt und erfreut. „Sicher denken Sie nicht, dass Sie in meinem Unterricht angegriffen werden, mein liebes Kind?"
Parvati Patil hatte ihre Hand in der Luft.
„Ja, meine Liebe?" Professor Umbridge wandte sich ihr zu.
„Aber es gibt einen praktischen Teil bei unserer Z.A.G.-Prüfung. Werden wir im Unterricht nicht dafür üben?"
„Mit den richtigen Anweisungen bin ich sicher, dass Sie die Sprüche unter kontrollierten Examensbedingungen ausführen können werden", sagte Umbridge und schob den Einwand des Mädchens beiseite.
Hermine lehnte sich zurück und lächelte, als sich eine Spur der Rebellion durch das Klassenzimmer zog. Parvati, ein Mädchen, das sie schon lange für eine der vernünftigeren Gryffindors gehalten hatte, hatte das unkontroverse Problem mit den idiotischen Lehrmethoden angesprochen. Sie musste das nur noch weiterlaufen lassen, und mit genügend Briefen nach Hause, genügend Eltern, die sich darüber empörten, dass ihre Kinder nicht für die Z.A.G.s vorbereitet wurden, und dieser Unsinn von wegen ‚setzt euch hin und lest das ganze Jahr das Buch' würde vergessen sein.
Es sei denn Potter vermasselte es, indem er darauf bestand, dass der Dunkle Lord zurück sei. Es sei denn, der törichte, blinde, dumme Junge musste die Konfrontation politisieren.
Was er, natürlich, tat.
„Ich glaube nicht, dass wir Voldemort unter kontrollierten Examensbedingungen bekämpfen werden", blaffte er.
„Oh, mein Lieber." Umbridges künstliches Lächeln maskierte eine unumstößliche Mauer. Jetzt würde sie sich niemals mehr geschlagen geben, dachte Hermine mit einem Seufzen. Potter hatte ja unbedingt den Dunklen Lord erwähnen müssen. „Ich weiß, dass Sie angelogen wurrden, Sie armer Junge, aber da draußen gibt es keine bösen Zauberer, die hinter Ihnen her sind. Ich kann nicht verstehen, dass ein kluger Junge wie Sie so etwas glauben würde."
Hermine erkannte, dass der Kampf, praktische Übungen in den Unterricht der Frau einzuführen, gescheitert war, und verspottete stattdessen Potter. „Seine Kopfschmerzen verraten es ihm", flüsterte sie und erntete leises Gelächter.
„Wenn Sie etwas zu sagen haben, Miss… Granger, richtig? Dann teilen Sie es bitte mit der ganzen Klasse."
Hermine lächelte. „Natürlich, Ma'am", sagte sie. „Potter glaubt, der Dunkle Lord sei zurück, weil seine Kopfschmerzen es ihm verraten." Sie hielt inne und sah den Jungen mit gespieltem Mitgefühl an. „Oder zumindest habe ich das im Propheten gelesen."
„Du weißt, dass er zurück ist", sagte Potter und funkelte sie wütend an, aber sie lächelte nur regungslos zurück, während Draco lachte.
„Ich wünschte, meine Kopfschmerzen würden mir mehr verraten, als dass ich bald meine Tage bekomme", sagte Pansy.
„Zu viel Information", murmelte Weasley.
Pansy sah ihn mit einem zuckersüßen Lächeln an. „Oh, tut mir leid. Hat dir niemand erklärt, wo Babys herkommen, Weasley? Man sollte glauben, dass deine Mutter das inzwischen erledigt hätte, so viele Blagen wie sie hervorgebracht hat."
„Bietest du an, ihm eine Vorführung zu geben?", blaffte Dean Thomas und Pansy schnaubte.
„Ich würde einen dreckigen Blutsverräter wie Weasley nicht anfassen, selbst wenn er der letzte Zauberer auf Erden wäre."
Und damit geriet der Unterricht vollends außer Kontrolle. Bis Professor Umbridge wieder Ruhe in die Unordnung gebracht hatte, hatten sowohl Potter als auch Hermine Nachsitzen erhalten.
Als Hermine bei ihrem Nachsitzen ankam, sagte Umbridge mit ihrer honigsüßen Simme: „Sie werden einige Sätze für mich schreiben, meine Liebe."
Hermine nickte und schickte sich an, eine Feder aus ihrer Tasche zu ziehen. „Oh nein, meine Liebe", sagte die Frau. „Ich habe eine spezielle Feder, die Sie benutzen werden."
Hermine nahm sie entgegen, sah sie an, und setzte sie dann schulterzucken auf dem Papier an. Als sie das Stechen auf ihrem Handrücken spürte und die rote ‚Tinte' ansah, legte sie die Feder hin. „Ich glaube, ich werde meine eigene benutzen", sagte sie.
„Nein, meine Liebe." Professor Umbridge lächelte sie an. „Sie werden meine verwenden."
„Ich denke nicht." Hermine schüttelte den Kopf. „Und wenn Sie darauf beharren, dass ich eine Blutfeder verwenden soll, dann werde ich mich beschweren."
„Bei wem?", fragte Umbridge, noch immer mit einem Lächeln auf ihrem krötenhaften Gesicht. „Ihren Muggeleltern, meine Liebe?"
Hermine legte ihre Hände auf den Tisch vor sich, die Ärmel zurückgeschoben, sodass das Armband sichtbar war. „Nein", sagte sie und beobachtete das Gesicht der Frau genau. „Meine Eltern würden nicht wissen, wie man sich darüber beschwert, dass eine Lehrerin von Hogwarts ein illegales schwarzmagisches Artefakt als Strafe beim Nachsitzen verwendet; geschweige denn, was das ist."
„Ganz genau, würden sie nicht. Muggelstämmige gehören nicht hierher; ihr wisst nicht, wie ihr euch in unserer Welt zurecht finden sollt", sagte Umbridge. „Ihre Muggeleltern können Ihnen unmöglich helfen."
„Aber Narzissa Malfoy schon", sagte Hermine, ohne auf die unverhüllten Vorurteile zu reagieren.
Es entstand eine lange Pause, bevor Professor Umbridge – dieses Mal etwas vorsichtiger und ohne ihr Lächeln – sagte: „Wie würde ein Mädchen wie Sie Mrs. Malfoy kennen?"
„Oh, wussten Sie das nicht? Ich verbringe jedes Jahr einen Teil der Sommerferien bei ihnen. Narzissa hat mir gesagt, dass sie von mir als die Tochter denkt, die sie nie hatte." Hermine hob die Feder auf. „Wie viele Zeilen haben Sie gesagt sollte ich schreiben, Ma'am?"
„Sie hat versucht mich zu zwingen eine verfluchte Blutfeder zu benutzen", sagte Hermine zu Theo. Die Gelassenheit, die sie für die Konfrontation mit der Frau aufgebracht hatte, war verflogen.
„Eine was?" Theo wirkte entsetzt und Draco griff nach ihrer Hand und betrachtete deren Rücken, um nach Verletzungen zu suchen. „Niemand hat die seit… seit dem Mittelalter eingesetzt, mindestens!"
„Ich weiß." Hermine fing an zu zittern. „Sie hat mir gerade heraus gesagt, dass ich zu niemandem gehen könnte, weil meine Eltern Muggel sind. Sie hat gesagt, ich gehöre nicht hierher, weil ich muggelstämmig bin."
„Diese Bitch", sagte Theo.
„Du hast keine Wunden", sagte Draco und strich mit seinem Daumen über ihren Handrücken. „Was hast du getan?"
„Ich hab ihr gesagt, ich würde deiner Mutter schreiben", sagte Hermine und Theo nickte langsam.
„Das würde funktionieren", sagte er. „Du musst vorsichtig sein, Hermine. Sie ist…"
„Ist das die Einstellung des Ministeriums?", fragte Hermine mit leiser Stimme. „Dass Muggelstämmige… dass wir nicht zählen? Dass wir nicht hergehören? McGonagall hat mir gesagt, dass ich mir meiner Position bewusst sein müsse. Dass ich keine Erwartungen haben sollte."
„Ich weiß es nicht", sagte Draco und zog sie in seine Arme. „Aber es ist egal, was diese Arschlöcher denken. Nicht mehr lange."
„Was wenn… was wenn eure Seite das auch denkt?", flüsterte sie.
„Dann werden wir dafür sorgen, dass sie umdenken", sagte Theo.
[1] Eton Mess (Mess=Unordnung) ist ein ursprünglich englischer Nachtisch, für den Baiser, Erdbeeren und Schlagsahne vermischt werden. Gerade im Sommer übrigens sehr zu empfehlen (sagte sie Anfang November…).
