Chapter Nine: Poison Prince
Bei Merlin, was hatte er sich nur dabei gedacht? Ach ja, er hatte Lily unbedingt beweisen wollen, dass er kein bemitleidenswerter Trottel war. Und daher hatte er das behoben, was ihm in seiner Jungend immer den meisten Spott eingebracht hatte. Er hatte fast eine halbe Stunde für seine Haare gebraucht! Zum Glück achtete der Dunkle Lord noch weniger auf Äußerlichkeiten als er selbst. Sonst wäre Er sicherlich misstrauisch geworden.
Nur sehr ungern erinnerte er sich an das Gespräch mit Ihm vor wenigen Minuten zurück. Er hatte Ihm von Dumbledores Abwesenheit nach dem Angriff auf Peter Pettigrew berichtet. Voldemort hatte nicht erkennen lassen, was Er von dieser Reaktion hielt. Er hatte ihn lediglich damit beauftragt aufzuklären, was diese Ratte dem Schulleiter erzählt hatte. Und dann hatte Er ihm als kleine Anregung einen Ausschnitt davon gezeigt, was Er mit Pettigrew angestellt hatte. Es hatte sich angefühlt, als hätte er es am eigenen Leib erfahren.
Seufzend wandte sich Snape von dem riesigen Garderobenspiegel der Malfoys ab. Der Dunkle Lord war diesmal in einer üblen Stimmung gewesen. Er vermutete den Grund dafür in dem Versagen des kleinen Animagus darin herauszufinden, wo sich die Potters versteckt hielten. Jedenfalls hatte Er in den Erinnerungen, die Er Severus hatte miterleben lassen, Peter nicht getötet, obwohl Er die Gelegenheit dazu gehabt hätte. Und das hätte Er auf jeden Fall getan, wenn Er diesen Verräter nicht weiterhin brauchen würde.
Nach außen hin gefasst trat er in den großen Saal im Erdgeschoss des Malfoy Manor zurück, in dem sich die meisten Todesser versammelt hatten. Und bereute es sofort.
„Ah, unser Poison Prince ist zurück. Eigentlich könntest du doch ganz leicht zu den höchsten Ehren kommen, wenn du Dumbledore einen deiner giftigen Tränke unterjubeln würdest."
Widerwillig drehte er sich zu Bellatrix Lestrange um, die sich unbemerkt an ihn herangeschlichen hatte. Wahrscheinlich hatte sie ihm schon aufgelauert. „Prinz der Gifte? Ich wusste nicht, dass du so eine hohe Meinung von mir hast."
Sie winkte verächtlich ab. „Ich habe auf den Mädchennamen deiner Mutter angespielt." Sie trat näher an ihn heran und nahm eine seiner leicht gewellten Haarsträhnen zwischen ihre Finger. „Hast du dich für sie hübsch gemacht? Das wird dir nichts helfen. Um ihren Status zu erreichen, bräuchtest du einen reinblütigen Zauberer als Vater und keinen dreckigen Muggel."
Da er wusste, dass sie nicht von Lily sprach, ließ er sich nicht von ihren Worten provozieren. Stattdessen verspürte er eine immense Schadenfreude bei dem Gedanken, wie ihr ach so perfektes Weltbild zerbrechen würde, sobald sie erfuhr, dass ihr heißgeliebter Herr ebenfalls nur ein Halbblut war.
Scheinbar verärgerte es sie, dass er nicht so reagierte, wie sie es beabsichtigt hatte. Sie beugte sich vor, bis ihre Lippen sein linkes Ohr fast berührten. Dabei warf sie einen unauffälligen Blick zu dem Hausherrn hinüber, der sich gerade in etwa fünf Metern Entfernung mit Augustus Rookwood unterhielt. „Du solltest etwas vorsichtiger sein. Wenn er davon erfährt, bringt er dich um. Und dann werde ich ganz sicher in eurer Nähe sein und den Anblick genießen." Mit einem bösartigen Kichern wandte sie sich ab und ließ ihn mit dem unguten Gefühl allein, das plötzlich in ihm hochstieg. Er durfte sie nicht unterschätzen. Sie war eindeutig verrückt, aber dies machte sie nur umso gefährlicher. Wahrscheinlich war sie eine der Personen, vor denen Lucius ihn hatte warnen wollen.
Eilig betrat er die Treppe, die hinter dem Wasserspeier zum Vorschein kam, und ließ sich ungeduldig nach oben tragen. Endlich erhielt er die Möglichkeit, mit Dumbledore zu sprechen. Voldemorts Strafaktion an Seinem geheimsten Spitzel hatte den Orden scheinbar härter getroffen, als er zuerst angenommen hatte. Albus hatte ihn bisher zweimal vertröstet, bis der Dunkle Lord ihn erneut zu sich gerufen hatte. Daraufhin hatte ihn der alte Mann gebeten, ihm sofort nach seiner Rückkehr mitzuteilen, was er über Seine Attacke auf Pettigrew herausgefunden hatte.
Der Schulleiter erwartete ihn schon. Trotz seiner unbewegten Miene wirkte er angespannt, weshalb Snape ihm sofort in allen Einzelheiten von dem Treffen berichtete. Die Erinnerungen an Seinen Angriff auf diese dreckige Ratte schienen seinen Gegenüber besonders zu interessieren. Er fragte nach, warum Dumbledore unbedingt alle Flüche kennen musste, die Voldemort gegen Sein Opfer angewandt hatte. Daraufhin erfuhr er, dass Peter immer noch in einem magischen Koma lag, in das er nach seiner erfolgreichen Flucht gefallen war.
Innerlich seufzte er erleichtert auf. Das verschaffte ihm etwas mehr Zeit. Um diese miese Ratte sollte sich der Orden keine Sorgen machen. Pettigrew würde schnell genug wieder erwachen, um seinem Herrn erneut zu Diensten sein zu können. Und solange der Verräter außer Gefecht gesetzt war, konnten sie wenigstens ungestört sämtliche Horkruxe zerstören.
„Ich habe eine Möglichkeit gefunden, den Dunklen Lord zu besiegen.", platzte es aus ihm heraus und Albus' weiße Augenbrauen wanderten überrascht nach oben.
Bevor dieser nachhaken konnte, beschloss er, die Gelegenheit zu nutzen und eine Forderung zu stellen. So ungern er dies auch sagte, so erforderlich war es. Sie brauchten Verstärkung, um alle Horkruxe so gleichzeitig wie möglich stehlen. Nur so konnten sie verhindern, dass Er ihnen auf die Schliche kam „Aber dafür benötigen wir die Hilfe von Remus Lupin."
Die Miene des alten Mannes verfinsterte sich schlagartig. „Bist du dir wirklich sicher?" Als er nickte, verschränkte der Schulleiter seine Arme vor der Brust. „Was ist das für eine Möglichkeit?" Seine Stimme verriet, dass er nur dann über eine Einwilligung dieser Bitte nachdenken würde, wenn er die genauen Hintergründe kannte.
Severus sah ihm fest in die Augen. Er wusste, Dumbledore ahnte bereits, dass der Dunkle Lord seine Seele schon mehrmals aufgespalten hatte, um unsterblich zu werden. „Ich weiß, wo sich sämtliche Horkruxe befinden, die Voldemort jemals erschaffen hat."
Das Gesicht seines Gegenübers wurde bleich. Doch da war kein Entsetzen in den Augen des Älteren, sondern nur grenzenlose Fassungslosigkeit, als könne er nicht begreifen, was er gerade gehört hatte. „Du tust was?" Langsam gewann Albus wieder die Kontrolle über sich und sein Blick verriet äußerste Entschlossenheit. „Gib mir eine Woche, um Remus und den Orden dazu zu überreden, ihn hierher zu bringen."
Snape nickte widerwillig. Eine Woche würde er wohl noch überstehen.
Ein für diese Jahreszeit ungewöhnlich kühler Nachtwind schlug ihm ins Gesicht, als er auf die Plattform des Astronomieturms hinaustrat. Er ignorierte ihn, so gut er konnte.
Hoffentlich fand sie ihn hier oben nicht!
Seit Tagen ging er Lily schon aus dem Weg, während er darauf wartete, dass Dumbledore endlich diesen verdammten Werwolf ins Schloss holte und sie sich an die Arbeit machen konnten. Der Beginn des neuen Schuljahres hatte ihm seine Versteckspielchen erheblich erleichtert. Nur nachts, wenn alle Schüler in ihren Betten lagen, konnte sie ungestört ihr Zimmer verlassen und ihn besuchen. Daher hatte er sich angewöhnt, durch Hogwarts zu wandern, sobald die Nacht anbrach.
Dummerweise verfügte sie über den entscheidenden Vorteil, sehr leicht herausfinden zu können, wo er sich befand. Und leider hatte er ihr noch nicht deutlich genug gezeigt, dass er sie zurzeit nicht sehen wollte.
„Hey, Sev, wie geht es dir?" Verdammt, er hätte ihr diese verfluchte Karte nie bringen sollen!
Er antwortete ihr nicht, was sie dazu anstachelte, weiterzusprechen. „Was hast du mit deinen Haaren gemacht? Das sieht gut aus."
Er stöhnte leise auf. „Das nennt sich Haare waschen." Sofort tat ihm der beißende Sarkasmus in seiner Stimme leid, doch er dachte nicht daran, sich dies anmerken zu lassen.
Sichtlich verärgert runzelte sie die Stirn. „Sev, was ist los mit dir? Stimmt was nicht?"
Die Wut in seinem Inneren wurde stärker, obwohl er selbst nicht wusste, warum. „Nein, alles in Ordnung. Nur dass ich verbittert bin."
„Du hast uns also doch belauscht." Sie seufzte. „Ich wollte doch nur -"
„Ich brauche dein Mitleid nicht.", unterbrach er sie unwirsch.
Ihre Miene verfinsterte sich. „Das ist kein Mitleid. Ich mache mir Sorgen um dich, Vollidiot."
Und worin bestand da der Unterschied? „Lass mich raten: Um deinen Mann musst dir nicht so viele Sorgen machen."
Sie verblüffte ihn. „Doch natürlich. Jeden Tag. Ich mache mir um alle Sorgen, die mir viel bedeuten. Aber was hat James mit der ganzen Sache zu tun?"
Er bedeutete ihr viel? Für einen Moment verlor er völlig die Kontrolle über sich, weshalb der eigentliche Grund für seine Wut aus ihm herausbrach. „Warum hast du ihn geheiratet?"
Ihre Empörung verschwand augenblicklich aus ihrem Gesicht. Sie wirkte betreten. „Er hat sich geändert. Er ist nicht mehr der arrogante Junge von früher."
Er schnaubte verächtlich. „Ja natürlich! Das habe ich gemerkt."
Sie sah ihn mit einem traurigen Ausdruck in den Augen an, bevor sie antwortete. „Erinnerst du dich an deine Rede im Gemeinschaftsraum der Slytherins in unserem siebten Jahr? Die, in der du verkündet hast, du würdest ein Todesser werden und nichts und niemand könne dich davon abhalten?" Ja, er erinnerte sich dunkel. Er war damals so ein dämlicher Idiot gewesen.
Währenddessen fuhr sie fort. „Weißt du, nachdem Melissa Darthmoor uns Gryffindors brühwarm davon erzählt hatte, war ich vollkommen fertig. Ich hatte gedacht, die Sache zwischen uns überwunden zu haben, aber scheinbar hatte ich mich geirrt. Alle sagten, sie hätten es doch gewusst. Dass sie mich von Anfang an vor dir gewarnt hätten. Du wärst schon immer ein bösartiges Arschloch gewesen und sie hätten nie verstanden, wie ich überhaupt jemals mit dir befreundet sein konnte. James dagegen hat dich verteidigt. Er sagte, du wärst nicht immer ein Arschloch gewesen. Er wäre sich sicher, dass du mich früher einmal sehr gern gehabt hättest, und das würde für dich sprechen. Und ich hätte dich auch nicht gemocht, wenn du nicht auch gute Seiten hättest."
Das sollte Potter gesagt haben? Nie im Leben! Selbst wenn James dies von sich gegeben hatte, hieß das nicht, dass er es auch ernst gemeint hatte. „Ach, auf diesen sentimentalen Blödsinn bist du hereingefallen? Du musst damals ja verdammt verzweifelt gewesen sein."
Dies war so ziemlich das Falscheste, was er hätte antworten können. Das erkannte er sofort, als sich ihr Blick vor Zorn verdunkelte. „So? Glaubst du? Ja, du hast Recht. Soll ich dir vielleicht den wahren Grund dafür nennen, warum ich ihn geheiratet habe? Er ist einfühlsam, liebevoll und ein viel besserer Vater, als du es je sein wirst. So wie du Harry behandelt hast, bin ich froh, dass James sein Vater ist und nicht du!"
Bevor er reagieren konnte, hatte sie sich umgedreht und die Plattform verlassen. Frustriert blieb er dort, wo er war. Er hatte sie schon einmal so wütend gemacht und wusste, dass es keinen Sinn machte, ihr hinterher zu laufen.
Verflucht, was hatte er getan? Wieso hatte er nicht einfach den Mund gehalten?
Voller Zorn auf sich selbst und seine eigene Dummheit holte er aus und rammte seine rechte Faust mit aller Kraft in die Steinwand hinter ihm. Er richtete an dem Mauerwerk kaum Schaden an, aber dafür fügte er sich selbst Schmerzen zu, die seine Wut jedoch kaum dämpften. Denn gleichzeitig mit dem rasenden Schmerz, der kurz nach dem Schlag seinen Arm hinaufjagte, vernahm er das laute Knacken brechender Knochen.
„Na schön, und welche Verletzungen hat Professor Black davongetragen?"
Er seufzte grimmig. Warum hatte Madam Pomfrey ausgerechnet vor seinem Büro gewartet, um dort mehrere Heiltränke abzuholen? Als sie seine Verletzung entdeckt hatte, war er sie nicht mehr losgeworden. Er hatte gewusst, es zu bereuen, sich von ihr behandeln zu lassen. Nicht nur, dass sie ihm unterstellte, sich mit Sirius geprügelt zu haben, nein, sie nannte diesen Idioten auch noch Professor! Nur weil dieser inzwischen Verteidigung gegen die Dunklen Künste unterrichtete.
Er antwortete nicht, während sie seine Wunden säuberte und schließlich einen winzigen Steinsplitter entdeckte. „Sie sollten nicht auf Gestein einschlagen. Da ziehen Sie immer den Kürzeren.", tadelte sie ihn, als wäre er ein kleiner Junge.
Unbeeindruckt starrte er direkt geradeaus. „Wirklich? Das hätte ich nie für möglich gehalten."
Während sie seine Hand mit einer Heilsalbe bestrich und ihm einen Trank verabreichte, um seine Knochen zu heilen, betrat plötzlich Black den Krankenflügel. Als er Snapes Verletzung bemerkte, konnte er sich einen fiesen Kommentar nicht verkneifen. „Oh, hast du einen Sandsack geschlagen und dir dabei die Hand gebrochen?"
„Und weshalb bist du hier? Willst du dein Gehirn auf die Größe einer Walnuss aufpumpen lassen, um dem IQ deiner Schülern endlich näher zu kommen?", konterte er bissig.
Madam Pomfrey warf Sirius einen zornigen Blick zu. „Wären Sie bitte so freundlich, meine Patienten in Ruhe zu lassen, bis sie den Krankenflügel wieder verlassen haben?"
Dieser hob abwehrend die Hände. „Ich wollte nur die Medizin abholen, um die ich Sie gebeten habe. Dann bin ich auch sofort verschwunden."
Sie nickte ihm grimmig zu und verschwand in ihrem Hinterzimmer, wo sie die Heiltränke aufbewahrte. Sie ließ die Tür offen stehen und Severus konnte erkennen, dass sie ein Fläschchen aus dem Kleineren der beiden Schränkchen, die an der Wand hingen, herausnahm. Es war das Schränkchen, in dem sie die Tränke für alle Kinder aufbewahrte, welche die Pubertät noch nicht erreicht hatten. Aber Black war kein Hauslehrer und ihm war in seinen Unterrichtsstunden kein kranker Schüler aus dem ersten Jahr aufgefallen.
Ihm kam ein beunruhigender Gedanke. Als Madam Pomfrey ihn kurz aus den Augen ließ, stahl er sich unbemerkt davon. Er eilte durch die Gänge und zückte seinen Zauberstab, ohne darüber nachzudenken. Als er Lilys Zimmer erreicht hatte, zauberte er ein Stück Pergament herbei und hinterließ ihr eine kurze Nachricht, die er ihr unter der Tür durchschob: Was fehlt deinem Sohn? Kann ich helfen?
Stunden später hatte er immer noch keine Antwort erhalten. Und allmählich bereute er sein Handeln. Das Risiko war groß, dass James die Nachricht gefunden hatte oder sie ihn immer noch nicht sehen wollte. Und er hatte sich auch noch zu dieser Gefühlsduselei hinreißen lassen! Dabei konnte er dieses kleine Monster noch nicht mal ausstehen!
Um sich abzulenken begann er, sein Büro umzuräumen und die vorhandenen Fläschchen und Gläser neu zu sortieren. Gerade als er etwa die Hälfte der Regale ausgeräumt hatte, klopfte es an seiner Tür. Überrascht drehte er sich um, nachdem er erkannt hatte, dass es Lily draußen stehen musste. Wenige Sekunden später betrat sie den Raum.
Sie wirkte so verlegen, wie er sich fühlte. Seiner Meinung nach bestand kein Grund für sie, ein schlechtes Gewissen zu haben. Er hatte sich wie ein Volltrottel benommen. Selbst wenn er immer noch nicht nachvollziehen konnte, warum sie ausgerechnet Potter geheiratet hatte, hatte er sich selbst auch nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
Bevor er sie begrüßen konnte, schlich sich ein ernster Ausdruck auf ihr Gesicht. „Harry hat vorgestern Morgen Fieber bekommen. Zuerst dachten wir, es wären Masern oder irgendeine andere Kinderkrankheit. Aber dann hat sich herausgestellt, dass er eine Mittelohrentzündung hat. Der Trank von Madam Pomfrey lindert die Schmerzen und lässt ihn durchschlafen, aber es dauert noch ein oder zwei Tage, bis er wieder ganz gesund ist."
So wie du Harry behandelt hast, bin ich froh, dass James sein Vater ist und nicht du!, hallte es in seinem Kopf wider und er nickte grimmig. „Das ist gut."
Sie seufzte. „Hör mal, Sev, was ich da zu dir gesagt habe, tut mir Leid. Aber ich habe James nicht geheiratet, um dich zu verletzen. Ich -."
„Ach wirklich?", unterbrach er sie unwirsch, bevor sie noch auf die Nase band, dass sie Potter aus unsterblicher Liebe geheiratet hatte. „Das hört sich an, als würdest du es bereuen."
Sie warf ihm einen vorwurfsvollen Blick zu. „Ich weiß, dass es für dich nicht leicht ist, ab-"
Das hätte sie sich früher überlegen sollen. Immerhin hatte sie sich gegen ihn entschieden. „Du hast deine Entscheidung getroffen. Tu nicht so, als hätte sich daran irgendetwas geändert."
Sie senkte den Kopf, als hätte er sie erneut verletzt. Als sie wieder aufsah, erkannte er, dass ihr die folgende Antwort sehr schwer fiel. „Es hat sich alles verändert."
Er erstarrte augenblicklich. Der Ausdruck in ihren Augen verriet so viel, viel mehr, als er in diesem Moment deuten konnte. Doch etwas wurde ihm klar: Sie hatte ihm vergeben, dass er sie ein Schlammblut genannt und sich Voldemort angeschlossen hatte. Sie hatte ihre Meinung über ihn geändert. Bevor er darüber nachdenken konnte, was er tat, trat er auf sie zu, nahm ihr Gesicht in seine Hände und küsste sie. Er wusste nicht, ob es nicht nur Einbildung war, aber ihre Lippen schmeckten noch viel süßer, als er sich jemals hätte vorstellen können. Er verlor sich regelrecht in dem Kuss und schöpfte schon die Hoffnung, dass sie es auch wollte. Bis er bemerkte, wie sie sich versteifte.
Sofort ließ er sie los und trat beschämt einen Schritt zurück. Er konnte die Fassungslosigkeit in ihren Augen sehen und erwartete, dass sie ihn angeekelt von sich stieß. Er hätte sich nicht dazu hinreißen lassen sollen. Er war sich sicher, dass sie gleich ausholen und ihn...
Sie schlang ihre Arme um seinen Hals und presste ihre Lippen auf die seinen.
... küssen würde? Das musste ein Traum sein, das konnte nur -.
Er schaffte es nicht, den Gedanken zuende zu denken, denn augenblicklich setzte sein Verstand aus. All die angestauten Gefühle, die sich in seinen Träumen manifestiert hatten, übernahmen nun die Kontrolle. Er schlang seine Arme um ihre Taille und zog sie fest an sich. Mit einem unterdrückten Seufzen öffnete sie ihre Lippen, sodass seine Zunge gierig in ihren Mund eindringen konnte. Ihre Hände krallten sich in seine Haare, als wolle sie seinen Kopf so nahe wie möglich zu sich heranziehen.
Bei Merlin, sie roch so gut, dass es ihm fast den Verstand raubte! Ihr Duft war so blumig-frisch, sinnlich und unglaublich berauschend.
Nur widerwillig löste er sich von ihren Lippen, doch er musste herausfinden, wie ihre Haut schmeckte. Sanft schob er ihre Haare zurück und nahm ihr linkes Ohrläppchen zwischen die Zähne, um zärtlich daran zu knabbern.
Sie stöhnte auf und legte ihren Kopf in den Nacken, als er den Weg von ihrem Ohr bis ihrem Ausschnitt mit Küssen bedeckte. Sie bog sich ihm entgegen und machte sich gleichzeitig daran, ihm das Hemd auszuziehen.
Ungeduldig riss er sich seinen Umhang von Körper, bevor er hastig begann, ihre Bluse aufzuknöpfen. Er konnte es kaum erwarten, ihre Brüste zu berühren! Mit fahrigen Bewegungen entledigte er sie ihres Oberteils und tastete nach dem Verschluss ihres BHs.
„Bett?", erkundigte sie sich seufzend an seinem Ohr. Ihre Stimme hatte einen rauen Unterton angenommen, der ihm einen wohligen Schauer über den Rücken jagte.
„Geheimgang.", keuchte er und dirigierte sie durch den Raum, während er ihr den Büstenhalter vom Körper riss und von sich schleuderte.
Mehrere Fläschchen kippten um, rollten zu Boden und zerbrachen, als sie sich auf ihrem Weg gegenseitig auszogen und dabei gegen den Tisch und zwei Regale stießen. Nur mit Mühe schaffte er es, seinen Zauberstab zu zücken und die speziellen Steine an der Wand hinter ihr in der richtigen Reihenfolge zu berühren. Drei Sekunden später öffnete sich ein Durchgang, der direkt in seine Privatgemächer führte. Nach wenigen Metern hatte Lily sein Bett erreicht und ließ sich nach hinten fallen, wobei sie ihn einfach mit sich zog. Er landete auf ihr und zögerte für einen Moment. Doch ihr vor Lust verschleierte Blick und die stumme Aufforderung an ihn darin, bloß nicht aufzuhören, ließen ihn seine letzten Zweifel vergessen.
Voller Verlangen beugte er sich über ihren nackten Oberkörper und seine Nase berührte eine ihrer längst hart gewordenen Brustwarzen. Stöhnend bäumte sie sich auf und ermutigte ihn auf diese Weise noch mehr. Vorsichtig biss er in das empfindliche Fleisch hinein und begann daran zu saugen, während seine Hand ihre andere Brust sanft massierte.
Keuchend schlang sie ihre Arme um seinen Hals, bäumte sich ihm entgegen und öffnete ihre Schenkel, bereit, ihn in sich aufzunehmen.
Er spürte, dass sein Körper inzwischen regelrecht nach Erlösung schrie. Er ließ von ihren Brüsten ab und küsste sich seinen Weg nach unten zu ihrem Becken, um sie von ihrem Slip zu befreien. Er warf das Kleidungsstück hinter sich, bevor sie ihn an den Oberarmen packte und ihn ungeduldig nach oben zog, um an seine Unterhose heranzukommen. Er kam ihr zuvor und beugte sich schließlich völlig nackt über sie. Als seine steinharte Erektion die Innenseite ihrer Schenkel berührte, keuchten sie beide lustvoll auf. Er konnte die Hitze fühlen, die ihr Unterleib verströmte, doch er wollte sie nicht auf diese Weise. Die Bilder aus seinen Träumen tauchten vor seinem inneren Auge auf und er kniete sich zwischen ihre Beine auf das Bett. Dann schlang er seine Arme um ihre Taille und hob sie auf seinen Schoß.
Im ersten Augenblick sah sie ihn verwundert an, bis er sein Becken hob und sich in ihr versenkte. Ein lautes Stöhnen entfuhr ihr und sie krallte ihre Fingernägel in seine Schultern, während er immer wieder so weit wie möglich aus ihr herausglitt und in sie hineinstieß. Sie bewegte sich mit ihm, kam ihm entgegen, drängte sich regelrecht an ihn. Allmählich steigerte er sein Tempo, versuchte, noch tiefer in sie einzudringen, bis er glaubte, explodieren zu müssen. Der Druck in seinem Unterleib wurde unerträglich und drohte, sich jeden Moment zu entladen. Aber er wartete, er musste warten, bis -.
„Oh Gott, Sev!"
Lilys Körper bäumte sich ein letztes Mal auf und ihre Muskeln zogen sich krampfhaft um seine Länge zusammen.
Nun konnte er sich nicht mehr länger zurückhalten. Der Orgasmus überrollte ihn mit einer Heftigkeit, die ihm für mehrere Sekunden den Atem raubte. Er ergoss sich in ihr und brach dann erschöpft in ihren Armen zusammen. Bevor er in den Schlaf hinüberglitt, bemerkte er noch, dass sie sich nach hinten fallen ließ und ihn neben sich auf das Bett zog.
