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Kapitel 10 – Wer ist wer?
Am Sonntag hatte Ginny nicht viel zu tun. Ihre Hausaufgaben hatte sie am Samstag soweit erledigt, dass sie sich den Tag frei nehmen konnte. Aber was wollte sie machen?
Colin war mal wieder nicht aufzufinden; er hatte sich mit Nancy treffen wollen, und bei ihr war er wohl auch gerade.
Die Siebtklässler bereiteten sich auf ihre UTZ vor. Sogar Harry und Ron lernten, unter der Fuchtel von Hermine.
Was sollte sie nun also machen? Mangels einer besseren Idee begab sie sich in Richtung Bibliothek; vielleicht würde sie ja etwas Interessantes zum Lesen finden…
Auf dem Weg dorthin bemerkte sie, dass sie gar nicht mehr weit vom Unterrichtsraum für Verteidigung gegen die Dunklen Künste entfernt war. Und damit auch nicht vom Büro von Tonks. Natürlich, warum nicht? Sie mochte die junge Aurorin, die jetzt als Professorin arbeitete. Sie würde einfach vorbei schauen! Außerdem, dachte sie sich, könnte sie ja so vielleicht schon etwas über die Rollenverteilung erfahren… ein leichtes Ziehen machte sich in ihrem Bauch breit, als sie an das Casting dachte. Hoffentlich würde sie eine gute Rolle bekommen!
5 Minuten später stand sie vor der Tür. Ob das nicht doch eine blöde Idee war? Schließlich war Tonks ihre Lehrerin… während sie noch so überlegte, wurde plötzlich die Tür geöffnet.
Erschrocken starrte Ginny in Tonks Gesicht.
„Hallo, ich nehme an, du willst reinkommen?"
„Äh, ich, also… wieso…"
„Weil du vor meiner Tür stehst!"
„Woher wussten Sie das?"
„Ich dachte, du erinnerst dich daran, dass ich eigentlich Aurorin bin?". Sie zwinkerte Ginny zu. Dann trat sie einen Schritt zur Seite, so dass Ginny eintreten konnte.
„Es ist Wochenende, du kannst mich also ruhig duzen. Ich finde es komisch, wenn du mich „Sie" nennst. So alt bin ich nun wirklich noch nicht!"
Ginny grinste. Tonks war ganz die Alte – oder eben nicht!
Ihr Büro war sehr voll gestellt, außerdem schien teilweise ein heilloses Durcheinander zu herrschen. In einer Ecke sah Ginny einen Glasbehälter mit etwas darin, was wie ein Plimpy aussah, ein kugelförmiger Fisch. Viel weiter kam sie mit ihrer Betrachtung nicht, denn plötzlich…
„MMBLHMPF!"
Irgendetwas sehr Weiches, Flauschiges war ihr ins Gesicht geflogen. Als sie versuchte, es zu entfernen, gab das Ding auf einmal einen lauten Summton von sich.
Zum Glück kam ihr Tonks zu Hilfe.
„Chahan! Was soll denn das?"
Das flauschige Ding wurde von ihrem Gesicht weggezerrt. Jetzt erkannte Ginny auch, was es war: ein Knuddelmuff. Aber nicht irgendeiner, dieser hier war rosa, anstatt wie normalerweise vanillecremefarben.
„Gehört der dir?"
„Ja, und er ist eine wahnsinnige Nervensäge. Irgendwie habe ich vergessen, ihm Manieren beizubringen, und jetzt betätigt er sich bei jedem Besucher als Gesichtskissen…"
„Er ist süß!". Tatsächlich, wenn sie ihr nicht gerade die Luft abschnürten, mochte Ginny Knuddelmuffs wirklich sehr. Und die rosane Farbe trug noch einiges mehr dazu bei.
„Wieso ist er so bunt? Hast du ihn verzaubert?". Vorsichtig streckte Ginny ihm ihre Hand hin. Sofort schnellte eine lange, gelbe Zunge aus ihm hervor und leckte daran. Es kitzelte.
„Nein, der war schon so. Wer weiß, was da passiert ist. Ich habe ihn im letzten Jahr zum Geburtstag bekommen."
Ginny begann jetzt, den Knuddelmuff zu streicheln. Wieder ließ er einen tiefen Brummton hören. Dann hüpfte er plötzlich auf sie zu und…
„MPF!"
Tonks lachte. „Er hat eine seltsame Art, seine Zuneigung zu zeigen, oder?"
Wenig später saßen sie gemeinsam bei einer Tasse Tee.
„Ich bin froh, dass jemand gekommen ist", meinte Tonks, „Sonntags ist hier meist wenig los. Die meisten anderen Lehrer sind viel älter als ich."
„Wieso hast du dich eigentlich entschlossen, nach Hogwarts zu kommen?", fragte Ginny während sie ihren Tee schlürfte.
„Ich wollte mal etwas anderes machen. Und da sich mal wieder niemand für die Stelle beworben hat, habe ich zugesagt, als Dumbledore mich gefragt hat."
„Ich bin wirklich froh, dass du gekommen bist. Bei dir macht der Unterricht viel mehr Spaß als bei diesem Langweiler im letzten Jahr."
„Oh, danke!". Sie wurde rot bis in die Haarspitzen – was bei ihr ja wörtlich zu nehmen war.
Eine Weile tranken sie schweigend ihren Tee. Dann fragte Ginny unschuldig:
„Was meinst du eigentlich damit, du hast sonst nichts zu tun heute?"
Tonks sah sie an. Dann grinste sie: „Oh, du willst wissen, ob ich schon die Rollen festgelegt habe?"
„Äh, öh, hm…" DIESE AUROREN!
Tonks lächelte sie schelmisch an: „Du wirst es schon noch rechtzeitig erfahren."
„Och Tonks…"
„Freitag erfährst du es!"
„Kannst du mir nicht vielleicht wenigstens einen Hinweis geben?"
„Natürlich!"
„Ja?". Erwartungsvoll sah Ginny sie an.
„Du spielst mit!"
Einen Humor hatte Tonks… bald darauf hatte Ginny ihren Tee ausgetrunken und machte sich auf den Weg zurück in den Gryffindor-Turm. Es war ein schöner Nachmittag gewesen und sie hatte sich gut mit Tonks verstanden.
„Es ist erst Mittwoch!". Die Woche schien gar kein Ende nehmen zu wollen. Wie jeden Abend saß Ginny mit den anderen Gryffindors im Gemeinschaftsraum. Und wie jeden Abend stöhnte sie, dass es noch nicht Freitag war.
Colin sah sie leicht genervt an: „Ginny, ich WEIß, dass es erst Mittwoch ist. Du hast es mir heute auch erst 371 Mal gesagt! Ganz zu schweigen davon, dass ich clever genug bin, um zu merken, dass auf Dienstag Mittwoch folgt, und dass gestern Dienstag war habe ich auch ca. 422 Mal gehört…"
Schuldig grinste Ginny. „Na ja, ich kann ja nichts dafür, dass die Woche so langsam vergeht!"
„Achtung, dann habe ich eine neue Information für dich: ich auch nicht! Vielleicht solltest du mal zu Dennis gehen."
„Du meinst, ER ist schuld, dass die Zeit so langsam vergeht?"
„NEIN! Aber ich denke, er ist ebenso aufgeregt wie du und dann könntet ihr euch wenigstens gegenseitig nerven."
Ginny streckte ihm die Zunge raus und ging. Pah…
Freitag! Mit einem seltsamen Gefühl im Magen schlug Ginny an diesem Morgen ihre Augen auf. Endlich war es soweit. Am heutigen Abend würde sie erfahren, welche Rolle sie in dem Stück spielen würde.
Als sie am Frühstückstisch in der Großen Halle saß, hatte sie das Gefühl, heute nur sehr wenig essen zu können. Sie war einfach aufgeregt.
Auch in Zauberkunst, ihrem ersten Fach, war sie noch ganz hibbelig. So legten die zwei Scheren, die sie dazu bringen sollte, einen langsamen Walzer zu tanzen, stattdessen einen Tango hin. Das gefiel zwar den anderen Schülern, Professor Flitwick jedoch fand das Ganze nicht so komisch und meinte, sie solle sich beruhigen.
Zum Glück hatten sie nach dem Mittagessen Kräuterkunde. Sie mussten nur Bubotubler-Eier auspressen, und so konnte Ginny einen Teil ihrer angestauten Energie hier loswerden.
Schließlich ging der Schultag doch schneller vorbei, als sie gedacht hatte. Bald war es Zeit für das Abendessen.
Danach hieß es: warten. Ginny fühlte sich wie ein Kind, dass auf den Weihnachtsmann wartet. Es dauert einfach nur… warten, warten, warten! Sie versuchte ein Buch zu lesen, konnte sich jedoch nicht wirklich auf die Worte konzentrieren. Um dreiviertel 8 hielt sie es nicht länger aus und ging hinunter.
Wie sie erwartet hatte, war sie nicht die Erste. Auch Blaise stand schon da, in seiner üblichen Pose: an einen Pfeiler gelehnt, die Arme verschränkt. Er schien nicht bemerkt zu haben, dass sie gekommen war und sah weiter stur geradeaus.
Dennoch ging sie zu ihm: „Hallo!"
„Oh, guten Abend.". Immer noch sah er an einen Punkt, der anscheinend in der Ferne lag.
In diesem Moment hörte Ginny ein leises Fiepen.
„Was war das?", fragte sie erschrocken. Unwillkürlich war sie einen Schritt näher zu Blaise getreten. In der Zaubererwelt konnte man nie wissen, was für Gefahren lauern, und schon als kleines Kind war ihr eingeschärft wurden, bei komischen Geräuschen sofort Schutz bei einem ihrer älteren Brüder zu suchen.
Als Blaise sie nun jedoch mit einer hochgezogenen Augenbraue und einem fragend-spöttischen Blick ansah, erkannte sie ihre kindische Angewohnheit und trat schnell den Schritt wieder zurück.
Das hätte sie besser nicht tun sollen, denn das Gesicht des Slytherin verzog sich zu einem hämischen Grinsen: „Was machst du da eigentlich?"
Ginny wurde über und über rot. Verflixt, warum das jetzt auch noch? Um abzulenken, fragte sie schnell: „Was war das nun für ein Geräusch?"
„Ach, da steht 'ne kleine Hufflepuff und weint sich die Augen aus…". Dabei zeigte er mit dem Finger in eine Ecke hinter sich.
Froh, einen Grund zu haben, von ihm wegzugehen, begab sich Ginny in die angezeigte Richtung. Tatsächlich, eines der kleineren Mädchen aus der Theatergruppe saß da auf dem Boden und hatte das Gesicht hinter den Händen vergraben. Die Gryffindor erkannte, dass es die Drittklässlerin war, die immer so kicherte.
Vorsichtig setzte sie sich neben sie. Dann fasste sie sich ein Herz und fragte:
„Was ist denn?"
Das kleine Mädchen sah sie mit erschrockenen Augen an. Für das Alter von 13 schien sie wirklich sehr klein zu sein. Dann schluchzte sie wieder.
„Ich… ich… hicks". Sie hatte einen Schluckauf bekommen.
Schnell kramte Ginny in ihrer Tasche nach einem Taschentuch. Sie reichte es ihr. Die Hufflepuff schnäuzte sich und sprach dann weiter:
„Ich glaube, ich bekomm… ich bekomme gar keine… gar keine Rolle!". Dieser Satz wurde immer wieder von kleinen Hicksern unterbrochen.
„Aber warum das?"
„Ich… muss doch immer kichern!"
„Na und? Wir sind doch alle nicht perfekt!"
„Ja, aber…"
„Kein aber! Jetzt komm, es fängt bald an."
Ginny setzte sich auf und reichte der Kleinen die Hand. Diese ergriff sie und zog sich hoch. Sie hatte schon wieder ein leichtes Lächeln auf den Lippen.
„Danke, Ginny."
„Gerne geschehen, …". Ups. Wie war der Name noch gleich gewesen? Es war etwas Kompliziertes mit P…
„Ich heiße Perzephona!"
Die Gryffindor war etwas verlegen. Das brachte die Hufflepuff wieder zum Lachen:
„Es ist nicht schlimm, den Namen kann sich niemand auf Anhieb merken. Du kannst mich Finn nennen, das ist kürzer."
Erleichtert nickte Ginny. Dann gingen die beiden Mädchen in die Große Halle, die Tonks inzwischen aufgeschlossen hatte.
Tonks versammelte die Schüler in einem Kreis um sich herum.
„Sicher seit ihr schon alle sehr gespannt, wer welche Rolle spielen wird."
Neben Ginny fing Finn schon wieder an zu zittern. Schnell griff sie die Hand des jüngeren Mädchens und drückte sie aufmunternd. Justin, der neben den beiden stand, bemerkte das und lächelte ihr zu.
Währenddessen hatte Tonks wieder eine Tafel herbei gezaubert. Es war dieselbe wie vor 2 Wochen. Auch die Rollen sowie die Bewerber dafür standen noch darauf.
„Hier seht ihr noch einmal, wer sich wofür beworben hat. Es ist an einigen Stellen sehr schwer gefallen, eine Entscheidung zu treffen. Für manche Rollen hätten mehrere gut gepasst! Außerdem war es schwer, allen euren Wünschen nachzukommen.
Leider, leider ist es mir nicht ganz gelungen. Es ist jammerschade, aber es gibt einige, die keine der Rollen, für die sie sich eigentlich beworben haben, bekommen haben. Wenn das aber der Fall war, so habe ich etwas Ähnliches gewählt und auch etwas, was zu euch passt. Ich hoffe, ihr werdet damit zufrieden sein."
Ginny wurde bei diesen Worten wieder wirklich aufgeregt. Oje, und was war jetzt, wenn sie weder Gouvernante noch Lena war? Was war, wenn sie nur eine kleine Dienerrolle hatte und im ganzen Stück nur einen Satz? Oder sogar gar keinen Satz? Vielleicht musste sie ja auch einfach bloß einen Baum im Hintergrund spielen und bei einer Szene in ein riesiges Kostüm gequetscht stumm im Hintergrund stehen! Doch, doch, das soll alles schon vorgekommen sein!
Tonks fuhr fort:
„Wenn jemand wirklich sehr unzufrieden mit seiner Rolle ist, dann werden wir sehen, was wir machen können. Es gibt sicher Möglichkeiten, noch einiges zu verschieben und zu ändern. Ich bitte euch allerdings darum, das wirklich nur im Notfall zu wünschen!"
Puh, das hieße also, sie müsste keinen Baum im Hintergrund spielen… vielleicht könnte sie sogar ein Busch sein?
Während Ginny immer lebhaftere Vorstellungen von sich als alle möglichen Gewächse auf der Bühne hatte, begann Tonks erneut:
„Ich möchte euch um etwas bitten: selbst wenn ihr einen dringenden Änderungswunsch habt: wartet bis nächste Woche damit. Vielleicht könnt ihr euch ja doch mit der euch zugewiesenen Rolle anfreunden."
Die meisten Schüler nickten. Die Nervosität war inzwischen fast allen deutlich anzumerken, sie schien fast mit den Händen greifbar. Nur die Slytherins hielten sich hier wieder zurück, wie Ginny bemerkte. Ein Blick in Blaise' grüne Augen sagte der Gryffindor jedoch, dass auch er etwas nervös war. Er verbarg es jedoch gut unter einem neutralen Gesichtsausdruck. In Wirklichkeit hätte er Tonks aber wohl am liebsten erdolcht, weil sie so lange redete. Sie konnte es ihm nicht verdenken, ihr ging es ähnlich.
Tonks jedoch schien das alles nichts auszumachen. Sie strahlte weiter.
„So, nachdem das geklärt ist, kommen wir jetzt endlich zum wohl interessantesten Teil: wer hat welche Rolle?"
Alle Schüler schienen den Atem anzuhalten. Jetzt würden sie gleich erfahren…!
„Nun, ich könnte jetzt auf herkömmliche Art eine lange Liste vorlesen. Aber das wäre ja ungerecht, oder? Wie sollte ich die Liste schließlich sortieren. Deshalb habe ich an ein anderes System gedacht."
Ein Schwenk mit ihrem Zauberstab – und neben den jeweiligen Rollen an der Tafel erschienen Zahlen. Gleichzeitig plumpste ein kleiner Würfel anscheinend direkt aus der Decke der Großen Halle in Tonks geöffnete andere Hand.
„Ich werde jetzt würfeln und dann werdet ihr an der Tafel neben der Rolle zu der jeweiligen Zahl sehen, wer diese Rolle spielt!"
„Was ist das denn für eine Idee?", flüsterte Justin Ginny zu.
„Ja, das klingt wie etwas von Dumbledore.". Die beiden unterdrückten ein Lachen.
„Dieses tolle System ist übrigens eine Erfindung von unserem Direktor!", erklärte Tonks da strahlend.
Jetzt mussten die Gryffindor und der Hufflepuff wirklich lachen. Irritiert sah die junge Lehrerin sie an:
„Ist etwas?"
„Nein, fangen Sie ruhig an!"
Und das machte sie. Ein weiterer kurzer Schwenk ihres Zauberstabs – und der Würfel war jetzt etwa auf Quaffel-Größe angewachsen. Es war ein seltsamer Würfel, sie Seiten sahen komisch aus. Es musste wohl ein siebzehnseitiger Würfel sein.
„So, sehen wir mal!"
Tonks ließ den Würfel rollen. Er stoppte und zeigte als Augenzahl an…
„Sieben!". Alle Köpfe flogen zur Tafel. Welche Rolle hatte die Nummer 7?
Der Zeremonienmeister. Ein Schüler zog laut die Luft ein.
Da begannen auch schon die Namen der Bewerber neben der Rolle zu wackeln. Schließlich verschwanden sie ganz.
Was sollte das jetzt? Gab es keinen…?
Nein. In diesem Moment schien wie von unsichtbarer Hand erschienen ein Name in roter Schrift auf der Tafel.
Es war Dennis!
Der Gryffindor hatte also als erstes seine Rolle erfahren. Und nach dem Grinsen in seinem Gesicht zu urteilen, hatte er auch die bekommen, die er gewollt hatte. Dafür sah der Fünftklässler aus Hufflepuff, den Ginny von der Feier her kannte, enttäuscht aus.
Tonks würfelte weiter. Als nächstes wurden der Hofprediger und der Landrat verteilt.
Danach lag die Nummer 10 auf dem Würfel oben. Das war der zweite Polizeidiener. Wieder wurden anscheinend alle Namen weg gewischt und dann mit rot ein neuer Name geschrieben: Claire!
Diese sah zwar nicht glücklich aus, schien jedoch zu akzeptieren, dass sie nicht die Lena spielen würde. Mit einem halben Lächeln verfolgte sie weiter die Rollenvergabe.
Ginny schluckte. Jetzt waren nur noch 2 Mädchen übrig, die sich für die Rolle der Lena beworben hatten: sie und Mary. Oder ob Tonks jemand ganz anderen genommen hatte?
Nach dem nächsten Wurf ging ein Raunen durch die Schüler. Der Würfel zeigte die Zahl 3 an! Die erste große Rolle wurde vergeben.
Ein Blick auf die Tafel bestätigte Ginnys Vermutung: es ging um Valerio. Justin sah etwas grünlich um Gesicht aus während an der Tafel die Namen neben dem Valerio langsam verschwanden. Dann erschien die rote Schrift. Der erste Buchstabe war… ja! Ein „J"! Und dann stand der ganze Name an der Tafel: Justin.
Dieser strahlte über das ganze Gesicht. Hannah war bereits neben ihrem Freund, um ihm zu gratulieren. Auch Ginny freute sich ehrlich für den Hufflepuff.
„Das ist ja super! Du wolltest die Rolle schließlich so gerne haben."
„Ich freue mich! Jetzt hoffe ich nur noch, dass ihr auch die Rollen bekommt, die ihr wolltet…". Das war wieder typisch Hufflepuff: in jedem Moment dachten sie an ihre Freunde.
Inzwischen hatte Tonks bereits den Würfel wieder genommen. Als nächstes wurden die Rolle des Schulmeisters vergeben.
Dann, als nächstes, zeigte der Würfel die Zahl 12. Diese stand für Rosetta!
Ginny war gespannt. Ob die Slytherin diese Rolle bekommen würde? Sie war die beste gewesen. Und wirklich: „Diamante" stand kurz darauf in roter Schrift neben „Rosetta".
Nun sollte die Person, die den „Zweiten Kammerdiener" spielen sollte, festgelegt werden. Es traf einen Viertklässler aus Gryffindor. Hier gab es das erste Mal einen Zwischenfall, denn dieser meinte:
„Aber ich habe mich doch gar nicht für diese Rolle beworben!"
„Es ging leider nicht anders.", erwiderte Tonks, „Schlaf doch erst einmal über die Sache. Ich denke, es könnte dir gefallen!"
Daraufhin brummte der Gryffindor etwas in sich hinein, was wie: „Ich wollte das aber nicht so." klang. Aber dann war er zum Glück ruhig, und die Auswahl konnte weiter gehen.
Kurz darauf sollte der erste Kammerdiener bekannt werden: es war Finn!
Die Kleine strahlte über das ganze Gesicht: „Ich habe eine Rolle! Ich habe wirklich eine Rolle!"
„Na klar", lachte Tonks, „oder dachtest du, ich lass dich als Baum im Hintergrund stehen?"
Dieser Satz brachte Ginny zum Grinsen. Puh…
„Was ist so lustig?", wollte Justin wissen, wurde jedoch unterbrochen, als die Zahl 4 gewürfelt wurde: sie stand für die Gouvernante.
Unvermittelt fühlte Ginny wieder ein mulmiges Gefühl im Magen.
Die Namen wurden, wie bei den vorherigen Rollen, weg gewischt. Es gab eine scheinbar endlose Zeit, bis endlich ein neuer Name erschien…
„Ja!"
Freudestrahlend sah Hannah an die Tafel. Doch gleich darauf fiel ihr Blick auf Ginny.
„Oh… ich meine…"
„Ich kann verstehen, dass du dich über die Rolle freust.". Obwohl sie sich nicht so fühlte, brachte Ginny ein Lächeln zustande.
„Wirklich? Oh, gut.". Hannah strahlte wieder.
Das mulmige Gefühl in Ginnys Magen blieb. Jetzt blieb nur noch die Lena übrig, für die sie sich beworben hatte. Aber ob sie sie wirklich spielen würde?
Weitere Rollen wurden verteilt. Mit Leonce und Lena jedoch schien es wie verhext: sie kamen einfach nicht dran! Noch 6 Schüler waren jetzt ohne Rolle.
Dann jedoch…
„2!"
Zwei? ZWEI? Das hieß doch…
Da stand es. Klar und deutlich stand an der Tafel neben der 2 der Name der Rolle: Lena. Jetzt verschwanden die Namen der Bewerber. Ginny fühlte sich so aufgeregt wie noch nie in ihrem Leben. Sie merkte gar nicht, wie Justin neben ihr ihre Hand ergriff und, wie als Aufmunterung, drückte.
Dann, langsam erschien ein Name… in roter Schrift. Konnte das…? War das…?
„Ja!". Da stand es. Lena: Ginny. Sie würde also wirklich die Lena spielen! Ginny machte einen kleinen Luftsprung vor Freude. Also doch kein Baum im Hintergrund! Doch gleich kamen ihr wieder Zweifel: ob sie es schaffen würde? Ach, sie musste! Und Tonks traute es ihr wohl zu. Also!
Die nächste Rolle, die besetzt wurde, war der erste Polizeidiener. Ginny fühlte sich fast etwas beschämt als sie Marys enttäuschtes Gesicht sah, die jetzt nicht die Lena, sondern das spielen würde. Aber das legte sich, als die 2 Ravenclaw-Mädchen, die nun die Polizeidiener spielen würden, ihr zulächelten.
Eine weitere Diener-Rolle wurde als nächstes vergeben.
Und dann landete der Würfel auf der Nummer 1.
Allen war sofort klar, was das hieß: Leonce!
Ginny sah zu Blaise. Selbst er schaffte es nun nicht mehr, gleichgültig auszusehen. Der Slytherin hatte die Lippen zusammen gepresst und seine Augenbrauen waren leicht zusammen gezogen.
Vorne an der Tafel verschwanden die Namen der Bewerber.
Ginny bemerkte, dass sich anscheinend der Brustkorb von Blaise nicht mehr hob und senkte. Hielt er etwa den Atem an?
Rote Schrift auf dunklem Grund…
Tatsächlich! Blaise!
Seine Augen blitzten auf und sein Gesicht entspannte sich wieder. Hatte sie es sich nur eingebildet, oder lächelte er sogar kurz?
Dann, unvermittelt, drehte er sich zu ihr und sah ihr direkt in die Augen. Jetzt war es Ginny, die kurz en Atem anhielt. Er sah sie mit einem absolut unergründlichen Blick an. Schnell blickte sie weg. Sie hätte nicht gedacht, dass ihr das so schwer fiel, aber diesen Augen konnte sie auch nicht weiter standhalten.
Die letzten Rollen wurden vergeben.
Danach sahen alle mehr oder weniger zufrieden aus. Wieder strahlend sah Tonks in die Runde der Schüler.
„Das war also die Rollenvergabe! Wie gesagt, wenn ihr irgendwelche Probleme habt, schlaft erst einmal darüber und meldet euch dann bei mir. Vielleicht könnt ihr die Rolle, die euch jetzt zugeteilt wurde, ja doch spielen. Und es können nun mal nicht alle Hauptrollen haben, so Leid es mir tut. Na ja, jetzt aber ab in die Betten! Es hat wieder lange gedauert. Schlaft gut!"
Mit diesen Worten scheuchte sie die Schüler aus der Großen Halle.
Ginny war wieder eine der Letzten, die ging. Justin hatte versucht auf sie zu warten, aber sie hatte ihm zugerufen, dass er ruhig schon gehen solle. Mit einem Achselzucken war er in Richtung Hufflepuff-Gemeinschaftsraum verschwunden.
Ginny brauchte nun erst einmal einige Minuten, um das Geschehene zu verarbeiten. Sie würde wirklich die Lena spielen!
Vor der Großen Halle stand noch jemand. Ginny war so in Gedanken versunken, dass sie diese Person zuerst gar nicht bemerkte. Doch dann:
„Warte.". Es hatte nicht wie eine Bitte, nein, es hatte wie ein Befehl geklungen. Überrascht drehte Ginny sich um. Da stand Blaise.
„Komm morgen um 3 am Nachmittag in die Bibliothek."
Dann verschwand er in einem Gang, der hinunter in die Kerker führte. Verblüfft ging Ginny in den Gryffindor-Turm. Was hatte das zu bedeuten?
Anmerkungen: Hier ist nun das neue Kapitel! Hoffe, es gefällt euch!
Zusatz-Disclaimer: Das Stück „Leonce und Lena", die Handlung, der Inhalt, Personen, Handlungsorte, Ideen, Worte, usw usf gehört Georg Büchner.
Es ist etwas länger geworden. Aber dafür passiert ja auch am Anfang nicht viel! Bloß, bisher ist Tonks nur so wenig in Erscheinung getreten, das wollte ich ändern… wie findet ihr Chahan, den rosa Knuddelmuff? Ich hätte selbst so gerne einen!
Was meint ihr, hat Blaise wohl vor? Hehe… ich weiß es schon! Schreibt mit doch einfach nen Review mit euren Vermutungen… oder ein Review einfach so! Danke an crazylolly14, neara (es wird wieder mehr Blaise, versprochen! und ich gebe mir auch sonst Mühe!), MoonyTatze und alle anderen! schmatz knuddel
