Mister Moony
Episode 10
Mit blankem Entsetzen starrte Harry den Fremden an. Noch nie in seinem Leben hatte er eine derartige Bestie gesehen. Als das zumindest empfand er Fenrir als er dessen ungepflegte Erscheinung und die Fänge, die sein überhebliches Grinsen entblößte, sah.
Remus neben ihm war im ersten Moment ebenfalls zusammen gefahren. Ihm war Fenrir nicht ganz unbekannt, war er doch als kleiner Junge nur knapp dem Zorn des Werwolfs entgangen. Sein Vater hatte sich, Fenrirs Meinung nach, ungebührlich gegen ihn geäußert und um sich an seinem Vater zu rächen hatte Fenrir probiert Remus zu dem gleichen unglücklichen Schicksal wie sein eigenes zu verdammen. Zu Remus`s Glück hatten ihn seine Eltern noch rechzeitig erreichen und hatten den angriffslustigen Fenrir vertreiben bevor er Remus beißen konnte.
Lang jedoch lies Remus sich nicht von Fenrirs Erscheinung einschüchtern. Er griff sich den Zauberstab, den er einem Todesser im Verbotenen Wald abgenommen hatte und welchen Harry in seinem Gepäck mit sich geführt hatte und richtete ihn auf Fenrir. Harry riss sich ebenso an Riemen und richtete auch den seinigen gegen den Eindringling.
„Ich würde sagen, dass du hier verschwindest und zwar sofort!" Remus`s auffälligen Augen stachen bedrohlich aus seinem blassen Gesicht.
Fenrir lacht schallend über die beiden zierlichen Gestallten vor sich was Harry noch wütender macht.
„Hast du nicht gehört was Remus gesagt hat?! Du sollst abhauen!", fauchte Harry.
Fenrir grinste noch immer überheblich bevor er sich umdrehte und die Scheune wieder verlies.
„Eigentlich könnte ich euch zwei ja jetzt gleich zu Snape bringen. Aber der will diesen Grimm haben. Da werd ich mich jetzt erst mal um den kümmern." Fenrir entfernte sich und verschwand im Regen. In der Entfernung konnten Remus und Harry ihn noch sagen hören: "Eigentlich muss der sich doch ganz in eurer Nähe rumtreiben, oder nicht? Dürfte also leicht sein den zu fassen zu bekommen. "
Remus erbleichte. Er hatte schon manches über den Werwolf gehört und wusste, dass wenn er nicht gerade selber über seinen Opfer herfiel er eine Vorliebe für Muggel- Tierfallen hegte, da diese besonders schmerzvoll waren und so manches unglückliches Tier war schon in den Fall qualvoll eingegangen.
Dieses Schicksal durfte auf keinen Fall Sirius wiederfahren. Nicht wenn er es zu verhindern wusste.
Remus Blick starrten noch einen kurzen Moment in den Regen und die Dunkelheit bevor er ohne ein Wort von Harrys Seite in Richtung Seidenschnabel davon stürmte.
Harry fuhr herum und konnte nur noch beobachten wie Remus sich geschickt auf den Rücken des Hyppogreifs schwang.
„He, wo willst du hin? Du kannst den nicht aufhalten! Bitte!"
Doch Remus ignorierte Harry. Kaum saß er sicher auf dem Rücken des Tieres griff er sich die Kette, die als Führung diente und trieb Seidenschnabel an. Der Hypogreif galoppierte aus dem Stall und an Harry vorbei.
„He, Warte!" Doch der Ruf wurde ignoriert. Fluchend sammelte Harry seine und Sirius`s Habseligkeiten zusammen und verschwand in die gleiche Richtung, in die er hatte Remus davon reiten sehen. Regen durchweichte seine Kleidung und er begann zu frieren, doch er ignorierte das Unbehagen.
Remus derweilen Fenrirs Spuren in einen nahegelegenen Wald. Nur das Licht der Blitze erhellte gelegentlich das feuchte Unterholz, verwandelte die Umgebung in ein gespenstisches Schauspiel. Seidenschnabel gab einige wiederwillige Laute von sich als Remus ihn immer weiter in den Wals trieb. Die goldenen Augen immer in die Dunkelheit gerichtet um Fenrir, oder eine Spur von ihm im Dickicht zu finden.
Nach etlichen langen Minuten hörte Remus ein lautes Knacken und Rascheln vor sich. Jemand schien völlig unbesorgt durch den Wald zu marschieren.
Langsam trieb er Seidenschnabel in die Richtung aus der er die Geräusche gehört hatte als ein weiterer Blitz die Nacht erhellte.
Nicht weit von sich entdeckte Remus Fenrir der auf dem modrigen Waldboden geduckt saß und eine der Mugggelfallen aufstellte die er mitgeführt hatte.
Die dreckigen, klauenartigen Hände schoben eine Handvoll welkes Laub darüber um sie zu verbergen.
Remus rutschte von Seidenschnabels Rücken und landete sicher und leise auf seinen Füßen. Nicht den Blick von Greyback wendend griff er den Zauberstab fest in der Hand und schlich auf den scheinbar ahnungslosen Mann zu.
Remus Herz raste, doch weniger aus Angst vor dem Ungeheuer von Mann mit dem er sich anlegen wollte, als aus Angst, dass Sirius das Opfer einer dieser unheiligen Fallen wurde.
Genauso leise wie in seiner Wolfsform schlich Remus näher als er erneut Bewegungen im Unterholz hörte.
Schnell duckte Remus sich hinter einen naheliegenden Strauch, denn auch Fenrir war auf das leise Knacken im Wald aufmerksam geworden. Er richtete sich ein Stückweit auf und Remus beobachtete wie die Augen des Werwolfs den finsteren Wald absuchten.
Zitternd suchten auch Remus Augen die Dunkelheit ab. Immer in der Hoffnung es währe nicht Sirius der sich diesem im Moment von Fallen verseuchten Terrain nähern würde.
Der kalte Regen durchweichte seine Kleider und die empfindliche Narbe an seiner Brust brannte schmerzhaft.
Ein Blitz schoss vom Himmel herab und beleuchtete mit seinem grellen Licht eine schwarze Gestallt, die zwischen zwei Sträuchern hervor spähte.
Remus Herz begann zu rasen und Panik machte sich in ihm breit. Das schwarze Tier derweilen schlich zwischen den Bäumen hindurch wie ein Schatten.
Greyback wand sich um und war etwas in die Richtung des Tieres, oder zumindest wo sich dieses jetzt etwa aufhalten musste. Das metallische Schnappen einer Falle war zu hören, doch es war kein Schmerzenslaut zu hören. Das Tier war also nicht getroffenen worden.
Remus schlich sich näher an Greyback heran. Er wollte sicher gehen, dass sein Zauber auch auf den ersten Anlauf traf. Als er hinter seiner Deckung hervor schlich setzte sich Fenrir plötzlich in Bewegung und war mit ein paar Schritten noch tiefer im Wald verschwunden. Remus hörte wenig später erneut das Schnappen einer Falle und folgte den Lauten so schnell wie möglich.
Blitze erhellten noch immer die Nacht und Remus sah bald wieder das schwarze Tier wie es sich seinen Weg über den Waldboden bahnte. Dann durchbrach ein grauenvolles Heulen die Dunkelheit.
Remus erstarrte. Dann eilte er so schnell es die Umstände zuließen in die Richtung aus der die schmerzerfüllten Laute kamen. Auch Greyback hatte schon zu dem gefangenen Tier gefunden und löste das große Tier aus der Falle. Schwarzes, strubbliges Fell durchnässt zierte den Körper. Remus war sich dennoch nicht sicher ob dies wirklich Sirius war der da in die Falle geraten war. Ganz zu schweigen das diesem grausamen Treiben ein Ende gesetzt werden musste schlich er noch näher an Fenrir heran.
Kaum stand er nur noch einige Meter hinter ihm drehte Greyback sich herum. Doch er schien sich von Remus erhobenen Zauberstab und der wutentbrannten Miene nicht beeindrucken zu lassen. Einen Fehler denn schon viele von Remus Gegnern begannen hatten. Mochte er auch noch so zerbrechlich wirken war er doch ein starker Zauberer der sehr wohl dazu in der Lage war seinen Mann zu stehen.
Greyback erhob sich, baute sich vor dem zierlichen Mann auf und zückte ebenfalls den Zauberstab.
Remus sah zu dem Werwolf auf unterdrückte das Unbehagen das in ihm aufzusteigen schien. Er faste seinen Zauberstab noch fester mit der regen- und schweißnassen Hand und machte sich auf das Schlimmste gefasst.
Ein Blitz beleuchtete die Szene und aus dem Gebüsch neben Remus war ein lautes Knurren zu hören. Schlagartig drehte er sich herum. Ein riesiger, schwarzer Schatten schlich hervor und Remus erkannte das es Sirius war. Oder besser: Der grimmgleiche Hund als den er seine Nächte fristen musste.
Erleichterung machte sich in Remus breit und er konnte es nicht verhindern dass sich ein kleines Lächeln über seinen blassen Lippen stahl.
Fenrir betrachtete den Grimm und wich einen Schritt zurück. Er hatte ja gewusst, dass er nach etwas großem suchte, doch er hatte nicht mit dieser Größe gerechnet. Lange hielt seine Unsicherheit jedoch nicht an und er richtete seinen Zauberstab wieder auf Remus, da der ihm wahrscheinlich eher gefährlich werden würde als der Köter.
Mit einem eigenen tiefen Grollen trat Fenrir auf das ungewöhnliche Paar zu um sich ihrer zu endledigen als er spürte wie er den Boden unter den Füßen verlor. Das modrige Laub am Waldboden war durchtränkt vom Regen und rutschig. Für einen Moment versuchte Greyback noch das Gleichgewicht zu halten. Ruderte ungeschickt mit den Armen. Doch zu spät. Er stürzte rücklings und schlug auf dem Boden auf.
Metall schnappte und es war neben dem Regen, dem Knurren des Grimms nur noch unartikuliertes Gurgeln zu hören. Mit Entsetzen sah Remus wie sich die Zacken der Falle in Fenrirs Gurgel bohrten und ihm langsam die Luft abschnürte. Blut vermischte sich mit dem Regen der über das Gesicht des Werwolfs rannen.
Greybacks Körper wand sich im Todeskampf und Remus wand das Gesicht ab. Dieses Ende hätte er nicht einmal seinem schlimmsten Feind gewünscht. Doch es gab nichts was er dagegen tun konnte. Die Klauen der Falle hatten bestimmt schon die Halsschlagader durchbohrt, was früher oder später sowieso zu Tod führen würde.
Mit einem flauen Gefühl im Magen wand Remus sich Sirius zu der neben ihm saß. Es war nicht ganz klar was er von all dem hielt, doch er lies seinen Blick nicht von Fenrir bis dessen Körper reglos am Waldboden liegen blieb. Erst dann drehte der Grimm sich zu Remus um. Er wollte wohl sicher gehen dass für diesen keine Gefahr mehr bestand.
Nachdem Remus noch einen letzten mitleidvollen Blick auf den toten Körper geworfen hatte holte er Seidenschnabel, der noch immer dort wartete, wo Remus ihn zurückgelassen hatte und führte er Sirius aus dem Wald. Stehst darauf bedacht nicht eine von Fenrirs Fallen zu treffen, die vielleicht noch irgendwo versteckt lagen und darauf warteten den grimmgleichen Hund in ihre Klauen zu bekommen.
Keinem war die kleine Gestallt aufgefallen die aus einiger Entfernung aus dem Schutz einiger Sträucher heraus das Schauspiel beobachtet hatte. Harry war Remus in den Wald gefolgt und hatte alles mit angesehen. Eigentlich hatte er dem Mann gegen Greyback zur Seite stehen wollen, doch da war schon Sirius aufgetaucht und Harry hielt sich zurück. Er hatte gesehen wie Sirius diesen Trunkenbold auf dem alten Gehöft angegriffen hatte und er wusste nicht wie er auf ihn reagieren würde. Vielleicht akzeptierte er in dieser Form nur Remus in seiner Nähe und griff alle anderen an, egal ob sie ihm freundlich gesinnt waren oder nicht. Harry jedenfalls hatte im Moment kein größeres Interesse dies herauszufinden.
Als Greyback dann Opfer seiner eigenen Falle wurde hatte sich Harry der Magen herum gedreht und er musste schwer mit sich ringen sich nicht sofort übergeben zu müssen. Er hatte ja schon so einiges gesehen, doch dass war einer der abscheulichsten Dinge die er hatte mit ansehen müssen. Nachdem sich der Tumult in seinem Magen und der begleitende Schwindel sich etwas gelegt hatten folgte Harry Remus und dem Grimm in einigem Abstand aus dem Wald hinaus.
TBC
