Die Dunkelheit ist über Chima gekommen und der dunkelblaue Himmel ist übersät von Sternen, welche in kleiner und größerer Form Bilder und Muster formen als wären sie ein Kunstwerk, welches von den Legendären Tieren erschaffen wurde, und nur dafür da um die Bewohner von Chima zu erfreuen und zu beschützen. Knapp über den Hügeln steigt in einem langsamen Tempo der große, ausgefüllte weiße Himmelskörper und begehrt eine Reise über das gesamte Sternenmeer bis er sich am nächsten Morgen wieder verabschiedet um Platz für die helle Sonnen zu schaffen. Nachts ist das gesamte Land ruhig wie zu sonst keiner Tageszeit, alle entspannen, schlafen und träumen. Auch Laval ist wieder in die Traumwelt entwischt, jedoch scheint sein Aufenthalt nicht von Grüßen und einem freudigen Willkommen gekürt zu sein. Unter seiner dunkelblauen Decken sieht man wie er seinen Körper immer wieder zur rechten und zur linken Seite rollt, wenn er aber ruhig liegt strampelt er mit seinen Beinen und murmelt im Schlaf immer wieder die Worte „Nein... Stopp... Wieso... Cragger..." Seine Stimme wird lauter bis er seine Augen aufreißt und, aus Reflex, seine Oberkörper in einem schnellen Zug erhebt, keuchend und schwitzend. Die Tür zu seinem Zimmer ist verschlossen und auch durch das Fenster könnte keine Fliege und auch kein Floh passen. In Panik versetzt und aus Angst noch immer in seinem Alptraum gefangen zu sein blickt sich der junge Löwe mit schnellen Augenbewegungen in seinem dunklen, leisen und, bis auf ihm und seiner noch immer kaputten Trainingspuppe, verlassenen Zimmer um, erleichtert nachdem ihm sein erfolgreiche Flucht aus seiner traumatisierender Reise endlich bewusst wird. Kalte, salzige Tränen benetzen das ,in beiges und weißes Fell gehüllte, Gesicht Lavals und die flammenroten Haare schimmern im matten Mondlicht, welches das Zimmer vor vollkommener Dunkelheit bewahrt. „Oh man...", stöhnt der noch immer leicht zitternde Löwe und wirft seine Bettdecke von seinem noch immer bedeckten Unterkörper. Er trägt sein typisch Schlafoutfit, entblößter Oberkörper und Unterhose. Langsam setzt sich Laval auf die Kante seines Bettes und fährt mit seiner linken Hand durch seine vom Schweiß befeuchtet Frisur und erschreckt sich, als eine kühle Sensation seine nun feuchte Handfläche durchfährt und sich, auch wenn nur für kurze Zeit, in seinem gesamten Körper ausbreitet. „Ich schwitze... Angstschweiß?", wundert sich der Löwe, seufzt dann erneut und wischt seine Hand am Bettlacken ab, wobei ein dunkler Fleck entsteht. „Schon wieder so ein Traum... Wann wird das endlich aufhören?", beschwert er sich innerlich und kneift seine Augen zu, in der Versuchung alle schönen Momente aus seinem Traum bildlich vor seinem inneren Augen darzustellen, auch wenn es nur wenige waren.

Die Dunkelheit versucht er mit Licht zu verscheuchen, die Kälte mit Wärme und Sonne zu schmelzen und alle Stimmen, die ihm das Leben in seinem Traum schwer machten, versucht er zum Schweigen zu bringen. Und das schließlich mit Erfolg. Nun sind nur er und Cragger vor Ort, jedoch nicht in einem abgelegenen Verlies ohne Fenster, durch die jemals Licht fließen könnte, oder in Ketten gelegt die seine Gliedmaßen umschließen und das Gefühl vermitteln sie würden jede Sekunden enger und enger werden, und tatsächlich fühlt Laval sich zum ersten Mal seit vielen Tagen und Wochen sicher und willkommen in der Gegenwart seines alten Freundes. Sein Lachen schallt von den steinigen Wänden wieder und seine Augen glitzern in einem beruhigenden Licht, während sich die beiden Gesichter der beiden immer näher kommen bis sie plötzlich...

Ein lauter Knall weckt den verträumten Prinzen aus seinem Traum, welcher von einem Schrei begleitet wird. „Was war das denn?",wundert sich Laval und blickt sich erneut in seinem Zimmer. Es fühlt sich an als wären viele Stunden vergangen, doch er weiß genau die Zeit ist nur wenige Minuten vorangeschritten. Ein erneuter Knall lässt den Löwen erneut aufschrecken und vom Bettrand auf aufstehen, wandernd durch das Zimmer auf der Suche nach dem Ursprung dieses seltsamen, aber gleichzeitig gruseligen, Geräuschs. Als ein drittes Mal dieses Knallen in die Ohren des Löwenprinzen fährt vermutet er die Quelle als sein Zimmerfenster zu erkennen und bewegt sich, langsam und vorsichtig, auf dieses zu. Tatsächlich scheint irgendetwas vor diesem zu fliegen doch die Dunkelheit der Außenwelt verhüllt die Details um die Gestalt genau ausmachen zu können. Sie scheint zwei Flügel zu besitzen, welche immer wieder im Takt schlugen um der Gestalt die nötige Höhe zu verschaffen, und sie nutzt ihre linke Hand um gegen sein Fenster zu schlagen. Schnell begibt sich Laval zu dem Lichtschalter, welcher sich neben seiner Zimmertür befindet und ein grelles, weißes Licht durchflutet den Raum und scheint in die Augen des Löwen und der Gestalt. Schnell verschließt der junge Prinz seine Augen, nachdem ein Schmerz diese durchzogen haben, um diese durch kurze Blicke an die neue Helligkeit zu gewönnen.

Die Gestalt vor dem Fenster stößt eine Schrei aus und hält sich ihre Hand, welche zuvor in regelmäßigen Abständen gegen das Glas schlug, als Schutzfläche vor ihre Augen. Nach einer Minute kann Laval endlich ohne Probleme in den erhellten Raum blicken, ohne dass ihm dieses Licht irgendwie schaden kann, und konzentriert seinen Fokus nun auf die Figur vor seinem Fenster. Zu seiner Überraschung handelt es sich dabei um Razar, welcher nun ebenfalls seine Augen dem Licht aussetzen kann und ihn mit einem gequälten Lächeln. Mit seiner anderen Hand winkt er und weist ihn daraufhin, dass er das Fenster öffnen soll. „Was will Razar um diese Uhrzeit hier? Es ist schon längst dunkel und eigentlich würde ich doch nun schlafen?", fragt sich der Löwe in seinen Gedanken, entschließt sich aber dem Raben des Weg in sein Zimmer zu gewähren, auch wenn es das Fenster sein soll. Schnell läuft er vor das Fenster und legt den Hebel um, der den Riegel im Fensterrahmen zurückzieht, wodurch sich das Fenster öffnen lässt. Er verweist seinen fedrigen Kumpel mit einem erhobenen Daumen auf das nun offene Fenster hin, welches nur wenige Sekunden später von diesem aufgezogen wird und durch welches er danach das Zimmer von Laval betritt. br /Nun kann der Löwe seine Fragen stellen und beginnt mit Razar zu kommunizieren: „Guten Abend Razar." „Wünsche ich dir auch und eine Sache kann ich dir sagen: So schnell werde ich nicht mehr nachts fliegen. Es ist kalt und du siehst deine eigenen Federn vor Augen nicht. Ein Glück das ich den Weg hierher überhaupt gefunden habe", erwidert der sich schüttelnde und über seine Federn streifende Rabe. Er zeigt auf das Fenster hinter sich und entschließt, es lieber zu schließen bevor die Kälte von draußen in das warme Zimmer gelangt. „Apropos Nacht...", deutet der Prinz einen Punkt an, auf den er viele Fragen weiß und Razar wendet seine Aufmerksamkeit, nach dem verschließen des Fensters, wieder diesem zu, „Wieso fliegst du in der Nacht zu mir nach Hause? Hättest du nicht auch morgen kommen können?" „Oh nein, es ist wirklich dringend! Ich habe nämlich eine Nachricht für dich, einen Brief um genau zu sein", erklärt der schwarzfedrige Vogel und öffnet eine Tasche, die er sich über die linke Schulter geworfen hat. Verwundert über die Neuigkeit versucht Laval einen Blick in diese zu erhaschen als Razar in ihr nach etwas zu suchen scheint. „Einen Brief für mich? Von wem denn?", fragt er während er beobachtet, wie sein Kumpel einen grünen Umschlag aus dem braunen, ledrigen Behälter holt und ihn noch einmal studiert. „Grüner Umschlag? Den verwendet der Krokodilsstamm!", stellt er erfreut fest und ein kleines Lächeln schmückt sein pelziges Gesicht.

Ihr müsst wissen, jeder Stamm verwendet eine andere Umschlagsfarbe: Die Löwen verwenden rot, die Krokodile grün, die Adler weiß, die Raben schwarz, die Wölfe grau, die Gorillas gelb, die Biber braun, die Stinktiere blau, die Skorpione bronzefarben, die Spinnen silberfarben und die Fledermäuse lila

Mit einer erfreuten Mimik reicht Razar seinem Freund den begehrten Umschlag, zieht ihn jedoch noch einmal zurück und erklärt: „Du darfst ihn erst öffnen und den Inhalt lesen wenn ich weg bin. Und ich meine wirklich weg... Nicht einfach nur aus dem Fenster und dann los! Warte zehn Sekunden ab, verstanden?" Zwar etwas verwirrt nickt Laval zustimmend und greift den Tascheninhalt, welcher ihm erneut entgegen gehalten wird, jedoch lässt der Überbringer nicht locker und blickt seinem Gegenüber genau in die goldenen Augen. Der überraschte Löwenjunge erwidert den Blickkontakt und lauscht den ernsten Worten des Vogels: „Verspreche es wie ich ebenfalls etwas versprach!" Noch immer versteht er nicht, jedoch spürt er den Ernst in der Stimmlage des anderen und in seinen Gedanken stellt er fest: „Wenn Razar diese Sache so wichtig ist... dann muss es etwas wirklich ernstes sein! Auch wenn ich nicht verstehe, wieso er das verlangt, so sollte ich zustimmen und mich daran halten. Ein Löwe bricht immerhin nie ein Versprechen!" „Ich verspreche es hoch und heilig", beteuert er mit einem erneuten nicken und der Griff des Raben wird schwächer und lässt schließlich endgültig von dem Stück Papier ab. „Dann wird es wohl Zeit für mich zu gehen", verkündet der nun von seiner Pflicht befreite Rabe, doch Laval hört nicht mehr zu. Sein Blick ist auf den Umschlag gerichtet, welcher, bei näherem hinsehen, zu glitzern oder zumindest zu glänzen scheint. Ob das aber nur am Licht liegt kann das Löwenmännchen nicht hundertprozentig ausmachen. „Ein Brief von den Krokodilen... Ob er wohl von... Das kann nicht sein, oder?", entsteht ein Konflikt in seinem Geiste, durch den er die folgenden Worte von Razar nicht versteht. Erst nachdem dieser in ein weng schüttelt wacht der Prinz aus seinem Gedankengang auf und blickt ihn unwissend an, wodurch Razar etwas lachen muss. „Warst wohl schon abgelenkt was", scherzt der Rabe und Laval läuft leicht rötlich, was auch der Raben bemerkt. „Nun ist die perfekte Zeit um abzuhauen", beschließt Razar und mit einem freundlichen Abschied wendet er sich wieder dem Fenster zu und öffnet es, steigt durch dieses und, mit nur einem kleinen Sprung, schwingt er sich in die Lüfte und nur wenige Sekunden später verschwindet er auch schon aus dem Blickfeld des Löwen, welcher ihm hinterhersieht und winkt.

„Acht, sieben, sechs,...", beginnt der gedankliche Countdown während Laval noch immer aus seinem Fenster starrt und den hellen Mond beobachtet, der in der Zwischenzeit bereits einige Zentimeter über das Meer der Sterne gereist ist und sein weißes Licht auf das cremefarbige Fell des Löwenmännchen wirft. „Neun und Zehn, nun kann ich den Brief öffnen", stellt der junge Prinz fest, schließt jedoch zuvor das Fenster um die kalte Luft der Natur nicht in das erwärmte Zimmer zu lassen. Nachdem der Riegel wieder das Öffnen des Fensters verhindert, wendet er sich von diesem ab und setzt sich auf seine Bettkante, knapp neben dem Punkt wo er vor dem nächtlichen Besuch saß. Erneut mustert er die grünliche Oberfläche des Briefes und streift mit seiner Pfote über diese, wobei ein angenehm warmes Gefühl seine Brust entflammt und ihn in eine Stimmung der Vorfreude versetzt. Vorsichtig sucht er die Klappe des Umschlages, um an dieser zu ziehe damit er das Papier in keiner Weise beschädigt. Während das reißende Geräusch erklingt, welches entsteht wenn sich die abgeleckte, klebrige Oberfläche von der trockenen löst, versucht Laval zu erraten wer diesen brief geschrieben haben könnte, doch ihm fällt immer nur ein Name ein: Cragger. „Was er mir wohl geschrieben hat? Und wenn er es war, warum besucht er mich denn nicht einfach?" Diese und viele weitere Fragen kursieren in seinem Kopf während der zuvor verschlossene Umschlag endlich geöffnet ist und der Löwe vorsichtig in diesen greift und den etwa gleichgroßen Brief aus diesem entwendet. Als er diesen langsam entfaltet und bereits das erste handschriftliche Wort erkennt, welches den Namen „Crager" bildet, spürt er sofort wie die Fragen in seinem Kopf langsam leiser werden und irgendwann ganz verstummen. Stattdessen steht nur ei.n Satz in seinen Gedanken: „Jetzt finde ich es heraus!" Gleichzeitig beginnt sein Herz wie wild zu schlagen und ein erneuter, auch wenn in abgeschwächter Form, Schweißausbruch befeuchtet seine Stirn und seine Hände. Als er dies bemerkt legt er den nun vollständig entfalteten Brief neben sich, wischt sich dann seine Pfoten an seiner weichen Decke ab und nehmen diesen dann erneut auf. Die Wärme, welche zuvor bereits in seiner Brust entstanden ist, breitet sich im gesamten Körper aus und das Bild des Krokodils, zumindest das letzte an das er sich erinnern kann und möchte, wird auf seine gedankliche Leinwand projiziert und wird auch für eine längere Zeit erhalten bleiben. Er beginnt und fängt an die geschriebenen Worte in seinen Gedanken zu verlesen, wobei sich der Mund des eingebildeten Krokodilkönigs passend zu ihnen bewegt.