Kroküsse.
Ein Kuss auf die Stirn. Ein Kuss auf die Wange. Ein Kuss auf den Mund.
Lord Voldemort verbringt immer mehr Zeit im Malfoy Manor und Fleur hasst jeden Moment davon. Sie hasst es, wenn alles im Haus auf einen Schlag reglos verharrt, wenn sie alles nach diesem einen Mann ausrichtet und auch Bellatrix alles Menschenmögliche tut, um ihn milde zu stimmen. Fleur hasst dieses unfreie Verhalten, hasst Bellatrix Blick und wie ihr Mal immer röter und röter wird, mit jedem Mal, an dem Voldemort erneut seine Anhänger zu sich ruft.
Aber Fleur kann nichts dagegen tun. Die Tage vergehen, und erst, als alles auf einen Schlag anders wird, merkt Fleur wie sehr sie sie ausgezehrt haben.
„Die drei Kinder sind wieder aufgetaucht", bringt Bellatrix fiebern hervor.
Fleur fasst nach ihrer Stirn, ihrem Gesicht und will sie weg von dieser giftigen Welt und näher zu sich bringen.
Plötzlich beugt Bellatrix zu ihr vor und küsst sie flammend auf die Lippen.
„Ich weiß nicht, was geschieht, wenn wir sie bekommen, aber wir werden sie kriegen", bemerkt Bellatrix hastig. Sie blickt Fleur brennend an, wie sie es seit einiger Zeit oft tut und Fleur spürt wieder die Hitze in sich aufsteigen. Plötzlich weiß Fleur sicher, dass sie etwas für diese schwarze Frau fühlt, aber zum Sprechen ist der falsche Moment. Ob der richtige nur jemals kommt?
Dennoch scheint sich auch in Bellatrix ähnliches zu tun. Sie zieht langsam ihren Zauberstab und bedeutet Fleur mit Blicken, dass sie nichts zu fürchten hat. Als sie unbekannte Worte murmelt, fühlt Fleur ein Kribbeln, aber weiter nichts.
„Was-", fragt sie, aber Bellatrix unterbricht sie.
„Ich entbinde dich von deinem Schwur, Blume vom Hofe." Bellatrix sieht ernst aus und weil Fleur nicht weiß, was sie sagen soll, küsst sie sie stattdessen.
„Ich will dir das geben", sagt Bellatrix und zeigt Fleur einen silbernen Ring, der in Bellatrix Handfläche liegt. „Wenn du zu mir willst, drehe ihn dreimal um deinen Finger." Ernst schaut Bellatrix Fleur an.
„Ich kenne den Ring", stellt Fleur fest. „Er ist von … Daniel?"
Bellatrix lächelt traurig. „Er war nie von ihm", stellt sie richtig. „Ich wollte ihn ihm schenken, aber es war zu spät. Jetzt möchte ich, dass du ihn hast."
„Aber wenn er zurück kommt?" Fleur hasst sich, dass sie Bellatrix daran erinnert, aber plötzlich macht ihr der Ring Angst, macht ihr Angst, dass Bellatrix sie so ansieht, als wäre sie alles für sie.
„Ich weiß nicht, ob er zurück kommt", gibt Bellatrix zu und starrt Fleur weiter an.
Langsam nimmt Fleur den Ring an und streift ihn sich über. Beide beugen sich in die Nähe der Anderen und als ihre Lippen sich treffen, denkt Fleur, dass sie vielleicht wirklich bei ihr bleiben will. Aber sie sagt nichts und sie hält Bellatrix nicht zurück, als diese kurz darauf das Zimmer verlässt.
Ein Kuss auf die Stirn.
Bellatrix Stab berührt Hermiones Stirn und unnatürlich krümmt sie sich im stummen Flehen.
Ein Kuss auf die Wange.
Der Stab schwirrt und tanzt und Hermione fällt von der einen Seite zur anderen.
Ein Kuss auf den Mund.
Hermione schreit und schreit und schreit und Bellatrix Wahsinn ist grenzenlos, genau wie ihre Angst.
Ist es ein Sieg, als Fleur von Harry, Ron und Hermione aus dem Manor gebracht wird?
Ein Kuss auf die Stirn, ein Kuss auf die Wange, ein Kuss auf den Mund.
Und nun Hermione, die nun Bellatrix' Zauberstab hält. Und nun Fleur, die den Drein erzählen kann, was sie weiß. Von Voldemort und den Gegenständen in Bellatrix' Verlies. Von den drei Steinen oder was auch immer sie sind, die Voldemort die Macht über den Tod geben sollen.
Fleur schließt ihre Augen. Die Splitter ihrer Realität brennen so sehr, dass die Tränen ihr Gesicht herunter laufen. Wollte sie nicht bei ihr bleiben? Aber wie kann sie einem Monster treu sein?
Tick, Tack, Tick, Tack.
Fleur starrt auf die Küchenuhr. Was soll sie tun? Fleurs Herz ist entzweit.
Ihr Herz schlägt. Folter, Angst und Trauer. Mord, Lügen und Kälte.
Ihr Herz schlägt. Warme Küsse und dunkle Blicke. „Bitte bleib bei mir."
Fleur lässt ihren Kopf auf ihre Hände sinken.
Tick, Tack, Tick, Tack... Tick... Tack...
Fleur träumt.
In ihrem Traum steht Fleur wieder vor dem großen schwarzen Haus. Rechts und links stehen die Rosenbüsche und viele Blüten blühen im schönsten Rot.
Fleur bemerkt eine einzelne Person zu Füßen der Rosen. Zuerst denkt sie, es sei Gabrielle, aber dann erkennt sie Bellatrix' lange schwarzen Haare.
Es erschüttert Fleur Bellatrix auf dem Boden liegen zu sehen. Sie rennt zu ihr und möchte etwas sagen, aber kein Ton kommt aus ihrem Mund. Sie möchte sie berühren, sie umdrehen, aber sie kann Bellatrix nicht fühlen. Stattdessen greift sie plötzlich an den Stiel einer Rose und Dornen stechen sich in Fleurs Hand. Fleur zieht ihre Hand schnell wieder zurück, dennoch bluten die Stellen, die von den Dornen getroffen wurden und Blutstropfen fallen von Fleurs Hand auf den Boden. Zuerst sind es nur wenige, aber dann werden es immer mehr und mehr und mit ihnen fallen auch die Blätter der Rosen. Bald ist der ganze Boden um Bellatrix von Blut und Rosenblättern bedeckt.
„Das wollte ich nicht", schluchzt Fleur in ihrem Traum, „Ich wollte dich nicht töten!"
Da dreht sich endlich Bellatrix um und blickt Fleur mit fast toten Augen an.
„Du hast mich verlassen", flüstert die Traumbellatrix, „Und ich kann ohne dich nicht leben. Aber wenn du mich wirklich liebst-..."
Fleur beugt sich ohne Zögern zu Bellatrix und versucht all ihre Gefühle in den Kuss zu legen. Aber Bellatrix scheint es nicht besser zu gehen und als sie in Fleurs Armen stirbt, weint Fleur.
Als Fleur erwacht, erinnert sie sich genau an ihren Traum und plötzlich fällt ihr ihre Entscheidung nicht mehr schwer. Harry, Ron und Hermione werden Bellatrix Verlies ausrauben und sie wird alles dafür tun, Bellatrix zu warnen. Fleur kann den Drein damit nicht schaden, dafür ist schon zu viel Zeit vergangen. Nun kann sie nur noch versuchen Bellatrix vor dem Zorn ihres Herrn zu schützen.
Egal wer Bellatrix ist und war, Fleur will sich für sie entscheiden. Sie sieht etwas Gutes in ihr und wenn sie nun nicht dafür kämpft, wie soll sie dann jemals wieder mit sich selbst leben?
Fleur denkt an Küsse, auf Stirn, Wange und Mund und obwohl ihr Vorhaben hoffnungslos ist, lächelt sie.
