°Taschentücher austeil° heute wird es traurig. Melinda hat Olivias zweiten Wunsch erfüllt und über Freds Beerdigung geschrieben. Euch nichts desto trotz einen schönen zehnten Dezember :)


Löwenlilie

"Ginny, kommst du?" Ein leises Klopfen ging dieser Frage voran. Ohne die Tür zu öffnen, sprach Hermine leise zur jüngsten Weasley.
"Ginny? Bitte antworte mir!" Seit zehn Minuten stand Hermine nun schon vor der Zimmertür. Ein leises Knarren verriet ihr, dass Harry und Ron sich auf den Weg nach unten machten.
Das bedeutete, sie würden gleich hier vorbeikommen. Seufzend wandte Hermine sich wieder der Tür zu. Molly war nicht in der Lage gewesen, ihre Tochter zu holen.
"Ginny...ich bitte dich. Mach die Tür auf!"
Ein leises Klicken war zu vernehmen und Hermine atmete erleichtert auf. Ohne weiter auf das Knarren von oben zu achten, betrat sie Ginnys Zimmer. Es war dunkel und still. Die Vorhänge waren vor das Fenster gezogen, sodass man meinen könnte, es wäre Nacht. Eine einzelne Kerze brannte auf dem Schreibtisch.
"Ginny...wir...also die anderen, sie...warten unten..." Hermine fühlte sich nicht wohl in dieser Rolle und wusste nicht wirklich damit umzugehen.

Seit Fred gestorben war, schien nichts mehr zu sein wie es war. George sprach mit niemandem mehr und Molly und Arthur hatten ihre liebe Mühe mit ihm. Ron hingegen schien zu verdrängen, was geschehen war.
Bill und Charlie waren angereist. Bill hatte Fleur mitgebracht, und die drei hatten die größte Arbeit
übernommen, was das Begräbnis anging. Percy war eigentlich wie immer. Er ließ sich wenig
anmerken, ging gewissenhaft seiner Arbeit im Ministerium nach und nahm auch seinem Vater etwas davon ab. Und Ginny hatte sich komplett zurückgezogen. Am Anfang schien es, als würde sie es gut verarbeiten. Aber vor ein paar Tagen war die Fassade zusammengebrochen.

"Lass mich in Ruhe , Hermine!" Ein kaum hörbares Schluchzen kam Ginny über die Lippen, doch so sehr sie sich auch bemühte, Hermine hatte es gehört. Mit wenigen Schritten hatte sie das Zimmer durchquert und schloss ihre rothaarige Freundin in ihre Arme. "Ginny , versteck deine Trauer doch nicht! Wir alle vermissen ihn, aber du musst..." einen kurzen Augenblick stockte Hermines Stimme, als sie in die tränengefüllten Augen ihrer Freundin blickte. "Du musst es verarbeiten und weiterleben!", fügte sie dann mit fester Stimme hinzu. Auch wenn sie selbst nicht daran glaubte, dass es einfach werden würde für Ginny, ohne ihren Bruder weiterzuleben, wusste sie doch, dass es nichts anderes zu sagen gab.
"Wer ist alles da?" Mit dieser Frage hatte Hermine nicht gerechnet, aber sie reagierte schnell.
"Charlie, Bill und Fleur sind schon vorausgegangen. Sie bereiten noch etwas vor. Percy ist vor einer halben Stunde aus dem Ministerium angekommen. Er hat eure Tante Muriel mitgebracht. Deine Eltern versuchen George zum Sprechen zubekommen..." kurz seufzte Hermine, bevor sie weitersprach. "Harry ist gerade bei Ron oben, aber ich glaube, sie sind bereits hinunter zu den anderen. Und außerdem wollen noch ein paar Leute aus dem Orden kommen. Sie werden aber erst am Friedhof erscheinen!"
Aufmerksam sah sie in Ginnys Gesicht und studierte ihre Augen. Ihre Erklärung war angekommen, aber so wie es schien, wollte Ginny nicht weiter fragen.
"Gib mir zehn Minuten, Hermine!", erwiderte Ginny stattdessen und strich sich mit den Händen die Haare aus den Augen und trocknete mit einem Taschentuch ihre Tränen. Hermine stand auf und ging langsam zur Tür. "Ich sage unten Bescheid. Wir warten auf dich!" Damit ging sie hinaus und atmete auf dem Treppenabsatz tief durch, nachdem sie die Tür geschlossen hatte.

Langsam ging Hermine die Treppen hinunter und als sie den Flur im Erdgeschoss erreichte, kamen Ron und Harry aus der Küche.
"Kommt sie?" Harry sah besorgt an Hermine vorbei und die Treppen hinauf, während er die Frage stellte. Sie schenkte ihm ein stummes Nicken und sah, ebenso besorgt wie zuvor oben bei Ginny, in Rons Augen. Noch immer verdrängte er. Keine Träne hatten sie bisher bei ihm gesehen... Harry warf noch einen letzten hilflosen Blick auf die Treppe, bevor er sich wieder seinen Freunden zuwendete.
"Also..." wieder schien es, als wisse Harry einfach nicht, was er sagen sollte... Stumm gingen die drei Freunde ins Wohnzimmer, in dem Molly und Arthur gerad versuchten, George zum Reden zu bewegen.
Percy saß am Kamin mit Muriel und die beiden tranken schweigend Tee. Harry, Ron und Hermine schauten sich kurz an und gesellten sich dann, ebenfalls schweigend, zu Percy und Muriel. Niemand redete außer Molly und Arthur und gemeinsam warteten sie auf Ginny.
Immer wieder sah Hermine auf ihre Uhr und mit jeder vergehenden Minute machte sie sich mehr Sorgen und fragte sich, ob Ginny wirklich kommen würde. Es schien, als sei eine Ewigkeit vergangen, doch nach einer Viertelstunde öffnete sich die Tür zum Wohnzimmer erneut und Ginny stand im Durchgang. Ganz in Schwarz gekleidet, wie jeder von ihnen, mit einem strahlend grünen Band, welches in ihr Haar eingeflochten war. Jeder der Trauergäste war gebeten worden, etwas Grünes in seine Kleidung einfließen zu lassen. Wenige Augenblicke stand sie einfach nur da und sah zu ihren Eltern, die sich noch immer um George kümmerten und Ginny anscheinend nicht bemerkten. Dann setzte sie sich in Bewegung und ging zu den fünf Leuten am Kamin. Außer Tantchen Muriel erwartete wohl jeder, dass sie sich einfach schweigend dazusetzte und abwartete. Stattdessen ging sie geradewegs auf Percy zu und umarmte ihn.

Stumm wechselten Hermine, Harry und Ron verwirrte Blicke. Damit hatten sie wirklich nicht gerechnet.
Nach gefühlten zehn Minuten ließ Ginny von ihrem Bruder ab und wendete sich den anderen zu. Ihre Augen wirkten noch immer traurig und sie sah aus, als hätte sie keine Minute geschlafen in der letzten Nacht. Vor nicht ganz einem Jahr hatte Harry gesagt, es wäre besser, wenn sie nicht weiter miteinander gehen würden. Jetzt nahm er ohne ein einziges Zögern Ginnys Hand und hielt sie fest. Er nahm sich vor, sie niemals wieder loszulassen und immer für sie da zu sein. Ein kaum spürbarer Druck verriet ihm, dass sie verstand. Ohne einen Blick zu wechseln, wussten sie beide, dass sie füreinander geschaffen waren.
Hermine schluckte schwer, als sie sah, wie Ginny sich an Harry festhielt. Zu gerne hätte sie jetzt auch einen Freund an ihrer Seite gehabt. Einen Menschen, der sie festhielt und für sie da war.
Sicherlich waren Harry und Ron immer für sie da. Doch nachdem sie und Ron sich im letzten halben Jahr zuerst heftig gestritten und dann irgendwie ineinander verliebt hatten, hatten sie in den letzten zwei Wochen entschieden, dass es besser wäre, wenn sie nur Freunde sind. Und als Freunde hatten sie sich noch immer am besten verstanden.
So allerdings saß Hermine allein in einem Sessel und fragte sich, wie sie die Beerdigung überstehen würde. Und ob sie für Ron da sein konnte, ob er es zuließ. Erneut sah sie auf ihre Uhr und stellte erschrocken fest, dass sie vor zehn Minuten hätten losgehen müssen. Kurz zögerte sie, doch dann stand sie auf, nickte Percy zu, der sie fragend ansah und tippte Harry an. Percy machte sich leise daran, Tantchen Muriel beim Aufstehen behilflich zu sein und Hermine räusperte sich unbeholfen.
"Entschuldigt... Molly, Arthur... wir müssen los..." Unsicher sah sie wieder zurück und wusste nicht, was sie tun sollte. Molly weinte stumm und Arthur redete auf George ein. Seufzend machte sie einige Schritte auf die drei zu und legte eine Hand auf Arthurs Schulter. "Arthur…wir sollten losgehen…" Erst jetzt schien er sie überhaupt zu bemerken.
"Oh Hermine... entschuldige, ja du hast recht..." Er schien verwirrt und wusste nicht recht, was gerade los war, doch er stand auf und half Molly hoch. Beide nahmen George in ihre Mitte und gingen Percy und Tantchen Muriel hinterher, die schon an der Tür waren. Harry hielt noch immer Ginnys Hand fest in seiner und sie ging neben ihm her. Ron folgte stumm und mit starrem Blick. Hermine seufzte erneut und schloss die Tür hinter sich, nachdem sie den anderen aus dem Fuchsbau gefolgt war.

Nun ging die kleine, ganz in Schwarz gekleidete Gruppe, schweigend über die Hügel hinter dem Fuchsbau und erreichte nach stummen Minuten das bereits ausgehobene Grab, in dem Fred beigesetzt werden sollte. Charlie, Bill und Fleur warteten bereits und in ihrem Rücken standen Luna und ihr Vater, Andromeda Tonks mit dem kleinen Teddy, Kingsley Shacklebolt, der die Beerdigung vornehmen würde und Minerva McGonagall.
Zu Hermines großer Überraschung stand, etwas abseits, ein großer, in schwarz gekleideter Mann. Sie wusste, wer er war. Auch wenn viele dachten, Severus Snape wäre nach dem Biss von Nagini gestorben, stand er nun doch hier und wollte an der Beerdigung eines Weasley teilnehmen. Ein leichtes Lächeln stahl sich auf Hermines Lippen, auch wenn sie weiter stumm neben Harry und Ron herging. Die Weasleys stellten sich alle recht nah beieinander rechts neben dem Grab hin. Luna und ihr Vater hielten sich zurück, da sie Fred nicht wirklich gut kannten. Fleur hielt Bills Hand fest in ihrer und Harry war noch immer an Ginnys Seite.
Minerva und Andromeda, mit Teddy auf ihrem Arm, standen zur linken Seite des Grabes und Severus hielt es anscheinend für taktvoll, etwas abseits hinter den Vieren zu stehen. Hermine sah noch einmal zu Ron, der sie nicht zu beachten schien und gesellte sich dann zu Snape.
"Professor. Wie ich sehe, geht es ihnen besser?!" Während sie leise zu ihm sprach, sah sie geradeaus und würdigte ihn keines Blickes. Doch sie spürte genau, dass er ihr einen kurzen Seitenblick zuwarf, bevor er ihr wohl überlegt antwortete.
"Miss Granger, ich bin nicht mehr ihr Professor. Und ja, es geht mir gut, vielen Dank."

Soeben begann Kingsley mit seiner kurzen Ansprache. Ginny hielt sich an Harry fest und weinte stumm.
Ron schien weit weg zu sein, zumindest sahen seine Augen ins Leere. Percy war noch immer an Tantchen Muriels Seite und Arthur und Molly blieben bei George.
Fleur stand zwischen Bill und Charlie. Eine Hand in Bills verhakt und in der anderen hielt sie ein
Taschentuch, mit dem sie ihre Tränen trocknete.
George sah starr in die Ferne und niemand rechnete damit, dass er etwas sagen würde. Umso erstaunter ging ein Raunen durch die wenigen Menschen, als er vortrat und eine Hand auf den Sarg seines Bruders legte.
Molly schien den Atem anzuhalten und griff nach der Hand ihres Mannes, so wie es schon ihre Tochter und ihre Schwiegertochter machten.
Mit verklärtem Blick sah George seine ehemalige Hauslehrerin an und trat dann an Kingsleys Stelle. Dieser brauchte nicht lange, um seine Verwunderung zu überwinden und stellte sich neben Minerva.
"Ich weiß... ihr alle seid hier... um euch zu verabschieden..." Georges Stimme war leise und hörte sich kratzig an. "Doch ich denke… er hätte nicht gewollt, dass wir weinen..." Es schien, als spräche er zu sich selbst, so abwesend sahen seine Augen in die Ferne, nicht zu den trauernden Menschen.

"Fred ist ein fröhlicher Mensch gewesen und hätte gewollt, dass wir voller Freude unserer Zukunft entgegen gehen. Nicht voller Trauer." George atmete tief durch und sah nun doch zu seiner Familie hinüber.
"Mum... er hätte nicht gewollt das du weinst... und Ginny, er hätte nicht gewollt, dass du dich zurückziehst..."
Seine Worte brachten die Frauen der Familie Weasley nur noch mehr zum Weinen.
"Ron… auch wenn du Hermine nicht mehr an deiner Seite hast... Fred und ich wollten irgendwann deinen Kindern beibringen, wie sie dich und deine Frau in den Wahnsinn treiben können. Das muss ich nun wohl alleine tun..." Zum ersten Mal schien es, dass jemand wirklich zu Ron vordrang und es huschte sogar einen kurzen Augenblick ein Grinsen über sein Gesicht.
"Also… danke, dass ihr alle hier seid, um euch von Fred zu verabschieden… aber ich bitte euch, tut es mit einem Lachen im Gesicht!" Wieder trat er vor und nahm das grüne Tuch aus seiner Brusttasche. Mit einem Lächeln im Gesicht legte er es auf den Sarg seines Zwillings und schloss die Augen für eine kurze Zeit. Dann sah er wieder auf und zog ein Taschentuch aus seiner Tasche, mit dem er sich die Tränen trocknete und drehte sich zu seiner Familie.
"Mum, Dad... er hat euch geliebt!" Mit wenigen Schritten war er bei ihnen und umarmte seine Mutter fest.
Arthur tätschelte unbeholfen Georges Schulter und lächelte traurig. Ron sah starr auf den Sarg seines
Bruders und Ginny drückte fest Harrys Hand. Hermine stand auf der anderen Seite gegenüber Harry und seufzte leise.

"Miss Granger, was ist los mit ihnen?" Das leise Flüstern ihres ehemaligen Zaubertränkeprofessors ließ Hermine zusammenfahren. Es hörte sich beinahe besorgt an.
"Oh, ich habe Sie doch nicht erschreckt?" Sie hatte ganz vergessen, dass er noch neben ihr stand. "Professor... Verzeihung… Mr. Snape, ich denke nicht, dass ich mit ihnen über meine Gefühlslage sprechen möchte!" Sie sprach ebenso leise wie er, sodass niemand sonst mitbekam, dass sie miteinander redeten.
"Ah, da sind sie ja wieder Miss Granger." Sie wusste genau, dass er süffisant lächelte und musste sich stark beherrschen, ihn nicht anzusehen.
"Nun Professor, was haben sie vor? Werden sie wieder unterrichten?" Das 'Professor' war ihr einfach zu geläufig, als dass sie es einfach abstellen konnte, selbst wenn er sie auf Knien angebettelt hätte.
"Miss Granger, sie sind nicht mehr meine Schülerin! Und ja, ich denke ich werde weiter unterrichten, wenn die neue Schulleitung damit einverstanden sein sollte." Er hasste es, von ehemaligen Schülern Professor genannt zu werden, aber mehr als Hermine darauf hinzuweisen, dass sie nicht mehr seine Schülerin war, würde ihm im Traum nicht einfallen. Beide verfielen in Schweigen und beobachteten das Tun der anderen Trauergäste.

Soeben war Minerva vorgetreten, um eine einzelne Löwenlilie auf den Sarg zu legen. Eine Träne
lief ihr Gesicht hinab und sie wischte sie schnell mit einem Taschentuch fort. Nachdem sie tief durchgeatmet hatte, ging sie um das Grab herum und umarmte erst Molly und dann Arthur. Den Kindern drückte sie einem nach dem anderen die Hand und nickte dann mit einem Lächeln zu Hermine, Severus und Familie Tonks. Luna und ihrem Vater reichte sie schnell die Hand und verabschiedete sich dann. Sie ging schnellen Schrittes und verschwand nach wenigen Minuten hinter den Hügeln, um an der magischen Grenze zu apparieren. Sie musste zurück nach Hogwarts und dort für Ordnung sorgen.
Andromeda weinte stumm, denn vor wenigen Tagen erst musste sie ihre Tochter begraben. Nun ging sie zu Harry und gab ihm seinen Patensohn. Dann wandte sie sich dem Sarg zu und legte ebenfalls eine Löwenlilie auf den Sarg.
Harry trat stumm, noch immer Ginnys Hand mit seiner verschränkt, neben die beiden, den kleinen Teddy auf dem Arm. Auch er und Ginny legten ihre Löwenlilien auf den Sarg und Ginnys Hand verweilte noch eine kleine Ewigkeit dort, ehe sie sie wieder wegzog und sich umdrehte. Sie, Harry und Teddy entfernten sich etwas von der Beerdigung und Ginny musste lächeln, als Teddy die Arme nach ihr ausstreckte.
Charlie, Bill und Fleur traten zu dritt nach vorn und legten ebenfalls ihre Löwenlilien auf den Sarg, welchen niemand hier mit Fred beerdigen wollte. Diesmal war es Fleur, die Bill die Hand halten und ihm Kraft geben musste.

Noch niemand hatte Charlie je weinen sehen. Molly hielt es nicht aus. Sie machte ein paar hektische Schritte und schloss ihre beiden Ältesten in ihre Arme. Sie schien sie gar nicht mehr loslassen zu wollen, als Arthur hinter sie trat und sanft wegzog. Bevor auch er mit seiner Frau an den Sarg trat, wischte er ihr die Tränen ab und flüsterte mit ihr. Zwar konnte man nicht hören, was er sagte, doch vernahmen alle das kurze Lachen, zu dem es Molly bewog.
Noch während beide ihre jeweils rechte Hand auf den Löwenlilien verweilen ließen, traten Luna und ihr Vater vor, um ein paar kurze Worte an das Ehepaar zu richten. Sie brauchten nicht lange, um ihre Blumen abzulegen und waren auch sehr schnell hinter den Hügeln verschwunden. Mollys dankbares Nicken sahen sie nicht mehr.
Tantchen Muriel in ihrer schrulligen, vergesslichen Art ging schnurstracks zu Molly und Arthur, umarmte beide und schenkte ihre Löwenlilie Molly. Verdutzt sah Molly sie an. Muriel aber machte Anstalten, einfach zu verschwinden und es schien nicht so, als würde jemand sie aufhalten, denn ganz offensichtlich hatte sie vergessen, weshalb sie hier auf den Hügeln standen. So sahen Familie Weasley und die verbliebenen Trauergäste der alten Tante Muriel hinterher und der ein oder andere musste leicht schmunzeln, wie sie mit ihrer Handtasche den Hang hinuntertänzelte und in die entgegengesetzte Richtung des Fuchsbaus verschwand.

Nun, wo sie fort war und Percy sie nicht mehr neben sich hatte, sah man, dass auch er wankte. Es ließ ihn ganz und gar nicht kalt, dass sein Bruder gestorben war. Jetzt stand er neben Ron und sah geradeaus. In seinen Augen konnte man die Trauer lesen und die Angst, was noch geschehen könnte. Nachdem er tief durchgeatmet hatte, hielt er Ron seine Hand entgegen. Dieser wischte sich eine Träne vom Gesicht und griff nach Percys Hand und gemeinsam traten sie an die letzte Ruhestätte, die ihrem Bruder bereitet worden war. Auch Ron und Percy hatten jeder eine Löwenlilie, die sie jetzt gleichzeitig niederlegten. Es war eine seltsame Stille, die über den Menschen hier lag.
Ein paar Minuten standen Ron und Percy nebeneinander am Sarg. Dann trat Hermine neben Ron, legte ihre Löwenlilie zu den anderen und griff nach Rons Hand. Ein leichtes Drücken reichte aus, damit er und Percy ihr folgten und sie gingen zu Ginny und Harry hinüber. Teddy war mittlerweile auf Ginnys Arm und brabbelte fröhlich vor sich her. Die Jugendlichen mussten keine Worte sagen, sie verstanden sich mit Blicken. Harry legte einen Arm um Ginnys Schulter und Hermine, Percy und Ron folgten den beiden langsam.

Andromeda ging der kleinen Gruppe voran, und gemeinsam machten sie sich auf zum Fuchsbau. Auf dem Weg blieb Hermine stehen und sah noch einmal zurück. Ron blickte sich kurz zu ihr um, doch setzte er seinen Weg fort, ohne auf sie zu warten. Hermine stand da und sah vier Menschen oben auf dem Hügel.

Arthur und Molly, noch immer eine Hand auf dem Sarg und George der stumm weinte und in den Himmel sah. Etwas entfernt stand noch immer Severus Snape, in Schwarz gekleidet wie immer, doch von hier aus konnte Hermine erkennen, dass er sich tatsächlich dem Wunsch der Weasleys angepasst hatte. Ein smaragdgrünes Tuch steckte in seiner Hemdtasche... Vorher war es Hermine nicht aufgefallen und sie runzelte die Stirn über ihre Unachtsamkeit. Und dann fragte sie sich, wann sie ihren Zaubertränkeprofessor je ein Hemd hatte tragen sehen. Ein kurzes Schulterzucken erlaubte sie sich und schon war sie wieder auf dem Weg ihren Freunden hinterher.
Severus sah stumm geradeaus zu den Weasley Eltern und dem einen Zwilling. Die Blicke die Hermine ihm zuwarf, bemerkte er entweder nicht, oder aber er wusste nur zu genau, dass sie ihn ansah, es interessierte ihn aber nicht.
Molly und Arthur standen da, Hand in Hand und sahen George an. Keiner der beiden wagte es, ihn zu drängen. Und keiner der beiden bemerkte, dass Severus noch immer in ihrem Rücken stand. Molly warf Arthur einen kurzen Blick zu und er nickte leicht. Beide sahen noch einmal auf den Sarg und nahmen dann ihre Hände von den Blumen. Nur zögerlich traten sie zurück. Verließen ihren verlorenen Sohn und gaben so dem anderen die Möglichkeit, sich allein zu verabschieden. Jeder von ihnen hatte einen Freund, Bruder oder Sohn verloren.
Doch George hatte mehr als einen Bruder und Freund verloren. Er hatte einen Teil von sich verloren.
Fred und George waren Zwillinge und Zeit ihres Lebens waren sie nie getrennt voneinander anzutreffen gewesen. Und nun, wo es vorbei war, wo Lord Voldemort besiegt war und wieder Frieden in der Welt der Magie einzog, nun sollte man sich daran gewöhnen, George allein anzutreffen.

George jedoch würde es noch schwerer haben, sich daran zu gewöhnen, allein durch die Welt zu gehen.
Schwer atmend trat er nun selbst an den Sarg. Der einzige, der hier oben stand und zwei Löwenlilien in den Händen hielt. Symbolisch, wie er meinte. Eine für sich selbst, und eine für Fred. Er legte keine Hand auf den Sarg. Er legte einfach nur die Löwenlilien darauf. Dann ließ er seine Hände sinken und stand einfach nur da. Er weinte und sah in den Himmel hinauf. Auch wenn seine Eltern noch bei ihm auf dem Hügel standen. Er war allein. Ein einsamer Zwilling. Ein einzelner und der zweite fehlte...

Die anderen waren längst im Fuchsbau angelangt und bereiteten ohne viel Gerede alles vor, was noch nicht fertig war. Die Kleinigkeiten, die es zu Essen geben sollte, wurden auf die Tische verteilt und jeder bekam ein Butterbier. Niemand wusste, was noch auf dem Hügel an Freds Grab geschah, und niemand wusste, wie lange es wohl noch dauern würde. Doch jeder hielt sich zurück, so schwer es auch fiel und niemand begann mit dem Essen.

Severus Snape, der Meister der Zaubertränke, stand noch eine kleine Weile am Hügel. Dann drehte er sich um und verschwand in Snapescher Manier vollkommen lautlos und mit typischem Umhangwehen. Er verschwand nicht etwa in die Welt, nach Hogwarts oder einfach so. Er entfernte sich tatsächlich in Richtung des Fuchsbaus. Dort verweilte er eine Weile am Fenster des Wohnzimmers. Beobachtete die Menschen im Raum und blieb mit seinem Blick immer wieder an Hermine hängen. Hermine hingegen saß im Haus und fühlte sich seltsam beobachtet. Ohne zu wissen, wieso oder von wem, versuchte sie das Gefühl zu ignorieren und sich auf Ginny zu konzentrieren, mit der sie gerade sprach. Harry hatte sich bereit erklärt, sich um Ron zu kümmern, wenn indessen Hermine bei Ginny blieb.
Gerade wollte Severus vollends verschwinden, als Hermines Blick ihn traf. Kurze Zeit schien sie sprachlos, bevor ihr Blick weich wurde und sie lächelte. Sie lächelte ihn an. Seine Mundwinkel zuckten und wenn man sich anstrengte, konnte man auch bei ihm ein Lächeln erkennen, bevor er sich abwandte und verschwand. Hermine starrte noch ein paar Minuten zum Fenster, nachdem er weg war.

Es dämmerte bereits, als George sich umdrehte und seine Eltern direkt ansah.
"Ich dachte, wir wären allein!"
Die Worte, die er aussprach, trafen Molly direkt ins Herz. Er sprach eindeutig von sich und Fred. Und sie wusste doch, dass Fred fort war. Nie wieder kommen würde.
"Mum, hättest du gedacht,...dass er ganz gehen würde?" Fragend sah George ihr in die Augen. Seine Stimme zitterte ein wenig, aber er weinte nicht mehr. "Ich meine, ich habe immer geglaubt, dass er als Geist bleiben würde! Das er uns nicht verlassen wollen würde!" Seine Worte schienen nicht an Molly gerichtet zu sein. Es hörte sich an, als würde er seinen Bruder fragen, wieso er ihn verlassen hatte. Wieso er nicht dageblieben war, um weiter mit ihm zu scherzen. Molly konnte nur die Schultern heben und George traurig ansehen. Dann ging sie zu ihm und nahm ihn in die Arme.
"Vielleicht war er nicht der Meinung, dass dies notwendig wäre?!" Sie wusste nicht, was sie sonst hätte sagen sollen.
"George, möchtest du mit uns zurückkommen?" Arthur hielt ihm die Hand entgegen und Molly nickte stumm.
"Komm, die anderen werden sicher schon Hunger haben!" Mit wenigen Schritten war Molly neben ihrem Mann und gemeinsam sahen sie ihren Sohn wartend an.
"Sicher, ich komme mit euch!" Ein kurzes Lächeln huschte über Georges Gesicht und er griff nach den Händen, die ihm seine Eltern entgegenstreckten. Sie nahmen ihn in die Mitte und er setzte sich langsam in Bewegung. "Mum, Dad... glaubt nicht, dass ich euch jetzt weniger Streiche spiele!" Ein kleines Grinsen machte sich auf seinen Lippen bemerkbar und hinter seinem Rücken drückte Arthur Mollys Hand. Gemeinsam gingen die drei zurück zum Fuchsbau. Zurück nach Hause.

Ende