Disclaimer: Sucht euch aus Kapitel 1-8 was aus. Hab gerade keine Lust, mir einen neuen Spruch auszudenken.

A/N: Dieses Kapitel ist für die liebe Lexa, die bei „Quidditchkapitäne und andere Katastrophen" so lieb Werbung macht und andere zum reviewen auffordert. Danke Süße. Du bist ab sofort meine Werbechefin.

Übrigens hatte ich dieses Kapitel, zum Teil jedenfalls, etwas anders geplant, aber das habe ich unten noch mal genauer erklärt. Jetzt hoffe ich erstmal, dass es euch gefällt. Viel Spaß damit.


Vielleicht wurde das Küssen erfunden,

um sich gegenseitig den Mund zu verschließen

- Sacha Guitry -


9. Kapitel – Machtkämpfe

Katie blieb ganze fünf Tage bei den Weasleys in der Heulenden Hütte und half ihnen, den Laden herzurichten. Angelina war am Abend des ersten Tages mit einem breiten Grinsen dort aufgetaucht und war bei Katies Anblick in hysterisches Gelächter ausgebrochen. Oliver hatte an diesem Tag sein schlechtestes Training überhaupt gehabt und war wieder zu dem Spieler geworden, den seine Gryffindorkameraden von früher her kannten. Die Puddlemerespieler hatten allerdings das Gefühl, dass der Teufel persönlich heute von Oliver Besitz ergriffen hätte

„Du kannst dir nicht vorstellen, wie geladen der war, Katie", kicherte sie, „Am Anfang dachte ich, ihn hätte der Schlag getroffen, weil er sich eine komplette Viertelstunde nicht vom Fleck gerührt und nur mit offenem Mund die Wand angestarrt hat, aber dann ist er explodiert und ich hatte das Gefühl, nicht mehr in der Puddlemere-Kabine, sondern in der von Gryffindor zu sein"

„So schlimm?", grinste George sie an, „Hört sich irgendwie nach den guten alten Zeiten an"

„Ja", nickte Angelina, „So ähnlich war es auch"

„Irgendwie hatte er da aber auch gute und schlechte Meckertage", sinnierte Fred

„Mag sein. Aber dieser Auftritt heute hat mich an unser Albtraumspiel schlechthin erinnert", antwortete sie ihm

„Welches? Das gegen Hufflepuff im Sintflutregen oder das gegen Ravenclaw, als wir ohne Harry antreten mussten?", hakte Katie nach

„Das Ravenclawspiel. Zumindest war er stimmungsmäßig nah dran. Allerdings hat er diesmal die Bänke nicht zertrümmert und auch nicht seinen Schrank vor Wut kochend in die Luft gejagt", erklärte Angelina

„WAS?", stieß Lee erstaunt aus, während die anderen alle in wieherndes Gelächter ausbrachen, „Ihr wollt doch nicht ernsthaft behaupten, dass Wood damals so ausgetickt ist?"

„Ausgetickt ist viel zu harmlos", kicherte Katie, „Wir hatten das Gefühl, mit dem Leibhaftigen persönlich die Kabine zu teilen"

„Nicht zu fassen", erwiderte Lee, immer noch verwundert den Kopf schüttelnd, „Da passieren solch' verrückte Dinge und ich habe keine Ahnung"

„Ja, da hast du wirklich was verpasst, Kumpel", grinste Fred, „An dem Tag hat er sogar George und mir Angst gemacht"

„Aber irgendwie kann ich ihn auch verstehen. Die Tracht Prügel, die unser Team an dem Tag einstecken musste, war schon nicht ohne. Da kann man mal wieder sehen, wie wichtig ein Sucher für sein Team ist", nahm Katie ihn in Schutz

„Also wenn er das jetzt gehört hätte, liebste Katie, wäre er noch stinkiger, als er im Moment sowieso schon auf dich ist. Niemand ist wichtiger als er. So was grenzt schon fast an Untergrabung der Kapitänsauthorität. Und du weißt, was darauf steht, oder?", mischte sich jetzt auch wieder George ein

„Pah, als ob mir das was ausmachen würde. Jetzt kann der mir ja nichts mehr", winkte Katie ab, „Schließlich bin ich ja nicht mehr eines seiner armen Opfer aus Schultagen"

„Könntest du's denn noch? Die Strafe für das Widersprechen, meine ich", hakte Angelina nach

„Ja, ich denke schon", war die schlichte Antwort

„Beweisen", forderte George sie auf

„Ja, Katie. Zeig uns, dass du's noch kannst", meinte nun auch Fred

„Ähm, könnte mal jemand einen armen Kommentator aufklären, der nie das Privileg hatte unter Oliver Wood zu trainieren oder einen Fuß in die Gryffindor-Kabine setzen zu dürfen?", fragte Lee mit einem Gesichtsausdruck, der so verzweifelt war, dass er schon wieder komisch war

„Jetzt tu doch nicht so, als ob du nie in unserer Kabine warst, Lee Jordan. Das nehme ich dir nämlich nicht ab", schoss Angelina ihn an

„Nicht offiziell jedenfalls", war die grinsende Antwort von Lee, „Also, was ist jetzt? Kriege ich eine Antwort?"

„Ja! Wer es wagte Oliver grundlos zu kritisieren...", fing Angelina an

„Grundlos?", warf Fred ein

„Der hat auch in anderen Momenten so reagiert", stimmte George zu

„Und uns bleib nichts anderes übrig als zu tun, was er wollte, weil er nun mal das sagen hatte", murrte Katie

„Also, wie ich schon sagte, wer es wagte, gegen Oliver zu rebellieren, grundlos oder nicht", fuhr Angelina fort und warf Katie, Fred und George einen finsteren Seitenblick zu, da sie es hasste, unterbrochen zu werden, „der musste 100 Liegestütze in 5 Minuten hinlegen"

Lee stieß einen leisen Pfiff aus.

„Nicht schlecht. Und das hattet ihr drauf?"

„Ja, so oft, wie der uns dazu verdonnert hatte, hatten wir ziemlich schnell Übung darin. Wir alle. Auch Alicia und Harry", nickte Angelina

„Um ehrlich zu sein, waren wir irgendwann so geübt, dass wir in unseren besten Zeiten locker 120 geschafft hätten", setzte Katie eins drauf

„Was wir natürlich nicht zugegeben haben", schwächte Fred gleich ab „Wir sind schließlich nicht komplett irre"

„Nur so'n bisschen", warf George breit grinsend ein

„Aha, so langsam verstehe ich. Na, wenn das so ist, dann zeig mal, was du noch kannst, Kats", forderte Lee sie jetzt auch auf

„Und ihr seht schön gemütlich zu? Vergesst es", widersprach Katie, „Nur wenn ihr mitmacht"

„Gar keine schlechte Idee", meinte Angelina, „Mal sehen, wer schneller seine 100 hat. Die Jungs oder die Mädels"

„Wir Jungs. Das ist doch wohl klar", war Freds felsenfeste Überzeugung

„OK, dann mal los", meinte Katie, griff nach ihrem Zauberstab und murmelte die Worte, die so oft von Oliver gekommen waren. Kurz darauf prangte über jedem Kopf eine große leuchtendrote 0 in der Luft, während vor ihr in Gold die Zahl 5:00 erschien. Nachdem sie den Zauberstab auf das Fensterbrett gelegt hatte, ließ sie sich zu George, Fred und Angelina auf den Boden runter.

Lee sah nur etwas irritiert von einem zum anderen.

„Alle fertig?", fragte Katie und ging in Position.

„Ja"

„Yep"

„Alles klar"

„OK! Drei... Zwei...Eins...Los"

Auf Katies „Los" fingen die goldene Zahl an rückwärts zu laufen, während die roten Zahlen über den Köpfen der 4 so schnell hoch zählten, dass Lee vor Erstaunen der Mund offen stehen blieb. Dass seine Freunde in so einem Irrsinstempo anfingen ihr Liegestütze runterzuspulen, haute ihn glatt um und er fragte sich, ob die Vier überhaupt in der Lage waren, das bis zum Ende durchzuhalten.

Nach genau 4:39 Minuten ließ Katie sich völlig ausgepumpt bäuchlings auf den Boden plumpsen, gefolgt von Angelina, die für ihre 100 Liegestütze nur knapp 5 Sekunden mehr brauchte. Fred und George dagegen brauchten für ihre Liegestütze länger als die Mädchen, schafften es aber wie so oft, auf die Sekunde genau gleichzeitig fertig zu sein. Diesmal bei 4:48 Minuten.

„Donnerknitter", brachte Lee nur raus und sah die 4 überrascht an, während von der Tür zur Diele lauter Applaus kam.

„Alle Achtung. Nicht schlecht", meinte Harry und kam breit grinsend näher

„Und alle innerhalb der Zeit. Respekt", stimmte Alicia ihm zu, die jetzt ebenfalls in den Raum kam

„Was macht ihr den hier?", keuchte Katie kurzatmig, „Solltet ihr keinen Unterricht haben?"

„Heute Nachmittag nicht", meinte Alicia, „Und da Harry mal sehen wollte, was mein verrückter Mann und sein genauso irrer Bruder aus der Heulenden Hütte gemacht haben, haben wir beschlossen, hier mal vorbei zu schauen"

„Allerdings haben wir nicht damit gerechnet, dass hier neuerdings ein geheimes Drillcamp ist", warf Harry ein und sah sich dann suchend um, „Oder ist Wood hier irgendwo versteckt?"

„Merlin bewahre, dann wäre ich schon einen Kopf kürzer", erwiderte Katie gespielt panisch und setzte sich jetzt auf, so dass sie im Schneidersitz auf dem Boden saß. Auch die anderen drei hatten inzwischen wieder soviel Luft in den Lungen, dass sie sich wieder in die vertikale bringen konnten.

„Wahrscheinlich", grinste Harry auf sie hinunter, „Aber daran wärst du selber Schuld. Mit dem, was du da in eurer neuesten Ausgabe geschrieben hast, kannst du froh sein, dass er nicht weiß, wo du gerade steckst. Ist übrigens gerade das Gesprächsthema in Hogwarts"

„Woher wusstest du überhaupt von der Sache zwischen unserem Käpt'n und Susan Carter?", fragte Alicia neugierig

„Ich habe meine Informanten", wich Katie aus

„Und die wären?"

„Top Secret", war alles, was Katie dazu sagte

„Komm schon, Katie. Das ist unfair", murrte Alicia, „Da haben wir ihn schon mal am Wickel und du verrätst nichts. Wer weiß, vielleicht ist da noch mehr interessantes zu holen?"

„Da wirst du keine Chance haben, Schatz. Unsere liebe Katie schweigt wie ein Grab. Nicht mal wir haben in den letzten Tagen was aus ihr rausbekommen", schüttelte George den Kopf

„Also ernsthaft. Wollt ihr wirklich behaupten, dass ihr keine Ahnung habt, wo sie das her hat?", fragte Harry und sah Fred, George und Lee verblüfft an

„Wieso, weißt du's?", stellte Lee die Gegenfrage

„Na hört mal. Das ist doch klar wie Veritasserum", kam die prompte Antwort

„Ach? Ist es das?", fragte Katie verwundert und sah ihn an, „Na dann schieß mal los, Potter. Woher weiß ich von Susan Carter"

„Wenn mich mein Gefühl nicht völlig trügt, von Roger Davies", war seine treffsichere Antwort, „Immerhin hat sie erwähnt, dass das Ravenclawteam von der Beziehung wusste und er hat damals in deren Hausteam gespielt. Und jetzt arbeitet ihr zwei zusammen. Wenn das kein Zufall ist, weiß ich es auch nicht"

Fred, George und Lee sahen ihn an, als wäre ihm ein zweiter Kopf gewachsen, während Angelina und Alicia ihre besseren/schlechteren Hälften belustigt ansahen. Es war selten, dass sie die drei sprachlos erlebten. Diese Situation kannte Katie aus ihren gemeinsamen Streichtagen schon eher, wenn sie mal wieder einen Trumpf aus dem Ärmel zog, um einem Streich das Sahnehäubchen aufzusetzen. Aber das konnten die zwei ja nicht wissen. Im Augenblick warf sie Harry, der sie herausfordernd musterte einen beeindruckten Blick zu.

„Nicht schlecht, Potter. Das war ein Schuß ins Schwarze", lobte sie ihn

„Tja, ich bin ja nicht umsonst mit Hermine befreundet", meinte er schulterzuckend, „Ein wenig logisches Denken hat sie sogar mir und Ron beibringen können"

Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite und die 7 wandten sich anderen Gesprächsthemen zu

„Und, wie läuft's so in Hogwarts?", fragte Katie und sah von Harry zu Alicia

„Bestens", antwortete Alicia

„Ja, vor allem jetzt, wo keiner mehr in Reimen spricht", grinste Harry und Alicia brach in prustendes Lachen aus

„Häh?", kam es 5-fach zurück

„Na ja, irgendwelche Witzbolde haben sich einen Spaß daraus gemacht, den Kürbissaft mit einem Zaubertrank zu panschen, der einen drei Tage am Stück nur in Reimen sprechen lässt", erklärte Harry schmunzelnd, „Und was glaubt ihr, wie wenig angsteinflössend ein Ausbruch von Snape ist, wenn er, statt zu meckern, plötzlich nur noch „Das ist doch typisch Gryffindor, glaubt ihr, dass kommt mir lustig vor?" rausbringt?"

Die Fenster der Heulenden Hütte klirrten bedrohlich, als jetzt auch der Rest explosionsartig in Alicias Gelächter mit einfiel. Fred und Lee lagen lang ausgestreckt rücklings auf dem Boden und hielten sich die Bäuche, während George einen so gewaltigen Schluckauf bekam, dass er nahe dran war, aus Luftmangel blau anzulaufen. Angelina hielt ihre Seiten, die vor Lachen schon schmerzten und ihr liefen die Tränen über die Wangen, während Katie sich mit aller Kraft auf die Faust biß um nicht vollkommen die Kontrolle über ihre Gesichtsmuskeln und ihr Zwerchfell zu verlieren, konnte allerdings nicht verhindern, dass ihr erstickte Grunzer entkamen.

Es dauerte eine halbe Ewigkeit, bis sich alle wieder einigermaßen in den Griff bekamen. Wäre in diesem Moment jemand an der Heulenden Hütte vorbeigekommen, wäre schon am Abend ein neuer Name für die Hütte im Umlauf gewesen, der entweder „Gackernde Hütte" oder „Grölende Hütte" gewesen wäre.

„Und habt ihr...hahaha...habt ihr schon rausge...haha...gekriegt, wer das war", lachte Angelina, immer noch mit tränenverschmiertem Gesicht

„Es gibt keine stichhaltigen Beweise, aber ich glaube, dass Snape gar nicht so unrecht hat, mit seiner Vermutung", keuchte Alicia außer Atem

„Dass es Gryffindor waren?"

„Ja", beantwortete Harry Angelinas Frage, da Alicia schon wieder in Lachen ausgebrochen war. „Und ich habe auch schon so einen Verdacht, welche Gryffindor"

Bei diesen Worten sah er Katie direkt in die Augen.

„He, sieh mich nicht so an. Ich bin seit Ewigkeiten nicht mehr in Hogwarts gewesen. Ich war das nicht", verteidigte Katie sich lachend

„Als ob DU jemals was in der Art angestellt hättest", meinte Angelina

„Genau. Du warst doch viel zu sehr Vertrauensschülerin um mal etwas über die Stränge zu schlagen", pflichtete Alicia ihr bei, „Aber keine Sorge, Katie. Das war auch ganz gut so. Du hast das nötige Gegengewicht in unserer Clique gebildet, wenn ich da so an Fred, George und Lee denke. Ohne deine Vernunft in unserer Truppe wären die garantiert aus Hogwarts geflogen"

„Ich mag gar nicht daran denken, was die alles angestellt hätten, wenn du nicht ab und zu für Recht und Ordnung gesorgt hättest. Du warst die einzige, die die drei im Griff hatte, auch wenn ich immer noch nicht kapiere, wie du das gemacht hast.", fiel Angelina Alicia ins Wort „Was ist denn, Lee?"

Lee war bei diesen Worten wieder in Lachen ausgebrochen, hatte das aber gleichzeitig in ein unschuldiges Husten umwandeln wollen, was gnadenlos in die Hose gegangen war. Stattdessen hatte er sich dermaßen verschluckt, dass er knallrot anlief und von George und Fred mit kräftigen Schlägen auf den Rücken bedacht wurde. Allerdings hatten auch diese Beiden Mühe, sich unter Kontrolle zu halten. Beiden konnte man ansehen, dass sie ganz gewaltig die Zähne zusammen bissen und sich bemühten, nicht zu Katie rüber zu sehen.

Diese konnte ein breites Grinsen nicht unterdrücken. Sie wusste, was den dreien gerade durch den Kopf ging. Sie war nämlich alles andere als vernünftig gewesen. Um ehrlich zu sein, war sie im Grunde genommen die schlimmste in dem inoffiziellen Streichquartett gewesen und musste oftmals von den drei Jungs gebremst werden. Es war also kein Wunder, dass Fred, George und Lee im Moment einige Mühe hatten, sich zu beruhigen, wenn von ihrer angeblichen Vernunft die Rede war.

„OK, wen hast du dann im Verdacht, Professor Potter?", lenkte Katie ihre Freundinnen von den nach Luft schnappenden Jungs ab.

„Deine Schwestern, Katie. Ganz ehrlich, das, was du zu wenig an Streicheuphorie hattest, haben die Zwei definitiv zuviel", meinte auch Harry belustigt

„Oh armes Hogwarts", keuchte Lee und verschluckte sich fast wieder, „Wenn das wirklich so ist, dann gute Nacht"

Fred und George verschluckten sich jetzt ebenfalls und husteten mit Lee um die Wette

„Ich habe keine Ahnung, was euch immer noch so dermaßen belustigt, aber es muß wohl gut sein", erwiderte Angelina kopfschüttelnd

„Scheint so", stimmte Alicia ihr zu

„Ich denke mal, dass das so was wie ein Insiderwitz ist", meinte Katie einigermaßen Ernst, „Lassen wir ihnen ihr bisschen Spaß"

„Ja, lasst uns unser bisschen Spaß", stimmte George zu und plötzlich kam ein verschwörerisches Funkeln in seine Augen, „Aber mal was anderes. Alicia? Harry? Wie viele Liegestütze schafft ihr denn noch?"

„Also, diese Frage finde ich gut. Wie sieht's aus, ihr Zwei? Traut ihr euch?", sprang Katie auf den gleichen Zug auf

„Aber klar doch", antwortete Harry ohne Zögern, „Oder Alicia?"

„Definitiv", war ihre Antwort

Knappe fünf Minuten später stand fest, dass zumindest 6/7 des ehemaligen Gryffindorteams immer noch in der Lage war, die geforderten Strafliegestütze in der vorgegebenen Zeit zu leisten. Harry war dabei nur eine einzige Sekunde langsamer als Katie, die mit ihren 4:39 Minuten heute als Siegerin hervorging und Alicia schaffte es zeitlich zwischen Angelina und die Twins zu kommen, was Fred und George die gemeinsame rote Laterne einbrachte.


Am nächsten Tag saß Katie zusammen mit Roger, Alec und Joana im Tropfenden Kessel und machte sich hungrig über ein Rindersteak mit Kartoffel-Kürbis-Gratin her, als Alec sie plötzlich anstieß und mit dem Kopf zur Tür wies. Verwundert sah sie ihn erst an, folgte dann seiner stummen Aufforderung und verfiel in ein schmunzelndes Lächeln. Roger und Joana, die mit dem Rücken zur Tür saßen hatten sich jetzt ebenfalls umgedreht und auch auf ihren Gesichtern machte sich ein belustigtes Lächeln breit.

Im Tropfenden Kessel war es plötzlich totenstill geworden. Alle Gäste hatten erkannt, wer da gerade das Gasthaus betreten hatte und mindestens genauso viele hatten die vier Reporter von Quidditch Monthly bemerkt, die seit einer knappen halben Stunde am Tisch in der Ecke saßen und ihre Mittagspause genossen. Die bekannteste von ihnen legte jetzt ihr Besteck zur Seite und sah herausfordernd zu den Neuankömmlingen rüber.

Oliver Wood hatte Katie und ihre Kollegen in dem Moment erkannt, als er das Gasthaus betrat und sich nach einem freien Tisch umgesehen hatte. Innerlich fluchend konnte er sich gerade noch daran hindern, die Augen zu verdrehen. Den Gefallen würde er ihr nicht tun. Als es plötzlich still wurde, merkten auch seine Teamkollegen, dass etwas nicht so war wie sonst. Es dauerte nur einen kurzen Moment, bis sie den Grund bemerkten, aber dann hatten auch sie die vier QM-Reporter erkannt.

„Oh verflixt", fluchte Scott Harper leise aber herzhaft, „Und was machst du jetzt, Käpt'n?"

„Das wirst du schon sehen", antwortete dieser genauso leise, setzte dann ein leicht spöttisches Lächeln auf und ging zu Katie und ihren Kollegen rüber

„Mr. Wood? Wir haben uns ja schon eine ganze Weile nicht gesehen", meinte Katie im leichten Plauderton, als Oliver an ihren Tisch trat

„Um genau zu sein, habe ich sie auf dem Ball im Ministerium zuletzt gesehen und der ist schon fast eine Woche her", antwortete Oliver ihr im gleichen Tonfall, „Was mich ehrlich gesagt, ein wenig verwundert. Sie lassen mich doch sonst keine zwei Tage am Stück in Ruhe mit ihren Fragen nach einem Interview. Was ist los? Verstecken sie sich vor mir?"

Inzwischen waren auch seine Teamkollegen näher ran getreten, hielten sich aber diskret im Hintergrund. Die Gäste im Tropfenden Kessel vergaßen völlig, warum sie eigentlich hier waren. Diese Szene hier war einfach zu interessant. Wer konnte schon von sich behaupten, bei einem unerwarteten Zusammentreffen von Quidditchsuperstar Oliver Wood und der wohl bekanntesten Reporterin im ganzen Land dabei gewesen zu sein?

„Ach wissen sie, Mr Wood. Manchmal ist es gar nicht so leicht, Berufs-, Privat- und Liebesleben unter einen Hut zu bekommen", erwiderte sie und sah ihm in die Augen, „Ich meine, ich habe einen Freund, der ziemlich viel unterwegs ist und den ich nicht besonders häufig zu sehen bekomme. Außerdem habe ich da noch ein paar Freunde, die sich gerade zum zweiten mal selbstständig machen. Naja, eigentlich machen sie eher eine Filiale auf und können dabei jede helfende Hand gebrauchen. Da passte es eigentlich ganz gut, dass mir mein Chef aus lauter Begeisterung über meine gute Arbeit ein paar Tage frei gegeben hat. So konnte ich ganz spontan bei ihnen auftauchen und mit anpacken. Allerdings tut mir jetzt der Rücken weh. Auf Klappliegen schläft es sich nun mal nicht so bequem wie im eigenen Bett. Und wie waren ihre letzten Tage so?"

„Hmmm, lassen sie mich mal überlegen. Ich habe einen recht interessanten Artikel über mich in einer sehr bekannten Quidditch-Zeitschrift gefunden, was mich doch sehr überrascht hat. Mit so was hatte ich nämlich, zugegebenermaßen, nicht gerechnet", antwortete er darauf, ohne ihr zu verstehen zu geben, dass er diesen versteckten Hinweis über ihren Verbleib in den letzten Tagen, sehr wohl verstanden hatte.

„Na was sagt man dazu? War es denn wenigstens die Wahrheit, die da stand?", hakte Katie nach. Roger, Alec und Joana sahen erst sie belustigt an und sahen dann wieder zu Oliver hoch. Auch seine Teamkollegen sahen zwischen den Beiden hin und her und wussten nicht recht, was sie davon halten sollten. Ihnen war nicht wirklich klar, warum ihr Käpt'n jetzt auf Angriff spielte, wo er doch eigentlich keine andere Chance hatte, als auf ihren Willen einzugehen und dieses Interview geben mußte

„Ja, Miss Bell, es war die Wahrheit. Jedes einzelne Wort. Vor allem die, die ziemlich weit unten standen", kam seine Antwort ohne zu zögern, aber Katie hörte an seinem Ton, dass er nicht alles gesagt hatte

Fragend hob sie eine Augenbraue und wartete darauf, dass er weiter redete

„Am Ende stand so was wie eine Herausforderung", meinte er nach einer Weile

„Und? Werden sie diese Herausforderung annehmen?", meinte sie jetzt und konnte sich ein Grinsen nur schwer verbeißen

„Sie meinen, ob ich ihnen ein Interview gebe?", fragte er jetzt ganz direkt

„So wie ich es sehen, haben sie kaum eine Chance es nicht zu tun, Mr Wood. Sagen sie mir wann und wo und wir können das in Angriff nehmen", meinte Katie und griff wieder zu ihrem Besteck, um ihm zu zeigen, dass sie das Gespräch im Augenblick für beendet hielt und jetzt er an der Reihe war, auf sie zu zukommen, um einen Termin auszumachen

„Nun, Miss Bell, es tut mir leid, sie enttäuschen zu müssen, aber daraus wird wohl nichts werden"

Ein Raunen ging durch den Tropfenden Kessel. Mit dieser Antwort hatte keiner gerechnet. Wollte Oliver Wood es wirklich darauf ankommen lassen, dass diese Katie Bell den Rest der Susan-Carter-Aussage druckte? Das konnte nicht wirklich sein Ernst sein? Allerdings hofften die meisten Gäste doch, dass sie es tat, denn das versprach recht interessanter Klatschstoff zu werden

Die Puddlemere-Spieler tauschten verwunderte Blicke aus und auch Katies Kollegen sahen Oliver an, als hätte er den Verstand verloren. Neugierig sahen sie zu Katie rüber, die ihrerseits Oliver verblüfft ansah.

„Wollen sie es wirklich riskieren, Mr Wood? Ich denke kaum, dass ihnen dass so recht sein dürfte, denn es geht hier immerhin um sehr pikante Details. Wollen sie wirklich abwarten, was ich schreibe, ohne die Chance zu haben, es vorher gegen zu lesen?"

„Das Risiko gehe ich ein", meinte er und drehte sich um, um zu einem Tisch an der gegenüberliegenden Wand zu gehen. Auf halbem Weg blieb er allerdings noch mal stehen, „Wissen sie, Miss Bell. Ich bin mir recht sicher, dass sie das nicht tun werden"

„Ach, und wieso nicht? Jetzt machen sie mich neugierig Mr. Wood", erwiderte Katie provozierend

„Weil sie mich an eine sehr gute Freundin erinnern, die niemals willentlich pikante Details eines Freundes veröffentlichen würde, wenn dieser das nicht möchte", antwortete er und sah sie über die Schulter hinweg an

„Das würde in diesem Fall aber voraussetzen, dass ich eine ihrer Freundinnen bin, Mr. Wood. Was uns zu der Frage bringt: Bin ich das oder bluffen sie?", setzte Katie ihr Wortgefecht fort

„Sagen sie es mir, Miss Bell. Sind sie eine Freundin von mir?", antwortete er nun mit einer Gegenfrage.

Ganze 2 ½ Minuten sahen sich die Beiden stumm in die Augen, bis Katie schulterzuckend ihr Steak weiteraß. Oliver drehte sich zufrieden grinsend um und setzte sich zu seinen Teamkollegen an den Tisch, die ihn alle etwas verwirrt ansahen. Auch die anderen Gäste, sowie Alec und Joana sahen irritiert von Oliver zu Katie und wieder zurück. Keiner wusste so recht, bei was sie da gerade Zeuge geworden waren.

Einzig und allein Roger hatte verstanden, was hier gerade passiert war und er sah Katie, die ihm am Tisch gegenüber saß, forschend an. Dann sah er zu Oliver rüber, der ihm ein überlegenes Grinsen zuwarf. Roger wusste, dass Oliver hier wesentlich mehr als einen Etappensieg davongetragen hatte. Er hatte Katie schlicht und ergreifend daran erinnert, dass es so was wie einen Ehrenkodex unter Freunden gab, der besagte, dass man bestimmte Infos über Freunde nicht gegen diese nutzen durfte, auch wenn man dadurch einen Vorteil hätte.

Die Frage war nicht mehr, ob Oliver dieses Interview gab oder nicht, sondern ob Katie sich gegen diesen Ehrenkodex stellen würde oder nicht. Und das konnte Roger sich, ehrlich gesagt, kaum vorstellen. Freundschaft bedeutete ihr einfach zuviel.

Aber andererseits kannte er Katie zu gut, um zu glauben, dass sie nicht doch einen Weg finden würde die ganze Sache noch so zu drehen, dass sie zu diesem Vertrauensbruch nicht gezwungen war. Er würde einfach abwarten, was passieren würde. Mit einem letzten Blick zu Oliver und den anderen Puddlemere-Spielern widmete er sich wieder seinem Mittagessen.


Als Lindsey an diesem Abend von einer relative ruhigen Tagesschicht im St.-Mungo's zurückkam, hatte sie das Gefühl im falschen Universum gelandet zu sein. Statt wie in den letzten Tagen grummelnd und mit finsterer Miene auf dem Sofa zu sitzen und in einer Tour Verwünschungen über Katie auszustossen, hantierte ihr Bruder munter vor sich hinpfeifend in der Küche herum.

„Sag mal, ist mit dir alles in Ordnung?", fragte sie vorsichtshalber nach, da ihr das alles nicht wirklich geheuer vorkam

Oliver wirbelte herum und sah seine kleine Schwester gut gelaunt an.

„Sicher. Warum sollte etwas nicht in Ordnung sein?", fragte er zurück und stellte einen Teller mit Aufschnitt zu den Brötchen, die er auf dem Heimweg gekauft hatte.

„Na, vielleicht, weil du seit Tagen mit schlechter Laune die Stimmung hier herunterziehst und jetzt ohne einen ersichtlichen Grund gerade ins vollkommen gegensätzliche Extrem verfällst", schlug sie vor und zog fragend beide Augenbrauen hoch, um ihrer Frage Nachdruck zu verleihen.

Doch statt ihr zu antworten, grinste Oliver sie nur breit an und stimmte summend „We are the champions" an. Lindsey war nun vollkommen verwirrt und verschwand in den Flur und dann nach oben in ihr Zimmer, um sich Mantel und Schuhe zu entledigen und in ihre gemütlichen Couchklamotten zu schlüpfen. Gerade als sie die Wendeltreppe wieder runterkam, rumpelte es im Kamin und Katie betrat mit finsterer Miene das Wohnzimmer.

„Hey, die verlorene Tochter kehrt heim", rief Lindsey aus und strahlte Katie an, „Schön, dass du dich mal wieder blicken lässt. Übrigens gerade am richtigen Tag. Oliver hat seine gute Laune wieder gefunden, auch wenn ich nicht so recht weiß, warum"

„Hmpf", war alles, was von Katie kam.

Sie ließ ihre Freundin kurzerhand im Wohnzimmer stehen und verschwand in der Küche. Lindsey klappte jetzt erst recht der Unterkiefer runter und marschierte geradewegs hinterher. Irgendwie hatte sie das Gefühl, nicht so ganz auf dem neuesten Stand der Dinge zu sein.

„Hallo Katie. Ich hatte nicht wirklich mit dir gerechnet, aber ich kann gerne für dich mit eindecken", begrüßte Oliver sie mit überdurchschnittlich gute Laune.

„Lenk nicht ab, Wood. Das war ganz unterste Schublade, was du dir da heute erlaubt hast", knurrte sie ihn an.

„Ach ja? Tja, wenn du meinst", meinte Oliver schulterzuckend und legte für Katie noch ein Brettchen, Messer und Kaffeebecher auf den Tisch.

„Ja, meine ich", grummelte sie und trat ihm in den Weg, als er sich zum Kühlschrank umdrehen wollte

„Nun komm schon, Katie. Du bist doch nur knatschig, weil ich im Moment der bin, der die Oberhand hat", erwiderte er, sah ihr jetzt amüsiert in die Augen und trat einen Schritt näher an sie heran, „Du konntest es halt noch nie leiden, zu verlieren, stimmt's?"

„Du hast lediglich einen Teilsieg errungen, Wood", fauchte sie und funkelte ihn an

„Und das heißt was genau? Dass du den zweiten Teil der Susan-Carter-Aussage nun doch drucken lässt?", forderte er sie heraus und machte noch einen Schritt auf sie zu, während sie einen zurückging.

„Was, wenn ich es tue?", stellte sie die Gegenfrage und machte noch einen Schritt rückwärts.

„Dann...", begann er leise und machte noch einen Schritt auf sie zu, was Katie noch einen zurückweichen ließ, „...weiß ich genau, dass...", Oliver machte noch einen Schritt mehr, womit er Katie endgültig mit dem Rücken am Kühlschrank festnagelte, was diese zu spät realisierte, „... dir deine Karriere wichtiger ist, als unsere Freundschaft"

„Unsere Freundschaft in diese Sache einzubringen ist ein ziemlich hinterhältiger Schachzug, Wood", antwortete sie und versuchte zur Seite auszuweichen.

Oliver hatte dies aber wohl geahnt oder es waren schlicht und ergreifend seine Hüterreflexe, die ihn dazu brachten, seine Hände zu beiden Seiten neben Katie's Kopf an den Kühlschrank zu legen und sie damit daran hinderte, ihm zu entkommen.

„Ich kämpfe nun mal mit den Waffen, die mir zur Verfügung stehen, Bell. Du hast das gleiche gemacht, als du Susan Carter zu einer Aussage gebracht hast", erwiderte er ruhig und ließ sie dabei nicht aus den Augen.

Er merkte, dass Katie gar nicht begeistert davon war dass er sie im Augenblick sowohl körperlich als auch verbal unter Kontrolle hatte. Und es amüsierte ihn ungemein, zu sehen, wie sie nach einem Ausweg suchte, was sowohl das eine als auch das andere betraf, ohne es ihn merken lassen zu wollen.

„Ganz ehrlich, Bell. Ich glaube nicht, dass du diese Aussage drucken lässt. Ich bin mir sogar ziemlich sicher, dass du das nicht tust", meinte er, wobei seine Stimme zu einem Flüstern wurde und er sich langsam zu ihr runterbeugte.

Katie wusste nicht mehr so recht, wie sie überhaupt in diese Situation geraten war. Eigentlich hatte sie vorgehabt, Oliver zu sagen, dass sie sich nicht davon beeindrucken ließ, dass er ihre Freundschaft in die ganze Sache einbrachte. Und das sie trotzdem einen Weg finden würde, ihn entweder zu einem Interview zu bringen, oder aber ihre Leser zufrieden zu stellen, ohne ihre Freundschaft zu verraten.

Stattdessen fand sie sich zwischen Oliver und dem Kühlschrank gepinnt wieder, ohne eine Chance ihm zu entkommen. Im Gegenteil. So wie es aussah, lief er gerade erst zur Hochform auf und sie hatte das ungute Gefühl, dass er heute das zweite Mal als Sieger hervorgehen würde. Nur war diese Auseinandersetzung nicht professionell-verbal, sondern...

Sondern was? Was passierte hier gerade? Wieso hatte sie gerade einen so verflucht trockenen Mund? Und seit wann, zum Henker, hatte Oliver Wood so verdammt hypnotisierende, schokoladenbraune Augen?

„Oliver...?", flüsterte sie leise, als er sich noch näher zu ihr runterbeugte

„Katie?", fragte er zurück, ohne jedoch den intensiven Blickkontakt zu unterbrechen

„Was genau...was wird das, wenn...?", stammelte sie verwirrt

„Wenn was?", fragte er und wenn man genau hinhörte, konnte man feststellen, dass ihm diese ganze Situation gewaltigen Spaß machte. Immerhin geschah es nicht oft, dass die wortgewaltige Katie Bell nicht recht wusste, was sie sagen sollte.

„Was ...hast du gerade ...vor?", schaffte sie es schließlich doch, eine halbwegs normale Frage zu stellen

„Sicherstellen, dass dir unsere Freundschaft mehr bedeutet, als die Karriere, Kitty-Kat", flüsterte er jetzt so leise, dass sie ihn gerade noch hören konnte. Allerdings war er ihr jetzt so nah, dass nur noch ein paar Zentimeter Luft zwischen ihnen waren, „So unumstößlich sicherstellen, dass du nie auf die Idee kommst, es doch andersrum zu sehen"

Katie hatte gerade noch Zeit, verwirrt die Augen aufzureißen, bevor Oliver auch die letzten Zentimeter zwischen ihnen überwand.

In dem Moment, als Oliver ihre Lippen mit seinen verschloß, wusste Katie, dass sie, zumindest für heute, verloren hatte. Was als sanfte, unschuldige Berührung begann, wurde langsam aber sicher intensiver.

Katie hatte längst die Augen geschlossen und sich diesem Ansturm von Gefühlen ergeben. Verwirrung kämpfte mit der Vernunft, Angst und Unsicherheit, was die Frage betraf, ob dies nur eine Demonstration von Überlegenheit war oder nicht, wurde von der Überzeugung abgelöst, dass dies im Augenblick eigentlich absolut zweitrangig war. Einen kurzen Moment dachte Katie noch daran, dass Susan Carter absolut recht gehabt hatte, als sie von Oliver Woods Kuß-Talent schwärmte. Wer auch immer ihm beigebracht hatte, so zu küssen, hatte einen Orden verdient. Dann verlor sie sich in Olivers Armen.

Sanft und genießerisch knabberte er an Katies Unterlippe und stupste sie dann mit der Zunge an. Völlig automatisch öffneten sich Katies Lippen und ihre Zungen trafen sich zu einen langsamen sinnlichen Tanz. Er neckte sie, lockte, zog sich zurück, nur um gleich darauf wieder hungrig und leidenschaftlich in ihren Mund vorzudringen.

Seine linke Hand hatte er in Katies Haar gewühlt, während seine rechte langsam ihren Rücken rauf- und runterfuhr. Ohne dass sie es bemerkte, hatte er sie vorsichtig vom Kühlschrank wegbewegt und hatte sie die paar Meter zum Wohnzimmer rübergedrängt, ohne jedoch den Kuß zu unterbrechen. Lindsey hatte sich längst unbemerkt in ihr Zimmer verzogen, als sie merkte, dass die Stimmung merklich umschlug.

Erst als Katie die Sofalehne in ihren Kniekehlen spürte wurde ihr bewusst, dass sie sich von der Stelle bewegt hatten. Erschrocken schnappte sie nach Luft und sah Oliver verwundert an. Dieser lächelte jedoch nur und verwickelte sie gleich darauf wieder in einen heißblütigen Kuß, während er sich mit ihr zusammen auf das Sofa sinken ließ.

Langsam ließ er seine Hand an ihrer rechten Seite entlang gleiten, streifte über ihre Hüfte und den Oberschenkel und wanderte ebenso sanft und zärtlich wieder an ihren Körper nach oben.

Katie hatte längst die Fähigkeit zu vernünftigem Denken verloren und gab sich Olivers Zärtlichkeiten hin. Ihr jagte eine Gänsehaut nach der anderen über den Rücken und sie hatte das Gefühl für Zeit komplett verloren.

Nach einer halben Ewigkeit, als sie kurz davor war, atmen als absolut unwichtig einzuordnen, ließ Oliver von ihr ab. Langsam öffnete sie die Augen und sah, dass Oliver halb aufgerichtet noch immer mit seinem kompletten Körpergewicht auf ihr lag und sie mit einem verschmitzten Lächeln ansah.

„Und?", fragte er nach einer Weile leise, „Konnte ich dich überzeugen?"

Katie glitt ein kapitulierendes Lächeln über die Lippen.

„Ja, ich denke schon", erwiderte sie leise, „Vorerst zumindest"

„Na, mit der Antwort kann ich leben", meinte er zufrieden und grinste dann, „Vorerst zumindest"

Auch Katie grinste kurz, sah ihn gleich darauf aber nachdenklich an. Oliver sah fragend zurück.

„Wo, zur Hölle, hast du gelernt, so zu küssen?", fragte sie schließlich neugierig.

„Nun, unter anderem, bei Susan Carter", antwortete er schmunzelnd, „Aber auch bei er ein oder anderen vorher und danach. Man lernt halt nie aus"

„Scheint so", meinte sie

„Aber deine Kussfähigkeiten sind auch nicht von Pappe, Kats", gab er zu, „Du hast deine Lektionen auch sehr gut gelernt, wie mir scheint"

„Man tut was man kann", erwiderte Katie verschmitzt

„Ach ja?", entfuhr es Oliver jetzt und er setzte sich auf, „Heißt das, dass du dieses Talent öfters einsetzt?"

„Naja, wenn es mir was bringt? Warum nicht?", antwortete Katie schulterzuckend, woraufhin Oliver nicht so recht wusste, ob er ihr das glauben sollte oder nicht, „Das bringt mich doch jetzt glatt dazu, mal zu fragen, wie es mit einem Interview aussieht, Mr. Wood. Habe ich eine Chance?"

Ein teuflisches Grinsen glitt Katie über das Gesicht, als sie Olivers verdutzte Miene sah.

„Ich glaub's ja nicht. Da gebe ich vollen Körpereinsatz, um dich von dieser Idee abzubringen und dann kommst du trotzdem noch damit an. Na warte, das treibe ich dir schon noch aus", brachte er schließlich hervor und griff nach dem Sofakissen hinter ihm, um damit auf Katie zu zielen.

Diese war allerdings nicht umsonst die beste Jägerin in seinem Team gewesen. Mit einer schnellen Bewegung war sie auf den Beinen, fing das Kissen in der Luft ab und schleuderte es auf Oliver zurück. Ohne sich umzusehen griff sie hinter sich und griff die beiden Kissen, die im Sessel lagen und schoß sie hinterher, so dass Oliver in einem Kissenregen unterging und flüchtete gleich darauf die Treppe hoch auf ihr Zimmer zu.

„He, flüchten gilt nicht. Bleib gefälligst hier und stell dich oder ich komm dir hinterher", brüllte er ihr nach und versuchte, dem ganzen einen drohenden Ton zu verleihen, was ihm aber völlig mißlang

„Na dann tu das doch. Ich warte", rief sie zurück und nahm, im Gegensatz zu ihren Worten, immer zwei Stufen auf einmal um soviel Abstand wie möglich zwischen sich und Oliver zu bringen

„Du hast es nicht anders gewollt", knurrte er und war schon halb die Treppe hoch, bevor sie recht realisierte, dass er hinter ihr her rannte

Lachend und schreiend floh sie in ihr Zimmer, schlug die Tür hinter sich zu und schloß ab, kurz bevor Oliver sie erwischte. Lachend ließ sie sich auf ihr Bett fallen und grinste in sich hinein.

Oliver mochte sie zwar kurzzeitig aus dem Konzept gebracht haben, aber sie war Profi genug um zu wissen, wann sie einen Treffer landen konnte. Und mit diesem Treffer hatte er nicht gerechnet. Dass hatte sie ihm angesehen. Trotzdem, sie musste aufpassen, dass er sie nicht noch mal so aus der Bahn warf, wenn sie auch am Ende siegen wollte. Aber konnte sie das nach diesem Kuß? Sie wusste es nicht, aber sie würde sich Mühe geben. Sie wollte dieses Interview und sie würde es bekommen. Da musste schon mehr als ein Kuß kommen. Zumindest redete sie es sich an diesem Abend immer wieder ein.

Oliver stieg unterdessen mit nachdenklicher Miene die Treppe wieder runter und machte sich über das Abendessen her. Als Lindsey sich nach einer Weile nach einer Weile zu ihm gesellte und ihn fragend musterte zuckte er nur unsicher mit den Schultern und kaute schweigend weiter auf seinem Brötchen rum. Im Nachhinein hatte er keine Ahnung, was da gerade in ihn gefahren war und er wußte nicht so recht, wie er sich das nächste mal verhalten sollte, wenn er Katie sah. Würde sie ihm diesen Überfall übel nehmen? Oliver hatte ein ungutes Gefühl und hoffte, dass er sich mit dieser Aktion nicht alles bei ihr verscherzt hatte. Irgendwie war sie in den letzten Wochen wesentlich mehr für ihn geworden, als nur eine seiner ehemaligen Jägerinnen. Er wollte mehr, als bloß Freundschaft. Aber wollte Katie das auch?

Es blieb ihm nur, abzuwarten und zu sehen, wie es weiterging. Spätestens morgen früh würde er wissen, wie Katie die ganze Sache wirklich aufgefasst hatte. Und solange konnte er noch von mehr als Freundschaft träumen.


A/N: Tja, da haben die Zwei ein Eigenleben entwickelt. Eigentlich sollte es hier noch nicht soweit kommen, aber da haben sie mich wohl eines besseren belehrt und mein Drehbuch kurzerhand über den Haufen geschmissen. Nun sollte ich mir schleunigst überlegen, wie sich das weiterentwickelt, denn da ist ja immer noch Lee, der ja zur Zeit offiziell mit ihr zusammen ist und Roger hat ja auch noch nicht aufgegeben. Man schauen, ob die beiden noch eine Chance haben. Im Moment führt Oliver aber klar nach punkten.

In der Zwischenzeit könnt ihr mir ja mal ein kurzes Feedback geben, wie ihr dieses Kapitel gefunden habt und ob meine zwischenmenschliche Szene überzeugend war. Habe nämlich so etwas erst zum zweiten mal geschrieben und bin etwas unsicher.