TURN BACK TIME
Die Geschichte einer wundersamen Reise
Die letzten Feinheiten der Kunst stets zurückbehalten
eine Maxime großer Meister.
- Baltasar Gracián y Morales (1601-58), span. Philosoph u. Schriftsteller -
Kapitel 8 – Marauder-Payback
Fünf Tage waren seit dem Halloweenchaos vergangen und seit vier Tagen konnte man die Marauder mit Schrubberbürsten, Scheuertüchern und Wassereimern bewaffnet auf Knien durch die Eingangshalle rutschen sehen. Am Sonntag hatten sie es noch geschafft, ihrer Hauslehrerin zu entkommen, aber am Montag gelang dies nicht mehr, wenn sie nicht den kompletten Unterricht schwänzen wollten. Am Ende der Verwandlungsstunde hatte Professor McGonagall die vier Jungs zurückgehalten, als sie sich gerade mit den anderen davonmachen und ihre Mittagspause genießen wollten. Aber das lief ihnen nicht mit.
Als sie schließlich knappe zehn Minuten später am Gryffindortisch aufgetaucht waren, hatte sich jeder von ihnen zwei Wochen Strafarbeiten eingefangen. Harry und Ginny sahen sich kurz etwas schuldbewußt an, doch dann zuckten beide synchron mit den Schultern und aßen weiter. Immerhin hatten die vier die Fledermausschwärme und Riesenkürbisse verzaubert, also waren sie zumindest nicht ganz unschuldig. Und wer wusste schon, wieviel mehr sie sich in all den Jahren eingefangen hätten, wenn man ihnen jedes Mal auf die Schliche gekommen wäre. Mit zwei Wochen Boden schrubben waren sie noch sehr gut weggekommen. Trotzdem, ein leichtes Unbehagen blieb ihnen doch.
„Meinst du nicht, dass wir ihnen so langsam mal ein wenig helfen sollten?", meinte Ginny am Donnerstag Abend, als sie und Harry auf einem Treppenabsatz saßen und durch die Geländerpfosten in die Eingangshalle runtersehen konnten.
„Nein, warum?", fragte Harry zurück und blätterte lustlos in einem dicken Wälzer herum, den er vor zwei Tagen in der Bibliothek gefunden hatte. Ab und zu schielte er immer wieder zu den schrubbenden Gestalten einen halben Stock tiefer runter und konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen.
„Naja, immerhin haben sie ja nicht alles verbrochen, was an Halloween passiert ist. Wir sind schließlich auch keine Unschuldslämmer gewesen.", erklärte Ginny, konnte aber auch ein Grinsen nicht unterdrücken, als sie sah, wie Sirius seine Scheuerbürste so heftig über den Boden hin und herbewegte, als ob er vorhatte, ein Loch durch die Steinplatten zu schrubben. „Wir sollten zumindest den Sumpf verschwinden lassen."
„Damit die Slytherins wieder essen können? Vergiss es. Ich mag den Anblick von Snape und Bellatrix am Hufflepufftisch." Harry grinste Ginny breit an. „Die fühlen sich da so herrlich fehl am Platz. Warum sollten wir diesen Anblick nicht noch ein wenig länger genießen?"
„Weil mir die Hufflepuffs leid tun und die Slytherins den Maraudern absichtlich ständig den Matsch aus dem Sumpf durch die Halle latschen und die sich dadurch dumm und dusselig schrubben."
„Die können noch froh sein, dass sie nur die Eingangshalle schrubben müssen und nicht die große Halle. Die ist nämlich erstens fast fünfmal so groß und zweitens durch eben diesem Sumpf auch schwerer sauber zu bekommen."
Trotzdem.", beharrte Ginny auf ihren Standpunkt. „Ich meine, es hat ja schon was, seinen ehemaligen Verteidigungslehrer und einen entflohenen, zu Unrecht verurteilten Massenmörder Böden schrubben zu sehen, aber irgendwann reicht es. Die büßen da unten für etwas, wo sie nur zur Hälfte dran Schuld sind und ausgerechnet wir sehen ihnen auch noch dabei zu."
„He", verteidigte Harry sich und klappte das Buch mit einem dumpfen Schlag zu, dass Remus und James unter ihnen erschrocken zusammen zuckten und Peter rücklings mit dem Po in einen Wassereimer fiel. „Du wolltest dir das ansehen, nicht ich. Damit das mal klar ist."
„Ja, ja. Ist ja schon gut.", beruhigte Ginny ihn und sah aus dem Augenwinkel, wie Sirius ihnen einen finsteren Blick zuwarf. „Ich gebe es ja zu. Also, lassen wir jetzt den Sumpf verschwinden? Ich glaube nämlich, dass die vier da unten langsam ahnen, dass wir dahinter stecken."
„Na, wenn nicht, hätte es mich auch schwer enttäuscht.", meinte Harry und stand auf, um sich über das Geländer zu beugen, damit er im richtigen Winkel in die große Halle sehen und zielen konnte. „Und spätestens gleich wissen sie es mit Sicherheit."
Ginny nickte und stand ebenfalls auf, um im Notfall schneller verschwinden zu können, falls sich einer der vier dazu entschließen sollte, zu ihr und Harry hochzurennen und ihnen aus Rache für die zu Unrecht verbüßte Strafe einen Eimer Schmutzwasser über den Kopf zu kippen. Harry hatte unterdessen seinen Zauberstab gezogen und beschwor leise die Gegenformel des Sumpfes. Dabei konnte er ein breites Grinsen nicht verhindern, denn Fred und George hatten sich bei diesem Scherzartikel zu einem Passwort als Gegenmittel entschieden und gerade dieses Passwort war es, dass Harry jedes Mal in Belustigung versetzte, wenn er daran dachte. Es wäre gerade für die vier Jungs da unten so leicht gewesen, den Sumpf loszuwerden, wenn sie es nur gewußt hätten.
„Unheil angerichtet.", flüsterte er leise und ein lilafarbener Blitz schoss aus seinem Zauberstab auf den Sumpf zu, der sofort mit einem Knall verschwand, sobald der Blitz ihn erreicht hatte.
Ruckartig fuhren die Köpfe der Marauder zur großen Halle rum und dann wieder zu Harry und Ginny hoch, die jetzt breit grinsend zu den vieren herunter sahen. Einen Augenblick lang herrschte vollkommene Verblüffung bei den Maraudern, doch dann sprang Sirius wie der Blitz auf die Füße und stürmte die Treppe hoch. Dabei schleuderte er so wild mit seinem Scheuertuch herum, dass er fast einige Erstklässler aus Ravenclaw von den Stufen gefegt hätte.
„BLEIBT STEHEN, IHR MISTKRÖTER UND STELLT EUCH. IHR SOLLTET DA UNTEN BÖDEN SCHRUBBEN. NICHT WIR. WENN ICH EUCH IN DIE FINGER KRIEGE SEHT IHR NOCH ÜBLER AUS ALS SCHNIEFELUS AM ALLGEMEINEN WASCHTAG. DA GEBE ICH EUCH MEIN VERDAMMTES BLACK'SCHES WORT DRAUF!", brüllte er Harry und Ginny nach, die allerdings schon laut lachend die Treppe raufrannten und sich vor einem tobenden Sirius Black mit einem Scheuertuch in der Hand in Sicherheit brachten.
Grummelnd blieb er auf genau dem Treppenabsatz stehen, auf dem Harry und Ginny vor kurzem noch gesessen hatten und fluchte leise vor sich hin. Schließlich schleuderte er das Scheuertuch sauer auf den Boden, drehte sich wortlos um und ging die Treppe wieder runter, wo ihn seine grinsenden Freunde erwarteten.
„Findet ihr das etwa lustig?", knurrte er und klang jetzt schon fast so, wie er in seiner Animagusform klang.
„Naja", grinste Remus und sah ihn belustigt an. „Irgendwie ist das doch schon zum schießen, oder nicht?"
„Was?", fragte Peter, als Sirius Remus nur verdutzt ansah. „Dass wir von zwei Neuen ausgespielt wurden?"
„Genau das.", nickte Remus und warf entschlossen die Scheuerbürste in den Wassereimer neben sich, dass es nur so spritzte. „Da wagt es jahrelang keiner, so megagroßen Blödsinn anzustellen wie wir..."
„...weil sie wissen, dass wir nicht zu toppen sind...", warf James ein.
„...und dann kommen da zwei Neue daher, spielen uns unbemerkt an die Wand und lassen uns dafür Böden schrubben. Also, wenn das nicht zum wegschmeißen ist, weiß ich es auch nicht.", meinte Remus kopfschüttelnd.
„Hmmm.", meinte Peter jetzt und kickte eine der unzähligen Scheuerbürstem mit dem Fuß an, sodass sie gegen die nächste Wand flog. „Und was machen wir jetzt?"
„Wir überlegen uns, wie wir den beiden das heimzahlen können. Ich schrubbe jedenfalls keinen einzigen Quadratzentimeter mehr, wenn die nicht mitschrubben.", brummelte Sirius vor sich hin.
„Bin ganz deiner Meinung, Padfoot.", stimmte James ihm zu. „Und ich weiß auch schon wie."
Harry und Ginny verbrachten den restlichen Abend außerhalb der Reichweite der Marauder. Die meiste Zeit davon saßen sie ein der Bibliothek und erledigten ihre Hausaufgaben, die neben der Suche nach Informationen über ihre unfreiwillige Reise immer wieder zu kurz kamen. Sie hatten sich einen der hinteren Tische erkämpft und wühlten sich durch die Hausaufgaben für Zauberkunst, Verwandlung und Zaubereigeschichte in Ginnys Fall und Zaubertränke, Verwandlung und Kräuterkunde in Harrys Fall. Nur in Verteidigung hinkten sie selten hinterher, da sie durch ihr DA-Training im letzten Schuljahr dem normalen Lehrstoff doch um einiges voraus waren. Zumindest in der Praxis. Die Theorie war da nur noch ein wenig Fleißarbeit, die ihnen beiden recht schnell von der Hand ging.
Beide vergaßen aber während ihrer Hausaufgabensitzung nicht, regelmäßig auf ihre eigene Version der Marauders-Map zu schauen. Dadurch wussten sie genau, dass die Marauder irgendetwas ausbrüteten, denn nachdem sie alle zusammen eine Weile in einem leeren Klassenzimmer gewesen waren, verzogen sie sich jetzt zielstrebig in verschiedene Richtungen.
„Also, mich würde ehrlich mal interessieren, was die vier da ausgebrütet haben.", murmelte Ginny vor sich hin, die gerade Remus verfolgte, der aus einem Gang trat, der zu den Kerkern runterführte.
„Was auch immer es ist, ist etwas, woran wir heftig zu knabbern haben werden.", antwortete Harry ohne von seinem Verwandlungsaufsatz über die Gesetze zur Animagi-Verwandlung aufzusehen. „Wir sollten nachher genau aufpassen, wo sie sind, denn die werden sich auf ihre eigene Art an uns rächen."
„Unter Garantie.", meinte Ginny, die zwar neugierig über die Art der Marauderrache wirkte, aber nicht wirklich beunruhigt darüber.
Harry ging es ebenso. Wahrscheinlich lag das daran, dass sie beide selber nicht gerade Unschuldslämmer waren und zu einem recht großen Teil lag es wahrscheinlich auch daran, dass sie zu viele von Freds und Georges Streichen miterlebt hatten. Und da die sogar unter den Lehrern als würdige Maraudernachfolger galten, hatten Harry und Ginny inzwischen eine recht hohe Schmerzgrenze in Sachen Streiche entwickelt.
Beim Abendessen waren Harry und Ginny vor den Maraudern am Gryffindortisch. Sie waren gerade mit Lily und Alice in ein Gespräch vertieft, als die vier Jungs sich etwas weiter unten am Tisch niederließen und sich gar nicht um Harry und die drei Mädchen kümmerten, sondern gleich anfingen, hungrig über das Essen herzufallen.
Harry sah Ginny mit fragend hochgezogener Augenbraue an, doch diese zuckte nur ahnungslos mit den Schultern. Lily und Alice entging dies jedoch nicht.
„Ist irgendwas?", fragte Lily Harry und sah ihn von der Seite aus fragend an. „Irgendwie seht ihr zwei leicht angespannt aus."
„Das scheint nur so", meinte Harry abwehrend. „Ist irgendwie so eine blöde Angewohnheit von uns, öfter mal so zu wirken."
„Sind das Erfahrungswerte oder einfach nur Verfolgungswahn?", hakte Alice nach und griff nach der Schüssel mit den Bratkartoffeln.
„Wahrscheinlich eine gesunde Mischung aus beidem", murmelte Ginny und sah Harry verstohlen grinsend an.
Harry erwiderte das Grinsen mit einem wissenden Gesichtsausdruck. Ginny hatte seine Worte vom Anfang des Schuljahres wiederholt. Worte, die leider nur allzu wahr waren und von denen er oft wünschte, dass sie es nicht wären. Sein Leben war bisher einfach viel zu chaotisch verlaufen.
Harry angelte mit der Gabel quer über den Tisch und spießte eine Bratwurst auf.
„Was auch immer du damit meinst.", erwiderte Alice ungerührt und drehte sich zu einem Mädchen um, dass sie gerade von der anderen Seite angesprochen hatte.
Lily sah unterdessen stirnrunzelnd zu Sirius rüber, der gerade über zwei Tische hinweg mit drei Hufflepuffmädchen gleichzeitig flirtete.
„Hat dieser Kerl eigentlich überhaupt keine Hemmungen?", fragte sie genervt in die Runde. „Und vor allem, haben diese dämlichen Gänse überhaupt keinen Verstand? Merken die denn nicht, dass er sie nur verarscht?"
„Wahrscheinlich wissen sie es.", antwortete Harry schulterzuckend und biß in seine Bratwurst. „Aber wahrscheinlich macht es ihnen nicht wirklich was aus."
„Kann man ja auch verstehen, so wie der aussieht.", meinte Ginny verschmitzt lächelnd. „Er weiß halt, wie er auf die Mädchen wirkt und diese Mädchen wissen halt, dass sie zu den begehrten Mädchen der Schule gehören, wenn sie von ihm angeflirtet werden. Das ist so eine Art Symphathieskala."
„Jetzt sag bitte nicht, du stehst auch auf ihn".
Lily sah Ginny schockiert-entsetzt an, doch diese kaute völlig ungerührt an ihrer Bratwurst weiter.
„Ach was.", winkte sie ab. „Ich stehe eher auf Jungs mit wirren Haaren."
„Potter ist auch nicht gerade besser.", brummte Lily, doch Ginny bemerkte, wie sie bei diesem Namen einen verstohlenen Blick zu James rüberwarf und sich ein merkwürdiges Funkeln in ihre Augen schlich.
„Wer spricht denn von James?", fragte Ginny und sah Harry schmunzelnd an, der ihr zulächelte und gerade den letzten Bissen von seiner Bratwurst runterschluckte. „Den überlasse ich dir."
„WAS?", rief Lily lautstark aus, sodass bis zu den Maraudern runter alle zu ihr rübersahen. Alice hatte sich lachend an ihren Bratkartoffeln verschluckt und mußte von ihrer Sitznachbarin mit Schlägen auf den Rücken gerettet werden. Lily sah Ginny jetzt finster an und sprach leise weiter. „Ginny Weatherby, wenn du noch einmal so einen Blödsinn von dir gibst, kriegen wir zwei gewaltig Ärger miteinander. Ich will nichts von James Potter und das wird auch immer so bleiben. Verstanden?"
„Wenn du meinst.", erwiderte Ginny, konnte sich aber ein breites Grinsen nicht verkneifen.
Auch Harry lachte jetzt laut auf, doch dieses Lachen blieb ihm gleich darauf im Hals stecken. Vollkommen unvorbereitet und dementsprechend erschrocken verlor er gerade den Boden unter den Füßen bzw die Bank unter dem Hintern und er stieg langsam aber sicher schwebend zur Hallendecke empor. Ungläubige Blicke verfolgten seinen langsam schwebenden Aufstieg in den sternenklaren Abendhimmel.
„Aaaahhhhh!", rief plötzlich jemand neben ihm und Harry sah, dass Ginny inzwischen ebenfalls jegliche Bodenhaftung verloren hatte. „Harry, was ist hier los?"
„Ich habe keine Ahn...", fing Harry verwirrt an, doch er stockte, als sein Blick Sirius und James streifte, die ihn und Ginny mit hochzufriedenen Mienen angrinsten.
„Verdammt!", fluchte er halblaut los. „Wie haben die das bloß angestellt?"
„Was?", fragte Ginny irritiert, da sie immer noch versuchte, einigermaßen koordiniert durch die Halle zu schweben.
„Die Rache der Marauder.", erklärte Harry knapp und nickte zu den vier Jungs rüber.
Ginny folgte seinem Blick und sah jetzt ebenfalls zu den Maraudern rüber. Auch sie sah jetzt das zufriedene Grinsen von James und Sirius und auch die schmunzelnden Blicke, die von Remus und Peter kamen.
„Mist!", fluchte jetzt auch Ginny.
Unten in der Halle waren inzwischen auch die übrigen Schüler und die Lehrer auf das Vorgehen am, oder besser gesagt, über dem Gryffindortisch aufmerksam geworden. Mehrere Lehrer waren schon unterwegs, um die beiden Schwebenden von ihrem Schicksal zu befreien. Doch jedes Mal, wenn einer der Lehrer unter ihnen ankam, bekamen Harry und Ginny wie von unsichtbarer Hand, einen ordentlichen Schubs und sie schossen ein Stückchen weiter durch die Halle.
„Wißt ihr, es gibt einen ganz einfachen Weg, wie ihr da wieder runterkommt.", rief James ihnen gerade zu, als sie direkt über ihnen zum Stillstand kamen.
„Ach ja?", knurrte Ginny finster. „Und welchen?"
„Manchmal wirken Geständnisse Wunder, Ginny-Darling.", säuselte Sirius ihr dämonisch grinsend zu.
„Vergeßt es.", antwortete Harry jedoch. „Was bitteschön sollten wir denn gestehen?"
„Naja", meinte Remus jetzt. „vielleicht, was ihr am letzten Samstag so getan habt?"
„Wir waren in Hogsmeade, haben Abends das Halloweenessen genossen und uns über eure Streiche amüsiert. Was soll daran so besonders sein, dass wir es hier vor der versammelten Schule erwähnen sollen?", fragte Harry die vier herausfordernd.
Ginny sah ihn verdutzt an, doch Harry sah ihr nur eindringlich in die Augen. Irgendwie hatte er das Gefühl, dass die vier von sich aus nichts sagen würden, sondern darauf warteten, dass Harry und Ginny es „freiwillig" zugaben. Und so schlimm war ihr derzeitiger Zustand ja nun auch nicht.
„Unsere Streiche?", fragte James gespielt überrascht und sah dann Sirius, Remus und Peter nacheinander an. „Wovon spricht der Kerl da bloß?"
„Ich schätze, von den schülerfressenden Monsterkürbissen.", grinste Peter mit einem Blick zu Harry und Ginny.
„Und von den außer Rand und Band geratenen Fledermausschwärmen.", meinte Remus grinsend.
„Vom eigenen Verteidungslehrer außer Gefecht gesetzt werden. Das nenne ich Galgenhumor.", murmelte Ginny leise, sodass nur Harry sie hören konnte.
„Du vergißt meinen Vater, meinen Paten und eine verräterische, kleine Ratte.", meinte Harry genauso leise und warf Peter einen mörderischen Blick zu, der diesen erschrocken zusammen zucken ließ.
„Und vielleicht meint Mr. Granger auch den Sumpf, der die Slytherins verschluckt hat und das Höllenfeuerwerk, dass Sie gezündet haben.", meinte in diesem Moment Professor McGonagall hinter den Maraudern, die sich ertappt umsahen. „Und wenn man bedenkt, dass Sie ihre Strafe dafür immer noch nicht abgearbeitet haben, grenzt diese Aktion hier schon an grenzenlose Unverfrorenheit. Sie werden sich heute Abend noch bei mir in meinem Büro melden und dann werden wir uns mal über Ihr Benehmen unterhalten. Und jetzt lassen Sie sofort diese beiden herunter. SOFORT!"
Mit schmalen Lippen und kerzengeradem Rücken rauschte Professor McGonagall wieder Richtung Lehrertisch davon. Harry und Ginny sahen sich mit unwohlem Gesichtsausdruck an.
„Jetzt kriegen die noch mehr Ärger.", murmelte Ginny leise. „Und das nur, weil wir auch unseren Beitrag zu Halloween geleistet haben."
„Du hast Recht.", meinte Harry nachdenklich. „Bisher war das ja noch ein kleiner Privatkampf mit den vieren, aber jetzt ist der Bogen langsam überspannt. PROFESSOR MCGONAGALL!"
Die Hauslehrerin von Gryffindor sah sich überrascht um und als sie bemerkte, dass die beiden Neugryffindor immer noch hoch über dem Gryffindortisch schwebten, warf sie den Maraudern einen ihrer gefürchteten eisigen Blicke zu.
„HABE ICH MICH GERADE NICHT KLAR GENUG AUSGEDRÜCKT, MEINE HERREN?", brüllte sie völlig gegen ihre eigene Gewohnheit quer durch die Halle, wodurch alle vier Marauder erschrocken zusammen zuckten und nach ihren Zauberstäben griffen.
„Wagt es ja nicht.", zischte Harry ihnen zu, was die vier nur noch mehr verwunderte. „PROFESSOR, DIE VIER HIER HABEN RECHT. GINNY UND ICH SIND NICHT GANZ SO UNSCHULDIG AN DEM HALLOWEENCHAOS, WIE ES SCHEINT. DER SUMPF UND DAS FEUERWERK GEHT AUF UNSERE KOSTEN UND DIE VIER SOLLTEN NICHT FÜR ETWAS BüßEN, WAS SIE NICHT VERBROCHEN HABEN. AUCH WENN SIE WAHRLICH KEINE UNSCHULDSLÄMMER SIND."
Diesen kleinen Seitenhieb am Schluß konnte sich Harry dann doch nicht verkneifen. Doch bevor er sich über das vollkommen überrumpelte Gesicht von seiner Hauslehrerin wundern konnte, stürzte er aus knapp dreieinhalb Metern ab und begrub Peter und einen Drittklässler unter sich. Ginny landete dagegen in vollem Flug direkt in Sirius Armen, der sie mehr als anzüglich angrinste.
„Na, na, na. Nicht so stürmisch, junge Frau.", meinte dieser mit seiner Verführerstimme und sah ihr dabei tief in die Augen. „Für so ein hübsches Mädel wie dich, bin ich doch jederzeit zu haben."
„Black, wenn du nicht sofort aufhörst, mit meinem Mädchen zu flirten, lernst du mich mal richtig kennen.", knurrte Harry in diesem Moment zu Ginnys Verblüffung.
Fragend sah sie Harry an und auch die anderen im Umkreis sahen Harry erstaunt an. So besitzergreifend in Bezug auf Ginny hatten sie Harry bisher noch nicht erlebt.
„Was ist?", fragte Harry in die Runde und sah dann Ginny direkt an. „Immerhin waren wir beide mal zusammen. Da ist es doch kein Wunder, wenn mir irgendwann der Geduldsfaden reißt, wenn dieser Casanova ständig mit dir flirtet."
„Ach, so ist das.", meinte James erstaunt und fing dann wieder an zu grinsen. „Ihr zwei seid mehr als nur gute Freunde."
„Wir waren mehr als nur gute Freunde", seuftze Harry und sah Ginny jetzt ein wenig traurig an. „Aber das ist schon eine Weile her."
„Und woran ist es gescheitert?", hakte Sirius neugierig nach und stellte Ginny wieder auf ihre eigenen Füße. „Hattest du Ärger mit Weatherby eins bis sechs?"
„Nein.", lächelte Ginny und warf Harry einen Blick zu. „Weatherby eins bis sechs - mit Ausnahme von Weatherby drei, der von nichts wußte – hatten kein Problem mit einem Granger als Schwager."
„Unsere Beziehung hat aus anderen Gründen nicht funktioniert.", gab Harry Auskunft. „Die Umstände haben uns keine Wahl gelassen."
„Umstände?", fragte Remus geschockt und sah Ginny baff an, die jedoch nur die Augen verdrehte.
„Nicht solche Umstände, Remus Lupin.", brummte sie. „Es waren eher die allgemeinen Lebensumstände, die uns keine andere Wahl gelassen haben."
„Ich merke schon, wir bekommen keine genaue Antwort.", meinte James mit einem Blick zu Harry und Ginny. „Gehört wohl auch zu den Sachen, über die ihr nicht sprechen dürft."
„Stimmt.", meinte Harry und warf Ginny einen Blick zu, bevor er langsam aufstand. Ginny tat es ihm gleich. „Und jetzt entschuldigt uns bitte. Wir müssen noch kurz in die Bibliothek. Unsere „Flugstunde" hat uns schon viel zu viel Zeit gekostet."
Mit diesen Worten ging er hinter Remus und Peter lang auf die Eingangstür zu. Hinter Remus blieb er jedoch kurz stehen und flüsterte ihm etwas ins Ohr, worauf dieser ihn überrascht und verwirrt an. Als er an der Tür mit Ginny zusammentraf, die auf der anderen Seite des Tischs auf die Tür zugegangen war, sah diese ihn fragend an.
„Was hast du Remus denn gerade zugeflüstert?", fragte sie neugierig. „Der hat ja ein Gesicht gezogen, als ob du ihm gesagt hättest, dass der Vollmond ab sofort gesetzlich verboten wird."
„Das würde ich ihm von Herzen wünschen.", grinste Harry breit. „Aber das war es leider nicht. Ich habe ihm das Gegenmittel für den Sumpf verraten und das scheint ihn etwas aus dem Konzept gebracht zu haben."
„Etwas ist gut.", meinte Ginny lachend, die noch einen letzten Blick über die Schulter warf und sah, dass Remus sie immer doch sprachlos und mit offenem Mund musterte. „Dem hat es vollkommen die Sprache verschlagen."
A/N: Hey, freut euch. Es ist Freitag und es gibt tatsächlich ein Update. Diesmal habe ich es weder vergessen noch ist es am Stress gescheitert (der kommt erst danach, denn ich muß noch meine Klamotten bügeln, da wir nachher noch einen Tanzauftritt haben und nur die halbe „Chefetage" und hauptsächlich „Ersatzleute" da sind. Drückt uns die Daumen, dass wir uns nicht völlig blamieren.)
Ansonsten hoffe ich natürlich, dass euch dieses Kapitel gefallen hat und warne euch schon mal vor, dass es eine Weile dauern wird, dass die Sprache wieder darauf kommt, was Harry Remus zugeflüstert hat. Remus wird durch andere Sachen abgelenkt, aber diese Sache bleibt nicht ganz unwichtig.
Über Reviews freue ich mich immer und ich bedanke mich auch bei allen, die mir für das letzte Kapitel eine Review geschrieben habe. Entschuldigt bitte, wenn ich von der Gewohnheit abgekommen bin, sie alle zu beantworten (vor allem die Breaking News Leser waren das bisher so von mir gewohnt), aber irgendwie klappt das aus verschiedenen Gründen bei Turn Back Time nicht so recht. Und bevor ich einen von euch vergesse, schreibe ich lieber keine Antworten bzw schreibe sie nur, wenn ich das Gefühl habe, dass ich unbedingt was erklären muß (was beim letzten Kapitel immerhin bei einer von euch der Fall war).
Also, bis nächste Woche...
