Das Restaurant namens „Schimmerseide" lag in den unteren Ebenen Coruscants. Obi-Wan hatte es nicht eilig, dorthin zu kommen. Jetzt, nachdem Satine tot war, fiel ihm vieles schwerer als früher. Er ertappte sich dabei, bestimmte Sachen auf ungebührlich lange Zeit hinauszuzögern, genauso wie den Gang zu diesem Treffen jetzt. Mit gemischten Gefühlen stieg der Jedi-Meister die enge Wendeltreppe hinab, welche ihn in das Untergeschoß des „Schimmerseide" führte. Dort gab es inmitten des großen Raumes eine kleine Bar, auf deren einem Hocker eine Frau saß, die er gut kannte.
„Ich hoffe, ich komme nicht zu spät, meine Teuerste", begann Obi-Wan die Konversation mit Asajj Ventress, die ihn in einer Mischung aus Coolness und Erwartung ansah.
„Zu spät für was?", fragte die ehemalige Nachtschwester mit ihrer rauen kehligen Stimme zurück.
„Um endlich Count Dooku zu fangen. Ich bitte Euch hiermit ganz offiziell, mit dem Tempel in einer zeitlich begrenzten Operation zusammenzuarbeiten, bei welcher Dooku gefaßt und seiner gerechten Strafe zugeführt werden kann. Dann seid Ihr frei und der Haftbefehl gegen Euch wird aufgehoben. Was meint Ihr?"
„Werdet Ihr bei dieser Operation mit dabei sein?", fragte Ventress zurück.
„Ist das eine bloße Frage oder eine Bedingung für Eure Zusage?" fragte nun Obi-Wan kokett zurück.
„Wenn Ihr so fragt, ja. Ich möchte, daß Ihr dabei seid", erwiderte sie und sah ihm in die Augen, woraufhin er sich sofort verlegen an den roten Bart faßte.
„Ich weiß noch nicht, wer alles an dieser geheimen Mission teilnehmen wird. Aber ich werde versuchen, dabei zu sein, wenn das Euer Wunsch ist", wand er sich.
„Habt Ihr Yoda auch vorher um Erlaubnis gefragt, als Ihr nach Mandalore gereist seid, um Herzogin Satine zu retten?", fragte Ventress forschend.
‚Eifersüchtig?', lag es ihm auf der Zunge, dann wurde diese herausfordernde Bemerkung von einem anderen schwereren Gefühl überlagert, welches ihn jetzt bereits seit einer Woche im eisernen Griff hatte.
„Satine ist tot", gab Obi-Wan melancholisch zurück. „Ich verspreche Euch, daß Ihr nicht allein gegen Dooku kämpfen müßt, so wie ich vor einer Woche gezwungenermaßen allein auf Mandalore war", versprach er ihr.
„Ich erwarte, daß Ihr mit mir kommt. Wenn nicht, dann ist dies das letzte Mal, daß wir uns auf diese Art hier treffen", drohte sie ihm.
„Dann habe ich also Eure Zusage", versuchte er sie festzunageln.
„Ich habe in jener Zeit sicherlich Verdienstausfall. Ich muß mein Raumschiff unterhalten", pokerte Ventress weiter.
„Credits spielen keine Rolle", erwiderte Obi-Wan.
„Zwei Headcrusher bitte auf Eis für mich und den Gentleman hier!", orderte Ventress zwei Drinks, ohne Obi-Wan vorher zu fragen, ob ihre Wahl ihm genehm war. In diesem Moment geschah etwas Interessantes auf dem großen Holo-Vid-Bildschirm, welcher die Gäste der Bar und des Restaurants beständig mit den neuesten Meldungen aus der Galaxis versorgte. Sowohl Ventress als auch Obi-Wan schwangen herum, als das Konterfei von General Grievous zu sehen war.
„Ich kann hiermit bestätigen, daß ich vorgestern die Hexe Talzin auf Dathomir mit zwei meiner Lichtschwerter durchbohrt und getötet habe … hahahaha!", brüstete sich der Durastahl-General mit seinem neuesten Sieg.
„Es tut mir leid für Euch. Ihr seid ja eine Nachtschwester, nicht wahr?", sagte Obi-Wan mitfühlend.
„Das ist schon so lange her, daß ich mich gar nicht mehr erinnern kann", erwiderte Ventress cool.
Dann schaute sie von Obi-Wan weg zur Seite. Die Nachtschwestern hatten damals für sie gekämpft, sich gar dafür geopfert, damit Ventress, ihre einzige Hoffnung mit zwei Lichtschwertern, das Erbe der Nachtschwestern weiter tragen konnte. Und dann hatte Talzin sie einfach weggeschickt. Weil sie wußte, daß Grievous zurückkehren würde, um es zu vollenden? Aber Grievous als Sieger gegen Talzin? Selbst, wenn Grievous zusätzlich all seine Kampfdroiden auf Talzin gehetzt hätte, wäre die Oberste Nachtschwester in der Lage gewesen, sich auf irgendeine Art und Weise zu verflüchtigen.
‚Irgendetwas stimmt hier nicht', ging es Ventress durch den Kopf, welchen neuerdings eine braune Haarpracht zierte.
Hastig kippte sie das zylinderförmige eisgekühlte Glas mit dem violetten Inhalt hinunter. Obi-Wan tat es ihr gleich.
„Zumindest hat Grievous vor einer Woche endlich auch diese brutale, unbeherrschte Bestie Savage Opress getötet. Ich weiß ja, wie sehr dieses Biest Euch auf Raydonia zugesetzt hat", versuchte der Jedi-Meister erneut, von Ventress eine Art emotionaler Anteilnahme zu erhaschen.
Stattdessen brach Ventress in ein lautes, gemeines Gelächter aus.
„Das glaubt Ihr nicht im Ernst, Kenobi", meinte sie spöttisch, um sogleich weiterzulachen.
„Ich selbst habe Grievous damals auf Dathomir im Zweikampf besiegt. Dann hat er sein Versprechen, im Falle meines Sieges abzuziehen, gebrochen und seine Kampfdroiden auf mich und die anderen Schwestern gehetzt. Dieser Feigling könnte Savage niemals getötet haben. Zumindest nicht mit zwei Lichtschwertern Mann gegen Mann. Nein! Es war jemand anderes!", erklärte Ventress voll Abscheu.
„Aber er selbst hat das vor einer Woche im Holo-Net bestätigt", wunderte sich Obi-Wan.
„Grievous war es nicht. Er ist dazu nicht fähig!", beharrte Ventress auf ihrer Meinung.
„Wer sonst könnte Savage Opress getötet haben?", fragte Obi-Wan nun.
„Nicht Grievous und ganz bestimmt nicht Skywalkers kleine Padawan, die jetzt ziellos irgendwo herumläuft. Und sonst kenne ich niemanden mit zwei Lichtschwertern … zumindest niemanden, der noch lebt", erklärte Ventress.
„Außer Euch, Verehrteste", erwiderte Obi-Wan mit glänzenden Augen.
„Ich bin doch nicht derart lebensmüde, allein nach Mandalore zu Savage und seinem Bruder zu gehen", erwiderte sie mit einer wegwerfenden Handbewegung. „Da gehe ich lieber mit Euch Dooku fangen", setzte sie mit einem süßlich-säuerlichen Lächeln hinzu.
„Welch netter Vergleich", entgegnete der Jedi-Meister etwas genant. „Aber ich nehme Euch beim Wort, meine Liebe", schob er leicht mahnend nach und machte sich daran, die Drinks zu bezahlen und zu gehen.
„Halt!", rief Ventress und stellte sich ihm in den Weg.
„Was gibt es noch?", fragte Obi-Wan, während er fühlte, wie das Blut in seinen Adern stärker zu pulsieren begann.
„Ich muß doch vor meiner endgültigen Zusage für diese Mission, Dooku zu fangen, noch testen, ob Ihr wirklich ein derart belastbarer Bündnispartner seid, so wie Ihr behauptet", fügte sie mit einem schelmischen Lächeln hinzu.
„Was für eine Art Test meint Ihr, Verehrteste?"
„Ihr werdet jetzt noch zwei Drinks zu Euch nehmen und dann mieten wir uns hier ein Zimmer für die Nacht", schlug Ventress vor.
„Wie Ihr wünscht, meine Liebe", erwiderte Obi-Wan mit einem Augenzwinkern und setzte sich wieder zu ihr an die Bar.
Der Bar-Droide, der die Drinks mixte, war gerade mit einer Gruppe Weequays beschäftigt, die nun lautstark geistige Getränke orderten. Nur für einen kurzen Moment nestelte Ventress etwas nervös an den Griffen ihrer beiden Lichtschwerter.
„Eigentlich könnten wir die zwei Drinks vorher auch weglassen. Ich hab das Zimmer bereits gebucht", erklärte sie plötzlich, nahm den Jedi-Meister bei der Hand und zog ihn zur Treppe, die nach oben zu den Übernachtungszimmern führte, die an das Restaurant angeschlossen waren.
Obi-Wan fühlte, wie ihm die Knie weich wurden, während er hinter Ventress die enge Treppe zum oberen Stockwerk hinaufstieg. Ihre Rückenansicht sah in der Tat einladend aus. Und sie hatte das Zimmer also bereits gebucht! Ohne ihm überhaupt irgendeine Wahl zu lassen. So wie sie einfach die Drinks für sich und ihn geordert hatte! Diese Frau nahm sich einfach, was sie wollte. Auf eine Art, die Obi-Wan unwiderstehlich fand. Und es gefiel ihm, bei diesem Spiel mitzumachen. Zumindest jetzt. Sobald sie ins Zimmer eingetreten waren, drückte Ventress ihn mit Ungestüm aufs Bett und legte sich auf ihn.
Er sah ihre stahlblauen Augen über seinem Gesicht und erschauerte wohlig. Diese Frau hier sah nicht nur unverschämt gut aus, hatte nicht nur zwei Lichtschwerter, mit denen sie beinahe so gut kämpfen konnte wie er mit seinem einen Blauen. Ventress kam es auch nicht in den Sinn, darauf zu warten, daß er ihr irgendwelche förmlichen Fragen nach mehr Nähe stellen würde, so wie die sittsame Satine damals vor dreizehn Jahren in derselben Angelegenheit. Vielleicht war diese ihre Ungehemmtheit ja auch ein Grund dafür, daß Ventress noch lebte und Satine nicht mehr. Obi-Wan schalt sich für diese Gedanken. Satine hatte es gewiß nicht verdient, daß er jetzt derartige Vergleiche zu ihren Ungunsten anstellte, nur weil jetzt …
Ein heißer Kuß seiner bislang heimlichen Traumfrau machte diesen zermarternden Gedanken des Jedi-Meisters endgültig ein Ende. Und auf einmal gab es für Obi-Wan Kenobi nur noch Asajj Ventress.
Bo Katan war ziemlich aufgekratzt, als sie das Vorzimmer des Büros von Kanzler Palpatine betrat. Sie hatte es geschafft, nach der Abreise von Obi-Wan Kenobi den Maul-treuen Truppen zu entkommen. Sie war gerade dabei, den Widerstand gegen Mauls Truppen und Anhänger zu sammeln, die immer noch hofften, daß ihr gehörnter Sith-Anführer wieder zurückkehren würde. Aber das durfte nicht geschehen! Darüber war sie sich mit ihrem Neffen einig. Deshalb war sie auch angenehm überrascht gewesen, als ihr Korkie vor einer Woche mitgeteilt hatte, daß Kanzler Palpatine sie zu treffen wünschte, um ihr eine Lösung des Maul-Problems vorzuschlagen, die eine Stationierung von Klontruppen auf Mandalore ausschließen würde. Fremde Truppen durfte es auf Mandalore nicht geben, auch nicht die Klone des Mandalorianers Jango Fett!
Anerkennend hatte sie Korkie auf die Schultern geklopft, bevor sie sich im vom Obersten Galaktischen Kanzler höchstselbst bereitgestellten Shuttle auf den Weg nach Coruscant gemacht hatte. Sie hatte sich während ihres Fluges zum Hauptstadtplaneten gefragt, seit wann ihr blonder Neffe eigentlich so gute Beziehungen zu Palpatine unterhielt. Aber nun wartete sie schon seit einer dreiviertel Standardstunde im Vorzimmer des Kanzler-Büros im Galaktischen Senat. Mas Amedda würde ihr mitteilen, wann sie an der Reihe wäre, hatte ihr der Service-Droide eingangs erklärt.
„Schickt die Mandalorianerin rein", wies Palpatine mit einem Lächeln über die Rücksprechanlage Mas Amedda an.
Der großgewachsene hellblaue Chagrianer mit den beiden großen Hörnern auf dem Kopf folgte der Anweisung seines Chefs umgehend.
„Es ist mir eine Ehre, Oberster Kanzler", sagte Bo Katan ehrerbietig und machte einen Knicks vor Palpatine, nachdem sie auf ihn zugegangen war.
„Keinen Knicks, meine Liebe. Ich bin nicht die Königin von Naboo", sagte er scherzend und Bo Katan lächelte ihn an. Dann schwieg sie, um darauf zu warten, was er ihr zu sagen hatte.
„Ich muß mich doch bei der tapferen Frau bedanken, die sich nicht nur dem verbrecherischen Maul und seinem barbarischen Bruder entgegengestellt hat, sondern auch Meister Kenobi zur Flucht verholfen hat, als seine Lage aussichtslos schien. Dafür gebührt Euch der Dank der Republik", erklärte Palpatine huldvoll.
„Das bin ich meinem Volk schuldig gewesen. Und meiner toten Schwester", gab Bo Katan bescheiden zurück.
„Für den Tod von Herzogin Satine haben Sie mein aufrichtiges Beileid", sagte der Kanzler mit gefühlvoller Stimme.
„Glücklicherweise wurde Savage Opress getötet und Maul ist von Ihrem Planeten verschwunden. Wie fühlen Sie sich nach diesen Ereignissen?", wollte er nun von Bo Katan wissen und setzte ein aufmunterndes Lächeln auf.
„Ich fühle mich befreit und hoffe, daß wir auch in Zukunft keine Eindringlinge auf Mandalore erwarten müssen, egal woher", erklärte sie und versuchte dabei, ihre Stimme so wenig gebieterisch wie möglich, dafür umso freundlicher klingen zu lassen.
„Das hoffe ich auch", erwiderte Palpatine zustimmend.
„Obgleich ich etwas verwundert war, im Holo-Net zu hören, daß Savage von General Grievous umgebracht worden sein soll. Es waren keinerlei Kampfdroiden in Sundari zu sehen in jener Nacht und es ist nicht Grievous' Art, solche verdeckten Aktionen allein wie ein verstohlener Attentäter durchzuführen. Er ist doch schon im Hinblick auf seine äußere Erscheinung für solcherlei Tätigkeit viel zu auffällig, meint Ihr nicht auch, Kanzler?", kam die rothaarige Mandalorianerin nun mit einem spöttischen Grinsen auf das Thema zu sprechen, was hinter vorgehaltener Hand dieser Tage in ganz Mandalore betuschelt wurde.
„Genau darüber wollte ich mit Ihnen sprechen, meine Liebe", erwiderte der Oberste Galaktische Kanzler liebenswürdig. „Aber nicht hier, sondern woanders. Was halten Sie von einem Dinner im Restaurant „Hego" im Manarai-Distrikt? Dort gibt es ausgezeichneten Wein. Wäre das nach Ihrem Geschmack?"
„Wer würde eine solche Einladung des Obersten Galaktischen Kanzlers schon ablehnen?", gab Bo Katan liebenswürdig zurück.
Sie staunte über sich selbst, daß ihr während ihres Besuchs bei Palpatine bislang kein einziges schroffes oder gar kommandierendes Wort über die Lippen gekommen war. Das war ungewohnt!
Der Besuch im „Hego", erwies sich als äußerst angenehm. Der Kanzler war ein interessierter und aufmerksamer Gesprächspartner und der Wein von Muunilinst war wirklich ganz ausgezeichnet. Palpatine erklärte ihr, daß dieser edle Tropfen an den Südhängen der im dortigen Westlichen Meer gelegenen Vulkaninseln gereift war. Nach dem vierten Glas Wein schlug der Kanzler vor, das Treffen in seiner Suite im Kaldani-Turm im selben Distrikt fortzusetzen. Bo Katan sah keinen Grund, diesen Vorschlag des Kanzlers abzulehnen.
Der Droide 11-4D, der bereits Darth Plagueis gedient hatte, empfing die Beiden an der Türschwelle. Bo Katan fielen die auserlesenen Möbel und Teppiche im Apartment auf. Vieles war bereits sehr alt, bestimmt älter als der knapp über sechzigjährige Kanzler selbst, jedoch gut gepflegt. Ihr fiel noch ein Bild an der Wand auf, auf welchem eine idyllische Vulkaninsel zu sehen war, auf welcher ein palastartiger Bau stand, welcher trutzig in den grünen Himmel ragte. Gemälde derselben Art hatten auch im „Hego" an der Wand gehangen. Hatte der Kanzler eine besondere Beziehung zu Muunilinst? 11-4D servierte ihnen noch einen süßen Nacht-Imbiß, während sich die Beiden noch ein Holovid über die neuesten Kampfschiffe der Klontruppen anschauten.
„Das ist wirklich beeindruckend", meinte Bo Katan, als das Holovid zu Ende war. „Aber Ihr wolltet doch mit mir über den Mörder von Savage Opress sprechen", kam sie wieder auf die Frage zurück, die sie bereits im Büro des Kanzlers angesprochen hatte.
„Glauben Sie mir, Sie werden niemanden anderes finden, der sonst für diesen Mord als Täter infrage käme", gab Palpatine mit Bestimmtheit zurück.
„Ich hätte Savage damals einfach mit meinem Blaster abknallen sollen, als wir ihn bewusstlos zusammen mit seinem arg geschwächten Bruder in dieser Rettungskapsel aufgegabelt hatten. Aber dann hat Maul kooperiert und ich habe Savage leben lassen. Ansonsten wäre ich jetzt nicht hier", erklärte sie mit einem bitteren Lächeln.
„Letzteres wäre wirklich außerordentlich schade", erwiderte Palpatine mit einem beschwingten Lächeln.
„Was mir persönlich jedoch viel mehr am Herzen liegt, als Savages Mörder zu finden, ist eine vertrauenswürdige Person, die mich persönlich über die wichtigen Ereignisse auf Sundari, in der Death Watch und überhaupt auf Mandalore auf dem Laufenden hält. Meinen Sie, Sie bekommen das hin?", fragte Palpatine sie mit einem gewinnenden Lächeln.
„Ihr verlangt von mir, daß ich mein Volk ausspioniere?", fragte Bo Katan hart zurück.
Die vier Gläser Wein von Muunilinst hatten stetig dafür gesorgt, daß nun ihr wahres herrisches Temperament zum Vorschein kam. Aber der Kanzler schien sich daran nicht sonderlich zu stören. Ganz im Gegenteil – er lächelte sie anerkennend an.
„Sie dienen lediglich Ihrem Volk – und der Republik", gab Palpatine betont sanft zurück.
Im gleichen Moment schalt sich Bo Katan für ihren Temperamentsausbruch. Sie fand es jedoch mehr als seltsam, daß der Kanzler ihrer Vermutung, jemand anderes als General Grievous könnte Savage Opress getötet haben, nicht direkt widersprochen hatte. Also war an den Gerüchten doch etwas dran! Aber warum sagte er ihr nicht, wer es wirklich war? War das so schlimm? Aber Palpatine wußte etwas, soviel war ihr klar.
„Wenn Ihr mir sagt, wer Savage Opress getötet hat, und mir die Zusicherung gebt, daß keine Klontruppen oder Jedi auf Mandalore einmarschieren, dann lasse ich mit mir möglicherweise über so ein Angebot reden", versetzte sie förmlich.
„Keine Jedi, meine Liebe?", wunderte sich Palpatine ostentativ.
„Dabei habt Ihr doch noch vor einer Woche so selbstlos Meister Kenobi gerettet. Oder … hattet Ihr etwa persönliche Motive, dies zu tun? … So wie Kenobi Satine … retten wollte?" Bei diesen seinen Worten grinste er sie unverhüllt an.
Bo Katan wurde rot. Diese Unterstellung war ihr peinlich. Und ihr hatte es für einen Moment die Sprache verschlagen.
„Sie verlangen viel von mir", säuselte Palpatine. „Noch seid Ihr in einer Position, dies zu tun – wenn die Gegenleistung stimmt", setzte er etwas härter hinzu.
„Als da wäre?", fragte Bo Katan trocken, sich bemühend, klar zu sprechen angesichts der seligen Wohligkeit, die sich aufgrund des Weines nun nach und nach in ihr ausbreitete.
„Auch Sie müssen doch gemerkt haben, daß die Jedi längst nicht mehr das in der Galaxis sind, was sie sein sollten. Ich kann ihnen schon jetzt sagen, daß die Probleme der Jedi schon bald sehr gravierend sein werden. An Ihrer Stelle würde ich mich der Seite zuwenden, die wirkliche Macht und Schutz bieten kann. Die Macht, die vom Volk gewählt wurde, nicht von einer ominösen Macht, die sich der Kontrolle des Senats entzieht, weil sie auf einem obskuren und altertümlichen Sonderstatus besteht", erklärte ihr Palpatine mit beschwörender Stimme.
„Ihr meint die Jedi, Kanzler?", fragte Bo Katan mit aufgerissenen Augen. Diese Wendung des Gesprächs kam für sie völlig unerwartet.
„Was haben denn die Jedi in der Vergangenheit für Mandalore getan?", fragte Palpatine die rothaarige Mandalorianerin leise zurück.
Auf einmal kamen all die Erinnerungen in ihr hoch, wie Obi-Wan Kenobi zusammen mit Satine ihren früheren Gefährten Pre Vizsla als Obersten Kommandanten der Death Watch auf Concordia entlarvt hatte. Sie dachte an die Mandalorianischen Kriege von vor beinahe viertausend Jahren. Auch hier hatten die Jedi den Mandalorianern viele demütigende Niederlagen beschert!
„Ich hasse die Jedi!", hörte sich Bo Katan plötzlich heiser sagen.
„Und das ist auch gut so", hörte sie den Kanzler mit einer seltsam sonoren Stimme erwidern.
Dann sah sie, wie Palpatine seine linke Hand nach ihr ausstreckte. Sie fühlte, wie er ihr mit dieser seiner Hand über ihre roten Haare strich, während er mit seiner Rechten ihre linke Wange tätschelte. Bo Katan hielt erschrocken den Atem an.
„Weißt du eigentlich, daß ich rothaarige Frauen mit grünen Augen ausgesprochen attraktiv finde?", hörte sie Palpatine plötzlich schnurren, während seine blaßblauen Augen sie anglitzerten.
„Nein, das … wußte ich nicht", hörte Bo Katan sich nun sehr unsicher antworten.
Hatte der Oberste Galaktische Kanzler sie gerade geduzt? Faßte er sie wirklich gerade an? Einfach so? So etwas hatte noch nie ein Mann mit ihr … auch Pre Vizsla hatte sie früher nicht in einer derart unvermittelten überwältigenden Vehemenz …
„Weißt du eigentlich, daß ich früher einmal genauso rote Haare hatte wie Obi-Wan Kenobi?", fuhr er in seinem neuesten Vorstoß fort, dabei einen gierigen Ausdruck in seinen wasserblauen Augen.
„Nein, das wußte ich nicht, aber …"
Sie konnte ihren Satz nicht mehr beenden, denn nun hatte der Kanzler sie mit dem Rücken auf das Sofa gedrückt und küßte sie. Direkt auf ihren Mund. Und Bo Katan wehrte sich nicht. Sie fühlte, daß die wahre Identität des Mörders von Savage Opress nun völlig ohne Belang war. Und das traurige Schicksal ihrer Schwester ebenso. Jetzt galt es, die richtige Seite zu wählen. Und sie fühlte sich momentan nicht in der Lage, dieses eindeutige Angebot des Obersten Galaktischen Kanzlers abzulehnen.
Die Fotorezeptoren des Droiden 11-4D nahmen noch das eng umschlungene Paar auf dem Sofa wahr, dann zog der gut programmierte Geselle es vor, diskret in einen Nebenraum zu rollen, bis ihn sein derzeitiger Herr wieder brauchen würde.
Darth Maul war erschöpft, nachdem er nach seiner Flucht aus dem Gefängnis von Stygeon Prime mit seinem Stellvertreter Gar Saxon und der Kommandantin Rook Kast auf Zanbar gelandet war. Maul hatte immer gewußt, daß er sich auf seine Mandalorianer verlassen konnte. Gerade hatte ihm Gar Saxon sein schwarzes Lichtschwert zurückgegeben, welches er auf dem Boden des Thronsaales für seinen verschwundenen Anführer geborgen hatte. Almec hatte ihm kurz darauf per Komlink seine Glückwünsche zur Befreiung übermittelt. Aber nun hatte Maul eine Frage:
„Was habt ihr mit dem Leichnam meines Bruders gemacht?", fragte er Gar Saxon.
„Wir haben Savages Körper in einer schlichten feierlichen Zeremonie auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Zusammen mit dem Körper der Herzogin Satine. Ganz nach mandalorianischer und dathomirischer Tradition. Wir haben uns gedacht, daß dadurch das Band zwischen den Mandalorianern und Euch gestärkt werden wird. Schließlich war Satine unsere Herzogin, so wie Savage Euer Bruder war."
Maul senkte für einen Moment sein schwarz-rotes gehörntes Haupt und dachte nach.
„Das habt ihr gut gemacht", sagte er schließlich. „Satine hat es mir ermöglicht, endlich Rache an Obi-Wan Kenobi zu nehmen. Und dafür liebe ich sie auf eine gewisse Art und Weise und bin ihr dankbar. Mögen beide in Frieden ruhen."
