Disclaimer: Alle Rechte liegen bei J.K. Rowling, wir haben ihre Helden nur zum Spielen ausgeborgt.

Originalgeschichte: Hinge of fate von Ramos (auch hier im Archiv)

Übersetzt von: Shella LaRoche

Beta-gelesen von: Krümelkeks, Lilly und Mike (HERZLICHEN DANK!)

Normalerweise seid ihr ja schon klasse, aber in diesem Kapitel habt ihr einfach SUPERARBEIT geleistet! Ich überreiche einen digitalen Blumenstrauß!

Reviews: von vielen lieben Menschen.

(Ich kann leider nicht alle persönlich beantworten, dazu fehlt mir die Zeit und ihr wollt ja Weiterlesen, gell?)

Am Wendepunkt des Schicksals – Kapitel 10

Hermione war vertraut mit dem bei Flohpulver-Reisen auftretenden Herumwirbeln, das Orientierungslosigkeit verursachte und hatte sich, da sie etwas ähnliches befürchtete, nervlich darauf vorbereitet, es zu erdulden.

Wenn überhaupt möglich, war Apparieren noch schlimmer. Anstatt dass sich ihr Körper bewegte, fühlte sie wie ihre Füße fest auf dem Boden blieben, als die Welt um sie herum wirbelte und auf sie herabstieß. Die Dinge glitten an ihr so schnell vorbei, dass sie nichts außer einem grellen, bunten Schleier sah. Sie schluckte krampfhaft, schloss ihre Augen und zwang ihren Magen sich zu benehmen, da sie annahm, dass Severus Snape es nicht begrüßen würde, wenn sie sich auf ihn übergeben würde.

Mit geschlossenen Augen verblieben nur noch die zischenden Geräusche in ihren Ohren und der warme, feste Griff, mit dem Snapes Hände ihre umschlossen. Sie konzentrierte sich darauf und hoffte, dass alles bald vorbei sein würde, bevor sie das Gefühl in ihren Fingern verlor.

„Sie sehen ausgesprochen grün aus, Miss Granger. Geht es Ihnen gut?" Snapes Stimme klang besorgt und sie öffnete ein Auge, um zu sehen, wie seine dunklen Augen sie voller Anteilnahme begutachteten. Über seine Schulter hinweg konnte sie Tom sehen, den verschrumpelten Barkeeper des ‚Tropfenden Kessels', der ein riesiges Frühstückstablett und ein Glas vor einen Zauberer stellte der aussah, als ob er die ganze Nacht lang durch die Kanalisation gekrochen wäre. Die schwere Holzkonstruktion des ‚Tropfenden Kessels' umgab sie an allen Seiten.

„Mir geht es gut, wirklich", versicherte sie ihm, schluckte vorsichtig und öffnete langsam beide Augen. „Aber Sie sollten sehr, sehr froh sein, dass ich heute nicht viel zum Frühstück gegessen habe."

„Ich verstehe", sagte er, einer seiner Mundwinkel zog sich nach oben und sie stellte fest, dass sie zurücklächelte. Er sah viel jünger aus, ohne seine ansonsten so strenge Miene und sogar noch besser, als sie in seinen Augen Verständnis dafür zu sehen war, dass sie sich beinahe auf ihn übergeben hätte.

Als ob er sich gerade erst daran erinnert hatte, dass er ihre Hände hielt, ließ er sie los und nickte in Richtung des Einganges zur Winkelgasse.

Der Durchgang war für den morgendlichen Besucherstrom geöffnet und die Haupteinkaufsstraße lag vor ihnen, spärlich bevölkert von älteren Hexen und Zauberern von denen keiner in großer Eile zu sein schien. Hier und da passte eine jüngere Hexe auf zwei oder drei sehr junge Kinder auf. Eine schimpfte einen kleinen Jungen mit dreckigem Gesicht aus, der gerade seinen Umhang zerrissen hatte und Hermione schaute sie mit dem wachsenden Bewusstsein an, dass sie in wenigen Jahren genau dasselbe tun könnte.

Snape nahm sie am Ellenbogen und sie erlaubte ihm, sie in das Zentrum der Einkaufsstraßen zu führen, wo einige Geschäfte Kleidungsstücke in ihren Schaufenstern ausstellten. Ohne groß darüber nachzudenken zog er sie an Madam Malkins vorbei und in eine kleine Seitenstraße hinein, zu einem kleineren Geschäft. Eine glänzende Bronzetafel verkündete, mit mehr Schnörkeln als eigentlich notwendig waren, dass es sich hierbei um ‚Senior Vesparatus Roben für vornehme Hexen und Zauberer' handelte. Die Türglocke bimmelte klangvoll, als er die Tür für sie öffnete.

„Ja, mein Herr", hauchte eine Stimme, die Hermione unangenehm an Professor Trelawny erinnerte. „Was dürfen wir heute für Sie tun?"

Die Verkaufshexe, die elegant aus dem Schatten heraustrat, war groß, fast krankhaft dünn und es war eine Künstlichkeit und Härte im Lächeln dieser Frau, das Hermione sich unwohl fühlen ließ. Die Kleidung der Frau musste mehr gekostet haben, als Hermione für das letzte Schuljahr zur Verfügung gehabt hatte.

Snape schaute die Frau kaum an, stattdessen schaute er sich um, als ob er nichts sehen würde, das auch nur annähernd seinem Standard entsprechen würde. Schließlich schaute er sie schließlich doch oberflächlich an. „Diese junge Dame ist guter Hoffnung. Sie benötigt eine Auswahl von Kleidungsstücken, die sie in den nächsten Monaten tragen kann, solche die..., " seine Hand machte eine wage Geste in Richtung von Hermiones Mitte, „eine Ausdehnung zulassen."

„Natürlich", stimmte die Frau mit beinahe überströmender Höflichkeit zu. „Wenn Sie mir folgen würden, Madam. Wir haben eine herrliche Auswahl an Frühlingsmode gerade hereinbekommen."

Mit einem verzweifelten Blick auf Snape folgte Hermione der vornehm gestikulierenden Hexe. Kleider wurden ihr präsentiert, von denen sie einige als einfach albern zurückwies, aber sie konnte nicht anders, als einige ausgewählte Stücke zu bewundern, die exquisit waren. Als sie alle ausgestellten Stücke angesehen hatte, erinnerte sich die Verkaufshexe plötzlich daran noch einen anderen Artikel zu haben, von dem sie verkündete, dass es verheerend wäre, wenn Hermione ihn nicht sehen würde und verschwand in den hinteren Raum. Snape trat von hinten an sie heran, als Hermione sich ein Kleid ansah.

„Finden Sie etwas passendes?" fragte er leise und erschreckte sie dieses Mal nicht, als sie über eines der Kleidungsstücke strich, das auf einem vergoldeten Stuhl ausgebreitet war.

„Na ja, ich finde Dinge, die sehr schön sind, aber ich bin nicht so sicher, ob sie auch angemessen sind. Alles in allem werde ich hauptsächlich meine Schuluniform tragen und daher brauche ich nicht viel. Und schauen sie sich dieses an!" verlangte sie und hielt ein Kleid hoch. Es war von wunderschöner, dunkel rosa und war mit einer Empire-Taille gearbeitet, an der kontrastfarbene Rosetten diskret zusätzliches Material rafften und es graziös wirken ließen.

„Es ist sehr attraktiv und würde Ihnen sicher gut stehen. Sie sollten es nehmen", sagte er zu ihr.

Hermione schnaubte ungeduldig. „Es gibt keine Preisschilder an den Kleidern, Professor. Ich weiß nicht, was sie kosten, aber ich wette, es ist weitaus mehr als zehn Galeonen!"

Snape schaute sie nur mit demselben Blick an, der sie in der Klasse verstummen ließ, aber sie gab nicht nach. „Es gibt keinen Grund für mich etwas zu kaufen, was derart teuer ist!" beharrte sie leise.

„Ich hatte eigentlich den Eindruck, dass ich an diesem Morgen die Rechnung zahlen würde, Hermione. Sie nimmt das rosafarbene und das schwarze, " stellte er mit lauter Stimme fest und schaute über ihre Schultern die Verkaufshexe an, die mit weiteren Kleidungsstücken im Arm zurückgekehrt war. „Gefallen Ihnen diese hier auch, Miss Granger?"

Er nahm ihr Schweigen als Zustimmung und nahm noch zwei weitere von dem kleinen Stuhl. „Diese hier sind auch exzellent. Wir nehmen sie alle", befahl er und die Frau zögerte kurz, bevor sie die Kleider aus Snapes Händen nahm. Sie lächelte ihn affektiert an, aber ihr Blick kehrte zu Hermione zurück und huschte von ihrer Hand zu ihre Taille und zurück.

„Miss Granger?", betonte sie fragend und ein verächtliches Grinsen erschien auf ihrem Gesicht, bevor sie es in ein herablassendes Lächeln umwandelte. „Wenn es nichts anderes gibt, was das junge Fräulein zu sehen wünscht?"

Die ungewöhnliche Betonung auf „Fräulein" ließ Hermione inne halten, bis ihr bewusst wurde, dass die Verkaufshexe nachdrücklich auf ihre ringlose linke Hand starrte.

„Nein, danke", antwortete sie mit so viel Würde, wie sie aufbringen konnte. Sie nahm betont den Umhang von dem Haken, an den sie ihn früher gehängt hatte und schwang ihn um ihre Schultern. „Ich glaube, wir haben hier heute genug Geld verschwendet", fügte sie noch hinzu und die ältere Frau schnaubte mit Verachtung.

Von der Betrachtung einer schön bestickten Weste, auf einer Schaufensterpuppe aus Draht abgelenkt, schaute Snape Hermione wegen ihrer uncharakteristischen Bemerkung an, sagte dann aber nichts, als er der Verkaufshexe in den vorderen Bereich des Geschäftes folgte. Die Kleidungsstücke wurden schnell und nachlässig gefaltet und in einen Karton gestopft, der den Namen der Boutique trug. Er runzelte die Stirn, als er das unordentliche Paket sah, unterzeichnete aber die Rechnung und fuhr mit der Spitze seines Zauberstabes darüber, um eine Abbuchung von seinem Konto bei Gringotts zu bestätigen.

Sein Stirnrunzeln wurde tiefer, als die Hexe hinter dem Ladentisch Hermiones kurz angebundenes ‚Dankeschön' ignorierte, als diese das Paket nahm. Erst als die Frau verächtlich vorschlug, dass ein anderes Geschäft am anderen Ende der Gasse die zukünftigen Bedürfnisse des jungen Fräuleins besser versorgen könnte, verstand er endlich das Benehmen der Frau. Die Abneigung in ihrer Stimme war nahezu greifbar.

Nur Neville Longbottom war jemals privilegiert gewesen einen vergleichbaren Sturm heißer Wut zu sehen, wie den, der seine Gesichtszüge jetzt überflutete, als er die Situation begriff.

„Nicht", sagte Hermione leise und legte ihre Hand auf seinen Arm, als er seinen Mund öffnen wollte und zuckte beinahe zusammen, als sie seinem Ärger gegenüber stand. „Das ist es nicht wert, wirklich. Madam Pomfrey erwähnte, dass so etwas passieren könnte."

„Wie kann sie es wagen!" donnerte er und warf der Frau einen tödlichen Blick zu, die steif hinter der Ladentheke stand und ihn nachdrücklich ignorierte.

„Es macht keinen Sinn", betonte Hermione. „Oder wollen Sie ihr erzählen, wie es dazu gekommen ist? Die höflichste Vermutung, die sie anstellen kann, ist, dass ich Ihre Geliebte bin, alle weiteren gehen rapide Bergab."

„Der Punkt ist, Miss Granger, " erklärte er mit ätzender Stimme, „dass ich in diesem Etablissement zahllose Galeonen ausgegeben habe, was ich von nun an sicher nicht mehr tun werde. Wie kann es diese aufgeblasene Person wagen, auf Sie herabzusehen?"

„Wie sie es wagen kann abzulehnen, dass ich ein uneheliches Baby bekomme?" fragte Hermione resigniert. „Das wird nicht anstandslos akzeptiert, nicht einmal in der Muggelwelt. Ich weiß immer noch nicht, wie ich es meinen Eltern beibringen soll und mir läuft langsam die Zeit davon."

Ohne noch ein weiteres Wort zu sagen, nahm Snape Hermione den großen Karton ab und eskortierte sie zurück zur Hauptstraße. Nachdem sie noch einige Male angehalten hatten, hatte er offensichtlich die unhöfliche Behandlung aus seinen Gedanken verbannt und konzentrierte sich nun auf ihr Vorhaben. Auf typisch männliche Weise scheuchte er sie in die Läden und wieder hinaus, bevor Hermione auch nur die Chance hatte, zu sehen, was angeboten wurde, denn die Auswahl ihrer Einkäufe erfolgte schnell.

Als sie auf Glatteis ausrutschte, nahm er Anstoß an dem schäbigen Zustand ihrer Stiefel und ging zurück zu einem Schuhmacher. Es dauerte nur wenige Momente, bis er ein neues Paar ausgesucht und sie es hatte anziehen lassen, es trotz ihrer Proteste bezahlt hatte und sie sich wieder auf der Straße befanden, ohne dass er ihr die Zeit gegeben hätte, die anderen Schuhe, die zum Verkauf standen anzusehen.

Bei dem Geschäft, dass eine Auswahl gewagter Unterwäschegarnituren im Fenster ausstellte, zögerte Snape, bevor er ihr mitteilte, dass sie sich aussuchen sollte, was immer ihr gefiel und ihm dann Bescheid sagen sollte, damit er hereinkam, um die Rechnung zu zahlen. Einen Moment lang dachte sie, er würde ihr seinen Zauberstab geben, aber das war natürlich genauso unwahrscheinlich wie, dass er hereinkommen würde und ihr helfen würde, neue Dessous auszusuchen.

Da Schuluniformen notwendig waren kamen sie letztlich doch zu Madam Malkins. Als Hermione einige große Schulpullover heraussuchte, bemerkte Madam Malkins selbst ihre Schwangerschaft und merkte sehr diskret an, dass sie über einen Schnitt für ärmellose Kleider verfügte. Die Schneiderin zeigte ihr ein komplettes Set, jedes mit einem richtigen Uniformrock, aber durchgehend, ohne einengenden Bund in der Hüfte. Mit einem Pullover als Oberteil wären sie zugelassen.

„Sie sind nicht die erste junge Dame, die sich im letzten Schuljahr in dieser Situation befindet", vertraute ihr Madam Malkins leise an. „So etwas spricht sich herum, daher schicken die meisten mir eine Eule."

Nachdem sie mehr als einmal erklärt hatte, alles zu haben, was sie irgendwie brauchen könnte und wahrscheinlich noch viel zu viel, war Snape schließlich überzeugt, dass sie fertig waren. Er bestand darauf die meisten Pakete zu tragen, weigerte sich aber strikt bei der rosa Tasche aus dem Miederwarengeschäft. Er stellte sich ebenso taub, als sie vorschlug, dass er selbst ebenfalls etwas kaufen sollte, irgendetwas, solange es nicht schwarz oder weiß war.

„Sie brauchen sich ja nicht zu sehr in Farbe zu stürzen", versicherte Hermione ihm. „Vielleicht versuchen Sie mal ein Hemd wie dieses." Sie deutete auf ein Schaufenster, indem ein Hemd in einem hellen Beige ausgestellt war. „Zu viel Farbe auf einmal könnte Sie in einen Schockzustand versetzen."

„Ha! Ich habe einen grün-silbernen Schal, den ich bei Quidditch-Spielen trage. Das sollte ausreichen. Außerdem ist mein Umhang grau!"

„Grau zählt nicht. Ich fordere Sie heraus, sich ein grünes Halstuch zu kaufen!"

„Miss Granger", knurrte er und erntete ein Lächeln als Antwort.

„Mir fällt gleich noch eine Herausforderung ein!"

Snape ignorierte sie und ging, trotz des Stapels Pakete, die er trug, würdevollen Schrittes weiter die Winkelgasse hinunter, Vor einem eher unauffälligen Geschäft blieb er stehen und schaute Hermione an.

„Wenn ich um einen Augenblick Ihrer Geduld bitten dürfte, Miss Granger. Ich würde hier gerne hineingehen. Es sollte nicht allzu lange dauern."

Da sie das Mörser und Stößel Symbol über der Tür gesehen hatte, stimmte Hermione gerne zu. Im Inneren waren die Wände mit Gläsern und Gefäßen jeder Größe voll gestellt und sie atmete tief die exotischen Gerüche des Zubehörs für Alchimisten ein. Snape ließ ihre Pakete auf einem Haufen neben einem Stuhl am Fenster zurück, wo sie nicht stören würden, und begann die Regale zu durchsuchen.

Hermione ging hinter ihm her, hörte seinen Bemerkungen zu und fragte ab und zu etwas, bis er zum letzen Gang und dem letzten Regal kam.

„Das ist wirklich schade", kommentierte er höflich. „Dies ist ein neues Geschäft, aber sie scheinen nichts Außergewöhnliches zu führen."

„Haben Sie gefragt?"

Snape schaute sie mit halb geschlossenen Augen an, einen Ausdruck im Gesicht, der die vorher vor Angst hätte erzittern lassen, ihm aber jetzt nur einen herausfordernden Blick eintrug, bevor sie sich umdrehte und mit Schwung auf den Assistenten zuging.

„Entschuldigen Sie bitte", sprach sie den schlaksigen jungen Mann an, der die Regale auffüllte. „Dieser Tränkemeister hier lässt anfragen, ob sie noch eine größere Auswahl führen als die, die sie in den Regalen ausstellen."

„Tränkemeister..." wiederholte der Jüngling. Er schluckte schwer und sein Adamsapfel hüpfte, als er Severus große, dunkle, eindrucksvolle Gestalt sah. „Einen Moment, bitte."

Der junge Mann verschwand im hinteren Teil des Geschäfts und Snape schaute Hermione noch einmal mit Angst einflössender Miene an. Sie hellte sich jedoch auf, als der Jüngling mit einem anderen Mann zurückkam, der viel älter war und einen silbernen Kneifer (B/N 16 Brille ohne seitliche Bügel) trug, der zu seinem silbernen Haar passte.

„Sind Sie der Meister, der den Rest meiner Waren zu sehen wünscht?" fragte der alte Mann scharf. Als Severus nickte, fuhr er mit einer Hand in die Tasche seiner Schürze. „Hier entlang."

Ein Schlüssel und der dazugehörende Zauber öffneten eine schwere Tür in der hinteren Wand des Geschäftes. Als Hermione eintrat, wusste sie, dass dies etwas besonderes sein musste, da Severus scharf die Luft Einsog und die feinen Linien um seine Augen sich vertieften, wie bei einem Raubtier, das Blut roch.

„Fassen Sie nichts an, was Sie nicht kennen", war die einzige Warnung, die er ihr gab, dann ging er weiter voran. Labyrinthartige Reihen, die nur von kleinen Öllampen erleuchtet wurden, enthielten eine reichhaltige Auswahl an Dingen, die Hermione nie gesehen oder von denen sie nur gelesen hatte – oder von denen sie, wie in manchen Fällen, nicht einmal gehört hatte.

Snape stellte dem Eigentümer des Geschäftes, der ihm eröffnete, dass er ein Alchimist war, in schneller Abfolge Fragen. Er stand nahe an Snapes Ellenbogen, flüsterte etwas über diese Zutat oder die Eigenschaften jener und über die Methoden, die er angewandt hatte, um andere zu ernten und zu konservieren.

Hermione verlor vollständig das Gefühl für die Zeit, als sie aufmerksam den beiden Männern zuhörte, die über die Tränke sprachen, die sie gebraut hatten und die Experimente, mit denen sie sich beschäftigten. Als sie sich unterhielten, hatten sie Hermiones ungeteilte Aufmerksamkeit und sie war sich der Ehre bewusst, als die beiden Männer ihre Fragen beantworteten und entweder zustimmten oder ihre raschen Vermutungen über Kombinationen, Nebenwirkungen und Brautechniken korrigierten. Snape bat gelegentlich darum, gewisse Zutaten einzupacken und ein ums andere Mal zeigte er ihr nur den Inhalt der Gläser und Regale, wobei er auf die verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten jeder Substanz hinwies.

Als sie fertig waren, beglich Snape seine Rechnung bei dem alten Mann, bot ihm die Hand, dankte ihm und beglückwünschte ihn dazu, ein so herausragendes Unternehmen aufgebaut zu haben. Hermione verkniff sich ein Lächeln, als sie ihre in Vergessenheit geratenen Pakete holen ging und dachte, dass er ein wenig an einen Drittklässler bei seinem ersten Besuch vom ‚Honigtopf' erinnerte. Sie beugte sich vor, um die Tüten vom Fußboden aufzuheben, und verlor das Gleichgewicht, als ein plötzliches Schwindelgefühl sie überkam.

„Hermione!" Snapes Stimme war scharf vor Besorgnis und die Pakete rollten auf den Boden, als er sie auffing und zu einer nahe gelegenen Bank führte.

Hermione keuchte, als ein roter Nebel sich über ihr Gesichtsfeld legte und die Welt sich neigte. Sie war sich des starken Armes, der sie festhielt, bewusst und hörte, wie aus weiter Ferne, Snape mit Bestimmtheit etwas anordnen.

Ein scharfer, penetranter Geruch biss ihr in der Nase, erreichte ihr vernebeltes Gehirn und brachte sie in die Realität zurück. Das erste, was sie klar erkennen konnte, war die Bewegung von Snapes Hand, als er die Überreste von zerdrückten Kräutern abschüttelte. Das Zweite war die Erkenntnis, dass sie an seinem Körper zusammengesunken war und sein Arm sie eng umfasste.

„Wird es Ihrer Dame wieder besser gehen, Sir?" fragte der Alchimist.

„Es wird ihr wieder gut gehen, glaube ich", antwortete Snape geistesabwesend und studierte aufmerksam Hermiones Augen. „Ich befürchte, ich habe ihr schon viel gemutet." Seine Hand streichelte sanft über ihre Wange. „Sie haben mir sogar noch gesagt, dass sie nichts Richtiges zum Frühstück gegessen haben und jetzt ist es schon nach ein Uhr. Ohne Zweifel wird eine Mahlzeit Ihnen immens helfen."

Sie nickte ihre Zustimmung, fühlte sich aber immer noch verwirrt und unsicher. Der Alchimist bot ihnen schnell an, ihre Pakete nach Hause schicken zu lassen, aber Hermione hörte kaum zu, als Snape sie nach Hogwarts zu Händen von Madam Pomfrey liefern ließ. Ihre ganze Aufmerksamkeit war auf den muskulösen Arm gerichtet, der ihre Schultern hielt und die warme Hand, die sich schützend auf ihren runden Bauch gelegt hatte. Sie wollte nichts weiter, als ihr Gesicht an seine Schulter zu lehnen und in diesem Gefühl der Sicherheit zu versinken.

Vorsichtig und mit besorgtem Ausdruck half Snape ihr auf die Füße und ließ zur Unterstützung eine Hand unter ihrem Ellenbogen, als er sie zum ‚Tropfenden Kessel' führte. Binnen weniger Minuten wurde ihr ein Tee mit mehr Zucker, als sie wirklich mochte, aufgedrängt. Glücklicherweise bestand er nicht darauf, für sie zu bestellen, aber er schaute sie streng an, bis sie eine Tasse Fleischsuppe, ein Sandwich und ein paar Pommes frites akzeptierte. Ein großes Glas Wasser tauchte ebenfalls auf und sie trank es, ohne sich zu beschweren.

Snape sprach nur einige monotone Worte, als sie aßen. Er schien mit etwas beschäftigt zu sein und es war ihr zu peinlich in seien Armen ohnmächtig geworden zu sein, als dass sie von sich aus eine Unterhaltung begonnen hätte. Ein Stirnrunzeln überzog seine Stirn und die wenigen Male, da sein Blick auf sie fiel, wurde ihr unbehaglich zu mute. Sie aß ihr Mittagessen und beobachtete die anderen Gäste, wobei sie versuchte ihn nicht zu reizen.

„Miss Granger?"

Hermione riss sich zusammen und bemerkte, dass er seine Mahlzeit beendet hatte. Sie schluckte und schob den Teller mit den Überresten ihres Sandwichs beiseite.

„Ich bin fertig, wenn Sie es sind, Sir."

„Hermione." Er streckte die Hände aus und umfasste ihre, als sie den Tisch verlassen wollte. Er schien von ihren vereinten Händen, die auf der hölzernen Tischoberfläche lagen, gebannt zu sein und starrte sie für einige lange Augenblicke an.

„Würdest du mich heiraten?"

Anmerkungen des Babelfisches:

B/N 16 Kneifer sind bügellose Brillen, die auf dem Nasenrücken heruntergedrückt wurden. Da das Drahtgestell schon eine erhebliche Spannung haben musste, um nicht herunterzurutschen, kniff es in die Nase. Daher: Kneifer. Diese Brillen und Monokel findet man in der Zeit vor und im Ersten Weltkrieg.