A/N: Vielen Dank an meine beiden treuen Leser, Imstillsam und JenniferCullen89, ihr seid toll und ich freue mich immer über eure Reviews!

Disclaimer: Wie immer, daran hat sich nichts geändert.

10. Kapitel

Granger war entgegen all seiner Befürchtungen nicht weggelaufen, sondern versuchte brav mit ihm Schritt zu halten, während er auf seinen langen Beinen durch das Treppenhaus in den 7. Stock raste.

„Findest du nicht auch, dass der Raum der Wünsche eine bescheuerte Idee ist?", japste sie außer Atmen, während sie einen mittleren Sprint hinlegte, um sein Tempo mithalten zu können.

„Wieso? Ist doch für unsere Zwecke geradezu ideal.", erwiderte er, ohne auch nur im mindesten kurzatmig zu klingen.

Hermine verdrehte genervt die Augen.

„Aber wir müssen fünf Stockwerke nach oben!", protestierte sie und spürte, wie ihr der Schweiß langsam in Bächen von der Stirn rann.

Draco griff nach ihrer Hand und zog sie einfach weiter.

„Ich wusste gar nicht, dass du so bequem bist.", neckte er sie.

„Ich bin nicht bequem, ich habe nur eine Abneigung gegen sinnlose sportliche Betätigung!", murrte sie und zog eine Schnute.

Draco hatte ihr einen kleinen Seitenblick zugeworfen und bei ihrem Gesicht musste er schmunzeln. Sie gehörte wahrlich nicht zu den sportlichsten Menschen.

„Denk doch nur an die Belohnung, die auf dich wartet, wenn du es erst die vielen Treppen nach oben geschafft hast!", schmeichelte er ihr.

„Wenn ich bis dahin überhaupt noch am Leben bin und mich der Sport nicht schon längst umgebracht hat!", murrte sie.

„So schnell stirbt man nicht.", meinte er nur ungerührt.

Plötzlich stoppte er abrupt ab und Hermine stolperte gegen ihn und brachte ihn beinahe aus dem Gleichgewicht.

„Was-" wollte sie verärgert auffahren, doch Draco legte ihr nur hastig den Finger auf die Lippen.

Er schüttelte warnend den Kopf und deutete in Richtung des Korridors vor ihnen. Suchend sah er sich um und entdeckte eine kleine Tür, die unscheinbar in den Treppenabsatz eingelassen war. Rasch drängte er Hermine durch sie durch und sie fanden sich in einem kleinen Raum, der voll gestellt war mit alten verstaubten Glasvitrinen. Das Mädchen blickte ihn fragend an, während er leise die Tür hinter ihnen zuzog und magisch verschloss.

„Was?", wollte sie flüsternd wissen.

Draco blieb noch eine Weile lauschend an der Tür stehen, bevor er einen erneuten Zauber darüber murmelte.

„Was soll das Ganze?", hakte sie fragend nach.

„Filch.", flüsterte Draco. „Aber keine Sorge, der Raum ist mittlerweile schalldicht."

Sie nahm seine Erklärung mit einem schelmischen Aufblitzen ihrer Augen wahr und sah sich dann neugierig um.

„Wo sind wir hier?", fragte sie. „Der Raum der Wünsche ist es jedenfalls nicht."

„Nachdem ich erst letztes Jahr dich und deine peinliche Freunde dort erwischt habe, gehe ich davon aus, dass du weißt, wo der Raum der Wünsche ist. Und DAS ist er definitiv nicht, wie du ganz richtig erkannt hast.", kommentierte er gelangweilt. „Und bevor du mir wieder die Augen auskratzen willst: Ich weiß auch nicht, wo wir hier sind."

Hermine schenkte ihm nur einen bösen Blick und widmete sich dann wieder ihrem Erkundungsgang.

Der Raum beherbergte eine Vielzahl von Glasvitrinen, deren Glas im Lauf der Jahre vom Staub blind geworden war. Neugierig wischte Hermine den Schmutz von einem der Glasbehälter und sie stieß einen überraschten Laut aus. Im Inneren des Behältnisses lag ein mumifiziertes Drachenembryo auf dem Boden, die Flüßigkeit, die es konserviert hatte, musste schon lange verdampft sein, und doch musste es lange Zeit darin gelegen haben, denn der Körper befand sich in einem außerordentlich guten Zustand. Draco war näher getreten und betrachtete den Inhalt des Glases mit unverhohlener Neugier.

„Ein Drachenembryo.", sagte er fasziniert. „Und so gut erhalten."

Hermine indes inspizierte die nächste Vitrine. Zu ihrer großen Enttäuschung befanden sich lediglich ein paar unidentifizierbare Knochen darin.

„Meinst du, hier bewahren sie die alten Lehrmittel auf?", wandte sie sich an Draco.

„Zumindest die für Pflege magischer Geschöpfe.", meinte er und ließ seinen Blick staunend durch das kleine Kabuff schweifen.

Ein leises Lachen entwich ihrer Kehle, als sie in einer Ecke das lebensecht aufgebaute Skelett eines Hippogreifs ausmachte.

„Damit wäre uns bei Hagrid viel Ärger erspart geblieben.", bemerkte sie.

Draco folgte ihren Augen und stimmte in ihr Gelächter mit ein.

„Den Tag werde ich nie vergessen, an dem mich das Mistvieh attackiert hat."

Sie starrte ihn empört an.

„Du hast ihn provoziert! Du bist selbst schuld daran und-"

Sanft legte sich seine Hand über Lippen und erstickte jedes weitere Wort von ihr. Sie bedachte ihn mit einem mörderischen Blick aus blitzenden zimtfarbenen Augen.

„Sprich nicht weiter.", sagte er bedächtig. „Wir wollen uns nicht wieder streiten. Nicht heute.", fügte er leise lächelnd hinzu.

Hermine schnaubte nur entnervt durch die Nase.

„Granger, ich werde jetzt meine Hand wegnehmen und du wirst deinen Satz nicht zu Ende führen, um unser beiden willen, einverstanden?"

Sie brummelte etwas Unverständliches.

„War das ein Ja?"

Sie knurrte und er nahm es als Bestätigung. Gleich darauf war seine Hand von ihrem Mund verschwunden.

Als sie zu sprechen ansetzen wollte, hob er warnend den Zeigefinger.

„Vergiss es, Granger, keine weitere Diskussion darüber."

„Schön.", murrte sie. „Du bist trotzdem ein verwöhntes, reiches, arrogantes Balg."

Draco zuckte gleichgültig mit den Achseln. „Einzelkind.", erwiderte er breit grinsend. „Und ich kann nichts dafür, dass meine Eltern über ein beträchtliches Vermögen verfügen. Macht und Geld machen die Welt definitiv zu einem schöneren Platz."

„Geld und Macht machen aber nicht glücklich.", konterte sie. „Ich gehe jede Wette ein, dass fast alle deiner Freunde hauptsächlich deiner Familie wegen sich mit dir abgeben."

Er grinste schief. „Tja, der Name Malfoy hat eine gewisse Bedeutung in der Zaubererwelt, das musst sogar du in der Zwischenzeit begriffen haben. Es ist besser, sich mit uns gut zu stellen, und meine Freunde haben das nur allzu schnell verstanden. Du willst keinen Malfoy zum Feind haben."

„Wahre Freundschaft kannst du dir aber nicht kaufen und auch dein Vater kann dir dabei mit all seinem Einfluss nicht helfen. Wahre Freunde musst du dir erst selbst verdienen!", erwiderte sie heftig.

Draco beobachtete sie nachdenklich.

„Wahre Freunde? Du meinst, so wie du Weasley und Potter hast?"

Hermine nickte heftig.

„Echte Freunde werden immer für dich da sein, egal, was geschieht. Immer. Sie werden dich vielleicht nicht immer verstehen, aber sie werden zu dir halten, bei dir bleiben, sie werden mit dir sogar durch die Hölle gehen, wenn es notwenig sein sollte. Wahre Freunde sind ein Geschenk und ohne sie ist die Welt nur ein kalter, grausamer Ort. Ohne Freunde... ohne Freunde ist das Leben verdammt einsam.", sagte sie und ihre Stimme hatte am Ende zu zittern begonnen.

Draco betrachtete sie nachdenklich und fuhr sich abwesend mit einer Hand durch sein blondes Haar.

„Dann ist mein Leben verdammt einsam, vermute ich.", erwiderte er leise. „Weißt du, auch wenn du es mir nicht glauben wirst, aber ich habe euch drei immerzu beneidet."

Seine Worte schienen für einen Moment lang bedeutungsschwer in der Luft zu schweben und Hermine schluckte, als sie die Trauer bemerkte, die sich seiner Züge bemächtigt hatte.

„Als Sohn von Lucius Malfoy ist das Leben verdammt einsam.", fuhr er fort.

Er hob langsam den Kopf und seine Augen trafen die ihren. Draco sah die Betroffenheit in ihrem Blick. Damit hatte sie wohl nicht gerechnet, dass er ihr sein Herz öffnen würde. Sie sah in ihm immer nur den verwöhnten Sohn aus reichem Haus, der immer das bekam, was er wollte. Das Mitleid, das ihn aus ihren zimtfarbenen Augen anblickte, traf ihn tiefer als ein Schwertstreich. Er wollte nicht ihr Mitleid, er wollte kein Mitgefühl von ihr, er wollte nicht mehr, als dass sie in ihm den Mann sah, er wollte von ihr begehrt werden. Bevor sie ihren Mund öffnen konnte, um einen ihrer altklugen Kommentare loszulassen, war er bereits bei ihr und umfasste ihre Schultern besitzergreifend. Ehe sie wusste, wie ihr geschah, hatte er sie schon in seinen Armen und seine Lippen auf die ihren gesenkt. Er verschloss ihren Mund mit einem Kuss, der ihre Worte erstickte und ihr beinahe die Besinnung raubte. So heftig hatte er noch nie zuvor in seinem Leben geküsst. Sein Kuss war fordernd, heftig massierte er ihre Lippen mit den seinen, bevor ihre Überraschung der Leidenschaft wich und ihr Widerstand erlahmte. Ihr Mund wurde weich unter seinen Liebkosungen und langsam gab sie dem Drängen seiner Zunge nach und öffnete sich für ihn. Sanft drang er in ihren Mund ein und gab sich ganz ihrem Kuss hin. Die Zeit schien für ihn stillzustehen. Er wollte nicht an die Zukunft denken, die für ihn ohnehin nur Leid und Schmerz bedeutete, er wollte den Moment auskosten, genießen, sich darin verlieren, ohne ihn mit einem Gedanken an das Danach zu ruinieren. Zärtlich ließ er seine Hände an ihren Seiten entlang nach oben wandern und vergrub seine Hand in ihren dichten Locken, die neckisch ihren Hals umspielten.

Anfangs war sie überrascht von seiner Impulsivität und sie hatte sich unter seinem Griff merklich versteift. Mit der Zeit aber entspannte sie sich merklich unter seinen Liebkosungen und erwiderte seinen Kuss mit einer Zärtlichkeit, die ihn beinahe um den Verstand brachte. Sie ließ sich in seine Arme fallen und ruhte mit ihrem Oberkörper an seinem Brustkorb, sodass er die Weichheit ihrer Brüste spüren konnte, während sie ihm seine Liebkosungen tausendfach mehr zurückgab, als er es sich jemals erträumt hatte in den letzten Tagen. Ihre eine Hand ruhte sanft in seinem Nacken, während ihre andere sachte auf seiner Brust ruhte.

Er zog sie fester an sich und schlang seine Arme um sie, gleichzeitig vertiefte er den Kuss. Ihr warmer Atem strich kitzelnd über seine Wange und er musste leise in sie hinein lachen. Ein wohliges Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus und durchfloss ihn schließlich von den Fußsohlen bis zu den Haarspitzen.

Ihm war es gleichgültig, dass es Granger war, die er da in seinen Armen fest umschlungen hielt, ihm war gleich, dass sie von zweifelhafter Abstammung war, ihm war gleich, was sein Vater dazu sagen würde, wenn er davon wüsste, ihm war gleich, was die Zukunft für ihn bringen würde, er lebte, im Hier und Jetzt, er hielt sie in seinen Armen, was er sich niemals erträumen hätte lassen und er fühlte sich zum ersten Mal seit langer Zeit geborgen.

Als er den Kuss schließlich atemlos zu Ende brachte und sich sachte von ihr löste, hielt er sie noch eine ganze Weile in seinen Armen und betrachtete sie, ließ seinen Blick über ihre geröteten Wangen streichen, bemerkte das Funkeln in ihren Augen und die sanft nach oben gezogenen Mundwinkel, als wollte sie ein schüchternes Lächeln andeuten, das er ebenso gehemmt erwiderte. Zärtlich strich er ihr eine vorwitzige Haarsträhne aus dem Gesicht und seine Mundwinkel zogen sich breiter auseinander zu einem ehrlichen Lächeln, das von Herzen kam. Wie lange war es her, dass ihm ein Lächeln gegolten hatte, das nicht aus Falschheit aufgesetzt gewesen war? Er konnte es nicht sagen. Unsagbar lange schien es ihm jedenfalls.

Sie hatte sich nicht aus seiner Umarmung gewunden, ihre Hände ruhten immer noch in seinem Nacken und auf seiner Brust und sie sah unverwandt aus Freude blitzenden Augen zu ihm auf. Langsam senkte er seinen Kopf und hauchte ihr einen verstohlenen Kuss auf die Backe.

„Filch ist mittlerweile seiner Wege gegangen, denke ich.", flüsterte er, sie nicht aus den Augen lassend.

Sie nickte bedächtig.

„Willst du immer noch mit mir kommen?", fragte er und verfluchte sich beinahe dafür, dass sein Herz schier aus seinem Brustkorb zu springen schien, als er seine Frage stellte. Am liebsten hätte er sich jedes Haar einzeln dafür ausgerissen. Niemals, niemals musste er befürchten, dass er abgewiesen wurde. Egal ob Gryffindor oder nicht, Schlammblut oder nicht, Granger oder nicht, er wurde niemals abgewiesen. Allein die Befürchtung schon grenzte an schieren Frevel. Er hatte noch niemals einen Korb bekommen. Und doch hatte er Angst davor, das sie ihn im letzten Moment abblitzen ließ, ihn zurückstieß und ihm ins Gesicht lachte. Er wollte doch nur eine Nacht in ihren Armen und alles um in herum vergessen.

Doch sie lachte nicht. Er konnte nicht einmal den leisesten Anflug von Spott in ihren Augen aufblitzen sehen, Stattdessen erwiderte sie seinen Blick nur aus großen Augen und blickte ihn nur ernst an. Und zu seiner großen Erleichterung nickte sie bloß und drückte ihm einen sanften Kuss auf die Lippen. Einen Kuss, der sein Innerstes schmelzen ließ.

Sie hatten es schließlich in den siebten Stock geschafft, mit einigen Verzögerungen, wo sie sich mitten in den Gängen wie verzaubert in die Arme gezogen hatten und die Nähe des anderen gesucht hatten, waren drei Mal vor der Statue von Barnabas dem Bekloppten auf und ab gegangen und hatten sich einen Zufluchtsort für eine Nacht vorgestellt, bevor sich vor ihnen in der Wand eine verwunschene Tür aufgetan hatte, durch die sie getreten waren und augenblicklich in ein riesiges Bett gesunken waren. Sie hatten Zeit und Raum vergessen, verloren sich in den Berührungen des anderen, brachten sich gegenseitig die Aufmerksamkeit entgegen, die sie in jener Nacht, die schon so lange zurückzuliegen schien, versäumt hatten.

Hermine verlor sich in seinen Armen und ließ sich fallen. Mit geschlossenen Augen gab sie sich ganz dem Moment hin, fühlte, wie er ihre Haut mit sanften Küssen liebkoste und ein wohliges warmes Gefühl breitete sich in ihrem Unterleib aus, das bald ihren ganzen Körper durchfloss. Behände öffnete er einen Knopf nach dem anderen und streifte ihr die Bluse von den Schultern, bis sie schließlich nackt vor ihm lag.

Sie schlug die Augen auf und bemerkte, wie er sie aufmerksam betrachtete. Sie konnte nicht anders. Ihre Lippen verzogen sich zu einem freudigen Lächeln und sie streckte die Arme nach ihm aus und zog ihn an sich. Sein Hemd fiel auf den Boden und sie lagen Haut an Haut. Sein Mund suchte den ihren und sie verloren sich in einem tiefen Kuss. Sie ließ ihre Fingerspitzen über seinen bloßen Rücken wandern und sandte Stromstöße durch seinen Körper, als ihre Fingernägel sanft über seine Haut kratzten. Ihre Finger fuhren den Bund seiner Hose entlang und sie konnte seine Erregung spüren. Langsam öffnete sie den Verschluss und er hob sein Becken leicht an, damit sie ihm die Hose von den Hüften streifen konnte. Dann rollte er sich kurz auf die Seite und befreite sich endgültig davon, ehe er sie wieder in eine feste Umarmung schloss.

„Willst du weitermachen?", flüsterte er ihr heiser ins Ohr und Hermine nickte mit verschleierten Augen.

Er hauchte ihr noch einen schnellen Kuss auf die Stirn, ehe sich die übrigen Kleidungsstücke zu den restlichen auf dem Boden verstreuten gesellten.

Er bemerkte, wie sie kaum merklich zitterte und zog fürsorglich die Decke über sie. Sie lächelte ihm dankbar zu.

„Mir ist ein wenig kalt.", flüsterte sie mit belegter Stimme und kuschelte sich unter der Decke eng an ihn.

Dann küsste sie ihn und schlang die Arme um ihn. Er spürte, wie sich ihre Hüften auffordernd gegen ihn drückten und nur zu gerne kam er ihrer Einladung nach. Mit einer fließenden Bewegung hatte er sie auf den Rücken gerollt und sie grinste ihn erwartungsvoll an.

Es war anders, als sie erwartet hatte. Der grobe, animalische Taumel, der sie das letzte Mal zu einander getrieben hatte, blieb diesmal völlig aus. Stattdessen verband sie nun eine aufmerksame Leidenschaft, die ihnen beiden bis dahin vollkommen fremd gewesen war. Draco hatte überhaupt noch nie so viel Zeit und Hingebung einem Mädchen entgegengebracht und er war von sich selbst überrascht, wie aufmerksam er ihre Miene betrachtete.

Als sie später verschwitzt und außer Atem neben einander lagen, griff er zaghaft nach ihrer Hand und ließ seine Fingerspitzen liebkosend über ihren Handrücken standen. Er spürte, wie sie sich merklich versteifte und ihre Hand reglos in der seinen lag.

„Was ist das, Malfoy?", fragte sie leise.

Er drehte sich auf die Seite, sodass er ihr ins Gesicht sehen konnte, ihre Hand hatte er nicht losgelassen.

„Willst du die Wahrheit hören?", entgegnete er.

Sie nickte stumm und hatte den Blick immer noch starr auf die Decke gerichtet.

Er wünschte sich nichts mehr, als dass sie ihn anschaute.

„Ich weiß es nicht.", antwortete er leise, so leise, dass seine Stimme kaum mehr als ein Flüstern war.

Sie gab ein verächtliches Schnauben von sich.

„Ach komm.", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Du weißt es ganz genau. Du hasst mich! Seit dem ersten Tag in Hogwarts. Du hasst mich, weil ich aus keiner Zaubererfamilie komme, du verachtest mich, du spuckst auf meine Herkunft. Was hast du vor?"

Draco hatte sich aufgerichtet und blickte nun in ihr Gesicht herab. Trotz ihrer Wut wirkte sie doch so verletzlich, wie sie da vor ihm in den Kissen lag.

„Hermine.", erwiderte er langsam und bedächtig. „Ich hasse dich nicht. Ich hasse dich nicht mehr, als du mich hasst."

Sie lachte nur freudlos auf.

„Lüg mich nicht an! Ich bin nicht blöd. Ich bin nur blöd genug, bei deinem Spielchen mitzuspielen."

Sie hatte ihre Augen immer noch auf die Decke gerichtet. Als er versuchte, ihren Kopf zu ihm zu drehen, schlug sie seine Hand weg.

„Hermine, wenn das hier funktionieren soll, müssen wir uns vertrauen.", sagte er eindringlich.

Endlich wandte sie ihm ihr Gesicht zu und in ihm spiegelte sich eine einzige Anklage wider.

„Ich soll dir vertrauen? Nachdem du jahrelang keine Gelegenheit ausgelassen hast, mich zu demütigen? Werd endlich erwachsen, Malfoy, nur weil ich mit dir schlafe, heißt das nicht gleich, dass ich all das vergessen habe und dir vertraue! Ich vertraue keinem Slytherin und schon gar nicht dir!"

Ihre Worte trafen ihnen wie ein Sectumsempra und er fühlte sich, als hätte man ihm den Boden unter den Füßen weggezogen.

„Warum hast du dich dann überhaupt darauf eingelassen?", wollte er leise wissen und zum ersten Mal in seinem Leben empfand er Angst. Er fürchtete sich vor ihrer Antwort. Wie ironisch doch die Welt sein konnte. Er, Draco Malfoy, hatte Angst vor einem Schlammblut. Dabei sollte es doch umgekehrt sein, oder? Nicht sie hatte sich ihm ausgeliefert, er hatte sich ihr ausgeliefert. Wusste sie von der Macht, die sie bereits über ihn besaß? Würde sie sie nutzen? Ihn zu Boden werfen und niedertreten? Ihn so behandeln, wie er sie all die Jahre behandelt hatte? In diesem Moment begriff er den Sinn von Gerechtigkeit. Und er wusste ganz genau, dass ihm diese Gerechtigkeit auf gar keinen Fall behagte. Bang zählte er die Sekunden, die quälend langsam vergingen, ehe sie auf seine Frage antwortete.

„Du bist zwar ein rassistischer Angeber ohne Rückgrat, aber du bist gut im Bett."

Wenn sie ihm eine schallende Ohrfeige versetzt hätte, hätte sie ihn nicht tiefer treffen können.

Als er verletzt schwieg, bemerkte sie spitz: „Ich habe dir gerade ein Kompliment gemacht, du solltest dich freuen."

Draco fühlte sich wie betäubt. Diese kaltherzige, gerissene Hexe. Dieses eiskalte, berechnende Biest. Nicht er hatte mit ihr gespielt, SIE hatte mit ihm gespielt. Sie musste es geplant haben, anders konnte es gar nicht sein. Oh, dieses durchtriebene Luder! Warum hatte der Sprechende Hut sie nur nach Gryffindor gesteckt? Mit den neuen Zügen, die er an ihr entdeckte, hätte sie hervorragend nach Slytherin gepasst! Er kratzte seinen verbliebenen Stolz zusammen und setzte eine undurchdringliche Maske auf.

„So läuft das nicht, Granger.", antwortete er mit eisiger Stimme. „Glaube nicht, dass du diejenige bist, die die Regeln bestimmt. Denn das mache ich, klar? Wenn du denkst, du kannst mich manipulieren, dann hast du dich gewaltig geirrt. Ich bin nicht dein Spielzeug. Und jetzt verschwinde!"

Überrascht riss sie die Augen auf.

„Du willst mich einfach so hinauswerfen?", fragte sie vollkommen perplex.

„Ich tue es!", erwiderte er entschieden. „Und jetzt mach, dass du rauskommst!"

Mit einem Ruck zog er ihr die Decke weg und sie suchte stolpernd ihre verstreuten Klamotten zusammen. Hastig zog sie sich an und wandte sich ohne einen Blick zurück zur Tür. Vor dem Hinausgehen verharrte sie noch einen Moment.

„Schon bescheuert, wenn man einmal am eigenen Leib erfahren muss, wie es ist, so behandelt zu werden oder?"

Dann fiel die Tür knallend ins Schloss und Draco war allein. Er stieß einen tiefen Schrei der Frustration aus und zertrümmerte die Einrichtung.


"Du siehst miserabel aus, selbst eine Leiche am Friedhof sprüht vor mehr Leben als du."


Neugierig geworden, wie es weitergeht? Dann freut euch auf das nächste Kapitel!

Übrigens: Ich beiße nicht und bin im Allgemeinen sehr verträglich, also nur her mit eurer Meinung, ich will doch so gern wissen, was ihr denkt! Ich freue mich auch, wenn ihr mir eure eigenen Vorschläge schreibt!