Nach dem netten Einkauf, heute ein kleines Hotelkapitel. Viel Spaß!
10. Jake
„Orientalisch, würzig, geheimnisvoll … du meinst, das passt zu mir?", las Severus vom Etikett vor.
„Oh ja!", antwortete Ginny und grinste. Dharas Worte waren ihr noch sehr genau im Gedächtnis.
Im Gang vor den Kassen legte Ginny noch einige Schokoriegel in den Wagen und Severus brummelte etwas, das klang wie „schokoladesüchtig wie Lupin", doch er schob den Wagen zügig weiter.
Auf dem kurzen Weg zum Hotel wurden die Plastiktaschen immer schwerer, der Trageriemen wurde immer dünner und schnitt ihnen in die Haut.
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Schweigend saßen Ginny und Severus an dem kleinen Tischchen in ihrem Zimmer. Gründlich überlegte Ginny, wie sie die Frage, die ihr schon die ganze Zeit auf der Zunge lag, stellen konnte, ohne dass sie zu neugierig wirkte. Sie schluckte ihren wirklich mehr als gut durchgekauten Mixed Pickles hinunter und fragte: „War das vorhin eine Prostituierte?"
‚Gut gemacht! Viel feinfühliger hätte ich das gar nicht fragen können!', schalt sich Ginny selbst.
Severus legte seine Scheibe Brot wieder auf den Tisch, ohne abgebissen zu haben. In seinen schwarzen Augen war ein unheilvolles Glimmen zu sehen.
„Welch Scharfsinn ... wie ungewohnt für ein Mitglied deiner Familie."
Ginny versuchte seinen bissigen Kommentar zu verdrängen und fuhr fort.
„Was wollte sie von dir?"
„Wer sagt denn, dass sie etwas von mir wollte?"
„Weshalb sollte sie sonst mit dir geredet haben?" Ginny spürte, dass er sie in eine Falle tappen ließ, doch sie konnte sie nicht entdecken.
„Ich habe sie abgesprochen", antwortete er kurz.
„Warum?", platzte Ginny heraus und hätte sich augenblicklich dafür ohrfeigen können, als sie den Gesichtsausdruck des Tränkemeisters sah. (B/N: Argh! Stop!)
„DAS erklärt dir wohl besser deine Mutter." (B/N:D)
Ginny spürte wie ihre Wangen zu glühen begannen, und beschämt starrte sie auf ihren Teller.
„Musste das sein, Severus?", fragte Dumbledore seufzend.
„Tut mir ja leid, dass ich nichts von eurer Gryffindor-Tugendhaftigkeit habe! Doch ich bin auch nur ein Mann. Was soll ich denn tun, wenn Prinzessin-rühr-mich-nicht-an ständig halb nackt vor mir herum schwänzelt? Und wenn Mister Oberkorrekt in meinem Kopf sitzt?", knurrte der Tränkemeister.
Ginny biss sich auf die Unterlippe und stand dann so abrupt auf, dass ihr Stuhl umkippte. Sie flüchtete aus dem Zimmer und rannte den Flur entlang, die Treppe weiter nach oben, bis sie vor der Tür zum Dachboden stand. Ein dürftiger Lichtschimmer fiel aus der einige Zentimeter weit geöffneten Tür.
Vorsichtig schob sie die Tür auf und trat in den von kleinen Deckenlampen spärlich beleuchteten Raum. Im Halbschatten wirbelte eine Gestalt herum und sah sie mit großen braunen Augen an. Es war ein Junge, vermutlich zwei oder drei Jahre jünger als Ginny. Seine Augen verengten sich und er ging drohend auf Ginny zu.
„Wer bist du? Und was willst du hier?", zischte er.
„Mein Name ist Ginny, ich wohne hier in diesem Hotel …"
„Hotel … dass ich nicht lache! Eine ganz billige Absteige ist das. Der Alte interessiert sich doch nur fürs Geld, damit er sich seine Betthäschen leisten kann."
„Du scheinst den Hotelbesitzer nicht sehr zu mögen. Arbeitest du hier?"
„Arbeiten! So kann man das auch nennen. Der alte Sack lässt mich nach der Schule schuften bis abends, damit ich mir Essen und das Zimmer verdiene."
„Hast du keine Eltern, wenn du hier wohnst?"
Der Junge lachte ... es war ein verlorenes, wütendes und bitteres Lachen.
„Der geile Geizkragen von Hotelbesitzer ist mein Stiefvater, Mr Oscar Perch. Er hat mich damals auf Drängen meiner Mutter adoptiert. Doch als sie starb, hat er mich immer wieder spüren lassen, wie wenig ihm an mir liegt. Er hätte mich besser nicht adoptiert, dann wäre ich jetzt im Heim … alles ist besser als hier …"
„Das tut mir sehr leid, wirklich!"
„Ich habe dir noch gar nicht gesagt, wie ich heiße. Ich bin Jake. Wenn du irgendetwas brauchst, wende dich an mich. Ich kann alles besorgen, außer Schusswaffen." Er grinste und sah an Ginny auf und ab. „Du bist die Kleine, die mit dem Typen gekommen ist, vor dem der Alte Schiss hat. Wow, es kommt nicht oft vor, dass jemand meinem Stiefvater Angst einflößt. Er hat ständig mit Drogenheinis und den Zuhältern zu tun, doch dein Typ hat ihm echt eine Heidenangst eingejagt. Schickt dich der Kerl auf die Straße?"
Ginny räusperte sich empört. „Nein, er ist mein Mann, wir … wir hatten nur einen Streit und da … da bin ich weggelaufen … und …"
„Dann komm, wir setzen uns ein wenig hier auf den Boden ... dann kannst du mir erzählen, was los war. Du bist nicht wie die anderen hier."
Sie setzten sich nebeneinander und Jake bot Ginny eine Zigarette an. Sie verneinte kopfschüttelnd.
„Was ist nun, Ginny, was hat er denn angestellt?"
„Nichts, er ist nur so launisch und dann faucht er mich immer wieder an. Man weiß nie, woran man ist."
„Das kenne ich; schlägt er dich auch? Oder zwingt dich zu anderen Sachen, die du nicht willst? Sperrt er dich ein oder lässt er dich hungern?"
„Nein, natürlich nicht!", empörte sich Ginny.
„Dann weiß ich gar nicht, was du willst."
Eine ganze Weile saßen sie schweigend nebeneinander. Jake rauchte noch eine zweite Zigarette, als plötzlich die dicke Gestalt des Hotelbesitzers durch die Tür polterte. Den Kopf hochrot von der Anstrengung des Treppensteigens und vor Zorn stand er da und schnaubte wie ein Nashorn.
„Du nichtsnutziger kleiner Dieb! Treibst dich hier herum mit so einer kleinen Nutte … oh, Sie sind das. Weiß ihr Mann, was Sie hier mit meinem minderjährigen Stiefsohn treiben?"
Er grinste schmierig, als er noch näher kam. Mit der bloßen Hand schlug er Jake hart an den Hinterkopf und bellte: „Mach, dass du nach unten kommst, im Empfangsbereich hat sich einer übergeben!"
Jake trollte sich, den Kopf reibend und warf Ginny einen entschuldigenden Blick zu.
Dann war sie alleine mit diesem furchtbaren Kerl.
Er kam immer näher ... Ginny wich zurück, bis sie mit dem Rücken an der Wand stand.
„Du brauchst doch nicht schüchtern zu sein, mein Täubchen. Der gute Oscar will nur seinen Spaß mit dir. Wenn du ganz brav bist, sage ich auch deinem Mann nichts."
Die schmierige Hand des Hotelbesitzers fasste Ginny am Kinn und er kam mit seinem Gesicht immer näher. Sein Atem auf ihrer Haut verursachte Krämpfe in Ginnys Magen.
„Das würde ich mir an Stelle des guten Oscars noch mal überlegen", zischte Severus Stimme durch den Raum. „Es sollen schon Leute an ihrer eigenen Zunge erstickt sein. Wir sollten diesen Mythos überprüfen." (B/N:D :D :D)
Der Angesprochene wurde weiß im Gesicht und schluckte hart.
„Aber ich habe ihre Frau erwischt, wie sie es mit meinem Stiefsohn hier oben treiben wollte!", rechtfertigte er sich schnell.
„Was meine Frau wo und mit wem treibt, ist ihre Sache! Und meine … doch ganz bestimmt nicht die ihre!" (B/N: Strike!)
Severus hatte sich hinter dem Mann aufgebaut und seine fehlende Robe tat seinem Auftritt keinen Abbruch, fand Ginny.
„Egal, was du ihm antust, Severus, ich bezeuge, dass du nichts getan hast!", grummelte Albus.
So schnell ihn seine kurzen Beine trugen rannte Oscar aus der Dachkammer. Severus wandte sich um und ging kommentarlos. Ginny lief mit hängendem Kopf hinter ihm her und versuchte ihre Puddingknie unter Kontrolle zu halten.
Im Zimmer angekommen nahm sie ihren Pyjama und ging ins Bad. Während des Zähneputzens liefen ihr immer wieder Tränen über die Wangen. Sie schrubbte mit der Zahnbürste auch die Teile ihres Gesichtes, an denen Oscar sie angefasst oder sein Atem sie berührt hatte. Doch sie fühlte sich immer noch schmutzig. So stieg sie unter die Dusche und ließ sich vom Fruchtaroma ihres Duschgels einhüllen.
Mit nassen Haaren verließ sie das Bad und legte sich ins Bett. Ganz leise sagte sie: „Danke!", ohne ihren Blick von der Bettdecke zu nehmen.
„Danke deinem kleinen Freund, wenn er mich nicht geholt hätte …"
„Daran will ich gar nicht denken! Aber ich habe gleich gesagt, es ist gefährlich hier!", bemerkte Albus. (B/N:D Der merkt einfach nicht, wenn es besser wäre, den Mund zu halten ...)
„Jake hat dich geholt?"
Nun sah sie ihn doch an; sie bemerkte, dass seine Haare feucht waren und er nach Kräutershampoo und Duschgel roch. Er hatte ebenfalls geduscht.
„Trotzdem Danke!"
„Schlaf jetzt, wir müssen früh los."
Snape löschte das Licht und Ginny lag da und starrte in die Dunkelheit. Es war ziemlich still. Doch nach kurzer Zeit dröhnte ein Stöhnen durch die Stille, begleitet von einem rhythmischen Quietschen. Das Stöhnen wurde lauter und ließ sich eindeutig einer Frau und einem Mann zuordnen. Was hatte Jake erzählt? ... In diesem Hotel stiegen die Prostituierten mit ihren Freiern ab?
Severus drehte sich einige Male unruhig hin und her. Doch sie sah weiterhin starr nach oben in die Dunkelheit. Es war so peinlich, in einem Bett mit Snape zu liegen und nebenan zuzuhören, dass ein Paar Sex hatte. Sie fand es so furchtbar, so unangenehm, den Beiden zuhören zu müssen. Was das wohl für eine Frau sein mochte, die so ihr Geld verdienen musste? Ihr fiel ein, wie unfreundlich sie zu der jungen Frau auf der Straße gewesen war, und ein leises schlechtes Gewissen regte sich in ihr.
Wenn es sich aber vielleicht doch nicht um eine Prostituierte und ihrem Freier handelte, sondern um ein richtiges Pärchen … sie fühlte ein Kribbeln in ihrem Bauch. Ein warmes und drängendes Gefühl dass sie schon öfter hatte, wenn sie im Fuchsbau eines der anderen Pärchen gesehen hatte. Ob es Severus ebenfalls so ging?
Was bei Merlin interessierte es sie ob er von diesem Gestöhne angeregt wurde? Aber wie hatte er sie beim Essen genannt? Prinzessin-rühr- mich-nicht-an? Über ihren Gedanken schlummerte sie langsam ein ...bis sie von einem lauten Seufzer aus dem Schlaf gerissen wurde. Severus war noch unruhiger geworden; er stöhnte und Ginny überlegte ernsthaft, ob er Schmerzen hatte, bis ihr die Erkenntnis ins Gesicht schlug. Severus träumte einen vom Sex im Nebenzimmer angeregten Traum. Unwillkürlich musste sie grinsen; wenn er wüsste, dass sie mitbekam, dass er solche Träume hatte …
Dann begann er zu murmeln, leise und schwer verständlich, doch der jungen Hexe war so, als hätte sie ein paar Mal ihren Namen gehört. Sie würde ihm am nächsten morgen nicht ins Gesicht sehen können, ohne rot zu werden.
Severus Snape träumte von ihr ... und keinen sehr anständigen Traum, so wie es sich anhörte.
Tbc
(B/N: Frage an Radio Eriwan: „Wir wissen nicht mehr, was wir tun sollen. Wir wohnen in einer staatlich - sozialistischen Wohnsiedlung und daher hört man jedes Geräusch aus der Nachbarwohnung. Unsere Nachbarn lieben sich jede Nacht, und wir können keine Nacht mehr schlafen.
Haben sie einen Rat, was wir tun sollen?
Radio Eriwan antwortet: „Im Prinzip ja. Lieben sie lauter.")
(A/N: Jetzt drängel doch nicht so. ;D)
Denkt an ein kleines Review. liebanlächel
