Gwen saß allein im Wohnzimmer. Rhys war noch mit Edward bei seiner Familie und sie wusste, dass sie den Jungen vermutlich dort bereits schlafen gelegt hatten, so dass es später werden konnte.
Sie hörte die Geräusche aus dem Zimmer. Erst war sie sich nicht sicher, aber als sie den Doctor plötzlich laut und lustvoll „Ja!" keuchen hörte, war sie endgültig klar, was oben geschah und sie mußte sich eingestehen, dass die leise Geräuschkulisse ganz schön heiß war. Sie lehnte sich im Sofa zurück, nahm die Fernbedienung des Fernsehers in die Hand und schaltete das Gerät an. Leise zwar, aber gerade laut genug, dass sie von oben nichts mehr hören konnte.
Sie konnte allerdings nicht verhindern, dass sie nervös war, bei dem Gedanken an die beiden Männer. Jack war ihr immer schon sehr, sehr wichtig gewesen und den Doctor hatte sie ... schätzen gelernt? Nein ... sie hatte ihn lieb gewonnen ... jeder andere Ausdruck wäre falsch gewesen. Sie hatte in den vergangenen Monaten mit ihm mitgelitten und sich mit ihm über jede Besserung gefreut. Das war er also – Jacks Doctor ... der Mann, den sie immer hatte kennen lernen wollen und bei dem auch sie davon ausgegangen war, dass er sich in Scham von der Erde abgewandt hatte angesichts der Dinge die sich auf diesem Planeten abgespielt hatten. Und wie Jack nun hatte sie schon vor Monaten erfahren müssen, wie sehr sie damit falsch gelegen hatte. Und sie verstand Jack. Wusste nun, was er gemeint hatte, als er von dem „richtigen Doctor" gesprochen hatte auf den er wartete.
Sie sah den Abendkrimi und sah ihn doch eigentlich nicht, da ihre Gedanken ununterbrochen um die beiden Männer kreisten, die sie oben im Zimmer des Doctors zurückgelassen hatte.
Als einer der Hauptfiguren des Krimis den Täter schnappte und sie nicht einmal sagen konnte, wer dieser Mann nun war, schaltete sie seufzend den Fernseher aus und legte die Fernbedienung wieder weg.
Von oben war nichts mehr zu hören.
Sie wartete noch einen Augenblick, dann stand sie auf und ging zur Treppe. Vor der Zimmertür wartete sie noch einmal kurz, dann öffnete sie die Tür leise, wie sie es jeden Abend tat, wenn der Doctor bereits eine Weile schlief.
Das Bild das sich ihr bot berührte sie so tief, dass sie es mit leicht offenem Mund und kaum atmend betrachtete.
Die beiden Männer lagen, unbekleidet und offenbar in tiefem Schlaf versunken aneinander geschmiegt. Der Doctor lag halb auf Jack, halb in seinem Arm, ein Arm lag unendlich entspannt und locker über Jacks Brust und Jacks Gesicht war an das zerzauste Haar des Doctors gelehnt, als wolle er im Schlaf den Duft des Timelords in sich aufnehmen. Beide sahen unendlich friedlich aus. Das Wort dass Gwen einfiel als sie sie so ansah war „perfekt".
Sie konnte nicht widerstehen und trat näher ans Bett heran und als sie direkt daneben stand, setzte sie sich sogar vorsichtig auf die Kante des Bettes, um die beiden Schlafenden anzusehen.
Sie saß neben Jack. Der Doctor lag auf der anderen Seite und dadurch dass sein Kopf halb in Jacks Arm, halb auf seiner Brust lag, war sein Gesicht ihr zugewandt.
Nicht zum ersten Mal betrachtete sie ihn in aller Stille und versuchte zu verstehen wer er war.
Als er plötzlich, einfach so, die Augen öffnete und sie ohne jede Regung ansah, fühlte sie sich so ertappt, dass sie beinahe aufgesprungen wäre. Aber irgendetwas an seinem Blick hielt sie, wo sie war und zu ihrer Verwunderung stellte sie fest, dass es ihm scheinbar nicht unangenehm war, dass sie ihn so mit Jack sah – dass sie ihn generell so sah ... Plötzlich lächelte er sanft auf eine Weise die Gwen wissen ließ, dass er er selbst war und sie lächelte zurück. Es war mit einem Mal das Selbstverständlichste der Welt, dass sie den Arm ausstreckte, bis sie sein Gesicht berühren konnte und ihm einmal zärtlich über die Schläfen und die Wange streichelte. Ohne sich zu bewegen ließ er das geschehen.
Gwen erhob sich und zog die Bettdecke die zerknüllt am Fußende des Bettes lag hoch und legte sie über den Doctor und den noch nach wie vor schlafenden Jack.
Sie lächelte noch immer und so tat es der Doctor – auch als er wieder die Augen schloss, einmal tief und genießend ein- und ausatmete und scheinbar wieder in Schlaf fiel.
Als Gwen mit einem letzten Blick auf die Männer den Raum verließ, stieg Stolz in ihr auf. Die gerade erlebte Szene hatte sie erkennen lassen, dass der Doctor sie auf eine Arte als Vertraute akzeptiere, die weit über das hinaus ging, was sie für möglich gehalten hätte.
