Hallo six,

danke für dein Review! Freut mich sehr, dass die Geschichte so einen Eindruck bei dir hinterlassen hat : )

Ich komme immer wieder raus aus der Geschichte, weil mich Umstände zwingen, längere Pausen beim Schreiben zu machen, aber ich habe versprochen, die Story zu beenden, und es würde mein Selbstverständnis doch sehr ankratzen, wenn ich das nicht täte. ; )

Auch wenn es mir nicht auf die Zahl der Reviews ankommt, kann es einen schon sehr an der Geschichte zweifeln lassen, wenn nur so wenige Menschen eine Rückmeldung schreiben. Aber zum Glück hat Wolfsbann auf einer anderen FF-Seite mehr Aufmerksamkeit bekommen : )

Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich hoffe, die Geschichte wird dir weiterhin so gut gefallen.

Viele liebe Grüße,

Kraehe

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10.

Das neue Jahr begann so kalt und klirrend, wie das alte aufgehört hatte, und doch schien etwas in der Luft zu liegen. Wenn Remus in den Spiegel sah, sah er noch immer dunkle Augenringe, graue Haare, wenn er einen anstrengenden Schultag hinter sich hatte, zitterten seine Hände. Aber in ihm war eine Energie, die ihn in Bewegung hielt. Er hatte Hunger auf Schokoladenkuchen und Süßigkeiten und auf alles, was die Schlossküche zu bieten hatte. Er fand endlich den Mut, mit Harry zu sprechen und stimmte einer Einladung Minervas zum Jahresanfangstrunk in den Drei Besen zu. Doch seine Stimmung war nicht das einzige, das sich verändert hatte.

Tief in seinen Umhang gehüllt stand Remus hinter seiner Tür und wartete. Er hielt den Atem an und zählte bis Drei, dann riss er die Tür auf. Professor Flitwich stieß einen Schrei aus und sprang zur Seite.

„Oh Verzeihung, ich wollte dich nicht erschrecken."

Der Lehrer für Zauberkunst rückte seinen Hut zurecht und musterte ihn. „Keine Ursache." Er zögerte noch einige Sekunden, dann nickte er Remus zu und ging weiter den Gang entlang.

Remus hatte es gewusst. Er hatte gewusst, dass jemand an seiner Tür vorbei gelaufen war, ohne dass er die Schritte hörte. Er stieß nicht mehr ausversehen mit anderen Zauberern beim Frühstück zusammen und er musste an Ecken in den Gängen nicht mehr ausweichen, weil er jedes Mal vorher wusste, wann Schüler auf der anderen Seite auf ihn zu kamen. Leise stieg er die Treppe im Westflügel hinunter, er wusste, dass der Flur dahinter leer war. Wie praktisch diese Fähigkeit damals gewesen wäre, als er mit James und Sirius durch die Nacht gezogen war. Er zuckte zusammen, als sich in seinem Augenwinkel etwas bewegte. Der fast kopflose Nick schwebte an ihm vorüber und lüpfte den Kopf zum Gruß. Nun, offenbar funktionierte diese neue Fähigkeit nicht bei Gespenstern.

Als er durch das Portal trat, wehte ihm schneidender Wind entgegen, er zog den Umhang enger um sich. Gern hätte er mit Snape darüber gesprochen, aber Snape, nun das war eine andere Sache.

Als er die Eingangstür zu den Drei Besen öffnete, lächelten ihm Minerva, Pomona und Rolanda fröhlich zu und hoben ihre Butterbiere.

„Kommt Poppy nicht?" fragte er und zog sich einen Stuhl heran. Das Lokal war gefüllt mit Menschen mit roten Gesichtern. Er hatte es nie sehr lange in Hogsmeade ausgehalten. An einem Ort wie diesem wurde ein Werwolf sehr schnell bemerkt.

„Zu viele Schüler mit Weihnachtsbauchschmerzen", sagte Pomona.

„Was?" Remus war verwirrt. „Ach so, Poppy."

„Ist alles in Ordnung mit dir?" fragte Rolanda.

„Jaja, mir geht's gut." Er lächelte in die Runde und führte das Butterbier an den Mund, das Madame Rosmerta ihm gerade auf den Tisch gestellt hatte. Die drei Frauen warfen sich einen vielsagenden Blick zu und schwiegen. Na wunderbar, scheinbar hatte Minerva mit den anderen gesprochen.

„Weiß man Neues von Sirius?" fragte er, um vom Thema Snape abzulenken. Die Männer an den umliegenden Tischen verstummten. Offenbar hatte Remus Talent für glückliche Themenwahl.

„Die üblichen Dinge", antwortete Rolanda. „Er soll in London sieben Muggel in Kreisel verwandelt und in Manchester eine Toilette in die Luft gesprengt haben."

„Natürlich war er an beiden Orten zugleich", fügte Minerva hinzu. „Dumbledore denkt, dass er noch immer ums Schloss streicht."

Es fiel Remus schwer, sich vorzustellen, dass Sirius in diesem eisigen Winter da draußen so viele Wochen ausharren konnte. Der Gedanke, dass sein Freund sich wirklich so nah befinden, dass er Remus sogar schon beobachtet haben konnte, kam ihm absurd vor. Sirius war vor vielen Jahren gestorben.

„Was glaubt ihr?" fragte er.

Rolanda zuckte mit den Schultern. „Ich will mich da auf keine Spekulationen einlassen. Du kennst ihn am besten."

Er kannte ihn am Besten. Remus leerte sein Glas. Sein Magen zog sich zusammen. „Nein, ich kenne ihn nicht", sagte er.

Rolanda nahm seine Hand. „Tut mir Leid, Remus, so war das nicht gemeint."

Er nickte.

„Ich kann mir nicht ausmalen, wie schwer das alles für dich gewesen sein muss."

Remus zuckte hilflos mit den Schultern. „Naja, es ist lange her... und jetzt bin ich hier. Es ist alles anders als damals..."

Die Vier schwiegen betreten, bis ein heruntergefallenes Glas am Nachbartisch den Bann brach.

„Es sieht nicht so aus, als sei es dir in den letzten Wochen besonders gut gegangen", sagte Pomona schließlich. „Remus, wir machen uns Sorgen um dich."

„Snape lässt ihn leiden, dafür, dass er ihm den Trank braut", sagte Minerva leise, so dass man es an den umstehenden Tischen nicht hören konnte.

„Habt ihr mich eingeladen, um mit mir über Snape zu reden?" Remus Stimmung näherte sich dem Nullpunkt.

„Nun, das auch", sagte Pomona und lachte verlegen. „Aber wenn du nicht darüber sprechen willst, ist es in Ordnung. Wir dachten, ein wenig Ablenkung würde dir gut tun."

Remus zögerte. „Es gab einige Schwierigkeiten mit dem Trank. Aber ich denke, die haben wir jetzt behoben."

Es herrschte noch einige Sekunden Schweigen am Tisch. Sie glaubten ihm nicht. Schließlich bestellte Pomona Feuerwhisky für alle. „Also ich weiß nicht, wie es euch geht, aber ich wäre dafür, zur Abwechslung mal über was Aufbauendes zu reden."

Als die Vier am Ende der Nacht aus den Drei Besen traten, musste Minerva Pomona stützen und Rolanda hakte sich bei Remus ein. Er sah zu den Sternen hinauf und atmete die klare Luft ein. Er fühlte sich leicht. Und ein wenig betrunken, wie er zugeben musste. Wie in den alten Zeiten, als er mit den Herumtreibern durch die Kneipen gezogen war.

„Wann musst du wieder zum Foltermeister?" fragte Pomona plötzlich.

„In zwei Wochen ist der nächste Termin, ich nehme an, er wird mich dann zu sich zitieren."

„Ich hoffe nur, du bereust deine Redseligkeit dann nicht", lachte Pomona.

Ein Prickeln im Nacken ließ Remus sich umdrehen. Im Schatten zwischen dem Eberkopf und Derwisch und Bangas standen zwei Gestalten und sahen zu ihnen herüber. Remus Nackenhaare stellten sich auf. Von der größeren Gestalt ging ein Geruch nach geronnenem Blut aus, die andere Person war Snape. Ihm wurde schwindlig. Der Wolf zerrte an ihm, versuchte an die Oberfläche zu kommen, wie immer, wenn er Snape in den Fluren begegnete.

„Lasst uns nach Hause gehen", sagte Rolanda und zog ihn an der Taille vorwärts. „Es ist schon spät."

Remus verwünschte sich selbst als er durchs Schloss ging und den Alkoholnebel in seinem Kopf zu vertreiben versuchte. Er hatte mit Snape reden wollen, schon seit Tagen, aber er wusste nicht, wie er es sagen sollte, und wann immer er Snape in den Fluren oder beim Frühstück begegnete, war dieser so abweisend und seine Gefühle so stark, dass er einfach nicht den Mut aufbrachte. Er konnte sich ausmalen, wie ein Gespräch mit Snape verlaufen würde. Remus seufzte und öffnete die Tür zu seinen Räumen. Jetzt würde Snape glauben, er habe sich mit den anderen verbündet, habe über ihn geredet. Im Dunkeln lehnte er sich an die kalte Wand. Draußen am Himmel stand eine schmale Mondsichel und leuchtete höhnisch auf ihn herab. Er sollte es jetzt tun. Er sollte zu ihm gehen und mit ihm sprechen.

In der Kommode neben seinem Bett fand er das Halsband und nahm es zwischen die Handflächen.

Im nächsten Moment stand er in Snapes Wohnzimmer. Es war leer, nur ein kleines Feuer brannte im Kamin.

„Severus?" fragte er. Dann etwas lauter: „Severus, bist du hier?"

Niemand antwortete. Ihm war nie in den Sinn gekommen, dass der Portschlüssel auch funktionieren könnte, wenn Snape nicht zuhause war. Mit Grauen dachte er an das letzte Mal, als Snape nicht dagewesen war und Remus sich hatte umsehen wollen. Jetzt rührte er sich nicht von der Stelle.

Nach einigen Minuten hörte er Schritte im Flur und der Zauberer stand in der Tür. Mit einem Schwenk seines Stabs entzündete er die Fackeln an den Wänden und legte seinen Umhang ab. Seine Bewegungen waren kontrolliert, wie die eines Menschen, der es vermeiden wollte, im nächsten Moment zu explodieren.

„Severus, ich wollte..."

„Halt den Mund." sagte er gepresst. „Wenn du nicht willst, dass ich dich umbringe, dann halt jetzt einfach deinen Mund."

Snape ließ ihn stehen und ging hinüber ins Bad. Das Wasser lief. Nach einigen Minuten kam er wieder, ein Handtuch in seinen Händen. „Also, was hast du mir zu sagen? Lass mich raten: Es ist alles völlig anders, als es aussieht?"

Remus nickte. „Wenn du das meinst, was Pomona gesagt hat, dann ist es das wirklich. Sie haben mich eingeladen..."

„Das ist sehr schön für dich."

Remuns rang die Hände. „Ich habe nichts erzählt, ich habe nicht..."

„Mitgelacht?" zischte Snape.

Er seufzte und fuhr sich durchs Haar. Das hier lief bei weitem nicht so, wie er es sich vorgestellt hatte. Immerhin hatte Snape ihm noch nicht den Hals herumgedreht. „Sieh in meinen Erinnerungen nach, wenn du mir nicht glaubst. Bitte."

Snape schnaubte verächtlich. „Das ist nicht nötig. Ich bin mir sicher, dass du deinen Mund zu deinem eigenen besten hältst."

„Severus, du hast keinen Grund, eifersüchtig zu sein."

„Eifersüchtig?" Der Zauberer sah Remus an, als seien ihm Fühler gewachsen. „Ich lasse mich nur nicht von dir zum Narren machen!"

„Sieh nach, wenn du mir nicht glaubst", sagte Remus leise und trat auf ihn zu. „Severus, was ich für dich empfinde..."

„Nicht wieder das!" Snape hob abwehrend die Hände.

„Ich weiß, dass du genauso empfindest."

Der Zauberer schloss die Augen und massierte sich die Nasenwurzel. Dann begann er zu lachen, es war ein trockenes, freundloses Lachen. „Nein Remus, das tue ich nicht."

„Ich liebe dich, Severus", flüsterte er.

Snape sah ihm in die Augen. „Und ich liebe dich nicht."

Die Tage verstrichen, ohne dass Snape ihm noch einmal gestattete, mit ihm zu sprechen. Es sei alles gesagt zwischen ihnen, meinte er. Der Portschlüssel war ebenfalls deaktiviert. Um sich abzulenken, stürzte Remus sich in seine Arbeit, wälzte nächtelang Bücher und gab sich jede Mühe, die Aufsätze seiner Schüler aufs gewissenhafteste zu kommentieren. An den Wochenenden besuchte er den Lehrerstammtisch in den Drei Besen, den Rolanda wiederbelebt hatte. Er versuchte sogar, dem dreizehnjährigen Harry den Patronuszauber beizubringen, damit er sich gegen die Dementoren verteidigen konnte, die es so auf ihn abgesehen hatten. Der nächste Vollmond kam näher, doch was fehlte, war eine Nachricht von Snape.

Als es am Abend der Vollmondnacht bereits dämmerte, klopfte Remus an die Wohnungstür des Zauberers. Snape sah von seinen Papieren auf. Er deutete auf eine Flasche, die auf dem Wohnzimmertisch stand. „Nimm sie und geh in dein Zimmer. Ich werde heute nicht dabei sein."

„Warum nicht?"

Snape runzelte die Stirn. „Ich bin dir keine Rechenschaft schuldig."

„Nein, das bist du nicht." Remus trat näher an den Schreibtisch und sah Snape zu, wie er ein Wort nach dem anderen aufs Papier brachte.

Endlich sah er auf. „Der Trank ist sicher. Es wird nichts passieren."

Remus dachte an den Abend in Snapes Keller zurück, in dem das Grauen ihn so überwältigt hatte, dass er dem Wolf die Kontrolle übergab. Und er dachte an all die Nächte, in denen er durch die Nacht gestreift und in denen er in einem engen Verschlag umhergestrichen war, sich die Pfoten blutig gekratzt hatte, weil von draußen der Geruch von Mensch herein wehte.

„Willst du mich dafür bestrafen, dass ich gesagt habe, dass du etwas für mich empfindest, oder ist es, weil du mich jetzt nicht mehr brauchst? Der Mann, mit dem du dich im Eberkopf getroffen hast, ist ein Werwolf, nicht wahr?"

Snape legte langsam die Feder beiseite. „Du bist wie ein Hund", sagte er. „Je mehr sein Herr ihn tritt, desto mehr liebt er ihn."

Remus schwieg.

„Ich habe es genossen, dich zu quälen, jede einzelne Sekunde. Und dich von mir abhängig zu machen. Ich bin..." Snape zögerte. „Weit genug gegangen." Er stand auf und sah Remus an. „Es geht dir jetzt besser. Über das Gröbste bist du hinweg, denke ich. Du brauchst mich nicht mehr. Ich werde dir den Wolfsbanntrank weiterhin brauen, aber wir werden uns nicht mehr sehen. Nimm den Trank und geh."

Remus sah zu der Flasche hinüber, die auf dem Tisch stand. Wie lange hatte er sich genau das gewünscht? Aber doch nicht jetzt, nicht jetzt, wo er... wo Snape und er... Sein Hals war trocken. „Ich will dich nicht verlieren", sagte er.

„Remus, ich mache dir dieses Angebot nur ein Mal. Ich gebe dir mein Wort, dass ich dir den Wolfsbanntrank brauen werde, solange ich es kann."

„Nein, Severus, so leicht wirst du mich nicht los, nicht nach allem, was du mit mir gemacht hast."

„Was willst du?"

„Ich will dir so helfen, wie du mir geholfen hast."

Snape seufzte. „Du bist dumm, Lupin, unglaublich dumm. Ich kann mit deiner Hilfe nichts anfangen, und wir werden auch keine Freunde, nur weil du das Angebot ausschlägst."

„Das heißt, ich habe eine Wahl?"

„Ich bin keinen Schritt weiter, wenn ich dir jeden Monat den Wolfsbanntrank in den Hals zwingen muss, bevor ich gehe." Snape musterte ihn kühl. „Wenn du dich allerdings gegen mein Angebot entscheidest, wird es keinen Trank geben."

Remus Herz pochte. Kein Trank. Snape scherzte nicht. Sicher würde das bedeuten, dass er die Nacht in Snapes Tränkekeller verbringen musste. Sicher hatte Snape einen Plan, der niemanden gefährden würde. Er sah dem Zauberer zweifelnd in die Augen. Was hatte er denn für eine Wahl? Welche Möglichkeiten würde es sonst geben, an ihn heran zu kommen, auch nur Zeit mit ihm zu verbringen, abgesehen von den zehn Minuten, die sie beim Frühstück im selben Raum verbrachten?

Nein, er würde alles tun, um in Snapes Nähe zu bleiben. Ich gehöre ins St. Mungos, dachte Lupin verzweifelt.

„Ich bleibe", sagte er.

Snapes Gesicht war wie Wachs. Remus sah einen Muskel in seiner Schläfe arbeiten. „Wenn du dieses Angebot aus romantischen Gefühlen ausschlägst, dann hast du es nicht besser verdient", sagte er endlich.

Remus war sich sicher, dass Snape dafür sorgen würde, dass er seine Entscheidung bereute.

Noch bevor der Mond aufging verließ er mit Snape das Schulgelande. Sie apparierten unter freiem Himmel. Remus sah sich um, er war durcheinander, er kannte diesen Ort nicht. Sie befanden sich am Rand einer Klippe und tief unter ihnen brandete das Meer mit ausdauernden Zügen gegen den Felsen. In ihrem Rücken lag ein Wald, dunkel und lautlos unter dem Rauschen des Wassers. Die Sonne war bereits untergegangen und der Himmel leuchtete in dämmrigem Blau. Ein Gedanke traf Remus wie ein elektrischer Schlag. War Snape hierher gekommen, um zu sterben?

Der Zauberer griff in seine Tasche und holte einen Gegenstand hervor. Der Wind blies ihm die Haare aus dem Gesicht und ließ seinen Umhang flattern. Remus kannte es, es war die zusammengerollte Peitsche, die Snape schon in der letzten Vollmondnacht bei sich getragen hatte.

„Gib mir deinen Stab", rief Snape gegen den Wind an. „Und zieh deine Sachen aus, wenn du nicht willst, dass sie zerreißen."

Remus händigte ihm den Zauberstab aus und sah sich um.

„Es ist niemand hier außer uns beiden."

Er beeilte sich, denn er spürte die Verwandlung näher rücken. Die Luft war eisig. Als er seine Sachen ins Gras legte, blähten sie sich auf und setzten sich in Bewegung.

„Gib sie mir", sagte Snape. „Ein Sturm zieht auf."

Snapes Hände rochen nach Blut.

„Hast du den Trank für alle Fälle?" fragte Remus den Zauberer. Er wünschte, die Verwandlung würde nicht so bald einsetzen, er wünschte, er würde begreifen, was Snape mit ihm vor hatte.

„Es wird keine Probleme geben." Snape war so blass wie der Mond, der bald aufgehen würde, aber um seine Mundwinkel spielte ein grimmiges Lächeln. „Und nun knie nieder vor deinem Herrn."

Er rollte das auf, was Remus für eine Peitsche gehalten hatte, es war ein Seil. Wie eine Schlange stieg es aus Snapes Händen in die Luft, eine Schlange, die Ausschau nach ihrem Opfer hielt. Remus kniete im Gras und beobachtete das Wesen mit aufgerissenen Augen. Der Geruch, der davon ausging roch nach Tod.

In dem Moment, in dem der Mond sich zeigte, stürzte sich das magische Artefakt auf ihn. Wie eine Würgeschlange wand es sich um seinen Hals, bis er nach Luft schnappte. Mit dem letzten Atem schrie Remus auf, als sich Nadeln in seine Haut bohrten. Dann setzte die Verwandlung ein.

Keuchend lag der Wolf im Gras. In den Geruch von altem Blut mischte sich der von Angst, Eiter und Verwesung. Er stemmte sich hoch und grub die Pranken in das Seil, das ihm den Hals zuschnürte, doch es gab nicht nach, sondern zog sich zusammen, bis die Luft nur noch mit einem Pfeifen in seine Lungen strömte.

Remus senkte die Pfoten, doch nichts geschah. Der Wolf kämpfte, Remus hatte keinen Einfluss darauf. Er war in einem Körper eingesperrt, der ihm nicht gehörte.

„Hör auf zu kämpfen", sagte Snape.

Der Wolf knurrte und schlich auf die Stimme zu. Der Druck auf seine Kehle verschwand. Der Mensch stand ihm gegenüber. Er war es. Er, der ihn eingesperrt hatte, der ihm weh getan hatte. Er roch nach Aufregung. Er roch unwiderstehlich.

Remus wollte schreien, als seine Beine sich in Bewegung setzten und er zum Sprung ansetzte. Seine Nackenhaare stellten sich auf. Dann fingen sie Feuer.

Der Wolf heulte auf und warf sich ins Gras, doch die Flammen züngelten weiter. Er schrie und schlug nach dem Band, das ihn festhielt, versuchte seine Zähne hinein zu graben. Er konnte es nicht erreichen. Die Luft roch nach verbrannter Haut, seiner Haut. Dann war der Schmerz verschwunden. Er öffnete die Augen. Der Mensch stand neben ihm und strich ihm über das Nackenfell, das gerade eben verbrannt war.

„Erstaunlich", sagte er.

Panisch beobachtete der Wolf, wie sich seine linke Vorderpfote hob und auf ihn zu bewegte. Er versuchte auszuweichen, doch seine Muskeln gehorchten ihm nicht. Sein Maul öffnete sich, seine Pfote schob sich hinein, dann drückten die Zähne sich zusammen. Er heulte vor Angst.

„Willst du, dass es aufhört?" fragte die Stimme des Menschen in seinem Kopf. Dann spürte er nichts mehr.

Als er wieder zu sich kam, befand er sich auf den Beinen. Er sprang über einen umgestürzten Baumstamm und lief weiter. Der Mensch war neben ihm. Er biss zu.

„Ah, ja, das dachte ich mir", sagte die Stimme in seinem Kopf. „Ich habe vorgesorgt."

Er konnte sein Maul nicht öffnen, er konnte auch nicht stehen bleiben oder davonrennen. Angst machte sich in ihm breit. Der Geruch des Menschen ließ ihm das Wasser im Maul zusammenlaufen, er war so hungrig, dass er vor Schwindel das Gleichgewicht verlor.

Schmerz zuckte durch seinen Rücken und seine Krallen bohrten sich in den Boden. Er stand. Der Mensch trat vor ihn, in einer Hand hielt er einen Stab, in der anderen das Ende des Seils, das um seinen Hals gewickelt war.

Der Wolf tat etwas, das er zum ersten Mal in seinem Leben tat, er drehte sich um und floh.

Er schlug gegen einen Baum. Dort war kein Baum gewesen, gerade eben. Die Gerüche und Bilder, die auf ihn einströmten ergaben keinen Sinn. Alles drehte sich, nichts passte zueinander. Schmerzen zuckten an jeder Stelle seines Körpers auf, seine Lungen standen still.

„Willst du, dass es aufhört?"

Da war sie wieder, die Stimme in seinem Kopf.

Ja, ja, er wollte, dass es aufhörte.

„Dann musst du mir gehorchen."

Sein Herz hämmerte, seine Beine traten ins Leere, er schrie. Ja, ja!

Der Schmerz verging. Er fand sich auf einer Lichtung wieder, auf dem Rücken liegend, der Mensch beugte sich über ihn. Der Hunger kam zurück. Er zitterte. Dann legte er den Kopf in den Nacken und gab seine Kehle frei.

„Du warst ein guter Hund", sagte Snape, als Remus wieder zu sich kam. Sie saßen auf einer Lichtung. Snape hielt wie beiläufig einen Wärmeschild um sie herum aufrecht, der dafür sorgte, dass der Schnee in einer kreisrunden Bahn um sie herum geschmolzen war. Remus lag auf einer Decke. Mühsam richtete er sich auf. Seine Finger waren blutig, im Gelenk seiner linken Hand klaffte eine Bisswunde, Blut lief an seinem Arm hinab. Snape reichte ihm eine Flasche, die er wortlos nahm und aufschraubte. Als das kalte Wasser in seinen Magen floss, sickerten auch die Erinnerungen zurück. Er fasste sich an den Hals und blickte auf das Seil, das zusammengerollt an Snapes Seite lag.

„Ich dachte, Magie ist gegen Werwölfe nutzlos?" fragte er. Er war erleichtert, dass Snape nichts passiert war, und auch sonst keinem Menschen.

Snape musterte ihn verächtlich. „Es ist eine Schade, dass du Lehrer an dieser Schule bist."

„Du warst in seinen Gedanken", sagte Remus.

Der Zauberer holte eine hölzerne Dose aus seiner Tasche und kniete sich vor ihm hin. „Ja, und es war sehr aufschlussreich. Zu schade, dass ich meine Erkenntnisse nicht für eine Forschungsarbeit verwenden kann. Gib mir deine Hände."

Er schraubte die Dose auf und strich mit seinen Fingern durch die Salbe. Der Kräutergeruch konnte kaum den Gestank nach Angst und Verwesung verdrängen, der noch immer von dem zusammengerollten Seil ausging.

„Schwarze Magie", sagte Remus. Er zuckte zusammen, als Snape über einen gesplitterten Fingernagel strich.

Snapes Hände fühlten sich warm an, warm und weich. Das Gefühl schien sich im Inneren seiner Arme fortzusetzen und floss mit einem heißen Kribbeln bis in seinen Bauch. Er schloss die Augen, als die Erregung in ihm hochzusteigen begann. Die Bilder kehrten zurück. Snapes Hals, Snapes Blut, das an seinem Arm herunterlief, Snapes Geruch.

„Na los, tu es", sagte Snape und ließ ihn los.

Remus blickte auf. „Was meinst du?"

Der Zauberer war zurückgetreten und lehnte sich an einen Baum. „Hol dir einen runter. Deshalb bist du doch hier."

„Das ist nicht wahr. Du weißt das. Ich kann nichts dafür, dass ich..." Remus schluckte. Snape hatte das Seil aufgehoben und drehte es beiläufig in seinen Händen. Seine Augen musterten ihn kalt. Sollte das also die Rache sein, der Grund dafür, dass er seine Entscheidung bereuen würde? Remus Hals war trocken. In den Schatten der Bäume um ihn schienen Augenpaare zu lauern. Er warf Snape einen hilfesuchenden Blick zu, was dieser mit dem Auseinanderrollen des Seils quittierte. Seufzend schloss er die Augen und legte die Hände an sein Glied.

„Nein, sieh mich an, Remus." Snapes Stimme klang unbeteiligt.

Er hielt Snapes verächtlichem Blick stand und begann zu massieren. Die Erregung kam schnell und setzte seinen Körper unter Strom. Er keuchte, als seine Bauchmuskeln sich verkrampften.

„Warte."

Remus atmete heftig und grub die Hände in seine Oberschenkel. Sein Glied zuckte.

Ohne Hast zog Snape seine Kleidung aus der Tasche und warf sie ihm zu. „Zieh dich an, wir gehen zurück."

Die Wunden heilten schnell, schneller noch als in der Zeit vor dem Wolfsbanntrank. Eine Woche nach der Vollmondnacht waren die Narben verblasst. Remus beobachtete die feinen weißen Linien an seinen Fingerspitzen. Um ihn herum rauschte die große Halle vor Menschen, Essen wurde aufgetragen, es roch nach Kaffee und Kürbissaft. Remus schielte hinüber zu Snape, der am anderen Ende des Tischs gerade aufstand und seine Kaffeetasse abstellte. Snape hatte bisher jeden Versuch, mit ihm zu reden abgeblockt. Aber Remus musste mit ihm reden und ein Gefühl sagte ihm, dass er damit nicht bis zum nächsten Vollmond warten konnte. Er musste die Dinge klarstellen. Umständlich stand er auf und räusperte sich.

„Professor Snape", sagte er laut, so dass die anderen Lehrer und die Schüler in den ersten Reihen es hören konnten. „Ich hätte gern Ihre fachmännische Meinung zu einem Aufsatz. Könnten Sie demnächst etwas Zeit erübrigen?"

Flitwick und Vector, sahen von ihren Tellern auf. Auch Dumbledore drehte sich neugierig um. Ohne zu zögern antwortete Snape: „Ich bin heute Abend außer Haus. Wenn es bis dahin Zeit hat, suchen Sie mich morgen Abend gegen zwanzig Uhr in meinem Büro auf."

Er warf Remus einen kurzen Blick zu, und als dieser nickte, verließ er den Raum.

Snape war außer Haus. Ob er sich wieder mit dem Werwolf traf? Der Gedanke beunruhigte Remus. Dieser Mann schien niemand zu sein, den es kümmerte, wenn man das Blut seiner Opfer an ihm roch. Was hatte Snape mit so einer Person zu tun?

Die beiden Tage bis zu ihrem Termin vergingen nur sehr langsam, und als der Abend endlich gekommen war, klopfte Remus nervös an die Tür zu Snapes Büro. Er konnte sich keinen unbequemeren Ort für ein Gespräch vorstellen als diesen mit Abscheulichkeiten gefüllten Raum. Als niemand antwortete, klopfte er noch einmal, dann drückte er vorsichtig die Klinke herunter. Die Tür war verschlossen. Schüler gingen an ihm vorbei, die letzten auf dem Weg zum Slytherin Gemeinschaftsraum. Zwei von ihnen flüsterten sich etwas zu und sahen schadenfroh zu Remus herüber. Vielleicht war Snape noch unterwegs, vielleicht war ihm etwas dazwischen gekommen. Remus ging einige Schritte den Gang entlang und kehrte dann zur Tür zurück. Oder ließ Snape ihn warten, weil er ihn in der großen Halle zu diesem Treffen gezwungen hatte? Remus beobachtete ein Pärchen, das Händehaltend in Richtung Slytherin Saal unterwegs war. Mit der Zeit leerten sich die Gänge. Er klopfte noch einmal, aber von der anderen Seite der Tür kam keine Antwort. Plötzlich spürte er eine Hand auf seiner Schulter.

„Oh, tut mir Leid, ich wollte dich nicht erschrecken." Dumbledore zwinkerte ihm über seine Halbmondbrille hinweg zu. „Ist Severus nicht in seinem Büro? Wie schade, dabei wollte ich mit ihm heute noch über eine gewisse Angelegenheit sprechen."

„Ich denke, er wird jede Minute hier sein. Wir hatten einen Termin..."

„Ach ja, ich erinnere mich. Um acht." Dumbledore warf ihm einen mitleidsvollen Blick zu. „Dann denke ich nicht, dass er heute noch einmal sein Büro aufsuchen wird." Er klopfte Remus zum Abschied auf die Schulter. „Ich habe noch einen Brief ans Ministrium zu schreiben. Warte nicht mehr zu lange auf ihn."

Remus blieb und wartete. Erst als es auf Mitternacht zuging, machte er sich wieder auf den Weg zu seinem Quartier.

So wie Dumbledore sich ausgedrückt hatte, schien er davon auszugehen, dass Snape ihn mit Absicht warten ließ, und der Schulleiter konnte Recht damit haben. Snape ließ sich nicht zu einem Treffen zwingen, nicht von ihm. Ein schweres Gefühl machte sich in Remus breit, als er seine Robe ablegte und in seinen Schlafanzug schlüpfte. Snape war der Herr.

Als er die Bettdecke zurück streifte und ins kalte Bett kroch, fand er das Halsband neben seinem Kopfkissen. Er konnte die Sehnsucht nicht beschreiben, die er nach dem Zauberer fühlte.

Snape hatte ihm eine Lehre erteilt, gut. Bestand die Hoffnung, dass er den Portschlüssel nun wieder aktiviert hatte?

Snapes Räume lagen in Dunkelheit. Es war still, bis auf das Säuseln der Luft, die durch die Türritzen zog.

„Severus?" fragte er leise. Es kam keine Antwort. Mühsam versuchte Remus die Angst zu unterdrücken, die in ihm aufstieg. Mit einem Kloß im Hals öffnete er die Tür zum Schlafzimmer. Das Mondlicht, das durch die Schächte in der Decke fiel, spendete gerade genug Helligkeit, dass er die Gestalt im Bett erkennen konnte.

„Was willst du?" fragte Snape.

Remus zögerte. „Du hast mich einmal gefragt, was für ein Gefühl es ist, jemandem so ausgeliefert zu sein." Als Snape nicht reagierte, setzte er sich vorsichtig auf die Bettkante. „Es ist sehr verwirrend. Es ist, als würde ich ununterbrochen unter Spannung stehen, oder fallen. Und gleichzeitig ist da eine Sicherheit, die ich nicht mehr gefühlt habe, seit ich mit sieben Jahren gebissen wurde. Vielleicht habe ich sie noch nie gefühlt."

„Das ist es, was du mir sagen wolltest?"

„Ja. Und ich... weißt du, ich wollte immer dazugehören. Aber das habe ich nie, ich konnte nie erzählen, was mit mir passiert ist, was ich getan habe. Dir schon. Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben das Gefühl, irgendwo hin zu gehören."

„Du hast eine erstaunlich verzerrte Sicht der Dinge", sagte Snape leise.

„Nun, wie war das mit dem Hund..." Seine Stimme versiegte. Er hatte das unüberwindliche Bedürfnis, Snape zu berühren, die Grenze zwischen ihnen einzureißen.

Seine Hand strich über die Decke, bis sie Snapes Bein ertastete. Er hielt den Atem an und fuhr vorsichtig darüber. Der Zauberer lag reglos auf dem Rücken und starrte ins Leere. Sein Geist schien sich an einem Ort zu befinden, an dem Remus ihn nicht erreichen konnte. Remus Herz klopfte. Langsam verlagerte er sein Gewicht nach vorn und legte sich neben Snape auf die Matratze. Wenn er die Augen schloss, meinte er, die Wärme spüren zu können, die von Snapes Körper ausging. Einige Zeit lang lagen sie so da. Dann legte Remus vorsichtig die Hand auf Snapes Brust. Er hielt den Atem an, während er dem Heben und Senken nachspürte. Als sich der Zauberer immer noch nicht rührte, strich er langsam über seine Schulter, seine Arme, seinen Oberkörper, seine Seite. Schließlich legte er die Wange an Snapes Oberarm und schlief ein.

Als Remus am nächsten Morgen aufwachte, fand er sich in Snapes Bett wieder. Er war allein. Mit geschlossenen Augen spürte er dem Gefühl von Snape in seinen Armen nach, er wollte, dass es sich tief in sein Bewusstsein brannte, dass er es niemals vergaß.

Als er später ins Wohnzimmer trat, saß Snape an seinem Schreibtisch und starrte ins Feuer. Seine Haut war weiß wie Papier, seine Augen gerötet. In seiner rechten Hand befand sich eine Kaffeetasse, die er längst vergessen zu haben schien.

„Guten Morgen, Severus", sagte er leise. Der Zauberer verriet mit keiner Regung, dass er ihn gehört hatte. Remus setzte sich ihm gegenüber in den Sessel und wartete auf das, womit Snape ihn bestrafen würde. Die Minuten verstrichen. Schließlich stand Remus wieder auf und trat hinter ihn. Er legte die Hände auf Snapes Schultern. Es schien ihm wie eine Ewigkeit, bevor sich die Muskeln des Zauberers entspannten und er den Kopf gegen Remus Brust lehnte.