Liebe Reviewer, liebe Leser,

tut mir echt leid, dass Ihr so lange warten musstet... Im Grunde gibt es keine Entschuldigung dafür und ich fühle mich echt schlecht deshalb. Ich finde es selbst auch immer furchtbar, wenn man so ewig auf ein Update warten muss...

Aber vielleicht hilft es Euch, wenn ich Euch doch den Grund, oder besser die Gründe nenne, weshalb ich erst jetzt update.

Da wäre zum einen noch das chronische Schlafmangelproblem... es ist, wie gesagt chronisch... und wenn der Körper schlafen will... tja, Ihr kennt das sicher alle selbst...

Des weiteren bin ich ganz schön von meiner jetzigen Chefin enttäuscht worden und daran hatte ich ne Weile zu knabbern...

Aber das allerschlimmste waren einige private Probleme, ne kleine Beziehungskrise und die hat mich in eine gewisse... na... Schreibblockade getrieben... Versteht Ihr? Ich will Euch jetzt auch nicht mit meinem verkorksten Leben zumüllen, aber ich finde, dass so treue Leser zu mindest eine Erklärung verdient haben. Seid mir also nicht böse, ja?

Als kleine Belohnung für Eure Geduld ist dieses Kapitel auch EXTRA LARGE... Viel Spaß damit!

9.Kapitel: Das Unvermeidliche

Irgendwann hatte es ja passieren müssen...

Harry, und auch der Rest des Jahrgangs wusste, dass es im Grunde nur eine Frage der Zeit gewesen war.

Dabei hatte alles so friedlich – nun, für die Umstände friedlich – begonnen...

Die Gryffindors und die Slytherins hatten, wie gewöhnlich, zusammen Zaubertränke. Es war die letzte Stunde für das laufende Schuljahr.

In gewohnt freundlich zugewandter Art trat Snape mit wehender Robe zügig zur Tafel, beinahe ohne den Boden zu berühren. Der Blick, den er eigens DIESER Klasse reserviert hatte, versetzte Neville schon von vorne herein in schüttelnde Panik.

„So..." Snapes Stimme war von einem samtigen Gift erfüllt, das nicht nur besagtem Gryffindor etwas zu eindeutig klang, sondern auch einige Slytherins in Unruhe versetzte.

„... jetzt werden Sie noch einmal richtig arbeiten, glauben Sie ja nicht, dass ich den Unterricht schleifen lasse, nur, weil Sie Ihre Prüfungen – die übrigens wie gewohnt größtenteils enttäuschend waren – hinter sich haben und die Ferien vor der Tür stehen. Ich DULDE keine chronischen Versager," er fixierte Neville, der puterrot anlief und sich gleich zwei Etagen unter seinen Tisch sinken ließ, „und Träumer in meinem Unterricht."

Sein Blick ruhte nun auf Harry, der das Stechen in Snapes Blick allerdings nicht einmal halbwegs wahrnahm. Er starrte quer durch den Raum zu einem weißblonden Slytherin, der seinerseits auch völlig in Gedanken versunken war.

Snape folgte Harrys Blick und senkte seinen stechenden Blick nun auf Draco, der sich aber, zu Snapes übermäßigem Ärger, fast noch weniger davon beeindrucken ließ, als dieser vermaledeite Potter. Es war zum ... ! Was war nur heute mit dieser Klasse los?

Draco bekam nichts von alledem mit. Er bemerkte nicht, dass Harrys Blick an seinem schlanken Hals heftete, und auch nicht, dass sein Hauslehrer und Patenonkel kurz davor war, die Beherrschung zu verlieren, was auf keinen Fall ein Zustand war, den der versammelte Jahrgang miterleben sollte.

Und doch war es ihm Moment vollkommen egal! Seine Gedanken waren gerade weder im Kerker, noch bei Snape, noch an diesem Morgen.

Seine Gedanken waren bei Blaise.

Um genauer zu sein, bei einem Gespräch, das sie beide vor einiger Zeit geführt haben...

... Draco, jetzt mach doch die Augen auf! Potter steht auf dich!"

Ungläubig zog Draco eine Augenbraue nach oben. Potter und auf ihn stehen.. So ein Unsinn!

So ein Unsinn, Blaise!" sagte er nun auch laut. „Das ist doch völlig absurd! Warum sollte Potter auf jemanden stehen, der ihn fertig gemacht hat, seit er einen Fuß nach Hogwarts gesetzt hat?"

Was weiß ich! Masochistische Neigungen?" fuhr Blaise ihn an.

Maso – was? Sag mal, meinst du nicht, dass du langsam ein bisschen übertreibst?" Dracos Gesicht verdüsterte sich. Eifersucht war ja eher positiv für eine Beziehung, aber wenn sie aus derart unwahrscheinlichen Gründen entstand, war sie unglaublich anstrengend.

Ich übertreibe ganz bestimmt nicht, Draco. Hast du auch nur einmal darauf geachtet, wie dich dieser Potter anschmachtet? Als wäre er kurz vorm Ertrinken und du der einzige rettende Strohhalm in der Nähe," blaffte Blaise ihn an und vollführte dramatische Gesten, die seine Worte untermauern sollten.

Dracos Ärger verflog augenblicklich und er konnte sich angesichts dieser Verrenkungen ein Grinsen einfach nicht verkneifen. Seine Mundwinkel zuckten verdächtig und je mehr sich Blaise in Rage redete – er schilderte gerade, wie sich ein Gewitter über Potter zusammenbraut und er, Draco, der einzige Sonnenstrahl wäre, der sich durch die dunklen schweren Wolken zu kämpfen vermag, bla, bla... – desto weniger gelang es Draco sich zu beherrschen, bis er schließlich in ein herzhaftes Lachen ausbrach.

Was?" fragte Blaise verständnislos, stoppte mitten in der Bewegung und sah gerade noch, wie sich sein Freund vor lachen nicht mehr halten konnte und sich rückwärts auf sein Bett fallen ließ.

Er stürzte sich todesmutig auf ihn und schüttelte ihn an den noch immer vor Lachen bebenden Schultern. „Draco, das ist nicht witzig, verdammt! Nimm mich gefälligst ernst!" Doch dieser konnte und wollte sich einfach nicht einkriegen. Lachen war so herrlich befreiend... Wann hatte er zuletzt so ausgiebig gelacht? Er wusste es nicht, und es war ihm auch egal...

Blaise wusste sich nicht anders zu helfen. Kurzentschlossen beugte er sich zu Draco herunter und verschloss die lachenden Lippen mit seinen grimmigen.

Schlagartig verstummte Dracos Lachen.

Es gab Dinge, auf die musste man sich mit voller Intensität konzentrieren. Und eines davon war eindeutig Blaise zu küssen.

Draco schnaufte heftig, teils noch ganz atemlos von seinem Lachanfall. Er spürte weiche Haut seiner Lippen, eine sanfte Zunge, die sich ihren Weg über seine Lippen bahnte.

Mit einem Ruck rollte er sich auf Blaise und knabberte an seiner Unterlippe. Seine Augen klappten wie selbstverständlich zu und er stöhnte wonnevoll in Dracos Mund.

Dieser hatte inzwischen ein Bein in Blaises Schritt positioniert und rieb die bereits ordentliche Erregung seines Freundes.

Blaise wand sich unter Draco. Er machte ihn komplett wahnsinnig. Er ließ ihn vergessen wo er war und auch, dass er eigentlich böse auf ihn sein wollte, weil er Potter nicht in seine Schranken wies, ja noch viel schlimmer, nicht einmal erkannte, dass er mit ihm liebäugelte...

Draco hatte derweil sowohl sich, als auch Blaise von störendem Gewebe in ihren tieferen Körperregionen befreit und rieb nun seine Erektion an Blaises. Für ein ewig langes, zärtliches Vorspiel hatten sie beide nicht die Geduld, wie Draco feststellte, als Blaise sein Becken gegen seines drängte.

Mit einer geschickten Bewegung seiner Knie spreizte er Blaises Beine und drang in die schmale Hitze seines willigen Körpers ein.

Blaise keuchte und presste seine Hand vor den Mund. Draco hielt inne, um Blaise einen Moment zu geben, sich an ihn zu gewöhnten. Doch als Blaise begann, erneut sein Becken gegen Dracos zu bewegen, hielt er sich keine Sekunde länger zurück und stieß heftig zu.

Draco liebte es zu beobachten, wie sich Blaises Gesicht in aufbrechender Lust verzerrte, wie sich das tiefe Stöhnen über seine Lippen stahl und seine Augen zu sehen, wenn er kam.

Doch kurz bevor Draco selbst kam, atmete er tief durch und unterdrückte so das Unvermeidliche. Er wollte nicht vor Blaise kommen. Nicht heute. Und so beschleunigte er seine Stöße und trieb sich immer tiefer in ihn.

Blaise warf seinen Kopf hin und her, doch als er kam sah er Draco geradewegs an und öffnete plötzlich die Augen.

Dracos Atem stockte und er erstarrte.

Glitzernd grüne, lusttrunkene Augen bohrten durch seine stahlgrauen Augen bis auf den Grund seiner eisigen Seele und schubsten ihn über die Klippe in ungeahnte Höhen.

Verdammt...

Blaise stöhnte auf, als er sich in ihm ergoss und holte ihn in die Realität zurück. Er blinzelte und sah in Blaise braune, glückliche Augen.

Schwer atmend rutschte er von Blaise herunter und wollte das Bett eigentlich verlassen. Blaise allerdings, war schneller und schlang seine Arme um den blassen Slytherin, der tatsächlich im Moment noch blasser war, als es für aristokratische Blässe gesund war.

Blaise kuschelte sich an Dracos Rücken und schlief alsbald ein. An Schlaf konnte Draco aber gerade überhaupt nicht denken, denn das einzige, worum seine Gedanken kreisten, waren die Augen, die seine Beherrschung geknackt hatten... in einer Situation, in der sie absolut nichts zu suchen hatte...

... Harry ... dachte er und wusste nicht, ob er beunruhigt, oder verärgert sein sollte...

„... Mr Malfoy und Mr Potter!

Endlich schreckte Draco aus seinen Gedanken hoch. Mit einem Blick zur Tafel, an dem bereits die Zutaten für einen Trank standen und einem in die Klasse, die sich langsam in Bewegung setzte, analysierte er blitzschnell die Situation und wandte sich suchend um.

Zu schnell für seinen Geschmack fand er, wonach er gesucht hatte: Harry Potter.

Doch er sah irgendwie entrückt aus. Seine sonst so klaren Augen waren getrübt, irgendwie verschleiert und er schien mit den Gedanken nicht ganz anwesend zu sein.

„Muss ich Ihnen auch noch aufhelfen Mr. Potter?" schnarrte ihn Snape an, doch seine Stimme drang nicht einmal an sein Ohr vor.

Draco sah, wie sich Snapes Miene zusehends verdüsterte. Wenn er nicht schnell...

POTTER," rief er so laut quer durch den Raum, dass es Tote hätte umbringen können vor Schreck, „jetzt komm schon rüber, ich beiß dich schon nicht!"

Jedenfalls nicht gleich... dachte er für sich und schob den Gedanken an seinen festen Freund, dessen wachender Blick auf ihm ruhte, erst einmal beiseite.

Wie von einer Tarantel gestochen sprang Harry von seinem Stuhl auf und wankte zu Draco hinüber.

Dieser wandte sich sofort von dem Gryffindor ab und sah nur aus dem Augenwinkel seine goldbraune Hand, die aus dem schwarzen Vorhang hervorlugte. Er schloss die Augen, als müsste er sich sehr konzentrieren, und schickte Harry dann zum Lehrerpult, um die Zutaten zu holen, die sie nicht in ihren eigenen Zutatenkästen fanden.

Draco wunderte sich, warum Harry so gar nichts erwiderte, kämpfte aber zunächst mit einem Kribbeln, das mit dem Gedanken daran, was diese Hand tun könnte gekommen war und das gerade dabei war, ihm ziemlich erfolgreich den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

Harry erwachte auf dem Weg zum Lehrerpult wieder zum Leben. Er schüttelte den Kopf und blickte ungläubig zur Tafel. Der Trank, den sie brauen sollten, war wirklich extrem gefährlich und schwierig zu brauen. Der kleinste Fehler konnte ungeahnte Folgen haben. Harry schaffte es nicht einmal ihn auszusprechen. Sein Name war eine urtümlich, aberwitzige Aneinanderreihung von Konsonanten und somit der reiste Zungenbrecher.

Um ihn herum begannen die Schüler zu arbeiten. Was hatte sich Snape nur dabei gedacht? Nervös huschte sein Blick zu seinem Freund Neville, der mit Goyle als Versuchspartner wirklich schlecht davon gekommen war.

Er sammelte die Zutaten zusammen und begab sich zu Dracos Tisch zurück. Doch gerade, als er die Sachen abgelegt hatte und Draco ansetzen wollte irgendwas zu sagen, passierte es.

Harry hatte Snape noch wie in Zeitlupe durch den Klassenraum hechten sehen, doch es war bereits zu spät. Neville ließ vor Schreck nicht nur einige Krümel, sondern den ganzen Inhalt seiner Hand in den Kessel platschen und konnte gar nicht mehr realisieren, dass der Kessel quasi unter seiner Hand explodierte.

Die Wucht, mit der Neville durch den Raum flog, wurde zu seinem Leidwesen erst von der hinteren Wand gebremst an der er mit einem dumpfen Knall aufschlug.

Er war allerdings nicht der einzige Leidtragende. Snape riss es von den Füßen und er landete äußerst unelegant auf seinen vier Buchstaben. Unzählige Gläschen, Knollen, Gräser, Kräuter und Arbeitsutensilien flogen durch die Gegend.

Harry schubste Draco blitzschnell gegen die nächste Wand und beugte sich abschirmend über ihn. Klirrend zerbrachen Reagenzgläser und Glaspipetten auf seinem Rücken. Draco kauerte an der Wand und sah zu Harry auf. Er hatte die Augen schmerzhaft zusammengepresst und konnte nicht sehen, dass sich Nevilles Kessel seinem Kopf näherte.

Harry!" wollte er noch rufen, aber da war es bereits zu spät. Mit einem lauten Klong landete der Kupferkessel am Kopf seines Beschützers und das nächste, was Draco merkte, war ein lebloser Körper in seinen Armen und verdächtig viel Blut, das an einer berühmten Narbe vorbeifloss.

Snape rappelte sich auf und zückte seinen Zauberstab.

FINTE INCATATEM!" rief er mit markerschütternder Stimme durch den Sturm von Blättern, Schülern und Erdklumpen und auf einmal war es still.

Sein Brustkorb hob und senkte sich ärgerlich und er sah sich prüfend um.

Aus einigen Ecken hörte er vereinzeltes Wimmern.

„Verletzte?" schnarrte er in die Runde.

„Hier Sir, ich glaube.."

Er wirbelte herum und alle Augen richteten sich auf Draco, der den blutüberströmten Potter in den Armen hielt.

„Was ja wieder klar, kaum geht irgendwas in die Luft, ist Potter als Einziger zur Stelle, um sich lebensgefährlich zu verletzen..."

„Äh, Sir... nicht als Einziger," meldete sich Ron zu Wort, der Neville aus einem hübschen Berg Geröll ausgegraben hatte und seinen eigenartig verdrehten Körper begutachtete. Er selbst hatte nur ein paar Kratzer im Gesicht.

Snape stöhnte genervt. „Das war ja SO klar! Wie konnte ich auch annehmen, dass dieser Vollidiot wenigstens einmal nichts in die Luft sprengt?"

Draco wurde unruhig. Auf seiner Robe bildete sich eine Blutlache, die sich auf erstaunliche Art und Weise stetig vergrößerte. Alle Farbe war aus Harrys Gesicht geschwunden und die Blässe, die seine Nase umspielte, erinnerte Draco mehr an seine eigene Hautfarbe, als an die des Gryffindor. Warum hatte er sich überhaupt über ihn geworfen? Was sollte das? Wieso musste sich dieser ... Mensch... nur immer als Held aufspielen?

„Mr Malfoy... holen Sie Madame Pomfrey und zwar pronto! "

„Ja aber, Sir..." wollte Draco protestieren, aber Snape winkte ab. „Ach, lassen Sie... Potter... einfach liegen... er wird schon nicht weglaufen!"

„Vielleicht nicht weg – aber wenn Sie mich fragen, ist er schon dabei auszulaufen!"

„Ich habe Sie aber nicht gefragt und jetzt gehen Sie schon!

Draco protestierte nicht länger und legte Harry vorsichtig ab. Je schneller er Madame Pomfrey holte, desto schneller würde Harry geholfen. So schnell er konnte hastete er durch die Gänge zum Krankenflügel.

X II X II X

„Warum hast du das getan, Potter?"

Harry hatte kaum genug Zeit die Augen zu öffnen. Stöhnend warf er den Kopf auf die Seite, von der die harte, fordernde Stimme kam und erblickte Draco, der anscheinend nicht erst seit zwei Minuten dort saß.

„Wo bin ich?" brachte Harry mühsam heraus.

„Stell keine blöden Fragen, Potter, antworte!" herrschte Draco ihn an.

„Malfoy, wärst du so gütig, das kleine, brüllende Kind in dir wegzusperren? Mir brummt der Schädel..."

Dracos Mundwinkel zuckten verdächtig. „Tja, wer so überaus dämlich ist, sich in die Flugbahn eines Kupferkessels zu stellen, braucht sich nicht zu wundern, wenn sein hübscher Dickschädel hinterher in den Kissen der Krankenstation landet," entgegnete Draco mit hochgezogener Augenbraue.

Harry dämmerte langsam aber stetig, was passiert war.

Er erinnerte sich an Neville, der vor Nervosität beinahe einen Herzinfarkt erlitten hatte und Snape, der es sich auch unter diesen Umständen nicht nehmen lassen wollte, den vor Angst schlotternden Jungen zu triezen.

Das konnte ja nur in einer Katastrophe enden...

„Also Potter," riss ihn Draco aus seinen Gedanken, „warum hast du das getan?"

„Warum habe ich was getan?" fragte Harry ehrlich verdutzt. Er wusste beim besten Willen nicht, worauf Draco anspielte.

„Oh bitte!" gab dieser argwöhnisch zurück. „Jetzt erzähl mir bloß nicht, dass du rein intuitiv gehandelt hast und die Menschen schützen wolltest, die du magst, und so weiter, und so weiter..."

„Malfoy, könntest du mich freundlicherweise darüber aufklären wovon in Gottes Namen du überhaupt faselst?" Harry war nun gewissermaßen ungehalten über die Bemerkungen, die Draco von sich gab, da sie für ihn weder einen Sinn ergaben, noch irgendeinen greifbaren Zusammenhang hatten.

Draco starrte ihn nur ungläubig an. Hatte Potter tatsächlich einfach vergessen, dass er sich schützend über ihn geworfen hatte? Wusste er wirklich nicht mehr, dass sein Kopf den Kessel abgefangen hatte, der mit Sicherheit ihn getroffen hätte, wäre er nicht gewesen?

Ohne ein weiteres Wort zu sagen, verließ Draco das Zimmer mit wehendem Umhang. Er musste nachdenken und das konnte er nicht, wenn Ha... POTTER die ganze Zeit vor ihm saß und ihn mit seinen unschuldigen, verwirrten, wundervollen ... ach verdammt! ... Augen fixierte.

Die Tür flog geräuschvoll zu und Harry war allein. Total verwirrt starrte er zur Tür.

„Hübscher Dickschädel!"

X II X II X

Am späten Nachmittag wurde Harry von der Krankenstation entlassen. Madame Pomfrey hatte ihn großzügig mit Tränken gegen Kopfschmerzen ausgestattet und hielt es nicht länger für nötig, Harry noch länger ans Bett zu fesseln.

Als Harry aber gerade gehen wollte und schon die Klinke in der Hand hatte, hielt Madame Pomfrey ihn zurück.

„Sagen Sie Mr Potter, hegen Sie eigentlich eine große Sympathie für Mr Malfoy?"

Harry erstarrte.

Sie konnte unmöglich... Nein, das glaubte er einfach nicht. Sie musste ins Blaue getippt haben.

Er lächelte die Tür gequält an. „Oh ja, Madame Pomfrey, eine Sympathie, die ich beispielsweise auch für einen Eimer Froschlaich hegen würde," setzte er hinzu, glaubte sich auf der sicheren Seite und machte Anstalten, zu gehen.

„Ach, Mr Potter?"

Beinahe ängstlich wandte sich Angesprochener um. „Ja, Madame Pomfrey?"

„Würden Sie, um... sagen wir... einen Eimer Froschlaich zu beschützen, Ihren Rücken auch freiwillig einem Dutzend von diesen hier aussetzen, Mr Potter?" fragte sie mit einem Tonfall, der sehr an Snape in seinen besten Phasen erinnerte und schwenkte mit einer Pinzette eine fingergroße Glasscherbe, an der noch immer Blut klebte.

Harry trat Schweiß auf die Stirn, als er beobachtete, wie sich das Licht er untergehenden Sonne an dem roten Blut, seinem Blut, an der Glasscherbe brach.

„Selbst... verständlich... Madame..." presste Harry um einiges leiser hervor, als er geplant hatte, „jederzeit..." und schlüpfte durch die Tür, ehe Madame Pomfrey weiter in seiner Psyche rumbohren konnte.

Die Medihexe lächelte in den leeren Raum.

So so, dachte sie, sehr interessant...

X II X II X

Harry rannte wie der Teufel auf der Jagd nach einer armen Seele. Er wollte weg. So schnell und so weit wie möglich weg. Wohin? Total egal! Hauptsache diese neugierige Pomfrey verfolgte ihn nicht mit ihren nervenaufreibenden Fragen.

Das hatte Draco also gemeint. Er musste sich über ihn gestellt haben, als Nevilles Kessel explodierte und die Scherben abgefangen haben, die Pomfrey später aus seinem Rücken operiert hatte.

Harry verstand, warum Draco so aufgebracht war. Ein Erzfeind warf sich nicht einfach in einen Regen von Glasscherben, ohne damit einen bestimmten Zweck zu verfolgen. Allerdings hätte der Slytherin wohl nie verstanden, dass Harrys einzige Motivation seine Zuneigung zu ihm war. Draco sollte sich nicht verletzen. Nicht auszudenken, was diese Glasscherben alles hätten treffen können.

Der Gryffindor flog die Treppen praktisch herunter, nahm immer fünf Stufen auf einmal und bemerkte die Trickstufe, die sich in seinen Weg schob einfach viel zu spät. Er stolperte und schaffte es gerade noch, einen Sturz zu verhindern.

Taumelnd stieß er gegen etwas klobig Fleischiges. Benommen sah er auf und blickte in zwei stumpfe, grün – grau verwaschne Augen.

„Sieh mal einer an, wen haben wir denn da? Was verschlägt dich in das bescheidene Gefilde der Slytherins, Potter?" hörte Harry eine Stimme direkt neben sich.

Harry schwieg sich aus. Er wusste selbst nicht so genau, wie er gerade in die Kerker gekommen war.

„Crabbe, Goyle, lasst uns allein, Potter hier scheint eher schüchtern zu sein, höhnte Malfoy und beobachtete, wie sein dümmlich grinsender Begleitschutz im Slytheringemeinschaftsraum verschwand.

Mit dem Schließen des Zugangs konzentrierte er sich wieder auf das überaus appetitliche Stück Gryffindorfleisch, das seinem Hunger nun wehrlos ausgeliefert, verloren im Gang stand.

Draco hatte wirklich versucht herauszubekommen, was Potter mit seinem Verhalten eigentlich bezweckte, aber das Ende einer jeden Überlegung war immer gleich. Er versank in unwahrscheinlich schönen Augen und hing saugend an köstlich weichen Lippen und sonnengebräunter Haut. Er hatte einfach keinen klaren Gedanken fassen können und glaubte es wohl nie wieder zu können, wenn er den Retter der Zauberwelt nicht wenigstens einmal gehabt hätte.

Draco entschied sich, eine etwas... privatere Umgebung aufzusuchen und griff wirsch nach Harrys Handgelenk. „Komm mit Potter!"

Harry hörte seinen Namen und doch drangen Dracos Worte nicht bis in seinen Verstand vor, der vollkommen mit der Aufgabe überlastet war, herauszufinden, wie Dracos Hand seine Beine mit so wenig Nachdruck dazu bringen konnte, ihm derart bereitwillig zu folgen.

Sie bogen mehrmals ab und langsam fragte sich Harry, ob er jemals den Weg zurück finden würde, als Draco so plötzlich stehen blieb, dass Harry ihm direkt in den Rücken fiel und beide zu Boden gingen.

Draco keuchte leise auf. Das Schicksal meinte es heute nicht all zu gut mit einer Selbstbeherrschung. Er spürte das Gewicht des anderen auf seinem Rücken, seinen Atem an seinem Ohr und inhalierte den unverwechselbaren, unvergleichlichen Duft, der ihn umgab.

Draco zwang sich regelrecht die Augen zu öffnen. Wann hatte er sie überhaupt geschlossen! Er rappelte sich auf und schupste Harry regelrecht von sich.

„Runter von mir Potter. Das wird ja immer schöner. Mach's dir am besten bequem und fühl dich ganz wie zu Hause."

„Tut... tut..." stammelte Harry und richtete sich auf. Ein leichter Rotschimmer zierte seine Wangen.

Draco kam auf die Füße und fiel ihm ins Wort. „Ach, sei still Potter, rein da!" raunzte er Harry an und schob ihn durch eine schmale Tür.

Schwaches Licht kam von irgendwo her und beleuchtete den kleinen Raum einigermaßen notdürftig, sodass man wenigstens alle Hindernisse ausmachen konnte.

Harry stieg über alte Kartons, Stühle und Kessel, bis er schließlich an einen massiven, verstaubten Tisch in der Mitte des Raumes gelangte und sich an das alte Holz lehnte. Er beobachtete, wie Draco zielsicher auf ihn zukam und seinen Blick nicht eine Sekunde von ihm abwandte. Ungefähr drei Hand breit vor Harry kam Draco zum Stehen.

Harry hatte beschlossen, sich angesichts dieser extremen Nähe auf den Tisch zu setzen, was ihm aber nur einige Zentimeter einbrachte. Draco ließ dieser offensichtliche Versuch, ihm zu entkommen völlig kalt. Er stützte seine Hände rechts und links von Harrys Oberschenkeln auf die Tischplatte und beugte sich das kleine Stück vor, das Harry sich gerade erst erschlossen hatte. Ihre Nasen waren kaum zwei Finger voneinander entfernt.

„So, Potter. Da wir jetzt unter uns sind, wirst du mir ja wohl endlich erzählen können, warum du dich wieder als Held aufspielen musstest," flüsterte Draco beinahe schon und sah den Gryffindor vor sich erbeben.

Harry wusste nicht ein, noch aus. Bemerkte Draco denn gar nicht, wie nah er dem Gryffindor war? Wie er ihn mit seiner Stimme quasi willenlos machte? Er erwischte sich selbst dabei, dass er daran dachte, was in diesem Flur passiert war. Dracos Lippen an seinem Hals, seine Zunge, die über seine erhitzte Haut getanzt war... Nur schwer konnte Harry bei diesen Gedanken ein Stöhnen unterdrücken.

Harry rutschte noch ein Stück zurück. Erst, als er die Tischkante in den Kniekehlen spürte, wusste er, dass es für ihn nur einen Ausweg gab: Die Wahrheit.

Draco hatte von Harrys innerem Kampf herzlich wenig mitbekommen. Der Gryffindor schien mit sich zu ringen und Entscheidungen abzuwägen. Draco bemerkte, wie Harry versuchte Abstand zwischen sie zu bringen, doch er konnte und wollte es einfach nicht akzeptieren und so folgten seine Beine Harrys Knien bis beide auf den Widerstand der Tischkante trafen.

Harrys Lider flatterten auf, ihre Blicke trafen sich und Draco kam fast um vor Begehren. Wäre es nach ihm gegangen, hätte er Potter gleich hier auf dem Tisch genommen und ihn bearbeitet, bis er vor Lust und Verlangen seinen, Dracos Namen geschrieen hätte.

Doch Potter war ihm noch eine Antwort schuldig. Und so wie er sich damit quälte, war sie es wohl wert, aus ihm heraus gefoltert zu werden. Langsam bewegte sich seine Hand zu der rot - goldenen Krawatte.

„Was..." Noch ehe Harry reagieren konnte, hatte sich Draco am Knoten zu schaffen gemacht und so bewirkte Harrys Zurückschrecken lediglich, dass sie sich fast wie von selbst öffnen ließ. Harry musste sich nun mit seinen Händen abstützen, um nicht ganz auf dem Tisch zu liegen. Draco schlängelte ein Bein zwischen Harrys Knie und verschaffte sich so den nötigen Raum, um an die Knöpfe des weißen Gryffindorhemdes zu gelangen.

Nachdem Harry, unfähig etwas zu unternehmen, mitangesehen hatte, wie Draco mit Leichtigkeit die ersten zwei Knöpfe hatte aufschnippten lassen, begann sich die ungeheure Panik in seinem Bauch zu Gunsten eines bekannten Kribbelns zu verziehen.

Draco hielt inne und brachte seinen Mund so nah wie möglich an Harrys Ohr. „Antworte endlich, Potter, sonst..." hauchte er und tauchte probeweise mit seiner Zunge in Harrys Ohrmuschel ein.

Ein Seufzen stahl sich über Harrys verräterische Lippen und obwohl er sofort seine Zähne in seine Unterlippe verbissen hatte, war es Draco doch nicht entgangen.

Verruchter kleiner Gryffindor...

„Ich..." stammelte Harry mit geschlossenen Augen, während Draco an seinem Ohrläppchen entlangleckte, „ich wollte nicht, dass... dir etwas passiert..." brachte er mühevoll seinen Satz zu Ende.

„Ich bin dein Erzfeind," flüsterte Draco mit samtiger Stimme in sein Ohr. „warum solltest ausgerechnet du wollen, dass mir nichts passiert?" Er leckte sich Harrys köstlichen, schlanken Hals hinunter.

„Weil ich... ahh..." Draco hatte eine besonders empfindliche Stelle am Übergang von Hals zu Schulter gefunden und Harrys Atem kam inzwischen stoßweise, „weil ich mich in dich verliebt habe."

Was?" fragte der Slytherin und ließ ganz plötzlich von seinem Opfer ab. Er rückte soweit von Harry weg, dass er ihm in die Augen sehen konnte.

Harry öffnete die Augen und rang nach Luft. Es kam ihm vor, als hätte er an einem Hundert – Meter – Sprint teilgenommen, ohne auch nur einen einzigen Zentimeter gelaufen zu sein. Unverwandt schaute er seinem Gegenüber in die vor - ja was war es eigentlich? Schock? Überraschung? Abscheu? – geweiteten Augen. Jetzt konnte er es auch genauso gut ganz zu Ende bringen.

„Du hast mich schon verstanden... ich... ich habe mich in dich verliebt..."

X II X II X