Call it bittersweet
Kapitel 10
Breeding
Wie schön konnte eine Berührung sein, die man sich herbeisehnte. Eine zärtliche, scheinbar unbedeutende Geste, geschenkt von jemand ganz besonderem...
Hermine hatte versucht, die Augen zu schließen, um sich vorzustellen, es wäre so. Das, was sie hier tat, würde mit jemandem geschehen, den sie von ganzem Herzen liebte. Doch es half nichts. Sie konnte ihn nicht ausblenden. Sie musste ihn einfach ansehen. Ihn, Snape. Ihn, ihren Professor.
Seine Bewegungen waren keinesfalls grob. Und trotzdem spürte sie, dass sie nicht ihr galten, sondern lediglich dem Zweck, das Ziel zu erreichen; die Pflicht zu erfüllen.
Gab es einen Weg, das zu erklären? Konnte man das überhaupt irgendwie begreifen? Zwei Menschen, die sich nicht liebten ... Zwei Menschen, die von der Gesellschaft zu etwas gezwungen wurden, das sie eigentlich nie tun würden. Etwas, das keiner von ihnen wollte oder gar zu rechtfertigen wusste. Etwas Absurdes, etwas das ihre Seelen in Aufruhr versetzte...
In der ersten Minute, seit sie aufgehört hatten, miteinander zu reden, hatte sie noch geweint. Doch langsam waren die Tränen versiegt. Sie kannte die Wahrheit, die sie aneinander fesselte. Eine bittersüße Pille mit fauligem Nachgeschmack. Er wollte ihr nicht wehtun. Er tat es auch nicht. Nicht im eigentlichen Sinn. Nicht mutwillig, nicht in Verbindung mit Wollust oder Gewalt. Jedenfalls vermittelte er ihr nicht das Gefühl, sie zu etwas zu zwingen, das er sich unbedingt holen wollte. Sie mussten es schlicht und ergreifend tun, um zu überleben. So, wie es im Laufe der Zeitgeschichte vielleicht schon etliche Male geschehen war. Ihre Körper waren Mittel zum Zweck. Sie dienten dazu, den Gesetzen gerecht zu werden, die irgendjemand geschaffen hatte. Jemand wie Voldemort zum Beispiel. Jemand, der die Erhaltung der Zaubererschaft sicherstellen wollte.
So paradox es auch klang, Hermine war keine reinblütige Hexe, dennoch war sie Opfer der Vorstellungen eines Wahnsinnigen geworden. Warum? Weil sie aufgrund ihrer Verbindung zu Harry Potter in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses geraten war. Und natürlich, weil sie besondere Gaben hatte.
Im Prinzip kam das, was das Ministerium mit dem Heiratsgesetz ins Leben gerufen hatte, einem Zuchtprogramm für ausgewählte Hexen und Zauberer gleich, die den Fortbestand der magischen Gesellschaft sichern sollten. Einer Elite. Die Ironie des Ganzen war nur, dass der eigentliche Vater ihrer künftigen Kinder nicht dazu in der Lage war, seiner Pflicht nachzukommen. Genau deswegen hatte sie sich an Snape gewandt. Einen Todesser, der alle Anforderungen erfüllen konnte. Zumindest die, die das Ministerium gestellt hatte. Was Hermine selbst davon hielt, war eine andere Sache; von ihm ganz zu schweigen. Es war ein stilles, schmerzliches Geheimnis, das nur sie und der Professor miteinander teilten. Etwas, das niemals jemand erfahren durfte. Selbst dann nicht, wenn das bedeutete, dass sie Gefahr liefen, ein neues Leben zu erschaffen.
