Oliver beobachtete das Haus genau. Sandra lief durch das Wohnzimmer und räumte auf. Auf dem Couchtisch sah er einen großen gepackten Bergsteigerrucksack. Wahrscheinlich wollte sie mit Connor zum See. Sie sah deprimiert und verheult aus. Im Obergeschoss sah er Connor bei eingeschalteter Nachttischlampe in seinem Bett sitzen und betrübt gucken. Oliver fragte sich was passiert sein mag. Dann erinnerte er sich an den Streit den die Beiden hatten. Beide hatten laut genug gebrüllt das die ganze Stadt es hätte hören müssen. Vielleicht hatte Connor etwas mitbekommen? Oliver rutschte das Herz in die Hose...
Zeitgleich betrat Roy das Sheriffbüro im Zentrum und sah sich um. Seine Aufgabe war es, für Felicity eine Wanze anzubringen. Roy sah sich um. Das kleine Gebäude bot eine Zelle und drei Arbeitsplätze, einer davon war der Empfang und als einziges von einer etwas älteren Dame in den 60ern besetzt. Felicity sah auf ihrem Monitor alles über die versteckte Kamera die Roy am Kragen trug und ihr IT-Herz war verletzt. Alte bucklige Monitore aus den 90ern und ein Netzwerk das auf alten ISDN-Modems, die in den 90ern hoch modern waren, lief die mit der Zeit eine versift gelbliche Farbe angenommen hatten. Roy ging zu der alten Dame die ein paar Akten sortierte und müde war.
„Entschuldigen Sie! Ich möchte gerne jemanden Vermisst melden!" sagte Roy.
Felicity und Diggle die alles Mithörten bissen sich auf die Zungen. Sie hatten sich darauf geeinigt das Roy eigentlich nur nach dem Weg fragen sollte.
„Roy... bleib bei der Sache!" zischte Felicity.
Die Dame am Empfang drehte sich zu Roy und zog ein Formular raus. „Um wen geht es denn?"
„Meine Freundin! Sie ist einfach gegangen und hat mein Herz mitgenommen!" sagte Roy jammernd und erinnerte sich plötzlich an das was er eigentlich hätte sagen sollen. „Entschuldigung! Wir hatten uns vor einem Monat getrennt und ich bin wohl immer noch nicht darüber hinweg. Ich wollte eigentlich nach dem Weg nach Fawcett City fragen."
„Fawcett City? Da brauchen sie mit dem Auto doch mindestens eineinhalb Tage..." sagte die Frau und drehte sich zu einem Schrank um eine Straßenkarte zu suchen. In diesem Moment griff Roy über den Rand der Theke und brachte die Wanze direkt an der Rückseite des Monitors an. Er zog die Hand weg bevor die Dame sich zu ihm zurückdrehte und ihm den Weg zur Autobahn erklärte. Roy bedankte sich und ging zurück zum Wagen wo Felicity nun direkten uneingeschränkten Zugriff auf den Computer hatte...
Oliver währenddessen beobachtete wie Sandra nach oben ging. Sie wollte kurz nach Connor sehen und war überrascht als dieser noch wach war. Oliver beobachtete sie beide. Connor schien ziemlich wütend zu sein.
„Was hast du den?" fragte Sandra verwirrt.
„Nichts!" sagte Connor beleidigt.
Sandra war die ganze Zeit verwirrt das Connor sich nicht wie sonst über beide Ohren gefreut hat das sie morgen zum See fahren. Connor war verschwiegen wie nie und wollte nichts essen. Vielleicht war er von dem Fettbrand etwas verstört? Auch sie fragte sich kurz ob er vielleicht etwas mitbekommen hatte.
„Geh ins Bett Connor! Morgen fahren wir ganz früh." sagte Sandra und wollte ihm einen Gute-Nacht-Kuss geben. Doch Connor verkroch sich gleich unter der Decke. Bestürzt verließ sie wieder das Zimmer und ging in ihr eigenes. Sie vergewisserte sich das wirklich alles zu und verriegelt war. Dann dachte sie über das nach was gerade vor sich ging. Sie hatte Angst. Angst das Oliver seine Macht und sein vieles Geld dazu einsetzen würde ihr das Leben schwer zu machen. Vielleicht war alles ein perfider Plan ihr Connor wegzunehmen. Das Feuer! Die Schäden im Haus. Für jede Situation hatte sie einen Notfallplan. Nur wusste sie nicht ob Oliver Queen zur Kategorie Krieg oder Naturkatastrophe zählte...
Betrübt ging sie hinunter. Die paar Tage Abstand würden ihr guttun. Oliver sah wie sie nochmal alles absicherte und anschließend eine Schlaftablette nahm. Als die Lichter ausgingen war alles ruhig.
Er sah sich die Umgebung an. Im Nachbarhaus konnte er die Nachbarin durch das große Fenster sehen. Sie saß auf einem Stuhl mit einem Glas Wein in der Hand und beobachtete etwas. Ihr Ehemann war nur als Schatten an der Wand zu sehen. Es sah aus als würde er posieren! Die Frau schüttelte den Kopf und der Schatten fing an sich umzuziehen.
Dann sah Oliver zu den anderen Häusern. Es war ruhig. In der Stadt wäre zu dieser Zeit die Hölle los. Hier war es ruhig... sehr ruhig...
Zeitgleich betrat Diggle in der Stadt eine der beiden Kneipen und versuchte irgendwie ins Gespräch zu kommen. Es war nicht allzu voll. Es war eingerichtet wie man eine Bar erwarten konnte. Es stank nach Alkohol und Zigarettenrauch. Erst ging keiner auf den Fremden ein. Erst als er behauptete, sein Boss plane das Sägewerk zu übernehmen und neu aufzubauen wurden die Leute hellhörig und interessiert...
„Es will keiner mehr hier wohnen. Zu wenig Arbeit!" sagte ein angetrunkener Herr an der Bar zu Diggle der sich neben ihn gesetzt hatte. „Die Einwohnerzahl sinkt und sinkt!"
„Das ist schade! Sie haben eine schöne kleine Stadt hier!" sagte Diggle.
„Ich bin Bürgermeister hier! Sagen Sie ihrem Boss er kann das Sägewerk haben. Solange er dafür sorgt das der Landwert wieder steigt. Wenn noch mehr Leute wegziehen kann ich die Schule nicht mehr offen halten. Der einzige der zugezogen ist ist Frank! Aber der will wohl auch bald mit Sandra abhauen."
„Entschuldigung... was?" fragte Diggle.
„Hey, Dig... Frag ihn wer Frank ist!" hörte Diggle Roy sagen der mit Felicity wieder im Auto wartete.
„Frank Hendricks! Unser neuer Hilfssheriff. Es ist ein offenes Geheimnis das er was mit Sandra Hawke hat. Dabei ist er gerade mal ein paar Monate hier!" antwortete der Mann der immer weiter trank. „Er macht auf mich den Eindruck als ob er hier auch weg will!"
„Das dürfte Oliver interessieren!" murmelte Diggle.
„Wer ist Oliver?"
„Ach... niemand... Herr Bürgermeister, sagen Sie mir doch wie viel das Gelände kostet und ich werde es meinem Boss mitteilen!" redete sich Diggle raus und der Bürgermeister spendierte ihm dankbar einen Drink.
Oliver wartete weiter im Baum. Sandra hatte die Vorhänge zugezogen und alle Lichter ausgeschaltet um sich schlafen zu legen. Oliver wollte noch ein Weilchen bleiben um sicherzugehen ob alles in Ordnung war. Er überlegte sich was passieren würde wenn Connor ihn sehen würde. Das würde ihn bestimmt aufheitern! Aber Oliver verwarft die Idee sofort. Das war zu gefährlich.
Dann sah er etwas. Er konnte es nicht glauben! Im Haus der alten Lady bewegte sich etwas...
In der Stadt stieg Diggle wieder zu den anderen in den Kombi und erzählte was er herausfand. Felicity machte sich sofort auf die Suche nach Frank Hendricks!
„Das ist komisch! Ich habe hier zwei Frank Hendrickses die kürzlich die Polizeiausbildung gemacht haben. Aber einer lebt in Metropolis und der andere wurde vor vier Monaten im Einsatz in Seattle erschossen!"
Bevor Felicity weiter suchen konnte meldete sich Oliver...
„Hey Leute, ich habe hier etwas verdächtiges. Im Haus der alten Lady geht etwas vor." sagte Oliver über Funk und Diggle startete sofort den Wagen. „Felicity... suchen sie nach Infos über das Haus."
„Ich habe hier einen Grundriss auf einer Maklerwebsite!" antwortete diese.
Oliver konnte deutlich ein Licht durch das Zeitungspapier sehen mit dem die Fenster ab geklebt wurden. „Was befindet sich im Erdgeschoss hinten?"
„Das Wohnzimmer!" antwortete Felicity.
Zeitgleich fuhr der Kombi wild durch die Straßen. Felicity die immer noch hinten im Kofferraum saß wurde wie wild hin und her geworfen als Diggle mit quietschenden Reifen um die Kurven bog...
Oliver sprang im weitem Bogen vom Baum und landete im Garten des leerstehenden Hauses. Sofort griff er sich einen Pfeil und seinen Bogen und machte sich bereit zu schießen. Während er näher zum Haus schlich fragte er sich wer es sein könnte. Er machte sich bereit auf jeden. Wer immer es war könnte auch etwas mit den vergangenen Vorfällen zu tun haben!
Im Gebüsch unter dem Wohnzimmerfenster suchte er Deckung während er versuchte etwas durch die ab geklebten Fenster zu sehen.
„Oliver, hören Sie mich? Sollten Sie das Haus betreten... die Terrassentür ist..."
Oliver hörte nicht richtig zu. Zu besorgt war er das derjenige der im Haus war Connor schaden zufügen wollte. Mit einem kräftigen Tritt trat er die gläserne Terrassentür ein die sofort nachgab und klirrend auf dem Boden zersprang. Oliver sprang mit gezücktem Pfeil ins Wohnzimmer.
„Stehen bleiben!" brüllte er mit seiner Arrow-Stimme... und war verwirrt.
Anstatt eines Bösewichts der einen fiesen Plan ausheckte, sah er lediglich zwei Teenager. Beide saßen knutschend auf dem mit einer weißen Plane abgedeckten Sofa. Das Licht kam von ein paar Kerzen auf dem Couchtisch. Das Mädchen saß auf dem Schoß des Jungen und beide sahen geschockt und bewegungslos zu Oliver der sie nun mit einem Pfeil bedrohte. Beide waren Kreidebleich und machten große Augen!
„Entschuldigung!" sagte Arrow leicht beschämt und senkte den Bogen. „Was fällt euch ein in ein leeres Haus einzubrechen. RAUS!"
Die beiden Jugendlichen liefen stolpernd zur Vordertür und aus dem Haus raus. Oliver verließ das Haus wieder Richtung Garten. Oliver spürte wie er rot wurde. So eine blöde Situation hatte er noch nie erlebt. Ließ ihn die Sache mit Connor so paranoid werden. Beschämt sank er auf die Knie und hätte heulen können. Er konnte wohl nicht mehr klar denken. Bis plötzlich im Nachbarhaus das Licht anging.
„Ist da jemand?" rief eine Männerstimme.
Oliver sprang sofort über den Zaun in Sandras Garten. Als auch bei Sandra das Licht anging sprang er über den nächsten Zaun und öffnete die Tür zum Gewächshaus in dem er sich nun versteckte.
„Nichts zu sehen!" sagte die Ehefrau als sie hinaustrat und anschließend wieder hinein. „Ich hätte schwören können das ich jemanden gehört habe!"
Im Hell erleuchteten Gewächshaus lag Oliver flach auf dem Boden und versuchte ruhig zu bleiben als die Luft rein war stand er auf und sah sich um. Das Gewächshaus war voll mit Pflanzen der gleichen Gattung. Oliver machte vorsichtig ein Foto von einer der Pflanzen und schlich sich davon.
„Falscher Alarm Leute!" sagte Oliver den anderen über Funk. „Nur zwei Turteltäubchen!"
„Ja... die haben wir gesehen!" sagte Diggle der sich an die zwei Jugendlichen erinnerte die lauthals schreiend durch den Ort rannten...
Roy bekam sich nicht ein vor lachen als sie auf dem Weg zurück in die Stadt waren. „Das Gesicht der beiden hätte ich gerne gesehen!"
„Schön das du wieder besser drauf bist!" sagte Oliver beleidigt.
Die ganze Auktion war extrem peinlich. Er wollte nach Bösewichtern Ausschau halten und fand stattdessen hormongeplagte Teenies. Sie fuhren nun durch den Ort zurück in die Stadt. Oliver hatte sich bereits umgezogen und saß neben Felicity auf der Rückbank. Diese tippte wieder auf ihrem Laptop herum.
„Oliver... das sollten Sie sehen! Ich habe mir Gedanken gemacht. Über die Freundin die Sandra erwähnt hatte. Die Krebstote! Und über Sandras neuen Freund!" sagte Felicity.
„Was hat der den mit der Sache zu tun?" fragte Oliver.
„Ich finde ihn nicht wirklich hier. Ein Frank Hendricks lebt in Metropolis und der andere ist in dem selben Krankenhaus gestorben wie Sandras Freundin." erklärte Felicity. „Sehen sie sich das an!"
Oliver nahm den Laptop auf seinen Schoß um auf den Monitor zu sehen. „Was soll das sein?"
„Das ist der Totenschein! Sehen Sie sich das Datum an... der Mann ist am selben Tag während einer Not-OP verstorben." erklärte Felicity. „Vielleicht ist das Zufall, aber es kam mir Spanisch vor weil ich den neuen Freund der Mutter ihres Sohnes nicht finde... Und das hat mich verwirrt."
„Der Junge Hilfssheriff also. Da hat sich Sandra einen angelächelt!" sagte Oliver.
„Der Bürgermeister hat da auch was erwähnt." erinnerte sich Diggle. „Er soll erst seit kurzem in der Stadt sein und sich sofort an sie heran geschmissen haben."
„Wirklich?!" sagte Oliver und dachte nach. „Felicity, suchen Sie nochmal und Diggle, wenden Sie! Ich möchte gerne einen blick auf diesen Typen werfen." Alle sahen Oliver an. „Nur gucken... nicht beschießen! Und solange... was wissen wir über diese Frucht?"
Felicity sah sich das Foto an das Oliver im Gewächshaus gemacht hatte. „Das kenne ich! Hab ich mal in einer Doku gesehen. Das ist die Gingold-Frucht. Extrem selten. Wächst nur in Südamerika! Schmeckt aber angeblich extrem scheußlich."
Oliver dachte kurz nach. „Harmlose Spinner also!"
Diggle wendete bei der nächsten Gelegenheit und fuhr zurück. Die Adresse die Felicity herausfand war eine Zwei-Zimmer-Mietwohnung in der Nähe des Rathauses. Diggle parkte wieder und sie sahen sich das Gebäude an, welches im Untergeschoss ein kleines Lebensmittelgeschäft hatte. Es war mittlerweile zwei Uhr nachts. Alles war ruhig. Die Kneipen waren bereits geschlossen und die Jugendlichen aus den Städten zurückgekehrt um zu schlafen. Die Stille war schon fast Unheimlich.
Oliver sah sich das Gebäude an. Er dachte darüber nach nach oben zu klettern und durch die Fenster zu sehen. Er stand ein Weilchen vor dem Gebäude. Dachte darüber nach... bis er zu der Erkenntnis kam das es Falsch wäre. Er würde sich zu sehr in Sandras Leben hineindrängen. Besonders jetzt wo sie so schlecht auf ihn zu sprechen war wäre es keine gute Idee. Oliver ging zurück zum Wagen und beschloss zurück zum Hotel zu fahren wo sie eine halbe Stunde später ankamen... und versuchten etwas Schlaf zu finden.
Im Bett wälzte sich Oliver hin und her. Der gleiche Albtraum quälte ihn erneut... doch diesmal war es anders:
Während Oliver rannte und versuchte zu Connor zu gelangen waren es nicht seine Feinde sondern Sandras neuer Freund der Connor bedrohte...
Mit Connors Schrei wachte Oliver erneut auf. Besorgt ging er hinaus auf den Balkon und sah sich die Umgebung an. Sofort überkam ihn dieses ungute Gefühl. Er war besorgt...
Sandra, die eine Schlaftablette intus hatte, schlief halbwegs ruhig, hatte aber ebenfalls den gleichen Albtraum wie in der letzten Nacht. Als ihr Wecker um 6 Uhr morgens klingelte schreckte sie hoch. Heute wollte sie ruhe finden. Sie hatte alles geplant. Ein Nachbar sollte sie auf dem weg zur Arbeit zum Bahnhof mitnehmen. Mit dem Zug sollte die Reise dann weitergehen. Der neue Schnellzug, für den sich Connor auch sehr interessierte und der überall in den Medien hoch angepriesen wurde, sollte sie zum See bringen.
Während sie durch das Haus lief und die letzten Sachen zusammen suchte fand sie Connors Bogen. Für seine Begeisterung fürs Bogenschießen hatte sie nicht viel übrig, freute sich aber das er ein Hobby hatte. Sie packte den Bogen und den Köcher in die Tasche und bereitete langsam das Frühstück zu. Der Herd war unbrauchbar geworden und musste wahrscheinlich ersetzt werden, also schmierte sie nur ein paar Brote.
„Connor! Komm Frühstücken! Wir müssen gleich los!" rief sie, doch Connor antwortete nicht. „CONNOR!"
Sie ging die Treppe nach oben. Sie konnte sich nicht vorstellen das Connor heute verschlafen würde. Als sie an seine Tür kam klopfte sie und eintrat war sie geschockt. Connor lag nicht in seinem Bett. Er saß unter seinem Fenster, den Kopf gegen die Wand gelegt und er hatte eindeutig geweint. Sein Gesicht war knallrot und seine Augen feucht und gerötet.
„Connor, was ist los?"
Connor dreht sich zu ihr rüber. Sandra lief ein kalter Schauer über den Rücken als sie den giftigen Blick ihres Sohnes sah. Er sah sie an mit einem Blick der Hass und Missachtung verband. Sandra ging auf ihn zu.
„Connor! Sag mir was los ist?"
Connor atmete tief ein. Erneut schossen ihm die Tränen in die Augen. Er stand auf und ging auf sie zu.
„Mom... Ist Oliver wirklich mein Vater?"
Bitte um Review.
