Zusammenfassung
Hermione, die eine Hausarbeit für Professor Binns zu schreiben hat, stößt bei ihren Nachforschungen auf Texte aus Hogwarts. Unter anderem fällt ihr das Tagebuch Helga Hufflepuff's in die Hände, in der die genauen Begleitumstände beschrieben werden, wie es zur Gründung Hogwarts kam.
Die Tagebucheinträge beginnen mit jenen Begebenheiten, die im Sommer des Jahres 954 n.Chr. stattgefunden haben. Helga Hufflepuff, 10jährige Tochter dänischer Einwanderer, bemerkt, dass sich Angelsachsen dem Hof ihres Vaters nähern, die von Solmen Slytherin, einem Ratsmitglied des Bundes der Wölfe, ausgesandt wurden, um das Schwert Beowulfs, Hrunting, in ihren Besitz bringen. Die Soldaten töten zwar Helgas Familie; Helga selbst aber kann mit Hilfe des Halbelfes und Heilprediger Richard Eriugena nach Derby fliehen. In der scheinbaren Sicherheit beginnt Richard Helgas Ausbildung als Zauberin. Da das Schwert unauffindbar ist, beauftragt Solmen Nadal Lynx, einen Werleoparden und magischen Fährtensucher, Helga zu finden. Dieser reist Richard hinterher und kann ihn trotz Zauberei schließlich stellen. Nur durch die Hilfe seines alten Schülers Godric Gryffindor, einem Animagus, kann Nadal besiegt werden. Zusammen mit ihm und Richard gelangt Helga schließlich nach Tenby, die Burg der Gryffindors, wo sie das nächste Jahr verbringt. Als König Owain von Deheubarth Tenby besucht, um Godrics Vater mit nach Winchester zu Verhandlungen mitzunehmen, schließt sich Richard ihnen an und lässt Helga allein zurück.
Im Jahr 954 tritt bei Abt Duncan von Glastonbury, Reformer und einer der engsten Berater des Königs, ein neuer Bibliothekar und dessen Schülerin Rowena von Ravenclaw ein. Rowena besitzt nicht nur die gleichen magischen Fähigkeiten wie Dunstan, sondern vermag auch seine und der Königsmutters Korrespondenz zu führen. Während so Rowena in Winchester ihre Arbeit macht, kann zwar der Konflikt im Norden mit Eric Blutaxt gelöst werden, doch ein neuer scheint in Wales auszubrechen. So lässt schließlich König Eadred die walisischen Könige zu sich kommen.
Doch Dunstan erfährt noch weitere Konflikte. Zum einen zwischen den unversöhnlichen Lagern, den westsächsischen Fürsten unter Aelfhere und die ostsächsischen unter Ethelstan, anderseits durch den Spion C. vom Bund der Wölfe, die den König stürzen wollen, um so schließlich einen zauberkundigen König an die Macht zu bringen. Den Konflikt der Fürsten kann durch die gemeinsame Ausbildung der Prinzen zunächst beigelegt werden, doch der Bund schafft es König Eadred zu vergiften. Im November 955 wird Dunstan nicht nur Zeuge von einem Komplott des Bundes gegen sein Kloster… er erfährt auch, dass der König im Sterben liegt.
Salazar, ungeliebter Sohn Solmens von Slytherin, wird im Kloster Sherbourne im Namen seines Vaters zum Magier ausgebildet. Als Prinz Eadwig mit Gefolge das Kloster besucht, bemerkt er eine junge Zofe, die sein Herz zum Zerbrechen bringt. Als er sie beim Fest zur Rückkehr des Königs wieder sieht, versucht er sich ihr zu nähern, obwohl sie anscheinend Angst vor seinem Namen hat. Schließlich freunden sich Cuthburh und Salazar an und verbringen einige glückliche Stunden miteinander. Doch seine heimlichen Treffen mit der Zofe scheinen nicht unbemerkt geblieben zu sein.
9. Schlimme Nachrichten
Tenby, Dyfed, Herbst 955 n. Chr.
„Gut… nun probiere den Zauberspruch an diesen Kelch."
Egric ap Llandews, der alte Hausgeist der Gryffindors, saß kaum sichtbar vor Helga und ließ sich abermals einen Verschwindezauber von Helga zeigen. Genervt von den stetigen und für Helga unnötigen Wiederholungen, hob sie ihren Zauberstab, murmelte ‚Evanesco' und schwang leicht gelangweilt ihren Zauberstab. Obwohl sie den Zauberspruch eigentlich wie aus dem Schlaf konnte, gelang es ihr, da sie sich nicht richtig konzentrierte, nur den Henkel des Kelches verschwinden zu lassen. Mit der Folge, dass der Kelch dem Hausgeist aus der Hand fiel und auf dem Boden umherhüpfte und verbeulte.
„Ach, was sollte das jetzt schon wieder. Kannst du es nicht richtig machen", fluchte der Hausgeist, wobei es schien, als würde ihm dabei sein Unterkiefer verrutschen.
„Du muppscht disch rischtisch kompemtrierem", murmelte er weiter.
„Was?", meinte Helga weiterhin genervt. Allerdings schwang sie den Zauberstab und ließ den Kelch sich wieder reparieren. Unwirsch schlug der Hausgeist gegen seinen Kiefer, so dass dieser wieder in die richtige Ausgangsform rutschte.
„Also noch mal…"
„Musst das sein?", fragte Helga den Hausgeist, der ausgemergelt vor ihr auf einem Stuhl saß. Wie Helga von Godric erfahren hatte, war Egric, der oben unter dem Dach des höchsten Turms wohnte, ein ferner Verwandter der Gryffindor, der auf der Flucht nach einem frühen Scharmützel mit seinen Nachbarn in einen Brunnen gefallen und dort wohl verhungert war. Natürlich, laut Egric hatte man ihn in den Brunnen geworfen… oder wenigstens geschupst, als er sich über den Brunnen gelehnt hatte. Doch Helga konnte sich denken, was mit Egric passiert war. Denn war der Körper des Hausgeistes noch so ausgemergelt… seine Nase schien stets eine leichte Rötung anzunehmen. So hatte wohl Egric nach der Schlacht wohl zuviel am Wein gerochen und war betrunken in den Brunnen gefallen.
„Ja, es muss… du siehst doch, es war nur der Henkel des Kelches, den du verschwinden ließest."
„Also gut…"
Wieder schwang Helga den Zauberstab, den der Hausgeist argwöhnisch beobachtete, und murmelte den Verschwindezauber. Diesmal verschwand der Kelch vollständig.
„Naja, es geht doch. Nun… dann lasse jetzt noch die anderen Kelche verschwinden."
„Aber der eine reicht doch!", schimpfte Helga nun.
„Ja, den einen… aber was ist mit den anderen?"
„Evanesco", rief Helga nun. Doch statt der weiteren Kelches ließ sie einfach den Stuhl, auf dem der Hausgeist saß, verschwinden, worauf dieser nach hinten fiel und sich seinen Kopf stieß.
„Verfluchtes Luder. Also…"
In diesem Moment öffnete sich die Tür und Godric schaute hinein.
„Egric, was tut ihr am Boden?"
„Dieses Mädchen… also, sie bringt mich noch mal um den Verstand…"
Godric kicherte ein wenig, ehe er die Verwünschungen des Hausgeistes unterbrach.
„Lieber Egric, ich weiß, du mühst dich ab und niemand toleriert dieses richtig. Aber meine Mutter Gwenllian benötigt nun mal Helgas Hilfe und so muss ich dir leider deine Schülerin für kurze Zeit entführen."
Egric knurrte… doch er nickte schließlich, hob die Hand und wedelte mit ihr, als würde er damit Staub von seiner Geisterkleidung entfernen.
„Nun, dann los… lasst Gwenllian nicht warten… wir werden uns morgen wieder zusammensetzen."
Helga sprang beglückt auf und lief so schnell wie sie konnte aus dem Raum. Nicht, dass sie nicht gerne lernte. Sie lernte sogar schneller, als mancher es von ihr erwartete. Doch warum sollte sie immer wieder dieselben Zauber wiederholen, warum brachte der Hausgeist ihr nicht noch andere bei, wie Richard. Sie vermisste ihren Lehrer, den Halbelfen und Heilprediger, Richard Eriugena sehr. Dabei war dieser erst seit einem Monat fort… doch für Helga schien es, als seien es Jahre.
„Was möchte Gwenllian von mir?", fragte Helga Godric, der sie begleitete. Doch Godric schaute sich verschwörerisch um, ob der Hausgeist ihnen folgte, dann kniff er ein Auge zu.
„Psst… ich dachte, du würdest mal was anderes machen wollen. Ich weiß, wie furchtbar so eine Stunde bei Egric sein mag. Stundenlang lässt er einen einzigen Zauber immer und immer wieder wiederholen, bis der einem aus den Ohren herauswächst. Ich weiß zwar, das es gut ist, wenn man solche Zauber im Schlaf kann, aber…"
Helga lächelte Godric an.
„Und nun?"
Godric schaute sich noch einmal um, dann beugte er sich vor, so dass er nur flüstern musste, damit Helga ihn verstand.
„Sag' mal… kannst du reiten?"
Helga schüttelte den Kopf. Ihr Vater hatte zwar einen Ochsen gehabt, mit dem er die kleinen Felder nahe ihrem Hof gepflügt hatte, doch ein Pferd hatte er nicht besessen.
„Willst du mal?"
„Ich soll reiten?"
Ängstlich schaute Helga Godric an.
„Warum nicht? Ist ganz einfach. Ich dachte mir, ich zeige es dir mal. Das Wetter heute ist prächtig. Ein wenig frisch, aber wahrscheinlich der letzte schöne Tag in diesem Jahr, bevor es anfängt zu schneien. Und dann kann man wahrscheinlich kaum aus der Burg. Also… was ist, willst du mitkommen?"
Helga atmete tief durch. Doch sollte sie an ihre Zauberarbeit zurückkehren? Sich weiter durch den Hausgeist langweilen lassen. Stundenlang Dinge verschwinden lassen. Nein…
„Gut, ich komme mit", sagte Helga tief durchatmend, worauf Godric noch mehr grinste.
Wenig später hatte Godric sein braunes Schlachtross gesattelt und führte es hinaus vor den Stall.
„Ich denke mir, dass du erstmals bei mir auf ‚Hermes' mitreiten solltest."
„Und wo reiten wir hin?"
„Lass dich überraschen!", sagte Godric und grinste Helga verschwörerisch an. Dann schwang er sich in den Sattel und zog Helga hinter sich auf sein Pferd. Helga war aufgeregt. Noch nie hatte sie auf einem Pferd gesessen, geschweige denn auf einem solchen Streitross, wie es Hermes war. Während Godric sein Schwert am Sattel des Pferdes befestigte, damit es Helga nicht im Weg war und seinen Bogen und die Pfeile, sowie etwas Nahrung festband, versuchte sich Helga bei Godric festzuhalten.
„Nicht so stürmisch, Kleine. Du drückst mit ja glatt die Luft ab", meinte Godric lachend und wand sich zu Helga um, die ihn atemlos anstarrte. Zu aufgeregt um etwas zu erwidern, nickte Helga nur und ließ Godric etwas mehr Freiheit. Langsam führte Godric Hermes den Pfad entlang, der zum Tor führte.
„Ah, Sir Godric, ihr wollt ausreiten?", fragte ihn die Torwache, als sie Godric erblickte.
„Ja, Greilian, der Tag ist zu schön, um in der Burg zu bleiben. Zudem möchte ich Helga einiges von unseren Ländereien zeigen."
Die Torwache nickte freundlich und gab den Befehl, den jüngsten Sohn des Herrn von Tenby Castle durchzulassen. Helga versuchte sich nun doch ein wenig mehr bei Godric festzuhalten, als jener ‚Hermes' aus Tenby lenkte und langsam in einen Trab brachte. Was für ein wundervolles Gefühl, sagte sich Helga, die unter sich den kraftvollen Körper von ‚Hermes' spürte, der mühelos sich von Tenby entfernte, während um Helga die Landschaft dahinzurasen schien. Die kalte Luft des noch jungen Tages schien bei jedem Atemzug Helgas ihr in der Lunge zu brennen. Es schien, als würde die Luft nicht nur ihre Lungen füllen, sondern sich auch in ihrem Kopf breitmachen.
„Nun… wie gefällt es dir?"
Helga, die kurz ihre Augen geschlossen hatte, schaute verwundert auf Godrics Rücken.
„Was?"
„Die Burg Tenby und ihre Ländereien?", fragte Godric verwundert.
„Oh… sehr schön."
Helga konnte ahnen, dass Godric wieder lächelte.
„Warte erstmal, wenn ich dir mein Erbe zeige."
„Dein Erbe?"
„Ja… den Teil, den ich bekomme, wenn mein Vater tot ist. Wir hier in Wales teilen den Besitz eines Vaters auf… unabhängig vom Alter seiner Söhne. Während bei den Engländern nur der älteste Sohn etwas erbt, erben hier alle Söhne eines Burgherrn etwas. Allerdings bleibt das Land beim Clan… das heißt, es wird meist von einer Burg verwaltet. Und die wird natürlich nach Vaters Tod von Nwython, meinem ältesten Bruder, beherrscht."
Helga schaute Godric zwar interessiert an, doch ihre Stimmung wurde etwas melancholisch.
‚Wie es wohl bei ihren Eltern war? Thore hätte alles geerbt… und sie? Wahrscheinlich wäre sie an einen Nachbarhof gekommen… hätte dort den ältesten Sohn der Familie geheiratet. Doch jetzt… was wird mit ihr jetzt geschehen?'
„Schau darunter… dort liegt Gryffindor. Und dort links… der kleine Hügel dort… das ist mein Erbe."
Helga schaute auf den kleinen Hügel, auf dem einsam ein kleines Haus stand. Es schien ein Haus eines Schäfers zu sein, eines jener Bediensteten, der die vielen Schafherden der Umgebung auf den Wiesen und Weiden hütete. Und die eines der größten Besitztümer Tenbys darstellten.
„Wie heißt der Hügel?"
„Kleiner Hügel… klar, er hat noch einen eigenen Namen… aber für mich ist er immer der kleine Hügel. Auf der anderen Seite gibt es noch einen kleinen Bach und noch ein weiteres Haus mit einer Wassermühle, die ebenfalls zu meinem Erbe gehören wird. Vielleicht werde ich dort dann einziehen, wenn ich eine Gemahlin finde."
Helga schaute wieder zu Godric auf. Sie konnte sich Godric kaum als Ehemann oder Vater vorstellen. Noch war Godric für sie eher ein Junge als ein Mann.
„Hast du schon jemanden in Aussicht?", fragte sie nach… wobei es ihr merkwürdig erschien, das sie dies fragte. Sie, Helga, konnte sich eigentlich selbst kaum vorstellen, je einen Jungen richtig zu mögen.
Godric lachte laut auf.
„Nein… noch nicht", sagte er darauf etwas belustigt und doch schien Helga einen leichten traurigen Unterton in seiner Stimme vernommen zu haben. Ohne weitere Worte zu äußern, nahm er Hermes wieder bei den Zügeln und ritt weiter. Wieder flog die Landschaft dahin… doch plötzlich zügelte Godric Hermes.
„Was ist los?", fragte Helga irritiert.
„Riechst du das nicht?", fragte Godric… wobei Helga von seiner weit schärferen Stimme überrascht war.
Erst jetzt wurde ihr bewusst, der der leichte Nebel der vor ihnen lag, nicht natürlicher Natur sein konnte.
„Es … es riecht so, als würde etwas…"
Helga stockte. Schon einmal hatte sie so einen Geruch wahrgenommen. Einen Geruch von verbranntem Holz, Stroh und… verbrannten Tieren…
„Dort ist irgendetwas passiert.", sagte Godric und zeigte auf eine weitere Nebelschicht, die über den benachbarten Hügel zu wabern schien. Er wendete sein Pferd und ritt auf den Hügel zu.
„Willst du nicht lieber Hilfe holen?", fragte Helga ihn etwas angstvoll, doch Godric schüttelte nur den Kopf.
„Vielleicht braucht dort jemand unsere Hilfe. Es ist unser Land und dort wohnen unsere Bediensteten. Vielleicht brauchen sie unsere Hilfe", sagte Godric und ließ Hermes nun den Hügel hinaufgaloppieren. Ängstlich hielt Helga sich an Godric fest. Als sie auf dem Hügel angekommen waren, begann Godric zu fluchen und zügelte Hermes hart.
„Was ist?", fragte fast atemlos Helga, doch Godric zeigte nur nach unten, in das leichte Tal, in dem eine Hütte eines Landarbeiters von Tenby in Feuer stand. Erst dachte Helga, das die vielen Leute, die um die Hütte standen, diesem helfen würden, doch als sie in Godrics Gesicht sah, erschrak sie.
„Gwynedder!", zischte es aus Godrics Mund… und Helga versteifte sich. Diese Männer… es waren keine Helfer… es waren Plünderer und Mörder, die den Hof des Bediensteten überfallen hatten. Wieder waren Gwynedder unbemerkt nach Deheubarth eingefallen. Godric riss seinen Bogen samt seinen Pfeilen, wie auch sein Schwert vom Sattel und schwang sich vom Pferd. Helga rutschte fast von Hermes, als sie Godric loslassen musste.
„Hier…", sagte er zu Helga und gab ihr die Zügel von Hermes", …reite so schnell wie du kannst nach Tenby und hole Verstärkung!"
„Aber… ich kann nicht reiten!", flehte Helga Godric an. Sie hatte noch nie auf einem Pferd alleingesessen.
„Halte dich fest…", sagte Godric nur noch, dann gab er Hermes einen Klaps, so dass dieser weggalopierte, "… Hermes wird dich nach Tenby führen. Ich werde versuchen, sie aufzuhalten."
„Du allein…?", fragte Helga Godric, doch schon war er aus ihren Augen verschwunden. Helga verfluchte ihn… wie töricht konnte er denn nur sein, auch wenn dies mutig und tapfer zu sein schien. Hermes stürmte den Hügel hinab in Richtung Tenby und ließ Godric allein mit den Gwynedder zurück.
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Abtei Glastonbury, Herbst 955 n. Chr.
Müde wischte Dunstan sich eine Hand über seine Augen. Sein Rücken tat weh von dem langen Ritt, der nur kurz durch eine Rast unterbrochen wurde. Seine Glieder fühlten sich schwer an, ebenso wie sein Hintern, der von dem ungewohnten Ausritt mehr als schmerzte. Doch es war unvermeidbar, dass Dunstan entgegen seiner normalen Gewohnheit keinen Wagen nach Winchester nahm, sondern in hohem Galopp in die Hauptstadt reiste, um zum sterbenden König zu gelangen. Nur unzureichend hatte Dunstan seinem Dekan Gunnar die weitreichenden Aufgaben hinterlassen. Und nur Rowena hatte von ihm den Inhalt jenes Gespräches erfahren, welches er kurz vor der Zusammenkunft von Bethelm gehört hatte.
„Und ihr seit sicher, dass zwei der Pilger Texte aus der Bibliothek… verbrennen wollen?"
„Nein, ich nehme an, dass der eine ein Pilger ist… aber der andere ein Bruder aus unserem Kloster."
„Ein Bruder?"
Entrüstet hatte Rowena Dunstan angestarrt, als hätte er soeben ein Sakrileg begangen.
„Ja, ein Bruder. So schwer mir dass auch fällt, aber es schien einer der beiden ein Bruder aus unserem Orden zu sein. Sie sprachen davon, dass ein Eldorman sie dazu angestifftet hätte, Texte aus der Beowulf-Sage zu verbrennen."
„Weiß man mehr, wer dieser Eldorman sein soll?"
„Sie sprachen vom ‚schwarzen Eldorman'… und dass dieser ein Zauberer sein soll!"
„Welcher Eldorman ist ein Zauberer?"
„Es gibt wenige… aber es gibt sie", erwiderte Dunstan… und abermals lief ihm ein Schauer über seinen Rücken. Sollte jener, an den er dachte, der schwarze Eldorman sein… er mochte gar nicht daran denken, wenn es wahr wäre. Lange Zeit hatte er nichts von ihm gehört. Dunstan hatte schon immer vermutet, dass er nicht tot sein konnte. Dass er sich nur versteckt hatte, als er verunglückt war. Wenn ER nun dieser Eldorman war… dann war nicht nur er in Gefahr, sondern auch jene, die den Unfall verursacht hatten. Seine Macht war schon damals gewaltig gewesen. Wie groß mochte sie nun sein? Wenn er es war, dann…
Abermals wischte Dunstan sich seinen Schweiß von der Stirn. Er hatte kaum Zeit gefunden sich für jene Reise entsprechend zu kleiden. Jedenfalls war Rowena nun gewarnt und Dunstan wusste, dass die junge Bibliothekarin die Bücherei in Glastonbury hüten würde, wie ein Raubtier ihr Junges.
„Hoffentlich passiert ihr nichts", ermahnte sich Dunstan. Rowena war jung, vielleicht ein wenig unbedarft. Sicher, sie war fleißig, lerneifrig und begierig immer neue Wundertaten zu vollbringen. Dunstan hatte selten jemand gesehen, der so verstandsmäßig diese Arbeit verrichtete. Und doch… sie war noch sehr jung… noch unerfahren… und so hoffte Dunstan, nicht zu unbedarft… zu vertrauensselig. Er selbst war durch eine stählernde Schule gegangen… damals als er im Kerker saß, zum Tode verurteilt, fast vergessen.
„Dunstan, seid ihr wieder so weit?", hörte er Bethelms Stimme. Der junge Geistliche, der im Auftrag der Mutter Eadreds ihn in Glastonbury die Information über das Sterben ihres Sohnes informierte, war bereits wieder aufgesessen und lenkte sein Pferd zu Dunstan. Dunstan nickte. Er schwang sich müde auf sein Pferd und ließ es im Trap neben dem Bethelms gehen.
„Wann glaubt ihr, werden wir in Winchester sein?"
„Ich denke, in zwei oder drei Stunden. Hoffentlich noch rechtszeitig. Die Ärzte bemühen sich, den König noch am Leben zu erhalten… doch selbst Königin Eadgifu glaubt nun nicht mehr an eine Heilung."
„Nun dann…"
In diesem Moment tauchte eine Gestalt vor ihnen auf… die mitten vor ihnen in der Luft schwebte. Bethelm starrte sie an… und fiel beinahe aus seinem Sattel. Auch Dunstan schaute erschrocken, doch im Unterschied zu Bethelm kannte er jenes Wesen, dass dort wenige Meter vor seinem Pferd schwebte. Die Gestalt war in einem unwirklichen weißen Nebel gehüllt, der der Gestalt eine fast unmenschliche Figur gab. Nur ihr Gesicht, welches ebenfalls kaum zu erkennen war… und lange Haare, wie Dunstan eben auffiel… schienen die Gestalt zu einem Menschen zu machen.
„Was…", rief Bethelm leise, als C. Dunstan anrief.
„Der König ist tot… er ist soeben gestorben. Ruhe er in Frieden. Dennoch, Dunstan, beeile dich, damit du noch vor dem Sonnenaufgang in Winchester bist", hörte Dunstan ihn sagen. Dann verschwand die Gestalt, wie sie gekommen war.
„Ein Engel… ein Engel", hauchte Berthelm mit aufgerissenen Augen und fiel abermals fast aus dem Sattel. Dunstan mochte ihm in diesem Moment kaum widersprechen, obwohl er wusste, dass C. bei Weitem kein Engel war.
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Festung Bodmin, Cornwall, Herbst 955 n. Chr.
Verärgert lief Solmen Slytherin in Richtung seiner Gemächer. Die Befragung einiger weiterer Fährtensucher hatte ebenfalls nichts erbracht. Dieses dänische Mädchen, das vor einem Jahr von Nadal Lynx gestellt wurde, aber nach seinen Erzählungen unerwartete Hilfe erhalten hatte, war und blieb verschwunden. Selbst in den Klöstern wie Lichfeld hatten die Fährtensucher nachgesehen… und keinerlei Spuren gefunden. Solmen ahnte, dass das dänische Mädchen und ihre Helfer England verlassen hatte, doch er wusste nicht, wohin sie sich gewandt hatte. Allein die Schilderungen Nadal ließen eine Möglichkeit zu, denn der Junge, der Animagus, der dem Mädchen und dem ‚Zwerg' geholfen hatte, war mit einem Bogen ausgerüstet, wie ihn die Waliser oder Iren benutzen. Doch wo bitte sollte er in Wales suchen… vor allem jetzt, in dieser so unruhigen Zeit.
‚Ich hoffe von Nadal bald wieder ein Lebenszeichen zu hören!', sagte sich Solmen. Er war sicher, dass er dem Werwesen klar gemacht hatte, wie wichtig es ihm war, die Informationen über Hrunting zu erhalten. Zum ersten Mal hatte er erheblichen Druck auf Nadal ausgeübt und ihm aufgezeigt, wer hier das Sagen hatte. Nachdem das Werwesen zwei Monate lang in Solmens Verliesen täglich die Macht der Slytherins gespürt hatte, hatte er Nadal wieder frei gegeben… allerdings in der Aussicht, ihn jeder Zeit wieder festzusetzen. Durch einen Zauber würde er jeder Zeit wissen, wo sich Nadal aufhielt. Eine Flucht aus England… oder gar auf den Kontinent war somit vollkommen unnütz. Solmen würde ihn stets finden… und an ihm eine gerechte Strafe durchführen. Nadal wusste so, dass aus ihm, dem Jäger, leicht ein Gejagter werden könnte. Und welche Konsequenzen er tragen müsste, wenn er abermals scheitern würde. Solmen war sich sicher, dass Nadal diese Lektionen nie vergessen würde.
Dennoch… noch immer wusste er nichts von diesem Mädchen… oder wo das Schwert Hrunting sich befand.
„Herr… Herr… ihr habt Besuch."
Einer seiner Hauselfen eilte gehetzt und doch äußerst unterwürfig Solmen entgegen.
„Besuch? Wer?"
Solmen schaute den Hauself erst gar nicht weiter an, sondern eilte weiter. Der Hauself schaute Solmen an und eilte ihm nach.
„Ich… kann es nicht sagen… er… nannte nicht seinen Namen, Herr, Sir, er sagte nur, dass der schwarze Eldorman ihn, Herr, Sir, sprechen möchte."
Solmen blieb stehen und blickte den Hauselfen verständnislos an.
„Sagtest du… schwarzer Eldorman?"
Der Hauself nickte aufgeregt mit dem Kopf, der so beinahe auf dem Fußboden aufschlug.
„Jaaaa… jaaaa…, Herr, Sir!"
„Hat er sein Gesicht hinter einer Maske versteckt?"
Wieder nickte der Hauself, nun allerdings noch stärker.
Solmen richtete sich auf. Der schwarze Eldorman besuchte ihn, Solmen Slytherin, also. Ein seltener Besuch. Die Frage war nun, was wollte das andere Ratsmitglied von ihm? In der letzten Zeit waren die Treffen mit den anderen Ratsmitgliedern vom Bund der Wölfe seltener geworden. Für Solmen war dies ganz gut gewesen, da er keinerlei Erfolg vermelden konnte. Sollte er allerdings weiter erfolglos bleiben, wusste Solmen, dass er kaum mehr die Möglichkeit behalten konnte, einer der vier Ratsherrn zu bleiben. Sicher war Bischof Aelfnoth schon längst dabei ihn, Solmen, zu verdrängen. Nicht umsonst versuchte er sich von Bischof Aelfsige unterstützen zu lassen.
Mit finsterem Blick eilte Solmen in Halle seiner Burg, in die sein Besuch gebracht worden war.
„Hallo, Eldorman…", begrüßte er den natürlich wieder in schwarz gekleideten Mann, der wie immer eine Maske vor seinem Gesicht trug.
„Solmen…", sagte der Eldorman und verneigte sich.
„Es ist nett, dass ihr vorbeischaut. Doch bevor ihr mir sagt, was der Anlass eures Besuches ist… mögt ihr etwas trinken?", erwiderte Solmen, wobei ihm nur ein leichtes Lächeln über die Lippen huschte.
Der Eldorman neigte seinen Kopf und nickte kurz, ehe er sich wieder setzte und sich gegen die Rücklehne seines Stuhles lehnte. Solmen goss seinem Gast Wein in einen Kelch und stellte diesen vor den Eldorman ab, ehe er sich ebenfalls etwas davon genehmigte.
„Nun… was ist der Anlass für euren doch so seltenen Besuch?"
Der Eldorman schien ihn zu mustern, ehe er den Kelch absetzte.
„Ich wollte euch warnen, Solmen. Als Freund und Bundesgenossen."
„Warnen… wovor?", erwiderte Solmen und kniff dabei die Augen zusammen.
„Ihr wisst genauso gut wie ich, wovor. Der König liegt, dank euch, im Sterben… vielleicht ist er jetzt auch bereits tot… und die Pläne laufen nicht so, wie WIR uns dies so vorgestellt haben. Sicher, Solmen, es ist traurig, dass ihr das Schwert Hrunting noch nicht gefunden habt, aber für die anderen Ratsmitglieder war dieses Schwert auch nur eine… Zugabe. Ihre Interessen lagen eigentlich längst woanders. Solmen… ehe ihr antwortet… was ist für euch das wichtigste, was wir erreichen sollten?"
„Dies ist doch klar… endlich ein Königreich unter der Führung eines Königs, der uns Magier sich entfalten lässt… der am besten selbst ein Magier ist. Und der den Einfluss von außen, sei er nun Dänisch, Normannisch oder von einem andern Volk, stoppt. Und für mich persönlich… Cornwall sollte endlich zu einem richtigen Teil Englands werden… und kein Anhängsel bleiben. Cornwall war immerhin die Wiege Arthurs."
„Seht ihr… und genau deshalb bin ich zu euch gekommen. Sicher, jeder von uns vier Ratsmitglieder hat seine eigenen Machtansprüche… und jeder von uns verfolgt eigentlich das selbe Ziel… und doch gibt es fundamentale Unterschiede."
Der Eldorman nahm erneut einen Schluck Wein, ehe er weiterfuhr.
„Doch, während ihr und ich mehr das Wohl Englands im Sinn haben, beginnen unsere anderen beiden Ratsmitglieder sich gegenseitig zu bekämpfen. Anstatt sich mit den armseligen Freunden dieser Muggelkönige zu messen, wie etwa einem Dunstan von Glastonbury, und unser Ziel anzusteuern, versuchen sie ihre Machtposition zu stärken. Zum Glück für mich stehe ich nicht zwischen ihnen, sondern beobachte ihre Anstrengungen eher von einer Beobachtungsposition aus… doch ihr könntet zwischen diesen zukünftigen Kampf geraten. Und da im Augenblick eure Position im Rat mehr als fraglich wird, mag ich bezweifeln, ob ihr euch halten könnt."
Solmen's Augen wurden langsam nur noch Striche.
„Macht euch keine Sorgen, Eldorman. Ich glaube kaum, dass Aelfsige oder gar Ethelgiva mir gewachsen sein werden."
„Hmm… ich bin mir da nicht sicher, Solmen… und aus diesem Grund habe ich euch aufgesucht. Denn, eventuell, weiß ich mehr als ihr und könnte euch mit meinen Informationen stärken."
„Warum solltet ihr dies tun?", fragte Solmen nach.
„Weil ich ein Gleichgewicht im Rat halten möchte. Ein Gleichgewicht zwischen Kirche und Staat und ein Gleichgewicht zwischen Ethelgiva und Aelfsige. Zudem… ich weiß, dass ihr ein Mann mit Loyalität seid. Anders als diese Ratte von Aelfsige… und anders als diese Hure. Ihr würdet einen Freund… oder sagen wir vielleicht eher… Bundesgenossen, dem ihr in einer gewissen Schuld steht, wohl zur Hilfe eilen, wenn dieser euch braucht."
Einige Sekunden verharrte der in schwarz gekleidete Mann in Ruhe. Er schien auf seinen Kelch zu schauen, in Gedanken vertieft. Solmen wartete…
„Nun, Solmen, was ich euch jetzt sage, weiß ich aus sehr engen Kreisen unseres Bundes. Nicht alles von diesen Informationen weiß die andere Seite. Was würdet ihr sagen, wenn Ethelgiva gar nicht vorhaben würde… jetzt oder in näherer Zukunft, einen magischen König auf den Thron zu bringen?"
„Das wäre Verrat an unserer Sache!"
„Ja, das wäre es. Und doch plant sie solches. Sie hat kein Interesse daran, ein ihr unbekanntes magisches Kind auf den Thron zu bringen. Sie plant eher etwas ganz anderes."
„Und was?"
Der Eldorman schien süffisant zu lächeln… jedenfalls schien es Solmen so.
„Ihr Einfluss auf den zukünftigen König Eadwig ist noch groß… obwohl er nun von Aelfhere von Wiltshire ausgebildet wird. Zudem ist es ihr wohl gelungen, Zuneigung des Prinzen zu ihrer Tochter zu entwickeln. Ob dahinter einer ihrer Liebestränke steckt, kann ich nicht sicher sagen, aber die Zuneigung ist vorhanden. Und da auch Edgiva, ihre Tochter, Zuneigung für den Prinzen empfindet, wird sie einen Teufel tun und diese Möglichkeit der Einflussnahme zerstören. Nein, sie plant eher, dass der zukünftige König Eadwig am Leben bleibt und sich mit Edgiva vermählt… und schließlich mit ihr magische Kinder bekommt, die dann Könige von England werden… so wie wir es geplant haben. In der Zwischenzeit nimmt sie dann die Stelle des Beraters und die der Königsmutter ein…"
Solmen nippte gedankenversunken an seinem Wein. Schon immer hatte er diese Möglichkeit durchdacht. Und schon immer hatte er die Gefahr darin gesehen, dass Ethelgiva genau dies vorhatte.
„Und genau das wird ein Bischof Aelfsige versuchen zu verhindern!"
„Genau, Solmen, dies wird ein Aelfsige zu verhindern versuchen. Ob er es noch vermag, sei dahin gestellt… aber immerhin gibt es einen mehr oder weniger magischen Bastard, auch wenn er noch jung ist, der den Anspruch ihrer zukünftigen Enkel in Frage stellt."
„Was heißt mehr oder wenig magisch, Eldorman?", fragte Solmen nach.
„Was Ethelgiva nur ahnt, aber nicht weißt, ist, dass Bischof Aelfsige große Schwierigkeiten hat, dem Jungen das Zaubern beizubringen. Es scheint, der Bastard ist ein… Squip."
„Wie bitte?"
Solmen starrte den Eldorman an.
„Ja… und genau deshalb, mein lieber Solmen, wünscht sich unser lieber Aelfsige nichts sehnlicher, als dass ihr scheitert mit eurer Suche. Solltet ihr Erfolg haben, sollte das Schwert zu diesem Bastard gelangen, sollte Eadberth seinen Anspruch formulieren und sich mittels des Schwertes erheben… so wird jeder feststellen, dass er die Macht des Schwertes gar nicht entfalten kann. Oder, genauer gesagt, nur durch die Gnade Aelfsige. Dies ist natürlich nicht in eurem Sinn. Und deshalb formiert er schon seine Häscher, Solmen. Solltet ihr das Schwert finden… so werdet ihr es eventuell nicht mehr erleben."
„Ihr meint… Bischof Aelfsige würde mich beseitigen wollen?"
Der Eldorman nickte.
„So sieht es wohl aus, mein lieber Solmen. Genauso sieht es aus. Oder euch durch Intrigen so in Verruf bringen, dass eure Macht im Bund verloren ist…"
„Aber warum verschweigt er, dass Eadberth ein Squip ist?"
„Weil er nun mal auf ihn gesetzt hat… und weil er ihn so sehr stark beeinflussen kann. Mit ihm würde die kirchliche Macht weit stärker werden, als die weltliche der Eldormänner und Thegn. Eadberth würde stets ihn, Bischof Aelfsige, als Protege benötigen. Seine Rolle wäre mächtiger als die von Dunstan jetzt bei unserem sterbenden König."
„Das heißt also… wenn ich das Schwert fände… sollte es der Rat nicht wissen", erwiderte Solmen.
Wieder schien der Eldorman leicht süffisant zu lächeln.
„Aber… damit würde sobald kein magischer König auf dem Thron stehen."
„Nein, so bald nicht. Doch unsere Ziele, eure und meine, sollten auch längerfristig angelegt sein, meint ihr nicht auch? Es wäre doch nur von Vorteil, einen nicht gerade schwachen König aufzubauen… einen König, der auch sein schwarzes Handwerk vermag auszuspielen. Einen König, den man nicht nur achtet… sondern auch fürchtet. Einen König, der die weltliche Macht und die Kirche unter seiner Knute weiß… und wenn er sie bestechen muss. Eine Kirche, wie sie Dunstan von Glastonbury anstrebt, wäre mit einem solchen König unvereinbar. Einen König, der euch und mich, das bringt, was WIR uns wünschen, Macht, Ruhm und… Rache. Doch bevor wir… langsam… einen solchen König aufbauen können… solltet ihr euch… und vor allem euren Sohn aus der Schusslinie bringen."
„Meinen Sohn… Balstan? Was hat er damit zu tun?"
„Nicht Balstan… nein, euren jüngeren Sohn, Salazar. Ein übrigens wahrhaftes Talent."
Solmen durchzog ein Stich ins Herz. Was hatte sein ungeliebter Sohn Salazar mit dieser Sache zu tun?
„Hat es damit zu tun, dass er bei Bischof Aelfnoth lernt?"
„Nun ja… und nein. Es war ein Fehler von euch, ihn dort nach Sherbourne zu schicken, zu euren eigentlichen Feinden. Vor allem, weil dort sein Talent verkümmert. Aber nein, dass meine ich nicht. Es ist vielmehr sein Verhältnis, das für euch gefährlich wird."
„Was für ein Verhältnis?"
„Seht ihr, Solmen, ihr wärt ahnungslos in die Falle geraten, die Aelfsige euch gestellt hätte. Eurer jüngster Sohn, Salazar, ist eine Liebelei mit einer der Zofen von Edgiva eingegangen. Eine Liebelei, die für euch tödlich geworden wäre."
Solmen schaute den Eldorman verwundert an. Das sein Sohn sich in eine Zofe verliebt hatte, war für den Herrn von Slytherin nur zweitrangig. Nun gut, sie war eine Zofe von Edgiva, der Tochter von Ethelgiva… doch worin lag die Falle?
„Ich verstehe immer noch nicht…?"
„Verständlich… nun, diese Zofe, Cuthburh mit Namen, ist aber zugleich ein Spion Dunstans."
Solmen starrte den Eldorman an.
„Wie bitte?"
„Sie informiert den Abt von Glastonbury in regelmäßigen Abständen von unseren Unternehmungen. Von ihr weiß er vom Schwert, von ihr weiß er von unserem Hochverrat gegen den sterbenden König… wahrscheinlich weiß er auch, dass ihr ihn vergiftet habt und wartet nur auf den Beweis. Er weiß vom Bund… und er ahnt, wer hinter dem Bund steht. Alle… selbst ich, sind durch Dunstan… und sind durch Cuthburh in Gefahr. Nun, Solmen, stellt euch vor, wie dieses Pfand wohl in Bischof Aelsiges Hand ist. Und, Solmen, er weiß von alledem. Anders als Ethelgiva, die noch ahnungslos ist. Doch sollte der König sterben; sollte Ethelgiva ihren Machtanspruch durchsetzen, so glaubt mir, Bischof Aelfsige wird dieses Pfand setzen… und euch gleich mitopfern. Sein Freund und Mitverschwörer; Bischof Aelfnoth, wird euch dann im Rat ersetzen… und Ethelgiva wird weit weniger Macht in ihren Händen besitzen, als sie ahnt."
Solmen war kalter Schweiß aus den Poren getreten. Sollte Aelfsige den Komplott aufdecken, sollte herauskommen, dass sein Sohn mit einer Schlampe… einer Spionin Dunstans gemeinsame Sache machte… seine Macht im Rat, ja im ganzen Bund, würde zu Nichts schwinden. Er, nicht sein Sohn, hätte dann die Prinzipien des Bundes verraten, er hätte dann gemeinsame Sache mit dem größten Feind des Bundes, mit Dunstan von Glastonbury, gemacht. Er würde seinen Einfluss… und schließlich sein Leben und das seiner Söhne gefährden.
„Nun, Solmen, ich denke, ihr werdet mir noch einmal dankbar für jene Informationen sein… nicht wahr?", sagte der Eldorman. "Vielleicht könntet ihr diese Angelegenheit mit eurem Sohn und dieser Zofe auch vor Aelfsige klären… ohne, dass dieser davon erfährt, dass ich es euch erzählt habe. Vielleicht… verschwindet diese Zofe auch plötzlich. Oder stirbt durch einen Unfall. Was meint ihr? Wäre dies nicht ein nicht zu unwesentlicher Schlag gegen Aelfsige? Und wenn nun herauskommt, dass diese Zofe dann durch euch … diesen Unfall hatte… und herauskommt, dass Ethelgiva zu unvorsichtig war, meint ihr nicht auch… sie müsste euch dankbar sein? Hmm? Ihr behieltet nicht nur eure Macht… IHR… und durch euch auch der weiterhin beobachtende schwarze Eldorman… würden ihre Macht ausbauen."
Solmen nickte. Seine Gedanken überschlugen sich… und langsam formte sich ein Plan in seinem Kopf.
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Review-Antworten
Fluffy Bond: Vielen Dank für dein Review. Es ist schön, dass du dennoch noch etwas Zeit findest, ein kleines Review hineinzustellen, obwohl du nur noch am Wochenende zum Lesen kommst. Nun scheint es langsam klar zu sein, wer C. ist. Oder? Jedenfalls ist nun Salazar in größerer Gefahr. Und sein Liebe noch mehr!
Mit dem Verknüpfen der einzelnen Stränge der vier großen Zauberer wird es langsam vorankommen, aber sie werden sich alle unter bestimmten Bedingungen kennen lernen. Erstmal haben sich ja Godric und Helga kennen gelernt.
Ich hoffe, dass Kapitel war wieder spannend und aufschlussreich… die vielen unbekannten Namen nicht zu verwirrend… und die Geschichte so, dass man sich mit ihr mitreißen lässt.
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Informationen zum Nachlesen:
Viele Informationen möchte ich diesmal gar nicht nennen, aber dennoch:
1. Cottage
Diese kleinen Landhäuschen, in Pembrokeshire zumeist aus Stein, da der Holzbestand auf Grund der vielen Weiden und Wiesen nicht so viele Bäume stehen, die Wohnorte der Bevölkerung gewesen. In so einem Cottage, das weit kleiner als ein mittelenglisches Langhaus war, wohnte zumeist die Bediensteten eines Herrn, der meist in seiner Burg auf einem Hügel und wie in diesem Fall, auf den Klippen nahe eines kleinen Dorfes, regierte.
2. Erbrecht in Wales
Die englisch Klein-Königreiche , die von den Römern beeinflusst waren, rangen mit den Angeln und Sachsen um 400 n. Chr. um die Vorherrschaft im östlichen Britannien, während im Westen Wales sich selbst überlassen blieb. In Folge dessen wurde Wales von seinen keltischen Nachbarn in Schottland und Cornwall abgeschnitten. Wales selbst wurde in eine Vielzahl kleiner Gebiete aufgeteilt und es gab kaum einzelne Herrscher, die das ganze Land in dieser Zeit regieren konnten, der erste nach längerer Zeit war Rhodri Mawr während des 9. Jahrhunderts. Rhodris Enkel Hywel Dda konnte erfolgreich ein Rechtssystem errichten, welches dem Land Frieden gab, jedoch wurde das Land nach seinem Tod erneut geteilt.( wie wir ja schon erfahren haben). Dieses Rechtssystem blieb allerdings in Wales bestehen. Es fusste auf einem alten keltischen Brauch und verhinderte, dass Wales lange eine nationale Einheit erreichte. Das Recht besagte, dass alle Söhne eines Vaters den gleichen Teil der Besitztümer ihres Vaters bekämen, einschließlich auch aller illegitimen Söhne. So liberal wie das System auch war, die Folge war oft mörderische Gewalt und die erneute Teilung der kleinen Ländereien in immer Kleinere. Allein die Familienzugehörigkeit verhinderte größere Kriege.
3. Dunstan und der Engel
Laut einiger Viten Dunstans… unter ihnen auch ein B… geschah diese Begegnung Dunstans mit einem „Engel" wirklich. Dunstan, vom Todeskampf des Königs informiert, soll von einem Engel von dessen Tod erfahren haben. Dieser Engel, der Dunstan schon einmal begegnet sein soll und ihm dort erzählte, dass , solange er und König Eadred leben würden, England nicht in Gefahr sei, rief Dunstan zu, das der König tot sei und nun endlich in Frieden ruhe.
Personen, die in dem Kapitel der Geschichte Nosce te ipsum vorkommen. Die Personen die kursiv geschrieben sind, sind erdacht (entweder von JKR oder von mir).
Aelfhere
Eldorman von Wiltshire, Führer der ostsächsischen Partei, Ausbilder Eadwigs,
Aelfnoth
Bischof von Sherbourne,Mitglied der Wölfe
Aelfsige
Bischof von Winchester,Ratsmitglied der Wölfe
Balstan
älterer Sohn Solmens von Slytherin, Thegn Eadreds, Mitglied der Wölfe
Bethelm
Kleriker in Winchester, Chronist, Beichtvater der Königsmutter Eadgifu
Cuthburh
Zofe im Hause Ethelgiva, scheint Dunstan zu unterstützen, Freundin von Salazar
Dunstan
Abt von Glastonbury, einer unserer Hauptprotagonisten.
Eadberth
unehelicher Bruder Eadwigs und Edgars, wird von Bischof Aelfsige ausgebildet.
Eadgifu
Königsmutter, Mutter von Eadred und Edmund, Großmutter von Eadwig und Edgar
Eadred
König von England, ( 924 -955 )
Eadwig
Prinz, zukünftiger König von England, Sohn Edmunds
Edgiva
Tochter von Ethelgiva, zukünftige Königin von England,
Egric
Hausgeist in Tenby
Erik Blodox
norwegischer König von York, stirbt 954n. Chr.
Ethelgiva
Konkurbine, Mutter von Edgiva, Ratsmitglied der Wölfe
Ethelstan
Eldorman von East Anglia, Führer der Ostsäschsischen Partei, Ausbilder Edgars, auch der „Halb-König" genannt
Godric Gryffindor
genau genommen heißt er Godric ap Maredudd, Sohn des Herrn von Tenby
Gunnar
Dekan in Glastonbury
Greilian
Torwache von Tenby
Gwenllian
Mutter von Godric
Helga Hufflepuff
zehnjährige Dänin, eine der vier Gründer Hogwarts
Owain ap Hywell
König von Deheubarth
Nadal Lynx
Werkatze, Jäger von Solmen
Nwython ap Maredudd
älterer Bruder Godrics
Rowena Ravenclaw
Nonne von Glastonbury, eine der Gründer Hogwarts
Richard Eriugena
Heiler und Arzt, Ausbilder Helgas
Salazar
jüngerer Sohn Solmens von Slytherin, Gründer Hogwarts
Solmen
Edorman von Cornwall, Graf von Slytherin, Vater Salazars, Ratsmitglied der Wölfe
Thore
Bruder Helgas, stirbt 954 durch die Soldaten Solmens
