Disclaimer:

Ich, Joanne K. Rowling erkläre hiermit, dass Harry Potter mir gehört. Mir ganz allein. Mir, mir, mir... Hey, wo kommen all die Typen in den weißen Kitteln plötzlich her?! Das war nur ein Scherz! Ich bin nicht JKR! Nie, nie würde ich das behaupten! Hilfe!!!

A/N: Dies ist das zweite Kapitel in dieser Woche, wie versprochen. In Zukunft werde ich allerdings wieder nur einmal die Woche posten. Leider habe ich einfach nicht genug Zeit zum Schreiben.


Schatten der Wahl

10. Deditio

Als Harry erwachte war es kalt. Es überraschte ihn ein wenig, dass er es nicht zuvor gespürt hatte, aber wahrscheinlich war er durch den Schmerz zu abgelenkt gewesen. Der Schmerz war einem dumpfen Pochen in seinen Gliedmaßen und hinter seiner Stirn gewichen. Er fragte sich halb, ob dies eine Nachwirkung der Heiltränke war. Er zitterte. Als er sich ein wenig bewegte, stieß er gegen einen anderen Körper und die Geschehnisse des Vortags kehrten mit Macht zu ihm zurück. Er richtete sich ruckartig auf und fiel beinahe wieder hin.

„Draco? Draco, bist du in Ordnung?"

Harry schüttelte den anderen Jungen an der Schulter, als er sich nicht rührte. Draco zuckte zusammen und rollte sich noch mehr zusammen. „Es tut mir leid, Vater..."

„Wach auf, Draco, ich bin es..."

Harry sah sich um und war überrascht, eine Karaffe mit Wasser neben der Zellentür stehen zu sehen. Plötzlich wurde ihm sein Durst so bewusst, dass er beinah zusammenbrach. Er kroch zu der Karaffe und trank in langsamen, kleinen Schlucken direkt aus dem Krug. Harry hatte bei den Dursleys gelernt, Hunger und Durst nicht zu schnell nachzugeben. Schließlich ging es ihm etwas besser und seine Kehle fühlte sich nicht mehr ganz so rau an. Er füllte die nebenstehende Holzschale mit Wasser und kroch zu Draco zurück. Seine Arme waren sehr schwach und zitterten unter seinem Gewicht. Es fiel ihm schwer, nicht zuviel zu verschütten. Harry ignorierte den Anblick von Dracos Rücken, der ihm den Magen umdrehte, und rüttelte ihn ein weiteres Mal.

„Komm schon, Draco. Du musst etwas trinken. Ich bin es..." Harry zögerte einen Moment. „Tigris." Der Name klang fremdartig und falsch aus seinem Mund, aber irgendwie kam es ihm genauso falsch vor, Harry zu sagen. Draco drehte sich langsam zu ihm herum und krampfte sich zusammen, als er seine Wunden wieder fühlte. Er sah in Harrys Richtung und blinzelte.

„Tigr...", lallte er und versuchte sich aufzusetzen, fiel aber wieder zurück.

„Schsch." Harry hielt die Schale an seinen Mund. „Trink etwas."

Draco gehorchte und langsam klärte sich sein Blick. Harry füllte die Schale erneut, bis Draco genug hatte. Draco starrte ihn an, dann schloss er die Augen und stöhnte.

„Wundervoll. Zwei Narren in einem Boot."

Harry konnte nicht anders, er lachte auf. Es klang raspelnd und heiser.

„Um ehrlich zu sein, der Zimmerservice hat sich verbessert." Riss er wirklich Witze mit seinem ehemaligen Erzfeind?

Draco versuchte zu lachen und hustete. „Ich habe es bemerkt." Er drehte den Kopf und musterte ihn. „Es scheint dir besser zu gehen. Besser als mir, um die Wahrheit zu sagen."

„Ja." Harrys schlang die Arme um sich. „Es müssen Mutters Heiltränke sein."

„Mutters?"

Harry sagte nichts. Er wusste nicht wirklich, was er darauf entgegnen sollte.

Dracos Blick wanderte zur Decke und er fuhr sich mit der Zunge über die trockenen Lippen. Dann zitterte er. „Es ist verdammt kalt hier."

„Ja." Harrys Blick fiel auf Dracos abgelegte Robe. Er zog sie zu sich und breitete sie über Draco aus. Draco zog sie um sich und musterte ihn verwundert. „Ist dir nicht kalt?"

Harry zuckte nur mit den Schultern.

„Oh, hör auf.", sagte Draco ungehalten. Er stemmte sich in eine sitzende Position hoch, bis er in einer Ecke lehnte und zog Harry zu sich. Er hatte nicht viel Kraft, aber Harry sträubte sich nicht dagegen. Er zuckte leicht zusammen, als sein Rücken gegen Dracos Brust zu liegen kam. Draco wickelte die Robe um sie beide.

„Nun, das war doch nicht so schwer, großer Bruder.", meinte er ein wenig spöttisch.

Harry lehnte seinen Kopf zurück, dankbar für die angenehme Wärme, die von dem Körper hinter ihm ausging. Der Kontakt hatte etwas eigenartig Befriedigendes. „Großer Bruder? Ich könnte mich daran gewöhnen."

„Könntest du wirklich?"

Harry schwieg. Draco schlang die Arme um ihn. Harry faltete seine Arme über seinen und grub seine Finger in den seidigen Stoff. „Vielleicht."

Sie saßen einige Minuten in der Stille.

„Ich habe bemerkt..." Draco zögerte einen Moment. „Du hast einige alte Narben."

„Ich habe gesehen, du hast keine.", entgegnete Harry.

„Mutter ist eine recht talentierte Heilerin."

„Ich verstehe."

Draco schwieg abwartend.

Schließlich seufzte Harry. „Die Dursleys... die Muggel mit denen ich gelebt habe... fanden gelegentlich Grund dafür ‚die Abnormalität aus mir herauszuprügeln', wie sie sich ausdrückten. Besonders mein Onkel Vernon, er benutzte mit Vorliebe seinen Gürtel."

Draco lachte humorlos. „Ich nahm immer an, sie würden dich vergöttern. Du, Der-Junge-der-lebt, Bezwinger von Du-weißt-schon-wem und all das. Unsere BERÜHMTHEIT." Er schaffte eine leidlich gute Imitation von Snape.

Harry verzog das Gesicht. „Nun, das haben sie nicht. Sie verabscheuten Zauberer und alles, was mit Magie zu tun hat. Es war abnormal für sie. Sie versuchten alles, um mich davon fern zu halten. Sie erzählten mir, meine Eltern wären bei einem Autounfall ums Leben gekommen."

„Autounfall?", fragte Draco verwirrt.

„Es ist ein häufiger Unfall für Muggel."

„Oh. Wie auch immer... entschuldige."

Harry zuckte mit den Schultern. „Ich dachte dasselbe von dir. Dass du verwöhnt bist bis zum Gehtnichtmehr, meine ich."

„Nun, damit hattest du Recht. Ich bin verwöhnt."

„Mit der Peitsche?", fragte Harry sarkastisch.

Draco zuckte leicht zusammen. „Er ist gewöhnlich nicht so... unkontrolliert. Mir gegenüber zumindest. Er bestraft mich, wenn er es für notwendig hält, aber nicht, ohne dass ich es verdient hätte. Abgesehen davon bekomme ich alles was ich will."

„Was sich kaufen lässt.", entgegnete Harry trocken. Darauf antwortete Draco nicht.

„Warum jetzt?", fragte Harry schließlich.

Draco verkrampfte sich unbehaglich. „Ich bin ihm nachgeschlichen, gestern. Nachdem ich dich sah, versuchte ich, mit Onkel Severus zu reden."

„Snape?!", rief Harry ungläubig.

„Er ist unser Patenonkel.", sagte Draco verteidigend. „Er kann nett sein, wenn er will... auf seine Art. Ich gebe zu, er ist kein einfacher Mensch. Aber er hat mir schon früher geholfen."

„Schwer vorzustellen.", murmelte Harry. „Also warum hat er dir nicht geholfen?"

„Ich konnte nicht wirklich etwas sagen, bevor Vater auftauchte. Ich denke aber, er war misstrauisch. Ich befürchte, Vater hat etwas mit ihm gemacht..."

„Denkst du, er würde ihn verletzen?", fragte Harry unbehaglich.

Draco zog ihn näher an sich. „Ich weiß nicht. Severus ist ein guter Okklumens, es ist schwierig, so jemanden mit einem Gedächtniszauber zu belegen. Aber vielleicht gibt es andere Wege. Ich kenne mich in den Dunklen Künsten nicht so gut aus wie Vater." Harry spürte, wie Draco schauderte. Es verwunderte ihn.

„Magst du die Dunklen Künste nicht?"

„Nein. Ich meine, doch. Es ist nur so, ich war nie besonders gut darin. Zu Vaters ständiger Enttäuschung. Andererseits war ich immer eine Art Enttäuschung für ihn." Die letzten Worte waren mit unverhohlener Bitterkeit gesprochen. Harry fasste ermutigend nach Dracos Armen.

„Ich bin sicher, er meint es nicht so."

„Oh doch, das tut er. Ich brauche keine mitleidigen Lügen, Tigris. Besonders nicht von dir."

Harry spannte sich. Draco seufzte. „Tut mir leid."

„Warum hast du überhaupt versucht mir zu helfen? Du hast mich gehasst, seit wir uns das erste Mal gesehen haben."

Draco legte das Kinn auf Harrys Schulter. „Ich hasse dich nicht. Nicht mehr jedenfalls. Tatsächlich denke ich, ich beginne langsam, dich zu mögen. Du bist schließlich mein Bruder. Ich möchte dich nicht verlieren." Er verstummte verlegen.

Harry hielt einen Moment verblüfft den Atem an. „Danke.", sagte er dann.

„Wofür?"

„Dafür dass du dein Leben für mich riskierst."

„Denk dir nicht zuviel dabei, Bruder.", erwiderte Draco zynisch. „Vater mag verrückt genug sein, einen Sohn und Erben zu riskieren, aber sicher nicht beide. Nicht, nachdem er so viel riskiert hat, um den Namen Malfoy zu erhalten."

„Deine Gesundheit dann."

Draco lachte trocken. „Hör auf, dich in meine Schuld bringen, Tigris. So versucht ich auch bin, dich beim Wort zu nehmen, ich bin nicht so selbstlos wie du mich machst."

„Sag was du willst.", entgegnete Harry. „Bruder."

Harry fühlte, wie Draco hinter ihm lächelte. „Ich wünschte, du würdest es in Erwägung ziehen.", sagte er plötzlich.

„Was?", fragte Harry verwirrt.

„Dich ihm zu beugen.", erwiderte Draco leise. „ ‚Der Baum, der sich nicht vor dem Sturm beugt, bricht', wie man sagt."

„Er ist nicht etwas unvermeidbares wie ein Sturm.", entgegnete Harry ärgerlich.

„Doch, das ist er.", widersprach Draco ruhig. „Für uns zumindest."

o

Das Schlagen der Gittertür riss Harry ruckartig aus dem Schlaf. Er spürte, wie Draco hinter ihm sich anspannte.

„Wie süß.", sagte Lucius beißend. „Ich könnte glauben, ihr wärt ein Liebespaar, wenn ich nicht wüsste, dass ihr verwandt seid."

Harry verzog angewidert das Gesicht und versuchte, sich aus der Robe zu wickeln, die sich um sie geschlungen hatte.

Lucius winkte mit der Peitsche. „Komm her, Draco."

Draco versuchte, an Harry vorbeizukommen, aber Harry hielt ihn auf.

„Lass ihn in Ruhe. Es geht dir doch nur um mich."

„Sei still, Tigris.", zischte Draco. „Geh zur Seite."

Lucius beobachtete sie amüsiert. „Welch interessante Entwicklung. Wie soll man es nennen? Geschwisterliebe? Grassierende Idiotie? Jetzt hört auf damit Kinder, und tut was ich sage." Sein Lächeln verschwand. „Oder es wird euch leid tun. Euch beiden."

Harry ließ sich schließlich zur Seite schieben und Draco kniete vor Lucius. „Es tut mir leid, Vater."

„Gut. Komm her, Tigris."

Harry sah, wie Draco die Stirn runzelte. Er begegnete Lucius' Blick mit Widerwillen.

„Nein."

„Komm her, oder dein Bruder wird bestraft werden.", sagte Lucius ruhig.

Harry starrte ihn an. „Was? Aber..."

Die Peitsche sauste nieder und Draco schrie auf.

„Stopp!" Harry fand sich selbst neben Draco wieder. „Es tut mir leid."

„So. Das ist viel besser. Nun denk darüber nach, was ich von dir hören will. Denk gut nach."

„Tu es nicht.", flüsterte Draco neben ihm. „Nicht wegen mir. Er würde es sowieso tun."

Harry starrte auf Lucius' Stiefel vor sich und spürte, wie er zitterte. Er schüttelte den Kopf.

Die Peitsche traf seinen Bruder und Harry fuhr zusammen. Er sah, dass Draco sich auf die Lippen biss, um nicht aufzuschreien. Ein dünner Faden Blut lief über sein Kinn. Die Peitsche traf Draco abermals und er fuhr wieder zusammen. Harry fühlte sich plötzlich leer und wertlos. Da war nichts Heldenhaftes an Widerstand, wenn andere darunter zu leiden hatten, oder? Seine Prinzipien, seine Freiheit – was waren sie noch wert? DIE DURSLEYS HATTEN RECHT. ICH BIN NICHTS. GARNICHTS. Er starrte auf den Steinboden. Er fühlte sich vollkommen erschöpft, ausgelaugt. Er war schließlich auch nur menschlich. Er konnte nicht für immer kämpfen.

„Ich entschuldige mich, Vater.", flüsterte er schließlich tonlos. Sein Geist war blank, wie ein endloser, dunkler Ozean, in dem er orientierungslos davon trieb. Er kämpfte nicht mehr dagegen an.

„Wiederhole das.", erklang Lucius' Stimme über ihm.

Er schloss die Augen. „Ich entschuldige mich, Vater, für mein Verhalten. Es war dumm und vermessen von mir, dich zu provozieren. Es wird nicht wieder geschehen."

„Du wirst dich an die Regeln halten, die ich genannt habe?"

„Ja, Vater."

„Dann sag es."

„Ich werde dich mit Vater oder Sir anreden.", sagte er mit monotoner Stimme. Ein Teil von ihm war überrascht, dass er sich noch erinnerte. „Ich werde deine Anordnungen befolgen.

Ich werde dich nicht in der Öffentlichkeit kritisieren. Ich werde älteren und einflussreicheren Leuten gegenüber Respekt zeigen..." Er würgte. „...auch gegenüber dem Dunklen Lord. Ich werde dafür sorgen, dass der Name Malfoy nicht durch mich in Misskredit gerät."

„Sehr schön." Sein Vater klang außergewöhnlich zufrieden. Tigris fühlte eine Welle von Hass, wie er ihn noch nie zuvor empfunden hatte, nicht einmal gegenüber Voldemort. Es war ein kalter, grenzenloser Hass. Er war sicher, dass dieses Empfinden niemals enden würde. Es erfüllte ihn, total und vollkommen.

„Zehn Schläge für deine vorige Widerspenstigkeit."

„Ja, Vater."

Tigris starrte vor sich auf den Boden, während er mit kalter und emotionsloser Stimme zählte. Er wusste, dass er an diesem Tag etwas verloren hatte, aber er konnte sich nicht dazu zu bringen, darum zu trauern.

„Ihr könnt gehen.", sagte sein Vater schließlich.

„Danke, Vater."‚...du bist gnädig.', fügte er in Gedanken sarkastisch hinzu. Er kam taumelnd auf die Füße und zog Draco mit sich hoch.

Sie stolperten, sich gegenseitig stützend, die Treppen nach oben. Irgendwie, später hielt Tigris es für ein Wunder, schafften sie es bis zu seinem Zimmer, wo sie zusammenbrachen. Dort fand ihre Mutter sie später. Sie schaffte es, das Bett in Zwei zu teilen und ihnen die notwendigsten Heiltränke zu geben, bevor sie einen hysterischen Anfall bekam und aus dem Zimmer stürzte. Tigris hörte ihre wütenden Schreie wie von weit entfernt, und fand es merkwürdig erheiternd, bevor er in einen tiefen, traumlosen Schlaf fiel.

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Lucius hörte Narcissa vor seiner Tür toben und schloss daraus, dass sie die beiden gefunden hatte. Ah, die Sorgen und Nöte einer liebenden Mutter, dachte er trocken. Er füllte sich ein Glas Rotwein ein und lehnte sich in seinen Sessel zurück. Er wusste, sie würde sich früher oder später beruhigen, das tat sie immer. Das war eine von Narcissas wundervollen Eigenschaften. Sie kam immer zuletzt zu Verstand und verhielt sich wie die perfekte Ehefrau, die sie sein sollte. Lucius hob sein Glas in Richtung der Tür zu einem spöttischen Toast. Eine liebende Ehefrau und zwei wunderbare Söhne. Was könnte er sich mehr wünschen? Er wollte einen Schluck trinken, aber dann stellte er das Glas ruckartig ab und schob es von sich. Er trank ein Glas Wein am Abend so lange er denken konnte, doch plötzlich widerte ihn der Gedanke an. Er verzog das Gesicht und rieb sich die Stirn. Es war am Ende immer nur das Ziel, das zählte. So hatte er es immer gehandhabt. Es war eine gute Maxime. Sie hatte ihn noch nie zuvor im Stich gelassen. Er sollte feiern. Das sollte er wirklich.


Vielen Dank an: Stupor, anni-kiddo, skateZ, Minnilein, blablabla, Kissymouse, auxia, Echidna Drake, rah-chan, Padfoot's Mate, Lyonessheart

Ihr wollt alle wissen, warum Lucius gegangen ist? Es wird noch ein wenig dauern, bis ihr das erfahrt...

rah-chan, Kissymouse: Es tut mir leid, manchmal war es wohl etwas unklar, wer redet. Ich versuche, es zu verbessern. Es war nicht Tigris, der Lucius Vater genannt hat, es war Draco.

Echidna Drake: Danke. Ich gestehe, ich bin einfach schlecht was Summaries angeht.