Kapitel 9
Endlich war es soweit. Der erste September. Harry saß in seinem Büro, dessen Größe er nach seinem Trip in die Vergangenheit wieder zu schätzen wusste, auch wenn es nicht zu übersehen war, dass auch dieses aus allen Nähten platzte. Es war etwa zehn Uhr morgens, als es an der Tür klopfte. „Nur herein!", schrie Harry und Hermine trat ein.
„Es ist schon zehn Uhr, Harry, bist du soweit?"
„Gleich", sagte Harry und schloss seine riesige Agenda, in die er noch schnell etwas hineingeschrieben hatte und packte einen dünnen Stapel Blätter.
Als die beiden im Lehrerzimmer waren, teilte er stillschweigend jedem ein Blatt aus und trat hinter den langen, rechteckigen Holztisch an den Platz des Schulleiters, während alle anderen gespannt auf den anderen Stühlen um den Tisch herum saßen. Jeder Stuhl sah anders aus, was das Ganze ein wenig seltsam aussehen ließ, doch dies war auch schon zu Harrys Zeiten als Schüler so gewesen und offenbar störte sich niemand daran.
„Liebe Kolleginnen und Kollegen, ich möchte euch alle offiziell zum neuen Schuljahr hier an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei begrüßen. Vorstellen möchte ich Professor Draco Malfoy, einige von euch kennen ihn bereits. Ich freue mich außerordentlich, wieder ein neues junges Mitglied im Lehrerkollegium willkommen zu heißen. Er wird ab diesem Schuljahr den Lehrerposten des Lehrers für Verteidigung gegen die dunklen Künste von Winfold McLoan übernehmen, welcher so freundlich war und aus der Pension zurückgekommen ist, um den Posten vorübergehend zu übernehmen, da ich meinerseits zum Schulleiter gewählt worden bin. Winfold ging nach nunmehr drei Jahren Interimsbesetzung wieder zurück in den Ruhestand. Für ihn wird Draco auch gleich das Amt des Hauslehrers von Slytherin übernehmen. Hoffentlich lebst du dich hier in Hogwarts gut ein, Draco. Ist ja noch nicht so lange her...", schloss Harry mit einem Augenzwinkern. Alle lachten und sie klatschten, um Draco willkommen zu heißen.
„Das Blatt, das ich euch ausgeteilt habe, zeigt den diesjährigen Stundenplan. Ich würde euch bitten, diesen morgen Vormittag allen Schülern eures Faches zukommen zu lassen. Für dieses Schuljahr habe ich noch eine kleine Änderung vorzunehmen, was das Lehrerzimmer betrifft." Alle sahen recht erstaunt aus, vor allem Hermine, der Harry offensichtlich nichts hiervon erzählt hatte. „Keine Angst", fuhr Harry fort, „es ist nichts Großes. Ich fände es nur sinnvoll, wenn hier im Lehrerzimmer eine Tafel mit allen Stundenplänen hinge und deshalb habe ich etwas vorbereitet."
Hermines Gesichtsausdruck zu urteilen, hielt sie die Idee für völlig überflüssig, schließlich konnte sich doch jeder seinen Stundenplan auswendig merken! Harry fiel Hermines Ausdruck auf dem Gesicht auf, doch er ließ sich keinesfalls aus dem Konzept bringen und erhob seinen Zauberstab: „Accio Stundentafel!" Und es kam eine Tafel ins Zimmer geflogen, welche einen kunstvollen, mit Gold verzierten Rahmen besaß, welcher eine vergilbte Pergamentfläche einrahmte, auf der alle Stundenpläne in einer schön verzierten Schrift mit langen Serifen, die sich ineinander schlangen, aufgeführt waren. Sogar Hermine staunte. Alle anderen waren entzückt und klatschten, bis auch Hermine ihr Staunen überwand und in den Beifall einstimmte.
„Zu guter Letzt will ich allen nur noch ein erfolgreiches und schönes Schuljahr wünschen! Hier sind die Häppchen!" Harry grinste und ließ sich noch einmal beklatschen. Währenddessen zauberte Harry noch die versprochenen Häppchen. Alle waren froh, wieder in Hogwarts zu sein und ließen es sich auch anmerken, indem sie lachten und einander erzählten, was sie in der Sommerzeit erlebt hatten.
Harry und Neville waren gerade in ein Gespräch vertieft, in dem sie ausführlich die Verwendung von Säbelkraut diskutierten, als Draco sich ihnen anschloss. „Harry, ich muss schon sagen, deine Stundentafel ist toll! Sie macht den Raum gleich viel lebendiger." Er blickte Harry und Neville träumerisch an. „Ach, wisst ihr ich vermisse es schon fast – unsere Zankereien und Kabalen!"
„Naja, solange du nicht rückfällig wirst..." Harry klopfte Draco auf die Schulter. Neville sah ein wenig hilflos zu; er sagte nichts. Ihm war Draco immer noch ein klein wenig suspekt. Nicht, dass er ihn nicht akzeptiert hätte hier in Hogwarts, wahrscheinlich mochte er ihn mittlerweile sogar, aber irgendwie konnte sein Verstand es immer noch nicht hundertprozentig mit seinem Gefühl vereinbaren, dass Draco keine hinterhältige Kanaille mehr war. Er schämte sich für diesen Gedanken, schon während er ihn hatte und er lief rosa an – zu seinem Glück bemerkte es niemand.
Draco war nach seinen Taten im sechsten und siebten Schuljahr auf unbestimmte Zeit nach Askaban verbannt worden. Doch nicht einmal ein Jahr nach seiner Verurteilung wurde er schon wieder aus Askaban entlassen, da er den Veritaserum-Test bestanden hatte, der bei allen Häftlingen monatlich durchgeführt wurde, um diejenigen entlassen zu können, die für die Außenwelt keine Gefahr mehr darstellten, weil das Zauberergefängnis nach den Ereignissen in der Schlacht von Hogwarts vollkommen überbesetzt war. Beim Veritaserum-Test hatte Draco erklärt, alles Schlechte, was er je getan habe, tue ihm leid, er habe es einfach nicht ertragen können in Harrys Schatten zu stehen. Am allermeisten verwundert erschienen die Testabnehmer jedoch ob seiner letzten Aussage, welche er bereits unter Tränen zugestand; schniefend bekannte er, eigentlich habe er immer zu Harrys Freundeskreis gehören wollen, doch als er gemerkt habe, dass ihm dies nie zustehen werde, habe er der Stimme seines Vaters gehorcht und keinen Kontakt aufgebaut. Den einzigen Kontakt, der ihm gewährt wurde, sei jener des Gegenspielers gewesen und über mindestens sechs Jahre habe er ihn insgeheim immer bewundert und fortwährend um seine Gunst gebuhlt.
Er habe jedoch erkannt, dass dies die falschen Mittel waren...
