Der Betrieb im Caffé Antico Greco nahe der spanischen Treppe war wie immer quirlig und laut. Dennoch schien um den Mann, der im hinteren Teil auf einem Plüschsofa saß, eine Insel der Ruhe entstanden zu sein. Keiner wagte es, sich mit an den Tisch zu setzen oder den Mann gar anzublicken, es schien als wäre er gar nicht da.

Er war eine markante Erscheinung mit dem schneeweißenMaßanzug und dem stahlgrauen Hemd mit gleichfarbiger Krawatte, seine Stiefel waren ebenfalls weiß und weiß war auch das lange Haar, das ihm weit über die Schultern fiel. Er trug ein weiteres auffälliges Accessoire bei sich; einen Gehstock mit einem silbernen Schlangenkopf. Vor ihm stand ein Cappuccino und daneben lag ein Exemplar der Republica mit schreienden Schlagzeilen über die Roten Brigaden. Der Mann schien auf jemanden zu warten, denn seine Augen wanderten aufmerksam umher.

Schon nach kurzer Zeit erschien der Erwartete, ein junger Mann, ganz in schwarz und sozusagen das Gegenstück zu dem Weißgekleideten. Er trug einen Anzug von der Stange, nichtsdestotrotz ein Designerstück, ein dunkelgrünes Hemd mit anthrazitfarbener Krawatte mit einer diskreten Nadel in Schlangenform. Auch er hatte Stiefeletten als Schuhwerk gewählt.

Er ging ohne Umschweife zu dem Tisch, verbeugte sich kurz und nach einer einladenden Bewegung seines Gegenübers setzte er sich dazu. Sofort tauchte ein Kellner im Frack auf und nahm die Bestellung entgegen. "Einen doppelten Espresso, prego." Das Italienisch des jungen Mannes war etwas holprig aber doch gut genug, um keine Verachtung zu ernten.

Severus Snape, denn kein anderer war es, eröffnete das Gespräch. "Mr. Malfoy, es ehrt mich sehr, dass Sie sich für mich Zeit nehmen." Abraxas Malfoy lächelte gönnerhaft, "Ich freue mich, dass es Ihnen gut geht. Zumindest machen Sie einen völlig neuen Eindruck auf mich."

Snape wusste nicht genau, was er davon halten sollte. Auch dass Abraxas 'der Große' Malfoy ihn zu sprechen wünschte, war ihm suspekt. Aber er hatte beschlossen, das Beste daraus zu machen. "Ich bin sehr zufrieden hier in Italien." antwortete er daher zurückhaltend. "Die Lehre gefällt mir und es ist ein Privileg bei Meister Foretti zu arbeiten."

"Und es bringt auch was ein?" fragte Malfoy lauernd. "Es ist in Ordnung. Ich bin ja noch nicht einmal Geselle, deshalb darf ich nicht auf eigene Rechnung handeln, aber meine Hilfe wird gut bezahlt." "Das freut mich. Aber ich bin nicht hier, um ihre Bonität zu prüfen, Mr. Snape!"

Abraxas lachte in einem Ton, den er wohl für väterlich hielt. "Ich bin hier, um mit Ihnen über die kommende Kampfausbildung zu sprechen." Snape nippte an seinem Espresso und wartete einfach ab. "Mein Sohn, Sie kennen Lucius? Ja, natürlich kennen Sie ihn, er soll teilnehmen. Er ist nicht gerade begeistert davon, aber ich habe ihn schlussendlich überzeugen können. Lucius ist verwöhnt, alles andere als sportlich und hat in seinem Leben nie kämpfen müssen. Aber Sie und ich, Severus, wir beide wissen, was kämpfen bedeutet, nicht wahr?"

Snape nickte zustimmend. "Ich möchte, dass Sie ein Auge auf Lucius haben, während der Manöver, die der dunkle Lord plant. Er hat die besten und berühmtesten Kampfmeister angefragt, von Shaolin bis Capoeira. Ich möchte, dass auch mein Sohn diese Techniken erlernt und beherrscht. Es wäre eine Schande, wenn er dabei versagt. Deshalb braucht er einen Mitstreiter, einen Motivator, einen, der brennt für diese Sachen. Einen Mann mit Malícia."

Severus verstand. Malfoy junior war zu faul für solche körperliche Anstrengung. Und er sollte ihn durchschleppen. Durch das Camp. Warum auch nicht? Lucius hatte ihm oft geholfen, wenn auch nur auf Narcissas Bitten. Capoeira. Er hatte solche Kämpfe schon gesehen. Eine Mischung aus Kampf und Tanz, wobei es oft ganz schön zur Sache ging. Er mochte schon allein das Wort.

"Ich werde mich bemühen." sagte er unverbindlich, "Lucius muss sich natürlich einbringen. Ohne Anstrengung geht es nicht. Aber ich werde ihm so gut zur Seite stehen, wie ich kann."

Abraxas lächelte. "Ich wusste, ich kann mich auf Sie verlassen. Sie haben Malícia. Sonst wären Sie nicht, wo Sie jetzt sind. Ich wünschte, Ihr Großvater könnte sich dazu durchringen, stolz auf Sie zu sein." Severus machte eine unwirsche Handbewegung. "Ich denke, er könnte es schon. Nur ..." Abraxas beschwichtigte. "Wir werden sehen. Im Moment brauchen Sie ihn ja nicht."

Er holte einen Beutel voller Galleonen aus den Untiefen seines Anzugs. "Nehmen Sie dies als Geschenk für Ihre Gesellenprüfung, ich bin überzeugt, Sie können sie jetzt schon ablegen. Da Ihr Großvater es nicht tut, tue ich es als Repräsentant der Zauberergemeinschaft. Sehen Sie es als Stipendium für ihre außergewöhnlichen Leistungen." fügte er hinzu, als Severus ablehnen wollte. Also nahm er es. Nächste Woche schon würde er Zaubertrankgeselle sein. Nicht schlecht.

Nachdem er sich von Abraxas verabschiedet hatte, schlenderte er durch den magischen Teil von Rom. Hier gab es Geschäfte, die völlig anders waren als die bescheidenen Buden in Diagon Alley. Ein Ladenschild, prächtiger als alle anderen, erregte seine Aufmerksamkeit. "Abbigliamento Magico" stand da in verschnörkelten Buchstaben, im Schaufenster konnte man exquisite Roben sehen, die allesamt auch noch magische Eigenschaften hatten. Kurzerhand betrat er den Laden, denn mit Abraxas' 'Stipendium' konnte er sich wohl etwas Besonderes leisten.

Der Laden war teuer, das konnte man auf den ersten Blick sehen. Dennoch wagte sich Severus, der dies alles andere als gewohnt war, bis zu den Kleiderständern mit den besonderen Stücken.

Eines stach ihm sofort ins Auge. Es war nach außen hin ein gewöhnlicher Gehrock, schwarz und gut geschnitten. Besonders auffällig waren die unzähligen Knöpfe an den Manschetten und der Front. Eine Verkäuferin trat näher, sie war eine Hexe mittleren Alters und wirkte kompetent.

" Was kann er noch so, außer was man sieht?" fragte Snape erwartungsvoll. "Und muss man die Knöpfe selber zumachen?" Die Hexe zeigte ein mütterliches Lächeln. "Nein. Er wird auf den Besitzer geprägt, dass heißt, einmal behext, wird er immer gehorchen. Außerdem verfügt er über Stauraum ohne Ende, unzählige geheime Taschen und er schützt vor allen gängigen Gefahren: Feuer, Wasser, Wind, bösartige Flüche, den bösen Blick und er warnt auch vor Gefahren, die man selbst nicht sieht. Kurz und gut, ein Meisterstück italienischer Hexenkunst. Möchten Sie ihn probieren?"

Severus wagte nicht, nach dem Preis zu fragen. Dieses Wunderding war sicher ein Vermögen wert. Aber probieren durfte man ja wohl. Er zog ihn an, die Hexe flüsterte etwas und die Knöpfe schlossen sich von selbst. Beim Ankleiden schien der Gehrock sich kurz zusammen zu ziehen, es fühlte sich an wie eine flüchtige Umarmung. Charmant. Sie zog ihn zum nächsten Spiegel.

Er sah - erwachsen aus. Streng und unerbittlich. Grandios. Etwas altmodisch vielleicht, aber andererseits hatte Foretti letztens gemeint, sie sollten sich schon mal ein Wiedererkennungs-Merkmal zulegen. Das wäre in der Gilde üblich und von Vorteil. Dieser Gehrock würde ihn schon mal rein äußerlich einmalig machen. Denn die Hexe erzählte, dass dies ein absolutes Einzelstück sei und der Hersteller einen unbrechbaren Eid geschworen hätte, nie wieder etwas Ähnliches herzustellen. Er musste ihn haben, das stand außer Frage.

"Und was bezahlt man für so ein gutes Stück?" er versuchte lässig und jovial zu klingen, was ihm nur zum Teil gelang. Sie lächelte, sie ahnte, dass sie ihn fast im Kasten hatte.

Er fühlte, wie seine Hände feucht wurden. Sie machte eine Kunstpause und dann nannte sie den Preis. Ein Vermögen. Ein Jahresgehalt seines Vaters - in etwa. Er nickte und ließ sich aus dem Gehrock helfen. Dann konsultierte er Abraxas Malfoys Galleonen-Beutel. Er atmete tief und zählte. Es reichte! "Packen Sie ihn ein." sagte er und er merkte wie seine Selbstsicherheit ungeahnte Höhen erreichte. Jetzt war er wer! Allerdings müsste er für die Gesellenprüfung noch etwas sparen, drei, vier Wochen vielleicht. Aber das war kein Problem. Hauptsache er besaß dieses unglaubliche Kleidungsstück!

Die Hexe führte ihn in ein Hinterzimmer, wo sie ein versiegeltes Pergament herausholte und ihm übergab. Das war der Zauber, mit dem der Gehrock angepasst würde. "Es zerstört sich von selbst, wenn der Zauber vollzogen ist. Ich gratuliere, Sie haben etwas sehr Spezielles erworben."

Severus glaubte zu schweben, als er im Kamin des italienischen Magiministeriums verschwand, um nach Florenz zurückzukehren. 'So sieht wohl ein guter Tag aus.' dachte er.