10. Unendliche Möglichkeiten
Universum: Dieser One-Shot spielt in meinem Kompass-Verse und setzt Kapitel 2 „Magnetic North" fort.
Spoiler: Für das Finale der 5. Staffel
Pairings: Westallen, etwas Eobarry, platonisches Eobard/Nora
Warnings: Spoiler für die 5. Staffel, Angst, Fix-It, Eobard ist Eobard, Timey-wimey, drohender Character Death
Inhalt: Eobard Thawne würde alles und jeden opfern um sich selbst zu retten. Aber würde er auch jemanden opfern, der auf seinem Kompass steht?
Im Grunde war es ein einfacher Plan – die Zeitlinie so zu verändern, dass er frei kommen könnte und nicht hingerichtet werden würde, und sich dann in der Anti-Speed Force vor den Veränderungen in der Zeitlinie verstecken, und erst wieder herauszukommen, wenn alles vorbei war. Der Schlüssel zu seiner Flucht war Cicada, denn immerhin war Cicada auch das, was ihn gefangen hielt. Der verdammte Dolch nahm ihm seine Kräfte, wenn er es schaffen würde den Dolch in der Vergangenheit zu zerstören, dann hätte er wenige Momente um zu fliehen, bevor sich eine Zeitlinie manifestieren würde, in der er niemals vom Dolch gefangen gehalten worden war, dann hätte er wenige Momente in einer sterbenden Zeitlinie ohne Dolch.
Ironischerweise hatte er die Idee von Nora West-Allen. Immerhin hatte sie ihm gegenüber den Namen Cicada erwähnt, als sie ihn zusammen mit ihren Vater in der Vergangenheit konfrontiert hatte. Cicada, den Feind, den der Flash niemals hatte aufhalten können, Cicada, den Nora West-Allen auf jeden Fall aufhalten wollte. Cicada, der die Kräfte von anderen Metas vorübergehend ausschalten hatte können. Eobard war nicht umsonst ein Genie, er brauchte nicht sehr lange bis ihm klar wurde, wie er von den Behörden in den 2030ern und 2040ern gefangen gehalten wurde – der Dolch, der ihm seine Kräfte nahm war Cicadas Dolch.
Und dann stand Nora West-Allen eines Tages kurz vor seiner geplanten Hinrichtung vor ihm, und da spürte er es. Beim ersten Mal war ihr Name nicht auf seinem Arm erschienen, was seltsam war, oder vielleicht auch nicht, damals hatte er sich noch in einer anderen Zeitlinie befunden, damals waren sie vermutlich noch nicht miteinander verbunden gewesen, doch diesmal waren sie es. Zum ersten Mal in seinem Leben stand ein Name auf seinem Kompass. Es war nicht der Name, den er sich dort immer gewünscht hatte, doch es war der Name seiner Tochter.
Das sollte alles ändern, aber ihm lief die Zeit davon, und letztlich hatte ihn ehrliche Zuneigung zu einer anderen Person noch nie davon abgehalten zuallererst an sich selbst zu denken. Im Grunde blieb ihm ja auch keine andere Wahl - wenn er nicht an sich dachte, wer tat es dann? Alle, die er jemals geliebt hatte, waren ausgelöscht worden, und Barry hatte es zwar nie über sich gebracht ihn zu töten, aber hatte auch nie damit aufgehört ihm vorzuhalten, dass er seine Mutter getötet hatte. Barry hatte ihn nie geliebt, sich nie um ihn geschert. Barry, das wusste er, würde denken, dass es gerecht wäre, wenn Eobard den Gesetzen entsprechend hingerichtet werden würde, selbst, wenn es sich im die Gesetze dieser barbarischen Version der Anti-Meta-Zeitlinie handelte. Nein, im Grunde konnte er gar nicht anders, er musste vor allem an sich selbst denken. Nora ein wenig zu manipulieren und zu belügen musste einfach sein.
Sie würde es herausfinden und wütend werden, würde ihm niemals verzeihen, aber … Nun, er würde leben. Und es war ja nicht so, dass er ihr nicht half. Sie wollte ihren Vater kennenlernen, hatte ihn nie getroffen, ihr zu ermöglichen ihn zu treffen war sein Geschenk für sie. Und sie wollte Cicada unbedingt aufhalten, sie wollte den einen Feind, den der Flash nie besiegt hatte, schlagen, und ihr dabei zu helfen war also ebenfalls ein Geschenk an sie. Nur dass er damit eben auch sich selbst half. Und dann war da noch das Verschwinden des Flashs 2024. Dieses eine Ereignis um das es Nora wirklich ging. Dieses eine Ereignis, das sie wirklich ungeschehen machen wollte. Barry, der niemals verschwand.
Aber das war leider Schicksal. Eobard hatte selbst Jahre damit verbracht die Zeitlinie zu manipulieren, und zu den wenigen Dingen, die er niemals hatte ändern können, zählte das Verschwinden des Flashs. Ja, manche Dinge um dieses Ereignis herum veränderten sich – die Helden, die bei ihm gewesen waren, die Gegner, die er bekämpfte, die Natur der Krise, die Autorin des entsprechenden Artikels, manchmal sogar das Jahr, in dem das alles passierte. Doch es war immer in der einen oder anderen Form passiert. Es war der eine feste Punkt in der Geschichte, der nicht abänderbar war.
Es sei denn natürlich, man ändert, dass er niemals zurückgekommen ist. Aber das war ein anderes Kapitel, eines mit dem er sich im Moment nicht auseinandersetzen konnte, nicht wenn sein Tod kurz bevor stand, nicht wenn er seit 15 Jahren gefangen gehalten wurde und von seinen Wärtern gequält wurde. Zu den wenigen positiven Dingen in seinem Leben zählten die Besuche von Nora West-Allen, zählte die Möglichkeit sie zu unterrichten.
Aber dann war da noch das andere Problem. Es war Eobard lange Zeit einfach entgangen. Bis es ihm plötzlich doch klar wurde. Wenn sich die Zeitlinie verändern würde, dann wäre Noras Existenz gefährdet, wenn es niemals einen Cicada gegeben hätte, niemals dieses ewige Rätsel, das Nora seit Jahren faszinierte, dann gäbe es die Version von Nora West-Allen, die er kennengelernt hatte, niemals, dann gäbe es die Person, deren Name auf seinem Arm stand, möglicherweise niemals.
Also müsste er alles abblasen, nicht wahr? Musste es aufgeben. Musste an sie denken, nicht an sich selbst. Und nachdem Nora ihrem Vater gestanden hatte, dass sie mit ihm arbeitete, wurde sie von diesem in ihre Zeit zurückgebracht, von diesem in diese Zeit verbannt. Das wäre der perfekte Moment um einfach aufzuhören. Es einfach sein zu lassen.
Nur um Nora zu retten. Doch sie wollte so gerne zurück, wollte es in Ordnung bringen, wollte Cicada aufhalten, denn Cicada hatte sich nun verändert, Cicada war nun eine verrückte Frau, mit den Namen ihres toten Onkels auf ihrem Kompass, die mehr Metas getötet hatte als jeder andere Cicada vor ihr. Sie war ein wütendes kleines Kind, weil sie ein wütendes kleines Kind gewesen war, als sie und ihr Onkel zusammen zu Cicada geworden waren, und all die Jahre lang war sie ein wütendes kleines Kind geblieben. Und Nora gab sich die Schuld an ihren Taten.
Und dann war da noch die andere Sache. Wenn er Nora beibringen könnte die Anti-Speed Force zu benutzen, dann könnte er sie dort vor den Veränderungen der Zeitlinie verstecken, dann könnte er sie retten. Nur, dass Nora zwar in gewisser Weise ebenfalls ein wütendes kleines Mädchen war, aber auch gut. Sie war nicht wie er, negative Gefühle waren nicht ihr täglich Brot. Aber sie steht auch meinem Arm. Das bedeutet, dass uns irgendetwas verbinden muss. Vielleicht ist das, was uns verbindet, die Fähigkeit die Anti-Speed Force zu benutzen.
Und so brachte er ihr bei diese zu benutzen und sagte ihr, wie sie Cicada aufhalten könnte, wie sie ihn befreien könnte, und als Iris West-Allen vor ihm stand, sagte er ihr, dass sie zu ihrem Kompass-Partner nach Hause gehen sollte, weil ihre Familie in der wenigen Zeit, die ihnen noch zusammen blieb, zusammen sein sollte. Weil sie Nora möglichweise bald verlieren würden, und weil Barry es nicht ertragen würde seine Tochter zu verlieren, wenn er alleine wäre.
Aber vielleicht kann ich sie ja retten. „Iris, ich habe einen Fehler gemacht", begann er und fast, fast hätte ihr gesagt, dass sie auf keinen Fall zulassen durfte, dass Nora Cicadas Dolch zerstörte, doch diese Worte wollten nicht über seine Lippen kommen. Nicht, wenn sein Ende so kurz bevorstand. Doch nicht nur sein Ende.
Der Countdown zählte nicht die Zeit hinunter, die ihm noch blieb, er zählte die Zeit hinunter, die Nora noch blieb. Und es wurde immer weniger Zeit.
Die West-Allens gingen, und Eobard wartete ab, und in letzter Sekunde passierte es doch noch. Der Dolch löste sich auf, und er war für einen Moment frei, für den einen Moment, bis die Zeit zurückgedreht wurde, und zwei Allen-Speedster vor ihm standen. „Du hast mich angelogen, wie konntest du nur?!", rief Nora wütend.
„Du konntest deinen Vater nicht retten, Nora, er wird immer verschwinden, das ist sein Schicksal", erklärte er ruhig, „Aber habe ich dir nicht dabei geholfen ihn überhaupt erst kennenzulernen?"
„Du hast mich dazu gebracht den Satelliten zu zerstören, damit wir einen Cicada erschaffen können, den wir besiegen können, nur damit du frei kommst!", rief Nora wütend.
„Nun, ich wollte nicht sterben. Kannst du mir das wirklich vorwerfen?", hielt Eobard dagegen.
„Wer sagt denn, dass ich dich hätte sterben lassen?!", wollte Nora mit sich überschlagender Stimme wissen.
„Oh, Nora, ich war 15 Jahre eingesperrt. Schon wieder. Ich wollte nie wieder eingesperrt sein", meinte Eobard bedauernd und sah hinüber zu Barry, der ihn voller selbstgerechter Wut anfunkelte.
„Du wirst nicht entkommen. Nicht dieses Mal", prophezeite Barry, und der Kampf begann. Zwei Speedster gegen einen, einen viel mächtigeren, doch dann stand auf einmal der Rest von Team Flash vor ihm. Iris mit einer riesigen Kanone, Frost, bereit zum Kampf, Ralph Dibny, der eigentlich tot sein sollte, aber dank Flashpoint lebte und zum Teil von Team Flash geworden war, und Cisco, der immer noch wütend auf Eobard war, weil dieser ihn einmal in einer alternativen Zeitlinie getötet hatte. „Wenn ich das nicht getan hätte, Cisco, dann wärst du heute nicht so außergewöhnlich, wie du es bist. Ich musste dir dein wahres Potential zeigen, genau wie ich Nora ihr Potential zeigen musste", meinte Eobard. Er fand, dass sie bereits genug Zeit mit dem Kampf verplempert hatten.
„Wir haben keine Zeit mehr übrig", erklärte er, und schon begann es, Nora begann die Auswirkungen der veränderten Zeitlinie zu spüren.
„Was ist das? Was ist los?", wollte Nora wissen und erzitterte. Eobard konnte ihren Schmerz spüren. „Eine neue Zeitlinie manifestiert sich. Schnell, Barry, es ist noch nicht zu spät. Noch kannst du sie retten. Du musst sie in die Anti-Speed Force bringen, dort ist sie sicher vor Zeitlinien-Veränderungen", erklärte Eobard eindringlich. Natürlich würde Barry das tun, und Eobard würde damit die Chance eingeräumt werden zu fliehen.
„Ich will sie genauso wenig verlieren wie du, Barry. Sie steht auf meinem Kompass. Verschwende keine Zeit mehr. Rette sie, rette unsere Tochter", fuhr er fort.
„Tu es, Barry", befahl Iris.
Und schon rannten die beiden jüngeren Speedster los. Genau wie Eobard. Frost, Cisco, und Dibny waren nicht schnell genug um ihn aufzuhalten.
Damit hätte alles gut werden sollen, doch dann konnte er spüren, dass dem nicht so war, er konnte spüren, dass Nora nicht da war, wo sie sein sollte, sie war nicht in der Anti-Speed Force. Natürlich nicht, sie war einfach zu gut, sie wusste, dass sie, wenn sie noch einmal in die Anti-Speed Force gehen würde für immer mit dieser verbunden sein würde, dass sie dann sein würde wie Eobard – ständig voller Wut und Hass. Dass sie nicht mehr Nora sein würde.
Verdammt.
Nora war schon dabei sich aufzulösen. Iris und Barry sahen ihr hilflos weinend dabei zu. Natürlich würden Iris und Barry ihre Entscheidungen respektieren. Eobard hatte solche moralischen Skrupel nicht.
Er schnappte sich das, was noch von Nora übrig war, und brachte sie in die Anti-Speed Force. „Thawne, nicht!", rief sie noch, doch er hörte nicht auf sie.
„Ich habe schon einmal alles verloren, Kleine Läuferin", sagte er nur, „Ich lasse das kein zweites Mal zu." Und dann gingen sie in die Anti Speed Force über und wurden eines mit ihr.
Und wieder war er eingesperrt. Er hatte seine einzige Chance auf Freiheit aufgegeben um jemand anderen zu retten. Für jemanden, der sich Reverse Flash nannte, was das mehr als nur ein wenig ironisch.
Nora war wütend auf ihn, wie es zu erwarten gewesen war. Barry und Iris waren wütend auf ihn, und das obwohl sie ihm eigentlich dankbar sein sollten. „Ich habe getan, was ihr nicht tun konntet", hatte er ihnen erklärt, „Ich habe sie gerettet, ob sie es wollte oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Ich habe sie für uns gerettet. Für uns alle."
Keiner hatte auf ihn gehört. „Eigentlich wollte ich meine Kräfte aufgeben, aber solange du hier bist, kann ich mir das nicht leisten", hatte Cisco ihm erklärt, „Aber nur damit du es weißt: Ich war schon lange, bevor ich dich getroffen habe, außergewöhnlich."
„Aber das weiß ich doch, deswegen habe ich dich doch in mein Team geholt", hatte Eobard nur milde erwidert und sich gefragt, warum Cisco daraufhin nur noch wütender wurde. Seine Kräfte aufgeben zu wollen! Was für ein Unsinn! Wenn seine Anwesenheit Cisco davon abhielt das zu tun, umso besser.
Eobard saß wieder in StarLabs in einer der Zellen, aber eigentlich fühlte er sich dort ganz wohl. Hier würde ihn keiner foltern, hier würde ihn keiner hinrichten. Und entkommen würde er auch irgendwann. Und hier war er nicht alleine, er hatte Cisco und Barry und Nora und sogar Iris und Caitlin und Joe West, der manchmal vorbei sah um ihn einzuschüchtern. Hier war es eindeutig besser als im Jahr 2049.
Nora war wütend, aber sie war immer noch Nora. Ja, sie war nun für immer mit der Anti-Speed Force verbunden, aber nur wenn sie sie benutzte war sie ihren negativen Gefühlen ausgeliefert. Sie musste sie einfach nur nicht benutzen, noch war sie nicht aufgeladen genug von ihr um von der Speed Force als Fremdkörper angesehen zu werden. Noch war Nora ein richtiger Speedster so wie ihr Vater und nicht ein Anti-Speedster so wie Eobard.
„Du hast also alles bekommen, was du wolltest", stellte Caitlin einmal fest, als sie ihm Essen brachte, „Alles, außer deiner Freiheit."
„Oh, keine Sorge, diese werde ich auch noch bekommen, es ist nur eine Frage der Zeit", prophezeite ihr Eobard nur, und sie schüttelte den Kopf, Frost blitze wie eine Warnung in ihren Augen auf, und dann ließ sie ihn alleine.
Wenig später stand Nora vor seiner Zelle. Eobard konnte sehen, dass sie aufgeregt war, er konnte es aber auch spüren.
„Zeig es mir", forderte er dann.
Nora zeigte ihm den Zeitungsartikel mittels ihrer Armbandes. „2019. Der Flash verschwindet 2019", erklärt sie, „Ich werde nie geboren werden. Ich konnte es spüren, die neue Veränderung, ich wollte es zulassen, wollte zulassen, dass ich ausgelöscht werde, aber ich konnte nicht. Ich habe mich in der Anti-Speed Force versteckt. Und dann sah ich das."
Eobard nickte. Er war froh, dass seine ganze Arbeit nicht umsonst gewesen war, dass sie sich richtig entschieden hatte, dass sie immer noch da war.
„Du hast gesagt es lässt sich nicht ändern", fuhr Nora fort, „Doch ich kann es nicht geschehen lassen. Nicht so. Der wahre Grund, warum ich in diese Zeit gekommen bin, war immer ihn zu retten, zu verhindern, dass er verschwindet. Hilf mir dabei, und alles ist verziehen. Hilf mir dabei, und ich lasse dich raus."
Eobard lächelte milde. Caitlin hatte ihm ja nicht geglaubt. „Oh, Nora, natürlich helfe ich dir", erklärte er, „Barry Allen wird nicht 2019 verschwinden, du wirst geboren werden, und alles wird gut werden. Lass mich raus, und ich besuche gemeinsam mit dir dieses Datum. Lass mich dir die Crisis of Infinite Earths zeigen und dir beibringen, wie man die rettet, die einem wirklich am Herzen liegen."
Nora öffnete seine Zelle, und für Eobard taten sich damit unendliche Möglichkeiten für die Zukunft auf. Und er war bereit sie alle willkommen zu heißen.
Fin.
A/N: Natürlich würde Eobard, wenn es hart auf hart kommt, jeden opfern, doch im Kompass-Verse würde er den, der auf seinem Arm steht, niemals sterben lassen.
Und ja, nebenbei habe ich auch noch den Cisco-Plot gefixt. Ich weiß nicht, was genau der Hintergedanke hinter Ciscos Entscheidung war, und ich hoffe, dass es mehr mit plotrelevanten Crisis-Fragen zu tun hat als mit der Tatsache, dass wir Carlos im „Flash" verlieren, aber auch jeden Fall habe ich es geändert, weil ich es genauso wenig wie alle anderen so haben wollte.
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