Kapitel 10- Black is back

Harry und Remus sahen Snape an, als hätte er nicht mehr alle Tassen im Schrank. Das Haar hing ihm wild ins Gesicht und er sah tatsächlich aus wie ein Wahnsinniger, außerdem war er völlig außer Atem. Sie wechselten einen Blick, baten die Klasse um Ruhe und traten dann vor die Tür, die sie leise hinter sich schlossen.

„Was hat das zu bedeuten, Severus?" fragte Remus „Ich möchte dich mal sehen, wenn einer von uns so in deinen Unterricht stürzt!"

„Er... ist... wieder... da..." presste Snape zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor. „Weiß der Teufel, wie er das geschafft hat, aber er ist da unten, singt Lieder über Haselnüsse und hat eine schwarze Sonnenbrille auf..."

Harry sagte steif „Ich glaube, Ihnen ist bekannt, dass mein Patenonkel seit 15 Jahren tot ist- und niemand hat sich mehr darüber gefreut als Sie! Ich frage mich ernsthaft, was in Ihrem Schädel vorgeht, dass Sie so etwas behaupten können! Hassen Sie mich, das ist mir schnurz, aber kommen Sie mir nicht mit so was!"

Snape straffte seine Figur „Dass ich Sie hasse ist zwar korrekt, Potter, aber deswegen würde ich Ihnen keine Märchen erzählen!"

Harrys Augen verengten sich zu Schlitzen „Da bin ich mir nicht so sicher... Dann zeigen Sie mir mal, wo er angeblich sein soll, damit Sie sich nicht noch vor Angst ins Höschen machen, weil sich einer Ihrer Schüler einen Scherz mit Ihnen erlaubt hat!"

„Ich muss doch sehr bitten, Potter!" knurrte Snape, setzte sich aber langsam in Bewegung. Harry und Remus folgten ihm, letzterer ebenfalls mit ziemlich skeptischem Gesichtsausdruck.

Sie folgten Snape, Harry mit grimmigem Gesichtsausdruck, Remus mit besorgtem, wobei nicht zu sagen war, ob er sich nun Sorgen um Harry machte, weil alte Wunden wieder aufgerissen worden waren oder um Snape, der ernstlich daneben zu sein schien und mindestens ein blaues Auge haben würde, wenn da unten gar nichts war...

Am Eingang zu den Katakomben angekommen hörten sie bereits wieder Gesang. Snape wirbelte herum und lachte irre. „Ich hab' es doch gesagt, hören sie sich das an!" Diesmal hörte es sich nicht wie ein Lied über Haselnüsse an. Harry konnte den Text nicht verstehen, aber Remus, der über ein schärferes Gehör verfügte zog eine Grimasse, als er hörte

Ja, ja, so blau, blau, blau blüht der Enzian,
wenn beim Alpenglüh'n wir uns wiederseh'n.
Mit ihren ro-ro-ro-roten Lippen fing es an,
die ich niiiiie vergessen kann.

Unbestritten war jedoch die Tatsache, dass es sich nach Sirius' Stimme anhörte...

Sie näherten sich Snapes Klassenraum und vor der Tür saß noch immer Sibyll, die auf die Rückkehr vom Traum ihrer schlaflosen Nächte gewartet hatte. Sie machte den Mund auf, doch diesmal war Snape schneller, er zog seinen Zauberstab und belegte sie mit einem Schweigezauber und einer Ganzkörperklammer, die sie seitlich wegkippen ließ, ehe er mit einem selbstgefälligen Grinsen lässig über sie hinwegstieg und die Tür öffnete.

Es herrschte absolute Stille, denn der Mann im Raum, der sich auf das Lehrerpult gesetzt hatte, hatte sein Lied offensichtlich beendet. Harry stockte der Atem- trotz der pechschwarzen Sonnenbrille und dieser lächerlichen blonden Perücke erkannte er ihn sofort. Er war kaum gealtert und obwohl Harry seine Augen nicht sehen konnte wusste er genau, dass sie ihn fixierten.

„W-was machst du hier? Wie kann das sein?" fragte Harry stockend. Behende sprang der Mann vom Pult, riss sich Sonnenbrille und Perücke ab, stemmte die Hände in die Hüften und sagte „Na das nenn' ich ja mal 'ne Begrüßung... Da brauch' ich 15 Jahre um rauszukriegen, wie ich durch diese zerschlissene Gardine zurückkommen kann und dann das..."

Remus flüsterte „Er ist es wirklich..."

Harry schüttelte noch immer ungläubig den Kopf. „Und da kommst du ausgerechnet als erstes hier her?Ich meine... zu dem da?" Er deutete mit dem Daumen auf Snape.

„Ließ sich nicht vermeiden- denn der einzige Weg, aus diesem Portal wieder rauszukommen war, sich wie Heino zu verkleiden, an jemanden zu denken, den man seit Kindertagen schon nicht leiden konnte und 12 ½ Min. diese bescheuerten Lieder zu singen. Man, darauf muss man erst mal kommen..."

Man konnte praktisch das ‚Klong' hören, als Harrys Unterkiefer auf dem Steinboden aufschlug, ehe er plötzlich wieder zu dem 15 Jährigen wurde, der damals auf so schmerzliche Weise seinen Patenonkel und wichtigste Bezugsperson verloren hatte. Ihm traten Tränen in die Augen und endlich war er in der Lage, sich in Bewegung zu setzen und umarmte ihn fest.

Auch Sirius wurden jetzt die Augen feucht, als er ihm auf die Schulter klopfte und murmelte „Tut mir wirklich Leid, Junge, aber ich hab' vorher einfach keinen Weg zurück gefunden..."

Er ließ Harry langsam los und sah nun Remus an, der ihn ebenfalls umarmte und ihm so kräftig auf die Schulter schlug, dass Sirius fast zu Boden ging. Sirius ächzte „Moony, ich hab' mich doch nicht da rausgequält, damit du mich jetzt erschlägst... Siehst verdammt gut aus, alter Freund, du hast doch nicht etwa 'ne Freundin!"

„Immer noch der Alte..." sagte Remus grinsend.

„ICH KÜNDIGE!" schrie Snape, der nun ebenfalls seine Sprache wiedergefunden hatte und wollte hinausrauschen. „Das geht nicht, Severus..." rief ihm Remus milde lächelnd hinterher.

Snape blieb abrupt stehen und drehte sich langsam um. „So, und warum nicht?"

Remus zählte auf „Dich nimmt keine andere Schule! Weißt du, das sind doch heutzutage alles Waldorf Schulen, da passt deine Unterrichtsmethode einfach nicht rein. Für eine Umschulung bist du zu alt und deine Rente kriegst du noch nicht durch... Also was willst du machen, wenn du hier kündigst! Wir haben kein soziales Netz, nicht mal 'ne Suppenküche... Von was willst du leben?"

„Du hörst dich ja an wie meine Mutter! Junge, lern' Gift mischen und werd' Todesser, da haste wat Solides... Das Böse gewinnt immer, weil das Gute einfach zu blöde ist... PAH!"

„Na ja, überleg' es dir halt..."

Mit einem noch lauteren „PAH!" verließ Snape den Kerker und stürzte sich in seine Privaträume- er war sozusagen auf Teddy Turkey und brauchte unbedingt jemanden zum reden, der ihm keine klugen Ratschläge geben würde...

Remus sah ihm schulterzuckend nach und dann in die kleine Runde. „Und wir," sagte er und sah Harry und Sirius nacheinander an „gehen jetzt zu Albus. Dann sagen wir den restlichen Unterricht für den Tag ab und gehen feiern..."

Der Kerker war jetzt leer und Sybill Trelawny rappelte sich langsam hoch und rieb ihre schmerzenden Glieder. Potter, ausgerechnet Potter hatte sie im Vorbeigehen von Snapes Flüchen befreit... Um den würde sie sich später kümmern- jetzt würde sie zunächst Snape einen Besuch abstatten...

„Ich bin nicht da!" tönte es missgelaunt von der anderen Seite der Tür, als sie bei ihm anklopfte.

„Öffne diese Tür!" zischte eine Stimme in seinem Kopf plötzlich und wie von unsichtbaren Fäden gezogen legte Severus seinen Teddy zurück in sein Bett, ging zur Tür und entriegelte sie.

Er starrte Sybill mit blutunterlaufenen Augen an „Was willst du schon wieder! Wie oft muss ich dir eigentlich noch sagen-"

„Schweig! Wie konntest du es wagen, mich mit Flüchen zu belegen?"

„Öhm... deine Stimme klingt irgendwie anders... Wer bist du?"

„Ich bin deiner Tante, deiner Großmutter, deiner Urgroßcousine... ehmalige Putzfrau..."

Irgendwie fühlte er sich plötzlich ziemlich unwohl... „Und zu was macht uns das?"

Gelangweilt sagte Sybill „Wenn man's genau nimmt zu gar nichts... CRUCIO!"

Mit schmerzverzerrtem Gesicht starrte Snape sie an, ihre Augen glühten rot und jede Faser seines Körpers schmerzte- insbesondere aber eine bestimmte Stelle an seinem Arm...

„Ach du Scheiße..." brachte er noch hervor, dann fiel er in Ohnmacht.