Ich liebe Quidditch.

Es macht mich glücklicher als fast alles auf dieser Welt. Ich mag es nicht wegen Kliches wie dem Wind im Gesicht oder den Pokal zu gewinnen. Versteht mich nicht falsch, ich liebe das an diesem Sport. Aber was ich wirklich daran liebe ist, dass meine Verstand völlig abschweift. Ich kann mich nur auf das Spiel konzentrieren und das erlaubt mir eine Freiheit in meinen Gedanken und in meinem Verstand, die ich nirgendwo anders finde. Danach fühle ich mich absolut frei von meinen Problemen. Der leere Zustand meines Verstandes bleibt bei mir nachdem meine Füße den Boden wieder berühren und er bleibt auch noch lange, nachdem ich ein Spiel beendet habe. Mit Hausaufgaben, Schulsprecherpflichten, persönlichen Problemen, freundschaftlichen Problemen und dem immer drohende Krieg, es fühlte sich immer so verdammt gut an, es einfach für eine Weile zu ignorieren.

Diese spezielle Nacht hatte ich gerade ein außergewöhnliches Training absolviert. Ich fühlte mich schwungvoll und selbstbewusst und in einer für mich in letzter Zeit uncharakteristisch guten Stimmung. Als ich in die Schulsprecherräume ging, erhaschte ich einen Blick auf Lily, die arbeitete an, wie ich vermutete, Hausaufgaben. Sie summte leise, aber sie drehte sich um, als sie mich kommen hörte. Ich lächelte sie weit an und ging zu ihrem Tisch.

„Hi James!", begrüßte sie mich. „ Wie war das Training?"

„Gut. Wie war dein Abend bis jetzt?", fragte ich und setzte mich auf ein Sofa parallel zu ihr.

„Er war in Ordnung.", Sie warf mir einen seltsamen Blick zu, den ich nicht wirklich verstand. „ Seit wann ist Quidditch jemals nur `gut` gewesen? Normalerweise ist es eine zwanzigminütige Ansprache über Chancen und Aussichten und so etwas…" Ich hatte bezweifelt, dass sie es überhaupt bemerkt hatte, dass ich meinen üblichen Monolog wegließ. Und selbst wenn sie es bemerkt hätte, so hätte ich gedacht, dass sie es nicht kommentieren würde.

„ Ah, ich wurde kürzlich darüber informiert, dass Mädchen sich nicht im Geringsten dafür interessieren, was mein Quidditchteam versucht hat zu trainieren." Haley hatte mich letzte Nacht damit angekeift, zusammen mit ein paar anderen Wörtern, die ich Lily lieber nicht erzählte. Haley verabscheute Quidditch und damit auch, dass über es gesprochen wurde. „ Ich werde es Dir ersparen." Ich hatte schon meine Freundin zu Tode gelangweilt, also bestand kein Grund auch noch meine beste Freundin damit zu terrorisieren.

„James, ehrlich, Du kannst darüber sprechen." Das hatte ich nicht erwartet.

„ Ich möchte dich nicht langweilen."

„James. Erzähl mir von deinem Training.", bestand sie.

„ Du bist nur nett. Es ist wirklich nicht wichtig." Lily opferte immer ihr eigenes Vergnügen für andere.

„ James, ich möchte es wissen. Es ist wichtig für dich, also ist es auch wichtig für mich. Los. Erzähl." , ich konnte nicht anders als zu lächeln bei ihrer Hartnäckigkeit. Obwohl ich wusste, dass es sie nicht wirklich interessierte, bedeutete mir sehr viel, dass sie es zumindest vorgab.

„ Danke, Lily. Okay, also, Sirius kam vorbei und anstatt mir zu helfen, entschied er mit dem Accio alle Schnätze auf dem Feld zu sich zu rufen. Er fing natürlich so viele wie möglich. Sie haben ein Berührungsgedächtnis, das weißt Du ja, und so hat Sirius rund 25 Schnätze ruiniert. Ich schrie ihn an, dass er das in Ordnung bringen solle und weg zu gehen. Zu der Zeit war mein gesamtes Team schon in der Luft. Dann…" Ich fuhr so fort, erzählte fast von dem gesamten Training, viel mehr als ich eigentlich erzählen wollte. Ich schien meinen Mund nicht halten zu können. Das war immer ein Problem, wenn es Lily betraf. Nach ungefähr einer halben Stunde realisierte ich, dass Lily einen leicht abwesenden Ausdruck im Gesicht hatte. Ich schloss meinen Mund sofort und wechselte abrupt das Thema. Sie war nett zu mir; keine Notwendigkeit, sie zu terrorisieren. „ Egal, was hast Du noch gemacht?", fragte ich.

„Ich habe nur den Aufsatz für McGonnagal geschrieben und Radio gehört.", sagte sie. „ Nichts aufregendes, das versichere ich dir." Ihr Stirnrunzeln erinnerte mich bei der Erwähnung ihres Aufsatzes an ihre Probleme mit dem Schreiben. Lily hatte viele Talente, aber eine Note zu verhauen, war keines davon.

„ Möchtest Du, dass ich über den Aufsatz mal drüber sehen?", bot ich ihr an. Sie hätte wahrscheinlich noch den Rest der Nacht gebraucht, aber ich würde wahrscheinlich nur solide zwanzig Minuten dazu brauchen. Wenn ich das für sie machte, könnte ich sie vielleicht dazu überreden, den Rest der Nacht mit mir rumzuhängen.

„ Ja, BITTE.", sagte sie, der Enthusiasmus sprühte förmlich aus ihr heraus. Ich sprang auf und lehnte mich zu ihr um ihren Aufsatz zu lesen. Ich ignorierte die leichte Drehung in meinem Magen, die der physischen Nähe zuzuschreiben war. Es gab keinen Grund, dem Unmöglichen nachzuhängen. Ich begann ihren Aufsatz zu lesen, der besser war als ich erwartet hatte. Egal wie sehr sie strauchelte, sie war einfach nicht in der Lage irgendeine Arbeit zu versauen. Das lag einfach nicht in ihrer Natur. Trotzdem sagte ich grimmig zu ihr:

„ Lily, Du musst nochmal von Vorne anfangen.", ich konnte nicht widerstehen, ein wenig zu sticheln.

„ Was? Bitte nicht.", sagte sie verzweifelt. Ich versuchte ein ernstes Gesicht zu wahren, aber ich wusste, dass meine Augen mich verrieten. Ich lachte als sie mich leicht an der Schulter schlug.

„ Idiot. Du hast mich traurig gemacht. Ich hab daran Stunden lang gesessen."

„ Entschuldige, ich konnte nicht wiederstehen. Er ist sogar ziemlich gut. Du brauchst wirklich nur noch eine Zusammenfassung, die ich gerne für dich schreiben würde und danach in deine Handschrift verwandle." Es würde nicht das erste mal sein, dass ich gegen irgendwelche Regeln breche.

„Das würdest Du tun?", sie hörte sich so dankbar an, dass ich nicht anders konnte als zu lächeln.

„ Du hast mir dreißig Minuten lang über Quidditch zugehört. Ich würde alles für dich tun." Obwohl es wahr war, hatte ich nicht geplant den letzten Teil laut zu sagen. Es schien als würde es direkt über ihren Kopf gehen, wenn man bedachte, dass ihr nächster Kommentar Verantwortung betraf.

„Als Schulsprecher sollten wir wirklich nicht betrügen, das weißt du."

„ Möchtest Du die Hilfe nicht?"

„ Habe ich das gesagt?", ich lachte und nahm ihr die Feder aus der Hand. Sie war eine strikte Verfechterin der Regeln, außer sie kollidierten mit dem, was sie wollte. Obwohl das normalerweise kein besonders bewundernswerter Charakterzug war, hatte sie ein Flair um sich, dass das einfach verfliegen ließ. Ich vermute, es war dasselbe Flair, was mich all die Jahre mit nur ein paar Kratzern für meine vielen Vergehen davonkommen ließ.

Als ich den Aufsatz schrieb, wurde mir bewusst, dass das Radio an war. Sie hatte es natürlich erwähnt, aber ich hatte ihm keine Aufmerksamkeit geschenkt. Aber gerade spielte meine Lieblingsband. Es konnte nicht sein, dass sie sie mochte, oder?

„ Magst Du die Band?", fragte ich. Ihr Kopf fuhr ein wenig zurück. Ich hatte sie anscheinend in Gedanken versunken erwischt. Sie nahm sich eine Sekunde ehe sie antwortete.

„ Ich habe keine Ahnung. Ich habe ihn nie zuvor gehört." Enttäuschend, aber es bestand immer noch die Chance, dass sie sie mochte. Ich war absolut entschlossen, ein Mädchen mit gutem Musikgeschmack zu finden und ich würde mich verfluchen, wenn Lily nicht dieses Mädchen wäre.

„Ok, was denkst Du von dem Song?", wollte ich weiter wissen. Sie hörte ein paar mehr Sekunden zu als meine Geduld erlaubte, aber schlussendlich gab sie mir die Antwort, die ich hören wollte.

„ Ich mag ihn sehr. Warum?"

„ Das ist meine Lieblingsband.", und endlich hatte ich jemanden gefunden, der sie mochte. Sirius und Haley konnten mich mal.

„Wirklich? Sie sind großartig. Hast Du sie jemals live gesehen?", mein Lächeln verschwand sofort, aber ich versuchte es zu verstecken. Zwei Jahre zuvor hatte ich geplant hinzugehen, als sie nahe meiner Heimatstadt einen Auftritt hatten. Aber in dieser Nacht war Sirius vor meinem Haus aufgetaucht, blutverschmiert, übel zugerichtet und bereit zum Mord. Ich konnte ihn von seiner Wut abbringen und gelangte zu der Quelle seines Problems. Das war das erste und einzige Mal, dass ich Sirius weinen sah. Das war keine schöne Erinnerung.

„Nein, ich hatte es vor, aber Sirius brauchte mich an dem Tag, also hab ich es gekenzelt.", ich hoffte, sie würde nicht weiterfragen und wurde nicht enttäuscht.

„ Ich bin sicher, Du kannst sie noch einmal sehen. Sie müssen ziemlich berühmt sein.", sie begann auf dem Tisch im Takt mitzuklopfen, was ihre Tinte überall herumspritzen ließ. Sie ignorierte es, was mich zum Lächeln brachte. Remus würde eine mittlere Krise bei dem Durcheinander bekommen. Ich sah auf ihren Aufsatz und bemerkte, dass die Tinte überall verteilt war, aber sie schien es nicht zu stören. Lily war nichts, wenn nicht locker.

„ Ich bin froh, dass Du sie magst. Haley hasst sie. Sie sagt, sie seien zu laut.", sie schnaubte, was mich von ihrem Blatt aufschauen ließ. Ich hob eine Augenbraue.

„ Ernsthaft, es ist ja nicht so, dass sie schreien oder so etwas. Was mag sie denn? Liebesballaden?", der Spott in ihrer Stimme ließ mich ein Lächeln verstecken.

„Ja, ich frage mich manchmal wirklich, warum wir zusammen sind.", witzelte ich. Äußerlich lachte ich mit Lily. Innerlich wunderte ich mich wie viel davon wirklich ein Scherz war.