Ihre Eltern standen neben der Hütte und strahlten sie an, zwischen ihnen die kleine Marie, die einen großen Blumenstrauß in den Händen hielt. Aber was war passiert? Die kleine Marie schien gar nicht mehr so klein wie früher, sie war mindestens 10 Zentimeter gewachsen!
„Stefanie! Wie schön, dich zu sehen!"
„Mama! Papa! Marie!"
Sie stürmte auf sie zu und warf sich ihnen nacheinander um den Hals, dann nahm sie, mit Freudentränen in den Augen, die Blumen entgegen und konnte nicht mehr aufhören zu strahlen.
„Ich freue mich so, euch wiederzusehen!"
„Nanu, man könnte fast meinen es hätte dir nicht gefallen", lächelte ihr Vater und nahm ihren Koffer, während Marie unbedingt die Eule tragen wollte.
„Doch, ich liebe es! Hogwarts ist großartig und Marie wird es auch gefallen! Aber vermisst habe ich euch dann doch. Wo ist Christoph eigentlich?"
„Zuhause, er trainiert für ein Turnier", erklärte ihre Mutter lächelnd und sie verabschiedeten sich von Daniel und seiner Familie, die Stefanie ganz vergessen hatte.
„Schöne Ferien", wünschte sie ihm noch, dann gingen sie zu ihrem Auto, luden den Koffer ein und fuhren nach Hause.
„Wie geht es Oma?", fragte Stefanie nach und erinnerte sich daran, dass sie sich irgendwann vor Weihnachten etwas gebrochen hatte.
„Es geht. Sie ist ruhiger geworden, aber zum Glück hat sie es wieder rechtzeitig auf die Beine geschafft und sich keine Lungenentzündung eingefangen. Das wäre vermutlich ihr Ende gewesen", erwiderte ihr Vater, als er das Auto in die Hauseinfahrt lenkte. Er hielt an und drehte sich lächelnd zu seiner Tochter auf dem Rücksitz um. „Übrigens, wir haben noch eine Überraschung für dich."
Er machte eine Pause um die Spannung zu erhöhen. „Wir, also du, Marie, Mama und ich, fahren für eine Woche nach Italien. Nach Grado, um genau zu sein."
Stefanies Mund klappte nach unten und mit großen Augen sah sie ihren Vater an. „Wirklich? Wir fahren endlich wieder einmal auf Urlaub?! Ihr seid echt die Besten!" Selten hatte ihre Ferien so gut begonnen und in bester Laune packte sie ihren Koffer aus und verstaute ihre Sachen. Später ging sie hinunter, um ihren Bruder zu begrüßen. Er ritt gerade und ihre Mutter sah ihm dabei zu. Auch ihre Oma konnte sie erkennen: sie saß in einem hohen Lehnstuhl, den man vor ihr Haus gebracht hatte, und gab ihrem Enkel Anweisungen.
„Er reitet sehr gut", bemerkte ihre Mutter und Stefanie versuchte, sich selbst ein Bild zu machen, musste aber feststellen, dass sie keine Ahnung vom Reiten hatte.
„Ja", sagte sie deshalb einfach und beobachtete ihren Bruder dabei, wie er seine Runden drehte. „Sieht zumindest nicht schlecht aus."
„Er wird sein eigenes Pferd bekommen", verriet ihre Mutter nach einer Weile der Stille und Stefanie sah überrascht auf.
„Tatsächlich?"
„Ja. Wir haben uns gedacht, dass er auch etwas braucht, nachdem du und Marie nun diese wunderbaren, magischen Aussichten habt und er nicht. Zuerst dachten wir an andere Sachen, aber als seine Begeisterung für Pferde wuchs, haben wir uns überlegt, dass das vielleicht nicht schlecht wäre. Omas Pferde sind alle schon wahnsinnig alt und eigentlich nicht das Richtige, wenn er ernsthaft weiterreiten will, an Turnieren teilnehmen und so. Derweil, zum Reiten lernen sind sie natürlich ideal, sie sind ruhig und erfahren, aber…"
„Und wer hat ihm das alles beigebracht?"
Eine Frage, die ganz spontan in Stefanies Kopf aufgetaucht war. Sie hatte zuvor noch nicht darüber nachgedacht. Eigentlich hatte sie generell sehr wenig über ihre Familie nachgedacht, während sie in Hogwarts war. Viel zu sehr hatten alle anderen Dinge sie abgelenkt.
„Oma, wer sonst?", erwiderte ihre Mutter, ohne zu zögern oder mit der Wimper zu zucken.
Zweifelnd warf Stefanie einen Blick auf die alte Frau, die gerade ihren Hut neu aufsetzte. Nun, sie wusste, dass ihr Mann ein sehr erfolgreicher Reiter gewesen war, aber ihre Oma…
„Sie liebte Pferde schon immer und dein Opa hat sie viel gelehrt." Ihre Mutter antwortete, ohne dass sie eine Frage gestellt hatte und Stefanie blickte zu ihr hoch, um sie anzusehen. Verändert hatte sie sich nicht. Sie hingegen anscheinend schon. Alle hatten ihr gesagt, sie wäre ja so groß geworden und noch schöner als zuvor. Ihr Haar war gewachsen, aber sie hatte vor, es wieder ein wenig zu kürzen, damit sie nicht irgendwann darauf saß. Aber erst einmal würde sie in den Urlaub fahren.
Christoph blieb Zuhause, da er die Pferde dem Meer vorzog, aber das war auch ganz gut so, denn so konnte er ein Auge auf seine Großmutter haben.
Im Scherz hatte ihr Vater gemeint, sie würden gegenseitig auf sich aufpassen, Oma auf Christoph und umgekehrt. Ihre Mutter hatte zuerst ihre Zweifel gehabt, ob ihr Ältester schon alt genug war, um so lange alleine zu bleiben, aber ihr Vater war der Ansicht, dass man mit 14 schon eine Woche lang ohne Eltern auskommen konnte. Außerdem war er nicht der Typ, um das Haus durch eine Party zu verunstalten.
Also fuhren sie los, mit dem Auto, denn nach Italien fuhr man von ihrem Wohnort aus nicht lange. Zumindest nicht so lange wie von anderen Orten aus. Nach Stefanies Meinung fuhren sie nämlich schon sehr lange und gelegentlich blieben sie stehen, an einer Tankstelle zum Beispiel, und kauften etwas zu trinken, denn die Sonne brannte erbarmungslos auf sie hinab.
Als sie in Grado ankamen, bezogen sie zuallererst ihr Hotelzimmer, es war eine Suite mit einem großen Zimmer für die Eltern und einem kleineren für die Mädchen, dann machten sie sich auch schon auf den Weg zum Strand. Es war eine herrliche Woche, voll herrlichem Wetter und wunderbaren Badestunden. Am Abend vor ihrer Abreise gingen sie noch einmal essen und danach wollte Stefanie noch ein wenig spazieren gehen, um das Meer als letzten Eindruck mit nach Hause zu nehmen. Da Marie schon müde war, ging ihr Vater mit ihr alleine zurück und Stefanie und ihre Mutter spazierten zusammen den Strand entlang.
„Weißt du", begann ihre Mutter nach einer Weile, „Ich habe eigentlich gedacht, du würdest eher Mädchen als Freundinnen finden, und jetzt sind deine besten Freunde zwei Jungen." Sie lächelte und ihr Blick verlor sich in den Wellen.
Stefanie hob eine Augenbraue in die Höhe und sagte zu ihrer Verteidigung: „Sie sind wirklich nett und außerdem habe ich auch Mädchen als Freunde. Angelina und Alicia zum Beispiel. Ich mache nur mehr mit den Zwillingen."
„Und, wie sind sie so? Kannst du sie unterscheiden?"
Die Frage ließ das Mädchen schmunzeln. „Du müsstest sie sehen, sie schauen einfach komplett gleich aus! Sogar ihre Mutter verwechselt sie manchmal, sagen sie."
„Und du?"
„Naja, ich kann sie ganz gut unterscheiden. Wenn es dunkel ist, ist es natürlich schwierig, oder von hinten, aber normalerweise erkenne ich sie auseinander."
Ihre Mutter nickte und fragte sich, was ihre Tochter so trieb, dass sie die beiden im Dunkeln unterscheiden musste.
„Und wie sind sie innerlich? Sehr unterschiedlich?"
„Was meinst du?" Stefanie verstand nicht und blieb stehen.
„Nun, kein Mensch ist gleich und Zwillinge sind oft unglaublich unterschiedlich, so ähnlich sie sich äußerlich auch sein mögen. Hast du darauf einmal geachtet?"
Ihre Tochter schüttelte den Kopf.
„Also betrachtest du die beiden als Einheit? Als gleich? Ein und dieselbe Person die es einfach zweimal gibt?"
Stefanie spürte wie sie ein wenig rot wurde und fühlte sich merkwürdig ertappt. Sie hatte nie darüber nachgedacht, aber jetzt, da ihre Mutter so sprach, fühlte sie sich furchtbar.
„Sie sind doch Individuen", fuhr ihre Mutter fort, aber es wirkte nicht so, als würde sie sie absichtlich rügen wollen. „Und ich bin mir sicher, dass sie unterschiedliche Charakterzüge haben. Achte einmal ein wenig darauf, dann wirst du das merken. Und wer weiß, vielleicht wird dir dann der eine eines Tages lieber sein als der andere."
Sie bückte sich und hob eine kleine, perlmuttfarbige Muschel auf und reichte sie ihrer Tochter. „Ist die nicht schön?"
Stefanie nickte, mit ihren Gedanken immer noch bei dem, was ihre Mutter ihr vorher gesagt hatte.
„Ich schenke sie dir, als Erinnerung an diesen letzten Abend."
Das Mädchen nahm die Muschel und steckte sie in ihre Tasche. Dann bückte sie sich und hob eine andere Muschel auf, keine flache Venusmuschel, sondern eine, die einem spiraligen Horn sehr nahe kam. Auch diese steckte sie in ihre Tasche.
‚Vielleicht sind sie so unterschiedlich wie diese beiden Muscheln und ich habe es nie bemerkt', dachte sie bei sich und nahm sich fest vor, sobald wie möglich herauszufinden, wie verschieden sie tatsächlich waren.
Zum Abschluss kaufte sie noch zwei verschiedene Ansichtskarten von Italien und beschloss, jedem eine davon zu schreiben, um sie mit ihrem nächsten, und eigentlich auch ersten, Brief mitzusenden.
Als sie wieder Zuhause waren, schrieb Stefanie auf eine der Karten: Sonnige Grüße aus Italien und auf die andere: Verbringe schöne Stunden in Italien, dann schrieb sie auf die eine Freds und auf die andere Georges Namen, ehe sie noch einen etwas längeren Brief an sie gemeinsam schrieb, zusammenfaltete, alles in ein Kuvert steckte und Ivy damit Richtung Großbritannien schickte.
Ihr Vater hatte noch eine Woche Urlaub und die verbrachte er, so gut es ging, mit Stefanie und natürlich auch dem Rest der Familie. Sie machten Ausflüge zu Seen und Burgen, feuerten ihren Bruder bei seinem Turnier an und gingen schick essen. Als er wieder zur Arbeit musste, war auch der Urlaub ihre Mutter vorbei und Stefanie, Marie und Christoph wurden oft von ihrer Oma beaufsichtigt, was hieß, dass sie reiten konnten. In den Ferien lernte Stefanie einiges Neues über Pferde, aber es machte ihr nicht mehr so viel Spaß wie früher, oder wie sie es sich vorgestellt hatte. Ihre neue Leidenschaft war nun einmal das Zaubern und sooft sie konnte, steckte sie ihre Nase in ihre Schulbücher und las. Ihre Hausaufgaben hatte sie schon lange gemacht und nach einigen Tagen versuchte sie sich wieder daran, eigene Zauber zu erfinden. Am Anfang hatte sie immer die Befürchtung, plötzlich könnte die Zaubererpolizei vor der Türe stehen und sie mitnehmen, weil sie außerhalb der Schule gezaubert hatte, aber nichts dergleichen geschah. Sie experimentierte herum sooft sie konnte und niemand rügte sie dafür.
Etwa in der Ferienmitte bekam sie dann einen Brief von Hogwarts. Es war die Liste mit ihren Schulbüchern, also jenen, die sie im nächsten Jahr brauchen würde. Die Eule hatte noch einen Brief dabei, einen, der von Thoma Weider abgeschickt worden war. In ihm standen Datum und Uhrzeit für den Portschlüssel in den Ferien und für den weiteren am 1. September. Offenbar war der Erste für die Einkäufe in der Winkelgasse gedacht, denn neben ihm stand auch eine zweite Uhrzeit, um die der Portschlüssel zurückgehen würde.
Einen Tag später kam Ivy wieder zurück und sie brachte ihr einen langen Brief von den Zwillingen, der an einer Ecke ein wenig angekokelt aussah. Sie berichteten ihr von ihren Versuchen, Scherzartikel herzustellen, und erzählten ein paar witzige Dinge, die sie in den Ferien schon gemacht hatten. Außerdem fragten sie, wann sie in die Winkelgasse gehen würde. Sie schrieb ihnen sofort zurück, damit sie den Brief auch rechtzeitig bekamen und ließ Ivy keinen Tag Pause. Sofort hatte sie ein schlechtes Gewissen deswegen. Der Flug war lange und Ivy hätte sich besser ausgeruht, aber in ihrer Eile hatte Stefanie nicht daran gedacht. Nun würde Ivy sicher noch länger brauchen als sonst schon, es würde ihr dabei nicht gut gehen und die Zwillinge würden den Brief nicht rechtzeitig erhalten. Aber sie konnte es nicht mehr ändern, also tröstete sie sich damit, dass die Eule schon genug Pausen machen würde und freute sich auf den Besuch in der Winkelgasse. Dieses Mal würde ihr Vater nicht mitkommen, dafür aber Marie. Außerdem würde sie nun ja ihr verspätetes Geburtstagsgeschenk bekommen und darauf freute sie sich auch schon sehr. Aber das waren nicht die einzigen Gründe, wegen denen sie diesem Tag entgegenfieberte. Sie wusste auch, dass sie dann Daniel wiedersehen würde, denn er hatte sicher denselben Termin für die Einkäufe wie sie.
Doch am Tag selber war Stefanie viel zu nervös, um noch an solche Sachen zu denken. Sie freute sich wahnsinnig darauf, wieder in die Winkelgasse zu kommen, und vielleicht sogar jemanden zu treffen, den sie kannte. Und natürlich wollte sie Marie alles zeigen, das es dort zu sehen gab. Auch ihre Mutter wirkte nervös, sie reiste wohl nicht so gerne via Portschlüssel, und sah hundert Mal nach, ob sie auch alles hatten. Christoph blieb, wie sooft, zu Hause, aber es schien ihn weder zu stören noch sonst etwas auszumachen.
Da der Portschlüssel schon um 8 Uhr ging, standen sie sehr früh auf. Sie würden erst am Nachmittag wieder nach Hause kommen, so waren die Zeiten vorgeschrieben. Stefanie war ganz froh, dass sie solange Zeit hatten, dadurch mussten sie sich nicht beeilen und konnten sich in aller Ruhe alles ansehen. Das würde vor allem Marie gefallen.
Als sie am Feldweg hielten, stand dort das Auto der Laskas und Stefanies Mutter parkte dahinter, damit andere Autos noch vorbeifahren konnten. Dann stiegen sie aus, verschlossen die Türen und gingen den schmalen Pfad durch die Wiese, bis sie wieder bei der Hütte standen. Die Familie Laska umklammerte noch nicht das Fass, anscheinend hatten sie auf sie gewartet.
„Hallo, wie geht es ihnen?" Auch hier war der Vater zu Hause geblieben, was gut war, denn Stefanie hatte sich schon gefragt, wie sie alle Platz an dem Fass finden sollten. So war es aber ein Leichtes und als sie Marie noch anwies, sich gut festzuhalten, und auf eine harte Landung gefasst zu sein, ging es auch schon los und wenig später schlug sie im Hinterhof des Tropfenden Kessels auf. Wieder einmal auf dem Bauch.
Mit einem Seufzen stand sie auf und klopfte den Staub von ihrer Kleidung, ehe sie ihrer kleinen Schwester aufhalf. Ihre Mutter rückte rasch ihre Tasche zurecht und Daniel öffnete mit seinem Zauberstab das magische Tor zur Winkelgasse, ehe sich die Wege der Familien trennten. Stefanie und ihre Familie gingen als allererstes in die Apotheke, da sie gleich hier war, und kauften Zaubertrankzutaten, danach mussten sie aber Geld wechseln gehen, denn mehr war vom Vorjahr nicht mehr übrig gewesen. Als sie wieder aus der Bank traten, sahen sie bei Flourish und Blott's vorbei, um ihre Bücher zu holen und entschieden später, dass Stefanie noch keinen neuen Umhang brauchte und lieber noch ein Jahr wachsen sollte, ehe wieder ein neuer fällig wäre.
Gerade als sie überlegten, wo sie nach einem Geschenk suchen sollten, entdeckte Stefanie einen roten Haarschopf in der Menge und unterdrückte einen kleinen Schrei. Konnte das ein Weasley sein?
„Geht doch schnell mal ein Eis essen", sagte sie zu ihrer Mutter, „ich muss nachsehen, ob das ein Freund von mir war."
„Na gut, aber wenn, dann komm her und stell ihn mir vor und wenn nicht dann sieh auch zu, dass du herkommst." Sie lächelte und ging mit Marie zum einzigen Eissalon in der Winkelgasse, in den sie sowieso schon immer einmal hatte gehen wollen.
Stefanie hingegen lief ein Stück in die andere Richtung und ging dann zu ‚Qualität für Quidditch', wohin der Rotschopf verschwunden zu sein schien.
Drinnen war es wie immer sehr voll, was an einem neuen Besenmodell liegen musste. Sie drehte sich suchend um die eigene Achse und hielt Ausschau nach rotem Haar, aber es schien nicht so, als wäre hier jemand. Dann jedoch sah sie etwas rotes aufblitzen und drängte sich schnell in die Richtung.
Vor einem Regal, bei dem Treiber-Schläger angeboten wurden, blieb sie stehen und fand die Zwillinge.
Sie sahen sie noch, ehe sie sie gesehen hatte und begrüßten sie lautstark.
„So ein Glück, wir dachten schon, wir würden dich nicht mehr treffen!"
„Wir haben deine Eule erst heute bekommen und sind sofort her! Der Rest ist auch irgendwo… bei den Büchern glaube ich."
„Fred! George! Ich bin so froh, euch zu sehen!" Sie fiel ihnen um die Hälse und lächelte sie dann erfreut an. „Ihr habt euch kein bisschen verändert, ihr seht immer noch gleich aus!"
Das brachte die beiden zum Lachen und sie ließen sich willig mit nach draußen führen. „Meine Mama möchte euch gerne kennenlernen, aber wenn ihr schön höflich seid, dann bekommt ihr vielleicht ein Eis."
Sie kamen zum Salon und Stefanie stellte sie ihrer Mutter und Marie vor, die beide vor einem großen Eisbecher saßen.
„Also hast du dich doch nicht getäuscht, als du geglaubt hast, du hättest sie gesehen?" Sie lächelte. „Und ihr seht ja wirklich fast gleich aus."
Das fast war ein wenig irritierend und Fred hob eine Augenbraue in die Höhe. „Na hören Sie Mal, fast ist eine Übertreibung. Man kann uns so leicht auseinander halten wie einen Fuchs und einen Hasen."
„Das glaube ich euch gerne. Setzt euch doch und bestellt euch ein Eis, ich lade euch ein."
Mit einem ‚Was hab ich euch gesagt'-Blick sah Stefanie ihre Freunde an und zog sich dann einen Stuhl an den Tisch, der nur vier Stühle hatte. Danach bestellte auch sie sich ein leckeres Eis und eine Viertelstunde lang saßen sie zu fünft da und unterhielten sich. Marie redete nicht viel, sie war viel zu schüchtern, und hatte sehr viel Respekt vor diesen großen Jungen. Umgekehrt war das nicht der Fall und nach einer Weile wandte George sich an sie.
„Wir haben eine Schwester in deinem Alter, die dir eigentlich ziemlich ähnlich ist. Sie redet auch unglaublich viel, wenn sie allein mit ihrer Familie da ist und schweigt wie eine Stumme, sobald Fremde dazu kommen."
Dass Marie wie ein Wasserfall plappern konnte, hatte Stefanie ihnen erzählt. Ihre kleine Schwester lief nun rötlich an und sagte immer noch nichts, sodass ihre Mutter lachte.
„Das wird sich schon legen…"
„Ich kann nur nicht so gut mitreden, ich verstehe nicht einmal alles", sagte das kleine Mädchen plötzlich auf Deutsch und Stefanie ging ein Licht auf. Sie hatte gar nicht daran gedacht, dass Maries Englisch noch nicht so gut war. Gerade wollte sie den Zwillingen den Grund übersetzen, als sie den Rest der Familie Weasley erblickte, der näher kam.
„Ach, hier sitzt ihr faulen Halunken und futtert ein Eis", schimpfte Percy, als er seine Brüder erblickte und seine Augen hefteten sich ein wenig neidisch auf die Eisbecher.
„Ja, so ist das, wenn man nicht nur Bücher im Kopf hat", erklärte Fred und George grinste.
„Hallo Mrs. Weasley!" Stefanie sprang auf und begrüßte die Mutter der Zwillinge. Dann schenkte sie auch Percy, Ron und Ginny, die ebenfalls dabei waren, ein Lächeln. „Hallo zusammen."
„Ach, Stefanie, wie schön dich zu sehen! Wie geht es dir?"
„Sehr gut, danke."
Ihre Mutter lud die Familie Weasley ein, sich zu setzen, aber sie hatten es ein wenig eilig und mussten schon wieder los. Auch die Zwillinge verabschiedeten sich, wenn auch schweren Herzens.
„Wir wollten eigentlich noch deine Meinung zu unseren Scherzartikelversuchen und deinen fachhexischen Rat dazu hören…"
„Dann machen wir das eben im Zug", tröstete Stefanie George und sie verabschiedeten sich. „Bis dann! Und wenn ihr vor mir da seid, dann reserviert ein Abteil!"
„Zwei wirklich nette Jungen", merkte ihre Mutter an, als die beiden verschwunden waren und Stefanie nickte.
„Ja, sind sie."
„Und wirklich witzig sind sie auch. Ich verstehe jetzt, warum du dich so mit ihnen verstehst. Sie scheinen denselben Humor wie du zu haben."
Marie kicherte und Stefanie schüttelte schmunzelnd ihren Kopf. Es klang nicht gerade wie ein Kompliment.
„Nun, wir sollten jetzt auch langsam weiter. All zu viel Zeit haben wir nicht mehr, ehe der Portschlüssel zurückgeht und wir wollten doch noch ein Geschenk für dich suchen… Ach, hast du dir schon Gedanken darüber gemacht?"
„Ich dachte, vielleicht wäre ein Buch ganz nett." Eigentlich hatte Stefanie sich nicht sehr viele Gedanken über das Geschenk gemacht. Ihr fiel nichts ein, dass sie unbedingt haben wollte, mit einem Besen beispielsweise könnte sie wenig anfangen und neue Kleidung brauchte sie auch nicht. So erschien ihr ein interessantes Buch als eine gute Lösung, denn mit Büchern konnte man immer etwas anfangen.
Sie aßen den Rest ihres Eises auf und schlenderten dann gemütlich Richtung Flourish und Blott's. Der Laden war nicht übermäßig voll, aber der größte Anteil der Kunden bestand aus Schülern, die ihre Schulbücher kauften. Stefanie ging eine Weile durch die Regale und zog alle Bücher hinaus, die ihr interessant erschienen, doch am Ende musste sie sich für ein paar wenige entscheiden, denn sie wollte ihre Eltern ja nicht finanziell ausnehmen. Also kaufte sie unter anderem ein Buch mit dem Titel ‚Heilers Helferlein', und eines in dem kompliziertere Heilsprüche standen. Weil sie sich so bescheiden zeigte, kaufte ihre Mutter ihr am Ende auch noch eine wunderschöne, farbenfrohe Fwuuper-Feder, die ihr so gut gefiel, dass sie sie am liebsten sofort benutzen wollte. In ihrem Kopf hatte sie schon jede Menge Ideen, was sie zu Hause schreiben könnte, und war beinahe froh, als sie zurück in den Hinterhof des Tropfenden Kessels gingen. Sie waren ein wenig zu früh und sogar vor den Laskas da, aber es dauerte nicht lange, bis auch sie, beladen mit neuen Schulbüchern und Zauberutensilien, aufkreuzten. Ein wenig erschöpft legten sie ihre Hände um das Fass. Stefanies Mutter warf einen raschen, aber beiläufigen Blick auf ihre Einkäufe.
„Ja, ist ziemlich viel… aber zum Glück braucht er keinen zu großen Vorrat an Pergament", meinte Daniels Mutter lächelnd, als sie ihre Blicke sah. „Immerhin darf er ab diesem Jahr nach Hogsmeade, in dieses Zauberdorf, dort kann er das dann selber nachkaufen."
„Ach ja, das hat Stefanie einmal erwähnt… also, dass es dieses Dorf gibt", erwiderte Stefanies Mutter und auch sie legte ihre rechte Hand auf das Holz.
„Halt es ja gut fest Mariechen", wies sie ihre jüngste Tochter dann an, „und sei darauf gefasst, dass du nicht unbedingt weich landest."
„Ich weiß, es ist nicht mein erstes Mal."
Stefanie konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und umschloss mit ihrer linken Hand ebenfalls den hölzernen Rand des Fasses, während sie in der rechten einige Schulbücher hielt. Sie hatte den Großteil in ihren verzauberten Beutel getan, doch ein paar trug sie auch so, um keinen Verdacht aufkommen zu lassen. Anfangs hatte sie Thomas Weider keinen Glauben geschenkt, als er gemeint hatte, verzauberte Taschen dieser Art wären selten, doch nun wusste sie, dass er die Wahrheit gesagt hatte, denn sie hatte weder jemanden darüber sprechen hören, noch je eine gesehen, außer ihrer eigenen natürlich. Deswegen redete sie auch selbst nicht darüber und zeigte ihren Münzbeutel nicht herum. Es hatte sie auch noch nie jemand darauf angesprochen, obwohl sie ihn praktisch immer an ihrem Gürtel trug. Vermutlich glaubten alle, sie hätte darin einfach Geld. Ein Glück, dass sie noch nicht überfallen worden war, aber Stefanie bezweifelte, dass ihr das in Hogwarts passieren könnte.
Als der Portschlüssel sie nach Hause brachte, war sie mit ihren Gedanken schon wieder an einem anderen Ort.
