Kapitel 09: Grenzland
„Sei gewarnt, du Wanderer finsterster Nacht.
Mit diesem Buch ist dir Unheil zugedacht.
Beschreitest du den Weg ein einz'ges Mal.
Erwarte wenig Freud, doch sehr viel Qual.
Die Toten du zu deinen Freunden machst.
Du, der du die Bande mit der Welt zerbrachst.
Sei gewarnt, du Wanderer, der du verflucht.
Wer Leben schafft, wird heimgesucht."
Draco fand seine derzeitige Situation unglaublich surreal. Vor ihm stand Abel und schützte ihn wie eine Wand vor den wütenden Direktoren von Durmstang und Beauxbatons. Dumbledore hatte sich beruhigt nachdem der Weißhaarige Position bezogen hatte und den unglücklichen Champion verteidigte. Und dass nur mit seinem durchaus furchterregendem Blick. Abel sah aus als wäre er ein Vulkan kurz vor dem Ausbruch.
Kaum war er im Pokalraum gewesen hatte er die Augen der regulären Champions auf sich, die ihn verwirrt und abwartend anstarrten, während er mit finsterer Miene zurück schaute um sein Unbehagen zu verbergen. Den nächsten Moment konnte er die Maske allerdings nicht mehr halten, als Dumbledore auf ihn zustürmte, hinter ihm zwei weitere erzürnte Direktoren, den Ministeriumsfuzzi, sein Hauslehrer und Moody.
Sein eigener Schulleiter war nicht länger verwirrt sondern richtig wütend gewesen und zum ersten Mal verdammte Draco die Tatsache, dass er ein Slytherin war. Für jedes andere Haus hätte man sofort auf einen unglücklichen Zufall getippt aber für einen Slytherin legte man gekonnten Vorsatz fest und das hatte der Viertklässler zu spüren bekommen. Selbst Snape konnte den Schulleiter nicht beruhigen und das steckte Madame Maxim und Igor Karkaroff zusehends an.
Die Lage beruhigte sich erst als Abel, der aus dem nichts aufgetaucht war, Dumbeldores Hand von Dracos Kragen löste und seine derzeitige Stellung bezog. Den Schulleiter hatte die neue Situation beruhig und er wurde nun wieder von Vernunft beherrscht. „Wir müssen herausfinden, was geschehen ist."
„Was soll das?!" Maxime fuhr zornig herum. „Gerade eben waren sie selbst noch überzeugt, dass er es mit Absicht getan hat."
„Gerade eben war er aber noch wütend.", mischte sich Moody ein. „Ihr solltet die Situation nüchtern betrachten. Der Feuerkelch ist ein hochmagisches Objekt. Das ein Viertklässler das Können oder die Macht besitzt einen solchen Gegenstand auszutricksen ist nahezu undenkbar. Es muss jemand anderes gewesen sein, der den Feuerkelch dazu manipulierte, zu glauben es gäbe vier teilnehmende Schulen."
„Sie scheinen sich das ja reichlich überlegt zu haben, Moody!", grollte Karkaroff.
„Zu denken wie Schwarzmagier ist mein Job." Wäre Abel nicht so wütend gewesen hätte er ob Toms Kommentar wahrscheinlich gelacht stattdessen starrte er konzentriert gerade aus um sich zu kontrollieren.
„Alastor, Igor das bringt doch alles nichts." Dumbledore versuchte die Situation zu entschärfen.
„Dann währe der Hauptverdächtige Mr. Arkshayd hier." Maxime sah mit einem fast angeekelten auf den Unmenschen hinab.
Abel würdigte sie nicht mal eines Blickes. „Offenbar haben sie doch mehr mit ihrer nicht-menschlichen Verwandtschaft gemein als ich angenommen habe."
Für einen Moment war der gesamte Raum still. Schock saß in allen Gesichtern, sogar bei Draco. Natürlich auch Abel war kein Heiliger aber eine andere Person derart zu beleidigen… Das war unnormal und passte nicht zu ihm. Zum anderen machte sie die Beleidigung selbst auch sprachlos, zumindest Maxime.
Bevor die Situation eskalieren konnte stürmte Sirius Black den Raum. „Auszeit!"
„Sirius…" Dumbledore konnte seine Erleichterung über das Erscheinen von Abels Paten nicht in Worte fassen.
„Wie wäre es, wenn wir uns alle beruhigen. Keine unbegründeten Anschuldigungen und Beleidigungen wären dabei hilfreich." Sirius sah seinen Patensohn warnend an.
Abel erwiderte den Blick kurz ehe er weg sah und sich sogar neben Draco positionierte, so dass dieser für sich selbst sprechen konnte. Als der Blonde in das Gesicht seines Freundes sah fiel ihm auf, dass er nicht nur zornig war sondern durchaus verzweifelt und… schuldbewusst. Was war los?
„Also was hat zu dieser Eskalation geführt?", fragte Sirius, der einen Teil seiner Anspannung verlor als er dasselbe feststellte wie Draco. Abels Wut bezog sich auf ihn selbst. Noch nicht mal auf den Täter.
„Madam Maxime hat Abel beschuldigt Mr. Malfoy ins Turnier geschmuggelt zu haben.", antwortete Dumbledore. „Und-„
„Abel hat sie beleidigt."
„Hast du das schon gehört?"
„Nein, aber es würde ihm ähnlich sehen. Wenn er wütend ist vergisst er sich schnell mal und sagt oder tut Dinge, die er in Normalzustand nicht tun würde. Deswegen, Madame Maxime, akzeptieren sie seine Entschuldigung wenn er in ein paar Tagen kommen wird."
„Ein paar Tagen?! Warum nicht jetzt?!", fragte die Direktorin aufgebracht.
„Keine Entschuldigung, die er in seinem Wutzustand rausdrückt, wäre ernst gemeint. Und damit die Wut verraucht braucht es einige Zeit.", erklärte Sirius. „Was allerdings wichtiger ist, was ist mit Draco?"
„Bartemius? Du bist der Hauptverantwortliche für das Turnier. Wie sollen wir fortfahren?" Dumbledore sah zu dem Ministeriumsmann.
Crouch seufzte. „Ein weiterer Champion für Beauxbatons und Durmstrang steht außer Frage. Der Feuerkelch wird erst in vier Jahren erneut entflammbar sein, noch dazu ist Mr. Malfoy für eine vierte Schule gewählt worden, was weiterer Untersuchung bedarf. Aber eins kann ich jetzt schon sagen. Mr. Malfoy muss teilnehmen. Er wurde als Champion auserkoren, wenn auch durch Pech."
Auf einmal erhielt Draco nicht nur wütende Blicke von den beiden fremden Rektoren sondern auch mitleidige von allen anderen. Es entging jedem, dass Moody etwas unbehaglich war und jeden finster musterte.
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„Also?" Hermine sah Abel aufmerksam an. Sie schien sehr wütend zu sein aus einem Grund, den Draco nur ahnen konnte.
„Also, was?" Der Weißhaarige war zum ersten Mal seit einer Woche wieder aufgetaucht und schien immer noch irgendwie wütend zu sein, aber ruhig genug um gefahrlos mit Menschen kommunizieren zu können.
„Frag nicht so blöd! Warum muss Draco an dem Turnier teilnehmen?! Ich hab dir bei der Auswahl mehr als genau angesehen, dass du etwas weist!"
Draco war froh, dass Hermine einen Zauber auf den Raum gelegt hatte um das nach außen dringen von Geräuschen zu unterbinden. Im Moment befanden sie sich in einem unbenutzten Klassenzimmer um Abel zu verhören. Luna war nicht dabei da sie schon eine Verabredung mit Ginny hatte.
„Dafür müsstest du die genaueren Hintergründe kennen und ich bin im Moment nicht bereit, dir alles zu erzählen, Hermine. Zu deinem eigenen Schutz." Abel lächelte seine Freundin traurig an und lehnte sich gegen einen Tisch.
„Mein eigener Schutz?!", höhnte die Braunhaarige. „Ich weiß, dass du ein Grimm bist! Draco und Luna haben es mir gesagt!"
„Grimm ist nur eine Bezeichnung für mein Volk. Für unser tierisches Selbst. In menschlicher Gestalt werden wir anders bezeichnet. Aber nein, es geht nicht darum."
„Du hast nicht vor mir diese Bezeichnung zu nennen, hab ich recht?" Hermine brauchte keine Antwort und sprach sofort weiter. „Wie kann ich dir noch vertrauen, wenn du mir nicht vertraust?"
Sofort bereute Hermine ihre Worte als sie den verletzten aber doch verständnisvollen Ausdruck auf Abels Gesicht sah. Er vertraute ihr. Aber er wollte sie beschützen. Gab es nicht den Spruch „Information war Macht" oder so und „zu viel Wissen konnte tödlich sein". Die Braunhaarige begriff. Die Information war gefährlich. Vielleicht war es sogar jene Information, die Draco in diese Situation brachte.
„Hermine" Draco fasste ihren Arm in einer beruhigenden Geste.
Sie drehte den Kopf und sah in das Gesicht des Slytherin. Er war ruhig aber wirkte auch seltsam entschlossen. Die letzte Woche war hart für ihn gewesen, aber er hatte sie gemeistert. Was unter anderem Snape und Sirius zu verdanken war, während Ron sich als Arsch entpuppt hatte. Draco war nur durch Unglück Champion geworden, aber Ron glaubte er wolle angeben. Und nicht nur Ron, sondern auch fast der gesamte Rest der Gryffindors und so verhielten sie sich ihm gegenüber. Beleidigungen waren an der Tagesordnung.
Die Hufflepuffs standen hinter Cedric und ignorierten den Slytherin getrost und den Ravenclaws wussten nicht genau, was sie von der Sache halten sollten waren aber trotzdem eher für den Huffelpuff. Schon allein, weil Draco ein Slytherin war und denen konnte man nicht trauen.
„Abel. Auch wenn es gefährlich ist, erklär uns wenigstens warum du es zugelassen hast?" Draco sah seinen ehemaligen Rivalen durchdringend an.
Abels Ausdruck wurde traurig und schuldbewusst. „Es gibt keine."
„Was?"
„Es gibt keine Erklärung. Keine gute zumindest. Keine, die mein Handeln rechtfertigen würde. Es ist lediglich eine Ausrede."
„Egal! Warum?!" Hermine war noch immer aufgewühlt.
Der Weißhaarige seufzte. „Selbstsüchtigkeit. Der Verantwortliche für Dracos Auswahl ist ein wesentlicher Bestandteil für das Brechen meines Fluches. Ich dachte, egal wer als Opfer ausgewählt wir, ich kann ihm helfen es zu überleben. Die Hauptsache war, dass er hier bleibt. In meiner Selbstsüchtigkeit hab ich mich selbst überschätzt und die Gefühle der Person ignoriert, die da mit hinein gezogen wurde. Es gibt keine Entschuldigung, die je ausreichen würde."
„Als Draco ausgewählt wurde bist du aufgewacht."
„Wie ein Schlag ins Gesicht."
„Weil es dich nun wirklich persönlich anging.", schlussfolgerte Draco.
„Draco. Glaub mir wenn ich sage, dass du der Letzte warst von dem ich vermutete, dass er in diese Sache hineingezogen wird. Es tut mir aufrichtig Leid."
„Warum wäre Draco der Letzte gewesen?", verwirrt sah Hermine von Abel zu Draco und zurück.
„Der Täter ist ein Todesser. Und wie man weiß sind die meisten Absolventen des Slytherinhauses zumindest Sympathisanten von Voldemort. Ich hielt es daher für unmöglich, dass ein Slytherin, besonders Draco mit dem Ruf seiner Familie, als mögliches Opfer ausgewählt wird."
Kurz herrschte Stille, dann ging Hermine hoch. Voller Erstaunen spürte Abel wie Hermines rechte Hand Bekanntschaft mit seiner linken Gesichtshälfte machte. Die Begegnung war hart genug, dass der Weißhaarige seinen Haarreif verlor und sein Kopf zur Seite ruckte.
„Du hast einen Todesser gedeckt!", keifte Hermine. „Als ob der Skandal mit dem vierten Champion nicht schon schlimm genug ist, hast du einen Todesser verschwiegen! Wenigstens das hättest du an Dumbledore weiterleiten müssen! Wenn schon nicht wer es ist, dann dass er da ist! Das war verantwortungslos bis zum geht nicht mehr! Und obendrein Draco ist der Leidtragende! Sag doch was!"
Draco sah sich die Szene erstaunt an. Noch nie hatte er Hermine derart wütend gesehen. Sie schäumte geradezu vor Wut. Doch dann drehte Abel seinen Kopf. Seine Haare fielen in sein Gesicht und nun würde sogar ein Blinder erkennen, dass er in Wirklichkeit Harry Potter war. Weißes Haar und rote Augen taten dem Eindruck nichts ab.
Auch Hermine bemerkte es und stockte kurz ehe sie plötzlich zu weinen begann und aus dem Raum türmte. Der Anblick schockte sie mehr als sie es wahrhaben wollte. Doch hatte sie es tief in sich drin nicht eigentlich die ganze Zeit gewusst? Gewusst wer Abel wirklich war? Sie hatte es nur nicht wahr haben wollen.
Abel rieb sich seine schmerzende Wange und sah weiter schuldbewusst zu Boden. „Ich sollte mich bei ihr Entschuldigen sobald sie sich beruhigt hat."
„Wohl war." Draco sah Abel mit einer hochgezogenen Augenbraue an ehe er den davon geschleuderten Haarreif aufhob und vor Abel Stellung bezog. „Was bekomme ich als Entschädigung für den ganzen Tumult? Du hast vorher gesagt du würdest dem vierten Champion helfen."
Der Weißhaarige sah den Kleineren einen Moment dümmlich an ehe sich sein typisches Lächeln auf die Lippen schlich. „Wie wäre es, wenn ich dir zeige, was die erste Aufgabe ist?"
Der Slytherin tat so als müsse er einen Moment überlegen. „Als Anzahlung kann ich das gelten lassen. Wann?"
„Jetzt."
„Jetzt?! Es ist fast Sperrstunde. Selbst du kommst in Erklärungsnot, wenn man uns zu dieser Uhrzeit zusammen wo auch immer erwischt." Einen Schritt zurücktretend verschränkte Draco die Arme vor der Brust.
„Keine Sorge. Ich bring uns ungesehen hin und wieder zurück." Abel stand auf und grinste süffisant.
Draco fühlte sich auf einmal wie Beute. Er war allein mit einem Raubtier. Obwohl er von Sirius wusste, dass der Größere Vegetarier war, beruhigte ihn das im Moment nicht die Bohne.
„Keine Sorge Draco." Der Unmensch griff nach Dracos Hand und verflocht sie mit den Fingern. „So lang du meine Hand nicht los lässt passiert dir nichts."
„Das beruhigt mich kein Stückchen!", regte der Blonde sich auf und versuchte seine Hand zurück zu bekommen. „Lass lo-„
Doch da geschah es auch schon. Es war als würde er sich auflösen und sein Körper transparent werden. Während sich von ihm weiße Lichterchen lösten wurde Abels Körper von schwarzem Nebel umhüllt und verschwand langsam. Als der Körper weg war kroch der Nebel den Rest von Abel Arm hoch zu ihren verschlungenen Händen und schließlich über Dracos linken Arm hoch.
Panisch hielt der Slytherin die Luft an und kniff die Augen zusammen als der Nebel den Rest seines durchsichtigen Körpers einhüllte. Etwa in ihm sagte, dass er keine Angst zu haben brauchte, aber sein Verstand schrie, dass das einfach nur Falsch war.
„Du kannst die Augen ruhig aufmachen. Und Atmen wäre auch nicht schlecht, Draco." Abel schien von der Situation amüsiert zu sein.
„Das ist nicht witzig!" Reflexartig keifte der junge Zauberer seinen alten Rivalen an. „Versetz du dich… mal…"
Der zweite Satz blieb Draco in der Kehle stecken als er seine Umgebung wahrnahm. Es war, als würde er direkt im Sternenhimmel stehen. Sie befanden sich in vollkommener Dunkelheit und wurden von unzähligen Lichtern umringt. Die Lichter hatten verschiedene Farben, unterschieden sich in Größe, Intensität und Form.
Sie schwebten durcheinander und manch ein Licht kollidierte mit einem Anderen und ein kleiner Funke sprang davon als sie sich wieder trennten und glomm mit aller Kraft, die er besaß. Andere schienen zu zerbröseln und zu erlöschen. Es waren so unzählige Lichter, dass sie in größerer Entfernung wie die Milchstraße oder sogar eigene leuchtende Galaxien wirkten.
„Die Farben zweigen die Art der Lebensform, die Größe die Lebenskraft, Intensität das Alter und die Form ob es der jeweiligen Lebensform gut geht oder sie zum Beispiel sterbenskrank ist.", erklärte Abel. „Du hast auch ein Licht."
Draco sah erst zu seinem Führer und folgte seinem Blick zu seiner Brust. Tatsächlich steckte in seiner Brust eine große leuchtende Kugel. Sie blendete den Slytherin richtiggehend, doch er konnte eine Farbe erkennen. Es war ein dunkles Blau, das aber durch die Intensität in den Augen weh tat, und ein sanftes blattgrünes Licht abgab.
„Dunkelblau steht für die Menschen. Egal ob magisch oder nicht. In deine Fall ist aber auch das Grün, das für die Nymphen steht, enthalten."
Erneut sah der Blonde verwirrt zu dem Unmenschen und richtete seinen Blick zurück auf das Lichtermeer. „Was ist das hier?"
„Das Grenzland. Die Schwelle zwischen Leben und Tod." Abel streckte seinen linken Zeigefinger aus und Draco beobachtete fasziniert als einer der kleinen Funken sich dort niederließ. „Ocker. Ein kleiner Löwe. Er ist noch nicht mal geboren worden."
Der Blick des Slythrins wanderte weiter zu Abels Brust und er stutze. Auch dort befand sich ein Lichtball aber anders als bei ihm schien die dunkelblau Kugel, die definitiv zu einem Menschen gehörte, zu versuchen Abel „aufzufressen". Aus ihr schlugen schwarze Nebellinien und stießen durch den Körper des Nekromanten um sich an ihn zu fesseln. Wenige reichten allerdings in die Distanz außerhalb von Dracos Sichtfeld. Was war das?
Plötzlich verdeckte eine Hand die Kugel und Draco sah zurück zu Abels Gesicht. „Gehen wir besser. Wir sollten uns nicht unnötig hier aufhalten."
Der Blonde nickte nur und beobachtete wie sich erneut schwarzer Nebel um seinen Führer bildete und sie beide verschlang. Wieder hatte er die Augen geschlossen und als er sie wieder öffnete befand er sich in einem Wald.
„Der verbotene Wald?", fragte der Slytherin.
„Exakt. Komm." Abel ließ Dracos Hand los und schlich tiefer in den Wald.
Das brauchte sich Draco nicht zwei Mal sagen zu lassen. Wenn er den Weißhaarigen verlor konnte schließlich gut sein, dass ihn entweder andere Lehrer aufgriffen oder wilde Tiere angriffen. Abel würde wenigstens auf ihn aufpassen.
Vorsichtig schlich das Duo durch das Dickicht und nach nur wenigen Minuten erreichten sie einen kleinen Abhang, der in eine hell erleuchtete Senke führte. Draco traute seinen Augen nicht, als er ein Riesengehege mit vier Drachen sah. Drachen! Waren die den Wahnsinnig?!
„Was tun die Drachen hier?!" Reflexartig klammerte sich der Viertklässler an den Baum neben sich.
„Scht!", flüsterte Abel. „Soweit ich weiß, müsst ihr den Drachen irgendwas klauen. Was weiß ich noch nicht, aber sobald ich es weis werde ich es dir mitteilen."
„Wie soll ich den Dingern denn was abnehmen?!", zischte der Blonde, seine Lautstärke kaum gedämpft. „Sie dir die Viecher doch mal an!"
„Scht, Draco. Hier laufen überall Aufseher rum."
Tatsächlich wurde Draco leiser. „Ich kann in so einer Situation nicht ruhig bleiben!"
„Glaubst du wirklich ich würde dich da unvorbereitet Reinlaufen lassen? Wir werden natürlich dafür sorgen, dass du da unbeschadet raus kommst. Ich hab auch eine Idee."
„Und welche? Ich glaube kaum das-„
„Bist du sicher, dass du was gehört hast?", fragte plötzlich eine Stimme hinter dem Duo.
Erschrocken fuhren beide herum und Abel konnte drei Zauberer riechen. Nicht hören, aber riechen. Sie hatten einen Stillezauber über sich gelegt um keine Geräusche zu verursachen. Zumindest so lange sie nicht sprachen und das schienen auch die anderen zwei Zauber genau zu wissen, da sie nicht antworteten.
Ohne weiter zu warten griff Abel nach Draco und schmiss ihn zu Boden. Dem entkam ein leises Uff und schaffte es gerade noch sich umzudrehen bevor sich etwas Schwarzes über ihn senkte. Es war unglaublich weich und fühlte sich wie kühles Wasser an. Ähnlich dem Nebel, der sie ins Grenzland und wieder zurück gebracht hatte nur diesmal konnte er es anfassen. Was immer es auch war, es war einer von Abels Tricks.
Dann konnte Draco auf einmal die drei Zauberer sehen. Sie sahen sich verwirrt um und standen nur wenige Meter neben ihnen. Doch sie schienen sie nicht zu bemerken.
„Siehst du, du hast dir das nur eingebildet.", meinte die fremde Stimme von vorher.
Der rothaarige Zauberer sah seinen Kollegen finster an. „Ich bin nicht taub und leide auch nicht unter Wahnvorstellungen, Stanley! Hier war jemand."
Während Stanley missbilligenden schnaufte kniete sich der Dritte genau an der Stelle nieder, an der Draco noch eine Minute vorher gestanden hatte. „Hier war jemand.", sagte er dann in gebrochenem Englisch. „Kaum länger als fünf Minuten her."
Nun war es an dem Rotschopf Stanley missbilligenden anzusehen ehe er zu seinem anderen Kollegen ging. „Wie viele? Kannst du sagen welche Richtung, Tomek?"
„Einer hier. Einer dort. Zwei Männer, wenn ich mich nicht irre. Der dort drüben scheint weggerannt zu sein, auch wenn ich keine Spuren sehe. Der, der hier gestanden hat, wurde von etwas starkem weggerissen. Aber ebenfalls keine weiteren Spuren.", antwortete Tomek.
„Und so was wie du nennt sich Spurenleser.", nörgelte Stanley und kassierte einen bösen Blick von seinen Kollegen.
„Wenigstens wissen wir, dass jemand hier war. Und dass sie auf welche Art auch immer geflohen ist als sie uns bemerkte." Der Rotschopf kam plötzlich auf Draco zu doch stoppte nur einen Schritt von ihm entfernt. „Danke auch, Stanley."
„Warum ist es jetzt meine Schuld, Weasley?!", keifte der Mann zurück.
„Warum?! Hättest du die Klappe gehalten dann hätten sie uns nicht bemerkt und wir hätten sie erwischt!"
„Charlie, beruhig dich.", schritt Tomek ein. „Uns zu streiten bringt uns nichts. Last uns erst mal zurück gehen und den Anderen sagen, dass sie aufpassen sollen, weil jemand herum schleicht."
Charlie, Dracos und Abels Meinung nach, nicht nur äußerlich sondern auch charakterlich seinem Bruder Ron sehr ähnlich, schenkte Stanley noch einen wütenden Blick, ehe er davon stampfte. Nicht, dass er einen Laut gemacht hätte. Ihm folgten Tomek und kurz darauf der zweite Streithahn.
Als sie außer Sicht- und Hörweite waren erlaubte sich Draco zu seufzten und richte seinen Blick in Richtung Blätterdach, wo er nach wie vor etwas Warmes und Weiches spürte. Er blinzelte einige Male ehe er seinen Augen traute. Auf ihm lag Abel in seiner Grimmform und starrte immer noch in die Richtung, in der die Zauberer verschwunden waren. Draco hatte einen Moment gebraucht um das Tier wiederzuerkennen, denn Abels Fell war nun kurz und zottelig.
„Abel?", flüsterte er vorsichtig und das Tier drehte ihm den Kopf zu. „Kannst du von mir runter gehen?"
Und Abel stand auf. Gleichzeitig fühlte Draco wie das warme, weiche „Nass" von ihm verschwand und dafür Abels lange Zotteln wieder auftauchten. Also war es das Fell des Grimms gewesen, das sie vor den Blicken der Zauberer verborgen hatte.
Draco stand ebenfalls auf und sah noch ein letztes Mal in die Senke zu den Drachen. „Wir sollten hier verschwinden."
Abel folgte seinem Blick und sah dann in die Richtung, in der Hogwarts wusste. Allerdings wartete Draco vergebens, dass er wieder menschliche Form annahm.
„Was ist?" Auffordernd sah der Blonde seinen Freund an. „Wollen wir? Ich gehe in der Annahme, dass du mit mir nicht noch mal durchs Grenzland willst? Schön. Gut. Mir egal wie, bring mich nur sicher zurück."
Abel blinzelte und nickte mit dem Kopf in Richtung seines Rückens.
„Was?" Wollte Abel etwa, dass er auf ihm ritt.
Zur Bestätigung legte sich Abel einfach auf den Bauch und sah Draco nach einem erneuten Nicken auffordernd an.
Unsicher und skeptisch trat der Slytherin näher und berührte das Fell auf Abels Rücken. Dieser musterte ihn ruhig als der Schüler nach festem Halt in den weichen und sich wässrig anfühlenden Zotteln suchte. Überrascht stellte Draco fest, dass das Fell trotz seiner unglaublichen Weichheit und Geschmeidigkeit sehr grifffest war und er sich ohne Probleme würde festhalten können. So kletterte er auf den Rücken und der Grimm stand auf.
Und in diesem einen Moment fühlte sich der jung Zauberer als würde ihm die Welt zu Füßen liegen. Er änderte seinen Griff und hielt sich mehr am Nacken fest und zog die Beine an. Abel sandte ihm noch einen bestätigenden Blick, sah sich um und rannte los.
Sie waren nicht ganz so schnell unterwegs, wie Draco zuerst vermutet hatte aber dennoch schnell genug um Bäume an denen sie nah vorbei kamen in ein undeutliches Gebilde zu verwandeln.
Dann machte Abel einen Satz und einen Moment später landeten sie in einer niedrigen Felswand. Erst glaubte Draco sie würden abrutschen, doch die Tatzenhände des Grimm krallten sich in Felswand und er kletterte ohne Probleme die kurze Wand hoch und ohne sein Gepäck zu verlieren.
Oben angekommen und erst aus dem Wald heraus hatte Draco von Abels Rücken aus einen unglaublichen Blick auf das erleuchtete Hogwarts.
Was soll ich sagen? Das Kapitel hat mir Spaß gemacht. Besonders weil Abel endlich mal etwas von dem was er drauf hat gezeigt hat. Außerdem hab ich es geschafft seinen Fluch zu verbildlichen.^^ Das hat gleich noch mehr Spaß gemacht.
Nebenbei hat mich das Kapitel für das Ende der FF inspiriert und jetzt hab ich ein Ende. Was jetzt noch fehlt ist der Weg dorthin. -.-
Ach ja. Hermine weiß jetzt, dass Abel und Harry ein und dieselbe Person sind. Warum schon so früh? Naja, Hermine ist nicht dumm. Aber sie muss das Ganze auch erst mal verarbeiten.
Ich hab vor kurzem Mal nachgedacht und die Geschichte mit der „Originalversion" von vor 5 Jahren verglichen. Obwohl: Vergleich ist schon fast nicht mehr möglich. Das Einzig, was sich von der ersten FF gehalten hat ist der Titel und Abels Nachname. -.-
Wer Fragen hat oder wem das Grenzland gefallen hat hinterlässt ein Kommi oder schreiben mir eine Mail.^^
Next: Kapitel 10: „Erbe". Der Wettkampf startet. Trimagisches Turnier, die Erste. Draco vs. Dragon.^^ Ich würfle die Drachen neu, also ist es nicht gesagt, dass Draco den Hornschwanz hat.
Bis in zwei Wochen
Viel Spaß beim Lesen
Lg Tayel
