Vielen Dank für die vielen Reviews. Ich hoffe die Geschichte gefällt euch auch weiterhin. ;-)

lg Gaby

10 Noch eine lange Nacht.

Die Nacht kam viel zu schnell und es wurde Zeit sich zur Ruhe zu begeben, aber keiner der beiden wollte sich als erster auf das gemeinsame Lager legen. Angespannt blickten sie in verschiedenen Richtungen.

„Ich…" begann Hermione.

„Wir…." Setzte Severus gleichzeitig an.

„Ja?" fragte Hermione hoffnungsvoll.

„Du zuerst." Gab er ihr großzügig den Vortritt. Hermione zog die Augenbrauen zusammen und sah ihn missmutig an.

„Ich geh zu Bett, das war alles was ich sagen wollte!" erwiderte sie patzig.

Er war und blieb ein Slytherin! Verschlagen wie eine Schlange und genauso heimtückisch und wenn man am wenigsten damit rechnet kamen alle diese Eigenschaften zum Vorschein. Würdevoll erhob sie sich von ihrem Platz und schritt, ihn dabei ignorierend, zur Schlafstelle. Müde kuschelte sie sich in das weiche warme Fell, das ihnen Zion mitgegeben hat. Sie dachte sie würde auf der Stelle einschlafen können, zumindest gehofft hätte sie es, aber obwohl müde wollte sich der Schlaf nicht einstellen.

Lange Zeit später fühlte sie im Rücken einen kühlen Luftzug und einen warmen Körper der sich an ihre Seite legte. Severus! Sie blieb so ruhig wie möglich liegen, er sollte glauben sie schliefe bereits, dabei lauschte sie auf jedes noch so winzige Geräusch das von ihm kam. Er hatte auch so seine Probleme mit dem schlafen. Irgendwie war es unmöglich eine bequeme Position zu finden.

Still lag er da und starrte in die dunkle Nacht, dabei dachte er unentwegt an sie. An ihren warmen Körper so dicht an seinem, er brauchte nicht einmal die Hand auszustrecken und schon könnte er sie berühren. Frustriert legte er sich einen Arm über die Augen um alles um sich auszuschließen. Nicht unbedingt die klügste Idee in einem fremden Land, aber absolut lebensnotwendig. Er begehrte sie, an dieser Wahrheit gab es nichts zu rütteln. Egal wie sehr er es vor ihr und sich bestritt. Unbewusst tat er einen tiefen Atemzug um dann die Luft heftig auszustoßen.

Hermione neben ihm zuckte leicht zusammen und so wusste er auch sie schlief nicht. Dieses Wissen beruhigte ihn und wühlte ihn gleichzeitig auf. Er war nicht alleine der begehrte. Mühsam krampfte er die Hände zu Fäusten. Zu gern hätte er dem Drang sie ihn seine Arme zu schließen um dort weiterzumachen wo er in der Hütte aufgehört nachzugeben, aber er verbat es sich. Nein er war kein Sklave seiner Gefühle!

Die ersten Sonnenstrahlen kitzelten Hermione im Gesicht und müde öffnete sie die Augen. Ihr war angenehm warm und sie fühlte sich geborgen. Träge sah sie um sich und wich erschrocken etwas zurück. Sie lag in Severus Armen! Sie hatte sich in der Nacht scheinbar auf der Suche nach Wärme an ihn gekuschelt und nun lag sie auf seiner Brust!

Er schlief noch. Erleichtert wollte sie aufatmen, verbat sich aber jegliches Geräusch. Er sollte sie so nicht sehen. Vorsichtig löste sie seinen Arm, den er um ihre Taille geschlungen hatte von sich und rückte von ihm ab. Lautlos erhob sie sich und sah auf ihn herab ehe sie in den Wald verschwand. Er sah so friedlich aus. Er war keine Schönheit und doch zog er sie magisch an. Sie mochte seine prägnanten Gesichtszüge und seit er die Kleidung der Einheimisch trug, wusste sie auch, dass er einen sehr ansprechenden, durchtrainierten Körper besaß, doch das alleine zog sie nicht an, sondern auch sein brillanter, wenn auch bisweilen scharfer und vor allem bissiger, Verstand.

In Summe genommen lag vor ihr ein Mann, wie sie sich ihn wünschte. Erneut atmete sie tief ein und hastig entfernte sie sich. Sie hatte sich auch wenn sie es noch so sehr bestritt in ihn verliebt. Jetzt, da er begann sich ihr zu öffnen, sah sie soviel mehr von seinem Wesen, seinem Inneren und sie lernte ihn zu verstehen.

Plötzliche Kälte ließ ihn erwachen. Automatisch tastete er nach dem Körper neben sich um enttäuscht festzustellen dass sie fort war. Verwirrt das er nach ihr suchte und ihr Fehlen ihm so zusetzte, richtete er sich auf. Soweit war es schon gekommen, er vermisste die nervigste Person, die Hogwarts je gesehen hatte.

Nur das sie in seinen Augen nicht mehr nervig war. Eigentlich fand er sie aufregend, interessant und sexy. Er mochte ihre offene Art, ihre Herzensgüte. Eigentlich mochte er alles an ihr, wenn er es genau nahm und noch mehr. Nun an diesem neuen Tag konnte er sich der Wahrheit, der er sich gestern noch geweigert hatte, stellen.

Er hatte sich in Hermione verliebt. Unwillig über sich selbst schüttelte er den Kopf und erhob sich. Akribisch begann er das Nachtlager aufzuräumen, er brauchte eine Beschäftigung, bis sie zurückkam. Für ihn stand das außer Zweifel. Ein Rascheln im Gebüsch ließ ihn aufblicken.

Verlegen strich sie sich ihr Haar hinters Ohr. Mit ihrer neu gewonnen Erkenntnis kehrte sie ins Lager zurück und sah ihn bereits auf den Beinen. Sorgfältig legte er das Fell, das sie sich in der Nacht geteilt hatten, zusammen und betrachtete sie dabei abwartend. Unsicher trat sie auf die kleine Lichtung.

„Guten Morgen!" murmelte sie leise und wich seinem Blick aus.

Severus neigte den Kopf leicht zur Seite. So eine Situation war neu für ihn. Er sah wie sie schön wie eine Elfe auf die Lichtung kam und musste den Drang sie in die Arme zu nehmen und zu küssen schwer unterdrücken. Alles schien plötzlich anders zu sein.

„Guten Morgen!" brummte er unwillig.

Er hasste es ein Gefangener seiner Gefühle zu sein. Wahrscheinlich würde er sich schon bald wie ein verliebter Esel aufführen! Energisch stopfte er das Fell in seine Tasche und hängte sie sich um.

„Wir sollten los!" meinte er unfreundlich und ignorierte dabei ihre leuchtenden Augen die auf ihn gerichtet waren ebenso, wie den hoffnungsvollen Blick.

Schweigend schritten sie hintereinander den Fluss entlang. Keiner sprach ein Wort. Der Vormittag verging. Sie machten kurz Rast und aßen einen Teil der mitgebrachten Vorräte. Immer noch herrschte Stille zwischen ihnen. Heimlich, wenn er es nicht merkte, beobachtete Hermione Severus. Es war fast so als sähe sie ihn zum ersten Mal. Sie nahm ihn viel bewusster, viel intensiver wahr. Mehrmals am Tag seufzte sie leise.

Severus ignorierte sie weiterhin und konzentrierte sich ausschließlich auf ihren Weg. Obwohl so stimmte das nicht ganz, er bekam wohl mit, das sie sich öfters auf die Lippen biss, eine Angewohnheit die sie hatte, wenn sie über etwas stark nachdachte, oder sie etwas schwer beschäftigte.

Das Schweigen zwischen ihnen wurde unnatürlich und zehrte an ihrer beider Nerven.

Nur alleine wegen dir wünsche ich mir ein anderer Mensch zu sein! ging ihm unentwegt durch den Kopf

Hätte er gewusst, dass auch Hermione den gleichen Gedanken hatte, wäre er mit Sicherheit sehr verwundert gewesen.

„Erzähl mir." begann er und machte dann eine kurze Pause bevor er erneut ansetzte.

„Erzähl mir etwas aus deinem Leben!" bat er, ohne sie dabei anzusehen.

Hermione war über diese Bitte so sehr überrascht, dass sie nicht drauf achtete wohin sie ging. Plötzlich hing ihr Bein in der Luft und im nächsten Moment hatte der Abgrund sie verschluckt. Severus blickte über seine Schulter. Sie war so still, so kannte er sie nicht. Sie war weg!

„Hermione?" rief er leise und bekam nur ein Stöhnen als Antwort. Entsetzt weiteten sich seine Augen.

„Hermione wo bist du?" rief er laut und suchte die Gegend nach ihr ab.

Ein schwaches „Hier!" erklang einige Schritte von ihm entfernt.

Hastig lief er dort hin und konnte im letzten Moment noch abbremsen, ehe auch er hinabstürzte. Vor ihm lag eine schmal tiefe Schlucht. Verwuchert von Bäumen und Sträuchern konnte er nicht bis auf den Grund dieser sehen, aber sie war sehr, sehr tief. An einer ziemlich dünn aussehenden Wurzel hing Hermione und klammerte sich verzweifelt fest. Lange würde sie sich nicht mehr halten können.

„Halte durch ich helfe dir!" befahl er ihr und legte sich flach auf den Boden. Er streckte ihr beide Hände entgegen und versuchte sie zu erreichen um sie hoch zu ziehen.

„Gib mir deine Hand, Hermione!" beschwor er sie.

„Ich….ich kann nicht!" Furchtsam blickte sie zu ihm hoch.

„Vertrau mir! Du wirst nicht fallen und nun gib mir deine Hand!" sprach er ruhig auf sie ein, dabei sprang sein Herz vor Verzweiflung in seiner Brust.

Was wenn die Wurzel nachgab, oder sie sich nicht mehr halten konnte? In seinem Kopf entstanden Bilder des Grauens. Er sah sie bereits mit zerschmetterten Knochen unten am Grund liegen, den Blick leer. Energisch biss er die Zähne zusammen, er würde sie nicht verlieren, das ließ er einfach nicht zu! Verdammt warum hatten sie keine Magie? Hier und jetzt würden sie sie dringend benötigen.

Zaghaft löste sie die verkrampften Finger von der Wurzel und streckte die Hand Severus entgegen. Er würde nicht zulassen, dass ihr ein Leid geschah, da war sie sich tausendprozentig sicher. Sie vertraute ihm. Wenige Zentimeter trennten seine Hand von ihrer. Er streckte sich noch mehr, er musste sie erreichen. Er musste einfach.

Ihre Fingerspitzen berührten sich bereits, ein Stück noch, sie schob sich ihm soweit es ging entgegen und dann ganz plötzlich umschloss seine Hand fest die ihre.

„Ich hab dich!" keuchte er erleichtert.

Und ich werde dich nie wieder los lassen! Schoss es ihm durch den Kopf.

Stück für Stück zog er sie nach oben, was sich als sehr schwierig herausstellte, da er kaum halt fand, doch irgendwann, nach schier einer Ewigkeit ragte ihr Kopf über den Abgrund, ihre Schultern folgten und der Rest ihres Körpers. Erschöpft und glücklich lagen sie nebeneinander am Boden.

„Danke!" stieß sie hervor, sobald sie ihrer Stimme wieder trauen konnte.

Angespannt strich sich Severus mit der Hand über die Stirn. Er hat ihr nicht einfach so das Leben gerettet, dass hatte durchaus egoistische Gründe, denn wäre sie gestorben, dann hätte das für ihn großes Leid bedeutet. Jetzt wo er erkannt hatte, was sie ihm bedeutete war er noch nicht bereit sie zu verlieren, vielleicht war er das auch nie.

Irgendwann erhob er sich und ohne darüber nach zu denken reichte er ihr seine Hand und ohne darüber nachzudenken ergriff sie sie. Er zog sie hoch zu sich. Einen Augenblick standen sie sich gegenüber und sahen sich einfach an. Er unterbrach den Zauber, trat einen Schritt zurück und räusperte sich.

„Wir sollten weitergehen, es wird schon bald Nacht." Sagte er schlicht und ging voran.

Die nächsten Tage verliefen friedlich und harmonisch. Hermione erzählte ihm alles aus ihrem Leben von ihrer Geburt an und er lauschte aufmerksam auf jedes einzelne Wort das sie von sich gab. Auch er sprach von sich, weniger ausführlich, das hätte Hermione auch nicht erwartet, es erstaunte sie dass er überhaupt etwas preisgab. Sie erfuhr ein bisschen was über seine Eltern und auch über seine schreckliche Kindheit, nicht dass er davon erzählte, das brauchte er auch nicht, sie konnte es zwischen den Zeilen hören.

Er berichtete von seiner Schulzeit in Hogwarts, er war viel alleine gewesen. Zuerst als Schüler und später als Lehrer, mit einem kleinen Unterschied. Das Kind Severus wollte nicht alleine sein, der Mann der aus Severus geworden war schon.

„Warst du jemals verliebt?" entschlüpfte ihr die Frage ehe sie es verhindern konnte. Darauf nicht vorbereitet blieb er überrascht stehen. Automatisch dachte er an Lily.

„Ja einmal, aber das ist lange her!" antwortete er ehrlich.

„Du hattest keine Freunde, kein Liebe, warst du nicht sehr einsam?" sie hatte sich soweit vorgewagt und er war bis jetzt nicht wütend geworden, also ging sie noch einen Schritt weiter. Severus dachte über die Frage nach.

„Als ich noch jung war schon, aber später nein nicht mehr." Erwiderte er.

Doch jetzt wo du in meinem Leben bist, fühle ich, nein weiß ich, solltest du daraus wieder verschwinden, ja dann wäre ich sehr einsam!

Gut er war nicht verliebt, dass hatte er ihr klar und deutlich gesagt. Sie würde auf der Hut sein müssen um ihm nicht aus Versehen ihre Gefühle für ihn zu zeigen. Da er sich nichts aus ihr machte, wäre das sicher furchtbar peinlich!

„Was ist mit dir? Keine Liebe? Fühlst du dich einsam?" Quid pro quo!

„Ich war einmal verliebt du kennst ihn."

„Ron Weasley!"

„Genau. Aber das ging genauso schnell vorbei wie es kam."

„Und seitdem?" er war neugierig geworden.

„Nun eigentlich nicht…" wich sie aus. Sie konnte ihm schlecht die Wahrheit sagen, dass sie ihn liebte!

„Alleine zu sein stört mich im Grunde auch nicht, nur manchmal." Plapperte sie weiter um von ihrem Liebesleben abzulenken. Sie neigte dazu mit der Wahrheit, ob sie wollte oder nicht, herauszuplatzen.

Eigentlich nicht!?

Was hatte das zu bedeuten? Gab es jemanden in ihrem Leben? Zu gerne hätte er sie zur Rede gestellt und sie hätte geantwortet. Sie konnte nicht lügen! Nun es wäre mehr als ein Wunder nötig, wenn sie auch nur einen Funken Gefühl für ihn hegen würde.

Wahrscheinlich beruhte diese gegenseitige Anziehung nur auf Grund dieser unnatürlichen Situation. Am Besten hielt er sich fern von ihr. Sollten sie es nach Hogwarts schaffen, wäre es ihr wahrscheinlich nur peinlich und er würde wie ein alter trotteliger Narr dastehen. Darauf konnte er herzlich gerne verzichten.

Schlimm für beide waren die Nächte. Was sie sich tagsüber nicht eingestanden, kam in der Nacht zum Vorschein. Unbewusst suchten sie einander und klammerten sie sich aneinander. Keine Nacht verging, ohne das sie nicht aneinander geschmiegt am nächsten Morgen erwachten. Beide verloren darüber kein Wort und beide genossen es insgeheim zu sehr dem anderen Nahe zu sein, als das sie an der Situation etwas änderten und doch zehrte gerade das an ihren Nerven.

Gerade schritten sie über eine größere Lichtung, scheinbar wurde der Wald hier dünner, als Hermione sich ohne jeglichen Grund bückte und einen Stein der vor ihr im Gras lag aufhob. Seine seltsame Form hatte sie dazu gebracht. Er war eirund und seine schwarze Oberfläche war außergewöhnlich glatt, fast wie poliert. In ihren Händen begann der Stein plötzlich zu leuchten. Aufgeregt rief sie nach Severus. Erstaunt betrachtete er den hell leuchtenden Stein in ihren Händen. Es gab Magie! In dieser Welt gab es tatsächlich Magie!