Dieses Zimmer ist ja mal so was von cool! Das Bett ist gefühlte zwei Meter breit, und direkt gegenüber ist ein riesiger Fernseher. Ein Computer ist auch vorhanden, aber der kleine kitschige Schminktisch muss definitiv raus. Aber das Beste ist definitiv das Badezimmer. Ein eigenes Badezimmer, das ist der Wahnsinn! Egal wo sie auch gerade gewohnt hat, dieses Zimmer topt alles. Gerade, als sie sich lang auf das Bett legen will, klopft es an der Tür. Müssen dir hier alle so ein perfektes Timing haben? Dieses Bett ist so gemütlich…

»Herein wenns kein Yeti ist!«

Drei Erwachsene kommen in ihr Zimmer, vermutlich ihre neuen Aufpasser. Der blonde Kerl und die Frau dürften nur ein paar Jahre älter sein als sie selbst, der Rotschopf mit der sichtbar schlechten Laune scheint auch noch relativ jung zu sein.

»Also ich gehe mal davon aus, ihr bringt mir nichts zu Essen mit.«

„Ähhm nein, sollten wir? Wir sollen dich ab nun…"

»Beschützen. So weit bin ich auch gekommen.«

Der Rotschopf murmelt etwas von Wir können es auch sein lassen , was Blondie dazu veranlasst, ihn leicht auf die bandagierte Schulter zu Klopfen. Leicht, aber trotzdem schmerzhaft.

Die Frau sie mit diesen Ich-weiß-wie-schlimm-das-für-dich-sein-muss-Blick an. »Du hörst so was nicht zum ersten Mal, oder? Wir wissen, was letzte Nacht passiert ist. Geht es dir gut?«

Jetzt bloß cool bleiben. Es muss ja niemand wissen, dass ihre Knie immer noch zittern wenn sie daran denkt. »Mir geht es auf jeden Fall besser als meinen alten Aufpassern. Ich war ja nicht im Haus.«

Die anderen beiden sind wohl überzeugt, aber Pumuckl muss natürlich nachhacken. »Wieso nicht?«

Oh ha, mit den Kerl ist nicht gut Kirschen essen. Trotzdem ruhig bleiben. »Ich wollte noch spazieren.«

»Um zwei Uhr nachts? Ziemlich ungewöhnlich für einen Spaziergang.«

»Ich wollte halt gerne laufen« , und um weitere Fragen von diesen Idioten im Keim zu ersticken fügt sie schnell hinzu: »Wer seid ihr im Übrigen überhaupt? Normalerweise stellen sich Leute erst vor, bevor sie mich verhören.«

Blondi klingt im Gegensatz zu den anderen Kerl um einiges freundlicher. »Stimmt. Mein Name ist Julius und das ist Delilah. Al hat uns übrigens nicht erzählt wie du eigentlich heißt.«

»Dominique. Und wie heißt Mister Lächeln-verboten?«

»Tibor.«

»Das ist ein Name? Gibt es nicht ein Comic oder so? Ich glaube es heißt Tibor-Sohn des Dschungels . Wenigstens bin ich hier nicht die einzige mit einem blöden Namen.«

Tja, Rotschopf zeigt keine Reaktion. Schade. Dafür muss sich Blondi anscheinend ein Lachen verkneifen. Delilah versucht abzulenken.

»Magst du deinen Namen etwa nicht? Dominique ist doch an sich ein netter Name.«

Jetzt hagelt es aber bitter böse Blicke.

»Nett?! Ich weiß nicht, was meine Eltern sich dabei gedacht haben, aber ich bin keine, ich wiederhole KEINE 40 jährige Alte mit wasserstoffblonden Haaren, die sich einen Pseudo-Franzosenakzent antrainiert und kleine Kätzchen züchtet! Und das Schlimmste ist: Es gibt keinen vernünftigen Spitznamen!«

»Okay, wir denken uns was aus. Komm mit, ich zeig dir eben wo die Kantine ist.«

Delilah scheint hier doch die Nette zu sein, endlich was essen! Dominique kann ja nicht wissen, dass sie jetzt nur aus Tibors Nähe ferngehalten werden soll.

»Du würdest sie am liebsten umbringen, oder?«

»Richtig geraten kleiner Bruder.«

»Das war nicht geraten, du wärst fast auf sie losgegangen.«

»Oh ja.«

Julius lächelt zufrieden. »Ich mag die Kleine.«

»Die Göre hat Nerven! Sie hat mich beleidigt !«

Wütend schlägt Tibor gegen den Boxsack, bereut dies jedoch im selben Moment. So eine Kugel in der Schulter kann schon ziemlich schmerzhaft sein.

»Sie hat ja nicht direkt dich beleidigt, sondern eher deinen Namen….«

Aber diese Beruhigungsversuche bringen Julius nur böse Blicke ein. Meint der Kerl wirklich, er kann mit Blicken töten?

Wobei: Bei Tibor könnte es klappen.

»Ich erwähne das ja nur ungern, aber nur weil auf dich geschossen wurde und du Julius Bruder bist heißt das noch lange nicht, dass du aus dem Schneider bist. Wer sagt uns, dass du Dominique nicht bei der nächst besten Gelegenheit umbringst?«

»Oh, ich werde sie umbringen, damit das schon mal geklärt ist. Wisst ihr warum ich es nicht getan habe?«

»Weil du dieses Mädchen in den Tiefen deines Herzens doch magst?«

»Nein.«

Julius rät weiter. »Weil du Töten hasst und niemals kleine Teenager umbringen würdest?«

»Oh nein Julius. Zu viele Zeugen.«

Meint er das jetzt ernst oder ist er nur wütend? Schwierig zu sagen, Tibor ist fast rund um die Uhr wütend.

»Ich bin euch sehr dankbar, dass ihr mich nicht im Gefängnis gelassen habt und ich möchte mich wirklich nicht beschweren, aber muss das sein?«

»Warte mal. Hast du dich gerade bedankt? Ich meine so richtig bedankt? Delilah, ich hoffe wir haben das auf Band.«

Das kommt auch selten vor. Tibor bedankt sich. Eine Sensation!

»Trotzdem: Ich würde lieber Waffen an mir testen lassen anstatt auf einen Teenager aufzupassen.«

»Tja, Scarlett möchte dich nicht immer zusammenflicken lassen. Außerdem: Du kennst sie doch kaum, so schlimm ist sie bestimmt auch nicht.«

»Das hat unsere Mutter von meiner früheren Zahnärztin auch behauptet und sie wollte mir als Kind drei gesunde Zähne ziehen.«

Julius muss daran denken, wie ihre Mutter ihn als kleinen Jungen riet, Zahnarzt zu werden, aber diesen Gedanken vertreibt er lieber wieder aus seinem Kopf. Und das jetzt vor Tibor zu erwhnen ist sicher auch keine tolle Idee.

»Wie auch immer. Also Dominique sollte getötet werden, sie befand sich aber um zwei Uhr nachts nicht im Haus. Die Frage ist: Wer war das?«

»Das könnte jeder aus dem Projekt gewesen sein, aber Mord mit anschließender Brandstiftung ist das Markenzeichen von Giulia und Montinguez.«

Delilah überlegt. »Irgendwie kommt mir Montinguez bekannt vor.«

»Kein Wunder, er war damals der stellvertretene Leiter vom Projekt und ein hohes Tier beim Globalen Nachrichtendienst. Giulia war im gleichen Jahrgang wie ich damals. Wir mochten uns damals schon nicht und jetzt neigt sie dazu, alles und jeden zu erschießen.«

»Waren sie es auch, die dich in der Zelle angegriffen haben?«

Tibor schüttelt den Kopf.»Nein. Giulia eignet sich als Agentin genauso wie ich mich für Kochen und Stricken, aber eins muss man ihr lassen: So wie sie schießt keine Zweite. Hätte sie auf mich geschossen, könntet ihr mich jetzt in der Leichenhalle besuchen. Die Angreifer und ihre Komplizen kenne ich nicht.«

Delilah tippt auf ihren Kommunikator.

»Dann sollten wir schnell herausfinden, wer das war. Aber wir sollen jetzt nach oben, Zoe und die anderen sind wieder da. Außerdem sollten wir Dominique nicht zu lange alleine lassen.«