(Disclaimer und Beta: siehe Anfang)
9.
Gerade war Harry klar geworden, dass er hier mit einem Todesser sprach. Einem Anhänger Voldemorts. Selbst wenn Malfoy jetzt vielleicht nicht mehr so begeistert von seinem Herrn war, nachdem dieser ihn seinem Todfeind als Spielzeug überantwortet hatte, konnte Harry doch nicht darauf vertrauen, dass Malfoy seine Pläne nicht bei der nächsten Gelegenheit an den Dunklen Lord verriet.
Warum hatte er nur diese Unterhaltung angefangen?
Weil er eine Erklärung verdient hat, antwortete sein Unterbewusstsein wie aus der Pistole geschossen. Harry seufzte.
Eineinhalb Jahre in Azkaban, verlassen und verraten von jedem, den er jemals gekannt hatte - und noch immer hinderte ihn diese unverbesserliche Gryffindor-Tugendhaftigkeit daran, seine eigene Sicherheit an erster Stelle zu halten. Wann würde er endlich aufhören, Leuten blind zu vertrauen? Er sollte es wirklich besser wissen.
Unbewusst verzog sich sein Gesicht zu einer verbitterten Grimasse.
"V- Voldemort ist nicht mein Herr." Überrascht konzentrierte er sich wieder auf den Malfoyerben.
"Bitte?"
"Ich sagte: Voldemort ist nicht mein Herr. Ich habe nie sein Zeichen erhalten."
"Nicht? Ich dachte, du wärest bestimmt gleich nach der Schule in seinen Dienst getreten."
"Nein. Ich kam nie dazu... Du wurdest verhaftet", sagte er, als ob das alles erklärte.
"Ja, und?", fragte Harry, der sich ein bisschen verloren vorkam. Was hatte denn das Eine mit dem Anderen zu tun?
"Naja... nur eine Woche später starb mein Vater; dann meine Mutter. Ich begann, Vaters Position noch mal gründlich zu überdenken. Es war offensichtlich, dass beide von Todesserhand gestorben waren. Da es so deutlich zu erkennen war, musste Voldemort es erlaubt haben. Kein Todesser würde einen anderen ohne Erlaubnis umbringen. Jedenfalls nicht, ohne seine Spuren gut zu verdecken.
Aber meine Eltern wurden so offensichtlich ermordet, dass ich vermuten musste, dass Voldemort es angeordnet hat. Ich begann, nach Indizien zu suchen, welchen Grund er gehabt haben konnte.
Schließlich fand ich Mutters Tagebuch. Es war gut versteckt; ich bin sicher, Vater wusste nichts davon. Er hätte es nicht gut geheißen. Private Informationen sollte man nie in einer Weise festhalten, die es einem Anderen erlaubt, sie einzusehen...
Doch Mutter hatte ein Tagebuch geführt und ich war sehr froh darüber. Es öffnete mir die Augen und rettete mir das Leben- auch wenn das Vergnügen von kurzer Dauer war."
Er warf einen ängstlichen Blick auf die Schlafzimmertüre und schluckte, bevor er fortfuhr. Harry zuckte bei dem Anblick schuldbewusst zusammen.
"Was stand in dem Tagebuch?", wagte er schließlich zu fragen.
Draco sah ihn ernst an. "Es scheint, dass mein Vater seit Voldemorts Rückkehr nicht mehr der brave Todesser von früher war. Er hatte, wenn meine Mutter ihn nicht missverstanden hat, das ruhige Leben ohne seinen früheren Herrn genossen. Als Voldemort vor drei Jahren unerwartet wieder auftauchte, hatte er keine andere Wahl, als zu ihm zurückzukehren. Das Mal machte alles Andere unmöglich.
Doch er tat es nicht gern.
Ich hatte immer gedacht, dass ich später einmal wie mein Vater stolz für die Anerkennung der Überlegenheit von Reinblütern einstehen würde. Dass mein Vater Voldemort als Anführer nicht mehr respektierte, hat er mir nie gesagt.
Wenn ich jetzt an all den Reinblüter- Schwachsinn denke, mit dem ich in der Schule um mich geworfen habe, wird mir ganz anders...
In Mutters Tagebuch las ich, dass Voldemort früher anders war. Er verfolgte seine Ziele genauso kaltblütig und rücksichtslos wie heute, doch er hatte dabei noch Ideale. Nach seiner Rückkehr war es anders. Er folterte und mordete wahllos jeden, der ihm in den Weg kam, Anhänger und Feinde gleichermaßen. Es war die Hölle für all seine Untergebenen, doch nur Verrückte wie Bella waren ihm noch treu ergeben wie früher. Die meisten sind nur noch hier, weil sie sich Vorteile davon versprechen, auf der Gewinnerseite zu stehen. Mit Idealen hat das alles nichts mehr zu tun.
Mutter schrieb nie genau, was passiert ist; doch aus ihren Sorgen und immer fahriger werdenden Einträgen schloss ich, dass Vater begonnen hatte, im Ministerium gegen Voldemort zu arbeiten. Seit der Rückkehr des Lords hat er, ohne Wissen des Phönixordens oder der Todesser, immer wieder seine Hand in der Vereitelung von Voldemorts Plänen gehabt- immer auf der Hut vor beiden Seiten.
Ich weiß nicht, wodurch er sich schließlich verraten hat, doch seine Entdeckung scheint mir der einzige wahrscheinliche Grund dafür zu sein, dass man ihn ...beseitigt hat.
Ich vermute, ich wurde nur am Leben gelassen, da Crabbe und Goyle bestätigen konnten, dass ich ein eifriger Verfechter der schwarzen Magie und der Reinblüter-Überlegenheit war.
Erst, als ich Mutters Beobachtungen und Gedanken las, wurde mir klar, wie Recht du vor all den Jahren hattest, als du Weasleys Freundschaft der meinigen vorgezogen hast.
Meine Eltern waren einem Wahnsinnigen gefolgt und hatten ihre Dummheit mit dem Leben bezahlt. Ich war dabei, denselben Fehler zu machen.
Die Erkenntnis bekam mir nicht sehr gut.
Wo ich eine Woche zuvor noch vor Schadenfreude geglüht hatte, dass man dich unschuldig ins Gefängnis gesteckt hatte, da war ich nun auf einmal gar nicht mehr fröhlich.
Wenn ich mich Voldemort nicht anschloss, war mein Leben in Gefahr. Es wurde schließlich von mir erwartet. Aber wie könnte ich mich einem Wahnsinnigen anschließen, der noch dazu meine Eltern auf dem Gewissen hatte?
Mir wurde klar, dass mein Leben nur dann in Sicherheit war, wenn Voldemort besiegt wurde.
Von dir.
Ich wusste bis heute nicht, dass es eine Prophezeiung gegeben hat; doch schon vorher war klar, dass Dumbledore aus irgendeinem Grund all seine Hoffnungen in dich setzte. Die ganze Zaubererwelt schien überzeugt zu sein, dass du sie wieder retten würdest. Ich wusste nicht recht, was ich davon halten sollte; doch ich wusste, dass du stärker warst als jeder andere Zauberer unseres Alters. Wenn jemand Dumbledores Macht übertreffen konnte, dann du. Voldemort mag den Schulleiter fürchten; doch nur ein noch stärkerer Zauberer kann ihn tatsächlich besiegen.
Du."
"Mit der 'Macht, die Voldemort nicht kennt', vielleicht?", fragte Harry zynisch.
"Was?"
"Das ist es, was die Prophezeiung besagt: Dass ich irgendeine Macht habe, die Voldemort nicht kennt... Und dass ich ihn nur dadurch besiegen kann. Ist mir immer schleierhaft gewesen, was das für eine Macht sein soll. Alle bemerkenswerten Talente, die ich habe, bekam ich als Einjähriger von Voldemort, als er mich killen wollte."
Er lachte humorlos. "Wenn meine Macht von ihm ist, wie kann ich dann etwas haben, das er nicht kennt? Ich kann nichts, das er nicht besser könnte."
"Du kannst fliegen."
"Oh, toll! Das wird mir bestimmt helfen."
"Was denn, Potter? Selbstmitleid?"
"Ha! Als wäre ich so erbärmlich wie du!"
Die beiden starrten sich über den Tisch hinweg an. Ein Funken ihrer alten Rivalität blitzte zwischen ihnen auf.
Die Spannung hielt nur einige Augenblicke lang an. Dann merkten beide gleichzeitig, was sie da taten, und senkten den Blick, plötzlich verlegen.
"Entschuldige-"
"Ich hätte nicht-"
Harry blinzelte ein paar Mal. Malfoy sah genauso verlegen aus wie er. Warum? Malfoy hatte doch jedes Recht dazu, ihn immer noch anzugiften wie früher- nein, mehr sogar. Er selbst dagegen... Nicht nur, dass er Malfoy heute soviel Schlimmes angetan hatte; nein, wenn es stimmte, was der Slytherin ihm da erzählte, dann hatte er ihn auch noch vollkommen falsch eingeschätzt. Malfoy war kein Todesser geworden, sondern hatte... gehofft, dass Harry gewann?
"Du wolltest allen Ernstes, dass ich gegen Voldemort gewinne?"
"Ja."
"Du hasst mich doch?"
"Pfh... schon lange nicht mehr. Aber das hatte anfangs nichts damit zu tun. Ich wollte nur, dass Voldemort besiegt wird. Von wem, wäre mir egal gewesen. Aber so wie es aussah, war ich dabei auf den Jungen-der- Lebte angewiesen. Dumm war nur, dass ich das erst verstand, nachdem du verurteilt worden warst."
Düster sahen die beiden einander in die Augen.
"Meine Mutter hat alles in ihrer Macht Stehende getan, um dich aus Azkaban draußen zu halten. Doch mit dem Orden, dem Ministerium und Voldemort, samt ihrer jeweiligen Lobbyisten und Spione, geschlossen gegen dich, hatte sie alleine keine Chance. Sie war nicht wie Vater. Jetzt, wo ich darüber nachdenke, sind ihre Bemühungen während deines Prozesses vermutlich der Grund dafür, dass meine Eltern aufgeflogen sind..."
Beide Jungen sahen ein wenig befangen zu Boden.
"Hm. Nachdem ich mit meinen Überlegungen so weit gekommen war, begann ich, den Tod deiner Verwandten, deinen Prozess, die Zeugen und deine Aussage auf eigene Faust auseinander zu nehmen. Ich erfuhr in diesen Wochen mehr über dich, als ich jemals hatte wissen wollen.
Ich lieh mir Vaters Unsichtbarkeitsumhang- er würde ihn ja nicht mehr brauchen- und bespitzelte deine Freunde. Ich habe eine ganze Woche im Umfeld der Wiesel verbracht, um mehr über dich zu lernen."
Er zog eine abschätzige Grimasse. Harry war beinahe froh, es zu sehen. Das war schon eher der Malfoy, den er kannte.
"Ich habe sogar das Schlamm- Verzeihung, Granger ausspioniert, um herauszufinden, wie deine Freunde über dich dachten.
Ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass du tatsächlich jemanden umgebracht hattest. Nicht du. Du warst immer viel zu Gryffindor-isch. Und ich war mir sicher, dass deine Freunde das auch wussten. Ich hoffte, dass Granger schon einen Plan hatte, um dich zu befreien.
Zu meinem großen Bedauern musste ich feststellen, dass sie zwar zu Anfang Zweifel gehegt, nach deiner Aussage aber die Hoffnung aufgegeben hatten. Sie sind schwach, deine Freunde."
"Denkst du, das weiß ich nicht?", knirschte Harry. Er biss die Zähne zusammen, um nicht erneut vor Zorn über die Ungerechtigkeit des Lebens zu schreien. Das hatte er in Azkaban zur Genüge getan.
"Ich habe ihnen vertraut. Ich wäre für sie gestorben, verdammt! Und sie lassen mich fallen... nur wegen ein paar Tropfen Arsendictum!"
Überrascht setzte sich Draco etwas aufrechter hin. "Arsendictum?"
"Ja, das hatten sie mir vor meiner Aussage gegeben. Ich nehme an, du hast davon gehört?"
"Das schon... aber wie weißt du davon? Ich bin mir sicher, dass es in Zaubertränke nicht auf dem Lehrplan stand- nicht, dass das etwas geändert hätte."
"Danke, ich weiß selbst, dass ich von Tränke keine Ahnung habe." Harry verzog das Gesicht. "Hmmm... Weißt du, Fawkes hat mich in Azkaban besucht. Bis vor etwa einer Woche dachte ich, dass er es ernsthaft gut mit mir meint. Ich lernte, mit ihm zu kommunizieren... Er brachte mir einige Bücher aus Hogwarts. So erfuhr ich von dem Gift... Er leistete mir Gesellschaft... Ich dachte, er war der einzige Freund, den ich noch hatte..."
Malfoy sah ihn erwartungsvoll an. "Und?"
"Was wohl? Er hat mich verraten, wie alle anderen. Er war nur da, um an Informationen über Voldemort ranzukommen. Ich bekomme durch meine Narbe so Manches mit. Das habe ich ihm erzählt. Aber schließlich war meine Nützlichkeit wohl auch abgelaufen."
Dumpfes Schweigen erfüllte den Raum.
"Ich habe keine Freunde. Jeder, dem ich je vertraut habe, hat mich verraten. Manchmal denke ich, ich sollte es einfach lassen. Aber... nicht, bevor Voldemort bezahlt hat!"
Der harte Tonfall war zurück, ebenso wie der eisige Blick in seinen Augen. Doch Harry wusste nichts davon, wie er aussah. Er war zu tief in seine Gedanken versunken.
"Also... wirst du dich an Voldemort rächen. Und dann?", fragte Malfoy vorsichtig.
"Und dann... werde ich mich endlich vom Acker machen, denke ich. Warum?"
"Nun, ich..." Verlegen brach der Blonde ab.
Harry sah ihn erstaunt an. Welchen Unterschied machte es für Malfoy, ob er lebte oder starb? Wenn Voldemort besiegt wäre, wäre doch auch Malfoy wieder frei.
Frei.
Verstört bemerkte Harry, dass das Gespräch sich so extrem in eine andere Richtung entwickelt hatte, dass er das anfängliche Missverständnis noch immer nicht aufgeklärt hatte.
"Malfoy?"
"Ja?"
Harry war erleichtert, dass Malfoy ihm ohne zu zögern antwortete. Vielleicht war die ganze Off-Topic-Diskussion ja doch zu etwas gut gewesen.
"Wegen vorhin..." Wie sollte er das jetzt sagen? Weißt du, ich wollte dich nicht vergewaltigen? Ich habe nur mit dir gespielt? Wohl kaum.
Bei seinen Worten war alle Farbe aus Malfoys Gesicht gewichen und er war im Stuhl zusammen gesackt.
"...Ja?", hauchte er, jetzt wieder ganz leise und zögerlich.
"Ich... das alles war..." Wieder brach Harry ab.
Malfoy richtete sich auf, als habe er einen Entschluss getroffen. Harry sah ihm an, dass er mühsam versuchte, ruhig auszusehen, als er mit leicht zittriger Stimme zu sprechen begann.
"Ich war ein Arschloch dir gegenüber. Du hast jedes Recht, wütend auf mich zu sein. Wenn... wenn es dir hilft... Wenn du meinst, dass es nötig ist, dass... dass du das mit mir machst, ... dann- dann... also, dann ist das wohl okay, ich meine, ... dann werde ich..." Die Worte starben auf seinen Lippen, als die mühsam zusammengekratzte Beherrschung zerbrach. Nackte Angst schien aus seinen Augen.
Harry versetzte es einen Stich.
"Ich wollte das nicht, Malfoy. Ich hoffe, dass ich nie in eine Situation komme, in der ich das tun muss, wovon ich vorhin gesprochen habe- mit dir oder sonst irgendwem. Ich ... Es waren Spionzauber auf diesen Zimmern, Malfoy. Wenn ich in Zukunft in unseren Räumen ungestört sein will, dann musste ich Voldemort überzeugen, dass ich tatsächlich der böse Todesser bin, den er haben möchte. Erst mit meinem Silencium habe ich die Lauschzauber gekappt. Ich hoffe, er hat mir abgekauft, dass ich das unabsichtlich getan habe.
Ich würde dir nie freiwillig etwas antun, Malfoy. Dir nicht und auch sonst niemandem.
Es tut mir weh, zu sehen, dass du vor mir Angst hast. Bitte. Bitte, glaub mir. Ich würde das nie tun..."
Er brach ab und sah den anderen aus traurigen, feuchten Augen an.
"Du meinst...", begann Draco nervös. Seine Zunge schoss hervor und befeuchtete seine vor Angst ausgetrockneten Lippen. "Du meinst, das war alles nur Theater? Du... du hast nicht vor, mit mir"- er schluckte hörbar- " zu schlafen?"
Harry sah ihn entsetzt an. "Nein! Ganz sicher nicht."
Verwirrt sah Harry, wie nach seinen Worten verschiedene Emotionen in wildem Wechsel über Malfoys Gesicht flackerten. Erleichterung war deutlich, aber auch etwas Anderes. Enttäuschung?
Nein, das ergab keinen Sinn. Harry öffnete gerade den Mund, um zu fragen, was los war, da hörte er, wie Malfoy wie zu sich selbst flüsterte: "Vermutlich bist du nicht mal an Männern interessiert..."
Harry klappte den Mund erstaunt wieder zu. Wie konnte Malfoy sich in diesem Moment über so etwas Gedanken machen? War es denn wichtig, welche Neigungen er hatte? Es reichte doch bestimmt, dass er gesagt hatte, dass er Malfoy nicht belästigen würde- oder? Welches Interesse konnte Draco Malfoy daran haben, ob Harry schwul war oder hetero?
Bei näherer Überlegung musste Harry sich eingestehen, dass er das selbst nicht so genau wusste. Nach dem langen und schrecklichen Tag schweiften seine Gedanken jetzt ungezügelt ab. Er saß stumm da und dachte an Belanglosigkeiten.
Das war diese Sache mit Cho gewesen... Aber diese Episode hatte er schon lange in eine Schublade mit der Aufschrift 'Totaler Fehlschlag' tief in den Windungen seines Hirns begraben. Dann war da Ginny... aber die war eigentlich noch zu jung, als dass er sie sich in einem sexuellen Rahmen vorstellen mochte, auch wenn er sie vor Azkaban gemocht hatte. Dieses 'Mögen' hatte aber auch immer etwas von geschwisterlicher Zuneigung gehabt; damals, als Ron wie ein Bruder für ihn gewesen war.
Er seufzte gequält.
Es war nicht so, als hätte er viel Zeit in seinem Leben gehabt, um sich mit der Frage seiner Sexualität auseinander zu setzen. In Azkaban schließlich war ihm jeder Gedanke daran vollends vergangen.
"Keine Ahnung..."
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Draco sah Harry erstaunt an. Er hatte nicht wirklich eine Antwort auf seine Frage erwartet. Es war ihm ja nicht einmal bewusst gewesen, dass er sie laut ausgesprochen hatte.
"Keine Ahnung? Du musst doch wissen, ob du auf Männer oder auf Frauen stehst?"
Er hasste sich für den hoffnungsvollen Ton seiner eigenen Stimme. Harry hatte klar und deutlich gesagt, dass er keinerlei Ambitionen hatte, was Sex mit Draco Malfoy anging. Also sollte er sich jetzt besser zusammennehmen und sich nicht noch weiter blamieren.
Immerhin würde Harry ihn wie es aussah nicht vergewaltigen. Dafür konnte er dankbar sein.
Andererseits... wenn das hieß, dass Harry ihn gar nie anrühren würde...
Stop! Solche Gedanken kann ich jetzt wirklich nicht brauchen. Konzentriere dich, Draco!
"...denn?" Da hatte er den Salat. Harry hatte ihn etwas gefragt und er hatte es voll verpeilt. Glanzleistung, Malfoy. Hundert Punkte für Slytherin.
"Entschuldige, was hast du gesagt?"
"Ich habe gefragt: auf was stehst du denn?"
"Auf di- auf, also, äh"- Das konnte er Harry doch jetzt nicht sagen! Der Gryffindor würde bestimmt nicht mit ihm in einer Wohnung schlafen wollen, wenn er wüsste, dass...
In einer Wohnung.
Warum hatte Potter ihn denn nun eigentlich als Eigentum gefordert?
"Äh, Potter, sag mal: Wie kommt es eigentlich, dass ich dein Eigentum bin, wenn du gar nichts von mir willst?"
Harry lief vor Verlegenheit rot an. Draco hatte Mühe ihn zu verstehen, als er leise in sich hinein nuschelte: "Ich hatte keine Ahnung, was das bedeutete! Ich wusste nur, dass ich dich verletzt hatte und sich keiner um dich kümmern würde. Ich wusste nicht, warum Voldemort einfach so einen seiner Todesser hergegeben hat, aber ich hatte das Gefühl, dass du draufgehen könntest, wenn ich mich nicht selbst um dich kümmerte. Dass ich das erst getan habe, nachdem ich dir einen Schock fürs Leben verpasst habe, tut mir leid. Ich weiß nicht, wie ich das je wieder gut machen soll...
Also, sobald Voldemort besiegt ist, bist du frei, okay? Dann bist du mich los.
...Weißt du, die ganze Frage danach, auf wen oder was ich stehe, ist ziemlich müßig. Ich lebe noch so lange, wie ich muss, aber dann mach' ich einen Abgang. Mich hält hier nichts... Also sind die Chancen ziemlich gering, dass ich in diesem Leben noch herausfinde, was Liebe ist, oder?"
Draco hasste den bitteren Ausdruck auf Harrys Gesicht. Er konnte dem Gryffindor nicht sagen, dass... Aber er konnte ihn zumindest wissen lassen, dass er Unrecht hatte. Nicht alle Wesen dieser Welt hatten ihn im Stich gelassen.
"Ha- Potter! Hör auf, so zu reden!" Das tut mir weh.
"Dein Leben muss doch nicht enden, wenn Voldemort stirbt. Das ist Unsinn! Es gibt so vieles, wofür es sich zu leben lohnt. Deine Freunde haben dich im Stich gelassen?
Das waren stumpfsinnige Gryffindors, Harry!" Nicht so wie ich.
Diesmal konnte er den Ausrutscher nicht mehr vermeiden. Er hatte in den vergangenen vierzehn Monaten so oft an 'Harry' gedacht, dass er Probleme hatte, wie früher den Nachnamen zu benutzen.
Harry war es nicht entgangen. Sein Gesicht war eine Studie in Verwirrung, die Draco zu einem anderen Zeitpunkt vielleicht amüsant gefunden hätte.
"Nicht alle haben dich im Stich gelassen, Harry. Und diejenigen, die es nicht getan haben, wären verdammt enttäuscht von dir, wenn du dich einfach so aus dem Leben schleichen würdest!"
"Nicht alle...?", fragte Harry misstrauisch. "Kann nicht sein. Die ganze WELT hasst mich."
"Harry, hast du dir mal Gedanken darüber gemacht, warum ich in Azkaban saß?"
Er konnte an Harrys Gesicht sehen, dass der Gedanke ihm noch nicht gekommen war. Gryffindor.
"Ich bin eingelocht worden, weil ich mich für dich eingesetzt habe."
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So, jetzt ist es raus. -g-
Danke TC, Olaf, coco und Virginia für eure reviews!!!
TC: Wow, danke! -mampf, mampf- Genau das Richtige! -mit vollen Backen anstrahl-
Olaf: Aber klar. -g-
coco: Danke. -umarm- Ich weiß, dass viele diese Sache mit der ausgeschlagenen Freundschaft wieder hochbringen; warum auch nicht. Aber ich denke, beide haben gerade anderes im Sinn als den Beginn ihrer Feindschaft. Tatsächlich denke ich, im Moment sind sie viel zu verwirrt und mit der momentanen Situation überfordert, um bis an den Anfang der Kette von Ereignissen zurückzudenken, die in dieser Situation geendet hat. c - können wir das nicht bis ins hohe Alter komplett anschaffen? Es gibt noch viel zu viel zu lesen. -g-
Virginia: Danke: )
