Ein unangenehmer Geburtstag
Die wolfsgrauen Augen, die ihm aus dem Badezimmerspiegel entgegen starrten, wirkten trotz der ausgiebigen Dusche immer noch recht verschlafen. Scorpius murrte, er wollte perfekt aussehen und Ringe unter den Augen, konnte er nicht gebrauchen. Er griff sich einen kleinen Tiegel aus seiner Badetasche und entnahm ihm, mit seinem kleinen Finger, eine wohl duftende Creme. Vorsichtig rieb er die Haut unter den Augen damit ein und widmete sich danach seinem Haar. Er bürstete es eine Zeit lang, bis es anfing zu glänzen. Einem etwas größeren Tiegel entnahm er Gel. Gleichmäßig verrieb Scorpius die nach Apfelblüten, Sandelholz und Bienenwachs duftende Paste in seinen Händen und trug sie auf die platinblonden Strähnen auf. Normalerweise reichten ihm seine Haarspitzen bis zum Kinn, doch er gelte sie sich immer streng nach hinten. Nach einiger Zeit war der Junge zufrieden und besah sich seine Augenpartie näher. Die Creme tat ihre Wirkung und hatte die dunkle Färbung verschwinden lassen. Nun war seine Haut wieder bleich wie Marmor, bis auf die blassrosa Lippen. Zuletzt wandte sich Scorpius einer länglichen, kleinen Flasche zu. Er öffnete sie und träufelte mit einer Pipette ein wenig Rosenwasser in seine Augen. Dies sollte sie klar machen und ihnen einen funkelnden Glanz verleihen. Dann warf Scorpius einen abschließenden Blick in den Spiegel. Er bemerkte eine Bewegung hinter seinem Rücken und sah Nicola Zabini vergnügt, mit verschränkten Armen am Türrahmen lehnen.
„Also ehrlich Scorpius, du bist der einzige Junge den ich kenne, der länger für sein Morgenbad braucht, als meine Mutter!"
„Sehr amüsant, Zabini!"
„Nein, ehrlich!" Er stieß sich am Türrahmen ab und trat zu Scorpius neben den Spiegel. Nicola nahm sich den Topf mit Haargel und studierte die Banderole. „Myrna Pimpernell's Gentlemans Gel. Verleiht ihren Locken ein strahlenden Glanz und angenehmen Duft!" Seine Augenbraue wölbte sich und er besah sich die restlichen Tiegel. „Gesichtscreme, die aussieht wie selbst gemacht, wahrscheinlich ein Rezept deiner Mutter, Rosenwasser... Merlin, ich denke du hast sogar mehr Kosmetika in deiner Tasche als meine Mutter." Scorpius entriss ihm die Flasche und stopfte sie wieder in seinen Kulturbeutel. Er bemerkte wie Zabini ihn von der Seite musterte und knurrte ihn an. „WAS?"
Der Dunkelhäutige zuckte mit den Schultern. „Ich frage mich, wozu?"
Die schwarzen Brauen des Blonden zogen sich zusammen und mit gefährlich ruhiger Stimme fragte er Nicola. „Wie sehe ich aus?"
„Ähem, perfekt?"
„Eben!"
Damit verließ Scorpius das Bad um sich fertig anzukleiden. Einige Stockwerke höher im siebten Stock, stand ein nicht minder verschlafener Albus unter der Dusche und... schnarchte. Ein Stoß in die Seite ließ ihn aufschrecken und Berthram schaute ihn kopfschüttelnd an.
„He, Al, wenn du weiter da rum stehst, wachsen dir noch Schwimmhäute! Also wirklich, du bist der Einzige den ich kenne, der selbst unter der Dusche einpennt."
„Ich hatte noch bis spät Nachts an der blöden Tabelle für Briddles gesessen."
„Nanu, wollte dir Scorpius nicht helfen?"
„Doch, schon, aber ich wollte meine Hausarbeit nicht gleich nach Unterrichtsschluss beginnen. Da ist er eingeschnappt und hat mich stehen lassen."
„Tja, er ist halt konsequent."
Albus stellte das Wasser ab und schnappte sich ein Badetuch. „Er ist ein Dickkopf!"
„Ha! Sein Sturkopf ist wohl kaum dicker als deiner."
„Sehr witzig!"
Er schlüpfte in seine Shorts und ging sich die Zähne putzen. Nachdem Albus sich die Haare getrocknet hatte schaute er zu Berthram. „Kann ich mal dein Gel probieren?"
„Klar!" Er warf Albus die Tube zu und grinste. „Ich glaub aber kaum, dass es Erfolg haben wird."
Albus seufzte, gab aber die Hoffnung nicht auf. Er klatschte sich das Gel aufs Haar und versuchte seine störrischen Strähnen zu bändigen. Nach einigem Hin und Her schaute er Berthram an.
„Ich weiß nicht Al, das sieht aus als ob du nen schwarzen Helm aufhast."
Betrübt nickte der Schwarzhaarige und schaute zu, wie sich eine Strähne, nach der anderen, wieder aufstellte. Resignierend hielt er den Kopf unter den Wasserhahn und spülte das Gel wieder aus. Er gab die Tube zurück und trocknete sich die Haare.
„Ich geb's auf! Die machen ja doch was sie wollen!"
Einige Zeit später war er voll angekleidet und auf dem Weg nach unten. In den Kerkern war Scorpius ebenfalls fertig eingekleidet. Er kam gerade in den Gemeinschaftsraum der Slytherin, als Myriel und Nicola von ihren Sesseln aufsprangen.
„Oh, bereit fürs Frühstück, Scorpius?"
„Habt ihr etwa auf mich gewartet?"
„Ja, lass uns gehen!"
Die drei zogen los und traten aus dem Zugang, der von dem Gemälde der Hexe in elisabethanischer Tracht bewacht wurde. Völlig überrascht starrte Scorpius Albus an, der auf der anderen Seite bereits auf ihn wartete. Der Gryffindor schaute zu den anderen beiden Slytherin.
„Seid ihr bereit?"
Scorpius schaute von einem zum anderen. „Bereit wofür?"
Albus zählte bis drei und sie begannen ein Lied anzustimmen. „Zum Geburtstag viel Glück, zum Geburtstag viel Glück..."
Murrend ließ der Blonde die Schultern hängen. „Ich hasse euch alle drei!"
Er wurde umarmt, und schließlich bedankte er sich aber dennoch brummend bei seinen Freunden. Einen Moment dachte Scorpius darüber nach Albus eine Kopfnuss zu verpassen, doch dann ließ er es sein. Der Schwarzhaarige grinste ihn an.
„He, ich hab dir doch gesagt, ich vergesse deinen Geburtstag nicht."
„Hast du die Tabelle fertig?"
„Ja!"
„Wenigstens etwas."
„Schaust du nachher einmal drüber, ob alles richtig ist?"
„Meinetwegen."
Zabini fing an zu drängeln. „Kommt schon, ich hab Hunger!"
Sie liefen die schmale Treppe hoch, kreuzten die Eingangshalle und betraten die Große Halle. Der Duft von frischem Tee, Kaffee, Pfannkuchen und leckerem Speck stieg ihnen in die Nase und sie freuten sich schon richtig auf ihr Frühstück.
Albus folgte Scorpius, doch bevor sie den Slytherin-Tisch erreichten, wurden sie von Fenton und Nott zur Seite genommen. Theodore sah ein wenig unwohl aus, er sprach die beiden jüngeren Magier an.
„Hört mal, eigentlich ist es uns egal," er wies auf Sylvana und sich. „aber es geht darum, dass ihr während der Mahlzeiten teilweise an anderen Haustischen sitzt. Nun, es hat sich jemand beschwert."
Scorpius hatte da so eine Vorahnung. „Wer?"
Theodore wollte sich nicht weiter dazu äußern, doch Sylvana fiel ihm ins Wort. „Parkinson, wer sonst!" Sie warf Albus einen Blick zu. „Ich habe ihm gesagt, er solle sich gefälligst nicht so haben, doch dann ist er direkt zu Briddles gelaufen." Entschuldigend zuckte sie mit den Schultern. „Sorry!"
Albus war wütend, er wandte sich an Theodore. „Kann ich das Haus noch wechseln?"
Tröstend legte ihm der Vertrauensschüler die Hand auf die Schulter. „Na, na. Wenn die Mahlzeiten vorüber sind, oder am Nachmittag könnt ihr sitzen wo ihr wollt."
Mit hängenden Schultern nickte Albus. „Bis später Scorpius."
Dieser nickte ihm kurz zu und folgte den anderen zum Slytherin-Tisch. Im Gegensatz zu Albus, dem man seine Enttäuschung ansah, wirkte der Slytherin sehr gefasst. Er bemerkte den selbstgefälligen Blick von Dennis Parkinson und blieb kurz bei ihm stehen.
„Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen, Parkinson!"
„Oh, musst du jetzt auf deinen kleinen Gryffindork beim Essen etwa verzichten?"
Der Blonde kniff die Lippen zusammen und setzte sich auf seinen Platz. Parkinson schien etwas überrascht, dass Scorpius sich so ohne weiteres zurückgezogen hatte. Amüsiert sah er sich bei seinen Freunden um und äffte Malfoy nach. Die anderen lachten lauthals und der mopsgesichtige Junge schien sehr mit sich zufrieden. Bei den Gryffindor saß Albus betrübt über seinem Tee, Hunger hatte er keinen mehr. James sah seinen Bruder an und seufzte.
„He, nimms doch nicht so schwer." Albus schnaufte abfällig und James schüttelte den Kopf. „Ich bin dein großer Bruder! Ich piesacke dich zwar gern, aber ich steh immer auf deiner Seite!"
„Sorry!"
Albus schaute ihn kleinlaut an und bekam von seinem Bruder einen Teller mit Toast zugeschoben. Der Ältere nickte auffordernd und Albus nahm sich die mit Butter und Honig bestrichene, geröstete Scheibe und biss hinein.
Eine Weile später entstand plötzlich am Slytherin-Tisch ein kleiner Tumult. Man konnte Parkinson quer durch die ganze Halle brüllen hören.
„DAS BÜßT DU, MALFOY!"
Alle reckten die Hälse um besser sehen zu können. Vereinzelt fingen die Schüler an zu Lachen und selbst einige Lehrer hatten ein Problem sich das Grinsen zu verkneifen. Parkinson und zwei seiner Kumpane standen vor Scorpius, der das Trio lässig ignorierte. Er nahm einen Schluck Tee während Parkinson weiter auf ihn einschrie.
„SCHAU MICH GEFÄLLIGST AN!"
Nur mit mäßigem Interesse, ließ der Blonde seinen Blick über die drei Gestalten schweifen und es sprach einmal mehr für seine Selbstbeherrschung, dass er keine Miene verzog. Parkinson hatte eine grüne Gesichtsfarbe, seine Haut war mit Furunkeln und Warzen überzogen. Aus dem Wust seiner mutierten Haare, die an faules Stroh erinnerten, schlängelten sich zwei Tentakel. Auch die beiden anderen Slytherin sahen schräg aus. Mordred Flint, der seine Verwandtschaft zu Trollen kaum verleugnen konnte, hatte eine beeindruckende blaue Gesichtsfarbe, er hatte zwar weniger Warzen im Gesicht, dafür aber Schuppen. Der dritte Junge heulte über seine knallrote Hautfarbe und versuchte die Tentakeln auf seinem Kopf zu bändigen.
Scorpius hob eine Augenbraue. „Wieso, du siehst doch aus wie immer! Ich weiß gar nicht was ihr habt. Wahrscheinlich war unter den Massen, die ihr in euch reingeschaufelt habt..." Er wandte sich seinen Fingernägeln zu. „... etwas gegen dass ihr allergisch seid!"
Die drei starrten ihn mit offenen Mündern an, während Professor Briddles in Begleitung von Sylvana Nott herbei eilte. Sie schob den, wie ein Rohrspatz schimpfenden Parkinson vor sich her aus der Großen Halle, um ihn und die anderen beiden zum Krankenflügel zu bringen. Scorpius erhob sich und schritt langsam zum Eingang. Interessiert schaute er Sylvana dabei zu, die Drei die Treppe hochzuscheuchen. Briddels stand ungehalten neben ihm und sah ihn an.
„Was haben Sie denen gegeben?"
Gelassen hob der Blonde eine Augenbraue. „Gar nichts! Bei den Massen die, die in sich reinstopfen wundert mich gar nichts mehr."
„Ach Mumpitz, da wird man höchstens fett, aber es wachsen einem keine Tentakel aus den Ohren."
Scorpius hob seine Arme. „Was ist schon normal?"
Wütend schaute sie ihn an, sie wusste, dass er irgendwas getan hatte, doch sie konnte es ihm nicht beweisen. Aber wenn sie heraus bekam, was, vor allem wie er es angestellt hatte, konnte sich Scorpius auf Strafarbeiten, für den Rest seiner Schulzeit gefasst machen. Er schaute ihr nach, wie sie die Treppe hoch lief, als sich Albus, James und die anderen um ihn scharten.
Albus schaute ihn von der Seite an. „Das werd ich mir merken, falls ich jemals wieder den Gedanken haben sollte, dich zu ärgern."
James klopfte dem Slytherin auf die Schulter. „Respekt, Malfoy! Das war ne reife Leistung!"
Lachend kam Fred jr. hinzu. „Tja, leg dich nie mit nem Malfoy an! Ich wette wenn du das Rezept an meinen Vater verkaufst, nimmt er es glatt ins Sortiment von ‚Weaslesys Zauberhafte Scherzartikel' auf."
Nicola grinste und schaute zu Scorpius. „Parkinson ist echt ein Arsch! Keiner bis auf seine Clique hatte was dagegen, wenn Albus an unserem Tisch saß."
Dem konnte Myriel nur zustimmen. „Stimmt! Und Briddles hat sich nur einspannen lassen, weil sie noch sauer auf euch, wegen dem Wettfliegen war."
„Jaah, das glaub ich gern. Aber das war ja nicht unsere Idee!" Albus hatte eine Sauwut auf Parkinson und stieß ein paar Verwünschungen aus. „... könnte ihn erwürgen! Wieso bist du eigentlich so ruhig?"
Scorpius sah ihn kurz an und zuckte mit den Schultern. „Er ist es nicht wert! Außerdem gönne ich ihm die Genugtuung nicht, mir eins Ausgewischt zu haben."
Er verabschiedete sich, da die Slytherin zum Kräuterkundeunterricht mussten. Doch Albus konnte, besser gesagt wollte sich nicht beruhigen und selbst der sterbenslangweilige Unterricht in Geschichte der Zauberei, konnte sein Mütchen nicht abkühlen. Die ganze Zeit saß er neben Rose und ging seiner Cousine mächtig auf die Nerven, da er immerzu vor sich hinbrummte. Als Albus sich dann später wieder mit Scorpius traf, sie hatten gemeinsam Zaubertränke, war der völlig überrascht, dass der Gryffindor immer noch am Schimpfen war.
„Mein Gott, Albus, jetzt bekomm dich langsam mal wieder ein!"
„Ich steck das halt nicht so gut weg wie du! Du... du verpasst ihm einfach kurz eine Abreibung und bist dann wieder die Ruhe selbst. So bin ich nun mal nicht..."
„Blah, blah, blah! Das ist halt deine Sache. Gib her!"
„Was?"
„Deine Tabelle! Ich wollte doch noch einmal einen Blick darüber werfen."
Maulend fügte sich Albus und legte Scorpius seine Arbeit vor. Der Blonde überfolg die Zeilen und nickte dann anerkennend.
„Sehr gut! Keine Fehler, du hast viel bei mir gelernt!"
Er grinste Albus an, der mit dem Kopf schüttelte. „Ein Glück, das du so bescheiden bist."
„Nicht wahr!"
Ein klein wenig war der Gryffindor aber doch stolz auf sich, denn so leicht war dem Slytherin kein Lob zu entlocken. Allerdings hätte er sich bei der Arbeit, die ihm das Erstellen der Tabelle gemacht hatte und die Tatsache, dass er bis mitten in der Nacht daran gesessen hat, gewünscht, dass Professor Briddles mehr für ihn übrig gehabt hätte, als nur ein kurzes Nicken.
Stunden später, als das Abendessen vorüber war, stieg ein besorgt aussehender Scorpius die Treppen zum siebten Stock hoch. Er war mehr als verwundert, dass er den Gryffindor nach dem Unterricht nicht mehr gesehen hatte. Scorpius betrat den Zugang zum siebenden Stock und stand letztendlich vor dem Gemälde der Fetten Dame. Sie beäugte ihn skeptisch.
„Jaah?"
„Ähem, ich weiß ohne Passwort komme ich hier nicht rein, aber..."
„Tut mir leid, Kleiner, aber ich brauche das Passwort!"
„Vielleicht können Sie mir sagen, ob es Albus Potter gut geht?"
„Was kümmert dich das?"
Scorpius streckte sich ein wenig. „Er ist mein Freund! Ich war auch schon öfters mit ihm im Gemeinschaftsraum der Gryffindor!"
„Ich weiß! Aber ohne..."
„Schon gut!"
Enttäuscht ließ der Slytherin die Schultern hängen, als plötzlich jemand neben ihn trat. „Na, willst du Albus besuchen?"
Neville Longbottom schaute auf ihn hinab und der Junge nickte. „Ja, bitte. Er war nicht beim Abendessen und ich wollte wissen ob es ihm gut geht."
Der Professor grinste. „Ooch, dem geht es gut, bis auf sein blaues Auge!"
„EIN BLAU... ein blaues Auge?"
„Äh, ja. Deshalb hat er Stubenarrest!"
„Weil er ein blaues Augen hat?"
„WAS?"
„Wieso?"
Der Slytherin rollte mit den Augen, irgendwie schien der Professor ein wenig den Faden verloren zu haben.
„Sie sagten sein blaues Auge wäre der Grund für seinen Stubenarrest."
„Oh!" Neville dachte kurz nach und schüttelte den Kopf. „Nein, nein. Er hat Stubenarrest, weil er sich geprügelt hat. Und weil er sich geprügelt hat, hat er ein blaues Auge. Klar?"
„Wie sieht der andere aus?"
„Der hat ein Veilchen. Ich glaube er hat auch eine gebrochene Nase, aber bei den Pusteln die er noch im Gesicht hatte lässt sich das schwer sagen."
Fassungslos starrte Scorpius den Hauslehrer Gryffindors an. „Er hat Parkinson verprügelt!" Er hob kurz die Arme und ließ sie wieder sinken. „Dabei hab ich ihm gesagt, er soll es gut sein lassen. Parkinson sei es nicht wert!"
„Na ja, Parkinson war selbst daran schuld. Aber das hast du nicht von mir!"
„Was ist passiert!"
„Parkinson hat unerlaubt den Krankenflügel verlassen. Er hatte Albus abgefangen und ihn provoziert. Irgendwas muss er gesagt haben, jedenfalls sprang Al auf ihn und verprügelte ihn."
„Darf ich zu Albus?"
Neville nickte und flüsterte der Fetten Lady das Passwort zu. Als Scorpius an ihm vorbei wollte hielt er ihn kurz zurück. „Eine Bitte..." Er holte seine Hand hinter dem Rücken hervor und hielt einen Teller unter Scorpius Nase. „Das wollte ich ihm vorbei bringen. Aber ich denke, er freut sich mehr darüber wenn du es ihm bringst, als wenn sein alter Professor es tut."
Scorpius besah sich das Essen. Eine Keule von einem gebratenen Hühnchen. Käse, Wurst, Tomaten und gebutterten Toast. Er fischte aus seiner Tasche ein kleines Päckchen. Es entpuppte sich als zwei Stück Schokoladenkuchen, den er in sein Taschentuch eingewickelt hatte um ihn Albus mitzubringen. Neville blinzelte ihm zufrieden zu.
„Fein, fein. Wie ich sehe ist er in den besten Händen!"
Ohne auf die Gryffindor zu achten, die ihn leicht verwundert anstarrten, ging Scorpius geradewegs die Treppen hoch, bis er zu den Schlafräumen der Jungs ankam. Er klopfte an die Tür, in denen die Schüler des ersten Jahrgangs ihre Betten hatten und wartete. Nach einem erneuten Klopfen trat er ein. Der Raum war leer, bis auf Albus, der mit dem Rücken zur Tür, auf seinem Bett saß und sein Gesicht in den Händen verbarg.
„Hau ab, James! Ich kann auf deine blöden Bemerkungen gut verzichten."
„Nun, ich bin nicht dein Bruder, aber... einen Anpfiff kannst du auch gerne von mir haben!"
„Scorpius!"
Albus starrte ihn an, bemerkte den Teller in Scorpius Händen und hob eine Augenbraue. „Für mich?"
„Nein, ich dachte mir, es wäre ganz nett mein Abendmahl einmal im Gryffindor-Turm einzunehmen."
„Ach du bist doof!"
Mit einem Grinsen setzte sich der Blonde neben ihn. Er drückte dem Gryffindor den Teller in die Hand und besah sich dessen blaues Auge. Beeindruckt stieß er einen Pfiff aus und sah dann Albus direkt an.
„Da hat Parkinson aber mächtig hingelangt!"
„Er hat mich voll erwischt. Aber ich hab mich revanchiert!"
„Idiot! Hab ich dir nicht gesagt du sollst dich nicht von ihm provozieren lassen!"
Traurig schaute Albus nach unten und nuschelte. „Ich bin halt ein Depp!"
Scorpius betrachtete sich seinen Freund eine Weile und fuhr ruhig fort. „Was ist passiert? Was hat er gesagt?"
„Nichts!"
„Ich kenn dich, Albus! Also erzähl schon."
Der Kleinere seufzte und erzählte ganz leise was sich ereignet hatte. „Ich war nach der letzten Stunde auf dem Weg hierher, ich wollte meine Schulsachen ablegen und mich kurz frisch machen vorm Abendessen. Da hat mir Parkinson im vierten Stock aufgelauert. Zuerst hab ich mich an dass, was du mir gesagt hast auch gehalten. Ich habe ihn einfach ignoriert." Albus zuckte mit seinen schmalen Schultern. „Er hat mich festgehalten, meine Eltern beleidigt, mich beleidigt... Ich hab nicht reagiert..."
„Und dann?"
Albus schwieg und schaute wieder auf seinen Teller. Scorpius dachte sich schon, dass da ein wenig mehr vorgefallen sein musste, um den Gryffindor aus der Reserve zu locken. Aber es würde keinen Zweck haben, Albus zu drängen, auch wenn der Slytherin sehr ungeduldig war. Albus würde reden wenn er soweit war.
„Na ja, er hat so Andeutungen gemacht."
„Was für Andeutungen?"
„Er... unsere Freundschaft... Er meinte, meine guten Noten in Zaubertränke hätte ich nur dir zu verdanken. Und ob ich deine Nachhilfestunden in Naturalien bezahlen würde."
Vorsichtig sah Albus Scorpius an. „Ich wusste nicht was er meint und als er merkte, warum ich nicht darauf reagiert habe..." Seine Wangen wurden scharlachrot, bis hinter die Ohren.
„... hat er es dir erklärt!" Albus nickte bejahend und Scorpius presste die Lippen zusammen, bis sie nur noch eine schmale Linie waren.
„Hat er sonst noch was gesagt?"
„Er hat mich gefragt ob du gut bist, wenn du es mir besorgst... auch dass musste er mir erst erklären und dann hab ich halt rot gesehen."
„Er hat Glück, dass er dich provoziert hat. Ich hätte ihn glatt über das Treppengeländer gehievt!"
Sie saßen still beieinander. Nach einer Weile schaute Albus den anderen aus den Augenwinkeln an.
„Scorpius?"
„Hmmh?"
„Unsere Freundschaft... ist nicht so, oder?"
Ein Lächeln huschte über Scorpius Gesicht. „Wir sind Freunde weil wir uns mögen und einander verstehen. Wir vertrauen uns und einer verlässt sich auf den anderen! Stimmt das?"
Albus nickte und Scorpius legte ihm den Arm um die Schulter.
„Siehst du, nur darauf kommt es an. Du bist mein Freund, ich möchte mit keinem anderen befreundet sein! Und jetzt iss auf!"
Erleichtert knabberte Albus an dem Hühnerflügel, nach einer Weile ergriff der Blonde wieder das Wort.
„Wie lange hast du Stubenarrest?"
„Eine Woche! Warum?"
„Ich fürchte, danach wirst du mir das Essen vorbeibringen müssen."
„Wieso dass denn?"
„Weil ich nächste Woche hingehe und Parkinson auch eins in seine dämliche Fresse verpasse!"
Sie lachten und Albus ließ mittels Vingardium Leviosa, zwei Becher und den Krug mit Kürbissaft herbeischweben. Er füllte die Becher, gab Scorpius einen davon und hielt dann seinen hoch, damit sie anstoßen konnten.
„Eigentlich hab ich mir den Abend ein wenig anders vorgestellt!"
„Was meinst du?"
„Alles Gute zum Geburtstag!"
„Oh, Danke!"
Tbc...
