Kapitel 9: Hemmungen und Selbstvorwürfe

Jude stand in Rose' Badezimmer und hatte die Salbe die ihr gegeben wurde aufgetragen. Es hatte einige Zeit gedauert um die andere Frau zu überzeugen, dass sie selbst in der Lage war sich zu verarzten. Sie schätze Rose Hilfsbereitschaft, doch sie war nicht gewillt, sich vor ihr zu entblößen. Egal ob sie eine Krankenschwester war oder nicht.

Mit müden Blick betrachtete Jude ihr Spiegelbild. Sie war tatsächlich leichenblass und hatte tiefe dunkle Ringe unter ihren Augen. Sie wusste, dass sie dringend schlafen musste und doch war ihr unwohl bei diesen Gedanken. Sie hatte Angst davor die Augen zu schließen und das Gesicht von Emerson zu sehen. Sie hatte Angst davor, dass er sie in ihren Träumen heimsuchen würde und sie hatte Angst davor, was nun geschehen würde. Würde er sie hier finden? Würden Arden oder Mary Eunice sie hier finden und ihr Werk vollenden? Es war nicht die Angst vor dem Tod, die Jude so erschreckte, sondern vor dem, was sie davor mit ihr tun würden…..und nicht nur mit ihr. Frank war völlig unschuldig in diese Geschichte mit reingezogen worden. Sie wusste, dass er beseitigt werden sollte, weil er ihr steht's treu ergeben war. Sein Zustand war ihre Schuld und das war etwas, mit dem Jude nicht so schnell fertig werden würde. Er war ein guter Mensch und definitiv zu gut für sie.

Seufzend stütze sich Jude auf dem Waschbecken ab und konnte ihre Augen kaum noch offen halten. Sie war kurz davor, im Stehen einzuschlafen, als es an der Tür klopfte.

„Liebes? Ist alles in Ordnung bei Ihnen?" ertönte die Stimme von Rose durch die Tür.

In Ordnung? Nein, nichts war in Ordnung!

„Ja, es ist alles gut….ich bin gleich fertig." rief Jude und wusch sich das Gesicht noch einmal mit eiskaltem Wasser, in der Hoffnung es würde ihre Müdigkeit vertreiben.

Als Jude die Tür öffnete, sah sie, dass Rose auf sie wartete.

„Sie sollten jetzt wirklich schlafen gehen. Kommen Sie, ich zeige Ihnen mein Schlafzimmer."

Irritiert sah Jude die andere Frau an „Das wird nicht nötig sein. Ich kann auch auf der Couch schlafen."

„Das schlagen Sie sich gleich auf den Kopf. Ich habe schon bemerkt, dass Sie ein unglaublicher Sturkopf sind, aber ich lasse Sie bestimmt nicht auf meiner winzigen Couch schlafen."

„Aber ich dachte, Frank schläft in Ihrem Bett?! Ich denke nicht, dass es angebracht wäre."

Rose schüttelte den Kopf. Anscheinend hatte Jude wirklich nicht die geringste Ahnung, wie willkommen sie Frank sein würde.

„Es wird für Frank in Ordnung sein, glauben Sie mir." sie nahm Judes Hand und zog sie mit sich zu ihrem Schlafzimmer.

Jude war mittlerweile viel zu müde, um mit der anderen Frau zu streiten und folgte ihr widerwillig. Es fühlte sich so falsch an und doch war ein Teil von ihr froh, dass sie in dieser Nacht nicht einsam sein würde.

„Gehen Sie schlafen meine Liebe und wenn Sie etwas brauchen, dann fühlen Sie sich ganz wie Zuhause." Rose drehte sich um und ließ Jude allein vor der Tür zu ihrem Schlafzimmer.

Jude atmete tief durch und betrat mit gemischten Gefühlen das Schlafzimmer. Es war dunkel und doch konnte sie Frank genau erkennen. Er schlief tief und fest und Jude wollte ihn keinesfalls wecken. Sie schlich neben das Bett und setzte sich auf die freie Bettseite. Das sitzen schmerzte noch immer, doch nicht so sehr wie vor einer Stunde. Sie saß noch eine ganze Weile da und schaute aus dem Fenster. Sie dachte über so vieles nach und war an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, an dem sie nicht weiter wusste. Sie hatte keine Ahnung, was der nächste Tag bringen würde und ob sie jemals wieder ein halbwegs normales Leben führen würde. Gab es überhaupt noch die Möglichkeit ein normales Leben zu führen? Hatte sie überhaupt die Kraft für einen Neustart? Sie wusste es nicht, an diesem Punkt, wusste Jude eigentlich gar nichts mehr bis auf eines…..ihr altes Leben war vorbei!

Sie hörte wie Frank sich hinter ihr bewegte, doch sie glaubte, er würde sich nur im Schlaf drehen. Doch dann hörte sie seine leise Stimme „Jude?"

Langsam drehte sich Jude um und blickte zu Frank, der sich etwas im Bett aufgerichtet hatte und sie ansah.

„Habe ich Sie geweckt? Das tut mir Leid, Sie sollten weiter schlafen."

Frank war irritiert Jude hier vor zu finden, doch es war ihm nicht unangenehm…ganz im Gegenteil „Ich habe keinen festen Schlaf, es ist ok. Warum sitzen Sie da auf der Bettkante?"

Ein leichtes und schüchternes lächeln erschien auf ihrem Gesicht „Ehrlich gesagt, weiß ich nicht so ganz wohin mit mir. Rose wollte mich nicht auf der Couch schlafen lassen aber ich hielt es für….nunja….unangebracht, mich einfach hier in das Bett zulegen."

Frank nickte und zog die andere Bettdecke bei Seite, erst jetzt sah Jude, dass Frank kein Hemd mehr trug und sie verfluchte sich, dass sie nicht wegsah, wie sie es hätte tun sollen.

„Kommen Sie…." sagte Frank verschlafen und deutete auf die frei Bettseite.

Jude überlegte kurz, entschied sich dann aber dafür. Sie wollte schlafen und sie wollte jetzt auch nicht alleine sein. Vorsichtig rutschte sie auf das Bett und zog ihr Kleid etwas zurecht. Es war mehr als unbequem zum schlafen, doch da sie nichts darunter trug, blieb ihr nichts anderes übrig. Sie legte sich vorsichtig hin und sah zu Frank, der sie mit seinen lieben Augen ansah.

„Frank….es…es tut mir leid…..Sie sollten nicht hier sein….Sie sollten nicht in dieser Situation sein." Ihre Stimme war kaum ein flüstern und doch verstand Frank jedes Wort. Er rutschte unbewusst etwas näher und lehnte sich dichter zu Jude.

„Hey, nichts von dem ist Ihre Schuld."

Frank war so dicht bei ihr, dass sie seine Körperwärme spüren konnte. Sie sollte sich wegdrehen und Abstand halten, doch sie konnte es nicht. Sie sehnte sich so sehr nach Nähe und Geborgenheit…sie sehnte sich danach in den Armen gehalten zu werden und sich einfach fallen zu lassen.

„Doch, dass ist es! Wenn ich nicht gewesen wäre, dann wären Sie nicht in dieser Lage."

Judes Selbstvorwürfe und ihre traurige Stimme, brachen Frank das Herz. Wie selbstverständlich, legte er vorsichtig seine Hand auf ihre Wange und sah sie an „Ich hab es Ihnen schon einmal gesagt und sage es wieder….ich bin für Sie da und ich würde alles für Sie tun Jude….alles."

Frank war so dicht bei ihr und es fühlte sich so falsch an und doch im selben Moment so richtig.

XXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXX

Eure Meinung ist mir immer willkommen :-D Was werden die beiden wohl jetzt tun? :-D