Titel: - Hating Love - - Sounds of Revenge, Part One
by: Nyx und Wandelstern, Kap. 8: April / Mai 2003
Inhaltsangabe: Düstere Zeiten, Finsternis ist überall. Der Dunkle Lord
Voldemort herrscht grausam über die Welt der Magie. Doch die Hoffnung auf
bessere Zeiten lässt eine Gruppe von Zauberern und Hexen nicht aufgeben.
Hauptcharaktere: Draco Malfoy, Harry Potter, Ron Weasley, Hermione Granger,
Ginny Weasley, Sirius Black, Severus Snape, Remus Lupin, u.a.
Anmerkung: "Sounds of Revenge" ist der erste Teil von - Hating Love - und
beginnt im Spätsommer 1997. Draco, Harry, Ron, Hermione (...) sind 17 Jahre
alt, Ginny, Colin 16.
- Hating Love - - Sounds of Revenge ist der erste Teil. Der zweite Teil und
der dritte Teil werden an Teil eins anknüpfen und die Fortsetzungen
darstellen.
Altersfreigabe: ~ ab 13.
Feedback: Immer gern gesehen und danke an die, die bisher reviewt haben...
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Disclaimer: Alle wiederkannten Personen gehören Joanne K. Rowling. Wir
haben keine Rechte an diese Figuren und verdienen mit der Fanfic kein Geld.
Beta: Tanni ^ knuddelz
- New friends, new enemies -
(Neue Freunde, neue Feinde)
~ 8th Chapter ~
"Die Todesser bewachen den Berg", stellte Blaise nervös fest, als sie von ihrer Erkundungstour wiederkam.
Ginny sah ihr entgegen. Blaise wirkte blass und angespannt.
"Haben die uns hier reinfliegen sehen?", fragte Justin verdutzt.
Blaise hob die Schultern. "Die Todesser bewachen die ganze Umgebung. Ich glaube, das hat nicht direkt damit etwas zu tun, dass sie denken, wir wären hier."
"Und wie kommen wir hinaus?", wollte Neville wissen.
"Tja", machte Blaise. "Solange der Berg bewacht wird, jedenfalls nicht."
"Wir können aber nicht ewig hier bleiben", wandte Justin ein. "Wir müssen so schnell wie möglich zum Versteck zurück."
"Wem sagst du das", giftete Blaise ihn an.
Justin hob abwehrend die Hände. "Hey!" Er fixierte Blaise mit bösem Blick. "Ich mein' ja nur!"
"Vielleicht gibt es ja noch einen anderen Ausgang... einen, der unbekannt ist?", überlegte Ginny.
"Wenn der dunkle Lord den Berg erbaut hat, wird er jeden Ausgang kennen", meinte Blaise. "Oder?", fragte sie den Drachen.
"Ich dachte, du seiest der Ansicht, dass die Todesser nicht unsretwillen den Berg bewachen", warf Justin lästernd ein.
"Ach, halt's Maul", presste Blaise hervor.
Ginny seufzte. "Na los, liefert euch endlich ein Duell, lasst eurer Nervosität freien Lauf, vielleicht gibt ihr dann endlich Ruhe."
Alle Köpfe drehten sich zu ihr hin.
"Jetzt sei mal nicht so zynisch, Ginny", grinste Justin schwach.
"Sag' mal...", fing Blaise an. "Hat Voldemort mit dir gesprochen?"
Ginny nickte.
"Und???"
Sie hob die Schultern. "Er hat mir nie gesagt, was er mit mir vorhat."
"Ich finde es an sich schon merkwürdig, dass du nicht gefoltert wurdest."
Ein bestimmter Tonfall in Blaises Stimme ließ Ginny aufhorchen. Sie fixierte Blaise mit scharfen Blicken. "Wie meinst du das?", fragte sie feindseliger, als sie beabsichtigt hatte.
"Ich sagte nur, dass ich es merkwürdig finde."
"Dann sag' es beim nächsten Mal in einem anderen Ton, okay?"
"Hey, in welchem Ton soll ich es denn bitte schön gesagt haben?" Blaise starrte Ginny an.
"Das weißt du doch ganz genau!"
"Oh, entschuldige mein Misstrauen, meine Liebe", fauchte Blaise. Ihre Augen hatten sich zu Schlitzen verengt.
"Ginny hat uns nicht verraten, Blaise", warf Neville irritiert ein.
"Na, hör' mal!" Ginny blitzte Blaise wütend an. Sie konnte diese unverschämte Unterstellung des Mädchens kaum fassen. "Wenn du damit sagen willst, ich sei die Verräterin, dann kannst du dir ja mal überlegen, wie ich euch hätte verraten sollen! Ich wusste noch nicht einmal, dass ihr so einfach in die Festung gelangen würdet! Woher hätte ich denn von eurer Befreiungsaktion wissen sollen!"
"Ginny, lass Blaise doch labern. Typisches Slytheringefasel eben", mischte sich Justin ein. Auch er bedachte Blaise mit wütendem Blick.
"Slytheringefasel?", wiederholte Blaise empört. Sie stieß einen langen Atem aus. "Echt, ihr kotzt mich langsam an!"
"Dann verschwinde doch!", zischte Justin.
"Ja, das wäre wohl am Besten so!", schrie Blaise. "Dann müssten Draco und ich nicht dauernd mit solchen Versagern wie euch zusammenarbeiten!"
"Versager? Haha, wirklich witzig!", stieß Justin zornig hervor. "Wieso befreit ihr beide uns dann nicht vom Joch von du-weißt-schon-wer und ihr könnt euch als Helden feiern lassen!"
"Du traust dich ja noch nicht einmal seinen Namen auszusprechen, Feigling!"
"Und du traust dich noch nicht einmal, hinauszufliegen, um es mit einer Horde Todessern aufzunehmen!" Justin war rot vor Zorn geworden.
"Bemerkenswert", mischte sich die gütige Stimme des Drachen ein.
Doch alle ignorierten ihn.
"Worauf wartest du, zieh endlich Leine", sagte Justin böse. "Vielleicht findest du ja deinen Slytherinfreund. Wahrscheinlich hat er uns verraten."
"Draco?" Blaise schien so empört über diese Unterstellung zu sein, dass sie Justin reglos anstarrte. Doch dann kam Bewegung in ihr und sie zückte ihren Zauberstab.
Justin tat es ihr nach und auch Neville zog zur Vorsicht seinen Zauberstab.
"Na, toll", murmelte Neville unglücklich.
"Ja, Malfoy."
"Draco hat uns nie verraten!"
"Woher willst du das wissen?", fragte Ginny provozierend. "Vielleicht steckt ihr ja beide hinter dem Verrat!"
Blaise keuchte fassungslos auf. "Sagt das noch mal!"
"Wenn ich mich mal einmischen dürfte", fing der Drache wieder an.
"Sagt das noch mal!", schrie Blaise wütend.
"Sollen wir es dir buchstabieren? !", fragte Justin in derselben Lautstärke.
"Es ist bemerkenswert, dass ihr Voldemort Widerstand leistet, obgleich ihr so zerstritten seid", ertönte wieder die Stimme des Drachen. "Für wahr, er wird leichtes Spiel mit euch haben."
Plötzliche Stille.
Alle sahen den Drachen betroffen an.
"Nein, so ist das nicht."
"Das hast du falsch aufgefasst."
"In Wirklichkeit verstehen wir uns."
"Von wegen leichtes Spiel", sagten alle durcheinander.
Der Drache legte seinen riesigen Kopf auf den Boden und schaute sie alle der Reihe nach aus seinen bernsteinfarbenen Augen an. "Und wieso hasst ihr euch?", fragte er.
"Was?" Justin sah ihn perplex an.
"Wir hassen uns nicht", versicherte Blaise ihm.
Der Drache seufzte und eine matte kleine Flamme rauschte aus seinem Rachen. "Wenn ihr euch euren Feinden stellen wollt, müsst ihr einander vertrauen. Ihr müsst zusammenhalten."
"Wie kann man jemanden noch vertrauen, wenn wir soeben verraten wurden?", fragte Justin. Er klang verzweifelt.
Der Drache sah ihn ernst an. "Ich kann dir nur sagen, dass Voldemort ein leichtes Spiel mit euch haben wird, wenn ihr untereinander uneins seid. Er stellt derzeit die Übermacht und jeder noch so kleine Riss in eurem Zusammenhalt wird euch schwächen."
Neville seufzte. "Du hast recht. Hoffentlich habt ihr das jetzt kapiert."
Ginny sah unbehaglich auf ihre Hände. Der Drache hatte in der Tat recht. Aber Justins Frage war berechtigt. Wie sollten sie einander noch vertrauen, wenn es einen Verräter unter ihnen gab?
"Es tut mir leid", murmelte Justin.
"Mir auch", sagten Blaise und Ginny fast gleichzeitig.
"Was eure Rückkehr zu eurem Versteck betrifft", fuhr der Drache fort, "ich hätte da einen Vorschlag..."
"Und der wäre?", fragte Justin.
Ginny sah den Drachen erwartungsvoll an.
"Ich fliege häufig hinaus, um meine Runden zu drehen. Ihr könnt euch dabei auf meinen Rücken setzen. Ihr seid so winzig auf meinem riesigen Rücken und ich wäre so schnell, die Todesser würden euch nicht sehen."
"D- das ist genial", stieß Neville überglücklich aus.
Ginny überdachte es schnell. "Es ist wirklich eine gute Idee. Das würdest du für uns tun?"
Der Drache nickte.
"Super", lachte Blaise.
"Und an einem sicheren Ort lande ich, setze euch ab und ihr könnt von dort zu eurem Versteck fliegen."
"Wäre du-weißt-schon-wer nicht erzürnt?", fragte Justin.
Der Drache lachte leise. "Ich bin Voldemort nicht zur Loyalität verpflichtet."
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Angelina Johnson flog schon lange über London und hielt Ausschau nach ihren Freunden. Sie hatte die Besen von Harry, Hermione, Sirius und Draco so klein gezaubert, dass sie in ihre Tasche an ihrer Robe passte und wartete einen geeigneten Zeitpunkt ab, um in den Wald hinabzutauchen, der sich in der Nähe von Voldemorts Festung befand. Sie wusste, dass die vier zu Fuß nicht weit gekommen sein konnten und der Wald war nun mal das beste Versteck in dieser Gegend. Das hieß, wenn sie überhaupt aus der Festung entkommen konnten...
Was wohl mit Fred und George passiert war? Sie hoffte, dass sie entkommen konnten. Es war ja so ein Chaos entstanden, als die Todesser plötzlich vor ihnen im Versteck aufgetaucht waren - so zielsicher, dass es sich nur um Verrat handeln konnte. Hatte Snape nachgegeben? Wurde er so grausam gefoltert, dass er binnen kurzer Zeit ihren Plan preisgegeben hatte? Angelina wusste, dass es nicht stimmen konnte. Snape war verantwortungsbewusst. Hätte er gewusst, dass genau dies passieren könnte, so hätte er sich niemals dazu erboten, in die Festung hineinzugehen. Sie wollte sich nur an diesen Gedanken klammern, um nicht daran denken zu müssen, dass es einen Verräter in ihren eigenen Reihen gab.
Außer..., fiel ihr plötzlich ein, außer, Snape hatte damit gerechnet, und einfach nur gehofft, sie würden es alle echtzeitig schaffen, bis sein Wille unter der Folter zusammenbrach.
Angelina lenkte ihren Besen rasch in den Wald hinab und tauchte in den Baumkronen unter. Sie hatte das Zeitgefühl verloren, aber es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, dass sie die anderen suchte.
Der Wald schien aus dunklen Schatten zu bestehen und sie flog vorsichtig weiter in die Richtung, von der sie hoffte, dass Sirius, Ron, Hermione, Harry und Draco eben diese eingeschlagen haben.
Es war einfach ihr Gefühl, dass ihr instinktiv verriet, dass diese Richtung richtig war. Sie wusste nicht, ob sie an so etwas glauben sollte, aber manchmal funktionierte es. Es war ein inneres Gefühl, eine innere Stimme, die unaufhörlich zu einem sprach, jedoch so leise, dass man sie sehr selten zu hören vermag. Aber vielleicht sprach sie auch in voller Lautstärke, und der Grund, warum man sie nicht hörte, war, weil man an derartiges nicht glauben wollte?
Sie hörte Rascheln und ein leises, angespanntes Flüstern.
Sie horchte auf und sah angestrengt in die Dunkelheit.
"Sollen wir hier eigentlich ewig umherirren?", hörte sie eine Stimme zischen, die sich verdächtig nach einem missgelaunten Harry anhörte.
'Gott sei dank', dachte Angelina erleichtert. 'Ich habe sie gefunden.'
Sie stieß sich mit dem Besen galant nach unten.
"Scheiße", hörte sie eine kühle Stimme fluchen. "Da kommt jemand!"
"Ich bin's", flüsterte Angelina, während sie sanft auf den Waldboden landete. Erleichtert sah sie in die Gesichter der Verbündeten. "Ihr seid nicht gerade leise..."
"Angie!" Ron lachte.
"Weasley, halt die Fresse", warnte Draco ihn scharf.
"Oh, Angelina", jauchzte Hermione überglücklich und schon war sie von ihr, Harry und Ron umringt.
"Hey, Wiedersehensfreude können wir nachher noch spielen, wir müssen schleunigst fort von hier", wehrte Angelina die Freunde grinsend ab.
Sie holte die kleinen Besen hervor und zauberte sie wieder zurück in ihre Originalgröße.
"Du bist ein Schatz, Angelina", strahlte Hermione.
Sirius nickte und sah sie froh aus seinen dunklen Augen an. "Gut gemacht."
"Dumbledore...?" Angelina sah sie traurig an.
"Bevor wir ihn finden konnten, wurden wir überrascht. Sie wussten, dass wir da waren. Und sie wussten vom Tarnumhang", erzählte Harry rasch.
Angelina schwieg schockiert.
Draco hatte sich bereits seinen Besen geschnappt. "Los, kommt jetzt, endlich", murrte er und schwang sich in die Höhe.
Die anderen taten es ihm nach.
"Was ist passiert?", fragte Sirius, während sie durch den Wald flogen, jederzeit bereit, in Deckung zu gehen.
"Wir wurden ebenfalls überrascht", erzählte Angelina leise und in knappen Worten. "Wir waren im Versteck, als die Todesser plötzlich auftauchten. Es schien, als hätten sie gewusst, dass wir dort waren. Wir sind geflohen, während sie den Wald systematisch abgesucht haben."
"Verrat", wiederholte Ron kopfschüttelnd. "Ich kann es immer noch nicht glauben."
"Ich glaube es nicht", verkündete Hermione, doch ihr Gesicht strafte ihrer Behauptung Lügen.
"War ja klar", mischte sich Draco ein und seine Stimme trief vor Sarkasmus.
"Was ist klar?", fragte Hermione schnippisch.
"Dass du eine rosarote Brille aufgesetzt hast."
Ehe Hermione etwas erwidern konnte, schalt sich Sirius dazwischen. "Kein Streit, damit das klar ist! Ihr seid am besten ganz ruhig, okay!"
"Mit welchem Recht gibst du hier eigentlich dumme Befehle, Werwolfsfreund?", erkundigte sich Draco höhnisch.
"Mit dem Recht des Stärkeren", antwortete Sirius kurzangebunden.
Angelina seufzte. "Geht das etwa schon die ganze Zeit so?"
Harry, Ron und Draco sahen sie verwirrt an, während Hermione und Sirius nickten.
"Na, ein Wunder, dass ihr es lebend hinausgeschafft habt." Angelina seufzte gequält. "Und wenn es Snape war?"
"Der Verräter?", horchte Draco auf. "So ein Unsinn."
"Ich meine, vielleicht wurde er gefoltert und er hat schließlich alles erzählt?"
"In solch' einer kurzen Zeit?" Dracos graue Augen funkelten vor Spott. "Alles klar Johnson, aber ansonsten geht's dir gut, ja?"
"Klappe, Malfoy", zischte Ron böse.
Angelina seufzte erneut und sagte nichts mehr. Draco hatte ja recht. Snapes Wille würde niemals in solch' einer kurzen Zeit nachgeben.
Harrys kurze Zusammenfassung ihrer Erlebnisse in der Festung bewiesen, dass es einen Verräter gab. Wie sonst hätte man etwas vom Tarnumhang gewusst? Sie merkte, dass sie den Gedanken des Verrates nicht glauben, nicht akzeptieren wollte. Realisiert hatte sie ihn erst recht nicht. Dann wäre ihr bereits bewusst, welch folgenschwere Konsequenzen ihnen noch bevorstehen würden...
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Draco sah schon den Waldrand. Dahinter sah es schon gleich heller aus. Nicht so dunkel, wie hier im Wald. Er spürte, dass es nicht allein die Nacht war, die über den Wald die Dunkelheit gelegt hatte. Es war noch etwas anderes, dasselbe, was er in der Festung gespürt hatte.
Schatten. Dunkle Schatten. Boten der Finsternis.
Eher gedankenverloren sah er zwischen den letzten Bäumen hindurch und registrierte die anstehende Morgendämmerung. 'Wir müssen ins beeilen.'
Ganz weit hinten schien sich die Schwärze der Nacht in helleren Farben zu verwandeln. In Farben, die irgendwie Hoffnung zu bringen schienen. Sterne funkelten weit hinten nur noch blass am Horizont, nicht mehr so klar und leuchtend wie direkt über ihren Köpfen, zwischen den Baumkronen.
Ob das Tageslicht es fertig brachte, die dunklen Schatten aus dem Wald zu vertreiben? Draco konnte es nicht glauben. Nichts und niemand konnte solch' dunkle Schatten vertreiben. Sie gehörten zur dunklen Seite. Und Dunkelheit existierte nun mal. Und ohne Dunkelheit würde es nun mal auch kein Licht mehr geben.
"Bist du das?", drang eine samtweiche, traurige Mädchenstimme an sein Ohr. Leise, beinahe hallend.
"Was?" Draco schaute verwirrt auf.
"Was?", fragte Ron und sah ihn stirnrunzelnd an.
"Hat eine von euch etwas gesagt?" Draco sah Hermione und Angelina an.
"Nein", kam die gleichlautende Antwort.
Draco schüttelte ungläubig den Kopf. Nun hörte er sogar Stimmen! Er musste dringend Schlaf nachholen...
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
"Hey, Fred, schau mal", wisperte George. Er wies mit seinem Arm nach rechts und sein Bruder folgte seinem Blick.
Riesige Spinnenweben hangen scheinbar harmlos in der Luft herum, aber wenn man genau hinsah, hatten die im Mondlicht fast leuchtende, silbrigweißen Fäden ein System. Ein System von solch' kalter Logik, dass es nur den Tod bringen konnte.
"Mann, sind das riesige Spinnenweben", staunte Fred beinahe ehrfürchtig.
"Hier müssen die Riesenspinnen hausen", überlegte George.
"Cool!" Freds Augen leuchteten. "Was meinst du, George, sollen wir den Ort mal erkunden?"
"Es wird gleich hell und wir haben noch ein gutes Stück Flug vor uns", wandte George ein.
Fred legte den Kopf zur Seite. "Hm", machte er nachdenklich. "Stimmt. Aber ich würde sooo gerne..."
"Uns fehlt die Zeit." George hielt sich in knappen Worten. Sie hatten nun mal wirklich keine Zeit. "Und das weißt du."
Fred seufzte. "Okay... dann lass uns gehen."
Sie drehten sich um und wollten den Weg zurück gehen.
"Wohin denn so eilig des Weges?", hörten sie eine lauernde Stimme, gefolgt von einem Klappern.
Fred und George drehten sich langsam um und blickten einer Riesenspinne entgegen.
"Oh, verdammt", murmelte George. Mit großen Augen betrachtete er das Monster. "Ich glaube..., die will uns fressen."
"Yo, mann, Alter, was geht?", begrüßte Fred die Riesenspinne. Er versuchte selbstsicher zu klingen, schaffte es aber nicht so ganz.
Die Spinne klapperte entrüstet. "Hast du mich gerade AlterRiesenvieh genannt?", fragte die Spinne lauernd.
"Ja, Alter, das hat er", sagte Fred. "Bist du taub?"
Die Spinne klapperte wütend.
"Meine Fresse, sei still und lass uns den Rückzug antreten", zischte George wieder.
"Rückzug? Das werdet ihr schön bleiben lassen." Die Spinne schien über ein gutes Gehör zu vermögen.
Langsam zückten die Zwillinge ihre Zauberstäbe.
"Und versucht erst gar nicht zu zaubern", wies die Riesenspinne die beiden mit bissigem Tonfall darauf hin. "Eine Bewegung und meine Geschwister stürzen sich auf euch."
"Sind wir umzingelt?", fragte Fred seinen Bruder.
"Gute Frage. Ich trau' mich nicht mich umzudrehen."
"Gibt es ein Problem?", mischte sich eine neue Stimme ein. Sie klang kalt, lauernd und selbstbestimmt.
"Shikar", rief George und wirbelte herum.
"Alter, gerade rechtzeitig", grinste Fred.
Sie waren nicht umzingelt, entweder hat die Spinne geblufft oder die anderen haben sich versteckt. Doch das war jetzt egal, denn Shikar war mit seinem Rudel herangetreten. Die Wölfe nahmen sofort Stellung ein und der Anführer näherte sich den Zwillingen und der Spinne.
"Shikar", grollte die Spinne. "Es gibt kein Problem. Ich will die beiden Jungen hier nur auffressen."
"Was du willst, interessiert mich nicht", sagte Shikar, der die Riesenspinne gefährlich aus seinen rotglühenden Augen ansah. "Die beiden hier stehen unter meinem Schutz und sollte ich noch einmal miterleben, dass du ihnen zunahe kommst, bist du des Todes."
Die Spinne fing an, wütend zu klappern. "Du bist ein arroganter Spielverderber, Shikar!"
"Wagst du es, meine Autorität in Frage zu stellen?"
Die anderen Wölfe begannen warnend zu knurren und näherten sich.
"Nein, nein", sagte die Riesenspinne schnell. "Ist ja schon gut, sag' deinem Schlägertrupp, sie sollen sich von mir fern halten."
Shikar knurrte leise und die anderen Wölfe blieben stehen.
"Mann, wir sind gerettet", flüsterte George.
"Yeah, Shikar, der Königsmacker im Walde!"
"Wir ziehen ab", gab Shikar bekannt, ohne die Riesenspinne aus den Augen zu lassen.
Vier Wölfe nahmen Fred und George in die Mitte und forderten sie auf, sich in Bewegung zu setzen.
"Coole Sache, wir haben ´nen Begleitschutz", grinste Fred.
Als sie sich von den Spinne entfernt hatten, blieb der Rudel stehen.
Shikar positioniere sich vor Fred und George.
"Boah, danke, alter Kumpel!", strahlten die beiden Brüder.
"Es ist eine Sache, sich unschuldig in ein Spinnennetz zu verirren, aber eine ganz andere, diese Tiere auch noch zu provozieren", fing Shikar leise grollend an. "Es ist besser, ihr fliegt sofort los, ich habe wirklich keine Lust, euer Aufpasser zu spielen."
George und Fred grinsten und salutierten aus Spaß. "Klar, Sir, wir sind schon weg."
Sie stiegen auf ihre Besen. "Und danke, ne."
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
"Weißt du was?", fragte Justin den Drachen.
"Ich nehme an, gleich weiß ich es", grinste der Drache.
"Wir kennen deinen Namen überhaupt nicht."
Der Drache lachte gütig mit seiner tiefen Stimme. "Oh, mein Name ist für euch Menschen unaussprechlich."
"Wie sollen wir dich dann nennen?", fragte Ginny.
"Überlegt es euch. Dir wird sicherlich ein schöner Name einfallen", lächelte der Drache. "Es dämmert", fuhr er fort. "Zeit für meinen morgendlichen Rundflug."
Die anderen nickten.
"Hoffentlich funktioniert es", murmelte Neville besorgt.
"Sei unbesorgt, mein Freund", beruhigte der Drache ihn. "Es wird funktionieren."
Ihre Besen hatten sie kleingezaubert und in ihre Taschen verstaut. Sie kletterten auf den Rücken des Drachen und hielten sich fest.
Der Drache ging zur Höhlenöffnung, dann breitete er seine Flügel aus und schwang sich in die Luft.
Es war noch dunkel draußen, aber im Osten begann es bereits zu dämmern.
Todesser flogen durch die Luft, aber sie hielten den Drachen nicht auf.
"Lasst den Drachen passieren", schrie jemand und Ginny jubelte innerlich.
Der Drache hatte recht gehabt. Er war so groß, sie fielen auf seinem Rücken nicht weiter auf. Zudem genoss er offenbar trotz allem Voldemorts Gunst.
Die Flügel der Drachen peitschten laut durch die Luft. Er flog so hoch, dass der blasse Mond nur noch ein Katzensprung entfernt zu sein schien.
Und er flog schnell. Blaise rief ihm die Richtung zu, in der er fliegen sollte, so dass sie ein großen Teil des Rückweges schon bald hinter sich hatten.
Ginny schaute nach unten. Alles wirkte so klein und harmlos von ihr oben. Nichts deutete darauf hin, dass dort Gewalt und Schrecken herrschten.
"Seht ihr den Wald?", rief der Drache.
"Ja", schrieen Justin und Blaise.
"Dort werde ich euch absetzen."
Ginny sah wie Baumkronen immer näher kommen. Es war ein großer, freundlich aussehender Wald, ganz anders, als der bei Voldemorts Festung.
Auch hier warfen die Bäume dunkle Schatten in die späte Nacht, aber es waren ganz andere Schatten. Sie wirkten nicht bedrohlich. Oder beängstigend.
Der Drache landete auf eine weite Lichtung, in der ein kleiner See im blassen Mondlicht glitzerte.
Die vier Freunde stiegen ab und sahen sich um.
In der Dämmerung konnte man die Umrisse gut erkennen.
Die Lichtung war groß und umringt von schmalen, hohen Bäumen. Das Gras war hoch und mit Blumen übersäht. Das Wasser des Sees glitzerte sanft.
"Es sieht hier wirklich schön aus", sagte Blaise.
"So friedlich", murmelte Ginny.
'Illusionär', flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf. Sie musste unwillkürlich an Viperus denken. Er hätte diesen Ort mit Sicherheit als illusionär bezeichnet. Als illusionär und verlogen. Weil der Ort die Realität verbarg und die wahren Probleme nicht zum Erkennen preisgab.
"Ihr solltet sofort losfliegen. Sonst schafft ihr es nicht vor endgültigem Tagesanbruch", sagte der Drache.
Ginny drehte sich zu ihm um und betrachtete ihn warm.
Er wirkte besorgt. Besorgt um sie, obgleich er sie doch gerade erst kennen gelernt hatte.
Blaise, Justin und Neville waren bereits auf ihre Besen aufgestiegen.
"Machs gut, Drache", rief Blaise. "Ich weiß nicht, wie wir dir jemals dafür danken können..."
"Ciao, es war nett, dich kennen gelernt zu haben", lachte Justin. "Ich hoffe, wir sehen uns wieder... irgendwann..."
"Hab Dank, Drache. Für alles", sagte Neville ernst.
"Macht es gut, meine kleinen Freunde. Es hat mich gefreut, euch helfen zu können", verabschiedete sich der Drache von ihnen.
Ginny sah in seine bernsteinfarbenen Augen, die so voller Wärme und Güte waren.
Der Drache tat Dinge, ohne dafür etwas zu verlangen. Eine sehr seltene Eigenschaft, die man in dieser Welt vorfand.
"Ich nenne dich Dralon", lächelte sie ihn an. "Ein Wort aus einer alten Sprache... sie bedeutet 'Freund'."
Der Drache lachte leise. "Ein schöner Name, Ginny. Ich fühle mich geehrt, dass du mich als einen 'Freund' bezeichnest."
Ginny stieg auf ihren Besen. "Ich werde dich nicht vergessen."
Damit stieg sie mit den anderen hoch hinauf in die Lüfte, um zu ihrem Versteck zurückzufliegen.
Der Drache Dralon sah dem Mädchen noch lange hinterher. Er seufzte traurig und sanfte Feuerfunken stießen aus seinen Nüstern. "Oh, welch' dunkles Schicksal steht dir nur bevor..."
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Sirius, Hermione, Ron, Angelina, Harry und Draco flogen indes zurück zu ihrem Versteck.
Sie flogen gen Osten und nach und nach wurde die Dunkelheit vom sanften Licht des Tages verdrängt.
"Wir müssen uns beeilen", drängte Sirius. "Bevor es endgültig hell wird."
"Wir haben es doch nicht mehr weit", meinte Ron.
Sie flogen schnell. Sie hatten sich tief über ihre Besen gebeugt und flogen schnell wie der Wind am britischen Horizont entlang.
Am Waldrand angekommen, landeten sie, um von dort die Zauberformel aufzusagen, die für ihre Augen die Burg sichtbar machte.
Draco spürte das weiche Gras unter seinen Füßen und hörte, wie Hermione die Zauberformel murmelte.
Schon erblickte er die Burg und sie gingen ihr entgegen. Apparieren konnte man ja nicht, dass hatten sie zu ihrem Schutz so veranlasst.
Es war nun endgültig hell - sie hatten es wirklich rechtzeitig geschafft.
Draco konnte noch den letzten Schimmer des schwachen Sternenlichtes am Himmel erkennen, ehe der Tag endgültig über den Horizont verfügen konnte. Vögel zwitscherten und ließen eine friedvolle, beinahe unschuldige Atmosphäre aufkommen.
"Bist du das?", drang eine samtweiche, traurige Mädchenstimme an sein Ohr. Leise und beinahe hallend.
Draco sah sich verwirrt um. Gerade rechtzeitig konnte er sich auf die Zunge beißen, er wollte Granger und Johnson nicht schon wieder fragen, ob sie was gesagt hatten. Denn das hatten sie nicht. Die sanfte Mädchenstimme war in seinem Kopf gewesen. Aber warum? Und was wollte sie?
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Das Wiedersehen in der Burg war groß. Jubelnd fiel man sich in die Arme und man erzählte in einem großen Durcheinander, was passiert war.
Es dauerte lange, bis es endlich leiser wurde und sie sich ernst ansahen.
"Es gibt also einen Verräter unter uns", sagte Colin laut. Er klang noch immer fassungslos.
"Aber wer?", fragte Dean. "Sollen wir uns alle etwa gegenseitig verdächtigen?"
"Ich wüsste nicht, wer hier ein Verräter sein sollte", wandte Lavender ein.
Harry zuckte mit den Achseln. Er wusste es auch nicht. Wer würde sie verraten? Vertrauen sie einander nicht blind? Hatte das ein Ende und musste man alleine für eine Welt kämpfen, die so unerreichbar schien?
Plötzlich öffnete sich die Tür des Gemeinschaftsraumes, wo alle saßen.
Ungläubig blickte Harry der Person entgegen. "Snape?!"
"Ich sehe, ihr seid alle unversehrt entkommen", sagte Snape ernst. Er trat ein und schloss die Tür. "Ich hatte schon die Befürchtung, die Suchtrupps würden euch finden."
"Snape!", rief Sirius ungläubig aus.
"Black... die Rettungsaktion war wohl nur zum Teil erfolgreich, wie ich sehe..."
"Es gab einen Verräter!", rief Ron.
Harry konnte sehen, wie der Ausdruck des Unglaube auf Snapes Gesicht trat. "Einen Verräter?"
Sirius nickte und erzählte in knappen Worten, was die einzelnen Gruppen erlebt hatten.
Snape ließ sich auf einen Sessel sinken.
"Wie sind Sie überhaupt aus der Festung gekommen?", fragte Seamus den Zaubertrankmeister.
"Ich habe Voldemorts Vertrauen wiedergewonnen."
"Und dafür Verrat begangen?", zischte Harry.
"Potter, dein Hass macht dich kampfunfähig, du verlierst den Blick für die Realität. Ich habe andere Möglichkeiten, um sein Vertrauen wiederzugewinnen."
Snape stand wieder auf und sein Blick richtete sich auf Sirius. "Ich muss mit dir sprechen, Black", forderte er kühl. "Allein."
Wildes Getuschel brach aus, als die beiden Männer den Raum verlassen hatten.
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Fred lief hinter Angelina her, die soeben den Gemeinschaftraum verlassen hatte.
"Hey", rief Fred strahlend, als er sie eingeholt hatte. Sie hatten sich noch gar nicht richtig begrüßen können.
Er hob sie plötzlich hoch und wirbelte mit ihr herum.
Angelina stimmte in sein Lachen ein. "Fred, lass mich wieder runter."
Fred kam der Bitte tatsächlich nach. Mit leuchtenden Augen sah er sie an und nahm ihre Hände in die seinen. "Mann, bin ich froh, dass dir nichts passiert ist!"
"Ich bin auch froh, dass du heil angekommen bist", versicherte Angelina ihm. "Hätte mich wirklich nicht gewundert, wenn du Spinnenfutter geworden wärest."
Fred grinste breit. "Ich doch nicht."
Angelina kicherte. "Nein, du doch nicht. Gefahr kennst du überhaupt nicht, nicht wahr?"
Fred grinste nur.
Sie sahen sich stumm an, dann beugte Fred sich vor. Ihre Gesichter näherten sich, bis er seine Lippen schließlich auf die ihren legen konnte.
Angelina löste sich von seinem Griff und schlang ihre Arme um seinen Nacken, während ihr Kuss immer leidenschaftlicher wurde.
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Harry sah Sirius aus einem Raum kommen. Er vermutete, dass Snape sich dort noch befand und ging raschen Schrittes auf die Tür zu.
Snape sah auf, als Harry eintrat. Er stand vor einem Zaubertrankkessel, in der eine goldbraune Flüssigkeit brodelte.
"Professor Snape", sagte Harry.
"Potter", begrüßte Snape ihn mit öliger Stimme.
"Ich nehme nicht an, dass Sie mir erzählen wollen, wie Sie sich aus Voldemorts Klauen befreien konnten, nicht wahr?" Harry baute sich auf der anderen Seite des Kessels auf, gegenüber von Snape.
Snape rührte ungerührt in dem Kessel weiter und beobachtete Harry aus seinen schwarzen Augen, die wie endlose lange Tunnel wirkten. "Ich nehme nicht an, dass ich dir eine Rechenschaft schuldig bin, nicht wahr?", konterte er mit leiser, spottender Stimme.
Harry atmete tief ein und aus. "Ich wüsste gerne, ob wir Ihnen noch trauen können."
Snape sah ihn scharf an. "In Zeiten wie diesen kann jeder der Verräter sein. Wer sagt mir, dass du es nicht bist?"
"Ich?" Harry war so empört, dass er fast vergessen hätte zu atmen. "Wie absurd! Natürlich bin ich es nicht!"
"Dann höre auf, den Nächstbesten Dinge zu unterstellen, nur weil du nicht in der Lage bist vor lauter Hass nüchtern zu denken", wies Snape ihn zurecht.
"Wie bitte?" Das wurde ja immer dreister. "Ich denke nüchtern!"
"Du bist nahezu blind vor Hass." Snape rührte selig in dem Trank weiter. "Übrigens stehst du deinem Patenonkel in diesem Punkt in nichts nach."
"Ich bin nicht blind. Ich wüsste nur, wie Sie es aus der Festung geschafft haben. Oder meinen Sie etwa, es wäre nicht nötig, es uns zu erzählen? Verdammt, wenn wir Ihnen trauen sollen, dann müssen Sie auch mit uns arbeiten!"
Snape nahm eine Dose in die Hand und tat eine Prise braunes Puder in die Flüssigkeit. Dann rührte er den Trank weiter um.
"Und was ist das überhaupt für ein Trank, den Sie da brauen?" Harry versuchte es erst gar nicht, seine Wut zu verbergen. Wie konnte Snape nur einen auf geheimnisvoll machen?
"Das ist der Trank des Ruhmes."
Harry riss die Augen auf. "Ehrlich? Warum brauen Sie ihn? Für wen?"
"Für dich jedenfalls nicht." Snape sah auf. "Der Trank des Ruhmes ist nichts für dich, Potter", fuhr er eisig fort.
"Ich habe ihn auch nicht nötig. Wenn Sie unbedingt meinen, Ihre Geheimnisse spinnen zu müssen..." Harry war plötzlich resigniert. Er war müde und wollte ins Bett. "Dann tun Sie es. Dass es für den Zusammenhalt nicht gut sein wird, ist Ihnen hoffentlich bewusst." Er wandte sich zum Gehen.
"Potter", hielt Snapes leise Stimme ihn auf.
Harry drehte sich nicht mehr zu Snape um, blieb aber stehen.
"Wann wird dir eigentlich klar, dass du mit einem Zusammenhalt nicht mehr rechnen kannst?"
"Wie bitte?"
"Es gibt einen Verräter, von dem niemand weiß, wer er ist", erklärte Snape mit kalter Stimme. "Entweder du misstraust jeden, um nicht Schaden zu bewirken oder du erzählst allen alles wie zuvor und Voldemort wird schneller siegen, als du deinen Namen aussprechen kannst."
Harry sagte nichts mehr. Er stürmte hinaus. Snape hatte ja recht. Aber wie sollte man gewinnen, wenn man einen Zusammenhalt vermied?
Fast wäre er mit Cho zusammengestoßen, als er um die Ecke rannte.
"Harry!", rief sie.
"Oh, entschuldige", sagte Harry hastig und blieb stehen.
"Was ist los mit dir?" Chos dunkle Augen musterten ihn besorgt.
"Ich... ich bin nur müde", winkte Harry ab.
"Wirklich?", hakte Cho nach.
Harry nickte.
"Ich glaube dir aber nicht. Du bist nicht nur müde, Harry..."
Harry musste unwillkürlich lächeln, obwohl ihm nicht danach zumute war. Cho konnte man offensichtlich nur schwer etwas vormachen. "Es ist nur so... der... der Gedanke einen Verräter unter uns zu haben... ich, also, ich kann es einfach nicht fassen."
Cho nickte ernst.
"Wie kann das sein? Ausgerechnet einer von uns?"
"Es wird noch schwieriger werden, als zuvor."
"Weißt du, das hieße ja, niemandem mehr zu vertrauen. Aber wie wollen wir Voldemort besiegen, wenn wir keine Einheit mehr bilden können?" Harry war verzweifelt. Hatte der Kampf ein Ende?
"Ich würde vorschlagen, einfach so weitermachen wie bisher."
"Damit der Verräter unsere Pläne weitergeben kann?" Harry lachte ungläubig auf.
"Man könnte falsche Pläne verbreiten. Und darauf warten, bis der Verräter uns in die Falle tappt."
Harry seufzte. "Ach, Cho..."
"Wir müssen klug handeln." Sie trat näher heran, stellte sich auf die Zehenspitzen und umarmte Harry.
Harry legte zögernd seine Arme um sie und fand tröstenden Halt in ihrer Umarmung.
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
"Wir haben neue Feinde", grollte Colin, als er mit Ginny in einer Ecke des Gemeinschaftraumes saß. Sie waren allein. Die anderen waren zu Bett gegangen.
Ginny nickte.
"Einen neuen Feind direkt unter uns."
"Aber wir haben auch neue Freunde", warf sie ein. "Den Drachen, zum Beispiel."
"Was nützt uns das", seufzte Colin.
"Vielleicht mehr, als wir erahnen können..."
"Er ist doch der Freund von unserem größten Feind."
"Wenn ist ein Freund Tom Riddles, nicht aber von Voldemort."
Colin stutzte plötzlich und blinzelte.
Ginny sah ihn verwirrt an. "Was ist?"
"Seit wann traust du dich, seinen Namen auszusprechen?", horchte er auf.
Nun war es Ginny, die stutzte. Stimmt ja... sie tat es. Dank Viperus... Wie aufmerksam Colin doch war... Sie hob die Schultern. "In der Einsamkeit der Gefangenschaft hat man eine Menge Zeit, um nachzudenken."
Colin nickte zustimmend.
Er schien ihr sofort zu glauben. Er vertraute ihr. Ginny lächelte. Sie war froh darüber, dass er ihr vertraute. In Zeiten wie diesen, wo es von Feinden nur so wimmelte.
Colin nahm ihre linke Hand in die seine. "Ich bin wirklich sehr froh darüber, dass du wieder bei uns bist, Ginny."
Seine Hand war warm. "Danke, Colin", lächelte Ginny und drückte seine Hand.
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
"Ob sie darauf hereingefallen sind, mein Meister?", fragte die leicht verzerrte, kalt klingende Stimme der hochgewachsenen, schlanken Gestalt. Sie war in einem bodenlangen Umhang eingehüllt und eine weite Kapuze verbarg beinahe die silbrige Maske, die sein Gesicht versteckte.
Voldemort stand an einem Burgfenster und sah der Sonne zu, die am Horizont hinaufkletterte.
"Ich nehme es an, Viperus."
"Aber ob ihnen nicht auffallen wird, dass sie uns so leicht entkommen sind? Zu leicht?"
Voldemort drehte sich erst zu seinem jungen Schüler um und musterte ihn scharf aus seinen rotglühenden Augen.
"Natürlich, die Flucht war leicht. Aber für diese unerfahrenen Kinder war es mit Sicherheit der reinste Höllentrip."
"Sie werden wissen, dass es einen Verräter unter ihnen gibt."
Voldemort lächelte gefährlich. "Und der Gedanke daran wird ihre Seele zerfressen."
Viperus nickte. "Ja", sagte er kalt. "Sie haben bereits verloren, noch ehe der Kampf überhaupt begonnen hat."
Voldemort nickte genüsslich. "Die Finsternis wird ihnen immer um einen Schritt voraus sein. Wenn die Dunkelheit auf die Herzen der Widerstandskämpfer beherrscht, werden wir endgültig den Sieg davon getragen haben."
"Was ist mit ihr?", wagte Viperus zu fragen.
"Dem Weasley-Mädchen, die es dir wohl etwas angetan hat?"
"Hat sie nicht."
"Wage es nicht, mir zu widersprechen, mein junger Schüler", wies Voldmort den Jungen mit ruhiger Stimme zurecht.
Viperus senkte leicht den Kopf, sagte aber nichts.
"Sie... sie wird das Schicksal der Finsternis bestimmen."
- New friends, new enemies -
(Neue Freunde, neue Feinde)
~ 8th Chapter ~
"Die Todesser bewachen den Berg", stellte Blaise nervös fest, als sie von ihrer Erkundungstour wiederkam.
Ginny sah ihr entgegen. Blaise wirkte blass und angespannt.
"Haben die uns hier reinfliegen sehen?", fragte Justin verdutzt.
Blaise hob die Schultern. "Die Todesser bewachen die ganze Umgebung. Ich glaube, das hat nicht direkt damit etwas zu tun, dass sie denken, wir wären hier."
"Und wie kommen wir hinaus?", wollte Neville wissen.
"Tja", machte Blaise. "Solange der Berg bewacht wird, jedenfalls nicht."
"Wir können aber nicht ewig hier bleiben", wandte Justin ein. "Wir müssen so schnell wie möglich zum Versteck zurück."
"Wem sagst du das", giftete Blaise ihn an.
Justin hob abwehrend die Hände. "Hey!" Er fixierte Blaise mit bösem Blick. "Ich mein' ja nur!"
"Vielleicht gibt es ja noch einen anderen Ausgang... einen, der unbekannt ist?", überlegte Ginny.
"Wenn der dunkle Lord den Berg erbaut hat, wird er jeden Ausgang kennen", meinte Blaise. "Oder?", fragte sie den Drachen.
"Ich dachte, du seiest der Ansicht, dass die Todesser nicht unsretwillen den Berg bewachen", warf Justin lästernd ein.
"Ach, halt's Maul", presste Blaise hervor.
Ginny seufzte. "Na los, liefert euch endlich ein Duell, lasst eurer Nervosität freien Lauf, vielleicht gibt ihr dann endlich Ruhe."
Alle Köpfe drehten sich zu ihr hin.
"Jetzt sei mal nicht so zynisch, Ginny", grinste Justin schwach.
"Sag' mal...", fing Blaise an. "Hat Voldemort mit dir gesprochen?"
Ginny nickte.
"Und???"
Sie hob die Schultern. "Er hat mir nie gesagt, was er mit mir vorhat."
"Ich finde es an sich schon merkwürdig, dass du nicht gefoltert wurdest."
Ein bestimmter Tonfall in Blaises Stimme ließ Ginny aufhorchen. Sie fixierte Blaise mit scharfen Blicken. "Wie meinst du das?", fragte sie feindseliger, als sie beabsichtigt hatte.
"Ich sagte nur, dass ich es merkwürdig finde."
"Dann sag' es beim nächsten Mal in einem anderen Ton, okay?"
"Hey, in welchem Ton soll ich es denn bitte schön gesagt haben?" Blaise starrte Ginny an.
"Das weißt du doch ganz genau!"
"Oh, entschuldige mein Misstrauen, meine Liebe", fauchte Blaise. Ihre Augen hatten sich zu Schlitzen verengt.
"Ginny hat uns nicht verraten, Blaise", warf Neville irritiert ein.
"Na, hör' mal!" Ginny blitzte Blaise wütend an. Sie konnte diese unverschämte Unterstellung des Mädchens kaum fassen. "Wenn du damit sagen willst, ich sei die Verräterin, dann kannst du dir ja mal überlegen, wie ich euch hätte verraten sollen! Ich wusste noch nicht einmal, dass ihr so einfach in die Festung gelangen würdet! Woher hätte ich denn von eurer Befreiungsaktion wissen sollen!"
"Ginny, lass Blaise doch labern. Typisches Slytheringefasel eben", mischte sich Justin ein. Auch er bedachte Blaise mit wütendem Blick.
"Slytheringefasel?", wiederholte Blaise empört. Sie stieß einen langen Atem aus. "Echt, ihr kotzt mich langsam an!"
"Dann verschwinde doch!", zischte Justin.
"Ja, das wäre wohl am Besten so!", schrie Blaise. "Dann müssten Draco und ich nicht dauernd mit solchen Versagern wie euch zusammenarbeiten!"
"Versager? Haha, wirklich witzig!", stieß Justin zornig hervor. "Wieso befreit ihr beide uns dann nicht vom Joch von du-weißt-schon-wer und ihr könnt euch als Helden feiern lassen!"
"Du traust dich ja noch nicht einmal seinen Namen auszusprechen, Feigling!"
"Und du traust dich noch nicht einmal, hinauszufliegen, um es mit einer Horde Todessern aufzunehmen!" Justin war rot vor Zorn geworden.
"Bemerkenswert", mischte sich die gütige Stimme des Drachen ein.
Doch alle ignorierten ihn.
"Worauf wartest du, zieh endlich Leine", sagte Justin böse. "Vielleicht findest du ja deinen Slytherinfreund. Wahrscheinlich hat er uns verraten."
"Draco?" Blaise schien so empört über diese Unterstellung zu sein, dass sie Justin reglos anstarrte. Doch dann kam Bewegung in ihr und sie zückte ihren Zauberstab.
Justin tat es ihr nach und auch Neville zog zur Vorsicht seinen Zauberstab.
"Na, toll", murmelte Neville unglücklich.
"Ja, Malfoy."
"Draco hat uns nie verraten!"
"Woher willst du das wissen?", fragte Ginny provozierend. "Vielleicht steckt ihr ja beide hinter dem Verrat!"
Blaise keuchte fassungslos auf. "Sagt das noch mal!"
"Wenn ich mich mal einmischen dürfte", fing der Drache wieder an.
"Sagt das noch mal!", schrie Blaise wütend.
"Sollen wir es dir buchstabieren? !", fragte Justin in derselben Lautstärke.
"Es ist bemerkenswert, dass ihr Voldemort Widerstand leistet, obgleich ihr so zerstritten seid", ertönte wieder die Stimme des Drachen. "Für wahr, er wird leichtes Spiel mit euch haben."
Plötzliche Stille.
Alle sahen den Drachen betroffen an.
"Nein, so ist das nicht."
"Das hast du falsch aufgefasst."
"In Wirklichkeit verstehen wir uns."
"Von wegen leichtes Spiel", sagten alle durcheinander.
Der Drache legte seinen riesigen Kopf auf den Boden und schaute sie alle der Reihe nach aus seinen bernsteinfarbenen Augen an. "Und wieso hasst ihr euch?", fragte er.
"Was?" Justin sah ihn perplex an.
"Wir hassen uns nicht", versicherte Blaise ihm.
Der Drache seufzte und eine matte kleine Flamme rauschte aus seinem Rachen. "Wenn ihr euch euren Feinden stellen wollt, müsst ihr einander vertrauen. Ihr müsst zusammenhalten."
"Wie kann man jemanden noch vertrauen, wenn wir soeben verraten wurden?", fragte Justin. Er klang verzweifelt.
Der Drache sah ihn ernst an. "Ich kann dir nur sagen, dass Voldemort ein leichtes Spiel mit euch haben wird, wenn ihr untereinander uneins seid. Er stellt derzeit die Übermacht und jeder noch so kleine Riss in eurem Zusammenhalt wird euch schwächen."
Neville seufzte. "Du hast recht. Hoffentlich habt ihr das jetzt kapiert."
Ginny sah unbehaglich auf ihre Hände. Der Drache hatte in der Tat recht. Aber Justins Frage war berechtigt. Wie sollten sie einander noch vertrauen, wenn es einen Verräter unter ihnen gab?
"Es tut mir leid", murmelte Justin.
"Mir auch", sagten Blaise und Ginny fast gleichzeitig.
"Was eure Rückkehr zu eurem Versteck betrifft", fuhr der Drache fort, "ich hätte da einen Vorschlag..."
"Und der wäre?", fragte Justin.
Ginny sah den Drachen erwartungsvoll an.
"Ich fliege häufig hinaus, um meine Runden zu drehen. Ihr könnt euch dabei auf meinen Rücken setzen. Ihr seid so winzig auf meinem riesigen Rücken und ich wäre so schnell, die Todesser würden euch nicht sehen."
"D- das ist genial", stieß Neville überglücklich aus.
Ginny überdachte es schnell. "Es ist wirklich eine gute Idee. Das würdest du für uns tun?"
Der Drache nickte.
"Super", lachte Blaise.
"Und an einem sicheren Ort lande ich, setze euch ab und ihr könnt von dort zu eurem Versteck fliegen."
"Wäre du-weißt-schon-wer nicht erzürnt?", fragte Justin.
Der Drache lachte leise. "Ich bin Voldemort nicht zur Loyalität verpflichtet."
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Angelina Johnson flog schon lange über London und hielt Ausschau nach ihren Freunden. Sie hatte die Besen von Harry, Hermione, Sirius und Draco so klein gezaubert, dass sie in ihre Tasche an ihrer Robe passte und wartete einen geeigneten Zeitpunkt ab, um in den Wald hinabzutauchen, der sich in der Nähe von Voldemorts Festung befand. Sie wusste, dass die vier zu Fuß nicht weit gekommen sein konnten und der Wald war nun mal das beste Versteck in dieser Gegend. Das hieß, wenn sie überhaupt aus der Festung entkommen konnten...
Was wohl mit Fred und George passiert war? Sie hoffte, dass sie entkommen konnten. Es war ja so ein Chaos entstanden, als die Todesser plötzlich vor ihnen im Versteck aufgetaucht waren - so zielsicher, dass es sich nur um Verrat handeln konnte. Hatte Snape nachgegeben? Wurde er so grausam gefoltert, dass er binnen kurzer Zeit ihren Plan preisgegeben hatte? Angelina wusste, dass es nicht stimmen konnte. Snape war verantwortungsbewusst. Hätte er gewusst, dass genau dies passieren könnte, so hätte er sich niemals dazu erboten, in die Festung hineinzugehen. Sie wollte sich nur an diesen Gedanken klammern, um nicht daran denken zu müssen, dass es einen Verräter in ihren eigenen Reihen gab.
Außer..., fiel ihr plötzlich ein, außer, Snape hatte damit gerechnet, und einfach nur gehofft, sie würden es alle echtzeitig schaffen, bis sein Wille unter der Folter zusammenbrach.
Angelina lenkte ihren Besen rasch in den Wald hinab und tauchte in den Baumkronen unter. Sie hatte das Zeitgefühl verloren, aber es kam ihr wie eine halbe Ewigkeit vor, dass sie die anderen suchte.
Der Wald schien aus dunklen Schatten zu bestehen und sie flog vorsichtig weiter in die Richtung, von der sie hoffte, dass Sirius, Ron, Hermione, Harry und Draco eben diese eingeschlagen haben.
Es war einfach ihr Gefühl, dass ihr instinktiv verriet, dass diese Richtung richtig war. Sie wusste nicht, ob sie an so etwas glauben sollte, aber manchmal funktionierte es. Es war ein inneres Gefühl, eine innere Stimme, die unaufhörlich zu einem sprach, jedoch so leise, dass man sie sehr selten zu hören vermag. Aber vielleicht sprach sie auch in voller Lautstärke, und der Grund, warum man sie nicht hörte, war, weil man an derartiges nicht glauben wollte?
Sie hörte Rascheln und ein leises, angespanntes Flüstern.
Sie horchte auf und sah angestrengt in die Dunkelheit.
"Sollen wir hier eigentlich ewig umherirren?", hörte sie eine Stimme zischen, die sich verdächtig nach einem missgelaunten Harry anhörte.
'Gott sei dank', dachte Angelina erleichtert. 'Ich habe sie gefunden.'
Sie stieß sich mit dem Besen galant nach unten.
"Scheiße", hörte sie eine kühle Stimme fluchen. "Da kommt jemand!"
"Ich bin's", flüsterte Angelina, während sie sanft auf den Waldboden landete. Erleichtert sah sie in die Gesichter der Verbündeten. "Ihr seid nicht gerade leise..."
"Angie!" Ron lachte.
"Weasley, halt die Fresse", warnte Draco ihn scharf.
"Oh, Angelina", jauchzte Hermione überglücklich und schon war sie von ihr, Harry und Ron umringt.
"Hey, Wiedersehensfreude können wir nachher noch spielen, wir müssen schleunigst fort von hier", wehrte Angelina die Freunde grinsend ab.
Sie holte die kleinen Besen hervor und zauberte sie wieder zurück in ihre Originalgröße.
"Du bist ein Schatz, Angelina", strahlte Hermione.
Sirius nickte und sah sie froh aus seinen dunklen Augen an. "Gut gemacht."
"Dumbledore...?" Angelina sah sie traurig an.
"Bevor wir ihn finden konnten, wurden wir überrascht. Sie wussten, dass wir da waren. Und sie wussten vom Tarnumhang", erzählte Harry rasch.
Angelina schwieg schockiert.
Draco hatte sich bereits seinen Besen geschnappt. "Los, kommt jetzt, endlich", murrte er und schwang sich in die Höhe.
Die anderen taten es ihm nach.
"Was ist passiert?", fragte Sirius, während sie durch den Wald flogen, jederzeit bereit, in Deckung zu gehen.
"Wir wurden ebenfalls überrascht", erzählte Angelina leise und in knappen Worten. "Wir waren im Versteck, als die Todesser plötzlich auftauchten. Es schien, als hätten sie gewusst, dass wir dort waren. Wir sind geflohen, während sie den Wald systematisch abgesucht haben."
"Verrat", wiederholte Ron kopfschüttelnd. "Ich kann es immer noch nicht glauben."
"Ich glaube es nicht", verkündete Hermione, doch ihr Gesicht strafte ihrer Behauptung Lügen.
"War ja klar", mischte sich Draco ein und seine Stimme trief vor Sarkasmus.
"Was ist klar?", fragte Hermione schnippisch.
"Dass du eine rosarote Brille aufgesetzt hast."
Ehe Hermione etwas erwidern konnte, schalt sich Sirius dazwischen. "Kein Streit, damit das klar ist! Ihr seid am besten ganz ruhig, okay!"
"Mit welchem Recht gibst du hier eigentlich dumme Befehle, Werwolfsfreund?", erkundigte sich Draco höhnisch.
"Mit dem Recht des Stärkeren", antwortete Sirius kurzangebunden.
Angelina seufzte. "Geht das etwa schon die ganze Zeit so?"
Harry, Ron und Draco sahen sie verwirrt an, während Hermione und Sirius nickten.
"Na, ein Wunder, dass ihr es lebend hinausgeschafft habt." Angelina seufzte gequält. "Und wenn es Snape war?"
"Der Verräter?", horchte Draco auf. "So ein Unsinn."
"Ich meine, vielleicht wurde er gefoltert und er hat schließlich alles erzählt?"
"In solch' einer kurzen Zeit?" Dracos graue Augen funkelten vor Spott. "Alles klar Johnson, aber ansonsten geht's dir gut, ja?"
"Klappe, Malfoy", zischte Ron böse.
Angelina seufzte erneut und sagte nichts mehr. Draco hatte ja recht. Snapes Wille würde niemals in solch' einer kurzen Zeit nachgeben.
Harrys kurze Zusammenfassung ihrer Erlebnisse in der Festung bewiesen, dass es einen Verräter gab. Wie sonst hätte man etwas vom Tarnumhang gewusst? Sie merkte, dass sie den Gedanken des Verrates nicht glauben, nicht akzeptieren wollte. Realisiert hatte sie ihn erst recht nicht. Dann wäre ihr bereits bewusst, welch folgenschwere Konsequenzen ihnen noch bevorstehen würden...
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Draco sah schon den Waldrand. Dahinter sah es schon gleich heller aus. Nicht so dunkel, wie hier im Wald. Er spürte, dass es nicht allein die Nacht war, die über den Wald die Dunkelheit gelegt hatte. Es war noch etwas anderes, dasselbe, was er in der Festung gespürt hatte.
Schatten. Dunkle Schatten. Boten der Finsternis.
Eher gedankenverloren sah er zwischen den letzten Bäumen hindurch und registrierte die anstehende Morgendämmerung. 'Wir müssen ins beeilen.'
Ganz weit hinten schien sich die Schwärze der Nacht in helleren Farben zu verwandeln. In Farben, die irgendwie Hoffnung zu bringen schienen. Sterne funkelten weit hinten nur noch blass am Horizont, nicht mehr so klar und leuchtend wie direkt über ihren Köpfen, zwischen den Baumkronen.
Ob das Tageslicht es fertig brachte, die dunklen Schatten aus dem Wald zu vertreiben? Draco konnte es nicht glauben. Nichts und niemand konnte solch' dunkle Schatten vertreiben. Sie gehörten zur dunklen Seite. Und Dunkelheit existierte nun mal. Und ohne Dunkelheit würde es nun mal auch kein Licht mehr geben.
"Bist du das?", drang eine samtweiche, traurige Mädchenstimme an sein Ohr. Leise, beinahe hallend.
"Was?" Draco schaute verwirrt auf.
"Was?", fragte Ron und sah ihn stirnrunzelnd an.
"Hat eine von euch etwas gesagt?" Draco sah Hermione und Angelina an.
"Nein", kam die gleichlautende Antwort.
Draco schüttelte ungläubig den Kopf. Nun hörte er sogar Stimmen! Er musste dringend Schlaf nachholen...
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
"Hey, Fred, schau mal", wisperte George. Er wies mit seinem Arm nach rechts und sein Bruder folgte seinem Blick.
Riesige Spinnenweben hangen scheinbar harmlos in der Luft herum, aber wenn man genau hinsah, hatten die im Mondlicht fast leuchtende, silbrigweißen Fäden ein System. Ein System von solch' kalter Logik, dass es nur den Tod bringen konnte.
"Mann, sind das riesige Spinnenweben", staunte Fred beinahe ehrfürchtig.
"Hier müssen die Riesenspinnen hausen", überlegte George.
"Cool!" Freds Augen leuchteten. "Was meinst du, George, sollen wir den Ort mal erkunden?"
"Es wird gleich hell und wir haben noch ein gutes Stück Flug vor uns", wandte George ein.
Fred legte den Kopf zur Seite. "Hm", machte er nachdenklich. "Stimmt. Aber ich würde sooo gerne..."
"Uns fehlt die Zeit." George hielt sich in knappen Worten. Sie hatten nun mal wirklich keine Zeit. "Und das weißt du."
Fred seufzte. "Okay... dann lass uns gehen."
Sie drehten sich um und wollten den Weg zurück gehen.
"Wohin denn so eilig des Weges?", hörten sie eine lauernde Stimme, gefolgt von einem Klappern.
Fred und George drehten sich langsam um und blickten einer Riesenspinne entgegen.
"Oh, verdammt", murmelte George. Mit großen Augen betrachtete er das Monster. "Ich glaube..., die will uns fressen."
"Yo, mann, Alter, was geht?", begrüßte Fred die Riesenspinne. Er versuchte selbstsicher zu klingen, schaffte es aber nicht so ganz.
Die Spinne klapperte entrüstet. "Hast du mich gerade AlterRiesenvieh genannt?", fragte die Spinne lauernd.
"Ja, Alter, das hat er", sagte Fred. "Bist du taub?"
Die Spinne klapperte wütend.
"Meine Fresse, sei still und lass uns den Rückzug antreten", zischte George wieder.
"Rückzug? Das werdet ihr schön bleiben lassen." Die Spinne schien über ein gutes Gehör zu vermögen.
Langsam zückten die Zwillinge ihre Zauberstäbe.
"Und versucht erst gar nicht zu zaubern", wies die Riesenspinne die beiden mit bissigem Tonfall darauf hin. "Eine Bewegung und meine Geschwister stürzen sich auf euch."
"Sind wir umzingelt?", fragte Fred seinen Bruder.
"Gute Frage. Ich trau' mich nicht mich umzudrehen."
"Gibt es ein Problem?", mischte sich eine neue Stimme ein. Sie klang kalt, lauernd und selbstbestimmt.
"Shikar", rief George und wirbelte herum.
"Alter, gerade rechtzeitig", grinste Fred.
Sie waren nicht umzingelt, entweder hat die Spinne geblufft oder die anderen haben sich versteckt. Doch das war jetzt egal, denn Shikar war mit seinem Rudel herangetreten. Die Wölfe nahmen sofort Stellung ein und der Anführer näherte sich den Zwillingen und der Spinne.
"Shikar", grollte die Spinne. "Es gibt kein Problem. Ich will die beiden Jungen hier nur auffressen."
"Was du willst, interessiert mich nicht", sagte Shikar, der die Riesenspinne gefährlich aus seinen rotglühenden Augen ansah. "Die beiden hier stehen unter meinem Schutz und sollte ich noch einmal miterleben, dass du ihnen zunahe kommst, bist du des Todes."
Die Spinne fing an, wütend zu klappern. "Du bist ein arroganter Spielverderber, Shikar!"
"Wagst du es, meine Autorität in Frage zu stellen?"
Die anderen Wölfe begannen warnend zu knurren und näherten sich.
"Nein, nein", sagte die Riesenspinne schnell. "Ist ja schon gut, sag' deinem Schlägertrupp, sie sollen sich von mir fern halten."
Shikar knurrte leise und die anderen Wölfe blieben stehen.
"Mann, wir sind gerettet", flüsterte George.
"Yeah, Shikar, der Königsmacker im Walde!"
"Wir ziehen ab", gab Shikar bekannt, ohne die Riesenspinne aus den Augen zu lassen.
Vier Wölfe nahmen Fred und George in die Mitte und forderten sie auf, sich in Bewegung zu setzen.
"Coole Sache, wir haben ´nen Begleitschutz", grinste Fred.
Als sie sich von den Spinne entfernt hatten, blieb der Rudel stehen.
Shikar positioniere sich vor Fred und George.
"Boah, danke, alter Kumpel!", strahlten die beiden Brüder.
"Es ist eine Sache, sich unschuldig in ein Spinnennetz zu verirren, aber eine ganz andere, diese Tiere auch noch zu provozieren", fing Shikar leise grollend an. "Es ist besser, ihr fliegt sofort los, ich habe wirklich keine Lust, euer Aufpasser zu spielen."
George und Fred grinsten und salutierten aus Spaß. "Klar, Sir, wir sind schon weg."
Sie stiegen auf ihre Besen. "Und danke, ne."
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
"Weißt du was?", fragte Justin den Drachen.
"Ich nehme an, gleich weiß ich es", grinste der Drache.
"Wir kennen deinen Namen überhaupt nicht."
Der Drache lachte gütig mit seiner tiefen Stimme. "Oh, mein Name ist für euch Menschen unaussprechlich."
"Wie sollen wir dich dann nennen?", fragte Ginny.
"Überlegt es euch. Dir wird sicherlich ein schöner Name einfallen", lächelte der Drache. "Es dämmert", fuhr er fort. "Zeit für meinen morgendlichen Rundflug."
Die anderen nickten.
"Hoffentlich funktioniert es", murmelte Neville besorgt.
"Sei unbesorgt, mein Freund", beruhigte der Drache ihn. "Es wird funktionieren."
Ihre Besen hatten sie kleingezaubert und in ihre Taschen verstaut. Sie kletterten auf den Rücken des Drachen und hielten sich fest.
Der Drache ging zur Höhlenöffnung, dann breitete er seine Flügel aus und schwang sich in die Luft.
Es war noch dunkel draußen, aber im Osten begann es bereits zu dämmern.
Todesser flogen durch die Luft, aber sie hielten den Drachen nicht auf.
"Lasst den Drachen passieren", schrie jemand und Ginny jubelte innerlich.
Der Drache hatte recht gehabt. Er war so groß, sie fielen auf seinem Rücken nicht weiter auf. Zudem genoss er offenbar trotz allem Voldemorts Gunst.
Die Flügel der Drachen peitschten laut durch die Luft. Er flog so hoch, dass der blasse Mond nur noch ein Katzensprung entfernt zu sein schien.
Und er flog schnell. Blaise rief ihm die Richtung zu, in der er fliegen sollte, so dass sie ein großen Teil des Rückweges schon bald hinter sich hatten.
Ginny schaute nach unten. Alles wirkte so klein und harmlos von ihr oben. Nichts deutete darauf hin, dass dort Gewalt und Schrecken herrschten.
"Seht ihr den Wald?", rief der Drache.
"Ja", schrieen Justin und Blaise.
"Dort werde ich euch absetzen."
Ginny sah wie Baumkronen immer näher kommen. Es war ein großer, freundlich aussehender Wald, ganz anders, als der bei Voldemorts Festung.
Auch hier warfen die Bäume dunkle Schatten in die späte Nacht, aber es waren ganz andere Schatten. Sie wirkten nicht bedrohlich. Oder beängstigend.
Der Drache landete auf eine weite Lichtung, in der ein kleiner See im blassen Mondlicht glitzerte.
Die vier Freunde stiegen ab und sahen sich um.
In der Dämmerung konnte man die Umrisse gut erkennen.
Die Lichtung war groß und umringt von schmalen, hohen Bäumen. Das Gras war hoch und mit Blumen übersäht. Das Wasser des Sees glitzerte sanft.
"Es sieht hier wirklich schön aus", sagte Blaise.
"So friedlich", murmelte Ginny.
'Illusionär', flüsterte eine Stimme in ihrem Kopf. Sie musste unwillkürlich an Viperus denken. Er hätte diesen Ort mit Sicherheit als illusionär bezeichnet. Als illusionär und verlogen. Weil der Ort die Realität verbarg und die wahren Probleme nicht zum Erkennen preisgab.
"Ihr solltet sofort losfliegen. Sonst schafft ihr es nicht vor endgültigem Tagesanbruch", sagte der Drache.
Ginny drehte sich zu ihm um und betrachtete ihn warm.
Er wirkte besorgt. Besorgt um sie, obgleich er sie doch gerade erst kennen gelernt hatte.
Blaise, Justin und Neville waren bereits auf ihre Besen aufgestiegen.
"Machs gut, Drache", rief Blaise. "Ich weiß nicht, wie wir dir jemals dafür danken können..."
"Ciao, es war nett, dich kennen gelernt zu haben", lachte Justin. "Ich hoffe, wir sehen uns wieder... irgendwann..."
"Hab Dank, Drache. Für alles", sagte Neville ernst.
"Macht es gut, meine kleinen Freunde. Es hat mich gefreut, euch helfen zu können", verabschiedete sich der Drache von ihnen.
Ginny sah in seine bernsteinfarbenen Augen, die so voller Wärme und Güte waren.
Der Drache tat Dinge, ohne dafür etwas zu verlangen. Eine sehr seltene Eigenschaft, die man in dieser Welt vorfand.
"Ich nenne dich Dralon", lächelte sie ihn an. "Ein Wort aus einer alten Sprache... sie bedeutet 'Freund'."
Der Drache lachte leise. "Ein schöner Name, Ginny. Ich fühle mich geehrt, dass du mich als einen 'Freund' bezeichnest."
Ginny stieg auf ihren Besen. "Ich werde dich nicht vergessen."
Damit stieg sie mit den anderen hoch hinauf in die Lüfte, um zu ihrem Versteck zurückzufliegen.
Der Drache Dralon sah dem Mädchen noch lange hinterher. Er seufzte traurig und sanfte Feuerfunken stießen aus seinen Nüstern. "Oh, welch' dunkles Schicksal steht dir nur bevor..."
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Sirius, Hermione, Ron, Angelina, Harry und Draco flogen indes zurück zu ihrem Versteck.
Sie flogen gen Osten und nach und nach wurde die Dunkelheit vom sanften Licht des Tages verdrängt.
"Wir müssen uns beeilen", drängte Sirius. "Bevor es endgültig hell wird."
"Wir haben es doch nicht mehr weit", meinte Ron.
Sie flogen schnell. Sie hatten sich tief über ihre Besen gebeugt und flogen schnell wie der Wind am britischen Horizont entlang.
Am Waldrand angekommen, landeten sie, um von dort die Zauberformel aufzusagen, die für ihre Augen die Burg sichtbar machte.
Draco spürte das weiche Gras unter seinen Füßen und hörte, wie Hermione die Zauberformel murmelte.
Schon erblickte er die Burg und sie gingen ihr entgegen. Apparieren konnte man ja nicht, dass hatten sie zu ihrem Schutz so veranlasst.
Es war nun endgültig hell - sie hatten es wirklich rechtzeitig geschafft.
Draco konnte noch den letzten Schimmer des schwachen Sternenlichtes am Himmel erkennen, ehe der Tag endgültig über den Horizont verfügen konnte. Vögel zwitscherten und ließen eine friedvolle, beinahe unschuldige Atmosphäre aufkommen.
"Bist du das?", drang eine samtweiche, traurige Mädchenstimme an sein Ohr. Leise und beinahe hallend.
Draco sah sich verwirrt um. Gerade rechtzeitig konnte er sich auf die Zunge beißen, er wollte Granger und Johnson nicht schon wieder fragen, ob sie was gesagt hatten. Denn das hatten sie nicht. Die sanfte Mädchenstimme war in seinem Kopf gewesen. Aber warum? Und was wollte sie?
* * * * * * * * * * * * * * * * * *
Das Wiedersehen in der Burg war groß. Jubelnd fiel man sich in die Arme und man erzählte in einem großen Durcheinander, was passiert war.
Es dauerte lange, bis es endlich leiser wurde und sie sich ernst ansahen.
"Es gibt also einen Verräter unter uns", sagte Colin laut. Er klang noch immer fassungslos.
"Aber wer?", fragte Dean. "Sollen wir uns alle etwa gegenseitig verdächtigen?"
"Ich wüsste nicht, wer hier ein Verräter sein sollte", wandte Lavender ein.
Harry zuckte mit den Achseln. Er wusste es auch nicht. Wer würde sie verraten? Vertrauen sie einander nicht blind? Hatte das ein Ende und musste man alleine für eine Welt kämpfen, die so unerreichbar schien?
Plötzlich öffnete sich die Tür des Gemeinschaftsraumes, wo alle saßen.
Ungläubig blickte Harry der Person entgegen. "Snape?!"
"Ich sehe, ihr seid alle unversehrt entkommen", sagte Snape ernst. Er trat ein und schloss die Tür. "Ich hatte schon die Befürchtung, die Suchtrupps würden euch finden."
"Snape!", rief Sirius ungläubig aus.
"Black... die Rettungsaktion war wohl nur zum Teil erfolgreich, wie ich sehe..."
"Es gab einen Verräter!", rief Ron.
Harry konnte sehen, wie der Ausdruck des Unglaube auf Snapes Gesicht trat. "Einen Verräter?"
Sirius nickte und erzählte in knappen Worten, was die einzelnen Gruppen erlebt hatten.
Snape ließ sich auf einen Sessel sinken.
"Wie sind Sie überhaupt aus der Festung gekommen?", fragte Seamus den Zaubertrankmeister.
"Ich habe Voldemorts Vertrauen wiedergewonnen."
"Und dafür Verrat begangen?", zischte Harry.
"Potter, dein Hass macht dich kampfunfähig, du verlierst den Blick für die Realität. Ich habe andere Möglichkeiten, um sein Vertrauen wiederzugewinnen."
Snape stand wieder auf und sein Blick richtete sich auf Sirius. "Ich muss mit dir sprechen, Black", forderte er kühl. "Allein."
Wildes Getuschel brach aus, als die beiden Männer den Raum verlassen hatten.
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Fred lief hinter Angelina her, die soeben den Gemeinschaftraum verlassen hatte.
"Hey", rief Fred strahlend, als er sie eingeholt hatte. Sie hatten sich noch gar nicht richtig begrüßen können.
Er hob sie plötzlich hoch und wirbelte mit ihr herum.
Angelina stimmte in sein Lachen ein. "Fred, lass mich wieder runter."
Fred kam der Bitte tatsächlich nach. Mit leuchtenden Augen sah er sie an und nahm ihre Hände in die seinen. "Mann, bin ich froh, dass dir nichts passiert ist!"
"Ich bin auch froh, dass du heil angekommen bist", versicherte Angelina ihm. "Hätte mich wirklich nicht gewundert, wenn du Spinnenfutter geworden wärest."
Fred grinste breit. "Ich doch nicht."
Angelina kicherte. "Nein, du doch nicht. Gefahr kennst du überhaupt nicht, nicht wahr?"
Fred grinste nur.
Sie sahen sich stumm an, dann beugte Fred sich vor. Ihre Gesichter näherten sich, bis er seine Lippen schließlich auf die ihren legen konnte.
Angelina löste sich von seinem Griff und schlang ihre Arme um seinen Nacken, während ihr Kuss immer leidenschaftlicher wurde.
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Harry sah Sirius aus einem Raum kommen. Er vermutete, dass Snape sich dort noch befand und ging raschen Schrittes auf die Tür zu.
Snape sah auf, als Harry eintrat. Er stand vor einem Zaubertrankkessel, in der eine goldbraune Flüssigkeit brodelte.
"Professor Snape", sagte Harry.
"Potter", begrüßte Snape ihn mit öliger Stimme.
"Ich nehme nicht an, dass Sie mir erzählen wollen, wie Sie sich aus Voldemorts Klauen befreien konnten, nicht wahr?" Harry baute sich auf der anderen Seite des Kessels auf, gegenüber von Snape.
Snape rührte ungerührt in dem Kessel weiter und beobachtete Harry aus seinen schwarzen Augen, die wie endlose lange Tunnel wirkten. "Ich nehme nicht an, dass ich dir eine Rechenschaft schuldig bin, nicht wahr?", konterte er mit leiser, spottender Stimme.
Harry atmete tief ein und aus. "Ich wüsste gerne, ob wir Ihnen noch trauen können."
Snape sah ihn scharf an. "In Zeiten wie diesen kann jeder der Verräter sein. Wer sagt mir, dass du es nicht bist?"
"Ich?" Harry war so empört, dass er fast vergessen hätte zu atmen. "Wie absurd! Natürlich bin ich es nicht!"
"Dann höre auf, den Nächstbesten Dinge zu unterstellen, nur weil du nicht in der Lage bist vor lauter Hass nüchtern zu denken", wies Snape ihn zurecht.
"Wie bitte?" Das wurde ja immer dreister. "Ich denke nüchtern!"
"Du bist nahezu blind vor Hass." Snape rührte selig in dem Trank weiter. "Übrigens stehst du deinem Patenonkel in diesem Punkt in nichts nach."
"Ich bin nicht blind. Ich wüsste nur, wie Sie es aus der Festung geschafft haben. Oder meinen Sie etwa, es wäre nicht nötig, es uns zu erzählen? Verdammt, wenn wir Ihnen trauen sollen, dann müssen Sie auch mit uns arbeiten!"
Snape nahm eine Dose in die Hand und tat eine Prise braunes Puder in die Flüssigkeit. Dann rührte er den Trank weiter um.
"Und was ist das überhaupt für ein Trank, den Sie da brauen?" Harry versuchte es erst gar nicht, seine Wut zu verbergen. Wie konnte Snape nur einen auf geheimnisvoll machen?
"Das ist der Trank des Ruhmes."
Harry riss die Augen auf. "Ehrlich? Warum brauen Sie ihn? Für wen?"
"Für dich jedenfalls nicht." Snape sah auf. "Der Trank des Ruhmes ist nichts für dich, Potter", fuhr er eisig fort.
"Ich habe ihn auch nicht nötig. Wenn Sie unbedingt meinen, Ihre Geheimnisse spinnen zu müssen..." Harry war plötzlich resigniert. Er war müde und wollte ins Bett. "Dann tun Sie es. Dass es für den Zusammenhalt nicht gut sein wird, ist Ihnen hoffentlich bewusst." Er wandte sich zum Gehen.
"Potter", hielt Snapes leise Stimme ihn auf.
Harry drehte sich nicht mehr zu Snape um, blieb aber stehen.
"Wann wird dir eigentlich klar, dass du mit einem Zusammenhalt nicht mehr rechnen kannst?"
"Wie bitte?"
"Es gibt einen Verräter, von dem niemand weiß, wer er ist", erklärte Snape mit kalter Stimme. "Entweder du misstraust jeden, um nicht Schaden zu bewirken oder du erzählst allen alles wie zuvor und Voldemort wird schneller siegen, als du deinen Namen aussprechen kannst."
Harry sagte nichts mehr. Er stürmte hinaus. Snape hatte ja recht. Aber wie sollte man gewinnen, wenn man einen Zusammenhalt vermied?
Fast wäre er mit Cho zusammengestoßen, als er um die Ecke rannte.
"Harry!", rief sie.
"Oh, entschuldige", sagte Harry hastig und blieb stehen.
"Was ist los mit dir?" Chos dunkle Augen musterten ihn besorgt.
"Ich... ich bin nur müde", winkte Harry ab.
"Wirklich?", hakte Cho nach.
Harry nickte.
"Ich glaube dir aber nicht. Du bist nicht nur müde, Harry..."
Harry musste unwillkürlich lächeln, obwohl ihm nicht danach zumute war. Cho konnte man offensichtlich nur schwer etwas vormachen. "Es ist nur so... der... der Gedanke einen Verräter unter uns zu haben... ich, also, ich kann es einfach nicht fassen."
Cho nickte ernst.
"Wie kann das sein? Ausgerechnet einer von uns?"
"Es wird noch schwieriger werden, als zuvor."
"Weißt du, das hieße ja, niemandem mehr zu vertrauen. Aber wie wollen wir Voldemort besiegen, wenn wir keine Einheit mehr bilden können?" Harry war verzweifelt. Hatte der Kampf ein Ende?
"Ich würde vorschlagen, einfach so weitermachen wie bisher."
"Damit der Verräter unsere Pläne weitergeben kann?" Harry lachte ungläubig auf.
"Man könnte falsche Pläne verbreiten. Und darauf warten, bis der Verräter uns in die Falle tappt."
Harry seufzte. "Ach, Cho..."
"Wir müssen klug handeln." Sie trat näher heran, stellte sich auf die Zehenspitzen und umarmte Harry.
Harry legte zögernd seine Arme um sie und fand tröstenden Halt in ihrer Umarmung.
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"Wir haben neue Feinde", grollte Colin, als er mit Ginny in einer Ecke des Gemeinschaftraumes saß. Sie waren allein. Die anderen waren zu Bett gegangen.
Ginny nickte.
"Einen neuen Feind direkt unter uns."
"Aber wir haben auch neue Freunde", warf sie ein. "Den Drachen, zum Beispiel."
"Was nützt uns das", seufzte Colin.
"Vielleicht mehr, als wir erahnen können..."
"Er ist doch der Freund von unserem größten Feind."
"Wenn ist ein Freund Tom Riddles, nicht aber von Voldemort."
Colin stutzte plötzlich und blinzelte.
Ginny sah ihn verwirrt an. "Was ist?"
"Seit wann traust du dich, seinen Namen auszusprechen?", horchte er auf.
Nun war es Ginny, die stutzte. Stimmt ja... sie tat es. Dank Viperus... Wie aufmerksam Colin doch war... Sie hob die Schultern. "In der Einsamkeit der Gefangenschaft hat man eine Menge Zeit, um nachzudenken."
Colin nickte zustimmend.
Er schien ihr sofort zu glauben. Er vertraute ihr. Ginny lächelte. Sie war froh darüber, dass er ihr vertraute. In Zeiten wie diesen, wo es von Feinden nur so wimmelte.
Colin nahm ihre linke Hand in die seine. "Ich bin wirklich sehr froh darüber, dass du wieder bei uns bist, Ginny."
Seine Hand war warm. "Danke, Colin", lächelte Ginny und drückte seine Hand.
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"Ob sie darauf hereingefallen sind, mein Meister?", fragte die leicht verzerrte, kalt klingende Stimme der hochgewachsenen, schlanken Gestalt. Sie war in einem bodenlangen Umhang eingehüllt und eine weite Kapuze verbarg beinahe die silbrige Maske, die sein Gesicht versteckte.
Voldemort stand an einem Burgfenster und sah der Sonne zu, die am Horizont hinaufkletterte.
"Ich nehme es an, Viperus."
"Aber ob ihnen nicht auffallen wird, dass sie uns so leicht entkommen sind? Zu leicht?"
Voldemort drehte sich erst zu seinem jungen Schüler um und musterte ihn scharf aus seinen rotglühenden Augen.
"Natürlich, die Flucht war leicht. Aber für diese unerfahrenen Kinder war es mit Sicherheit der reinste Höllentrip."
"Sie werden wissen, dass es einen Verräter unter ihnen gibt."
Voldemort lächelte gefährlich. "Und der Gedanke daran wird ihre Seele zerfressen."
Viperus nickte. "Ja", sagte er kalt. "Sie haben bereits verloren, noch ehe der Kampf überhaupt begonnen hat."
Voldemort nickte genüsslich. "Die Finsternis wird ihnen immer um einen Schritt voraus sein. Wenn die Dunkelheit auf die Herzen der Widerstandskämpfer beherrscht, werden wir endgültig den Sieg davon getragen haben."
"Was ist mit ihr?", wagte Viperus zu fragen.
"Dem Weasley-Mädchen, die es dir wohl etwas angetan hat?"
"Hat sie nicht."
"Wage es nicht, mir zu widersprechen, mein junger Schüler", wies Voldmort den Jungen mit ruhiger Stimme zurecht.
Viperus senkte leicht den Kopf, sagte aber nichts.
"Sie... sie wird das Schicksal der Finsternis bestimmen."
