10. Anfänge
„Draco. Komm! Ich brauche dich! Jetzt!", hauchte Kirion verführerisch und setzte sich auf. Er krabbelte auf den Blonden zu und schmiegte sich an diesen. Sein Kopf stützte er in die Halsbeuge des Ex-Slytherins und hauchte seinen heißen Atem an die empfindliche Haut, was Draco zum Erschaudern brachte. Er roch den Duft des Braunhaarigen, der seine Sinne verwirrte und seine Gedanken lahm legte. Mit unterdrücktem Verlangen stöhnte er auf und krallte sich in das T-Shirt des kleinen Vampirs.
„Was machst du mit mir?", keuchte Draco, als er Kirions Finger an seiner nackten Brust spürte, die sanft seine Warzen massierten.
„Dich von diesem schwarzen Engel befreien. Ich will nicht, dass du wegen ihm mich verlässt.", flüsterte Kirion weinerlich und liebkoste die Halsschlagader des Blonden, dessen innere Gegenwehr immer weiter schwand.
„Ich könnte dich niemals verlassen!", sagte der Ex-Slytherin verwirrt. Er konnte sich denken, was gleich passieren würde und es lockte ihn ungemein, das selbige bei dem Braunhaarigen zu tun. Und als ob dieser Gedanke der Startschuss gewesen wäre, pressten sich Kirions kleine Vampirzähne an seine Ader und durchbrachen die Haut. Draco fauchte und vergrub seine Hand in dem braunhaarigen Haar, um den Jungen ein wenig zur Seite zu zerren, bevor auch er seine Zähne ins blasse Fleisch stieß. Sie tauschen ihr Blut aus, legten für den anderen die Seele offen, so dass der Ex-Slytherin zuerst geschockt zurückweichen wollte. Doch der Lebenssaft zwang ihn weiterzumachen. So lösten sich immer mehr Teile der Seele von Kirion auf, die Draco erschreckten. Er sah die große Liebe des Braunhaarigen zu ihm, die seit ihrem ersten Aufeinandertreffen von Minute zu Minute wuchs. Der Kleine war fanatisch, abhängig von ihm. Und dieser Aspekt reizte Draco so sehr, wie er ihn abstieß. Knurrend verbiss er sich noch weiter in diesen kindlichen Hals und trank ihn leer, so wie Kirion ihn leerte.
Nach etlichen Minuten dieses Tauschens, trennten sie sich von Lust getränkt. Immer noch krallten sich Dracos Finger in Kirions Haaren, dessen türkise Augen ihn genau musterten. Er dachte, in diesen Seen würde er die absolute Wahrheit finden, die Lösung aller Fragen, die allerdings in diesem Moment entzückender Extase, vollkommen nichtig waren. Langsam beugte er sich zu dem Kleinen hinunter, der immer noch mit seinen Brustwarzen spielte.
„Bist du dir sicher, großer Bruder? Du würdest mich alleine lassen, wenn er das von dir verlangen würde."
„NEIN,
niemals!", zischte Draco erschrocken und küsste den
Braunhaarigen auf die besudelten Lippen. Er schmeckte sein eigenes
Blut und intensivierte die Liebkosung, die von dem Jungen erwidert
wurde. Ungeduldig zog er ihm das T-Shirt aus und leckte über das
Schlüsselbein des jungen Vampirs, der nun stöhnen musste.
„Schneller, Draco! Ich will dich in mir spüren!", knurrte
Kirion herrisch und riss den Pullover des Blonden einfach vom Körper.
Er ließ sich nach hinten fallen und zog so den Ex-Slytherin
einfach mit sich. Dabei wurde der Kuss nicht unterbrochen, im
Gegenteil.
Fordernd wanderten nun Dracos Hände über den
zierlichen Bauch zu den schmalen Hüften des Kleinen, der sich
ihm entgegen drängte und in den
Kuss stöhnte. Der Blonde verstand und streichelte mit den
Fingern am Hosenbund entlang.
Sein Verstand
war schon längst ausgeschaltet, sein Gewissen und seine
Seele schwiegen, wobei sein Herz wild und laut gegen den Brustkorb
pochte. Ja, er wollte den kleinen Körper unter sich, wollte ihn
entjungfern, ihn zu seinem Eigen machen. Der Vampir in ihm schrie
danach, lechzte nach Vereinigung mit einem Gleichgesinnten. Und er
sollte es bekommen, denn Draco war nicht gewillt dem Raubtier in ihm
etwas entgegenzusetzen. Dazu war seine
Seele zu schwach.
Also erlag er diesen berauschenden Gefühlen und öffnete zügig die Stoffhose des Braunhaarigen, der Halt suchend, seine Finger in das Laken wickelte. Langsam zog der Ex-Slytherin das lästige Kleidungsstück von den Beinen des Jüngeren und küsste sich die Schenkelinnenseiten entlang. Sanft hauchte er kleine Liebkosungen auf die Haut und er spürte, wie sich die kleinen Härchen aufstellten. Immer näher kam er dem Intimbereich des Jungen und schließlich leckte er einmal über den Schaft des Braunhaarigen, der sich aufbäumte und seine Lust hinausschrie.
Draco lächelte verstehend und strich nun mit der Zunge die Länge entlang, bevor er die Erektion ganz in seinen Mund aufnahm. Er musste selber aufstöhnen, als er die ersten Lusttropfen kostete. Davon angespornt, nahm er an Tempo zu und brachte Kirion so nahe zum Höhepunkt. Allerdings fühlte er diesen herannahenden Absprung an der Anspannung der Muskeln und löste sich von dem willigen Stück Fleisch, was den Jüngeren zu Zischeln brachte.
„Gleich, mein Kleiner. Gleich.", murmelte Draco eindringlich und entkleidete sich. Er glitt zwischen Kirions Beine und befeuchtete seine Finger mit Speichel. Er sah liebevoll auf den Kleinen hinunter, der ihm leicht zu nickte und die türkisen Augen schloss. Wieder lächelte er voller Gefühl und drang dann mit einem Finger in den zierlichen Körper ein, so dass der jüngere Vampir sein Rückrad durchdrückte und so den Eindringling weiter in sich aufnahm. Sofort weiteten ihn noch ein zweiter und dritter Finger, die in ihm einen bestimmten Punkt trafen. Kirion keuchte mit aufgerissenen Seen und wimmerte nach mehr, was Draco nur zu gerne erfüllte, da er selbst schon fast allein durch diesen erregenden Anblick, kommen musste. Es hatte seinen Reiz ein unberührtes Wesen zu schänden, und irgendwie verstand er Harry… doch wieso konnte er sich nicht zusammenreimen, auch nicht in welcher Hinsicht.
Schnell ersetzte er seine Finger durch sein Glied und drängte sich in die atemberaubende Enge, die ihm schier Sterne sehen ließ. Kraftvoll stieß er zu und spürte die Beine des Jungen um seine Hüfte schlingen, so dass er weiter in diesen Körper hineinrutschte. Begierig seufzte er und baute einen Rhythmus auf, dem Kirion entgegen kam.
Ihre Bewegungen wurden immer wilder, verlangender und Draco fasste nach der Erektion des Braunhaarigen und pumpte es im Einklang zu seinen Stößen. Dies gab Kirion den Rest und er ergoss sich in Dracos Hand, der nun dadurch unvorbereitet eingeengt wurde und ebenfalls über die Klippe sprang.
Erschöpft genoss er die letzten Wehen dieses unbeschreiblichen Gefühls und schmunzelte befriedigt. Er hob seine Hand und starrte auf die milchige Flüssigkeit, die er nun genießerisch von seinen Fingern leckte.
Doch nun wurde er sich der Anwesenheit eines lebenden Wesens bewusst, die bis ebengerade noch am Türrahmen stand und jetzt in die Küche verschwand. Fauchend drehte Draco seinen Kopf und stierte zur Tür. Er runzelte die Stirn und blickte auf Kirion hinab, der selig lächelte und den Blonden zu sich herunter zog und ihn noch einmal verlangend küsste.
„Ich wusste schon damals, dass unsere Vampire harmonieren. Du gehörst mir, großer Bruder. Deine Seele vereinte sich mit meiner und so wurden sie vollkommen. Es gibt kein zurück. Dein leben ist mit meinem verstrickt. Der Vampir in dir verzehrt sich schon jetzt wieder nach dieser Vereinigung und du wirst ihm erliegen.", nuschelte der Braunhaarige schläfrig und schlummerte ein.
Draco zitterte nach diesen Worten und presste die Lippen zu einem blutleeren Strich zusammen. Nein, das war unmöglich! Er konnte nicht glauben, konnte es nicht wahrhaben, dass Kirion und er eine Bindung eingegangen waren. Und doch spürte er die Verbindung ihrer Seelen, ihrer Vampire. Er spürte regelrecht seinen Bluttrinker in sich, der unersättlich in seinem Inneren nach dem Braunhaarigen schrie, ihn wieder besitzen wollte, ihn zu seinem Eigen machen wollte. Der Blonde knurrte entsetzt und sprang fluchtartig aus dem Bett. Er schnappte sich seine Hose, zog sie sich über und rannte regelrecht aus dem Schlafzimmer.
Zögerlich betrat er die Küche und betrachtete sich den jungen Mann, der eine Flasche Bier in der Hand hielt und gerade zum Schluck ansetzen wollte.
„Envin!", wunderte sich der blonde Vampir und blieb an der Tür stehen. Seine Sturmböen wandten sich beschämt ab, als er sich erinnerte, dass dieser ihn beim Sex mit dem Kleinen erwischt hatte. Seine Nasenspitze verfärbte sich leicht rot und er räusperte sich verlegen.
„Draco.", begrüßte ihn der Weißhaarige, der mit seiner Hand zum Stuhl gegenüber zeigte. „Setz dich."
Der Ex-Slytherin tat wie ihm geheißen und setzte sich auf den freien Platz. Sofort wurde ihm ein Bier auf den Tisch gestellt, dass Draco in die Hände nahm. Er blickte stur die Flasche an und riss, vollkommen darauf fixiert, das Etikett herunter. Nervös zerknüllte er es und warf die kleinen Papierkügelchen auf den Boden.
„Es muss dir nicht peinlich sein, obwohl ich es nicht billigen kann, dass du mit einem Vierzehnjährigen schläfst.", tadelte Envin den Vampir und trank ein Schluck des Bieres.
„Er ist fünfzehn.", verteidigte sich Draco und tat es dem Weißblonden nach und setzte die Flasche an.
„Immer noch zu jung."
„Ach, Envin, du weist gar nicht, wovon du redest. Der Junge ist von den Jahren fast so alt wie ich. Er lebte schon zwei Jahre als Vampir, bevor ich ihn aufgelesen habe. Er ist demnach also schon siebzehn. Nur sein Körper wächst nicht mehr. Aber das weist du ja.", erklärte der Ex-Slytherin flüsternd und schielte zu seinem Gegenüber, der sich seine Haare hinter strich und den Blonden musterte.
„Das heißt, er lebt schon länger als Vampir auf Erden, als du? Willst du mir das damit sagen?"
„Ja. Er fand mich damals, als ich geflüchtet bin… und bevor du fragst, ich floh vor meinen Meister. Ich konnte seine Gegenwart nicht mehr ertragen."
„Draco, erzähle mir, wie du zum Vampir wurdest! Bitte, teile mir die Gefühle mit, die du verspürtest, als du umgewandelt wurdest!", bat Envin eindringlich und tastete nach der kalten Hand des Vampirs, die sich immer noch mit dem Etikett der Flasche beschäftigte.
Der Ex-Slytherin erwiderte den sanften und freundschaftlichen Druck des Weißhaarigen. Somit begann er die Geschichte über seine Geburt, als Kind der Finsternis, zu berichten.
„Alles begann damit, dass ein Todessertreffen einberufen werden sollte. Du weist sicher, dass Harry Voldemort im siebten Hogwartsjahr getötet hatte. Somit stand nun der ganze Haufen ohne Führung da. Sie liefen panikartig herum, wie die Hühner ohne den Hahn. Auch meine Eltern machten sich über ihre Zukunft sorgen, schließlich waren sie die Getreuen des Dunklen Lords und mussten nun fürchten, aufzufliegen. Viele der Anhänger wurden festgenommen, verhört und nach Askaban verfrachtet.
Also rief der Innere Kreis, wo mein Vater ja dazugehörte, alle Todesser zusammen, zu denen auch ich seit Anfang der siebten Klasse zählte. Das Treffen sollte in einer verlassenen Lichtung stattfinden. Also musste jeder sich durch das dichte Geäst des Waldes kämpfen.
Ich war wütend und eingeschnappt, dass es gerade nachts in einer Menschen verlassenen Gegend sein musste. Tja, ich hatte damals Angst, ja fast Panik, vor der Dunkelheit, was sich natürlich jetzt geändert hat. Aber zu dem Zeitpunkt verfluchte ich den Inneren Kreis, der über weitere Vorgehen diskutieren wollte. Schließlich brauchten sie einen Führer für ihre Spitze, um ihre Ziele als Schwarzmagier zu erreichen. Ich fand es nur selten dämlich. Ich war müde, erschöpft und gelangweilt, trotz der Furcht, die ich verspürte.
Du musst wissen, ich war, und bin es teilweise noch, ein arroganter, eingebildeter Bastard, dem es Spaß machte, Schlammblütler und minderwertige Reinblutfamilien zu ärgern, zu erniedrigen und sich an ihrem inneren Schmerzen zu laben. Ich war ein Slytherin, durch und durch, der ungekrönte Prinz der Schlangen, ihr Oberhaupt auf Hogwarts und ich genoss den Ruhm, die Anerkennung, und besonders den Hass der anderen Häuser. Dafür hatte ich immer ein verachtendes Lachen übrig.
Aber all das änderte sich in dieser schicksalhaften Nacht! Ich wurde das, was du jetzt hier vor dir siehst.
Ich hörte nur das Rauschen meines Blutes in den Ohren, als ich allein durch den Wald marschierte. Der Innere Kreis verlangte dies und das war wieder etwas, was mich innerlich kochen ließ. Aber ein Malfoy zeigte seine Gefühle nicht, ein Malfoy durfte nicht weinen, kein Mitgefühl empfinden, ein Malfoy interessierte sich nur für sich selbst.
Jedenfalls ging ich durch das Gesträuch und hörte plötzlich Schritte hinter mir. Abrupt blieb ich stehen, wirbelt herum und sah… Nichts! Verwirrt lief ich meinen Weg weiter… und wieder konnte ich den festen, gleichmäßigen Schritten lauschen. Noch einmal drehte ich mich zu den Geräuschen um und wieder war dort… Nichts!
Panik
stieg in mir auf, die ich hartnäckig zu verdrängen
versuchte, doch vergebens. Ich begann zu zittern und stolperte nach
hinten, wodurch ich über eine Wurzel fiel. Hart landete ich auf
dem matschigen Boden.
Wer ist da? Rief
ich in die Nacht, bekam aber nur ein lautes Lachen, das mir durch
Mark und Bein ging. Mein Zittern verstärkte sich und meine Augen
huschten schreckhaft von Schatten zu Schatten. Doch konnte ich
niemanden finden, dem ich das Lachen zuordnen konnte. Es machte mich
schier wahnsinnig und ich leckte mir über die trockenen Lippen,
als ich plötzlich heißen, geruchlosen Atem an meinem
Nacken fühlte. Meine Härchen stellen sich auf und ich
musste ein Stöhnen unterdrücken. Noch nie in meinem
sterblichen Leben hatte ich je solch eine verführerische Stimme
gehört, die nun wie Musik in mein Ohr drang: Du bist
wunderschön, mein blonder Jüngling.
Die Emotionen, die ich in diesem Moment fühlte, kann ich kaum beschreiben. Es war fast so, als ob ich der Erfüllung all meiner Träume begegnet wäre. Ich keuchte und grub meine Finger in die lockere Erde. Dann spürte ich Finger, die sich von hinten unter meinen Umhang schoben, die meine nackte Haut suchten und schließlich auch fanden. Meine Atmung ging ab diesen Zeitpunkt nur stockweise. Ich fühlte mich wie benebelt und immer wieder hörte ich zärtliche Kosenamen in meinem Ohr.
Du musst verstehen, niemand, selbst meine Eltern, die mich liebten, benahmen sich oft distanziert von mir. Und außerdem war ich mit meinen achtzehn Jahren noch Jungfrau. Daher kannte ich solch Berührungen nicht, solche Emotionen. Ich wollte mehr, als der Fremde mir über den Bauch strich, ich wollte mehr, als er meine Brustwarzen streichelte und ich wollte mehr, als er letztendlich seine kalten Finger in meine Hose wandern ließ und mich zum Höhepunkt brachte.
Bei Merlin, ich habe einem fremden Mann, dem ich noch gar nicht ins Gesicht geschaut hatte, meinen ersten Höhepunkt geschenkt. Fassungslos saß ich immer noch auf dem aufgeweichten Erdboden und bebte vor mich hin. Mir musste wohl die Röte in die Wangen geschossen sein, da ich regelrecht die glühende Hitze spürte. Es war mir gleichzeitig peinlich, wie atemberaubend.
Dreh dich um! Vernahm ich eine Stimme, allerdings in meinem Kopf. Erschrocken erstarrte ich und bewegte mich keinen Millimeter. Doch der Fremde schien damit nicht einverstanden gewesen zu sein, denn er zwang mich mit seinen starken Händen, mich umzudrehen. Und sofort verlor ich mich in diesen himmelblauen, strahlenden Augen. Noch nie in meinem sterblichen Leben hatte ich solche Seen gesehen. Ich war bezaubert, ängstlich und erregt zugleich… und der Mann vor mir mit den schwarzen, kurzen Haaren und dem blassen Gesicht, wusste es! Man konnte es von seinem amüsierten Grinsen ablesen, man erkannte es an diesem Glitzern, das mir entgegenstrahlte. Ich war in Liebe zu diesem Wesen entbrannt.
Lange Zeit betrachtete ich ihn mir. Er trug feinste Kleidung, ein Hemd aus Seide, ein Brokatmantel und eine schwarze Stoffhose. Allerdings passten die Turnschuhe keinesfalls dazu, aber irgendwie verlieh ihm diese Mischung aus moderner und altmodischer Kleidung, ein geheimnisvolles Aussehen! Er war für mich das perfekte Lebewesen auf der Erde und der schwarzhaarige Mann, Ende dreißig, wusste um diesen Gedanken, denn er lachte nun laut und melodisch auf und drückte mich näher an sich.
Du bist viel schöner, mein blonder Jüngling. Komm, komm mit mir! Komm in mein Reich, wo du der Prinz sein wirst. Du wirst Macht über das Leben und Sterben der Menschen haben. Und du wirst stark sein, mit unmenschlichen Kräften. Bleib bei mir, werde mein Kind, mein Schüler, mein Geliebter.
Und ich konnte nichts anderes sagen, als ja. Ich wollte es! Mein Körper schrie danach… meine Seele bettelte darum und mein Geist beschimpfte mich, warum ich so leichtgläubig mein Leben wegwarf. Ich hörte nicht auf diese Stimme, denn ich spürte plötzlich einen reißenden Schmerz an meinen Hals. Instinktiv suchten meine Finger meinen Zauberstab, den ich unter dem Umhang hervorzog, doch der schwarzhaarige Mann hielt meine Hand umschlugen, fasste nach dem Stab und zerbrach ihn. Ich stöhnte und schloss meine Augen. Ja, der Tod. Ich sah ihn! Genau vor mir! Kein weißer Tunnel, keine Verwandten, die auf mich warteten, um mich mit sich zu nehmen. Der Tod in der Gestalt des schwarzen Nichts. Es erschreckte mich, ich wollte weg davon. Panisch wimmerte ich und vergrub meine Finger in den Mantel des Wesens, das an meinem Hals saugte.
Nein! Krächzte ich, während meine Körperteile taub wurden.
Nein, nicht ins Nichts. Ich will nicht sterben! Flehte ich weiter, bevor ich in einer Benommenheit versank. Meine Muskeln prickelten, meine Lippen waren spröde und ich fühlte mein Herz nur noch unregelmäßig und mit großen Abständen klopfen. Und da schlich sich der Gedanke in meinen zähflüssig arbeitenden Kopf, dass ich schon fast tot war. Es fehlte nicht mehr viel und nun fand ich das schwarze Nichts auch gar nicht mehr Angst einflößend. Nein, ich wusste, ich würde dort schlafen können, träumen, für die Ewigkeit nur träumen. Und es beruhigte mich, keinen Gott oder Teufel zu sehen. Envin, die Wahrheit ist, dass es keinen Allmächtigen und keinen Gegenspieler gibt, noch nie gegeben hat.
Nein, du wirst nicht sterben. Hörte ich dann wieder die Stimme des Schwarzhaarigen, der mir plötzlich das Handgelenk vor den Mund hielt. Ich roch Blut und drehte angeekelt den Kopf weg, doch mein Meister war geduldig und strich mir mit seinen Fingern ein paar Tropfen auf die Lippen, die ich unkontrolliert auflecken musste. Explosionsartig schimmerten Bilder in allen Farbfacetten vor meinem inneren Auge, Bilder aus meiner Kindheit, Bilder von meinen Erlebnissen auf Hogwarts, meine Eltern und Harry Potter. Ich war bestürzt und wütend, dass ich selbst in diesem Augenblick von diesem Gryffindor gequält wurde. Ich knurrte zornig auf und packte mir das offene Handgelenk, um es mir an den Mund zu drücken. Mit meinen menschlichen Zähnen vergrub ich mich in diesem unsterblichen Fleisch und schluckte alles, was ich bekommen konnte. Und es war viel, so unendlich viel Blut! Es erwärmte mich, durchströmte mich, veränderte mich.
Ja, trink, mein Sohn. Ich habe den besten Augenblick gewählt dich zu mir zu holen. Ich rieche dein Shampoo in deinen Haaren, die Körpercreme an deiner Haut und ich fühle deine glatt rasierte Haut an meiner Wange. Du bist wahrlich vollkommen! Du bist ein berichtigter Auserwählter des Blutes. Nun bist du mein!
Die Worte taten weh und ehrten mich zugleich. Ich löste mich freiwillig von meinem Meister und schlug die Augen auf.
Welch Wunder mir entgegenschlugen! Meine Sinne waren um das drei oder vierfache verschärft. Ich roch, sah, hörte und fühlte alles mit größerer Intensität! Wahrlich, ich fühlte mich neu geboren. Doch meine Wandlung war noch nicht abgeschlossen!
Komm, mein Geliebter. Du brauchst Blut. Menschliches Blut! Horch, du wirst den Menschen hören! Lausche genau. Riet mir der Schwarzhaarige und musterte mich mit geneigtem Kopf.
Apathisch, da ich diese Situation immer noch nicht verstanden hatte, lauschte ich in die Nacht hinaus. Ich vernahm die Tiere, die über den Boden krochen, ich hörte die Blätter rauschen und… ein Mensch! Seine Schritte, sein Schweiß, seine Selbstgespräche.
Ich leckte mir über die Lippen vor Vorfreude.
Komm, mein blonder Jüngling. Über die Bäume.
Ich verstand sofort und sprang einen Baum hoch, immer ein Ast nach dem anderen, bevor ich oben in der Baumkrone ankam. Nur nebenbei war ich überrascht über meine Fähigkeiten, denn meine Aufmerksamkeit lag immer noch auf diesem Menschen, den ich sofort identifizieren konnte, als ich ihn sah. McNair. Ich lachte laut auf. Ach, ich amüsierte mich prächtig! Gerade McNair, einer der grausamsten Todesser in den Reihen. Welch Freude. Ich landete zielsicher vor ihm. Erschrocken sprang der Mann ein paar Schritte zurück, atmete dann aber erleichtert aus, als er mich erkannte. Was für ein Narr!
Draco. Du bist es nur! Was-
Ich unterband sein weiteres hysterisches Gequatsche, indem ich vorschnellte und ihm die Hand auf den Mund legte.
Nicht schreien. Flüsterte ich lächelnd und starrte dann auf seine Halsschlagader. Oh, welch gleichsinniger Rhythmus! Welche Bewegung, die Ader pochen zu sehen.
Mein erstes Mal! Und ich genoss es in vollen Zügen! Brutal stieß ich meine Zähne in sein altes Fleisch, durchbohrte die Sehnen und kleinen Äderchen und schluckte diesen leckeren Lebenssaft, der in meinen Mund rauschte. Ich kann gar nicht beschreiben, wie ich mich dabei fühlte. Envin, es ist unbeschreiblich. Nur… es ist zu vergleichen mit Sex… es ist genau, wenn du zum Höhepunkt kommst, zwar nicht genauso, aber doch ähnlich.
Aus Versehen brach ich ihm das Genick, doch er lebte noch! Also schlürfte ich weiter, saugte ihn bis zum letzten Tropfen leer. Achtlos ließ ich ihn fallen und brüllte in die Nacht hinaus! Ich kicherte, lachte und strahlte…. Doch dann brach ich zusammen, heulte, wimmerte und konnte nicht glauben, dass ich einen Menschen getötet hatte. Auch das war mein erstes Mal… und es sollte auch nicht das letzte Mal sein, wie du sicher weißt.
Ich ging nicht zurück zu meinen Eltern, ich blieb bei ihm, bei meinem Meister. Bis heute weiß ich noch nicht, wie er heißt, aber das ist unbedeutend. Er zeigte mir, wie man jagt, wie man tötet. Ich wurde sein Kind, sein Geliebter, sein Bettgeselle.
Es geschah ein halbes Jahr nach meiner Umwandlung. Ich ging allein auf Jagd. Ich trank zwei Menschen aus, eine Frau und ihren kleinen Sohn. Wieder weinte ich, weil ich es nicht ertragen konnte, zu töten. Ich saß in einer Gasse und heulte mir die Seele aus dem Leib. Ich schluchzte traurig und starrte stur auf die Wand gegenüber. Dann hörte ich Schritte. Kleine Tapser von nackten Füßen auf der Strasse. Ich drehte mich in die Richtung, woher die Geräusche kamen und sah einen Jungen um die fünfzehn Jahre, zerrissenes T-Shirt, kaputte Stoffhose, keine Schuhe oder Socken. Dabei war es Winter! Aber schnell bemerkte ich, dass dieser Junge kein Mensch war. Ein Vampir wie ich, der einen dreckigen Teddy in der Hand hielt, dem ein Arm und ein Auge fehlte. Der braunhaarige, junge Vampir betrachtete mich mit geneigtem Kopf, bevor er kicherte und auf mich zugestürmt kam. Er schmiss sich in meine Arme und küsste mein Gesicht.
Auf dich habe ich gewartet Strahlte der Kleine freudig und sah mich unschuldig mit den türkisen Augen an.
Du wirst doch bei mir bleiben, oder? Werde mein großer Bruder. Sorge dich um mich. Ich brauche dich.
Ich verliebte mich sofort in diesen braunhaarigen Vampir, doch ich konnte nicht für ihn da sein. Schließlich hatte ich selbst einen Meister, dem ich treu war.
Ich kann nicht, mein Kleiner. Ich gehöre meinen Meister. Antwortete ich tiefstbedauerlich und wuschelte ihm einmal durch die Haare. Dann verschwand ich in der Nacht und rannte zu meinem Meister.
Schon vom weitem roch ich das Feuer, das verbrannte Holz und verkohltes Fleisch. Ich beschleunigte meine Schritte und konnte nicht glauben, was ich sah! Das Haus in dem ich und mein Meister gewohnt hatten, brannte lichterloh. Sicher war die Feuerwehr der Muggel bereits am Gange, die züngelnden Flammen zu löschen, doch es war zu spät. Das Gebäude war nicht mehr zu retten. Und ich wusste, mein Meister war in ihm verbrannt. Ich spürte die kappende Verbindung zu ihm.
Wieder heulte ich. Trotz allem was er mir angetan hatte, liebte ich ihn doch, so sehr ich ihn verabscheute, umso lieber sah ich ihn an.
Wieder hörte ich kleine Schritte, die neben mir verstummten.
Du gehörst zu mir, großer Bruder.
Eine Gänsehaut entwickelte sich auf meiner Haut und ich zitterte. Ich wirbelte herum und stierte in zwei türkise Seen, die mich liebevoll ansahen.
Hast du das getan? Stotterte ich und wuschelte mir nervös durch meine blonden Haare.
Wer es getan hat, ist nicht wichtig. Wichtig ist, dass du nun bei mir bist!
Ja, und ich wollte bei diesen außergewöhnlichen Jungen bleiben. Es war Liebe auf den ersten Blick, natürlich nicht auf sexueller Basis, doch er war nun mein Bruder, mein Kind, mein Vertrauter.
Und das war er bis heute Nacht."
„Du hast mit ihm geschlafen. Warum?", fragte Envin, der von dieser Geschichte fasziniert und geschockt war.
„Ich weiß es nicht. Mein Vampir… er widersetzt sich mir! Er kann es nicht ertragen, mit einem Menschen zu schlafen."
„Harry."
„Ja, Envin. Es tut mir leid, ich wollte schließlich nicht, dass du-"
Der Weißhaarige machte eine wegwerfende Handbewegung und unterbrach so Draco.
„Du musst dich nicht entschuldigen. Ich kann mir schon denken, von wem die Initiative ausging. Aber Kirion… das heißt also, du und er seid miteinander gebunden?"
„Ja, unsere Vampire, nicht unsere Seelen.. Das glaube ich zumindest. Dadurch, dass mein Meister starb, wurde auch die Bindung von ihm und mir gelöst. Ich war bis zu dieser Nacht frei… und jetzt… ich verstehe es nicht. Ich konnte mich dem Kleinen einfach nicht widersetzen."
„Was wird nun mit Harry?" Der Weißhaarige nahm den letzten Schluck aus der Flasche und schmiss sie zielsicher in den Mülleimer, während seine andere Hand immer noch Dracos Finger umschlang und sanft drückte.
„Ich weiß es nicht. Ich liebe ihn immer noch, doch kann ich Kirion nicht verlassen. Ich gehöre ihm, zumindest mein Vampir. Nur sein Tod könnte mich befreien, doch ich will nicht, dass der Kleine stirbt. Wie gesagt, ich liebe ihn, zwar nicht so wie Harry, doch nicht weniger stark."
„Draco. Du steckst in einem Teufelskreis."
„Ja. Ich weiß und ich sehe kein Entkommen. Ich kann nur hoffen, dass Harry mich irgendwann tötet. Und diesen Punkt erwarte ich mit Sehnsucht. Entschuldige, Envin. Ich sehe nach Kirion." Mit diesen Worten verließ der Vampir die Küche und schlich ins Schlafzimmer.
Währenddessen saß Envin noch in der Küche und dachte nach.
Doch seine Gedanken huschten in ungeordneten Bahnen durch sein Gehirn und er kam zu keinen vernünftigen Nenner.
„Harry, du bist ein Idiot… Wo treibst du dich herum, wenn man dich braucht?", hauchte er und starrte aus dem Fenster in die Nacht hinaus.
„Harry Potter, wer bist du wirklich?"
Wie nebenbei, fingerte er einen Zettel aus seiner Hose heraus. Die letzten Blutergebnisse des Ex-Gryffindors. Stur betrachtete er sich die Zahlen, der Blutkörperchen, bevor er den letzten Satz las:
„Ungewöhnliche Blutteilchen gefunden. Zusammensetzung unbekannt."
Der Weißhaarige seufzte und steckte das kleine Stück Papier zurück in eine Tasche.
„Was bist du, Harry? Aber wahrscheinlich kennst du die Antwort selber nicht."
