Kapitel 10: Sinn oder Unsinn

„Schlecht gewählt. Du willst kämpfen, kämpfen wir.", spottete Ronan. Er warf seinen Umhang von sich und trat Garrett entschossen gegenüber. „Du ahnst gar nicht, wie lange ich auf diesen Tag gewartet habe." „Dann werde ich zuerst dich vernichten und dann deine kleine Freundin. Ich mach sie zu meiner Mädresse, einer unwürdigen Konkurbiene. Niemand wird sie auch nur noch ansehen wollen." „Untersteh dich! Dieses Bündnis ist das einzige was MIR gehört. Das einzige, was DU mir nicht nehmen kannst! Und das macht dich rasent, du weißt, dass sie nie dir gehören wird." Garrett zog sein Schwert und wollte auf Ronan los gehen, als er wie verzaubert nicht vom Fleck kam. „Wie ich sehe, spieltst du noch immer falsch." Stinksauer stant Garrett vor seinem Kontrahenten. Zu beiden Seiten kamen Soldaten auf ihn zu, die ihn packten. Mit einem triumphalem Lächeln zog sich Ronan seinen Handschuh zurecht, balte die Faust und schlug sie mit voller Wucht in Garretts Magengrube. Nach Luft schnappend sank er auf die Knie. „Soll das schon alles gewesen sein, was der große König Ronan drauf hat? Da schlagen ja Kinder fester zu." „Hast du noch immer nicht genug?" Ronans nächster Schlag traf Garrett mitten ins Gesicht. Er hörte das knacken von Knochenspilttern und fühlte einen unbändigen Schmerz. „Halt, hört auf damit!", schrien Dana und Deidre entsetzt. Sie sprangen von ihren Plätzen neben Angus auf und liefen auf die Männer zu. „Du hast dich nicht das kleinste bischen verändert. Noch immer ungehobelt und sturr! Wenn es nicht nach deinem Kopf geht, verdirbst du auch allen anderen den Spaß." „Was…" „Ich bin noch nicht fertig! Ich hab mir das ganz jetzt viel zu lange mit angesehen. Du schimpfst dich König und bist hier doch der größte Narr! Wenn es eng für dich wird, hast du immer den Schwanz eingezogen und die Schuld auf andere abgewälzt. Und der „edle" Herr hier drüben, der sich selber Druide schimpft, der ist auch nicht besser! Glaubt mir ich hab euch beide so satt, ihr steht mir bis hier!" Die Soldaten zogen ihn fester an sich, zwangen ihn aufrecht zu sitzen. Blut strömte aus seiner rampunierten Nase, welches er Ronan vor die Füsse spuckte. „Erinnerst du dich an die Zeit vor 13 Jahren? Als die halbe Ernte durch ein schreckliches Feuer ausgelöscht wurde?" Ronan geriet ins schwimmen. „Erzählt uns allen doch wie es damals wirklich gewesen ist. Als zwei übermütige Burschen das Feuer ausgelöst haben!" „Das war ein Unfall! Ein schrecklicher Unfall, sonst nichts. Es ist nichts weiter passiert!", versuchte Ronan sein Ansehen zu bewahren. „Nichts weiter passiert? Eine ganze Familie fiel den Flammen zum Opfer. Und ein halbes Dorf wurde vernichtet. Ihr beide", wütend sah er vom einen zum anderen, „tragt die Schuld an allem. Ihr seid hundserbärmliche Feiglinge. Das wart ihr schon damals. Um euch nicht eurer Verantwortung stellen zu müssen habt ihr einfach eine bequeme Lösung vorgeschoben." „Hör auf damit! Sei still!" Wieder schlug er Garrett ins Gesicht. „Hört bitte damit auf, Ihr bringt ihn noch um. Lasst von ihm ab, dann werde ich Euch heiraten.", schwer drangen die Worte aus Deidres Mund. „Dafür ist es zu spät. Ihr seit eine Schande. Für alle Frauen und für Euer ganzes Volk! Kells wird von der Landkarte verschwinden. Und Ihr, werdet ihm als Anführer voran gehen. Wenn ich mit meinen Männern erst fertig bin, wird diese Insel wieder ein Teil von Raged sein, so wie es vor huntert Jahren war. Verabschiedet Euch von Eurem Freund." „Ich denk nicht länger daran alles zu schlucken. Von mir aus, kann es ruhig jeder hören. Dana, könnt ihr Euch an jenen Tag zurück erinnern?" Scheu schüttelte sie ihren Kopf. „Nein, wie könntet Ihr? Ihr wart damals ein Kind, nicht älter als 7 Jahre. Dann würdet Ihr Euch daran erinnern, dass damals noch ein weiteres Schicksal besiegelt wurde. Die beiden sind Eure einzige Familie?" „So ist es." „Falsch." Dana wurde hellhörig. Langsam ging sie auf ihn zu und hockte sich ihn hin. Vorsichtig hob sie ihre Hände. „Ich werd immer auf dich aufpassen.", flüsterte Garrett. Dana fuhr zusammen. Die Stimmgewalt dieser Worte ließ sie unruhig werden. Ihre Finger glitten über seine Augen, seine Wangen und den blutigen Mund. Erschrocken wich sie zurück. Nochmals wagte sie den Versuch in Garretts Gesicht zu lesen. Leise Tränen rannen über ihre Wange, als sie ihn um den Hals fiel. „Du bist es. Du bist es!" „Garrett, was geht hier vor?", fragte Deidre. Jetzt wich auch Ronan einige Schritte zurück. „Garrett? Du … du bist…?" „Noch am Leben? Überrascht mich wieder zu sehen, großer Bruder?" Ein unfassbares raunen ging durch die Menge. Mit dieser Wendung der Dinge hatte absolut niemand gerechnet. „Als wir uns das letzte Mal sahen, standet ihr beiden feige am Fenster und habt zugelassen, dass Vater mich wegen euch verstößt! Das habt ihr toll angestellt. Wer hat danach als Sündenbock für eure blöden Streiche hergehalten? Dana? Nein, wohl kaum." „Aber Bruder…" „Nenn mich nicht so. Wir zwei sind geschiedene Leute. Von mir aus seit ihr für mich gestorben!" „Aber was redest du da, dass ist doch alles vergeben und vergessen. Die Hauptsache ist, dass du Gesund und munter bist." „Du machst es dir wie immer viel zu einfach. Ich will Vergeltung und ich will meine Ehre zurück!" Mit einem kräftigen Ruck riss er sich von den Wachen los, und sprang auf Ronan zu. Der, von dieser Atacke überrascht, unfähig war zu handeln. Schon im nächsten Augenblick durchdrang Garretts Schwert seinen Leib. Schwer atment sah er hinab auf den leblos am Boden liegenden Körper. „Anscheinend war er nicht Manns genug, die Braut zu verdienen." Stumm sah seinen Freunden ins Gesicht. Er konnte genau das planke Entsetzen in ihren Augen sehen. Äußerlich gelassen wandte er sich zum gehen. „Garrett…", versuchte Deidre ihn zurück halten, doch wurde sie von Angus von ihren Vorhaben abgehalten.

Written by Michelle Hastler