Author's Note: Nachdem ich etwa 7000 Wörter für dieses Kapitel geschrieben hatte, habe ich meinen Plan umgeworfen und mich dafür entschieden es in zwei Teile aufzuteilen. Es wäre einfach zu riesig geworden oder ich hätte Sachen gestrichen, die zu wichtig sind. Deshalb hier jetzt erst einmal Part 1.
valerie: Ich habe kurz überlegt, ob ich dich Ms. N nennen soll ;-) Was soll ich dieses Mal sagen? Wieder so eine super ausführliche und tolle Review! Ich find es auch immer wieder toll, wie du zum Teil so kleine Passagen (die vielleicht erst mal unwesentlich wirken, es aber em Ende eventuell gar nicht sind) heraus pickst und dir Gedanken dazu machst. Ohne Hilfe würde die Story in englisch wohl auch überhaupt nicht funktionieren. Ich selbst kann sie so nicht schreiben. Und genau diese unverbrauchte, vielleicht ein wenig naive Brittany ist der Grundstock von der Geschichte. Jedenfalls: es freut mich, dass es dir nach wie vor gefällt. Hoffentlich bleibt es auch so :-)
HolyMoly: Ich fühl mich ziemlich gelobt durch deine Worte und freue mich natürlich riesig darüber. Vielen Dank dafür! :-) Vor allem, wenn mir dann auch noch gesagt wird, dass alles was ich schreibe glaubwürdig ist und die Emotionen auch so rüber kommen, wie ich es tatsächlich versuche und möchte. Hab schon überlegt, ob ich zum Teil zu viele Stimmungen in ein Kapitel hinein baue, aber...die Realität sieht irgendwie auch so aus und man ertappt sich auch selbst immer wieder dabei, wie man so viele und unterschiedliche Dinge in kürzester Zeit fühlt. So soll es hier dann auch sein.
Aber jetzt mal los...hoffe es gefällt euch!
(10) Im Rausch der Nacht, Part 1
Stolpernd steigen wir die Treppe nach oben. Ich weiß nicht, wohin ich gehen muss, ich lasse mich einfach von ihr führen. Sie geht rückwärts, zieht mich mit sich und ein weiteres Mal verfehlt sie dabei beinahe die Treppenstufe. Alles was wir daraufhin tun, ist zu kichern und den Griff aneinander nur zu verstärken. Alles was ich kurz darauf tue, ist sie gegen die Wand zu drücken. Unsere amüsierten Laute nehmen selbst dann kein Ende, als sich unsere Münder erneut zu einem schluderigen Kuss miteinander vereinen.
In meinem Leben habe ich noch nie eine so lange Treppe gesehen. Sie kommt mir jedenfalls so lange vor. Wir versuchen jetzt bestimmt schon seit Stunden nach oben zu kommen, doch der Aufstieg ist schwieriger als gedacht. Nicht nur, weil es wohl sowieso physikalisch ziemlich schwierig ist gemeinsam und eng umschlungen eine Treppe nach oben zu gehen. Ich kann auch einfach meine Finger nicht von ihr lassen.
Immer wieder müssen wir anhalten, ich lasse meine Lippen über jede freie Fläche ihrer Haut wandern. Womit ich bei ihrem Kleid wirklich genug zu tun habe. So wie jetzt, als ich ihre mit meinen verschlungenen Hände nach oben neben ihren Kopf gegen die Wand drücke und meine Zungenspitze von ihrem Kinn abwärts auf ihr Dekolletee zuwandern lasse.
Ihr Kichern hält inne und ihr entfährt ein heiserer Laut, als ich zwischen ihren Brüsten entlang fahre. Als mich ihr Kleid von einer weiteren Erkundung abhält, drehe ich leicht den Kopf und sauge an einer ihrer wohlgeformten Rundungen. Jedenfalls so viel ich davon erreichen kann.
Sie bebt gegen meinen Körper und obwohl ich sie so fest in meinem Griff habe, bekomme ich kurz das Gefühl, dass sie dabei ist ihr Gleichgewicht zu verlieren. Oder ihre Beine jeden Moment nachgeben.
Vielleicht denke ich es auch nur, weil meine Beine zittern und immer schwerer werden wollen. Vielleicht bin ich diejenige, die jeden Augenblick rückwärts die Treppe wieder runter fällt. Was fast am Ziel angekommen tatsächlich ein herber Rückschlag wäre.
Ich hebe den Kopf an und sehe in ihr Gesicht. Mit geschlossenen Augen steht sie vor mir und es fällt mir schwer ein klares Bild von ihr zu bekommen. Alles ist so verschwommen, so benebelt. Wahrscheinlich ist es auch genau das, was den Aufstieg so schwierig macht. Die Kombination aus ihr und dem Alkohol lässt mich nicht klar sehen, stört und erschwert all meine Bewegungen. Obwohl dieser Zustand einige Dinge so viel einfacher werden lässt, macht er ganz normale, alltägliche, so viel schwerer. Wie das Treppensteigen. Oder das Laufen allgemein.
Schwerfällig sehen meine Augen wieder die Treppe nach unten. Es ist, als würde ich ganz weit oben stehen und in den Grand Canyon hinab blicken. Außerdem will dieser Grand Canyon nicht aufhören zu wackeln. Fast züngelnd schlängeln sich die Stufen und allein dieser Anblick lässt meinen Kopf nur noch mehr drehen. Wenn ich fallen würde, wäre es wohl nicht nur ein Rückschlag, es würde auch ziemlich weh tun. Ich blase die Backen auf und kneife die Augen zusammen. Trotzdem erreicht das Züngeln nun anscheinend die Treppenstufe auf der ich gerade stehe und ich schwanke etwas zurück.
Lang kann ich mir darüber jedoch keine Gedanken machen, da mich zwei Hände sofort wieder weiter ziehen. Eigentlich sind die Bewegungen viel zu schnell und deshalb überrascht es mich, dass ich ohne erneut zu straucheln oder tatsächlich hin zu fallen endlich das obere Ende der Treppe erreiche.
Fest schlingen sich ihre Arme um meine Hüfte, ziehen mich nach dem kurzen Moment des Abstandes wieder eng an sie. Mein Gesicht landet in ihren Haaren und ich schnuppere sofort daran. In der Hoffnung, dass mich dieser wunderbare Duft aus meiner Trance holt. Er erreicht genau das Gegenteil.
Jeder Atemzug erfüllt das letzte bisschen meines Bewusstseins mit ihr. Ihr Duft mischt sich mit dem Alkohol in meinem Körper. Als sie dann auch noch ihre Lippen gegen mein Schlüsselbein drückt, schießt mein Kopf beinahe ruckartig in meinen Nacken. Es ist wie die letzte Injektion, die ich brauchte um nun komplett die Realität um mich herum zu vergessen. Es ist die Mischung aus Alkohol und meiner anderen Droge, die mich vollkommen schwerelos und zugleich wackelig werden lässt.
Irgendjemand hat mir einmal erklärt, dass man Alkohol und Drogen nicht miteinander einnehmen sollte. Ich habe mir bisher nie darüber den Kopf zerbrochen, da ich nicht vor hatte es zu tun. Aber selbst die besten Vorsätze werden wohl irgendwann gebrochen. Sonst würde ich jetzt nicht hier stehen und der gesamte Flur um mich herum schwanken, nachdem ich die Augen wieder geöffnet habe.
Nur einen kurzen Augenblick mache ich mir darüber überhaupt Gedanken. Sie verschwinden, als ich den Kopf zurück nehme und sie wieder ansehe. Sie...die Beiden. Ich wusste nicht, dass Santana eine Zwillingsschwester hat. Wahrscheinlich hat sie auch keine und es ist nur mein benebelter Kopf, der mir hier etwas vorspielt. Trotzdem zaubert der Anblick ein dämliches Grinsen auf mein Gesicht: „Gleich zwei für mich...heute ist die beste Nacht überhaupt!" kommt es deutlich lallend aus meinem Mund.
Mein dämliches Grinsen spiegelt sich auf ihrem Gesicht wieder. Oder ihren Gesichtern. Immer wieder will sich eine zweite Santana aus der einen heraus bilden, will vor mir aufflackern und ich weiß einen Moment überhaupt nicht, welche von beiden ich ansehen soll. Die Entscheidung wird mir jedoch abgenommen, als ich ihre warmen Lippen erneut auf meinen spüre. Es ist nur ein kurzer Kuss, ein kurzer Kontakt, aber in dieser Berührung steckt so viel mehr als Worte überhaupt ausdrücken könnten. Es ist wie ein Versprechen. Ein Versprechen, dass diese Nacht wirklich die Beste meines Lebens sein wird.
Sofort packt ihre Hand wieder meine, zieht mich weiter. Entweder wechselt der Flur andauernd seine Richtung oder wir laufen in Schlangenlinien. Immer wieder stoßen wir oder auch nur ich gegen eine Wand. Beinahe reiße ich sogar ein Bild herunter, es wackelt heftig und ich weiß selbst nicht genau, wie ich es schaffe, es doch noch fest zu halten. Es landet jedenfalls nicht klirrend auf dem Boden. Ein Ruck an der Hand bewegt mich jedoch gleich wieder weiter. Es ist ein wenig zu schnell. Mein Gehirn kann die Bewegungen nicht verarbeiten, das Drehen in meinem Kopf nimmt nur noch zu und auch die letzte Kontrolle über meinen Körper scheint verschwinden zu wollen: „Ich werde Seekrank...ich war noch nie Seekrank, aber so fühlt es sich bestimmt an..."
„Wir sind da..." antwortet sie darauf. Jedenfalls glaube ich, dass sie das sagt. Die Worte kommen ihr noch viel schwerer von den Lippen, als sich meine eigenen für mich angehört haben. Sie könnte genauso gut "Wir sinken..." gesagt haben, was auf meine Aussage hin sogar viel mehr Sinn ergeben würde.
Aber anscheinend war mein erster Eindruck doch der Richtige, als sie mit Schwung die Tür hinter sich auf wirft und mich triumphierend ansieht, während sie ein wenig vor und zurück schwankend im Türrahmen stehen bleibt: „Tadaa!"
Ich lehne meine Schulter gegen den Rahmen, blinzele einige Male, sehe an ihr vorbei und versuche etwas in dem dunklen Raum zu erkennen. Da wir kein einziges Licht im Haus angemacht haben, sind meine Augen immerhin an die Dunkelheit gewöhnt und nur kurz darauf kann ich einige Umrisse erkennen und sogar zuordnen. Obwohl ich trotzdem noch einen Augenblick brauche um das Gesehene wirklich zu verstehen. Wenn das ihr Zimmer ist, hat sie ein ziemlich außergewöhnliches: „Du hast ein Klo im Zimmer? So was cooles hab ich ja noch nie gesehen!"
Jetzt ist es an ihr mich einen Moment blinzelnd anzusehen und dann ebenfalls in den Raum zu blicken. Es dauert eine ganze Weile und erst als ich bereits wieder nach ihrer Hand schnappe um sie voller Vorfreude in Richtung Badewanne zu ziehen, nuschelt sie etwas: „Falsches Zimmer..."
„Oh..." kommt es nur von mir und ich bin beinahe ein wenig enttäuscht, als sie sich wieder in Bewegung setzt und die Badewanne aus meinem Blickfeld verschwindet. Sie sah groß und gemütlich aus. Wir hätten zu zweit bestimmt viel Platz darin gehabt: „Ich mochte die Badewanne..."
Wieder halten wir an einer Tür an. Ich drücke mich an ihren Rücken, während sie vorsichtig die Tür einen Spalt aufschiebt und in den Raum hinein blickt. Sie will wohl sicher gehen, dass sie nicht schon wieder den Raum verwechselt. Es sieht recht niedlich aus, wie sie den Kopf durch den Spalt schiebt und dabei versucht mich nichts vom Inneren sehen zu lassen. Ich muss daraufhin wieder grinsen, streiche sachte ihre Haare beiseite und bedecke ihren Nacken mit sanften Küssen.
Sie seufzt und zieht die Tür wieder zu. Sie lehnt den Kopf gegen das Holz und ich spüre, wie sich an jeder Stelle, die ich mit meinen Lippen berühre eine Gänsehaut bildet. Ich presse mich eng an ihren Hintern und meine Finger streichen erst über ihre Hüfte und dann weiter nach vorne an ihren Bauch. Sie sind vielleicht sogar tiefer als ihr Bauch und ich merke, wie sich ihre Hüfte sofort ein wenig vor bewegt um den Kontakt mit meinen Hände nur noch zu verstärken.
Einige Dinge sind wirklich einfacher, wenn man nicht ganz klar im Kopf ist. Alles was ich mache, passiert von selbst. Ich stelle es nicht in Frage. Und selbst wenn, will mein betrunkenes Selbst jetzt eh nichts anderes. Es sehnt sich nach all dem. Es sehnt sich nach ihr. Das Beste daran ist, es weiß anscheinend genau was es zu tun hat und stellt nicht einmal seine Handlungen in Frage.
Meine Zähne senken sich sachte in die Haut unter ihrem Ohr und ihr gesamter Körper bebt und erzittert ein weiteres Mal in meinen Armen. Es dauert jedoch nicht lange, bis sie die Tür komplett aufstößt und sie mit einem lauten Schlag gegen etwas dahinter, wahrscheinlich die Wand, donnert. Dieser Ton ist genug um mich kurz wieder wach werden zu lassen. Ich sehe auf, als sie sich in meinen Armen dreht, meine Hände packt und mich erneut hinter sich her zieht.
Eigentlich sollte ich meiner Umgebung ein wenig Aufmerksamkeit schenken, aber alles was ich sehe, ist sie. Ihre Augen funkeln, glitzern und erleuchten beinahe die Dunkelheit. In diesem Moment brauche ich kein anderes Licht, als das in ihren Augen. Selbst wenn ich normalerweise nicht einmal rechts von links unterscheiden kann und mich nicht zurecht finde, weiß ich jetzt genau, dass ich mein Ziel gefunden habe. Von ihr geführt, bin ich genau dort, wo ich sein wollte. Auch wenn ich es mir vielleicht nur einbilde, erhellt sie doch alles. Vor allem mein Inneres. Sie ist meine persönliche Taschenlampe.
Wann der Richtungswechsel statt gefunden hat, weiß ich nicht. Ich bemerke ihn erst, als meine Waden gegen etwas stoßen und ich wenig später rücklings auf einem weichen, federnden Untergrund lande.
Wie als hätte mein Aufschlag etwas aufgewirbelt, umhüllt mich sofort wieder alles mit diesem Geruch. Ihrem Geruch. Er ist in diesem Moment allgegenwärtig und ich halte sogar die Luft an, so sehr überwältigt es mich. Nur noch mehr, als die Matratze plötzlich auch beginnt zu schwanken. Ich denke erst, der Alkohol spielt mir einen weiteren Streich. Bis ich das Gewicht auf mir spüre, aufsehe und ein weiteres Mal in diese Augen blicke.
Es ist fast ein Déjà-vu. Wie vor einigen Tagen in ihrem Auto sitzt sie über mir, die Knie zu beiden Seiten meiner Hüfte. Es ist fast identisch zu dieser Situation, nur liege ich jetzt auf meinem Rücken und sie ist es, die ihre Finger an den Saum ihres Kleides legt. Mein Herzschlag setzt einige Schläge aus, als sie fast quälend langsam den Stoff immer weiter nach oben schiebt.
Ich sehe die Bewegungen nur aus dem Augenwinkel. Völlig gefesselt sehe ich ihr dabei die ganze Zeit weiter in die Augen. Unser Blickkontakt wird erst gebrochen, als sie den Stoff erst über ihren Kopf bringt und dann beiseite sinken lässt.
Für einige Sekunden ringe ich mit mir. Ich weiß nicht, ob ich sie wirklich anschauen soll. Aber warum hätte sie sich sonst ausgezogen, wenn sie es mir nicht erlauben würde? Mit einem Kloß im Hals sehe ich langsam an ihr hinab. Meine Augen verharren erst auf dem runden Leberfleck unterhalb ihrer rechten Schulter. Ich kannte ihn bereits, aber jetzt wirkt er so anders. Wahrscheinlich weil kein Stück Stoff, kein Träger eines Kleidungsstückes in seiner Nähe ist. Er ist nackt und er erinnert mich nur daran, dass meine Augen jeden Augenblick nur noch mehr dieser Nacktheit sehen werden.
Vorsichtig hebe ich meine linke Hand, lege die Fingerspitzen an ihre Schulter und lasse sie dann behutsam tiefer zu diesem kleinen Fleck streifen. Sie umspielen, liebkosen ihn und wandern dann weiter nach unten. Mein Blick folgt ihnen dabei und sieht ihnen dabei zu, wie sie seitlich an ihrer Brust hinab fahren.
Ich hatte recht. Nichts bedeckt ihren Oberkörper und ich beiße mir fast ein wenig schmerzhaft auf die Lippe, als meine Finger an der Unterseite ihres Busens entlang fahren, sich dann wieder zwischen beiden nach oben schieben und schließlich ihre linke Brust umschließen.
Erst dann bemerke ich, wie sich ihr Brustkorb etwas schneller gegen meine Hand bewegt und sehe erneut in ihr Gesicht. Mit leicht geöffnetem Mund sieht sie mich an, hat mich wahrscheinlich die gesamte Zeit beobachtet. Wir bewegen uns nicht, betrachten uns schweigend. Das einzige Geräusch ist ihre Atmung und die einzige für mich wahrnehmbare Bewegung, ist die ihrer Brust, die sich mit jedem Atemzug wieder gegen meinen Handballen drückt.
Schließlich kommt ein wenig Regung in ihr Gesicht. Ihre Lippen zucken und fangen an zu lächeln. Normalerweise würde ich sagen, es ist ein unsicheres Lächeln. Aber unsicher ist nicht die richtige Beschreibung. Es ist ein stilles Lächeln. Keins, das ihre gesamten Gesichtszüge erreicht und sie komplett zum Strahlen bringt. Aber trotzdem eines, das genug Wärme ausstrahlt, ehrlich ist und mich selbst auch zum Lächeln bringt.
Langsam greift sie nach meiner zweiten Hand, hebt sie erst an ihre Lippen und küsst über jeden einzelnen Fingerknöchel. Dann sehe ich dabei zu, wie sie auch diese Hand auf ihre bis eben noch blanke Brust legt. Sie drückt meine Hand und lässt sie damit auch Druck auf ihre empfindliche Körperstelle ausüben. Ein kehliger, leiser Laut entrinnt ihr, als ich diese Andeutung verstehe und auch mit meiner zuvor stillen Hand ein wenig zu presse.
Mit jeder neuen Berührung meiner Hände, mit jedem Fingerstreich über ihre Brüste entfährt ein weiterer, wohliger Ton ihren Lippen. Diese Töne animieren mich, bringen mich nur noch mehr dazu auch jeden Zentimeter dieser beiden wundervollen Rundungen zu erforschen. Sie bringen mich dazu, dass ich mich schließlich unter ihr aufsetze und mir das hole, was mir in diesem Moment noch fehlt. Ich küsse sie. Ich küsse sie so innig und intensiv, dass es mir beinahe wieder die Luft aus den Lungen presst.
Dachte ich soeben noch, dass der Alkohol bereits ein wenig seiner Wirkung auf mich verloren hat, lässt dieser Kuss meine Meinung sofort wieder ändern. Ich war wohl noch nie so betrunken, wie in diesem Moment. Betrunken vor Glück und Lust.
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Leere. Schwarze Leere. Das ist die erste Wahrnehmung die mir wieder bewusst wird. Neben dem unendlich lauten Brummen in meinem Schädel. Vielleicht ist es auch eine Horde Wespen oder Hornissen die um meinen Kopf herum schwirren. Ich weiß es nicht. Es ist jedenfalls laut und unangenehm. Aus einem Impuls heraus hebe ich sogar die Hände, wedele damit unkoordiniert in der Luft über meinem Kopf herum. Das Brummen will jedoch nicht aufhören.
Erst überlege ich sogar, warum es so schwarz, so dunkel um mich herum ist. Mir wird jedoch bewusst, dass ich einfach die Augen öffnen sollte, dann würde sich dieser Zustand ändern. Er ändert sich auch, als ich versuche zu blinzeln und die Helligkeit beinahe sofort Tränen in meine Augen treibt. Nur langsam und schwerfällig gewöhne ich mich daran und schaffe es schließlich sie offen zu halten.
Dachte ich eben noch, ich wäre an der besten Stelle aus einem hitzigen Traum in meinem Bett aufgewacht, fällt mir jetzt sofort auf, dass ich ganz sicher nicht in meinem eigenen Schlafzimmer liege. Die Wände sind dunkel, nicht so knallig wie bei mir Zuhause. Auch das Bett ist definitiv nicht mein eigenes. Es fühlt sich anders an und es ist auch andere Bettwäsche.
Als ich mein Gesicht ein weiteres Mal im Kopfkissen vergrabe, weiß ich sofort in wessen Bett ich liege. Der Duft steigt mir in die Nase, ich strecke meinen Arm zur anderen Seite des Bettes aus, drehe lächelnd und erwartungsfroh meinen Kopf. Das Lächeln verschwindet jedoch sofort wieder. Erneut Leere. Aber dieses Mal die Art Leere, die einen mit einem beklemmenden Gefühl zurück lässt, weil man sich an einem Ort allein wiederfindet, obwohl man wirklich nicht allein sein möchte.
Ich reibe mir über die Augen, versuche das immer noch existente Brennen zu vertreiben, scheitere jedoch daran. Durch die geöffneten Vorhänge strömt zu viel Licht in das Zimmer. Ich kann es nicht ertragen und die einzige Lösung besteht wohl darin, es auszusperren. Mühsam setze ich mich auf, strecke meine müden Glieder und bin überrascht wie schwer mir die ersten Schritte nach dem Aufstehen fallen. Es fühlt sich an, als hätte ich überhaupt keine Kraft in meinen Beinen, als wären all meine Muskeln in der letzten Nacht verschwunden oder geschrumpft.
Es fühlt sich an wie nach einem Marathon, als ich endlich meine Hände an die Vorhänge lege und sie zu ziehe. Der erzielte Effekt lässt mich aber sofort entspannen. Endlich blendet mich nichts mehr. Der Streifen Licht, der durch den Spalt fällt, ist mehr als genug. Bevor mich jedoch meine Beine noch ganz im Stich lassen, gehe ich in kleinen Schritten wieder auf das Bett zu. Fast dort angekommen, halte ich inne.
Meine Stirn legt sich in Falten und ich trete wieder einige Schritte zurück. Habe ich wirklich gerade gesehen, was ich denke gesehen zu haben? Was ich in dem großen Standspiegel vorfinde, lässt mich an mir hinab schauen. Ich bin nackt. Absolut nackt. Nichts bedeckt mich und ich verstehe kaum, wie mir das bis eben nicht auffallen konnte. Ich wende mich ganz dem Spiegel zu, sehe an mir entlang und schließlich reiße ich die Augen auf.
Ich wache nackt in Santanas Bett auf. Aus einem interessanten Traum. War es kein Traum? Aber wieso kann ich mich dann an nichts erinnern? Habe ich tatsächlich gestern so viel getrunken? Was ist auf der Party passiert? Was ist den ganzen Abend überhaupt passiert?
Es sind nur Bruchstücke, an die sich mein Gehirn erinnern will. Kleinere Fetzen an den gestrigen Abend, an die gestrige Nacht. Sie sind jedoch so verschwommen, dass sie kaum Sinn ergeben. Dabei wüsste ich jetzt zu gern, was geschehen ist. Vielleicht sollte ich es aber besser gar nicht erst wissen. Ich hier im Adamskostüm, kann nur eine Sache bedeuten und mich nicht daran zu erinnern, lässt mir beinahe meinen Mageninhalt wieder hoch kommen. Obwohl ich nicht einmal weiß, ob ich überhaupt etwas gegessen habe und ob ihn mehr als nur Reste des Alkohols, über dessen Existenz ich mir jetzt recht sicher bin, füllen.
Ich lege mir die Arme eng um den Körper und betrachte mich wieder im Spiegel. Ich sehe so verloren aus, wie ich mich fühle. Blass, eingefallen und so, als würde ich mich selbst umarmen um mich vor der Welt und der Realität zu schützen. Oder um mich zu trösten.
Im nächsten Moment geht eine Tür hinter mir auf. Ich bin irgendwie so mit mir selbst beschäftigt, dass ich es zwar wahr nehme, es mich aber nicht schockiert oder erschreckt zusammen zucken lässt. Durch den Spiegel betrachte ich wie Santana, bekleidet mit einem Morgenmantel und ein Tablett in den Händen, nach einem Schritt in den Raum stehen bleibt und zu mir sieht. Nur kurz sieht sie an mir entlang, wirkt unerwartet überrascht von meinem Anblick und zwingt sich dann dazu wieder zur Reflexion meines Gesichts zu sehen. Sie schluckt kurz und spricht dann leise: „Guten Morgen."
Ihre Stimme klingt heiser und belegt. Erst jetzt bemerke ich das pelzige Gefühl in meinem Mund und es trifft mich dann auch kaum unerwartet, dass meine Stimme genauso klingt. Sie klingt nach einer langen durchzechten Nacht, als ich den Kopf leicht drehe, über meine Schulter zu ihr sehe und den Mund öffne: „Hey..." Ich räuspere mich und versuche den Frosch, der meine Stimmbänder anscheinend mit seinem Teich verwechselt, zu verscheuchen. Mit wenig Erfolg. Das seltsame Gefühl und das heisere quaken wollen nicht verschwinden: "Morgen..."
Sachte schüttelt sie den Kopf, tritt näher ans Bett und stellt das Tablett darauf ab. Erst jetzt bemerke ich die leichte Note von Kaffee, die den Raum erfüllt. Langsam setzt sie sich auf die dabei knarzende Matratze und meidet wieder einmal meinen Blick: „Ich hab uns Frühstück gemacht."
„Hm...danke." Noch ein letztes Mal betrachte ich mich und meinen Körper im Spiegel. Ich habe normalerweise kein Problem mit meiner eigenen Nacktheit, doch jetzt fühle ich mich unsicher, wie ich hier so offen im Raum stehe. Auf dem Präsentierteller. Vor ihr. Vor allem, weil sie nicht zu mir sieht. Immerhin hat sie das alles wohl letzte Nacht gesehen. Warum kann sie es sich jetzt also nicht anschauen? Ist etwas mit mir, meinem Äußeren, nicht in Ordnung?
Ich löse mich aus meiner Starre und schlüpfe selbst auch wieder ins Bett. Ziehe die Decke bis über meinen Oberkörper und drehe mich dann leicht zu ihr: „Santana...?"
„Ja?" Sie blickt weiterhin nach unten und rührt in einer steten, gleichmäßigen Bewegung ihren Kaffee um.
„Letzte Nacht...haben wir...hatten wir...?" Meine Finger streichen recht unruhig über die Bettdecke und ich falte sie schließlich ineinander, um sie in ihren Bewegungen zu stoppen. Ich weiß nicht, welches Gefühl gerade schlimmer ist. Das Gefühl, welches die Frage aufwirft, ob wir letzte Nacht miteinander geschlafen haben, weil ich mich nicht mehr daran erinnern kann. Oder jetzt laut aussprechen zu müssen, dass ich tatsächlich keinerlei Erinnerungen mehr an all das habe, was wohl zwischen uns passiert ist. Wie muss sie sich denn fühlen, wenn ihr mein Blackout klar wird?
Als ich weiter sprechen will, höre ich wie ein einziges leises Wort ihren Mund verlässt. So sehr ich mich damit auch die letzten Minuten auseinander gesetzt habe, damit habe ich nicht gerechnet: „Nein."
Nein? Obwohl alles dafür spricht, mein Traum und der Mangel an Bekleidung, hatten wir keinen Sex? Ich weiß nicht, wie lange ich brauche um diese Information zu verarbeiten. Es ist erleichternd. Es ist gut zu wissen, dass ich nichts getan habe, woran ich mich nun nicht mehr erinnern kann. Es ist gut, dass wir nicht betrunken die Kontrolle über uns verloren haben. Aber wieso haben wir das nicht?
Ich sehe wieder zu ihr, wie sie weiter nachdenklich ihren Kaffee rührt und so verunsichert und fast ein wenig klein auf mich wirkt. Es gibt nur eine Erklärung für all das und obwohl ich einerseits wirklich erleichtert bin, tut es mir andererseits auch unglaublich weh sie erneut enttäuscht zu haben: „Es tut mir leid..." murmele ich und greife mir eine Scheibe Toast um damit meine nervösen Finger zu beschäftigen.
„Was tut dir leid?" fragt sie und ein durchaus überraschter Unterton schwingt in ihrer Stimme mit.
Ich breche den Toast in der Mitte durch. Erst dann kommt mir der Gedanke, dass so etwas im Bett vielleicht keine gute Idee ist und versuche schnell mit den Händen die Krümel von der Bettdecke zu wischen. Meine hastigen Bewegungen werden jedoch von ihrer Hand gestillt, die nach der meinen greift und ich somit mein Gesicht doch wieder zu ihr drehe. Sie wiederholt ihre Worte: „Was tut dir leid, Britt?" und sieht mir dabei endlich wieder in die Augen.
„Na ja...wenn wir keinen Sex hatten, dann hab ich bestimmt wieder gekniffen...es tut mir echt leid, Santana. Ich kriege dauernd Panik und versaue alles..." Eigentlich könnte ich noch mehr sagen, alles in mir schreit danach einfach weiter zu sprechen, doch jedes Wort kratzt zu sehr in meinem Hals und bringt mich schließlich zum Stoppen. Es ist sicherlich auch nicht verkehrt, mich nicht weiter zu entschuldigen, wenn ich nicht einmal weiß was ich genau getan habe.
„Du erinnerst dich an gar nichts?" Sicherlich ist es eine Frage, aber so wie sie es formuliert und wie sie dabei klingt, ist es eher eine Feststellung. Als dann auch noch ihre Augen einen traurigen Ausdruck annehmen und wieder von mir wegsehen, erinnere ich mich an dieses Verhaltensmuster. Es ist etwas mit ihr. Etwas ist ihr unangenehm.
Nur kurz darauf zieht sie eine meiner Hände wieder an ihre Lippen und flüstert gegen meine Haut: „Es ist nicht deine Schuld..."
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...Samstag, 18:59 Uhr...
Das Klingeln an der Tür lässt mich sofort ein wenig zu schnell vom Sofa aufspringen. Ich weiß, dass mich die Blicke meiner Eltern verfolgen, als ich aus dem Wohnzimmer schwebe. Ich fühle mich jedenfalls so, als würde ich von einer Wolke getragen einfach aus dem Raum gleiten. Jedenfalls versuche ich nicht zu hastig oder auffällig zu gehen, obwohl genau das wohl auch wieder auffällig ist. Sie haben mich bereits den halben Abend ausgefragt, für wen ich mich denn so chic gemacht hätte und sind nach wie vor nicht davon überzeugt, dass ich nur mit einer Freundin etwas essen und dann zu einer Party gehe.
Solange ich jedoch nicht weiß, was dieser Abend bringt und wo ich mit Santana stehe, muss ich ihnen ja nicht erzählen für wen ich mich so aufgebrezelt habe und nur eine Freundin ganz sicher die falsche Beschreibung für Santana ist.
Ich bin aufgeregt. Ich bin sogar unfassbar nervös. Ist es überhaupt noch nötig so durch den Wind zu sein, obwohl wir schon alle möglichen aufregenden Dinge getan haben, auf die man sonst immer bei einem ersten Date hin fiebert? Normalerweise geht man auf ein Date, bekommt vielleicht am Ende einen Abschiedskuss und darauf baut sich alles auf. Was bedeutet also dieses erste Date? Für einen Moment will ich jedenfalls nicht darüber nachdenken, dass mir Quinn am gestrigen Abend erneut mit dem Thema Verhütung in den Ohren lag und ich vorhin beinahe einen Nervenzusammenbruch bekommen habe, als ich nach passender Unterwäsche gesucht und keine besonders tolle in meinen Schubladen gefunden habe. Ich sollte auch nicht daran denken, welches Chaos ich bei diesem Zusammenbruch in meinem Zimmer hinterlassen habe und ich es irgendwann wieder aufräumen muss.
Es klingelt erneut und ich frage mich, wie lange ich jetzt schon mit der Hand auf der Klinke an unserer Haustür stehe. Kurz brummt mein Dad etwas aus dem Wohnzimmer, was nach einem „Jetzt mach dem armen Mädchen schon auf." klingt. Ich schließe die Augen, schlucke noch einmal, dann öffne ich endlich die Tür.
Mit einem nervösen Lächeln steht sie vor mir und ich bin mir sicher, dass ich genau den gleichen Gesichtsausdruck habe. Meine Augen wandern sofort an ihr hinab und ich halte, wie so oft in ihrer Gegenwart die Luft an, während ich ihr gesamtes Erscheinungsbild in mich aufsauge. Mein Plan war es sie heute mit meinem Aussehen aus den Schuhen zu hauen. Jetzt steht sie hier und ich bin mir sicher, dass jeden Augenblick meine eigenen Schuhe von meinen Füßen springen wollen oder ich einfach umkippe.
Sie sieht atemberaubend aus. Mit dem leicht welligen Haar, ihrem schwarzen Kleid mit seinen dünnen Trägern, welches einen erstaunlichen Effekt auf ihren Ausschnitt erzielt. Mal davon abgesehen, dass es ihre Beine wirken lässt, als würden sie bis in den Himmel reichen. Ich brauche recht lange, bis ich endlich wieder in ihr Gesicht sehe und bemerke sofort meine von ihrem Anblick ausgelösten glühenden Wangen.
Immerhin scheint meine Mission ebenfalls gelungen zu sein, da ihre Augen erst deutlich nach meinen wieder nach oben sehen und Blickkontakt suchen. Ich grinse, sehe kurz über meine Schulter ins Haus und lehne mich dann ein wenig zu ihr: „Du siehst...wow..."
„Gleichfalls." flüstert sie schmunzelnd und sieht ein weiteres Mal an meinem weißen Kleid entlang. Sie versucht ihre Blicke gar nicht erst zu verstecken: „Und wir passen gut zusammen..."
Ich nicke etwas und haste dann noch einmal zurück ins Haus. Meine Handtasche baumelt an der Tür zum Wohnzimmer. Ich schnappe sie mir sofort und sehe noch ein letztes Mal zu meinen Eltern: „Wir sind dann weg." Dieses Mal schaue ich zur Haustür, bevor ich noch einmal etwas leiser zu meinen Eltern spreche: „Wenn ich nicht heim komme, übernachte ich bei Santana." Es ist auch überhaupt nicht auffällig, wie meine bis zu diesem Augenblick recht klare Stimme, auf einmal flüstert und nuschelt. Deshalb ist der Blick, den mir meine Eltern zuwerfen auch irgendwie zu verstehen. Aber sie sagen nichts dazu. Sie wünschen mir lediglich Spaß und eine gute Nacht, sollten sie mich nicht mehr zu sehen bekommen.
In diesen Momenten bin ich wirklich dankbar dafür, dass ich anders bin und es auch jeder um mich herum weiß. Ich kann mich manchmal noch so dämlich oder seltsam benehmen und niemand wundert sich darüber. Na gut, sie wundern sich vielleicht schon, aber sie sprechen es nicht an. Sie nehmen es so hin und ich bin ganz leicht aus dem Schneider. Alles hat also doch seine guten Seiten.
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...Breadstix...
Ich tunke die Garnele in die Cocktailsauce und schiebe sie mir dann zwischen die Lippen. Ganz genüsslich sauge, knabbere ich daran. Spiele sogar ein wenig mit der Zunge damit. Obwohl man mit Essen nicht spielen sollte, kann ich mir gerade nicht helfen. Wie mich Santana mit großen Augen und fasziniert dabei beobachtet, ist genug um solche unwichtigen Grundsätze zu vergessen. Als ich dann mit einem harten Biss ein Stück davon abreiße, zuckt sie unweigerlich auf ihrer Bank zusammen und die bis eben still zwischen ihren Händen liegende Brotstange bricht knirschend in der Mitte auseinander.
Ich muss leise lachen, als sie dann auch noch schockiert auf das Brot und dann wieder zu mir sieht. Amüsiert schüttele ich mich und werde schließlich nicht hart, aber ein wenig unsanft unter dem Tisch getreten.
„Dafür, dass du angeblich keine Ahnung hast was du tust, machst du es wirklich gut." Ein weiteres Mal stößt ihre Fußspitze gegen mein Schienbein: „Und hör auf zu lachen."
Ich schiebe mir den Rest Garnele in den Mund und kaue grinsend: „Ich hab doch überhaupt nichts gemacht."
„Natürlich." Sie hebt leicht ihre Brauen und schüttelt dann ebenfalls grinsend ihren Kopf. Als mich erneut ihr Fuß unter dem Tisch berührt, will ich mein Bein zuerst weg ziehen. Dieses Mal erwischt mich jedoch kein Tritt, ihr Fuß streift ganz sanft mein Bein entlang.
Diese Berührung ist eine kleine Sensation. Nicht nur, weil sie anscheinend heimlich ihren Schuh ausgezogen hat und jetzt mit ihrem nackten Fuß meine Haut berührt, sondern auch, weil es in der Öffentlichkeit geschieht. In einem hell erleuchteten Lokal. Selbst wenn wohl nur ein Kind, oder einer der 7 Zwergen, sehen könnte was unter diesem Tisch gerade passiert, passiert es trotzdem in einem Raum voll anderer Menschen.
Egal wie unwahrscheinlich es ist von jemand anderem dabei erwischt zu werden, jagt diese kleine öffentliche Geste einen Schauer über meinen Rücken. Sie bringt mich dazu meine Hand flach auf den Tisch zu legen und langsam über den Untergrund auf ihre zu zu schieben.
Gerade als meine Fingerspitzen die ihren berühren und sie ihre Finger ein wenig öffnet, damit ich dazwischen gleiten kann, ertönt eine entfernt bekannte unfreundliche Stimme: „Hast du dir einen kleinen Hund zugelegt, Lespez?"
Gleichzeitig ziehen wir beide recht ruckartig unsere Hände wieder zu uns zurück und sehen nach oben in das mir leider doch sofort bekannte Gesicht. Mit einem gehässigen Grinsen blickt Karofsky erst zu mir, dann finster zu Santana: „Ich würde aber aufpassen, sie ist ganz sicher noch nicht stubenrein."
Die Temperatur im Raum ist innerhalb weniger Sekunden um mindestens 10 Grad gesunken, als ich jetzt zu Santana sehe und ihr Gesicht wieder einmal diesen eisigen, abweisenden Ausdruck angenommen hat. Kurz zucken ihre Lippen und dann verlassen die kühlen Worte ihren Mund: „Mehr fällt dir nicht ein? Ich bin echt immer wieder überrascht, wie viel Müll aus deiner riesigen Klappe kommt. Ich dachte immer Affen wären eigentlich sehr intelligent, aber bei dir scheint während der Evolution irgend was schief gelaufen zu sein."
Obwohl mich ihre Wort beeindruckt haben, scheinen sie auf ihn wenig Eindruck zu machen. Er lässt sich einfach neben mich auf die Bank sinken und zwingt mich damit weiter an die Abtrennung zu rutschen. Eigentlich sollte er mich nicht einschüchtern und ich sollte ihm nicht den Gefallen tun, aber ich möchte ihm einfach nicht so nahe sein: „Du warst auch schon mal besser, Lespez."
Zum zweiten Mal nennt er sie jetzt schon so und ich frage mich ernsthaft, ob er einfach noch dümmer ist, als er aussieht. Es ist wirklich nicht so schwierig sich ihren richtigen Nachnamen zu merken: „Sie heißt Lopez." sage ich und spreche ihren Namen extra langsam und deutlich aus, damit er es auch ja versteht.
„Willst du ihn mir vielleicht buchstabieren, Blondie? Das könnte ein großer Spaß werden." Er streckt seine Hand aus und kommt mir damit wieder unangenehm näher. Ich weiß erst überhaupt nicht, was er vor hat und rutsche nur noch etwas mehr von ihm weg. Schließlich greifen seine Finger nach einer meiner Garnelen, sie ist bereits halb auf dem Weg zu seinem Mund, als er plötzlich schmerzhaft das Gesicht verzieht, aufkeucht und meine Vorspeise auf die Tischplatte klatscht.
Santana hat sich bedrohlich über den Tisch zu ihm gelehnt, seinen Arm gepackt und ihn einmal recht kräftig auf den Tisch geschlagen. Nicht den Arm, der sich sich zu meinem Essen gestreckt hat, sondern den anderen. Erst in diesem Augenblick fällt mir auf, dass er in einem Gips steckt. Nur ein kleiner Teil seiner Finger ist noch zu sehen und er endet erst kurz unterhalb seines Ellbogens.
Ich zucke etwas zusammen, als Santana ein weiteres Mal seinen verletzten Arm anhebt und erneut mit Schwung mit der Tischplatte zusammen prallen lässt. So wie er aufstöhnt, möchte ich fast mit einstimmen. Alles an ihm schreit nach Schmerzen und selbst wenn ich kein Mitleid haben sollte, fühle ich mich jetzt beinahe auch so, als würde mir der Arm weh tun: „Santana..." murmele ich leise, aber eindringlich.
„Ich habe dir letztens schon gesagt, dass du Brittany in Ruhe lassen sollst. Bei welchem Teil habe ich mich nicht klar genug ausgedrückt?" Obwohl er ein wirklich bulliger großer Kerl ist, schafft er es nicht seinen Arm aus Santanas Griff zu lösen. Vielleicht habe ich bisher ihre Kräfte auch einfach nur unterschätzt oder irgendwo in ihr wohnt der Hulk und er ist soeben ausgebrochen. Ich erwarte beinahe, dass jeden Augenblick ihr Kleid von ihrem Körper platzt, obwohl ich damit sowieso schon bereits den gesamten Abend rechne. Der Todesgriff lockert sich jedenfalls keinen Millimeter und ich bilde mir sogar ein, dass ihr Gesicht eine grünliche Farbe angenommen hat. Aber vor allem sind es ihre Augen, die ihren Worten noch viel mehr Nachdruck verleihen. Sie wirken so bedrohlich und so fremd: „Du solltest jetzt besser ganz schnell verschwinden. Wenn ich dich noch einmal in ihrer Nähe sehe, wenn ich dich etwas über sie sagen höre oder wenn mir auch nur irgendwer erzählt, dass du schlecht über sie redest, dann stopfe ich dir auch noch deinen anderen Arm direkt dort hin, wo die Sonne niemals scheint und dieses Mal kommst du nicht so leicht mit einem lächerlichen kleinen Bruch davon."
Obwohl er wimmernd nickt, hebt sie erneut seinen schmerzenden Arm nach oben. Für mich ist es genug. Egal wie unsympathisch mir dieser Kerl ist, egal wie nett es ist, dass sie mich offensichtlich beschützen will. Genug ist genug und man muss nicht grausam werden. Weder seelisch, noch körperlich. Also greife ich nach ihren Händen und ziehe sie trotz starkem Widerstand von seinem Arm. Ich umschließe sie und drücke einen Moment fest zu: „Es reicht, Santana."
Kopfschüttelnd dreht sie sich langsam zu mir. Dieses Kopfschütteln ist keine Aussage, es wirkt eher, als wolle sie sich damit von etwas befreien. Von einem Gedanken oder von einem Gemütszustand. Es ist, als ob ein kurzes Flackern über ihr Gesicht, über ihre Augen fahren würde und ihr Ausdruck verwandelt sich daraufhin. Die ganze Wut, die soeben noch an all ihren Zügen abzulesen war, wechselt zu einer leichten Teilnahmslosigkeit: „Es ist genug." Wiederhole ich erneut leise und streiche mit meinen Fingern über ihren Handrücken.
Karofsky hat sich mittlerweile schwerfällig aufgerappelt und sieht schmerzverzerrt, aber trotzdem deutlich düster wieder zu Santana: „Du hast dir kein Hündchen gesucht, du bist das Hündchen." Es klingt gestellt, es klingt wahrscheinlich nicht so, wie er es beabsichtigt, als er gehässig lacht und sich dann doch von unserem Tisch, von uns, entfernt.
Ich sehe ihm nicht nach, wende mich nicht von ihr ab. Ihr Blick huscht erst ihm hinterher und dann ein wenig rastlos durch den Raum. Ich weiß, dass einige Leute zu uns sehen. Die Auseinandersetzung war laut genug. Schon allein der Aufprall seines eingegipsten Armes war jedes Mal laut genug zu hören. Sie starren uns mit Sicherheit an. Trotzdem ist es mir egal. Der einzige Mensch der zählt, sitzt mir zitternd und bebend gegenüber. Erneut liebkosen meine Finger zärtlich ihre Hände: „Lass uns gehen."
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Ich lasse mich seufzend auf die Parkbank fallen. Aber erst nachdem Santana darauf bestanden hat, dass sie erst ihre Jacke aus dem Auto holen geht und ich mich mit meinem weißen Kleid nicht direkt auf den möglicherweise dreckigen Untergrund setze. Soweit hatte ich überhaupt nicht gedacht und wäre am Ende wohl den restlichen Abend mit schwarzen Streifen auf dem Hintern durch die Gegend gelaufen.
Sofort strecke ich meine Hand in die braune Papiertüte und fische einen der Burger heraus. Ich halte ihn ihr hin, sie nimmt ihn und begutachtet ihn einen Moment recht abschätzig: „Burger beim ersten Date ist echt mal was Neues."
Nachdem ich mir auch einen davon aus der Tüte genommen habe, stelle ich sie vor mir auf den Boden und fange an ihn auszuwickeln: „Ich weiß nicht, was du hast. Ich mag Burger." Genüsslich beiße ich in das matschige Brötchen und drehe schnell meinen Kopf ein wenig beiseite, weil mir wie fast immer sofort etwas von der Soße vom Kinn tropft.
Sie schüttelt schmunzelnd den Kopf, nimmt eine der Servietten hoch und tupft mir damit über das Gesicht: „Ich glaube, ich hab unser Date sowieso schon versaut, da spielen Burger auch keine große Rolle mehr." Sie lehnt sich zu mir, drückt ihre Lippen gegen meine Wange und lässt sie viel länger dort, als ich erwartet hätte. Es soll mir wohl etwas sagen und ich verstehe es sogar, bevor ich in ihr verunsichertes Gesicht sehe.
„Du hast nichts versaut. Ich hatte meinen Garnelen Cocktail, was will ich mehr? Damit habe ich dich wahrscheinlich eh schon mehr Geld gekostet, als du eingeplant hattest." antworte ich schmunzelnd und zwinkere ihr zu, während ich erneut meine Zähne in mein Essen grabe.
Nur kurz erhellt sich ihr Gesicht. Sofort nimmt es wieder einen ernsteren Ausdruck an. Er ist aber nicht mehr verunsichert oder traurig. Er ist einfach nur ernst und ehrlich: „Für dich würde ich alles Geld der Welt ausgeben."
Die Kaubewegungen meines Kiefers werden immer langsamer, während ich sie weiterhin eingehend betrachte. Irgendwie war es ein Satz, den man normalerweise nur in Liebesfilmen hört und bei dem man dann gerne einmal genervt die Augen verdreht. Wenn man ihn aber gesagt bekommt, und auch noch von der richtigen Person, klingt er gar nicht mehr lächerlich. Er klingt nach dem ehrlichsten was ein Mensch überhaupt sagen kann und ich verstehe jetzt wirklich, warum es im Film danach meistens zu einem Kuss kommt.
Ich schlucke den Inhalt meines Mundes herunter und lehne mich dann langsam zu ihr. Sie ist sichtlich überrascht, als ich ihr einen kurzen Kuss gebe und mich dann wieder zurück lehne, als wäre überhaupt nichts gewesen. Wieder beiße ich ein Stück von dem Burger ab und nuschele dann mit vollem Mund: „Hör mal, She-Hulk..."
Sie schüttelt sich kurz amüsiert: „She-Hulk?"
Ich nicke etwas und kaue dieses Mal erst fertig, bevor ich weiter spreche: „Du hast unser Date wirklich nicht versaut. Obwohl ich tatsächlich nach der Aktion bei Breadstix nur noch mehr Fragen an dich habe, können die bis morgen warten. Denkst du nicht? Ich möchte dir jetzt nur eins sagen...ich mag keine Gewalt und du solltest so etwas nicht noch einmal tun."
Sie sieht auf ihren eigenen, immer noch eingepackten Burger und dreht ihn ein wenig in den Händen. Kaum hatte ich den letzten Satz ausgesprochen, sind ihre Schultern ein wenig nach unten gesunken und etwas an ihr hat sich erneut negativ verändert. Ich stoße sie aufmunternd sachte mit der Schulter an: „Lass uns den heutigen Abend einfach genießen. Wenn wir morgen früh bei dir aufwachen, kannst du mir vielleicht endlich mal ein paar Erklärungen liefern."
„Klingt nach einem...Moment..." Ihre Augen landen wieder auf mir. Sie betrachtet mein Gesicht und ihre Mundwinkel zucken dann überrascht und amüsiert, fast ein wenig verschmitzt, nach oben: „Wenn wir morgen früh bei mir aufwachen?"
„Hast du nicht gesagt, dass deine Eltern übers Wochenende nicht da sind?" antworte ich ihr mit einer Gegenfrage und klinge wirklich so, als wäre meine Aussage gar keine große Sache. Dabei ist sie eine ziemlich große Sache. Ich habe darüber nachgedacht bei ihr zu übernachten, ich habe es immerhin vorhin auch schon meinen Eltern angedeutet, aber trotzdem hat diese Entscheidung jetzt eine viel größere Wirkung auf mich, als ich es mir anmerken lasse. Ich weiß nicht einmal, woher diese Entscheidung kommt. Sollte ich nicht nach all dem mit Karofsky eher abgeschreckt sein? Aber ich bin es nicht und verstehe mich langsam selbst nicht mehr.
„Sie sind nicht da und ich hab es gesagt, aber ich hätte nicht erwartet, dass du immer noch bei mir schlafen willst."
„Bisher noch. Wir werden sehen, ob der restliche Abend meine Meinung noch ändert." Ich zwinkere ihr ein weiteres Mal zu und widme mich dann wieder meinem Abendessen. Ihren Blick spüre ich noch lange auf mir ruhen, ehe ich schließlich das Papier neben mir knirschen höre und sie auch endlich anfängt zu essen.
Es ist nicht schlimm mit Santana zu schweigen. Ich bekomme nicht das Gefühl, ich müsse jedes Mal die unangenehme Stille mit etwas unterbrechen. Es fühlt sich nicht unangenehm an und ich denke wir sind einfach gut darin. Wahrscheinlich weiß sie es wirklich zu schätzen, dass sie mit mir nicht dauernd reden muss, da sie anscheinend eh nicht so gerne redet. Vor allem nicht über sich selbst. Auch wenn wir aus unterschiedlichen Gründen unsere Probleme mit der Kommunikation haben, können wir uns immer wieder gemeinsam in diese kleinen, stillen Momente flüchten und wir fühlen uns beide wohl damit.
Irgendwann werden wir sicher auch lernen miteinander zu reden, darüber mache ich mir keine Gedanken. Aber jetzt in diesem Augenblick reicht es, dass wir unser Essen genießen, uns immer wieder Blicke zuwerfen und genau verstehen, was der andere mit diesen Blicken sagen will.
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Auf einem der etwas weniger benutzten Wege schlendern wir Hand in Hand durch den Park. Obwohl wir nicht darüber gesprochen haben, scheint es sie wohl nicht zu stören so öffentlich mit mir durch den Gegend zu laufen. Vielleicht liegt es auch daran, dass uns bisher keiner der wenigen Passanten auch nur sonderlich beachtet hat. Am Ende habe ich mir wohl mehr Gedanken darüber gemacht und es ist gar nicht so viel dabei, wie ich bisher dachte.
Es erstaunt mich jedoch auch, dass es mir so wenig ausmacht. Bereits der Kuss vorhin auf der Parkbank und jetzt das hier. Ich mache, was ich möchte und für richtig halte. Was andere denken könnten, schwirrt mir zwar tatsächlich stellenweise immer wieder durch den Kopf, aber es juckt mich nicht. Es ist nur eine Nebensächlichkeit und wäre eventuell anders, wenn sich all das nicht so richtig anfühlen würde. Schließlich kann mir keiner vorschreiben oder nehmen, was ich fühle.
Langsam drehe ich den Kopf zu ihr. Ich hatte gesagt, dass wir nicht über schwierige Dinge reden müssen, aber trotzdem sind Dates doch dazu da um den Anderen ein wenig besser kennen zu lernen. Also sollten harmlose Fragen ja erlaubt sein: „Was hast du eigentlich vor? Später, wenn du nicht mehr im Glee Club arbeiten musst."
Sie sieht nach oben, zwischen den Bäumen hindurch in den Himmel. Ich folge ihrem Blick. Obwohl es noch nicht richtig dunkel ist, dämmert es langsam und trotz der vielen Lichter der Stadt kann man vereinzelte Sterne bereits leicht funkeln sehen. Wie muss es da oben erst aussehen, wenn kein Licht der Erde stört? Wäre der Himmel dann von Millionen unbeweglichen Glühwürmchen übersät? Wenn ich es könnte, würde ich in diesem Moment gerne der ganzen Welt den Strom abschalten, um das Funkeln dieser Glühwürmchen mit Santana sehen zu können.
„Ich wollte immer studieren." antwortet sie plötzlich, während wir beide weiterhin den Himmel beobachten. Ich sehe nur immer mal wieder kurz nach vorne um nicht in einem Busch zu landen. Ich könnte mir allerdings auch schlimmeres vorstellen, als mich mit Santana in einem Gebüsch zu verheddern.
Leicht schüttele ich über diesen Gedanken den Kopf. Sollten sie in der nächsten Zeit wieder öfter auftauchen, gibt es in der Mitte des Parks immerhin einen kleinen Teich und ich könnte mich einfach hinein stürzen, um diese hitzigen Eingebungen zu vertreiben. Erneut schüttele ich den Kopf und konzentriere mich lieber wieder auf den Himmel: „Was hindert dich daran?"
„Na ja...so einiges." Dieses Mal muss ich nicht zu ihr sehen, muss ihr keinen Stoß verpassen um eine richtige Antwort zu bekommen. Sie spricht von alleine weiter: „Ich dachte an Jura. Du weißt, ich steh auf streiten und da könnte ich es endlich einmal sinnvoll einsetzen."
Es stimmt wohl. Als heißblütige Rechtsanwältin könnte ich sie mir tatsächlich gut im Gerichtssaal vorstellen. Kurz schmunzeln wir uns an: „Aber ich bin jetzt vorbestraft und selbst wenn mich eine Uni nimmt, heißt es noch nicht, dass ich hinterher eine Zulassung bekomme."
Ich sehe zu ihr und bemerke, wie wieder eine dieser dunklen Regenwolken über ihrem Kopf hängt. Sie kickt abwesend ein kleines Steinchen vor sich her und es scheint sie wirklich schwer mitzunehmen, dass ihre Zukunftspläne in weite, eventuell unerreichbare Ferne gerückt sind. Mir würde es wohl nicht anders gehen, wenn ich wüsste, was ich mit mir anfangen will und dann wegen einem kleinen Fehler so viele Steine in den Weg gelegt bekomme.
Sie reibt sich über die Arme und obwohl ich mir nicht sicher bin, ob es die leichte aufkommende Brise ist oder ob ihre Gedanken sie frieren lassen, nehme ich ihre Jacke, welche ich locker über meine Handtasche gehängt hatte, trete vor sie und lege sie ihr um die Schultern. Als sie mich daraufhin ansieht, neige ich den Kopf etwas zur Seite: „Du könntest auch Lehrerin werden, wenn dir das erlaubt wird. Meine Lehrer haben immer so viel geschrien, es könnte dir Spaß machen."
„Klingt verlockend." antwortet sie mit einem leichten Schmunzeln und tritt noch ein wenig näher an mich. Sie umschließt mit den Fingern beider Hände die Träger meines Kleides und fährt sie langsam entlang. Erst nach oben, dann wieder nach unten. Die Rückseiten ihrer Finger streifen dabei ganz bewusst über meine Haut und ich schließe bei diesem kribbelnden Gefühl sogar kurz die Augen. Eines öffne ich jedoch sogleich wieder, als wie weiter spricht: „Ich hab mir überlegt, ich konnte einfach mit dir zusammen in diese 'Real Housewives' Show mit einsteigen."
Dieses Mal zwinkert sie mir zu und egal wie abwegig dieser Gedanke überhaupt ist - als würde sich jemand eine Fernsehsendung aus Lima, Ohio ansehen – ist es eine andere Sache, die mich daran mehr irritiert: „Wenn wir zusammen sein wollen, muss aber eine von uns arbeiten gehen. Sonst haben wir kein Geld und wären wohl ganz schön herunter gekommene Hausfrauen."
Ihre Hände halten in ihren Bewegungen inne. Sie schluckt kurz und sieht dann von mir weg durch den Park. Es sieht so aus, als würde sie etwas suchen, sie sucht vielleicht auch etwas, aber nicht was man auf den ersten Anschein hin glaubt. Sie sucht einen Ausweg. Einen Ausweg aus dieser Situation, weil ich genau das gesagt habe, was sie nicht unbedingt hören wollte.
Vielleicht hätte ich es auch nicht sagen sollen. Wir haben dieser Sache zwischen uns immerhin noch keinen Stempel aufgedrückt und eigentlich hatte ich auch nicht vor es zur Sprache zu bringen. Leise seufze ich und sehe nach unten. Im Prinzip hat sie mir soeben ja eine ungewollte Antwort gegeben. Wenn sie mit mir zusammen sein wollte, hätte sie die Aussage wohl nicht so verunsichert, oder?
„Du könntest auch einen 90jährigen Millionär heiraten, ich bringe ihn für dich um und wir lassen es wie einen natürlichen Tod aussehen." ist schließlich ihre Antwort und als ich wieder zu ihr sehe, streicht sie mir über die Wange: „Danach sind wir so reich, dass keine von uns jemals arbeiten muss."
Ich sehe sie weiter nur an, ein wenig irritiert und sie ist es die plötzlich leise lacht: „Das wäre die einfachste Lösung, Britt. Wir wären zusammen und könnten uns den ganzen Tag auf die faule Haut legen. Außerdem wäre die Geschichte spannend genug fürs Reality TV."
„Was hab ich dir vorhin von Gewalt erzählt?" Ich mag sie nicht. Selbst dann nicht, wenn sie wie jetzt nur im Spaß davon spricht. Ein kleiner Teil findet ihre Aussage auch wirklich nicht lustig, aber ein anderer bringt meine Gesichtszüge doch zum Strahlen. Egal was sie gerade sonst gesagt hat, der wichtigste Teil hatte mit uns zu tun. Selbst wenn alles nur Spinnereien und Spaß sind, hat sie letzten Endes doch von uns gesprochen. Ich drücke meine Lippen sanft gegen ihre Stirn und murmele: „Vielleicht fällt uns ja auch noch etwas anderes ein."
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...jetzt...
Mittlerweile ist das Tablett auf dem Boden gelandet. Ich liege auf meinem Bauch, den Kopf in die Hände gestützt und betrachte Santana, die mit dem Rücken am Kopfteil des Bettes lehnt.
Jedes Wort hat die Erinnerungen zurück in meinen Kopf fließen lassen. Mit jedem Wort konnte ich mich an all das erinnern, was gestern Abend passiert ist. Klar und deutlich kamen die Bilder zurück. Auch all das, was ich in diesen Augenblicken gefühlt habe. Die Leere und diese unfassbar große Lücke in meinem Kopf hat sich zum Teil geschlossen. Ich strecke mich etwas und hauche einen leichten Kuss auf ihren Arm: „War doch ein gutes Date."
Sie schmunzelt leicht und fährt mit ihren Fingern durch meine zerzausten Haare. Versucht sie ein wenig zu glätten, was jedoch zum Scheitern verurteilt ist. Wenn ich es nicht besser wüsste, könnte man meinen eine Vogelmutter hat sich ein Nest auf meinem Kopf gebaut und wird jeden Moment nach ihrer Hand picken.
Langsam rutscht sie nach unten, legt sich auf ihre Seite gedreht neben mich und sieht mich an. Ihre Hand streicht weiter über meinen Kopf und spielt ein wenig mit einer Strähne. Auch wenn sie wieder einmal nichts sagt, weiß ich doch, was sie sagen will. Dass es ein gutes Date war. Dass sie Spaß hatte und sie in diesem Augenblick tatsächlich glücklich ist. Sie sieht jedenfalls glücklich aus und selbst wenn sie ihre Emotionen so gerne unterdrückt, andere vorspielt, kann sie genau diese bestimmte nicht so einfach vortäuschen.
„Ich würde dich echt gerne küssen, aber ich schmecke nach Frosch." murmele ich leise und drehe meinen Kopf sogar etwas, da ich meinem Atem gerade wirklich nicht über den Weg traue.
Das geliebte Lachen erfüllt wieder meine Ohren, bevor sich nicht nur ihr Kopf, sondern ihr halber Körper auf meinen Rücken legt: „Woher weißt du, wie ein Frosch schmeckt?"
Ich brumme leise und verschränke die Arme nun unter meinem Kopf um mich flach darauf zu legen. Ihre Fingerspitzen streichen in kleinen Kreisen über meine nackte Schulter und es ist so beruhigend, dass mein immer noch brummender Schädel fast wieder in einen leichten Dämmerschlaf fallen will. Ich halte jedoch die Augen offen: „Solange du deine Geheimnisse hast, habe ich auch meine."
Fast bin ich selbst ein wenig überrascht über diese schlaue Antwort und ich muss grinsen, als sie wieder lacht und ich es dieses Mal nicht nur höre, sondern ihre Gesichtsregungen auch zwischen meinen Schulterblättern spüre: „Scheint mir fair zu sein."
Einen Moment kehrt wieder diese angenehme Stille zwischen uns ein. Ihre Finger malen weiter über meine Haut und ich seufze, während sie mit ihrer anderen Hand meinen rechten Arm entlang fährt. Sachte zieht sie ihn unter meinem Kopf hervor und nimmt meine Hand. Etwas abwesend spielt sie mit meinen Fingern. Ich bin es, die schließlich unser Schweigen wieder bricht: „Danach sind wir zur Party, richtig?"
Die Bewegung ihres Kopfes gegen meinen Rücken scheint ein Nicken zu sein: „Und der Abend wurde erst so richtig kompliziert..."
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End of Part 1 - Part 2 folgt mit einer etwas anderen Party und mit der Aufklärung, was in dieser Nacht tatsächlich geschehen ist.
