Secrets Are Walls That Keep Us Alone
Kapitel zehn
Remus schlüpfte aus dem Krankenflügel und eilte zurück in den Gryffindor-Turm. Unterwegs versuchte er sich an die genauen Geschehnisse der letzten Nacht zu erinnern, doch die Bilder waren verschwommen und unscharf.
Er war sich sicher, dass sie nicht auf den Ländereien gewesen waren, und ziemlich sicher, dass sie auch sonst nicht viel gemacht hatten. Er hatte nur ein paar kleine Kratzer, die Madam Pomfrey mühelos geheilt hatte. So weit er sich erinnern konnte, war die Nacht insgesamt ereignislos verlaufen.
„Alraune." Das Portrait der Fetten Dame schwang auf und enthüllte einen verlassenen Gemeinschaftsraum. Remus kletterte durch das Portraitloch und schaute auf seine Uhr. Es war erst sieben, an einem Sonntag morgen.
Er lief die Wendeltreppe zu den Schlafsälen hoch, schob die schwere Holztür auf und trat in den sehr stillen Raum.
Als er sich umschaute, musste Remus beinahe lachen. Peter lag flach auf dem Rücken und schnarchte. Es schien jedoch so, als ob jemand das Schnarchen als unerträglich laut empfunden hätte, denn Peter hatte ein Kissen auf seinem Gesicht. Es reichte zwar nicht, um ihn zum Schweigen zu bringen, aber es dämpfte das Geräusch eindeutig.
James lag quer über sein ganzes Bett ausgestreckt, ein Arm und ein Bein baumelten fast am Boden. Seine Haare klebten an der einen Seite platt am Kopf und standen auf der anderen wirr ab. Nur Sirius sah normal aus, obwohl es schwer war sich da sicher zu sein, weil er seine Decke so hoch gezogen hatte, dass Remus nur seine geschlossenen Augen und das dunkle Haar sehen konnte. Remus setzte sich auf sein eigenes Bett. Er war weder müde genug zum schlafen, noch hatte er genug Energie für Hausaufgaben. Er schnappte sich ein Buch von seinem Nachttisch und schlug es auf, nachdem er sich entschieden hatte zu lesen um sich die Zeit zu vertreiben.
Er nahm jedoch kaum wahr was er las, als seine Gedanken anfingen zu schweifen. Als er nach Hogwarts gekommen war, war er sich sicher gewesen, keine Freunde zu finden. Egal was seine Eltern sagten, sogar als Elfjähriger, wusste er, dass die anderen Kinder merken würden, dass etwas mit ihm nicht stimmte. Sie würden merken, dass er ein Freak war und er wäre wieder alleine, so wie er es immer gewesen war.
Remus war sehr vorsichtig gewesen, als James und Sirius im Zug angefangen hatten mit ihm zu reden. Er konnte niemanden zu nah an sich heran lassen, denn dann könnten sie es bemerken. Sogar Peter erschien ihm ein bisschen gefährlich.
Es dauerte wirklich nicht lange, bis sie misstrauisch wurden, als er ihnen die Lügen auftischte, die seine Eltern für ihn geschrieben hatten. Er war sich sicher, dass sie sein Geheimnis kannten. Es dauerte nicht lang, bis sie es wirklich herausfanden.
Dann kam die Überraschung: sie hassten ihn nicht, sie hatten keine Angst vor ihm. Sie wollten ihm helfen.
Remus schaute von seinem Buch auf und musterte seine Freunde noch einmal. Vor fünf Jahren hätte er nie gedacht jemals solche Freunde zu haben.
Es war seltsam, wie wohl er sich jetzt fühlte, wenn er sie um sich hatte. Er hatte sich an sie gewöhnt, in einer Art, die er nie für möglich gehalten hätte. Auf eine Art, wie er trotz Peters Schnarchen schlafen konnte, obwohl es ihn in seiner ersten Nacht in Hogwarts stundenlang wachgehalten hatte. Auf eine Art, wie er sehen konnte, dass James sich verzweifelt wünschte Lily Evans würde ihn mögen, obwohl es vorher immer nur so ausgesehen hatte, als ob er gerne angeben würde.
Aber es überraschte ihn auch, was er alles nicht wusste. Remus war viele Male bei James und Peter zu Hause gewesen, aber er wusste nicht einmal wo Sirius wohnte. Er hatte auch das Gefühl, als ob Sirius sich seiner selbst nicht so sicher war wie er tat, doch Remus wusste nicht, warum er das vermutete.
„Nein," murmelte Sirius im Schlaf und packte seine Decke fester. „Nein."
Remus runzelte die Stirn; Sirius redete nie im Schlaf. Er wartete noch eine Weile, aber Sirius war verstummt.
Er laß noch eine Weile, dann warf er einen Blick auf seine Uhr und war überrascht, als er sah, dass es fast Zeit fürs Mittagessen war. James würde unerträglich sein, wenn er aufwachen und merkte, dass er eine Mahlzeit verpasst hatte.
Remus stand auf, streckte sich und versuchte seine Freunde zu wecken.
„Es ist Zeit fürs Mittagessen."
„Geh weg," murmelte Sirius und zog seine Decke noch höher.
„James, wach auf."
„Nein," sagte James und wedelte leicht mit einem Arm in Remus' Richtung.
„Du wirst das Mittagessen verpassen," warnte ihn Remus.
„Bin schon wach," verkündete James. Er setzte sich auf und sah sich um. „Gehen wir los?"
Typisch James. Essen war immer ein gutes Lockmittel. Remus beachtete seine Frage nicht, und versuchte Peter zu wecken. Obwohl Peter keinen leichten Schlaf hatte, wachte er heute schnell auf und zog sich an.
„Sirius! Wach auf! Ich hab Hunger!" jammerte James, als er sich ein Hemd über den Kopf zog.
„Mmm," murmelte Sirius.
„Steh auf!" James schüttelte Sirius grob an der Schulter.
„Au!" schrie Sirius, setzte sich schnell auf und fasste sich an die Schulter. „Verdammter Mist!"
„'Tschuldigung Kumpel," sagte James mit schuldigem Gesicht. „Habs vergessen."
„Was hast du vergessen?" fragte Remus und setzte sich auf das Bettende. „Was ist passiert?"
„Er wollte, dass du den Schnitt heilst, den er da hat," antwortete James. „Hat mir das nicht zugetraut..."
„Aus gutem Grund!" widersprach Sirius. „Egal, ist sowieso nicht so schlimm."
„Du blutest," bemerkte Peter. Sirius hob seine Hand um das Blut zu sehen, das durch sein Hemd sickerte.
„Nur ein bisschen."
„Episkey!" sagte Remus und deutete mit seinem Zauberstab auf die Wunde. Der Blutfleck wurde nicht mehr größer.
„Danke," sagte Sirius, wischte sich die Hand an seinem Hemd ab und stand auf. „Ich geh duschen."
Remus nickte stumm. Als Sirius weg war, drehte er sich zu James. „War ich das?"
„Neh. Die Peitschende Weide," sagte James, doch er konnte Remus nicht in die Augen schauen, und so wusste dieser, dass er log. „Außerdem ist doch jetzt wieder alles in Ordnung. Gehen wir los?"
„Sollen wir nicht auf Sirius warten?" fragte Peter.
„Ach, das ist ihm egal. Komm schon!" Und damit schleifte James sie aus dem Schlafsaal.
Sirius kam ein paar Minuten später in den Schlafsaal zurück und war nicht überrascht zu sehen, dass seine Freunde ohne ihn gegangen waren. Es passte einfach zu James, auf seinem Weg zum Essen nur an sich selbst zu denken.
Sein Magen knurrte hörbar. Er hatte seit diesem Brot gestern Abend nichts gegessen, und er war am verhungern. Vermutlich müsste er eh ein bisschen essen, wenn er jetzt hinunter ging um die anderen zu treffen.
Er zog sich schnell an und setzte sich dann auf sein Bett. Er wollte nicht da runter gehen und so tun als ob er etwas aß, während er verzweifelt versuchte in Wirklichkeit nichts in seinen Mund zu bekommen. Es war ermüdend jeden Verdacht abzuwehren. Es war ermüdend nicht zu essen. Er hasste es müde zu sein.
Es war in Ordnung ein bisschen zu essen, solange es nicht zu viel war. Er würde sich keine Sorgen machen über die Sachen, die er gezwungen war zu essen, solange seine Kleider sich immer weiter anfühlten.
Sirius stand auf und ging hinunter, begrüßte Leute, die er kannte, mit einem Nicken und warf den Slytherins böse Blicke zu. Er fand seine Freunde, immer noch essend, obwohl die meisten Leute um diese Zeit schon wieder weg waren.
„Hey Tatze," grüßte ihn James, bevor er sich einen großen Bissen Auflauf in den Mund schob.
Remus schaute hoch und nickte ihm zu, doch Sirius sah, dass ihm die Schuld ins Gesicht geschrieben stand.
„Was ist los?" fragte er leise, als er sich auf den Platz neben Remus fallen ließ.
„Nichts."
„Du siehst aus, als ob dich etwas belastet."
„Nein, tue ich nicht."
„Doch, tust du," sagte Sirius, und warf James einen schnellen Blick zu um zu sehen, ob er zuhörte, was dieser nicht tat. Peter war zu weit weg um ihre gedämpften Stimmen zu hören.
„Mich belastet gar nichts." Sagte Remus noch einmal.
„Was ist dann los?"
„Wie hast du dich verletzt?" fragte Remus ihn.
„Was?"
„Deine Schulter."
„Die Peitschende Weide hat mich erwischt," log Sirius.
„Das hat James auch gesagt."
„Das ist auch passiert."
„James ist ein schlechter Lügner," sagte Remus. Sirius verzog das Gesicht.
„Ja, das ist er. Blöder kleiner Fehler, nicht wahr?"
„Also war ich es wirklich," schloss Remus.
„Nein."
„Warum würdet ihr es sonst verbergen?"
„Das warst nicht du," sagte Sirius mit Nachdruck.
„Wer war es dann?"
„Der Wolf."
„Ich," sagte Remus bedrückt.
„Nein. Der Wolf. Du hattest damit nichts zu tun. Du hattest keinen Einfluss darauf."
Remus schüttelte nur den Kopf.
„Hör auf so zu schauen, Moony. Du weißt, dass ich Recht habe."
„Worüber redet ihr zwei?" mischte sich James ein.
„Nichts," sagte Remus.
„Gut. Also, was machen wir heute?" sagte James und begann ein anderes Thema.
„Weiss nich," sagte Sirius, spießte mit seiner Gabel eine Karrotte auf und aß sie.
„Hausaufgaben," sagte Remus.
„Das ist viel zu langweilig," beschwerte sich James.
„Quidditch," sagte Sirius.
„Viel besser."
