Kapitel 9 Wenn Träume Wirklichkeit werden
Es war so schön. Die Sonne wandte sich dem Horizont zu, eine leichte Brise wehte ihr den Duft des Waldes entgegen und das Schilf des Sees wog sich im Takt mit dem Wind. Sie saßen auf einer Decke am Ufer und lauschten einfach nur den Geräuschen des Waldes. Wenn es nur immer so sein könnte.
Celebnîn kuschelte sich an Legolas´ Schulter, der die Augen geschloßen hatte und sich völlig entspannte. Alle Probleme waren vergessen, sie fühlten jetzt nur das Glück und die Liebe, die sie empfanden, wenn sie zusammen waren.
Legolas spürte die Wärme, die von Celebnîn ausging, nicht nur die Wärme ihres Körpers, sondern die ihres Herzens. Er wusste, dass jetzt die richtige Zeit gekommen war.
„Celebnîn... ich würde dich gerne etwas fragen." Noch nie war er so nervös gewesen. Sie sah ihn auffordernd an.
„Ja?"
Legolas nahm ihre zarte Hand. „Willst du den Bund mit mir eingehen?" Celebnîn war erst sprachlos, was Legolas unsicher machte. War es doch zu früh? Schließlich hatte sie ihren letzten Verlobten verloren, vielleicht wollte sie sich nicht so schnell wieder verloben. Er war so dumm gewesen, er hätte noch warten sollen!
Doch dann lächelte sie ihn an und er konnte ein Strahlen in ihren blauen Augen entdecken. „Ja!" Da war seine Freude nicht mehr zu halten. Er sprang auf, nahm sie auf die Arme und drehte sich lachend mit ihr. „Legolas, nicht so stürmisch! Mir wird ja schwindelig!" Aber er konnte sehen, dass es auch ihr Spaß machte. Behutsam setzte er sie ab und nahm ihre Hände in seine. „Ich werde gut auf dich aufpassen, Melamin. Und als Zeichen unserer Verbundenheit werden wir das tragen."
Celebnîn war überwältigt. Sie hatte nicht erwartet, dass Legolas sie das fragen wollte. Und jetzt holte er zwei Ketten mit wunderschönen Anhängern aus seiner Tasche hervor. Beide Anhänger hatten die Form einer Träne und bestanden aus blauen Saphiren. Wenn man sie zusammenlegte, bildeten sie einen Kreis. Ein Stein war eine spur heller als der andere, diesen Anhänger bekam Celebnîn. Behutsam legte Legolas das Schmuckstück um ihren Hals und küsste sie. Dann nahm sie die andere Kette und legte sie ihm an. Legolas strahlte sie glücklich an. „Danke, Melamin, das wirst du nicht bereuen, ich verspreche es dir." Sie lächelte neckisch. „Ich weiß."
Die Hochzeit war klein, sie wollten nur engste Freunde und Familie dabei haben. Sie fand in dem beeindruckenden Garten des Schloßes statt, am Abend, als schon die Sterne am Himmel leuchteten.
Celebnîn war aufgeregt. Gleich würde es so weit sein. Sie stand in ihrem Gemach und überprüfte sich noch einmal im Spiegel. Das Kleid, das sie trug, hatte die beste Schneiderin des Hofes für sie angefertigt, es war ein Traum in weiß. Gemacht aus leicht schimmernder weißer Seide, die bei jedem ihrer Schritte um sie tanzte, glitzernd durch feine silberne Stickereien. Es war schulterfrei und hatte lange Ärmel, die an den Enden breiter wurden. Dazu trug sie Legolas´ Kette und einen langen, silbernen Gürtel. Am Kopf trug sie ein kleines, feines Geschmeide, ein Diadem, das Thranduil ihr geliehen hatte. Es gehörte Legolas´ Mutter. Ihr Haar war nach hinten gesteckt, sodass es sie nicht im Gesicht störte, und fiel dann in sanften Wellen ihren Rücken hinab.
Celebnîn fühlte sich ein wenig nervös, doch voller Vorfreude.
Legolas stand unter einem kleinem, weißen Zelt, das ein wenig transparent war, sodass man die Sterne sehen konnte. Um ihn herum war der Garten mit kleinen, weißen und blauen Lichtern geschmückt, die von den Künsten Elronds stammten, der extra angereist war. Vor ihm standen fünf Reihen weißer Stühle, die schon von den Gästen besetzt waren und durch einen weißen, seidenen Teppich in zwei Bereiche getrennt waren. Viele verschiedene weiße Blumen vervollkommtneten das Bild, es war traumhaft. Legolas lächelte seinen Gästen unsicher zu, er konnte kaum noch erwarten, dass es endlich begann. Da waren Elrond mit seinen Söhnen, Thranduil, Freunde von ihm und Celebnîn und andere Bekannte. Sie alle strahlten ihm fröhlich entgegen.
Dann stand Elrond auf und kam zu ihm hervor, er war nicht nur Gast, sondern vollzog auch die Zeremonie.
Die elbische Musik begann leise zu spielen, und einige Elben und Elbinnen erhoben ihre Stimmen zu einem klangschönen Chor.
Durch einen Bogen weißer Rosen, am Ende des Teppichs trat sie dann hervor. Legolas stockte der Atem bei ihrem Anblick. Sie war wunderschön, schöner als je zuvor. Ihr weißes Kleid schimmerte im Sternenlicht und wog sich im Takt ihrer Schritte. Ihre blauen Augen widmeten sich nur ihm und glänzten vor Freude. In den Händen trug sie einen kleinen Strauß weißer Blumen.
Langsam kam sie auf ihn zu und schenkte ihm ein warmes Lächeln. Als sie ihm gegenüberstand, klang die Musik ab und Elrond wandte sich ihnen zu. „Ihr zwei habt euch gefunden und für einander entschieden. Legolas hat dir, Celebnîn, in schweren Zeiten Halt gegeben, dafür hat Celebnîn, dir, Legolas, ihre Liebe und Wärme geschenkt. Nun wollt ihr euch vor eurer Familie und euren Freunden vereinigen, doch seid gewarnt. Ein Bund hält für ewig und soll nicht gebrochen werden, ihr müsst euch entscheiden, ob ihr die Ewigkeit wirklich miteinander verbringen wollt. Deshalb frage ich dich, Legolas, willst du den Bund mit Celebnîn eingehen?" Er sah in ihre strahlenden Augen und wusste, dass es nur eine Antwort gab. „Ja."
Celebnîn lächelte erleichtert, ein Teil wäre geschafft. „Und du, Celebnîn? Willst du den Bund mit Legolas eingehen?" Sie lächelte Legolas an, dieser blickte ihr voller Erwartung entgegen, einen kurzen Moment ließ sie ihn warten, dann antwortete auch sie. „Ja."
Elrond nahm ein Band aus weißer Seide und legte es um ihre Hände. „So sei es. Ihr seid nun in Ewigkeit miteinander verbunden, körperlich und seelisch bildet ihr eine Einheit, die von niemanden getrennt werden soll." Elrond nickte ihnen zu und Legolas zog Celebnîn in einen innigen, aber zärtlichen Kuss.
Sie vernahmen kaum das Klatschen der Gäste, um sie herum herrschte nur noch das Glück. Sie hatten nun nur noch Augen für sich.
Es folgte ein langes Fest, doch Legolas konnte es kaum erwarten endlich mit Celebnîn alleine zu sein, so verließen sie das Fest nach einiger Zeit und zogen sich in ihre neuen, gemeinsamen Gemächer zurück.
