Die Incinerator war aus dem Hyperraum über Helska IV ausgetreten und würde schon bald dort landen. Darth Tenebrous musste sich diesmal persönlich um die Landung kümmern, war doch sein Schüler unten auf dieser Eiskugel und harrte seiner. Unzufrieden ließ der Bith den Blick seiner großen gewölbten schwarzen Augen zu seinem Datapad gleiten, das er zur Seite legen musste, um die bevorstehende Landung vorzubereiten.

Tenebrous verließ die Einstiegsluke der Incinerator. Seine bestiefelten Füße betraten den Boden des Eis- und Schneeplaneten, den er kannte. Der Sithlord schickte sich an, schnurstracks zu seinem Schüler zu laufen, stoppte jedoch unvermittelt, um innezuhalten. Er fühlte etwas. Er wandte seinen Blick gen Himmel, ohne dort wirklich einen Punkt zu fokussieren. Er starrte vielmehr ins Leere, als würde er etwas erwarten, was gleich passieren würde. Er blieb eine Weile so stehen, dann war es auch schon wieder vorüber.

Der Bith gab sich einen Ruck und begann, zielstrebig durch den Schnee zu stapfen, bis er zu dem Weiler kam, wo Plagueis derzeit kampierte. Er stellte anerkennend fest, dass das bisher winzige Siedlungsgebilde sich merklich vergrößert hatte in den vier Monaten, die seit seinem letzten Besuch vergangen waren. Der Bith konnte sich denken, wofür die Iglus angelegt worden waren. Sein Schüler, egal, wo er auch sein mochte, war tüchtig und verstand es, aus beinahe jedem Geschäftsfeld das Maximum herauszuholen. Er ging in einen der Iglus und fand ihn bis an die Decke angefüllt mit tiefgefrorenen frischgefangenen Calu-Fischen. Ungeniert stopfte er sich zwei davon in seine eigens dafür mitgebrachte Umhängetasche. Dann trat er wieder ins Freie, um sich den Bewohnern des Außenpostens zu widmen.

Die drei dort ansässigen Dugs waren gerade damit beschäftigt, die Seilwinde hochzuziehen. Grußlos stellte sich der hochgewachsene Bith neben die Söhne Malastares, die er um gut drei Köpfe überragte.

„Willkommen Dr. Nome", sagte Metalba außer Atem.

Der Anführer des Dreiertrupps wusste, dass Dr. Nome nicht viel von überflüssigen Höflichkeitsfloskeln hielt. Er würde schon von allein sagen, was er hier wollte. Also wartete Metalba kurz und als keine Reaktion des Bith auf seine Begrüßung erfolgte, wandte er sich wieder seinen Verwandten zu, um ihnen bei der Arbeit zu helfen. Keiner der Drei wagte, Tenebrous anzusprechen, so furchteinflößend war die Aura, die der Bith um sich herum verbreitete. Also zogen die Dugs emsig und beflissen den Korb an dem Seil nach oben, dabei den Bith, so gut es eben ging, ignorierend – geradeso, als würde er dann von allein wieder verschwinden.

Endlich kam der Korb wieder nach oben. Auf einer tiefgefrorenen Frischfischladung jener nicht nur auf Belkadan beliebten rotgeschuppten Calu-Fische thronte Plagueis in seiner üblichen schwarzen Sith-Tracht. Die vom Himmel Helska IVs fallenden Schneeflocken verdampften in der eiskalten Luft, noch bevor sie den Sithschüler treffen konnten. Der Korb hatte seine endgültige Parkposition am oberen Ende des Schachtes noch nicht erreicht, da sprang Plagueis aus dem Korb zum Schachtrand hinauf und eilte zu seinem Meister, um ehrerbietig vor ihm niederzuknien und seine Anweisungen entgegenzunehmen.

„Du hast dich wacker geschlagen, Plagueis", sagte Tenebrous zur Begrüßung auf Basic.

Metalba und Tenshi sahen bei der Nennung dieses neuen Namens für den Muun einander fragend an, während Rekolos dieses interessante Detail wohl verpasst hatte. Metalbas Bruder war darin vertieft, den Korb vollends heraufzuziehen und schickte sich an, ihn oben an der Seilwinde sicher in der dafür vorgesehenen Verankerung zu arretieren.

Der Muun zuckte für einen Moment zusammen. Noch waren es wenige, die von ihrer wahren Identität wussten, aber schon bald würde die gesamte Galaxis vor ihren wahren Namen erzittern! Vorerst jedoch waren die drei Dugs an der Reihe.

„Heikkus hat mir berichtet, dass er noch nie so viele Calu-Fische geliefert bekommen hat wie in den letzten vier Monaten", hörte Plagueis seinen Meister über weit profanere Dinge schwätzen. „Und ich hoffe, dir haben die Fische jetzt auch besser geschmeckt als damals auf meinem Schiff."

„Man konnte sie essen", erwiderte Plagueis mit einem nichtssagenden Blick seiner grünen Augen.

„Niemand verlangt von dir, das gern zu essen, mein Schüler. Wie ich gesehen habe, hast du für Heikkus in der Zwischenzeit wohl genügend Vorräte angelegt, so dass er zumindest für die nächsten Tage auf Lieferungen von Helska IV verzichten kann, bis er wieder neue Mitarbeiter für diesen Außenposten gefunden hat."

Rekolos, der gerade die Kurbel in ihrer Halterung vertäuen wollte, ließ verwundert los. Der Korb sauste donnernd in die Tiefe, während sich das Tau immer weiter von der großen Kabeltrommel abspulte.

„Was wartest du noch, Schüler! Lass deine Freunde an diesem Spektakel teilhaben!" wies der Bith den Muun an und ließ den Blick seiner runden schwarzen Augen von seinem Schüler zu dem Eisloch wandern, worin der große Korb bar jeder Seilkontrolle donnernd und rumpelnd immer weiter nach unten raste.

Plagueis begriff, dass das hier der ultimative Abschluss seiner Strafversetzung war. Gleich würde er sein Sithtraining unter Darth Tenebrous wieder wie gewohnt fortsetzen …

Er zögerte keine Sekunde.

Er wandte sich Metalba und Rekolos zu, die ihre Augen nun auf Hego Damask richteten. Der Muun hatte seine beiden Hände mit den Handflächen nach vorne vorgestreckt und machte mit ihnen eine schiebende Bewegung. Sofort wurden die beiden Dugs gegen den Cousin an der Seilwinde geworfen und rissen diesen mit sich in den Schacht. Ein verzweifeltes Blöken entfuhr ihren Kehlen, welches sich immer mehr nach unten weg entfernte. Bis auf eines.

Plagueis trat an den Schachtrand, um Rekolos zu sehen, der sich verzweifelt an dem Tau festhielt, welches nun vollständig abgerollt war. Der Sithlord breitete erneut seine Hände aus und ließ ihnen ein Gewitter an blauen Machtblitzen entweichen. Die Blitze trafen die Füße des dem Untergang geweihten Dug mit voller Wucht. Ein Schrei entwich Rekolos' Lunge, während sich seine braunen Augen qualvoll verdrehten. Plagueis intensivierte die Dosis seiner Energieentladung und nahm nun die Hände seines Opfers ins Visier, welche sich von unten verzweifelt in das Tau krallten. Der Dug schaute nach oben, um in den vormals grünen Augen Hegos ein irrlichterndes Gelb zu sehen, welches er so noch bei keinen Augen einer Spezies gesehen hatte. Er schaute weiter zu Dr. Nome, dessen schwarze Augen auf einmal ähnlich gelblich glänzten. Rekolos wusste, dass Dr. Nome zu vielem fähig war, aber so etwas …

Der Geruch seines eigenen verschmorenden Fleisches drang in des Dugs empfindliches Riechorgan. Ein letzter Schmerz durchfuhr die klauenartigen Füße, dann wurden sie taub. Rekolos schaute noch einmal seine ihm derart entfremdeten Füße an, dann blickte er nach oben, nur um jetzt im Gesicht mit jenen blauen Machtblitzen eingedeckt zu werden, die bislang nur wenige Wesen zu kosten bekommen hatten. Ein grelles Licht flammte vor seiner rechten Sichthälfte auf. Dann wurde es dort dunkel. Er fühlte, wie etwas warmes, gallertartiges seinen Wangenlappen hinunterlief. Er hatte gerade sein rechtes Auge verloren! Rekolos wollte nicht mehr! Alles war besser, als dieses Martyrium noch länger zu ertragen. Fallen würde noch schneller gehen', fielen ihm Hegos Worte von vor vier Monaten wieder ein.

Rekolos ließ das Tau los. Er fühlte, wie die Hitze der Blitze dieses verräterischen Muuns der Kälte wich, die ihm von unten aus dem Eisloch entgegenschlug. Beruhigende, lindernde Kälte ... Grabeskälte … Schon bald würde er wieder mit seinem Bruder und seinem Cousin vereint sein ...

Plagueis wandte sich vom Schauplatz seiner grässlichen Morde ab und beugte sein Haupt.

„Knie nieder!", befahl Tenebrous.

„Du hast, obwohl es dir widerstrebte, das renitente Schiff vernichtet, was dir lieb und teuer geworden war. Und jetzt hast du ohne zu zögern lästige Zeugen deiner Bestrafung eliminiert, mit denen du zuvor doch recht kumpelhafte Bande eingegangen warst. Ich denke, du hast deine Lektion gelernt, Darth Plagueis!", sagte Tenebrous.

Ungläubig schaute Plagueis zu seinem Meister auf. Tenebrous kicherte trocken.

„Ja, du hast richtig gehört, mein Schüler. Ab jetzt darfst du dich Darth Plagueis nennen. Gratulation!"

„Ich danke Euch, mein Lord", erwiderte Plagueis demütig.

„Erhebe dich, Darth Plagueis! Lass uns jetzt zum Schiff zurückkehren. Dies hier ist kein Ort für Männer wie uns!"

Plagueis nickte. Er ging in sein Zelt und sammelte seine persönlichen Habseligkeiten zusammen. Dann trat er erneut an die Seite seines Meisters und schickte sich zum Gehen an. Tenebrous stiefelte sofort los und Plagueis folgte ihm. Für einen kurzen Moment blitzte in seinem Hirn ein Gedanke an die neunundvierzig Weinflaschen von Serenno auf, welche unter diesen unwirtlichen Bedingungen ohne konstante Wärmezufuhr gewiss einfrieren und später gar explodieren könnten, falls sie unsachgemäß, d.h. zu schnell aufgetaut oder gar …

„Haben wir da nicht etwas vergessen, mein Schüler?", fragte Tenebrous, plötzlich in seiner Gehbewegung innehaltend.

„Nein, Meister!", erwiderte Plagueis überzeugt.

„Nun geh schon zurück und hol den Wein. Wäre doch schade drum, ihn dem gierigen Hutt in die Finger fallen zu lassen, meint Ihr nicht auch, Darth Plagueis?"

Nur für einen Moment stand Plagueis erstarrt da, dann tat er, wie ihm geheißen. Er ging zu dem Zelt, in welchem die Vorräte aufbewahrt wurden und ließ mithilfe der Macht die Weinkisten herausschweben. Auf dem ganzen Weg zur Incinerator zurück schwebten die Kisten vor ihnen her, eine locker gefügte Quaderkette bildend, deren Glieder in einer sanften wellenförmigen Bewegung auf und ab schaukelten. Ein freilich nicht vorhandener Beobachter hätte meinen können, dass diese ungewöhnliche Kette den beiden Sith den Weg nach Hause weisen würde, ließe er außer Acht, dass Darth Plagueis diese Kette eifrig mit seinen langgliedrigen Händen dirigierte und in der Macht schwebend austarierte.

Endlich hatten sie Tenebrous' Schiff erreicht. Der oberste Sithlord hieß seinen Schüler, die mitgebrachten Fische in die Tiefkühleinheit zu bringen. Dann wies er einen Servicedroiden an, ein Mittagessen zuzubereiten. Hungrig setzte Plagueis sich an den gedeckten Tisch.

„Keine Sorge, mein Schüler, irgendwann werden wir beide sekotanische Schiffe fliegen. Welche, die noch besser und schneller sind als die grüne Vesta", hörte Darth Plagueis seinen Meister plaudern, während sie im Aufenthaltsraum der Incinerator am Tisch saßen und sich etwas Wein von Serenno munden ließen. „Es werden viel größere Schiffe sein … welche mit furchtbarer effektiver Bewaffnung!", sagte Tenebrous und seine schwarzen Augen strahlten.

„Wann?", fragte Plagueis.

„Das wird die Zeit zeigen, Plagueis. Ich hatte, als ich den Boden von Helska IV erneut betrat, eine Vision, die mir zeigte, dass es noch ein anderes Volk als diese Hinterwäldler auf Zonama Sekot gibt, das solche Raumschiffe zu bauen in der Lage ist. Irgendwann werden wir diese Leute finden und sie werden ihre Geheimnisse mit uns teilen. Und dann endlich werden wir bekommen, was wir wollen. Tolle Schiffe, die tun, was ich ihnen befehle – die Herrschaft über die Galaxis – nachdem wir die Jedi ausgelöscht haben."

„Nun, das ist ein akzeptabler Zeitrahmen", gab der frischgebackene Darth Plagueis nonchalant zurück.

Tenebrous fühlte, dass die ganze Situation für den jungen Muun überhaupt nicht akzeptabel war. „Du wirkst unzufrieden, mein Schüler. Was also hast du auf deinen drei Herzen?"

Plagueis holte einmal tief Luft, bevor er antwortete. „Ich frage mich, wieso Ihr gerade jetzt beschlossen habt, mich zum Darth zu ernennen. Die Zerstörung eines Schiffes und die Tötung von drei doch eher nebensächlichen Dugs erscheinen mir im Vergleich zu anderen Missionen, die Ihr mir bisher auftrugt, doch reichlich banal."

Tenebrous rümpfte seine Riechlappen. „Einerseits begrüße ich, wie schnell du doch plötzlich die Vernichtung des Schiffes als banal abtust. Andererseits …", er setzte sich betont aufrecht auf seinem Stuhl zurecht, „… wenn du dich durch die Umstände dieser Ernennung derart erniedrigt fühlst, so kann ich dir den Darth-Titel auch gerne wieder aberkennen!"

Plagueis hielt dem Blick seines Meisters stand. In Tenebrous' Miene stand keinerlei Gekränktheit, keinerlei Zorn, lediglich lauernde Erwartung. Plagueis war nicht gewillt, jener Erwartung zu entsprechen. Oder gerade das.

„Warum gerade jetzt?", wiederholte Plagueis ruhig, aber beharrend.

„Eine Lektion in Sachen Geduld. Gewiss sind mindestens drei deiner Missionen in der Vergangenheit bereits erfolgreich genug gewesen, um dir diese Ehre zuteilwerden zu lassen. Aber du sollst stattdessen verinnerlichen, dass Belohnung nicht sofort nach einer eindrucksvollen Leistung eintritt, genausowenig wie Bestrafung nach Versagen. Die Macht ist kein Kindermädchen, welches sofort bestraft oder belohnt, wenn du dieses oder jenes tust, so wie man es gegenüber Kindern als psychologisch angemessen erachtet. Manchmal ist die Gefahr der Bestrafung nur im Verzug, auch wenn dieser lange dauert so wie bei unseren drei endlich toten Verschwörern auf Helska IV. Und manchmal wird das Werk eines Autors erst nach dessen Tod gerühmt und zu barer Münze gemacht. Du solltest dankbar dafür sein, dass dich die Ehre, ein vollwertiger Sithlord zu werden, bereits innerhalb eines Jahrfünfts deiner Würdigkeitserlangung ereilt."

Genüsslich legte Tenebrous den gelben gefurchten Kopf nach hinten. Er weidete sich an Plagueis' fieberhaften Überlegungen, nach welcher seiner Missionen in den letzten fünf Standardjahren genau der Bith beschlossen hatte, ihn zu einem vollwertigen Sithlord zu machen – wenngleich auch zunächst nur in Gedanken.

„Was das angeht, so ist mir noch kein Fall bekannt, in welchem ein Sithschüler postum zum Darth ernannt wurde", erwiderte Plagueis mit sachlicher Miene.

Spontane Heiterkeit ließ Tenebrous' schwarze Augen aufblitzen. Dann wurde der oberste Sithlord ernst. „Nun, da wir noch nicht die Macht erlangt haben, den Tod zu hintergehen und nach jenem wieder aufzuerstehen, wird das wohl auch bis in alle Ewigkeit so bleiben."

Unausgesprochene Widerworte ließen Plagueis' schmale Lippen zucken. ‚Das wäre nicht das erste Mal, dass Ihr euch irrt, Meister. Ich werde die Macht über Leben und Tod erlangen. Und dann werde ich all das tun, was gewöhnlichen Sterblichen aufgrund ihrer kurzen Lebenszeit nicht vergönnt ist. Ich werde all jenes nachholen, was Ihr mir seit meiner Kindheit genommen oder verwehrt habt. Mit oder ohne Darth-Titel!' Aber dieser Gedankenblitz war so kurz, wie er grell in seinem Muun-Hirn aufgeflammt war, um schon nach dem Bruchteil einer Standardsekunde wieder den Gedanken an Näherliegendes zu weichen.

Während des Restes ihrer Rückfahrt grübelte Plagueis darüber nach, ob Darth Tenebrous irgendwie von seinem unerlaubten Ausflug nach Serenno erfahren hatte oder ob er, während Plagueis unten im Eisschacht Fische gejagt hatte, sich im Lager der Dugs näher umgesehen hatte, ohne dass die drei nun toten Sträflinge etwas davon mitbekommen hatten. Aber war dies angesichts der Tatsache, dass er nun ein Darth wie sein Meister war, überhaupt noch von Belang?

„Du siehst mitgenommen aus, Hego", sagte Larsh Hill besorgt, als der Sohn seines verstorbenen Freundes wieder zurück nach Muunilinst in die Firmenzentrale von Damask Holdings kam.

„Ich habe erledigt, was getan werden musste", sagte der Magister zu seinem Geschäftsführer.

„Es ist wegen Dr. Nome, nicht wahr? Ich fühle es", beharrte der ältere Muun.

„Euch kann ich eben nichts vormachen", erwiderte Damask und seufzte.

„Schon gut, auch dein Vater hatte es nicht immer einfach mit ihm, aber wenn du später mal reden willst, dann nur zu. Wirst du denn zu der Abendveranstaltung ins Handelszentrum kommen?"

„Ich hatte zugesagt und dazu stehe ich", versicherte Hego Damask.

„Nun, ich werde wohl nicht lange dort bleiben, aber ich hoffe, du amüsierst dich dort ein wenig."

„Keine Sorge, Larsh. Das werde ich."

„Das hoffe ich, mein Junge. Du musst dir Freiräume schaffen, um dich zu erholen, um neue Kraft zu schöpfen."

„Ich weiß", erwiderte Plagueis leicht genervt.

„Da gibt es noch eine Sache: Ein Hutt ist an mich herangetreten, um dich zu fragen, ob du bereit wärst, fähige Fischer zu finden, die den Calu-Fischfang auf Helska IV betreiben könnten. Ein schreckliches Unglück hat dazu geführt, dass der gesamte Außenposten von Heikkus dem Hutten auf jenem Planeten verwaist ist und nun der Fischfang brachliegt."

„Ist der Hutt direkt an Euch herangetreten, oder hat ihn Dr. Nome zu uns geschickt?"

„Er ist direkt an mich herangetreten."

Plagueis verzog abfällig den Mund. „Natürlich, wo Heikkus und ich uns ja auch schon viel länger kennen als der Hutt den Bith kennt", sagte er mit beißendem Spott in der Stimme.

„Das hat mich ebenfalls verwundert", gab Larsh Hill zu. „So lange, wie die Beiden sich bereits kennen, dürfte Heikkus doch wohl die besten Empfehlungen haben, für derlei Ansinnen bei Dr. Nome vorstellig zu werden."

In Plagueis' Gehirn ratterten bereits die Möglichkeiten durch, Heikkus mit neuen Sträflingen zu versorgen.

„Präsident Peem ist ein gieriger inkompetenter Gran, der es verdient hätte, gestürzt zu werden!", sagte Hego Damask härter zu Larsh Hill, als er beabsichtigt hatte.

Der ältere Muun registrierte, wie sich die schützenden Wölbungen über Hegos Augen in verhaltener Wut senkten. Der urplötzlich aufwallende Grimm ließ ihn aufhorchen. Für gewöhnlich beschrieb Hego die Schwächen Anderer in heiterer Herablassung. Es entsprach so gar nicht seiner Wesensart, Beurteilungen derartig glühende Emphase beizugesellen. Ergo musste es einen Grund für dieses Verhalten geben, der in seinem jungen Protegé brodelte. Einen Grund, der nichts mit dem Präsidenten von Malastare zu tun hatte. Larsh Hill wusste, dass es keinen Zweck hatte, jetzt in Hego zu dringen.

Also beschloss er, den Jüngeren auf die Sachebene zurückzuholen: „Wo werden wir denn den Ersatz für Heikkus' eisigen Außenposten beschaffen?"

Hegos Miene wurde wieder sachlich. „In den Gefängnissen Malastares lungern genügend politische Gefangene, für die die Strafarbeit auf Helska IV eine bedeutende Verbesserung ihrer Lebenssituation wäre", sagte der jüngere Muun schließlich.

„Möchtest du, dass ich mich darum kümmere?", fragte Larsh Hill.

„Nein, ich werde selbst nach Malastare fliegen und dort mit Dr. Nomes Marionette reden. Aber da ist noch etwas anderes, was Ihr für mich tun könnt, Larsh."

Der ältere Muun war ganz Ohr.

Der Festsaal des Handelszentrums in Harnaidan-City war bereits gut gefüllt mit Party-Gästen, eingeladenen und solchen, die gute Beziehungen zu Eingeladenen hatten. Der Vorsitzende der Handelsgilde hielt einen Vortrag, indem die Schaffung von Freihandelszonen gepriesen wurde. In den letzten zehn Minuten dieses halbstündigen Vortrages begannen die ersten Festgäste, sich leise miteinander zu unterhalten und die Geschäftskontakte zu knüpfen, für welche diese jährliche Abendveranstaltung bekannt war.

Larsh Hill und Hego Damask hatten im Vorfeld miteinander abgesprochen, mit welchen Gästen auf der Abendveranstaltung sie wie reden wollten. Die Leute, die lediglich zum Essen und Tratschen gekommen waren, verlustierten sich derweil im angrenzenden Bankettsaal, wo ein riesiges Buffet mit auserlesenen Speisen und Getränken aufgebaut war. Vereinzelt wurden Menschen, die sich mit Speisen oder Getränken in der Hand in den Festsaal verirrt hatten, um dort Gespräche zu führen, von Saaldienern diskret aber bestimmt gebeten, sich mit Speis und Trank wieder zurück in den Bankettsaal zu begeben. Hego Damask und Larsh Hill nickten einander zufrieden zu, als es einen Twi'lek traf, der derart im Gehen essend aufgegriffen und gemaßregelt wurde. Die Regierung des Muunvolkes legte großen Wert darauf, dass derart saloppe Ess- und Trinksitten wie auf Coruscant oder Chandrila hier auf Muunilinst keinen Einzug hielten!

Ungefähr die Hälfte der Festgäste war bereits gegangen, da kam eine neue Gruppe von Gästen. Es waren zumeist junge Frauen, aber auch einige junge Männer verschiedener humanoider Spezies, die sich ungezwungen unter die Gäste mischten, vorzugsweise im Bankettsaal, wo sie sich sogleich das eine oder andere Glas Wein genehmigten. Eine ältere Twi'lek war mit der jungen Schar gekommen. Plagueis schätzte die violetthäutige Frau auf Mitte Fünfzig. Auch wenn sie sich scheinbar bescheiden in die Ecke des Bankettsaales setzte, so thronte sie doch dort wie eine ungekrönte Königin. Ein paar Saaldiener menschlicher oder mirialanischer Spezies kamen ab und an bei ihr vorbei, um ihr diskret Credits zu geben, die sie zuvor von zumeist männlichen Partygästen erhalten hatten.

Und dann kam der Moment, in welchem einer der vielbeschäftigten Saaldiener zu Hego Damask kam.

Das Apartment war eines von mehreren, welches Hego Damask von seiner verstorbenen Familie ererbt hatte. Er war gerade zehn Minuten allein, da klingelte es an der Tür. Er öffnete und eine junge Frau trat ein. Sie hatte pechschwarze Haare, eine rosafarbene Haut und goldene Augen. Nur eine halbe Stunde zuvor hatte er sie mit einer ihrer jungen Kameradinnen im Festsaal gesehen und jetzt war sie hier.

„Seit wann bist du denn auf Muunilinst?", fragte er seinen höchstens zwanzigjährigen Gast.

„Eigentlich bin ich sonst auf Dantooine, aber für diesen Abend bin ich hierhergekommen", erwiderte sie mit ihrer jungen Stimme.

Hego lächelte. Larsh Hill hatte gute Arbeit geleistet und wahrlich eine fähige Agentur aufgetan, die auch ausgefallene Sonderwünsche schnell erfüllen konnte. Das Mädchen, welches die Gedanken des Sithlords nicht erraten konnte, erwiderte das Lächeln und gab es zurück, als habe es lediglich ihr gegolten.

Er bot ihr ein Glas voll goldenem Blütenwein an, welches sie gerne und mit einer graziösen Bewegung aus seiner Hand entgegennahm. Er musterte sie dabei in unverhohlenem Wohlwollen. Sie trug ein weißes, bis zum Boden reichendes Evocii-Leinengewand, welches die vorgebliche Unschuld in ihrem Blick noch unterstrich. Sie nahm einen kleinen Schluck des alkoholischen Getränks, während Plagueis bereits sein halbes Glas geleert hatte. Mit der anderen Hand strich sie sich in einer langsamen anmutigen Geste die schulterlangen Haare hinters Ohr. Tanika hatte damals beim Frühstück bei den Hals dieselbe graziöse Geste gemacht. Ja, dieses Mädchen hier sah Tanika wirklich sehr ähnlich.

„Wie lange wirst du denn hier auf diesem Planeten bleiben?", fragte er.

„Ich bin nur für heute Abend hier. Morgen habe ich bereits wieder Termine auf Dantooine", erklärte sie.

„Ist deine Mutter oder dein Vater Ferroaner?"

„Weder noch", erwiderte sie lachend. „Mein Vater war ein Zabrak, von ihm habe ich die goldenen Augen, aber den Sternen sei Dank keine Hörner. Aber viele denken so wie Ihr."

Nach etwa zehn Minuten leichter Konversation und Weingenuss spürte er, dass sie etwas unruhig wurde. Offensichtlich erwartete sie von ihm, dass er jetzt irgendetwas mit ihr machte und nicht nur redete. Er hatte gerade sein Glas Wein vollends ausgetrunken und nicht die Absicht, ein weiteres folgen zu lassen. Trotzdem fühlte er sich auf eine merkwürdige Weise passiv, viel passiver, als er eigentlich sein wollte an diesem Abend.

„Ich bin etwas verspannt, vielleicht magst du mir etwas den Rücken massieren?", schlug er vor.

Er stand vom Stuhl auf und legte sich mit dem Bauch nach unten auf das Doppelbett im Nachbarzimmer. Sie kam sogleich hinzu und setzte sich vorsichtig neben ihn, als befürchtete sie, die Matratze durch das Gewicht ihrer zierlichen Figur einzudellen. Es war keine kräftige Massage, die sie ihm angedeihen ließ, aber die Haut ihrer rosafarbenen Hand war weich, ihre Berührung, die er durch sein bis zum Hals hochgeschlossenes grünes Bankenclangewand hindurch spürte, war angenehm spielerisch, so dass diese Art Zuwendung eine andere Art gelöster Entspannung mit sich brachte, die er so lange vermisst hatte – eine Entspannung in Vorfreude. Er ließ ihre Finger noch eine Weile auf seinem Nacken und seinem Rücken tanzen, dann nahm er mit einem Griff nach hinten ihre Hände von seinem derart angeregten Körper weg. Das angenehme Prickeln, welches ihre Hände auf seiner Haut verursacht hatten, blieb jedoch.

Er setzte sich ihr gegenüber auf. Jetzt, wo sie so dicht vor ihm auf dem Bett saß, konnte er den Duft ihrer Haare riechen. Sie rochen nach einer frisch erblühten Blumenwiese, die ihn an die einmalige Lebendigkeit Zonama Sekots erinnerte. Der Duft der leicht gewellten schwarzen Haare betörte ihn, während ihm ihre goldenen Augen sinnlich entgegenglommen.

Ja, das würde ein gelungener Abschluss werden, dachte Darth Plagueis, bevor er ihre zarte Taille umfasste.

Zwei Wochen später

Es war eigentlich eher ein Zufall gewesen, der Plagueis auf die Fährte seines früheren Schiffes gebracht hatte. Heikkus selbst war es gewesen, der sich mit ihm in seinem protzigen Palast auf Belkadan über sekotanische Schiffe unterhalten hatte, als er dem Hutten die gewünschte Ladung neuer Dug-Strafgefangener von Malastare mitgebracht hatte. Irgendwie hatte es der fette Wurm zuvor geschafft, Tenebrous ein paar Brocken Information über die sekotanischen Raumschiffe zu entlocken, die in seiner unmittelbaren Nachbarschaft produziert wurden, ohne dass er etwas davon gewusst hatte. Und nun löcherte Heikkus Hego Damask mit Fragen danach, ob er ihm behilflich sein könnte, an solch ein Raumschiff zu kommen.

„Hmmm, da muss man eine besondere Eignung für haben. Wenn die nicht stimmt, dann bauen die Sekotaner solch ein Schiff gar nicht erst", erwiderte Plagueis.

„Wollt Ihr damit vielleicht andeuten, dass Hutts keine Schiffe bekommen?", fragte Heikkus gekränkt und sein gewaltiger Bauch erbebte.

„Das weiß ich nicht. Es ist sehr wenig über die Schiffe und ihre Erbauer bekannt und wäre das so einfach, dann würden in der Galaxis eine Menge sekotanischer Raumschiffe herumfliegen, meint Ihr nicht auch, Großer Heikkus?"

„Aber … man könnte eines einfangen und irgendwie modifizieren! Die Kaminoaner können so etwas …"

Darth Plagueis hörte dem fetten Wurm nicht mehr zu. ‚Modifizieren!' Tenebrous hatte dieses Wort erst kürzlich erwähnt, als er zu einer Reise nach Kamino aufgebrochen war.

Natürlich! Tenebrous würde nicht aufgeben, an ein sekotanisches Raumschiff zu gelangen. Er würde alle Hebel in Bewegung setzen und sei es, dafür in den Wilden Raum am Rande der Galaxis zu fliegen.

Mata Nui, die Chefentwicklerin der Klonprojekte besonderer Art, machte keinen glücklichen Eindruck, als Plagueis bei ihr vorstellig wurde. Der Sithlord wusste, dass Kaminoaner äußerst diskret und verschwiegen waren, um keinerlei Kunden zu verprellen oder zu diskreditieren.

„Ihr seid im Auftrag von Dr. Nome hier?", fragte sie.

„Nein, Heikkus der Hutt hat ein Anliegen an Sie", erwiderte Hego Damask. „Ich bin gekommen, um in seinem Auftrag nach Kopien eines sekotanischen Raumschiffes zu fragen, die Sie für ihn generieren sollen."

„Ich möchte wirklich nicht indiskret sein, aber es ist schon ein großer Zufall, dass Heikkus nur vier Monate später anfragt, nachdem Dr. Nome das Wrack eines solchen Schiffes hier bei uns deponiert hat, um ebenso eines für ihn selbst zu klonen, welches seine Anweisungen befolgt. Und wieso schickt der Große Heikkus dann Sie, wo Sie doch Nomes Assistent sind und nicht der des Hutts?"

„Nun, es ist doch eine alte Geschichte: was der eine hat, will der andere eben auch haben. Und was den anderen Punkt anbelangt, so vertraut Heikkus mir eben. Und Sie sollten ihm und mir ebenso vertrauen!", sagte Plagueis mit Nachdruck.

„Selbstverständlich", erwiderte die silberäugige Kaminoanerin.

„Ich würde gerne das Schiff sehen", sagte Plagueis.

Mata Nui führte den Muun in eine unterirdische Halle, deren Decke gläsern war, so dass der Ozean Kaminos über sie hinwegwogte. Einige Fische und Aiwhas schwammen über sie hinweg. Direkt unter der gläsernen Kuppel mit dem höchst lebendigen Überbau lag die Vesta – braun, verschrumpelt, tot!

„Wir hatte gehofft, dass diese Umgebung es unterstützt, dass solche komplexen Entitäten wie lebendige Schiffe besser reproduziert werden können, aber bei diesem Schiff ist uns das bislang leider nicht gelungen", erklärte die Kaminoanerin bedauernd.

Plagueis ging um die verendete Vesta herum und strich ihr sanft über eine Tragfläche. Ich werde wiederkommen und dich heimbringen!, versprach er stumm der Leiche seines Schiffes.

„Heikkus der Hutt würde, falls Dr. Nome dieses Wrack nicht mehr benötigen sollte, es übernehmen, damit sie für ihn ein sekotanisches Schiff klonen. Credits spielen keine Rolle. Zeit auch nicht."

In Mata Nuis Antlitz trat ein Ausdruck, der auf Kamino durchaus als Lebhaftigkeit durchgehen würde.

„Nun, falls Dr. Nome die Entsorgung des Schiffes anordnen sollte, dann werden wir es Euch wissen lassen", versprach Mata Nui freundlich-feierlich.

Diese Zusicherung reichte dem Sithlord vollkommen aus. Als er zu Heikkus nach Belkadan zurückkehrte, jagte dieser erneut die lilafarbene junge Twi'lek aus seiner Beuteltasche, um mit seinem Muun-Gast alleine zu sein.

Nachdem Damask ihm berichtet hatte, ließ er zwei Gläser Chimbak-Wein kommen und reichte mit einer leutseligen Geste eines der beiden mit der tiefroten Flüssigkeit gefüllten Gläser seinem Gast: „Lassen wir Dr. Nome also die Vorarbeit bezahlen und sacken dann später den Erfolg ein!", dröhnte Heikkus und seine rötlichen Bauchlappen erzitterten ob dem Lachen, das nun folgte.

Plagueis hatte an diesem Trinkspruch seines Gastgebers nicht das Geringste auszusetzen und stieß beschwingt mit Heikkus auf die zukünftigen sekotanischen Raumschiffe an – und darauf, seinen Meister später auch in anderer Hinsicht zu beerben. Der harmonische Klang, den dieses Gläseranstoßen im Palast des Hutten erzeugte, hallte noch in Darth Plagueis nach, nachdem er die prächtige Behausung des Hutten schon längst wieder verlassen hatte. Ihm war beinahe, als würde er, kurz bevor er im Orbit von Belkadan zurück in den Hyperraum sprang, etwas von der überbordenden Lebendigkeit des nicht weit entfernten Zonama Sekot erfühlen können.