» DER FALL DER ENGEL - TERROR, KAMPF UND CHAOS
1972 - 1981
Es war eine Erleichterung für Druella, ihre älteste Tochter nun gut verheiratet zu wissen. Denn schon bald gab es einen Skandal in der Familie Black, der nicht so bald vergessen werden sollte. Dass Sirius sich als schwarzes Schaf erwiesen hatte, war vorauszusehen gewesen und hatte Bellatrix zwar erzürnt, aber nicht traurig gemacht. Sie hatte ihn vor zwei Jahren persönlich aus dem Familienstammbaum heraus gebrannt. Etwas, was sie nun wieder tun musste. Diesmal betraf es den Namen ihrer Schwester. Andromeda Black. Es tat ihr im Herzen weh, dass sich ihre eigene Schwester als Blutsverräterin entpuppte. Eine Reinblüterin, die ein Schlammblut heiratete. Gab es etwas Widerlicheres? Dass es ihr so weh tat, schämte Bellatrix enorm. Andromeda war es doch gar nicht wert, ein Gefühl an sie zu verschwenden. Sie begann Dromeda dafür zu hassen, dass sie Schwäche in ihr hervorgerufen hatte. Mit ihrem Verschwinden aus dem Black'schen Familienstammbaum, sperrte Bellatrix sie auch aus ihrem Herzen aus und verdrängte jegliche positive Erinnerung an diese ihrer Schwestern. Sie fokussierte nun jedes familienfreundliches Gefühl auf Narcissa und beschwor sie, nicht Lucius Malfoy zu heiraten, auf den sie auch gegen Ende ihrer Schulzeit noch hereinfiel. Doch Narcissa war inzwischen erwachsen geworden und glaubte, selbst entscheiden zu können. Sie war so töricht.
Die frisch vermählte Lestrange ging wenige Wochen nach ihrer Hochzeit an einem Vormittag zu Druella, um ihr von Lucius Malfoy zu erzählen. Ein Treffen mit Folgen. "Bellatrix, rede nicht so einen Unsinn! Ich habe ihn kennengelernt, er ist ein sehr netter junger Mann. Und Narcissa mag ihn. Wenn ich das richtig sehe, dann liebt sie ihn sogar! Zerstöre nicht ihr Glück, nur weil du keins hast! Oder dein eigenes nicht zulässt!", gab Druella schnippisch auf Bellatrix Ausführungen hin zurück und ließ sie stehen. Jedenfalls wollte sie das tun. Bellatrix stand hinter ihrer Mutter, sie zitterte vor Wut und schloss kurz die Augen, um sich besser kontrollieren zu können. Doch dann drehte sich Druella noch einmal um. "Müsstest du nicht bei der Arbeit sein?" Es war zu viel. Viel zu viel. Jahrelang angestaute Aggressionen gegen ihre Mutter überschwemmten Bellatrix plötzlich, ein Damm war gebrochen, sie gab die Kontrolle auf. "Wie wagst du es, mit mir zu reden?", zischte sie wütend und ihr sonst so hübsches Gesicht war ganz verzerrt vor Hass. "Wenn du glaubst, du kannst mich aufhalten, dann irrst du dich! Die Schonfrist ist vorbei, ich lasse mich nicht länger bevormunden!", stieß sie keuchend hervor, hob den Zauberstab und sprach zum ersten Mal in ihrem Leben den Cruciatus-Fluch aus, um jemandem weh zu tun und sich daran zu erfreuen. Sie sah, wie Druella in die Knie ging, stöhnend vor Schmerzen, mit Tränen in den Augen. Noch heute hört Bellatrix ihre Worte in den Ohren ... Nein, Bella ... nicht ... bitte! Es dauerte nicht lange, bis Bellatrix wieder zu sich kam und ihre sich auf dem Boden krümmende Mutter von dem Unverzeihlichen Fluch erlöste. Druella krabbelte zur Wand hin, weit weg von ihrer ältesten Tochter. "Was ist nur aus dir geworden? Wer hat dich so erzogen?", kam es nach einigen Minuten heftigen Atmens über ihre Lippen. Bellatrix fühlte sich seltsam schwach, spürte aber noch einen Nachklang der Freude, die sie durchströmt hatte, als sie die Macht über die Frau übernommen hatte, die ihr jahrelang diktierte, wie ihr Leben auszusehen hatte. "Es ist vorbei.", sagte Bella nur und schob das Gefühl von Reue, das in ihr hochwallte, beiseite. Sie schritt durch den Raum, entschlossen, dieses Haus zu verlassen und nicht mehr so bald aufzusuchen. Doch an der Tür hielt sie inne und überlegte. Schließlich richtete sie den Zauberstab ein weiteres Mal auf ihre Mutter. "Obliviate."
Am selben Abend war Bellatrix Lestrange beim Dunklen Lord, der ihre veränderte Stimmung bemerkte. Mit einer Mischung aus Stolz und Abscheu in der Stimme erzählte sie, was sie getan hatte. Sie konnte nicht aus seinem Gesicht ablesen, was er dachte. Es war eine Maske. Überhaupt hatten sich seine Gesichtszüge verändert. Früher hatte er ein klassisches gutes Aussehen gehabt. Er wurde älter. Und man sah ihm den Krieg an. Doch das veränderte nichts an ihren Gefühlen für ihn. Macht war so sexy. "Nun, Bellatrix. Kontrollverlust ist nie gut - aber du warst heute sehr mutig und hast bewiesen, dass du stark genug bist, deine Kräfte einzusetzen. Aber wie stark bist du wirklich?", sagte er zu ihr und was folgte, war gleichermaßen beängstigend wie herausfordernd. Zwei Dinge, die oft miteinander Hand in Hand gehen. Es war eine Sache, fremden Menschen Leid anzutun. Eine völlig andere Sache war es, sich gegen die Familie zu stellen. Dies zeugte von einer Kraft und Gefühlskälte, die für den Dunklen Lord unheimlich anziehend war. Er zog es nun tatsächlich in Erwägung, die Ehefrau von Lestrange in seinen Kreis von Anhängern aufzunehmen. Dabei war und blieb sie eine Frau. Doch ihm war klar, dass sie ihn liebte und vermutlich alles tun würde. Sie war hartnäckig. Er versprach, Bellatrix in seine Anhängerschaft aufzunehmen - unter einer Bedingung. Sie musste einen Zauberer oder eine Hexe töten. Jemanden, den sie kannte.
Ein letztes Mal suchte Bellatrix das Zaubereiministerium am nächsten Abend auf. Der Abteilungsleiter stellte sich ihr in den Weg, weil sie zwei Tage lang nicht auf der Arbeit erschienen war. Sie nutzte den Imperius-Fluch, um sich ihn vom Hals zu halten. Sie räumte ihren Schreibtisch auf, sammelte all ihre Habseligkeiten ein und verließ den Raum. Sie verabschiedete sich nicht, es war niemand mehr da. Für Ministeriumsangestellte schien der Arbeitstag immer schon um 18 Uhr zu enden. An die folgenden Minuten kann sich Bella noch heute sehr gut erinnern. Sie scheinen sich in ihr Gedächtnis eingebrannt zu haben. Der nächste war Jefferson, der sich ihr in den Weg stellte. Er sah verdreckt aus, erschöpft und sie konnte sehen, dass er einige neue Wunden hatte, die später zu unschönen Narben werden würden. Doch als er sie sah, wich die Müdigkeit von ihm. Es war abends, die Korridore waren wie leergefegt. Jefferson hat eine Alkoholfahne. "Sie stinken.", sagte Bellatrix, rümpfte die Nase und wich seiner Hand aus, die ihr Handgelenk ergreifen wollte. "Aber, aber!", lallte er nur. "Wohin willst du denn gehen?" Bellatrix' Augen hatten sich zu Schlitzen verengt. "Gehen Sie mir aus dem Weg!", blaffte sie. Dann ging plötzlich alles ganz schnell. Das hatte sie nicht kommen sehen. Mit einer schnellen Bewegung hatte er sie so gepackt, dass ihre Habseligkeiten zu Boden fielen und sie sich an der Korridorwand wiederfand, gegen die er sie mit seinem Körper presste. Wild ließ er seine Lippen auf die ihren krachen, seine Hände fanden den Weg zu ihren Brüsten und wanderten bald weiter nach unten. Für einen Moment blieb Bellatrix der Atem weg, dann spürte sie unbändige Wut in sich hochwallen. Er hatte sie überrascht. Der Griff des Aurors war fest, sein Gewicht auf ihrem Körper schwer, doch sie war nicht schwach. Mit einem Schrei biss sie ihn in die Lippe, als er sie wieder küssen wollte und seine Hand schon auf ihrem Unterkörper lag. Er seinerseits schrie ebenfalls auf, fluchte und ließ sie abrupt los. Im nächsten Moment bemerkte er seinen Fehler, stürzte wieder nach vorne, doch Bellatrix war schneller. Er bekam ihr rechtes Handgelenk nicht mehr zu fassen, sie zog aus ihrem Umhang den Zauberstab und richtete auf ihn. "Und jetzt? Was soll das werden?", lachte er sie leichtfertig an und amüsierte sich über die kleine, blasse Frau. Plötzlich aber bemerkte er, wie wild sie eigentlich aussah. Da war nichts mehr von Langeweile in ihrem Blick, nichts an ihr versprach ihm mehr, dass sie nur darauf wartete, dass er ein Abenteuer mit ihr begann. "Was hast du vor?", flüsterte er und wirkte überhaupt nicht mehr betrunken. Bellatrix lachte. "Ich werde dich töten, mein Lieber.", sagte sie ruhig. "Nein ... nein, bitte nicht.", wisperte er, als er realisierte, dass sie es ernst meinte. " Avada Kedavra. ", kam es über ihre Lippen und der große, kräftige Auror sackte zusammen. Als sie sich über ihn beugte, war das Licht in seinen Augen schon erloschen.
Der Mord an Auror Jefferson war Bellatrix' Eintrittskarte in den erlauchten Kreis der Todesser. Sie hatte bewiesen, dass auch eine Frau genug Stärke besitzen konnte, um die Arbeit zu verrichten, der sie tagtäglich nachgingen. Noch dazu war es ein Auror gewesen, den sie getötet hatte, ein Auror, der schon einige Todesser in den Tod gerissen hatte. Es war in einer kühlen Nacht im April, als Rodolphus sie zu seinem Meister brachte, der nun auch "auf Haut" der Ihrige werden würde. Nur er und der Dunkle Lord waren zugegen, als sie vor Letzterem niederkniete und zusah, wie er seinen Zauberstab auf ihrem linken Unterarm platzierte. Als er dies tat, bekam sie eine Gänsehaut. Endlich würde geschehen, wonach sie sie sich seit Jahren sehnte. Kaum spürte sie das kühle Holz auf ihrem Arm, schoss auch schon ein grün-schwarzer Faden aus dessen Spitze, der sich, als er auf ihre Haut traf, wie eine dicke, spitze und heiße Nadel anfühlte. Die heiße Nadel kroch auf und in ihre Haut hinein und nähte mit ihrem glühenden, breiten Faden das Dunkle Mal auf ihren Unterarm. Es war keine lange Prozedur und Bellatrix hatte es sich wesentlich langatmiger vorgestellt, dennoch war sie schließlich froh, dass der Schmerz sich nicht weiter vergrößerte. Es ließ zwar nicht nach, aber es verteilte sich und brannte gleichförmig von innen heraus. "Danke, mein Lord.", stieß Bellatrix hervor, als er ihr gestattete sich zu erheben. Im nächsten Moment packte er jedoch ihr Handgelenk und zog sie an sich heran, was Bellas Atem stocken ließ. Sie sah eine Bewegung aus dem Augenwinkel, Rodolphus machte Anstalten, zu ihr zu eilen. Doch der Dunkle Lord sah ihn stirnrunzelnd an, blickte dann wieder ruhig zu seiner ersten offiziellen Todesserin. Im nächsten Moment berührte er mit dem Zauberstab erneut ihren Unterarm, den das frisch eingebrannte Dunkle Mal zierte. Der Schmerz, der nun in Bellatrix' Innerem explodierte, war ein ungleich größerer Schmerz, denn erst jetzt schien sich das neue Mal seiner Funktion bewusst zu werden und zu manifestieren. Es rief seine Brüder und Schwestern. Leise stöhnend und keuchend sah Bellatrix zu, wie es dunkler und stärker wurde, einen krassen Kontrast zu ihrer weißen Haut bildend. Wie ein großes Monstrum prangte es dort und wollte gar nicht zu dem zarten Frauenarm passen. Voldemort ließ ihren Arm sinken, Bellatrix stützte ihn selbst sogleich und biss sich auf die Lippen. Sie war eine mutige und starke Frau, sie konnte es aushalten. Rodolphus' besorgten Blick wollte sie nicht sehen. Plötzlich erschienen aus dem Nichts ein paar Dutzend Todesser, die dem Ruf ihres Meisters gefolgt waren. "Guten Abend, meine Freunde. Seht, welch besonderes, neues Mitglied wir heute in unseren Reihen willkommen heißen dürfen. Unsere erste Frau. Bellatrix Lestrange. Hoffen wir darauf, dass sie großartige Taten vollbringen wird."
Diese Worte nahm sie sich zu Herzen. Oh ja, Bellatrix tat großartige Dinge. Auf eine andere Art und Weise "großartig" als andere Menschen sie betrachten würden. Sie war mitten im Krieg eine offizielle Anhängerin Voldemorts geworden, ihr Gesicht war noch unverbraucht und unbekannt. Sie trug stets ihre Maske, doch da sie die einzige Frau in den Reihen der Todesser war und man "Bellatrix Lestrange" als Mörderin des Auror Jeffersons auf die Schliche gekommen war, zählten die Leute eins und eins zusammen und verstanden, welches weibliche Gesicht sich hinter der Todessermaske verbarg. Und so legte sie diese schon nach wenigen Monaten Dienst für immer beiseite. Ohnehin schränkte sie das Blickfeld zu schnell ein. Goldene Zeiten brachen für die junge Frau an. Es gab genug Gelegenheiten die Dunklen Künste anzuwenden und auch ihr persönlicher Duellunterricht bei ihrem Meister kam ihr nun enorm zugute. Sie war jung, sie war schnell, sie handelte taktisch klug und sie war leidenschaftlich. Bella war absolut nicht zu bremsen. Geradezu unbesiegbar. Sie tauchte am helllichten Vormittag gemeinsam mit anderen Todessern in der Londoner Innenstadt auf, griff sich gutaussehende und hässliche Muggel, dicke und dünne, alte und junge. Es war ein Heidenvergnügen, sie zu entführen und an ihnen zu experimentieren. Es fühlte sich an, als wäre sie eine Heilerin - nur im umgekehrten Sinne. Zunächst beschränkte sie sich meist darauf, sie einfach zu töten. Sie liebte die Art und Weise, wie sich der grüne Lichtstrahl aus der Zauberstabspitze löste und gnadenlos auf ihr Opfer zuraste. Selbst wenn sie es gewollt hätte, sie hätte den Fluch niemals zurücknehmen können, nachdem er ihre Lippen verlassen hatte. Zwei Wörter, zwölf Buchstaben, ein Atemhauch. Avada Kedavra. Diese unbändige Wildheit der Magie gefiel ihr. Sie tat Unverzeihliches. Wen kümmerte es, wenn da niemand mehr war, der sie anklagen konnte? Ein leises Schuldbewusstsein stellte sich immer ein, wenn sie jemanden tötete und manchmal schmerzte es sie, die Tränen zu sehen, die die Wangen herabrannen. Dies änderte sich jedoch, denn das schreckliche Gefühl der Routine und des Alltags nahm sie gefangen. Ein Gefühl, das sie über die Maßen hasste. Es sollte anders sein, ihr Leben. Es sollte immer anders sein. Ihr wurde bewusst: So viele tote Muggel, so viele tote Schlammblüter und keinen einzigen hatte sie besser kennen gelernt. Bellatrix begann, Späße in Anwesenheit ihrer Opfer zu machen und auch dem bei der Arbeit sonst schweigsamen Rodolphus schien es zu gefallen, den Verrätern und Schwächlingen mit weniger Wut entgegen zu treten. Die künstliche Freundlichkeit und Ansprache der Opfer bereitete dem Höllenpaar echte Freude. Ein Schlammblut fasste es irgendwann in Worte. Etwas, das Bellatrix immer gewusst, aber nie greifbar aussprechen hatte können. Sie waren gerade in Hogsmeade aufgekreuzt, hatten eines der Wohnhäuser betreten und es zunächst verwüstet, ausgeraubt und schließlich in Flammen gesetzt. Als sie sich schließlich den Blutsverrätern, es waren die Bones, zuwandte, keuchte der Familienvater atemlos: "Es ist die Frau. Hoffe nicht auf einen schnellen Tod, Liebes. Das Weib ist gnadenlos sadistisch ." Obwohl Bellatrix nicht wusste, woher er den Mut oder die Erkenntnis zu dieser Aussage nahm, musste sie sich eingestehen, dass er Recht und sie kein Problem damit hatte. "Nun, dann werden wir Ihre Hypothese nun verifizieren!", zischte Bellatrix gestelzt und schenkte der kleinen Gruppe ein falsches Lächeln. Ja, sie war sadistisch. Sie hatte Freude daran, ihre Opfer zu foltern, ehe sie sie tötete. Dazu nutzte sie vor allem den Cruciatus-Fluch, da ihr nichts mehr Genuss bereitete als Menschen, die ihr zu Füßen lagen und das empfanden, was sie wollte. Aber auch psychische Gewalt war ein Mittel, um sie bewusst werden zu lassen, als wie minderwertig Bellatrix sie befand. In den Jahren dieses Krieges mauserte sich die Todesserin zu einer Meisterin der Legilimentik. Viele Menschen, vor allem nun mal Muggel, hatten einen solch schwachen Geist, dass es für sie ein Leichtes war, in ihr Bewusstsein einzufallen und es zu lesen, die hässlichsten Erinnerungen und Gefühle hervorzukramen und zu manifestieren. Andere leisteten mehr Widerstand, so dass sie ihre Mauer Stück für Stück einreißen musste, was Stunden, aber auch Tage dauern konnte. Aber Bellatrix war hartnäckig, unnachgiebig und eben gnadenlos. Manchmal wurde sie im Duell selbst verletzt, doch das kam eher selten vor. Sie leistete hervorragende Arbeit, war wendig und geübt. Kaum einer hatte eine Chance gegen sie. Brenzlig wurde es nur, wenn sie auf Auroren oder Mitglieder des Orden des Phönix, den Dumbledore, dieser Schwachkopf, ins Leben gerufen hatte, traf. Allerdings bedeuteten diese Treffen auch immer wieder eine Herausforderung und Bellatrix liebte Herausforderungen. Sie zögerte nie, eine anzunehmen.
Doch die groben Plündereien, Überfälle, Folterungen und Morde waren nicht alles. Auch sehr viel Feingefühl war nötig in einem Krieg der Zauberer. Der Dunkle Lord bemühte sich, das Ministerium zu infiltrieren und Bellatrix selbst befehligte zwei hochrangige Zauberer mittels des Imperius-Fluches. Top-Secrets gelangten so bis zu dem Dunklen Lord, der auf diese Weise seine nächsten Schachzüge strategisch planen konnte. Obwohl sie sich manchmal wie Holzfäller benahmen und Bellatrix zunehmend bemerkte, dass der Dunkle Lord Schwachköpfe - wenn auch gefährliche Schwachköpfe wie Fenrir Greyback - rekrutierte, steckte doch hinter jeder Tat eine stringente Taktik, die der größte schwarzmagische Zauberer aller Zeiten verfolgte. So schickte er seine Gefolgschaft auch zu den Riesen, um sie für den Krieg auf die Dunkle Seite zu ziehen, als dieser sich in seiner Hochphase befand. Sie waren also eine starke und große Truppe. Von ihrer Familie hörte Bellatrix wenig, Rodolphus füllte das Maß an Familie, das sie brauchte, vollstens aus und nach der Hochzeit ihrer Schwester Narcissa mit Lucius Malfoy brach der Kontakt fast ganz ab. Im Winter 1974, Bellatrix war vor wenigen Tagen 23 Jahre alt geworden, stellte sie fest, dass sie schwanger war. Obwohl sie sich immer vorgestellt hatte, die Blutslinie der Blacks natürlich weiterzuführen, war die Schwangerschaft nicht gerade geplant. Ein Kind passte nicht in ihr Leben und sie war auch nicht gewillt, es Druella und Cygnus zu überlasse oder Rodolphus' Eltern, die zweifelsohne das andere Großelternpaar wären. Sie beschloss, ihrem Ehemann zunächst nichts von dem Kind zu sagen, wollte sie sich doch erst einmal selbst mit dem Gedanken "anfreunden", Mutter zu werden. Mutter. Das Wort klang komisch und negativ in ihren Gedanken. Die Sorge um die ganze Geschichte erübrigte sich jedoch bald. Bellatrix hatte keine Rücksicht genommen, stellte sich noch immer gerne in die vorderste Front und nur wenige Wochen nach der Entdeckung traf sie der Schockfluch eines Ordensmitgliedes in den Bauch. Das war das einzige Mal, dass es für sie wirklich gefährlich wurde, doch Rodolphus erwies sich als zuverlässig und brachte sie in Sicherheit. Ihr war furchtbar übel in den nächsten Tagen. Bellatrix erlitt eine Fehlgeburt. Es überkam sie eine Mischung aus Wut und Erleichterung - vergessen konnte sie das Ganze nie, denn die Geschichte lieferte einen weiteren Grund, gegen Ordensmitglieder, Auroren und alle anderen Widerständler zu kämpfen. Erst 1978 traf sie wieder auf ihre Mutter, die sich bemühte, ein normales Leben zu führen - so gut es in diesen Tagen eben ging. Sie fremdelte, als sie Bellatrix im Tropfenden Kessel sah. Ihr Blick huschte über die Gestalt ihrer Tochter und Druella stellte fest, wie sehr sie sich verändert hatte. Glücklicherweise erinnerte sich nicht an das, was Bella ihr vor Jahren angetan hatte, dennoch befiel sie ein komisches Gefühl, wann immer sie an sie dachte oder eben jetzt, wenn sie sie sah. Bellatrix war nun 26 Jahre alt und Druella kam nicht umhin, ihr Aussehen zu bewundern. Die großen dunklen Augen und Locken, die blasse Alabasterhaut, die schlanke Silhouette, die sie von ihrer Mutter geerbt hatte. Sie war wunderschön. Aber der Zug um ihren Mund war nicht gefühlskalt, er war grausam. "Du hast Spaß am töten.", sagte sie zu ihrer ältesten Tochter, die sich so verändert hatte und bewirkte, dass Bella ein Schauer über den Rücken lief. "Kämpfst du noch für deine Ideale oder nur noch um des Tötens willen?" - "Leben und Tod sind ein einziger Kreislauf, Mutter.", hatte Bellatrix schlagfertig, aber gereizt geantwortet. "Es macht mir Freude, Widernatürliches in den Tod zu schicken. Es ist eine Art Katharsis. Wenn sich meine Ideale geändert hätten, würde es keinen Spaß mehr machen."
Schließlich aber mussten der Dunkle Lord und seine Todesser feststellen, dass Ideale, Spaß und Können alleine nicht reichten. Die Riesen fielen und mit ihnen wendete sich das Blatt. In jeder Woche hatten sie Verluste zu beklagen. Immer wieder sah Bellatrix grotesk zugerichtete, verrenkt daliegende Leichen von Todessern. Bekannte. Freunde. Manchmal sogar Verwandte. "Sie sind nicht besser als wir.", sagte sie jeden Tag zu Rodolphus. "Letztlich kämpfen sie mit den gleichen Waffen - und sehen nicht, dass sie Ihresgleichen, natürliche Zauberer und Hexen, umbringen." Als sie dies sagte, entging Bellatrix, dass die gegnerische Seite fast das Gleiche hätte sagen können. Schließlich aber wurde dem Dunklen Lord die bedrohlichste aller Nachrichten während des Krieges übermittelt. Severus Snape, ein Todesser, der erst kurze Zeit dem Dunklen Lord diente, hatte Dumbledore im Gespräch mit einer Seherin belauscht, die eine Prophezeiung ausgesprochen hatte. Sie betraf ein Baby, gemeinsamer Sohn zweier Ordensmitglieder, das im Juli 1980 geboren worden war und die Macht hatte, den Dunklen Lord zu besiegen. Zwei Kinder kamen infrage. Longbottoms und Potters Sprössling. Beide im Alter ihres neuen Neffen Draco, der Sohn Narcissas und Lucius, den Bellatrix als Kind nie zu Gesicht bekommen sollte. Am 31. Oktober 1981 schließlich trug sich zu, was sich Bellatrix in ihren kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Der Dunkle Lord fiel. Er tötete Lily Potter, er tötete James Potter und er scheiterte an ihrem Sohn Harry. Bella kann sich bis heute nicht erklären, was der Junge an sich hatte, das den Todesfluch abprallen ließ und reflektierte, doch in dem Moment, in dem sie von seinem Fall erfuhr, war es ihr auch egal. Fakt war: Ihr Meister war verschwunden und Bellatrix' Welt schien zusammenzubrechen. Tagelang empfand sie tiefe, stille Trauer. Sie hatte sich niemals eine Welt ohne den Dunklen Lord vorstellen können. Sie erinnerte sich kaum noch an die Zeit, bevor sie wusste, wer er war. Es war kein Wunder, dass ihre Trauer schnell in Zorn umschlug. Die feiernden Hexen und Zauberer zu sehen, die den "Tod" des gefürchtetsten Magiers aller Zeiten bejubelten und Baby Potter priesen, waren ihr zuwider. Am liebsten hätte sie sich eigenhändig auf die Suche nach dem Jungen gemacht, um ihn kurzerhand - ohne langes Intermezzo - zu töten. Doch der Knilch war sie vom Erdboden verschluckt - fort. Tot war er nicht, so viel war klar. Jemand musste ihn "in Sicherheit" gebracht haben. Dumbledore steckte dahinter. Doch es half nichts, Bellatrix hatte eine dunkle Art von Respekt vor diesem Schwachkopf und suchte stattdessen nach dem von beiden, der mehr bedeutete: Dem Dunklen Lord. Sie reisten nach Osteuropa, suchten nach ihrem Meister in Albanien. Ihr und Rodolphus schlossen sich auch sein Bruder Rabastan und der junge Barty Crouch an. Bellatrix wollte weder rasten noch ruhen, ehe sie ihren Meister gefunden hatte. Der, der ihrem Leben Sinn und Freude geschenkt hatte. Doch die Suche blieb ergebnislos und die Todesser entschlossen sich, eine andere Taktik zu verfolgen.
