Lang, lang ists her und viele haben schon gar nicht mehr an eine Fortsetzung geglaubt. Aber hier ist sie!
Viel Spaß beim Lesen,
Eure Mel
„Wage es ja nicht noch einmal, Hand an meine Frau zu legen!"
Wutentbrannt und mit funkelndem Blick kniete Draco Malfoy auf Ronald Weasleys Brustkorb. Dieser schnappte vergebens nach Luft und versuchte seinen Gegner von sich runter zu bugsieren.
„Lass mich!", japste Ron. „Sie wollte es doch nicht anders!"
Mit voller Wucht schlug Draco ihm die Faust ins Gesicht. Er konnte seine Wut nicht mehr kontrollieren und ächzte und schnaufte und versuchte den aufkeimenden Adrenalinschub zu unterdrücken. Es gelang ihm nicht wirklich und für einen kurzen Moment überkam ihn das Verlangen, einen Unverzeihlichen auf den unter ihm Liegenden abzufeuern.
„Weasley, wie bescheuert bist du eigentlich?"
Energisch stand Draco auf und begab sich zu seiner Frau, die schluchzend und wie paralysiert in der Ecke stand. Ihr Haar war zersaust, ihr Gesicht gerötet, die Augen vom Weinen dick angeschwollen. Hermines unordentliche Kleidung verriet die Tatsache, dass jemand handgreiflich geworden war. Dieser jemand war niemand anderes als ihr bester Freund Ronald Weasley. Verbittert und verständnislos Hermines Entscheidung gegenüber, den Rest ihres Lebens mit niemand anderem als Draco Malfoy zu verbringen.
Draco legte seinen Arm um die total verstörte Hermine und drückte sie leicht an sich. Mechanisch vergrub Hermine ihr Gesicht an Dracos Schulter. Wie betäubt starrte Ron die beiden an und stammelte wirre Worte vor sich her. Die malfoy'schen Ahnen hatten sich bereits alle in ein Gemälde gezwängt, um mit zu bekommen, was ihrem Nachkömmling und seiner zu allem Übel muggelstämmigen Frau widerfahren war.
Hätte die Hauselfe Knut nicht per Zufall mitbekommen, wie seine Herrin von dem komischen Mann in eine Kammer gedrängt wurde, hätte das Unheil wohl seinen Lauf genommen. Im Allgemeinen recht langsam und arbeitsscheu, sind in dieser Situation alle Alarmglocken und Reflexe Knuts ans Tageslicht getreten.
„Du wolltest es nicht...", flüsterte Ron mehr zu sich selbst als zu der eigentlich Angesprochenen.
„Weasley, Hermine und ich sind verheiratet. Wir haben uns ewige Treue geschworen. Abgesehen davon, dass meine Frau mir auch die Treue hält, hätte mit Sicherheit der unbrechbare Schwur seine doch sehr unschönen Konsequenzen mit sich gezogen!"
„Ja", stammelte Ron und rieb sich seine angeschwollene Wange. „Aber ihr liebt euch doch gar nicht wirklich, das sagen alle! Ich dachte – „
„ – denken war noch nie deine Stärke, Weasley. Nicht jeder muss sich gleich in einer Beziehung oder Ehe dämliche Spitznamen verpassen oder sich dem anderen in irgendeiner Art und Weise unterwerfen."
Draco merkte, wie er sich langsam beruhigte. Zwar war er immer noch in Rage und ließ jedes einzelne Wort, das seine Lippen verließ, auf Ron niederschmettern, aber was anderes hatte er ja nun auch nicht verdient. Zumindest konnte er ihm endlich mal richtig die Meinung geigen und da Ron sich hier auf extrem feindlichem Terrain befand, einen sehr großen Fehler begangen hatte und Draco diesen Kerl eh schon längst vor die Tür hatte setzen wollen, waren die Vorraussetzungen einfach zu perfekt. Ungeachtet dessen musste sich Draco eingestehen, dass seine Wut über den Vorfall nicht geheuchelt war. Ihm tat Hermine schon ein bisschen leid, wer will schon von einem Wiesel betatscht werden? Jedenfalls machte sie nicht den Eindruck, als hätte sie von sich aus die Situation heraufbeschworen. Draco fühlte berechtigten Groll in seiner Bauchgegend. Abgesehen davon, dass seine Frau Hermine hieß und muggelstämmig war, sie war SEINE Frau. Und er hatte das alleinige Recht sie anzufassen, zu ärgern, zu küssen und was auch immer. Und ein Ronald Weasley konnte nicht ganz sauber ticken, wenn er die Ehre eines Draco Malfoy und die seiner Frau beschmutzte.
„Ja, wir haben uns gestern Abend gestritten. Weiß ja auch mittlerweile das ganze Haus! Na und? Ich finde mit Hermine kann man sich super streiten, interessante Diskussionen und Wortgefechte führen und schau an, Weasley, schadet das unserer Beziehung? Ich finde, das macht es nur noch interessanter, wenn man auch in schwierigen Situationen seinen Gefühlen freien Lauf lassen kann! Und wenn du Hermine jemals richtig gekannt hättest, dann wüsstest du, wie gerne diese Frau diskutiert und versucht ihre Meinung durchzusetzen."
Draco hätte noch eine stundenlange Laudatio halten können, und wäre gerne noch zu dem Punkt gekommen, an dem er von seiner beschmutzten Ehre erzählen würde und Ronald Weasley von seinen Länderein verweist und Hausverbot erteilt. Überraschender Weise kam dies von seiner bis jetzt stillen Frau, die sich wohl langsam wieder gefangen hatte.
„Ron, ich will dass du unser Haus verlässt."
„Hermine, ich... es tut mir leid!"
Hermine kämpfte jegliche Mitleidsgefühle, die in solchen Situationen immer in ihr aufwallten, nieder und schüttelte den Kopf. Hatte sie ihm nicht deutlich klar gemacht, dass sie seine amourösen Absichten nicht teilte? Der überraschende Kuss im Kräutergarten von ihm und das vorangegangene Geständnis seinerseits verwirrten sie so oder so schon zur Genüge. Zudem war sie hin und her gerissen was ihre aktuellen Gefühle anbelangte. Sie war positiv überrascht von Dracos energischem Einschreiten und gerührt von seinem Gefühlsausbruch. Aber was, wenn das alles nur gespielt war? Damit musste sie natürlich auch rechnen. Falls dem so war, hatte Draco nämlich eine schauspielerische Glanzleistung abgeliefert, die sie solange glauben würde, bis das Gegenteil bewiesen war. Und das Gefühl, das hier mit einherging, gab Hermine die Gewissheit doch keinen so großen Fehler mit dem Deal begangen zu haben.
„Entschuldige bitte Hermine, es tut mir wirklich sehr leid", sagte Ron mit schmerzverzerrtem Blick. Es schien ihm wirklich das Herz zu zerreißen. Langsam stand er auf und ordnete seine Kleidung. An Draco gewandt sagte er: „Es tut mir aufrichtig leid. Ich habe einen Fehler gemacht und hoffe ihr könnt mir irgendwann verzeihen. Du kannst dich sehr glücklich schätzen, dass eine Frau wie Hermine dich liebt und an deiner Seite alt werden will. Aber ich muss das erst noch für mich so akzeptieren. Dazu sind die ganzen Dinge, die du unter dem Imperius deines Vaters gesagt und getan hast, für mich noch zu präsent, als dass ich das alles so vergessen könnte."
Dracos Augenbraue zuckte leicht bei Rons letztem Satz und er stieß einen tiefen Seufzer aus.
„Weise Worte, Weasley. Wir werden nie die besten Freunde sein, und nach dieser Aktion hier erst recht nicht, aber wenn meine Frau dich weiterhin als Freund haben möchte, dann akzeptiere ich das. Schließlich hab ich ja auch zugestimmt, dass deine ganze Sippschaft hier bei uns über die Feiertage residieren darf und glaub mir, das wäre mir alleine im Traum nicht eingefallen!"
Draco stutzte leicht und blickte zu Hermine herab, die sich bei ihm eingehakt hatte und mit glänzenden Augen zu ihm aufschaute.
„Anscheinend stehe ich jetzt unter deinem Imperius, siehst was das für böse Konsequenzen für dich hat?"
Rons Mundwinkel zuckten leicht. Dieser Witz ging eindeutig auf seine Kosten, aber er hatte es sich selbst zu zuschreiben.
„Ronald Bilius Weasley, was muss ich hören?! Was für eine Schande! Wie konntest du nur?"
Mrs. Weasley kam wie eine Rakete um die Ecke geschossen. Dicht hinter ihr folgten Arthur, Ginny, Fred und George, sowie Jeanis Malfoy und Hermines Eltern. In den Gemälden purzelten aufgeregt quasselnde Ahnen durcheinander, die die Familienmitglieder aus sämtlichen Ecken des Schlosses zusammengetrommelt hatten. Jeder wollte es natürlich besser wissen.
„Ihr lebt ja noch?" fragte Ginny mit hochgezogener Augenbraue und erntete fragende Blicke von Draco, Hermine und Ron.
„Sieht ganz so aus, Weasley, du bist wahrhaftig ein intelligentes Mädchen. Drei lebende Menschen, und du hast es erkannt!" spottete Draco und Ginny streckte ihm die Zunge heraus.
Mrs. Weasley griff sich theatralisch ans Herz und folgte Carol Granger zu Hermine. Hermine wurde in ihre mütterlichen Arme gedrückt und hörte, wie die beiden Frauen durcheinander auf sie einredeten, wie froh sie wären, dass ihr kein Haar gekrümmt wurde.
„Was wurden euch eigentlich für Horrormärchen erzählt?" fragte sie vorsichtig.
„Blut", schoss es aus Fred hervor.
„Vergewaltigung", folgte es von George.
„Mord", schloss Jeanis mit dunkler Stimme und funkelte Ron mit bösem Blick an.
„Und was hat unser Sohn nun wirklich verbrochen?" fragte Arthur Weasley vorsichtig.
Sensationslustig schaute die Gruppe auf die drei. In den Gemälden drängelte und ruckelte ebenfalls ein Ahne den anderen weg, um ja nichts zu verpassen. Hermine kam sich gerade vor wie bei einer Pressekonferenz, es fehlte nur das Blitzlichtgewitter.
„Ich habe Mist gebaut und es tut mir wahnsinnig leid" sagte Ron und man sah ihm an, dass er allen Mut zusammen sammelte den aufbringen konnte. „Ich habe noch nicht wirklich verstanden, dass Hermine und ich nicht mehr als Freunde sein können. Verstehen, dass Malfoy der Mann an ihrer Seite ist... das kann ich im Moment auch nicht... ich werde erst einmal in den Fuchsbau zurückkehren und mich mal zur Besinnung rufen."
Alle Augenpaare klebten an Rons Lippen, als er sein Bekenntnis von sich gab. Mrs. Weasley schüttelte fassungslos den Kopf und vergrub ihr Gesicht in den Händen. Am liebsten würde sie auf der Stelle im Erdboden versinken, so sehr schämte sie sich gerade für ihren Jüngsten.
„Hermine, ich hoffe wir können trotz allem noch irgendwie Freunde bleiben..."
Er schaute sie mit flehendem Blick an. Hermine zog den Mantel enger um sich und schaute Ron traurig an.
„Das hoffe ich auch", antwortete Hermine und griff nach Dracos Hand.
„Schließ sofort die Tür wieder auf Ronald Weasley, du bist nicht bei Sinnen!", befahl Hermine mit einem leichten Zittern in ihrer Stimme. Das war doch nicht mehr ihr Freund Ronald Weasley?
„Den Teufel werd ich tun Hermine! Einmal in meinem Leben will ich eine Chance nicht ungenutzt lassen."
Er griff mit einer Schnelligkeit nach ihr, der sich Hermine nicht entziehen konnte. Wieder krallte er seine Finger in ihr Haar und hielt ihren Kopf fest, während er ihr einen schmerzhaften Kuss auf ihre Lippen drückte. Hermine schluchzte auf und wehrte sich mit aller Kraft gegen Ron, der ihr nur die Arme auf dem Rücken verdrehte und mit seiner freien Hand eine Wanderung unter ihre Kleidung vornahm.
„Lass mich los!" brüllte Hermine und versuchte nach ihm zu treten.
„Sei still und stell dich nicht so an, du wolltest es doch sonst auch immer!" fauchte Ron sie wütend an. „Und jetzt, endlich, endlich, gehen alle deine Träume in Erfüllung!"
„Du gehörst ins St. Mungo, du Irrer! Lass mich los!" schrie sie Ron an und wand sich in seinem festen Griff.
Die aufkeimenden Lustgefühle ob seines Kusses von vorhin waren Furcht und Angst gewichen. Wie hatte sie nur für einen kurzen Moment so etwas wie Verlangen spüren können? Sie hatte doch schon seit so langer Zeit nur noch freundschaftliche Gefühle für Ron gehegt. Verwirrung machte sich zusätzlich noch in ihrem Gefühlschaos breit. Ein Kuss, ein einfacher Kuss. Natürlich ist es schön geküsst zu werden. Doch hatte sie nicht die ganze Zeit über nur Draco im Hinterkopf gehabt? Ihren Ehemann? Den sie eigentlich gar nicht liebte? Der, der sie heute Nacht unter dem Mistelzweig geküsst hatte? Flüchtig, aber doch voller Zärtlichkeit?
Hermine wurde wahnsinnig unter Rons fordernden Berührungen und weinte leise vor sich hin. Wie konnte so etwas passieren und wie konnte sie so kraftlos sein? Verkrampft verharrte sie in ihrer Position und spürte Rons heißen Atem an ihrer Wange. Übelkeit stieg in ihr auf und sie hörte sich selbst wie aus einer anderen Welt um Hilfe rufen. Rons Hand legte sich auf ihren Mund und erstickte ihren Hilferuf. Sie schloss die Augen und resignierte.
Das Frühstück wurde bereits ohne Ron eingenommen. Eine lastende Stille schwebte über ihren Köpfen und man hörte nur die leisen Geräusche, die die Hauselfen mit dem Geschirr machten. Molly Weasley fühlte sich sichtlich unwohl nach dieser Situation mit Draco und Hermine an einem Tisch sitzen zu müssen. Die beiden schwiegen ebenfalls und tauschten ab und an ein paar Blicke miteinander.
„Also, dass muss man mir jetzt noch mal erklären", brach Jeanis die unheimliche Stille. Sie hatte nun definitiv genug von dieser dämlichen Schweigerei.
„ Du warst mal mit diesem Ron liiert, Hermine, und du konntest ihn noch nie leiden, Draco?"
„Hier geht's um Gefühle, das verstehst du nicht, Jeanis", fauchte Draco seine Cousine an, die nur genervt ihre Augen verdrehte.
„Wieso, ich hatte auch schon Freunde und war verliebt", entgegnete sie achselzuckend.
„Ja, aber die jetzige Situation ist eine vollkommen verquere Geschichte!"
„George, bitte schnell und stichpunktartig den Sachverhalt", kommandierte Jeanis mit todernstem Blick den unter ihren Worten zusammenzuckenden George Weasley.
„Ron-Harry-Hermine-Schulfreunde-Ron von Anfang an in Hermine verliebt-kleiner Feigling-Draco-dein Cousin-Hermines Mann-während der Schule erklärter Feind von Harry und somit auch von Hermine und Ron- Ron und Draco Hass- Drama- Hermine hat Feind geheiratet."
George schnappte nach Luft und schaute mit gerötetem Kopf in die Runde.
„Danke George", schmunzelte Jeanis und zwinkerte ihm zu. Georges Kopf wurde noch um eine Nuance röter.
„Wenn ihr euch nicht leiden könnt, warum hast du ihn denn dann hier her eingeladen?", fragte Jeanis Draco und richtete sich augenblicklich noch an Molly Weasley: „Nichts für ungut, aber das musste ich jetzt einfach fragen."
Mrs. Weasley seufzte nur und schaute Draco mit gerunzelter Stirn genauso erwartungsvoll an, wie die anderen. Draco hingegen fixierte Jeanis mit seinem Blick wie eine Katze ihr Mäuseopfer.
„Da ich gerne ehrlich sein möchte, bitte ich gleich vorweg bei unseren Weasley-Gästen um Verzeihung", räusperte Draco sich. Er schaute die Weasleys mit gemischten Gefühlen an. Merlin, wie abstoßend er diese Familie doch eigentlich fand. Und dann noch das Sahnehäubchen von Ron heute früh, er riss sich mal wieder am Riemen.
„Meine liebe Frau hat mir gegenüber den Wunsch geäußert im Kreise ihrer Familie und Freunde das Weihnachtsfest zu feiern. Diesem Wunsch bin ich einfach nur nachgekommen."
An die Weasleys gerichtet meinte er noch leicht trotzig: „Jedenfalls habe ich mir nichts zu schulden kommen lassen!"
„Ja, du hast Recht!"
Fred sprang von seinem Platz auf und schlug mit der Faust auf den Tisch, so dass die Teller klapperten.
„Draco, hör zu, ich will auch ehrlich sein und ich denke, ich spreche im Namen aller hier anwesenden Weasleys, wenn ich dir sage, dass auch wir zunächst nicht einzuordnen wussten, wie wir mit dieser neuen Situation umzugehen haben."
Raunen und zustimmendes Nicken aus der Weasley-Ecke. Ginny schaute Draco prüfend mit zusammen gekniffenen Augen an. Sie ließ sich allerdings nichts von ihrem Insiderwissen anmerken.
Hermines Eltern schienen förmlich die Luft anzuhalten. Eine Debatte unter Zauberern hatten sie bisher noch nicht wirklich mitverfolgt. Ob außer Worten auch noch Zauber fliegen würden?
„Wir alle schämen uns für das, was hier geschehen ist", fuhr Fred fort, „ aber niemand konnte auch nur ansatzweise ahnen, dass so etwas passieren könnte. Ron und Hermine waren die besten Freunde, und ja, Ron hatte immer ein paar Gefühle mehr für Hermine übrig, aber wie gesagt... mehr als uns entschuldigen können wir auch nicht."
„Ron ist fort", nahm George nun das Wort auf, „ und er hat es sich ja auch selbst zuzuschreiben. Und unser aller Zweifel betreffend eurer spontanen Eheschließung, waren ja nun auch berechtigt."
„Betonung liegt auf WAREN!" ereiferte sich Fred nun weiter. „Unser kleiner Bruder hat glaub ich durch seine Aktion uns allen heute das Gegenteil von dem beweisen können, was wir alle irgendwie erwartet hatten."
„Und was hattet ihr erwartet?" fragte Draco sichtlich angespannt.
„Gute Frage!"
Fred ließ sich zurück in seinen Sitz plumpsen und schaute seine Familie fragend an. Für einen Moment herrschte wieder Stille über dem Frühstückstisch und man hätte die berühmte Nadel im Heuhaufen fallen hören, natürlich bevor sie vom Heu bedeckt wurde.
„Lasst mich raten", meldete sich schließlich Hermine zu Wort, „ihr hättet euch nie im Leben vorstellen können, mich mit Draco Malfoy verheiratet zu sehen. Und ihr hattet geglaubt, ich würde gefoltert werden, drangsaliert werden, unterdrückt werden und zu allem was ich mache und tue gezwungen werden."
„Ja!" kam es synchron von den Weasleys und es war ein verhaltenes Kichern zu vernehmen.
„Meine Tochter scheint nicht unglücklich zu sein, und das ist mir das wichtigste Argument!" ereiferte sich Carol Granger und schaute ihre Tochter liebevoll an.
„Und ihre Ehre verteidigt hat er ja nun, das steht außer Frage!" fügte Patrick hinzu.
„Die Ehre, die mein Sohn beinahe beschmutzt hätte!" schluchzte Mrs Weasley schließlich auf, und ließ ihren Gefühlen zum ersten Mal nach dieser Situation ihren Lauf. Sie schüttelte sich vor Tränen und schniefte was das Zeug hielt.
„Draco, es tut mir sehr leid. Wir haben dir alle Unrecht getan. Natürlich lässt sich die Vergangenheit nicht ändern, aber ich will ja auch nur das Beste für unsere Hermine, dass sie geliebt wird und ein schönes zu hause hat", brachte Molly Weasley schluchzend hervor. „Und ich bin jetzt sehr beruhigt zu sehen, dass sie es wirklich gut bei dir hat!"
Draco hob fragend eine Augenbraue und schaute Molly Weasley belustigt an.
„Und dass du sie nicht folterst und schlägst", fuhr sie leise fort. „Sondern meinen ungezogenen Sohn..."
„So und jetzt reicht mir ehrlich gesagt dieses Thema", unterbrach Draco Molly Weasley. „Wir wollen doch alle noch ein paar ruhige Feiertage miteinander erleben. Da reicht es doch eigentlich, wenn Hermine und ich uns zwischenzeitig mal ein bisschen ärgern, oder?"
Man merkte förmlich wie mit Dracos letzten Worten von allen die Last genommen wurde, sich in irgendeiner Art und Weise verkrampft zu verhalten. Hermine knuffte Draco erleichtert in die Seite und Ginny nickte ihnen anerkennend zu. Spürbar entspannten sich die Weasleys und Hermines Eltern saßen händchenhaltend und mit Stolz geschwellter Brust am Tisch. Was hatte ihre Tochter doch für einen vorbildlichen Mann geheiratet! Und ein Streit hier oder da, das tut der Beziehung nur gut.
Beim späteren Spaziergang raunte Ginny den beiden mit sarkastischem Unterton zu: „Wenn ihr so weiter macht, müsst ihr aufpassen, dass ihr euch nicht noch wirklich in einander verliebt!"
„Das ist das erste Mal heute, dass wir alleine sind."
Hermine setzte sich neben Draco auf die Couch in seinem – hoppla – ihrem gemeinsamen Schlafgemach. Er blickte kurz von seiner Lektüre auf und schaute sie entnervt an. Sie kam gerade aus der Dusche und hatte sich in ihren Bademantel gehüllt. Mit einem Handtuch rubbelte sie sich durch die nassen Haare, die in strähnigen Locken wie Spiralnudeln von ihrem Kopf hingen. Draco musste schmunzeln und legte sein Buch beiseite.
„Wie Recht du hast. Und ich hätte mir auch niemals vorstellen können, dass ich es entspannt finden könnte, mit dir alleine zu sein!"
„Und ich hätte mir niemals vorstellen können, dass du das tun würdest, was du heute für mich getan hast", flüsterte Hermine und Draco fand, dass ihre Augen während sie das sagte ganz unheimlich glänzten. „Danke."
„Hermine, das ist eine Ehrensache und das weißt du auch. Tut mir leid, dass ich dich auf den Boden der Tatsachen zurückholen muss, aber das hab ich nicht getan, weil ich dich auf einmal mehr leiden mag als vorher. Du bist meine Frau und somit gehörst du mir. Ich kann mit dir streiten wann ich will und ich könnte dich auch anfassen, wenn ich wollte. Das ist mein Recht, und nicht das eines anderen."
„Ich hätte es trotzdem nicht von dir erwartet!"
„Hör zu, für meine Familie würde ich alles tun, und du gehörst ja unerhörter Weise jetzt dazu. Ich hätte das Gleiche auch für Ginny Weasley getan, wenn ich mit ihr verheiratet wäre, was ich Merlin sei Dank nicht bin. Also bitte hör auf da jetzt irgendwelche Dinge herein zu interpretieren."
Hermine starrte schweigend zu Boden. Natürlich war es das was sie erwartet hatte. Draco hatte nur weiterhin seine Rolle gespielt. Insgeheim hatte sie allerdings gehofft, anderes von ihm zu hören. Aber hätte er sie nicht auch sich ihrem Schicksal überlassen können? Den Tod durch den unbrechbaren Schwur? Dann wäre er sie und den Deal doch auf der Stelle los gewesen?
„Ich weiß nicht, Draco. Wenn du nicht eifersüchtig oder sonst was gewesen wärst, warum hättest du mich dann nicht den Treubruch begehen lassen? Dann wärst du mich aufgrund des unbrechbaren Schwurs jetzt los."
„Eben nicht", meinte Draco grübelnd und schaute Hermine forschend an. „Das ist es ja, was mir die ganze Zeit schon so beängstigend durch den Kopf geistert."
„Wie meinst du das?"
„Du wolltest mir nicht die Treue brechen, also hätte dich der Fluch selbst bei einer Vergewaltigung nicht getroffen."
„Und?"
„Verstehst du nicht? Dein bester Freund hätte alles mit dir machen können. Dass du es nicht wolltest, weil er dein Freund ist, ist die eine Sache. Die andere Sache aber ist die, dass du nun mal auch nur eine Frau bist und dementsprechend auch Gefühle hast, die erwidert werden wollen, oder? Da du weißt, dass ich nicht wirklich bereit bin, dir entsprechende Gefühle entgegen zu bringen, bin ich zumindest auch sehr überrascht, dass du nicht einen einzigen Gedanken an Untreue verschwendet hast."
„Ja, und wo genau liegt jetzt dein Problem?" fragte Hermine gereizt. Worauf lief das Ganze hier eigentlich hinaus? „Natürlich will ich dir nicht untreu werden, ich hab doch auch gar keinen Grund dazu?!"
„Klar hättest du! Oder hast du ein Sexualleben von dem ich nichts weiß und das vom unbrechbaren Schwur nicht bemerkt wird?!?"
Fassungslos schaute Draco sie an. War er hier der einzige, den langsam Entzugserscheinungen plagten?
„Willst du mir jetzt damit sagen, dass du daran gedacht hast, irgendwie den Treueschwur zu umgehen? Das ist nicht dein Ernst."
„Und willst du mir jetzt sagen, dass du total abstinent weiterleben kannst?"
„Klar kann ICH das", schoss es wütend aus Hermine hervor. „Und wenn du es nicht kannst, ist das mein Problem?"
Was bildete sich dieser Fatzke eigentlich ein? Dass sie zusammen mit ihm eine Lösung dafür suchte, den Fluch zu umgehen, nur damit er frei umhervögeln konnte? Wütend schmiss sie ihr Handtuch auf den Beistelltisch und stapfte Richtung Bett. Grummelnd schlüpfte sie unter die Decke und zog sie sich bis über den Kopf. Draco stieg auf der anderen Seite des Bettes unter die Decke und zog sie von Hermines Kopf herunter. Zähneknirschend schaute sie ihren Ehemann an, der sie süffisant anlächelte.
„Glaub mir, mein Schatz, du wirst es nicht können!"
Weiter geht es wohl im Dezember, da ich noch in Urlaub fahre und mich auf diverse Klausuren vorbereiten muss.
Vielleicht klappt es ja auch schon eher, wer weiß?
Review bitte, damit ich weiter so motiviert schreibe!!
